So Leutz – hier bin ich wieder! Hat zwar gedauert, aber es gibt mich noch. Auch wenn ich lange verschollen war (es ist mir einiges dazwischen gekommen), geht es trotzdem fleißig weiter. Ich hoffe, ihr verzeiht mir meine Unart, euch ständig so lange warten lasse. Noch mal ganz, ganz doll um Verzeihung bettel!
Ich bin auch dem Wunsch einiger Leser nachgekommen, und habe Harry etwas Ruhe gegönnt. Ich will doch stark hoffen, dass es euch trotzdem gefällt!
Da ich auch jetzt wenig Zeit habe, möchte ich mich nur kurz für all die lieben Reviews bedanken (ich kann es gar nicht oft und laut genug sagen – ihr habt mich richtig zum… oh je, was schreibe ich nur… zum weinen gebracht… nein, nicht ganz, aber ich musste kräftig schlucken): tini-chan, Obelix72, pupp, R.E.M.us, Joanna, Jen1307, silvertrust, DKub, Harry Black Potter, jdsmile, Kurai91, Sandy123, Josephine-19, kathleen Potter, canim, HarryHermine, Korksie, Ananym, HexeLea, HarryRiddle1984, Hermine Potter, Rudi, TheDarkOne, nichts, RedShanks, name0012, Herm, Schokki, kaddylein, Sorayablue (ich liebe deine FFs – lese sie schon zum x-ten Mal), alyssa03, krissi, ShadeFleece, hellenna, mich-sky, elbenstein, Fan, Quietschielein. So, wenn ich jemanden vergessen habe, tut es mir unendlich Leid! Sagt es mir, und das nächste Mal bekommt ihr ein extra großes Dankeschön.
tini-chan:
Danke für dein Lob! Wie viele? Lass mal überlegen! Harry…,
und Ron wird… Ach ja, dann oh je, das kann ich dir gar nicht
erzählen… du bringst mich bestimmt um!
Jedenfalls werden
sie anschließend… :-), aber es bringt alles nichts, Voldemort
wird… Na, habe ich deine Neugier wenigstens etwas stillen können?
Aso, es werden noch ungefähr fünf bis sechs Kapitel.
Er
ist Wahnsinn? Ich dachte ich wäre es… Ob ER es Hermine bald
sagen wird, siehst du wenn das Licht angeht!
Weiter geht es –
danke für deine Geduld!
Obelix72:
Das mit dem Club haben wir zu Genüge diskutiert! ;-) Dass
sie überlebt haben, finde ich auch gut! Ich habe schon das
Schlimmste befürchtet, aber zum Glück ist noch mal alles
gut gegangen. Aber was sagst du da? Du müsstest mich besser
kennen! Ich könnte gut eine FF voll bekommen, ohne unseren
Helden und seine Schnitte (Sorry, das gehört hier nicht hin!
Verzeih mir!)… seine Verlobte auch nur einmal zu erwähnen.
Im Austausch mit den Ausrufezeichen bekommst du aber eine Tüte
Kommas - einverstanden? Nicht nur das Grab ist noch ausbaufähig
- noch viel, viel mehr. Und auch Hermines Eltern werden noch öfters
erscheinen. Ach
ja, ich hoffe, das Kap. trifft deinen Geschmack – Harry hat seine
verdiente Ruhe bekommen. Nur hoffentlich nutzt er sie auch, denn so
schnell… ;-)
Und
danke noch mal für deine lieben Worte!
pupp: Danke dir! Ich wünsche mir nur, dass sich auch diesmal das Warten gelohnt hat, obwohl es (meiner Meinung nach jedenfalls) nicht ganz so spannend ist wie sonst.
R.E.M.us:
oh je, noch so ein langes Review! Aber DANKE!
Harry
und Hermine werden noch Zeit für einander haben, aber nicht so,
wie du jetzt vielleich denkst. ;-) Mit der Grabstätte habe ich
noch einiges vor – wird vergrößert. SORRY! Aber auch
Hermines Eltern werden nicht vernachlässig – versprochen.
Hermine braucht doch jemanden, der sie tröstet. So, heute sind
die Antworten etwas kürzer – meine Zeit ist mal wieder etwas
knapp.
Ach
so, bevor ich es vergesse: Dass du für Kap. 21 kein Rev. abgeben
konntest, hat einen ganz bestimmten Grund. ;-) Ich bin sicher, du
kommst drauf, wenn nicht, klopf einfach an und ich sage es dir!
Joanna:
Ich hoffe doch, dass du es jetzt gelesen hast, denn hier kommt
ENDLICH Kapitel 22.
Ja,
ich versuche…QUATSCH, das brauche ich nicht versuchen, ich kann
mich einfach nicht kurz fassen – doofe Angewohnheit von mir, die
sich schlecht wieder ablegen lässt. Aber na ja… Nicht schlimm,
dann machst es halt dieses Mal! wehe nicht
Jen1307:
NA du! Wie geht's?
Verstehen?
Ich kann das nicht verstehen! Weißt du wie ich mich gefühlt
habe heul Ich war richtig traurig! Jawohl, traurig.
mitdemkopfnick sadistische Arterie? Du wirst schon sehen, was du
davon hast! Jeder möchte, dass ich Harry etwas Ruhe gönne,
hier hat er sie!
HÄHÄ!
Das mit dem NEIN-schreien möchte ich aber deutlich hören:-) Ich warte sehnsüchtig darauf. Der große Knall rückt
immer näher.
Eh,
danke für die vielen tollen Worte – ich kann es kaum fassen!
Und… hat es dir etwa nicht geholfen? Habe ich dir etwas nicht die
Softversion geschickt?
Ich
hoffe wirklich, dass dich das nächste Kap. wieder so begeistert
und ich wieder so ein doch recht kurzes und überschaubares
Review bekomme.
Die
zwei werden etwas Ruhe bekommen – Harry jetzt und Hermine…
DANKE
noch mal!
silvertrust:
Du hast Recht, da stimme ich dir voll und ganz zu! Mein
reden!
Aber
warte ab, er wird vielleicht noch einsichtig. Oder doch nicht? Hmmm,
wie war das noch mal?
DKub:
Danke, danke! Bin überwältigt.
Na,
ob ich die Spannung wirklich immer halten kann, ist abzuwarten –
ich hoffe doch.
Harry Black Potter: DANKE, DANKE, DANKE! Danke für diesen einmaligen Satz – habe mich riesig gefreut! Mal sehen, ob Harry überhaupt leben will.
jdsmile: Harry versucht die Visionen zu verhindern, aber indem er es versucht, verändert sich nur alles. Ja, es war seine Vision! Hermine z.B. hat er gerettet, aber seinen Tod hat er nur rausgezögert. Reicht die Erklärung?
Wie
auch sonst:
Die Story ist auf den 5 HP-Büchern aufgebaut.
Alle Figuren, die ihr aus den Büchern von J.K.Rowling kennt,
gehören ihr. Das, was ihr nicht aus ihren Büchern kennt,
ist zum größten Teil auf meinem Mist gewachsen. Ich
verdiene mit dieser Geschichte keinen einzigen Cent und möchte
mit dieser auch niemanden zu nahe treten. Eine kleine Entschuldigung
an dieser Stelle für alles, was ich den Figuren des
HP-Universums angetan habe und noch antun werde!
Also, alles
gehört ihr und mir nix.
Kapitel 22 Ruhe sanft!
Harry
lag regungslos am Boden und unaufhaltsam floss das Blut aus seiner
Narbe über sein Gesicht. Remus, der neben Harry hockte, hielt
dessen schlaffen Oberkörper im Arm.
„Harry, halt durch,
mach jetzt ja nicht schlapp!" Er versuchte dessen Puls zu ertasten.
Mit weiten geschockten Augen sah er auf. Charlie stürmte auf
beide zu und versuchte ebenfalls Harrys Puls zu finden. Erleichtert
atmete er nach wenigen Minuten auf, die Hermine und den anderen wie
qualvolle Stunden vorkamen.
Harrys
Puls war flach und raste. Auch seine Atmung war zu schnell, doch sah
man kaum, dass sich sein Brustkorb bewegte. „Mach ja keine
Dummheiten, Harry! Bleib bei uns!", warnte Charlie den bewusstlosen
jungen Mann vor sich.
Harrys Haare waren mittlerweile von seinem
Blut verklebt. Immer blasser wurde er, und von Fawkes war nichts mehr
zu sehen oder zu hören.
Hermine war nicht in der Lage auch
nur einen Ton von sich zu geben. Wacklig stand sie auf und humpelte
einige Schritte mit ihrem verletzten Bein in Harrys Richtung. Mit
leerem Blick ließ sie sich neben Harry sinken. Die Schmerzen,
die von ihrem Fuß ausgingen, ignorierte sie nun völlig.
Apathisch sah sie Harry an und stumme Tränen liefen an ihren
immer blasser werdenden Wangen hinunter, um vom Stoff ihres Rockes
aufgefangen zu werden. Selbst der Wind schien die immer größer
werdende Trauer zu spüren.
Einen Augenblick später
führte sie zögerlich, aus Angst ihm noch mehr Schmerzen
zuzufügen, ihre Hand an seine Stirn. Sein warmes Blut wollte
selbst unter ihrer lindernden Hand nicht zum Stehen kommen. Immer
fahriger und aufgeregter wurde sie dadurch. Krampfhaft versuchte sie
die Blutung zu stillen, doch ohne Erfolg.
Tonks
zog die zitternde Hermine von Harry weg und schloss sie beruhigend in
ihre Arme.
„Ganz ruhig, Hermine! Er lebt, du wirst ihn bald
wieder haben." Tonks wollte sicherlich aufbauend klingen, jedoch
schlug dieser Versuch dermaßen fehl. Zittrig und viel zu hell
klang ihre Stimme – niemand hätte je geglaubt, dass die
Aurorin ihre Worte ernst meinen könnte.
Hermine befreite sich
aus den Armen der jungen Aurorin und kniete schluchzend auf der
kalten Friedhofserde. Kopfschüttelnd betrachtete sie ihre
blutverschmierten Hände.
Plötzlich waren ihre Tränen
allesamt getrocknet. Nichts war mehr zu sehen, außer leicht
geröteten Augen – als hätte sie nie geweint.
Wie von
Sinnen wischte sie mit ihren Händen an ihrem Rock entlang und
versuchte sie von Harrys Blut zu befreien. „Bleib ruhig, Hermine,
bitte! Es wird alles gut, du musst nur fest daran glauben!" Remus
war zu ihr gegangen und redete mit Engelszungen auf sie ein, aber
jedes Wort schien einfach so ungehört von ihr abzuprallen… als
wäre sie immer noch von Harrys Schutzschild umgeben.
Harrys
Blut klebte wie Teer an Hermines Händen. Immer hektischer wurden
ihre Bewegungen. Resignierend schüttelte Tonks ihren Kopf und
sprach einen Schlafzauber über sie. Nur führte dieser nicht
zum gewünschten Erfolg. Verwundert sah sie Remus an.
Dieser
probierte anschließend einen weitern Schlafzauber an Hermine
aus, welcher ebenfalls versagte. „Und nun?", fragte Tonks leise.
„Vielleicht wenn wir beide zusammen…?" Er nickte und beide
sprachen gleichzeitig einen Schlafzauber. Nur einen Augenblick später
hielt sie eine schlafende, ruhig und gleichmäßig atmende
Hermine im Arm. „Sie steht unter Schock", meinte Tonks bedrückt,
während sie von Bill getröstet wurde. Es blieb für ihn
nicht unbemerkt, dass dies seiner Freundin sehr nahe ging. Mit einem
ermutigenden Lächeln nahm Bill Hermine auf.
Die Anwesenden
sahen sich fragend an: ‚Was nun?' stand auf jedem Gesicht
geschrieben.
„Fast",
flüsterte Remus und nahm Harry ebenfalls auf. „Los, lasst uns
hier verschwinden, bevor sie doch noch mal zurückkommen! So wäre
er ein gefundenes Fressen für diesen Abschaum." „St.
Mungo?", fragte Kingsley Shaklebolt. „St. Mungo!", antworte
Remus und verzauberte mit dem Wort „Portus" einen Stein in einen
Portschlüssel. Dieser Stein leuchtete kurz blau auf während
er leicht in Remus' Hand zitterte. Nur kurz, aber es war zu spüren
– der Zauber war also gelungen.
Vielleicht wäre es klüger
gewesen, den Ort, an dem sie Harry bringen wollten, nicht laut
genannt zu haben. Wer weiß, vielleicht hat einer der alten
Grabsteine ja plötzlich Ohren bekommen. Möglich wäre
alles.
Ein
endloses Durcheinander und kaum auszuhaltende Hektik herrschte im St.
Mungo.
Noch immer saßen dort Zauberer – Ordensmitglieder –
in Bandagen, die zusammen mit Harry und seinen Freunden den Fuchsbau
befreit hatten.
Als Remus, Kingsley und Charlie mit dem
bewusstlosen Harry im Krankenhaus ankamen, stürmten gleich
mehrere Personen auf sie ein und bombardierten sie mit unzähligen
Fragen. „Das ist doch jetzt unwichtig!", bellte Kingsley sie an.
Es waren keine Ordensmitglieder, Heiler oder Schwestern, die die
nervigen Fragen stellten, sondern Reporter, die dringend ein Foto und
Artikel für ihr Titelblatt brauchten.
Remus sah das
Titelblatt des Tagespropheten schon vor sich: ‚Harry Potter, der
Held der Zauberwelt geschlagen durch den Dunklen Lord. Harry Potter
hat versagt – unsere Welt am Abgrund.' Oh ja, diese
Schlagzeile würde etwas auslösen, was keiner von ihnen
gebrauchen konnte. Für Voldemort und seine Speichellecker wäre
es DAS Fest geworden. Endlich mal ein greifbarer Triumph seitdem sie
Harry jagen.
„Wir brauchen dringend ein Bett für ihn! Nun
machen Sie endlich, es ist ernst!", rief Remus in die Masse.
„Passiert hier mal bald was?", brüllte nun wieder Kingsley.
Die Worte von Remus und Kingsley und deren barscher Ton trugen nicht
gerade dazu bei, dass sich die Aufregung um sie herum legte. Man
sollte glauben, dass wenigstens die Angestellten hier im St. Mungo
etwas professioneller mit der Situation umgehen könnten, oder
zumindest die Unruhestifter unter Kontrolle hätten. Aber
anscheinend war das nicht der Fall.
„HEY!", kam es von
Charlie, dessen Stimme den ganzen Flur erzittern ließ. „Soll
er sterben?", keifte er eine Schwester in der Nähe an. „Wenn
Sie nicht bald etwas tun, wird er das! Wenn er stirbt, mache ich Sie
dafür verantwortlich!" Die Schwester stand wie versteinert vor
ihm und sagte nichts.
Erst jetzt, viel zu spät, bemerkte er,
dass es gar keine Schwester war, die er eben so unbeherrscht
angeschrieen hatte, sondern Luna Lovegood. Fassungslos starrte sie
auf das blasse blutverschmierte Gesicht von Harry Potter. „Ist er…
Ist er etwa…" „Nein, Miss Lovegood, er lebt noch. Und Charlie
meinte es nicht so. Er wollte Sie nicht so anschreien", antwortete
Kingsley etwas sanfter als zuvor. Luna war immerhin nicht irgendeine
junge Frau, sondern sie gehörte genau so zu Harrys Freunden wie
Neville.
Ein
Heiler, der nicht im Geringsten aufgeregt wirkte, kam auf Remus und
die anderen zu. Er wirkte eher kalt und viel zu gelassen. „Folgen
Sie mir bitte!"
Sie gingen den Flur entlang bis zum letzten
Zimmer. „Warum nicht gleich hier vorne?
Hier ist doch ein Zimmer
frei!", fragte Remus misstrauisch. „Folgen Sie mir einfach, die
Patienten aus diesen Zimmern sind nur zur Untersuchung. Es sind alle
belegt."
Angekommen am letzten Zimmer des Ganges meinte der
Heiler: „Legen Sie ihn bitte hier aufs Bett, Mr Lupin, ich werde
mich sofort um Mr Potter kümmern!"
Woher kannte der Heiler
Remus' Namen? Er hatte sich nicht vorgestellt und gesehen hatte er
diesen Heiler auch noch nie, dass sie sich kennen müssten. Sein
Misstrauen wuchs von Minute zu Minute. Doch um sich darüber
jetzt Gedanken zu machen, woher der Heiler ihn kennen könnte und
was so eigenartig an ihm war, dafür war jetzt keine Zeit.
Remus
war gerade dabei Harry auf das besagte freie Bett zu legen, als
dieses kurz, aber nicht zu übersehen, aufflackerte. Auch Charlie
war aufgefallen, dass etwas nicht stimmen konnte. Er war auch der
Meinung, dass dieser Heiler sich eigenartig benahm.
„Was war
das?", fragte Remus und sah seine Freunde an. „Spinn ich, oder
habt ihr das eben auch gesehen? Das Bett hat geflackert!" „Du
spinnst nicht, alter Freund!", brummte Kingsley – er hörte
sich schon fast wie Moody an. Mit schmalen, aber wachsamen Augen
beobachtete Kingsley das Verhalten des Heilers. Schon vorhin im Flur
war er ihm merkwürdig gelassen vorgekommen – zu gelassen für
Kingsleys Geschmack. „Leg Potter nicht aufs Bett, irgendetwas
stimmt da nicht!"
„Was soll hier nicht stimmen, es ist ein
normales Krankenbett! Wollen Sie nun, dass ihm geholfen wird oder
soll er sterben? Es ist Ihre Entscheidung!" Nun wurde auch der
Heiler leicht nervös und begann Fehler zu machen.
Remus
überlegte wieder. Hatte der Heiler sich ihnen gegenüber nun
vorgestellt oder nicht? Er konnte sich jedenfalls nicht daran
erinnern. „Was sagten Sie noch gleich, wie heißen
Sie?"
„Ich?", fragte der Heiler immer unsicherer werdend.
„Ich bin… Dr. Bright. Sam Bright – Chefheiler der Abteilung für
Fluchgeschädigte. Bitte legen Sie Mr Potter aufs Bett, damit ich
mit meinen Untersuchungen beginnen kann! Sie möchten doch nicht
wirklich, dass er stirbt?" Nein, das wollte keiner von
ihnen.
Bright… Bright. Irgendwie sagte Charlie der Name was,
aber er wusste nicht genau woher; und bekannt kam ihm der Heiler auch
nicht vor. Nicht mal im Entferntesten.
Es gab sicherlich etliche,
die Bright hießen. Hin und her überlegte er, doch kam er
zu keinem Ergebnis.
Einen Augenblick zögerte Remus,
bevor er Anstalten machte Harry aufs Bett zu legen. „Remus,
STOPP!", rief Charlie. Jetzt sah man es deutlich, und da half auch
keine Ausrede.
„Haben Sie noch mehr so niedlich flackernde
Betten?", fragte Kingsley sarkastisch und zog gleichzeitig seinen
Zauberstab hervor, den er auf den nun ängstlichen Heiler
richtete.
„Was war das?" „Was meinen Sie, was für ein
Flackern?", versuchte Dr. Bright sich rauszureden. „Ich weiß
nicht was Sie meinen, ich habe kein Flackern gesehen." „WAS DAS
WAR, WILL ICH WISSEN!", schrie der Auror und ging auf den Heiler zu
– den Zauberstab genau auf dessen Herz gerichtet. Nicht mal im
Ansatz zitterte Kingsleys Hand.
Ein hinterhältiges und
überhebliches Grinsen breitete sich nun wieder auf dem Gesicht
des Heilers aus. Seine Nervosität und Unsicherheit, die er zuvor
noch an den Tag gelegt hatte, war verschwunden, als hätte sie
nie existiert. „Halluzinationen sollte man nicht leichtfertig
hinnehmen. Haben Sie sich schon mal untersuchen lassen? Damit ist
nicht zu scherzen. Waren Sie vielleicht zufällig irgendwelchen
giftigen Gasen ausgesetzt?"
Das war zu viel! Mit Kingsley
Shaklebolt spielt man nicht, jedenfalls nicht so und auch nicht, wenn
man den Raum gesund wieder verlassen wollte.
Vielleicht hatte der
Heiler eine Antwort auf seinen Kommentar erwartet, und war daher
nicht vorbereitet gewesen, als Kingsley einen starken Schockzauber
auf ihn los ließ. Noch immer hatte der angebliche Heiler das
selbstgefällige Grinsen auf seinem Gesicht, als er bewusstlos zu
Boden fiel.
„So, jetzt wollen wir doch mal testen, ob die
Pritsche auch gut genug für unseren Harry wäre.
Mobilcorpus!", rief Kingsley. Wie von unsichtbaren Seilen getragen,
schwebte der schlaffe, bewusstlose Körper des angeblichen Dr.
Brights aufs Bett zu. „Soll ich?" Das schiefe Grinsen auf seinem
Gesicht ließ Kingsley fast fanatisch aussehen. „Aber immer!",
gab Charlie zurück. „Harry soll doch nur das beste Bett haben.
Und wie sollen wir wissen, ob es bequem genug für ihn ist, wenn
wir es vorher nicht testen? Ich finde es nett, dass sich Dr. Bright
dafür zur Verfügung stellt. Ich bin sicher, Harrys Dank
wird ihm ewig nachschleichen!" „Ja, und doch nie erreichen!",
zischte Remus. „Wir sollten endlich aufhören mit dem Zirkus –
die Zeit rennt! Los, Kingsley, lass ihn runter!"
Gerade als
Kingsley den Schwebezauber aufheben wollte, folg die Tür auf.
„Was ist hier los?", platze ein weiterer Heiler ins Zimmer. Ihm
fielen fast die Augen aus dem Gesicht, als er einen seiner Kollegen
(zumindest dachte er, es sei einer seiner Kollegen) über dem
Bett schweben sah und neben ihm Kingsley, der seinen Zauberstab auf
diesen gerichtet hatte.
„Wie können Sie es wagen…"
Weiter kam der zweite Heiler nicht. Charlie kam mit erhobenem
Zauberstab auf ihn zu. „Was… Ich…" Die Augen des Heilers
huschten ängstlich durch Zimmer – von seinem Kollegen zu
Kingsley, dann zu Remus und Harry, und dann wieder zurück zu
Charlie. Sein Kopf wollte gar nicht mehr stillstehen. Wieder fing er
an irgendetwas vor sich herzustammeln und versuchte zu
fliehen.
„Petrificus Totalus!" Charlie war es, der den Fluch
ausgesprochen hatte und somit den Heiler an der Flucht hinderte. Er
war nicht zu Boden gefallen; die Wand hatte seinen Sturz abgefangen.
Seine Augen waren vor Angst und Entsetzen weit aufgerissen.
Remus
musterte Harry besorgt. „Wir haben keine Zeit mehr, er stirb uns
hier weg! Er atmet kaum noch." Da hatte er Recht! Schon vorhin auf
dem Friedhof konnte man das kaum noch als atmen bezeichnen, aber
jetzt schnappte er nur noch. Was war mit diesem Jungen auf dem
Friedhof nur passiert? Was war das für ein Zauber von Voldemort,
dass es Harry jetzt so schlecht ging? Oder war es gar nicht der
Zauber von Dunklem Lord gewesen? War es vielleicht allein Harrys
Schuld? Was wäre passiert, wenn er nicht versucht hätte,
Hermines Schutzschild aufrechtzuerhalten?
Immer noch lief ihm das
Blut seiner Narbe unaufhaltsam übers Gesicht und versickerte in
Remus' Umhang, der am linken Arm schon völlig durchtränkt
war. „Los, wir bringen ihn ins Hauptquartier! Hier ist es eindeutig
zu gefährlich!"
Charlie wandte sich vom Heiler ab, den er
zuvor hatte mit der Ganzkörperklammer erstarren lassen, und
suchte sich einen Gegenstand, den er in einen Portschlüssel
verwandeln konnte. Er entschied sich für den Krug, der auf einem
kleinen Tisch stand.
Das Wasser, was sich darin befand, entleerte
er einfach rücksichtslos auf dem Boden.
Dem „Portus"
folgte erneut der bläuliche Schimmer und das leichte Zittern wie
schon zuvor auf dem Friedhof. „Hier, Remus! Kingsley und ich kommen
gleich nach, wir bringen das hier" – er zeigte mit seinem Kopf in
die Richtung des erstarrten Heiler – „nur noch zu Ende." Remus
nickte und nahm den Krug entgegen. Kurz darauf spürte er wieder
das bekannte Ziehen hinter seinem Nabel und verschwand in einer
farbenfrohen Spirale.
Das Reisen mit dem Portschlüssel war
zwar für den bewusstlosen Harry auf Grund seiner Verletzungen
nicht ganz ungefährlich, aber es gab keine andere Möglichkeit.
Apparieren fiel flach und auf Fawkes konnten sie nicht hoffen. Ein
paar Zauber, die sie bereits auf dem Friedhof über Harry
gesprochen hatten, sollten Schlimmeres verhindern.
Immer
noch schwebte der erste Heiler über dem Bett. Charlie und
Kingsley sahen sich an. Ein Kopfnicken von Kingsley und Charlie hatte
verstanden.
„Möchten Sie uns vielleicht etwas sagen?",
fragte er den zweiten Heiler und erlöste zumindest seinen Kopf
aus der Erstarrung.
Kaum hatte Charlie den Zauber teilweise
aufgehoben, schnauzte der Heiler auch gleich los: „Was gibt Ihnen
das Recht so zu handeln? Und wer ist das überhaupt?" Mit
seinem Kopf zeigte er in die Richtung des ersten angeblichen Heilers.
„Wir handeln so, wie wir es für richtig halten!", giftete
Kingsley zurück. „Und wer das ist? Das müssten Sie doch
eigentlich wissen! Das ist einer Ihrer netten und sehr hilfsbereiten
Kollegen, der so wie es aussieht Mr Potter mit Hilfe eines
Portschlüssels" – er zeigte auf das Krankenbett – „zu
Voldemort schicken wollte." Auf den Blick des zweiten Heilers sagte
Kingsley: „Nun ja, wir vermuten mal, dass es ein Portschlüssel
ist, denn normale Betten flackern nicht einfach mal auf, oder? Aber
warum lange grübeln? Probieren wir es doch einfach aus!"
„Das
ist nicht einer meiner Kollegen, ich habe ihn noch nie gesehen!"
Jetzt war er sich sicher, dass es keiner seiner Kollegen war. In
seiner Starre hatte er genug Zeit diesen zu beobachten. „Warum
haben Sie das mit ihm getan?" Ohne auf die Frage des Heilers
einzugehen, meinte Charlie: „Und noch ein Beweis!"
„Wer
sind Sie?", wandte Kinsley sich an den an der Wand gelehnten Mann.
Mit seinem Zauberstab hielt Charlie immer noch den Petrificus Totalus
aufrecht. Nun ja, eine Ganzköperklammer war es nicht mehr –
den Kopf hatte er ja schon erlöst.
„Ich bin Dr. Sam Bright
– Chefheiler der Abteilung für Fluchgeschädigte." „Ach,
sieh einer an!", rief Charlie. „Noch einer. Wie viele gibt es von
Ihrer Sorte?" Der Heiler verstand nicht ganz. Er sah die beiden
Männer vor sich nur entgeistert an. „Wie meinen Sie das? Von
was für einer Sorte überhaupt? Ich verstehe Sie nicht ganz.
Ich arbeite seit fast zwölf Jahren hier in dieser Abteilung!"
„Darf ich Ihnen vorstellen, Dr. Sam Bright?" Mit seiner freien
Hand zeigte Kingsley auf den über dem Bett schwebenden
bewusstlosen Körper. „Dr. Sam Bright! Sie verstehen uns
sicherlich, wenn wir dem gegenüber etwas misstrauisch sind. Vor
allem dann, wenn jemand versucht Mr Potter etwas anzutun,
beziehungsweise vorhat, ihn an Voldemort auszuliefern."
Der
Heiler sah zum Bett und schüttelte erneut seinen Kopf. „Nein,
das ist mit Sicherheit nicht Sam Bright. Ich habe diesem Mann
wirklich noch nie in meinem Leben gesehen. Jedenfalls nicht das ich
wüsste. Und er arbeitet auch nicht hier im St. Mungo."
„Das
wird mir hier langsam zu blöd!" Ohne auf eine Reaktion auf
seine Äußerung zu warten, ließ Kingsley den
angeblichen ersten Heiler aufs Bett sinken. Kaum hatte dieser das
weiße Laken berührt, verformte sich das Bett und war nur
Sekunden später inklusive Inhalt verschwunden. „Sag ich doch –
Portschlüssel und Voldemort!" Gehässig fügte er noch
hinzu: „Er wird sich sicherlich rührend um ihn kümmern.
Versagen wird von ihm nicht geduldet." Keinen Funken Mitleid konnte
man in Kingsleys Augen erkennen. Mitleid? Wofür auch? Für
einen Todesser?
„So, und nun zu Ihnen!", ging er nun mit
erhobenem Zauberstab auf den übrig gebliebenen Heiler zu. „Ich
weiß nicht, was Sie von mir wollen. Lassen Sie mich gehen, ich
habe Ihnen nichts getan!" „Ach hören Sie doch auf!",
fauchte Charlie ihn an. Sein Tonfall war hart. So kannte man Charlie
eigentlich nicht. „Wer sind Sie wirklich, und wer war das eben?
Keine Ausflüchte, ich will die Wahrheit wissen! Langsam werde
ich ungeduldig! Und glauben Sie mir, dass wollen Sie nicht erleben!"
„Ich bin Sam Bright, so wie ich es Ihnen bereits gesagt habe. Und
diesen Mann" – er zeigte auf den freien Platz, wo zuvor noch das
Bett stand – „kannte ich nicht. Wie oft soll ich das denn noch
sagen?
Warum glauben Sie mir nicht? Holen Sie einen Kollegen oder
eine Schwester! Sie können bestätigen, dass ich die
Wahrheit sage!" Die Angst, die der Heiler hatte, konnte man
förmlich riechen. Er war sich sicher, diese beiden würden
ihn umbringen. Nur warum wusste er nicht.
Die Vermutung, die
Charlie noch vor wenigen Minuten hatte, dass ihm der Name bekannt
vorkam, war aus seinem Kopf verschwunden.
Plötzlich
platzte Luna unverhofft ins Zimmer. Mit weiten Augen blieb sie im
Türrahmen stehen. Hatte sie doch gehofft, Harry hier zu finden.
Jedes verdammte Zimmer auf diesem Flur hatte sie bereits nach ihm
abgesucht, nur noch dieses war übrig beblieben.
„Miss
Lovegood, was machen Sie hier?", rief Kingsley ärgerlich über
ihr plötzliches Auftauchen.
„Ich…
ich ähh… ich habe Harry gesucht. Was machen Sie dort mit Dr.
Bright?" Charlie lief auf sie zu und zog sie unsanft ins Zimmer.
Die Tür schloss er mit seinem Zauberstab.
„Was tust du
da?", wehrte Luna sich. „Was soll das?" „Luna, kennst du
diesen Mann?", fragte er, ohne sich bei ihr für seine unsanfte
Art zu entschuldigen. „Ja natürlich kenn' ich ihn",
antwortete Luna eingeschüchtert. „Das ist Dr. Bright!"
„Woher
kennst du ihn?" Immer noch hatte Charlie den rauen Ton an sich.
„Was soll das hier alles? Er arbeitet hier im St. Mungo!" „Und
weiter?" „Er.. Er hat meinem Vater geholfen, als ihn eine
hysterische alte Hexe einen seltenen Fluch auf den Hals gejagt
hat.
Außerdem…" Tränen wurden in ihren Augen
sichtbar, „betreut er Neville Longbottoms Eltern." Luna wurde
immer ruhiger, bis sie irgendwann gar nichts mehr sagte und nur noch
den Heiler ansah.
Charlie nahm den Fluch vollständig vom
Heiler. „Onkel Sam!", umarmte Luna diesen plötzlich und
weinte in seinen Kittel. Onkel?
Nicht ungerechtfertigt wütend
sah er den Auror und Charlie an. Man hatte das Gefühl, dass er
schreien wollte, aber er blieb ruhig. Stattdessen fragte er nur: „Was
haben Sie mit Mr Potter gemacht? Sie können nicht einfach so
einen Patienten von meiner Station entführen! Das wird
Konsequenzen für Sie haben! Wer sind Sie überhaupt?"
Noch hatte keiner der beiden ein schlechtes Gewissen – nicht
Kingsley und auch nicht Charlie. Aus der Situation heraus haben sie
richtig gehandelt. Beide glaubten zumindest, aus ihrer Sicht richtig
gehandelt zu haben.
Kingsley
begann zu erzählen, aber nur so viel wie nötig, als Arthur
Weasley auf wackligen Beinen aufgeregt das Zimmer betrat. „Charlie,
Kingsley!", erkannte er seinen Sohn und den Auror. „Sam – was
ist hier los? Warum seid ihr…" Er sah sich um. „Wo ist Harry?
Man sagte mir, er sei in diesem Zimmer. Was ist passiert?"
„Arthur,
was machst du hier? Warum bist du schon auf?", drehte sich der
Heiler um. „Sam, wo ist Harry? Nun sag schon, wie geht es ihm?"
Es schien ganz so, als würden sich der Heiler und Arthur Weasley
kennen.
„Dad!", ging Charlie auf seinen Vater zu. In Lunas
Richtung sagte er: „Geh, Luna! Und zu niemandem ein Wort! Du weißt…
Du gehörst noch ins Bett! Wer hat dir erlaubt aufzustehen?",
fragt er nun wieder seinen Vater „Das interessiert doch gar nicht!"
Arthur wollte nur eins – wissen was geschehen war. Jetzt ging es
nicht um ihn, sondern nur um Harry.
„Dad, du bist…" „Stopp,
Charlie, ich bin alt genug und weiß was für mich gut ist
und was nicht! Ich möchte endlich wissen was mit Harry ist!"
Arthur hatte sichtlich zu kämpfen. Schweißperlen
standen wie Seen auf seiner Stirn. Dr Bright wandte sich an ihn und
versuchte ihn zur Vernunft zu bringen. Nur einen Sturkopf zur
Vernunft bringen, war keine leichte Aufgabe. Es grenzte schon fast an
ein Wunder.
Nur
wenige Augenblicke später stürmte eine aufgelöste
Schwester ins Zimmer. „Mr Weasley, Sie können nicht einfach
die Anweisungen ignorieren! Sie kommen sofort… Oh, Da… Dr.
Bright. Ähm… Mr Weasley ist einfach aufgestanden. Ich konnte
ihn nicht aufhalten!", entschuldigte sich die Schwester beim
Heiler. „Er hat zufällig mitbekommen, wie ich mich mit Sandy
über Mr Potter unterhalten habe, dass ich ihn verletzt auf dem
Flur gesehen habe. Ich konnte ja nicht wissen, dass er gleich…"
„Schon gut!", unterbrach der Heiler sie. „Ich habe wirklich
alles versucht, sogar gedroht!" „Ist doch gut!", versuchte es
der Heiler erneut, bevor er sich wieder an Arthur wandte. „Arthur,
geh bitte wieder zurück ins Bett, du hast noch Bettruhe!"
„Sam,
ich gehe nicht wieder zurück ins Bett! Ich will endlich wissen,
was los ist! Wo ist Harry hin?" Er sah in die zermürbten
Gesichter der anderen. „Ist er etwa… tot? Charlie, sag mir bitte,
dass er lebt! BITTE!", flehte Arthur.
Auch wenn er es nicht
wahr haben wollte, Arthur ging es alles andere als gut. Er hatte zu
tun, um aufrecht zu stehen. Erschöpft ließ er sich auf
einem Stuhl in der Nähe nieder und ließ den Kopf in seine
Hände sinken. Charlie kniete sich neben seinen Vater. „Dad?"
Keine Reaktion von Arthur. „Dad? Dad, bitte sieh mich an!"
Bedrückt sah dieser seinen Sohn an. Charlie glaubte Tränen
in den Augen seines Vaters erkennen zu können. Er versuchte sich
daran zu erinnern, wann er das letzte Mal seinen Vater hatte weinen
sehen – zu Ginnys Geburt. Aber das waren Freudentränen
gewesen, und keine der Trauer.
„Er lebt… noch!" Das ‚noch'
kam sehr zögerlich. Hoffte er zumindest, dass Harry noch leben
würde. „Remus hat ihn zurück zum… hat ihn dort
hingebracht, wo er Hilfe bekommt." „Arthur", bat der Heiler
inständig, „bitte werde vernünftig! Wenn Molly das
mitbekommt – sie lyncht mich!"
Er hörte gar nicht auf
die Stimme seines Freundes, sondern wandte sich an Kingsley: „Wo er
Hilfe bekommt? Nell hat erzählt, dass er… schlimm zugerichtet
aussah. Warum habt ihr ihn nicht hier gelassen? Sam ist der beste
Heiler den ich kenne!" Jetzt sah er Dr. Bright fragend an. „Arthur,
ich hatte keine Chance ihn hier zu behalten. Dein Sohn – leider
habe ich ihn erst jetzt erkannt - hat mich daran gehindert."
Kingsley
erzählte was geschehen war, bevor Arthur ins Zimmer kam.
Kopfschüttelnd hörte Arthur zu.
„Poppy schafft das
nicht allein! Seid ihr von Sinnen?" Er glaubte sich verhört zu
haben, hätte er den dreien doch etwas mehr Verstand zugetraut.
Aber was hätten sie tun sollen.
„Wer ist Poppy?", fragte
der Heiler irritiert. „Doch nicht etwa… Madame Pomfrey? Nein, das
glaube ich jetzt nicht! Sie ist Krankenschwester in Hogwarts. Ich
zweifle nicht an ihren Fähigkeiten, aber DEM ist sie nicht
gewachsen! Das kann ich nicht zulassen! Wenn Sie Mr Potter nicht doch
noch verlieren wollen, dann müssen Sie ihn wieder hier her
zurück bringen, auch wenn der Transport allein schon
unvorstellbare Risiken für ihn birgt!"
„Er bleibt wo er
ist!", schnarrte Kingsley. „Keine Angst, er wird die Hilfe
bekommen, die er braucht. Hier her kommt er jedenfalls nicht mehr
zurück! Wir wissen nicht wem wir vertrauen können." Wem
sollten sie auch noch glauben? Vielleicht arbeitete dieser Heiler –
ein angeblicher Freund von Arthur (wenn er wirklich ein Freund wäre,
warum hat Charlie ihn dann nicht erkannt?) – ebenfalls für den
Dunklen Lord. Es war alles möglich!
Es könnte ja auch
sein, dass Arthur sich in all den Jahren hatte täuschen lassen
in denen sie ‚befreundet' waren.
Es
war zwar eine Erklärung, aber die reichte dem Heiler nicht.
„Wenn Sie das zulassen, haben Sie ein unschuldiges Menschenleben
auf dem Gewissen!", keifte er zurück. „Es sei denn, er hat
den Tod verdient. Aber wer hat das schon?" Diese Aussage klang mehr
als zynisch. Kingsleys Blick konnte man nur eins entnehmen – Wut.
Der Heiler kannte Kingsley Shaklebolt nur vom Hörensagen,
aber das reichte ihm aus, um zu wissen, dass er zu weit gegangen war.
Erstaunlicher Weise blieb dieser ruhig. Das Einzige was er sagte,
war: „Sie müssen uns schon die Entscheidung überlassen!"
Ohne
Dr. Bright noch einen Blick oder eine Entschuldigung für die
Unannehmlichkeiten zu geben ging er in Richtung Tür. „Arthur,
du gehst wieder ins Bett! Charlie und ich erledigen das hier und dann
verschwinden wir. Wir wollen doch nicht, dass hier die ganze
Mannschaft aufschlägt und uns retten will." Auch Charlie stand
auf. „Dad, bitte tu' uns den Gefallen! Ich schaue morgen noch mal
rein und erzähl dir was es Neues gibt."
„STOPP!", rief
der Heiler. „Nicht so schnell! Was heißt: Sie erledigen das
hier?", fragte er an Kingsley gewandt. „Entweder Sie bringen Mr
Potter hier her zurück oder Sie nehmen mich mit - wohin Sie auch
gehen!" Seine Worte klangen entschlossen, jegliche Furcht war
verschwunden.
Arthur, sein Sohn und der Auror sahen sich an. Was
sollten sie tun? Die Hilfe vom Heiler könnten sie wirklich gut
gebrauchen... aber ihn einfach so mit ins Hauptquartier
nehmen?
Hatten sie eigentlich eine Wahl? Dass Madame Pomfrey mit
Harrys Zustand überfordert sein würde, daran hatte niemand
gezweifelt. Auch wenn die Krankenschwester bisher schon viel für
Harry getan hat, war dies eine ganz andere Situation. Schon damals,
nach Voldemorts Blutzauber, hatte sie alle Hände voll zu tun und
war an ihre Grenzen gestoßen. Nur durch Fawkes Hilfe und Harrys
starken Überlebenswillen hatte sie es schließlich
geschafft. Auch jetzt war Fawkes bei ihm – nur dank ihm schlug sein
Herz noch.
Arthur
meldete sich als erstes wieder: „Sam, er hat so viel für uns
getan, er darf einfach nicht sterben! Ich liebe ihn, wie jedes meiner
eigenen Kinder!" Schon fast verzweifelt klang das Oberhaupt der
Weasleys. Jetzt ging sein verzweifelter Blick weiter zu Kingsley und
Charlie: „Kingsley, wir brauchen ihn; wir können ihm trauen!
Ich lege für Dr. Bright meine Hand ins Feuer!" Kingsley schien
kurz zu überlegen, bevor er seine Antwort gab.
Er sah zu
Charlie und dann wieder zu dessen Vater. „Du hast das zu
entscheiden!", erwiderte er schließlich.
Nun lag es bei
Arthur! Er war Mitglied des Rates. Auch wenn dieser zurzeit nur noch
aus vier Personen bestand, hatte er seine Funktion nicht
verloren.
Arthur nickte. „Ich entschuldige mich für die
Unannehmlichkeiten, die wir dir bereitet haben! Wir brauchen dringend
deine Hilfe, Sam!" Auch der Heiler nickte. „Aber", begann
Arthur wieder, „es gibt ein Problem bei der ganzen Sache… Du
wirst nicht erfahren wohin wir gehen und anschließend, wenn es
Harry hoffentlich besser geht, werden wir dein Gedächtnis soweit
verändern, dass du dich an all das, was hier geschehen ist,
nicht mehr erinnern kannst. Nun ja, sagen wir es mal so: Es liegt
allein an Harry, in wie weit wir dein Gedächtnis verändern
werden, aber ich denke, wir handeln in seinem Sinne. So Leid es mir
tut, aber es geht nur unter der Bedingung!"
„Einverstanden!",
mehr sagte der Heiler nicht. Nur ein Augenzwinkern in Richtung der
jungen Krankenschwester. Es war ihm im Moment nicht wichtig, wohin
sie ihn bringen würden – er vertraute Arthur – sondern dass
er Harry damit helfen konnte. Er hatte keine Gelegenheit gehabt, den
jungen Auroren hier im St. Mungo zu untersuchen, aber man konnte
selbst mit bloßem Auge sehen, dass Harry mit seinem Leben
rang.
„Gut, Sam, alles weitere erfährst du wenn wir
angekommen sind!"
„Wir?", meldete sich Charlie wieder zu
Wort. „Du wirst schön hier bleiben und dich versorgen lassen!"
Arthur setzte zum Protest an, doch sein Sohn war schneller. „Dad,
sei doch wenigstens ein Mal vernünftig! Du kannst Harry jetzt eh
nicht helfen. Die Krankenschwester wird dich auf dein Zimmer bringen!
Schwester…?",versuchte er dessen Namen zu erfahren. Er merkte
nicht, wie sein Vater zu schmunzeln anfing. „Nell", antwortete
die Angesprochene und sah dabei ängstlich zum Heiler, der ihr
beruhigend zunickte.
„Schwester
Nell, wir müssen Ihr Gedächtnis ebenfalls verändern!"
Mit weiten Augen sah sie Charlie an, als hätte sie ihn nicht
richtig verstanden. „Sie werden es nicht mal merken, es geht ganz
schnell."
Diesmal sah sie Kingsley entgeistert an, als wenn sie
Hoffnung hatte, dass dieser Charlie ebenfalls für verrückt
hielt. Nur leider zersprang die Hoffnung auch gleich wieder wie eine
Seifenblase. „Es geht nicht anders!" „Niemals!", kam es
plötzlich lauthals von der Krankenschwester. „Ich lasse
niemanden an meinem Gedächtnis rummanipulieren und meinen Vater
lasse ich auch nicht allein! Entweder Sie nehmen mich mit oder er
geht nirgendwo hin!
„Nell?
Die Nell?", fragte Charlie verwundert, wobei er doch leicht
peinlich berührt wirkte. „Ich habe dich gar nicht erkannt; du
hast dich mächtig verändert!" Erst jetzt hatte es bei
Charlie klick gemacht. Jetzt wusste er wieder, woher er den Namen
kannte. Zwar hatte er die Familie Bright seit seinem
Hogwartsabschluss nicht mehr gesehen, aber er und Nell waren dort
recht gute Freunde gewesen. Wie konnte er sie nur nicht
erkennen?
Wenn er genau hinsah, hatte sie sich gar nicht so sehr
verändert, außer dass sie noch hübscher geworden ist.
Er konnte nun kaum die Augen von ihr lassen.
„Das du mich nicht
erkannt hast, habe ich bereits mitbekommen", lächelte sie, was
Charlie die Röte ins Gesicht trieb, doch wurde sie nur Sekunden
später wieder ernst und entschlossen.
„Ich könnte
ihre Hilfe gut gebrauchen, denn Madame Pomfrey wird genug mit den
Schülern von Hogwarts zu tun haben. Und ich denke, dass Mr
Potters Genesung nicht mit ein oder zwei Tagen abgetan ist", lenkte
Dr. Bright die Aufmerksamkeit wieder auf sich.
Leicht genervt, da
sie eindeutig schon viel zu viel Zeit verschwendet hatten, knurrte
Kingsley: „Gut, einverstanden! Aber nun los, sonst ist alles zu
spät!"
Zum dritten Mal wurde ein Portschlüssel
erschaffen. Kingsley nahm den Stein, mit dem sie im St. Mungo
ankamen, und bei drei waren er, Charlie, der Heiler und dessen
Tochter verschwunden. Mit einem unguten Gefühl in der
Magengegend machte Arthur sich auf den Weg zurück in sein
Zimmer.
Unterdessen
herrschte im Hauptquartier des Phönixordens Totenstille.
Aufgeregt und ängstlich lief Molly Weasley im Salon auf und ab.
Deren Söhne – abgesehen von Charlie, der mit Kingsley noch im
St. Mungo war - saßen auf dem Sofa. Niemand sagte etwas, ihre
Gesichter deuteten ihre Gefühle gut genug, es bedarf keiner
Worte.
Nachdem Remus mit Harry im Grimmauldplatz ankam, hatten sie
erfahren, was im St. Mungo geschehen war. Zuvor hatte Bill ihnen
berichtet, wie sie Harry und Hermine auf dem Friedhof vorgefunden
hatten und was dann geschehen war. Das erste was Molly einfiel war:
„Warum habt ihr ihnen nicht geholfen? Wie konntet ihr sie dort
allein lassen?"
Doch Bill antwortete darauf nichts. Er nahm
seine Mutter nur tröstend in den Arm, die daraufhin zu weinen
anfing.
Tonks, die mit Bill zusammen Hermine ins Hauptquartier
gebracht hatte, saß noch immer oben neben ihrem Bett.
Noch
war Hermine nicht wieder aufgewacht. Natürlich hätten sie
den Schlafzauber mit einem ‚Finite Incantatem' wieder aufheben
können, aber dem was ihr noch bevorstand sollte sie lieber
ausgeruht entgegentreten.
Tonks
wurde bei dem Gedanken an das Geschehen speiübel. Das Bild von
Harry, wie er fast tot vor ihnen lag, ging ihr nicht aus dem Kopf.
Und dann noch Madame Pomfreys entsetzter Blick nachdem sie Harry
untersucht hatte: ‚Als die Krankenschwester aus dem Zimmer kam,
war ihr Blick versteinert, als wenn jemand das Entsetzen auf ihrem
Gesicht eingemeißelt hätte. Erst nach mehrmaligem Betteln
fing sie an zu reden. Mit jedem Wort wurden auch die Gesichter der
anderen blasser. Tonks, Remus, Bill, Ron, Parvati und Molly konnten,
besser gesagt wollten nicht begreifen, was sie hörten. Selbst
Dumbledore schüttelte in seinem Portrait ungläubig seinen
Kopf. Was Madame Pomfrey da von sich gab, durfte einfach nicht wahr
sein. Jedoch schien alles darauf hinauszulaufen. Das Letzte was sie
von der Krankenschwester hörten, war: „Warum haben sie ihn
hergebracht? Er gehört ins St. Mungo, hier wird er sterben!"
Allen war klar, warum Harry nicht ins St. Mungo zurück
konnte – Remus Worte hatten sie noch nicht vergessen.
Er hatte
Harrys Freunde zu sich gerufen, da sie im Moment sowieso nichts für
ihn tun konnten. Molly sollte eigentlich ins St. Mungo gehen und nach
ihren Mann sehen, aber sie ließ nicht mit sich reden. Remus war
sich sicher gewesen, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis
Arthur im Hauptquartier auftaucht. So wie er seinen Freund kannte,
würde dieser mit Sicherheit nicht in seinem Bett bleiben. Und…
er sollte Recht behalten!'
Bill
wollte eigentlich bei seiner Freundin bleiben – er hatte bemerkt,
dass Tonks sich nur verstellte, alles nur überspielte, um ihn zu
beruhigen - wollte sie doch stark sein für ihn.
Immer hin war
sie eine Aurorin, und Auroren zeigten keine Schwäche und Ängste.
Tonks wurde aus ihren Gedanken gerissen; sie hörte Stimmen vom
Korridor her.
Nach
einer Weile - wie lange konnte Tonks nicht sagen – begann Hermine
sich zu regen.
Wie als wenn sie gerade aus einem erholsamen Schlaf
aufwachen würde, reckte sie ihre Gliedmaßen in alle
Himmelsrichtungen und knurrte genüsslich. Besorgt nahm Tonks
ihre Gesten wahr. Wusste Hermine etwa nicht mehr was geschehen war?
Wenn das wirklich so sein sollte, wie sollten sie ihr nur beibringen,
was mit ihrem Harry geschehen ist?
Eigentlich war es nur ein
gewöhnlicher Schlafzauber gewesen. Na gut, vielleicht etwas
stärker als gewöhnlich, aber nicht so stark, dass er gleich
das Gedächtnis verändern könnte.
Verwundert
darüber, warum Tonks so bedrückt und mitgenommen aussah,
fragte Hermine noch immer verschlafen: „Was ist passiert, wie
siehst du überhaupt aus?" Sie sah aus dem Fenster – es war
noch hell. Warum lag sie hier im Bett, wenn es draußen immer
noch Tag war? Nachdenklich musterte sie Tonks, welche sich versuchte
zusammenzureißen und dabei ihre Worte genau überlegte.
„Tonks, ist etwas mit dir und Bill, habt ihr euch gestritten?
Du weißt, dass du mit mir über alles reden kannst!"
Noch
einmal reckte sich Hermine ausgiebig. „Ein Mal recken, ist wie eine
Stunde Schlaf", meinte sie lächelnd und zwinkerte Tonks zu.
Diese versuchte zurück zu lächeln, während Hermine
sich an die Bettkante setzte. Zumindest versuchte sie es. Das mit der
Bettkante wollte nicht so ganz klappen, irgendwas hinderte sie daran.
„Autsch!" Mit verzogenem Gesicht rieb sie ihr rechtes Bein.
„Warum tut mir das Bein weh?", fragte sie mehr sich selbst. Sie
konnte es bewegen, aber irgendetwas war damit nicht in Ordnung. „Und
wie sehe ich überhaupt aus?" Sie sah an sich herunter. Stück
für Stück kamen plötzlich die Erinnerungen an den Tag
wieder. Mit jedem Gedanken wurde sie unruhiger. „Harry",
flüsterte sie und sah Tonks mit angsterfüllten Augen an.
„Wo ist er?" Tonks antwortete nicht. Sie konnte es selber kaum
fassen. „Wo ist er Tonks? WO?" Jetzt schrie sie fast. Aus
Verzweiflung griff sie sich an ihre Kette; jedenfalls dorthin wo sie
hätte sein müssen, doch stattdessen griff sie nur an ihren
nackten Hals und spürte unter ihrer Hand ihr pochendes, fast
rasendes Herz.
Sie begann sich wieder daran zu erinnern, wie
Voldemort ihr die Kette abnahm. Dieses fiese, kalte und gehässige
Grinsen auf dem bleichen, fahlen Gesicht des Dunklen Lords sah sie
genau vor sich; auch hörte sie sein abartiges Gelächter.
Seine Worte, als er ihr die Kette förmlich vom Hals riss –
Gier und Übelkeit konnte sie in seinen hässlichen roten
Augen erkennen – hallten immer noch in ihren Ohren nach. Ganz nahe
war er mit seinem Kopf an ihrem gewesen – sie konnte sein Atem auf
ihrem Hals spüren. Zischend dankte er ihr für ihre Hilfe:
‚Ich danke dir, meine Liebe! Du hast mir mehr als geholfen! Dank
dir wird unser Goldknabe gleich hier auftauchen und ich bekomme was
mir zusteht. Liebe ist so was von lächerlich – sie behindert
nur und führt ins Verderben. Sieh dich an! Es war ein Leichtes,
dich zu manipulieren. Du rennst für Potter in den Tod. Nun ja,
er wird auch für dich in den Tod gehen, da bin ich mir sicher.
Es sollte dir schmeicheln, dass er für dich stirbt! Es wird
nicht mehr lange dauern, und er wird hier auftauchen. Er wird
zusehen, wie du stirbst und dann ist er dran! Das habe ich ihm
versprochen. Ganz langsam wird er sterben. Leiden soll er! Ich will
jeden Tag, den er mir gestohlen hat, wieder haben; jeden verdammten
Tag! Er ist mir schon viel zu lange auf der Nase rumgetanzt. Hier und
heute geht es zu Ende!' ‚Mit dir geht es zu Ende!',
hatte Hermine es gewagt, ihn in seinem Redeschwall zu
unterbrechen. DAS mochte der Lord gar nicht – er duldete keine
Unterbrechung. Von niemanden, erst recht nicht von einem Schlammblut
wie Hermine.
Noch immer spürte sie Voldemorts lange
knochige Finger in ihrem Gesicht: Grob drückte er ihre Wangen
zusammen und zwang sie, in seine hässlichen roten Augen zu
sehen. ‚Sei nicht so vorlaut, Schlammblut! Dein Potter wird kommen
und sterben!' Er sah in den Himmel. ‚Ein perfekter Tag zum
Sterben! Also, wenn ich es mir recht überlege…' – er sah
zu seinen Todesser herüber – ‚Weißt du was Schmerzen
sind?', fragte er wieder Hermine. Ihre Augen weiteten sich bei
Voldemorts Frage. ‚Ja, das ist gut! Ich kann Angst in deinen Augen
erkennen, ich kann sie förmlich riechen.' Symbolisch steckte
er seine Nase in den Wind und atmete tief durch. ‚Ich liebe diesen
Geruch!' Er ließ sie los und entfernte sich wenige Meter.
Grinsend richtete er seinen Zauberstab auf sie.
Das waren
kaum auszuhaltende Schmerzen. Noch nie hatte sie so etwas erleben
müssen. Sie hatte sich gefragt, wie viele verschiedene
Schmerzflüche Voldemort und seine Todesser beherrschen würden.
Die Erleichterung kam erst, als alles um sie herum schwarz
wurde...
„Hermine,
geht es dir gut?", holte Tonks sie aus ihren Gedanken. Zitternd saß
Hermine vor ihr. „Ich will endlich wissen was mit Harry ist! Wo ist
er?", lenkte sie von sich ab.
„Hermine, bitte beruhige dich
erstmal!", bat Tonks. Sie hatte keine Ahnung, wie sie anfangen
sollte. Was sollte sie auch sagen? Vielleicht dass Harry sterben
wird? „Ich werde alles andere tun, aber mich nicht beruhigen,
solange ich nicht weiß wo er ist und wie es ihm geht!",
schrie Hermine jetzt. „Ich… er ist…", begann Tonks zu
stottern.
„Harry ist… er ist… tot?" Eine verzweifelte
Frage von einer verzweifelten jungen Frau an eine beinahe genauso
verzweifelte Aurorin.
‚Nein',
wollte Tonks antworten, doch wollte kein Wort mehr über ihre
Lippen. Sie öffnete und schloss ihren Mund, ohne etwas von sich
zu geben. Das war völlig falsch!
„Nein! NEIN! Sag dass
das nicht wahr ist!" Beide sahen sich an. „Tonks, SAG DASS DAS
NICHT WAHR IST!", schrie Hermine sie wieder an und schüttelte
sie.
Tränen flossen aus den Augen der noch jungen Aurorin.
„Tonks, verdammt, sag endlich was!" In ihr Flehen mischte sich
ein ängstliches Schluchzen und auch aus ihren Augen schlichen
sich Tränen.
Remus,
der gerade am Zimmer vorbei kam, bemerkte den Krach und betrat es,
ohne anzuklopfen. „Hermine, Tonks!" Die beiden Frauen sahen den
niedergeschlagenen Werwolf mit roten Augen an. Ohne Vorwarnung sprang
Hermine plötzlich auf und lief in Richtung Tür. Kurz vor
Remus hielt sie an. Er machte keine Anstalten etwas zu sagen,
hinderte sie nicht mal am Gehen, als sie das Zimmer verließ.
„Ist er…?", fragte Tonks leise, während sie auf Remus
zuging und ihm anschließend weinend um den Hals
fiel.
Beruhigend strich er ihr über den Rücken. „Noch
nicht", flüsterte er kaum hörbar.
Remus stand so in
der Tür, dass er den Flur im Blickfeld hatte. Bill kam langsam
den Flur entlang. Gerade wollte Remus fragen, warum er nicht mehr im
St. Mungo bei seinem Vater war, als Kingsley die Treppe hoch gelaufen
kam und ihm etwas hinterher rief; noch hatte Bill Tonks und Remus
nicht entdeckt. „Ich dachte, du bist mit deiner Mutter bei deinem
Vater im St. Mungo!" „Der und im St. Mungo?", schnaubte Bill
über den Flur. „Er ist so was stur! Er hat im St. Mungo einen
Aufstand gemacht. Wenn wir nicht da… Mann, hat Dad geschrien!"
„Und jetzt habt ihr ihn mitgebracht, ja?", wollte Kingsley
wissen. „Ja, obwohl drei Heiler meinten, er solle im Bett bleiben.
Er ist unten."
Augenrollend schüttelte Bill seinen Kopf
und ging weiter. „Tonks?", stoppte er wieder. Remus winkte ihn zu
sich herüber. „Übernimmst du?" Er wartete nicht erst
Bills Antwort ab, sondern übergab ihm die aufgewühlte
Tonks.
Unaufhörlich schluchzte Tonks an Bills Schulter.
Nichts war mehr von der starken Aurorin zu sehen. „Sccchhh… ist
doch gut!", versuchte nun Bill sie zu beruhigen. „Ich bin bei
dir!"
„Geht in ein Zimmer und ruht euch aus. Wenn etwas ist,
werde ich euch holen!" Remus nickte den beiden aufmunternd zu und
folgte Kingsley runter ins Erdgeschoss.
Hermine
stand vor Harrys Zimmer und kam nicht weiter. Charlie, der zusammen
mit Kingsley, Dr. Bright und dessen Tochter vor kurzen im
Grimmauldplatz ankam, stellte sich ihr in den Weg. „Du kannst da
jetzt nicht rein!"
„Wieso soll ich da nicht rein können?
Ich möchte endlich Harry sehen! Lass mich durch, Charlie!",
blaffte sie ihn an. „Bitte, Hermine, Dr. Bright kümmert sich
gerade um ihn. Es kann jetzt keiner zu ihm." Charlie wollte Hermine
festhalten und sie von der Tür wegziehen, doch sie wehrte sich
energisch. „Charlie, lass mich los! Was soll das alles; warum lasst
ihr mich nicht zu ihm; warum sagt ihr nicht was los ist?"
Charlie
ließ sie los, jedoch versperrte er ihr weiterhin den Weg. „Wir
wissen auch nichts Genaues. Wir müssen warten bis der Heiler
fertig ist."
„Hermine, komm!", kam Remus auf sie zu. „Bitte
beruhige dich doch wieder!"
„Beruhigen? Ich kann mich nicht
beruhigen! Mein Verlobter ist da drin, und ich darf nicht zu ihm! Ich
weiß nicht wie es ihm geht, geschweige denn, ob er überhaupt
noch lebt. Sag du mir ja nicht, dass ich mich beruhigen soll!"
Wütend giftete sie Remus an. Sie war außer sich. Beruhigen
– auf was für Ideen kam er überhaupt? Wie würde er
reagieren, wenn in diesem Zimmer jemand liegen würde, den er
mehr als alles auf dieser Welt liebte?
In ihrer ganzen Aufregung
merkte sie gar nicht, dass sie nicht die Einzige war, die sich sorgen
um Harry machte. „Hermine, bitte", startete Kingsley nun einen
Versuch. „Lass es gut sein. Es hilft nichts, wenn du dich jetzt
hier verausgabst; wir dürfen noch nicht rein.
Dr. Bright und
Madame Pomfrey sind bei ihm. Sie werden ihr Bestes geben."
Hermine
sah den Auroren mit weit aufgerissenen Augen an. „Du… ihr…"
Sie verstand nicht. Warum ließ er ihn unbeaufsichtig? Kingsley
war doch nach Moody der nächste, der ständig überall
Gefahr witterte und misstrauisch wurde. „Wo wart ihr?", fing sie
auf einmal wieder an zu schreien. „Er hätte euch gebrauchen
können! Warum habt ihr ihm nicht geholfen? Ich… ich…" Sie
kniff ihre Augen zusammen. „Ich konnte ihm nicht helfen – er hat
es nicht zugelassen." Sie wurde immer leiser. Ihre Tränen
liefen unaufhaltsam. „Warum hat er das nur getan? Er hätte
sich retten sollen, aber stattdessen… Warum?"
Fragend sah sie
in Remus' traurige Augen, als hätte nur er eine Antwort auf
ihre Fragen. Immer wieder schüttelte sie ihren Kopf und frage:
„Warum?"
Langsam ging Remus auf sie zu. Vielleicht wollte er
so verhindern, dass Hermine zurückschreckte. Ohne Aufforderung
ließ sie sich in seine Arme fallen und weinte bitterlich, wobei
sie mit ihren Fäusten gegen seine Brust schlug. „Warum hat
dieser blöde Kerl das nur getan; warum lässt er sich von
ihm umbringen? Er opfert sich für ein Schlammblut!"
Diese
Worte aus Hermines Mund zu hören, war angsteinflößend.
Die Anwesenden glaubten sich verhört zu haben. „Es reicht,
Hermine, reiß dich zusammen! Du müsstest dich mal reden
hören! Warum sagst du so etwas?" Remus hielt sie etwas von
sich weg und versuchte sie zur Vernunft zu rütteln – Worte
halfen ja anscheinend nichts.
„Red' nicht so einen Müll
zusammen; komm wieder zu dir! Was glaubst du wohl, warum er das getan
hat, hä? Die Frage müsstest du dir eigentlich selbst
beantworten können!"
Er nahm sie wieder tröstend in
den Arm und senkte seine Stimme. „Du bis sein Ein und Alles; nichts
ist ihm wichtiger, nichts liebt er mehr auf dieser Welt."
Beruhigend
strich er ihr bei diesen Worten über den Rücken. „Wie oft
hat er dir schon gesagt, dass er dich liebt und dass er alles für
dich tun würde…? Selbst wenn wir da gewesen wären – wir
hätten ihn nicht davon abhalten können… Möchtest du
uns erzählen, was auf dem Friedhof passiert ist?" Ganz
vorsichtig und bedächtig kam der letzte Satz über Remus'
Lippen. „Du musst nicht, wenn du nicht möchtest!"
Hermine
hatte vor Anspannung die Luft angehalten. „Du kannst dir damit Zeit
lassen, es drängt dich niemand!"
Hermine sah auf und
wischte sich ihre Tränen fort. „Später, Remus, ich möchte
erst Harry sehen. Bitte!" Sie klang so flehend und verzweifelt,
dass Remus schließlich nachgab. „Natürlich darfst du zu
ihm, aber warte bitte noch bis Dr. Bright mit ihm fertig ist!"
„Einverstanden! Aber wer ist dieser Dr. Bright überhaupt?"
Sie hatte noch nie von ihm gehört.
Arthur kam auf die Gruppe
zu: „Er ist ein sehr guter und äußerst fähiger
Heiler aus dem St. Mungo, und außerdem ein guter alter Freund
von Molly und mir. Anscheinend hatte er einen Teil des Gespräches
mitbekommen. Du kannst ihm vertrauen!"
Stillschweigend kamen
sie überein, Hermine nichts von dem Vorfall im St. Mungo zu
erzählen – jedenfalls jetzt noch nicht. Jedoch wurde dieser
Vorsatz von Hermine gleich auf die Probe gestellt.
„Warum habt
ihr ihn nicht ins St. Mungo gebracht? Er braucht richtige Hilfe!"
Remus war es, der auf ihre Frage antwortete. Er erzählte ihr
aber nur, dass es im St. Mungo nicht sicher genug für Harry
wäre, da sie nicht wüssten, wem sie vertrauen können.
„Wird das je ein Ende haben?", ließ Hermine sich an der
Wand zu Boden gleiten. „ Was machen wir, wenn er…" „Daran
darfst du nicht eine Minute denken!", setzte Charlie sich neben sie
auf den Boden. „Er ist stark, Hermine, er schafft das schon.
Außerdem hat er noch Fawkes.
Er wird ihn nicht im Stich
lassen."
Die
Tür zu Harrys Zimmer ging auf und eine völlig erschöpfte
Madame Pomfrey und ein besorgter Dr. Bright betraten den Flur, um in
erwartungsvolle und angespannte Gesichter zu blicken. Eine Weile
sagte niemand etwas, bis sich der Heiler endlich dazu durchrang den
ersten Schritt zu machen, auch wenn das was er zu sagen hatte nicht
das war, was sie hören wollten. „Es sieht nicht gut aus! Ich
habe alles getan, was in meiner Macht stand. Ich bin zwar immer noch
der Meinung, wir hätten ihn im St. Mungo lassen sollen, jedoch
hätte ich auch dort nicht mehr für ihn tun können. Ich
weiß nicht, wie ich es sagen soll… So oft wie ich das schon
getan habe, es fällt mir immer noch nicht leicht." Es war ihm
wichtig, dieses gesagt zu haben. „Wenn Mr Potters Zustand sich in
den nächsten Stunden nicht stabilisiert, sehe ich keine Chance
für ihn. Ich befürchte allerdings, dass er es nicht schafft
– selbst mit seinem Phönix nicht – er wird sterben.
Kaum
hatte er den letzten Satz ausgesprochen, fuhr Hermine hoch wie eine
Furie. Rücksichtslos schoss sie am Heiler und Charlie vorbei in
Harrys Zimmer und verriegelte von innen die Tür mit einem
starken Zauber. Die Versuche der anderen, diese aufzubekommen,
schlugen alle fehl. Sie selbst bemerkte nicht mal, dass sie dies
stablos bewirkt hatte.
Schon vorher hatten Kingsley und Remus den
Heiler über Harrys Verbindung mit Fawkes aufgeklärt, denn
ihm war es eigenartig vorgekommen, dass Harry diesen Hinterhalt bis
jetzt überlebt hatte. Derzeit sah wirklich alles danach aus, als
würde er sterben.
Dr. Bright und Madame Pomfrey erzählten
ihnen was sie alles versucht hatten, um ihn zu stabilisieren. Mehrere
Analysezauber hatten sie durchgeführt, doch konnten sie nur
geringe Spuren vom Phönix erkennen.
Während
sich draußen auf dem Flur über das Unvermeidliche
unterhalten wurde und Remus fieberhaft versuchte die Tür zu
Harrys Zimmer aufzubekommen, kniete Hermine an seinem Bett. Immer
wieder hörte sie die gleichen Worte in ihrem Kopf, während
Voldemorts kaltes Lachen im Hintergrund hallte: ‚Er wird sterben!'
Sie bekam nicht mit, wie sie von einer gewissen jungen
Krankenschwester beobachtete wurde. Hermine hatte auch keine Ahnung,
dass diese im Hauptquartier war, ihr wurde nur vom Heiler
berichtet.
Nell rührte sich nicht, traurig beobachtete sie
die schluchzende Hermine. Minuten vergingen, in denen sich die
Krankenschwester nicht von der Stelle bewegte. Sie wollte Hermine in
ihrer Trauer nicht stören.
Erst flehte Hermine Harry an, bei
ihr zu bleiben; sie liebte ihn doch und würde ihn brauchen, und
nur kurze Zeit später beschimpfte sie ihn, was ihm einfiel sich
einfach so für sie zu opfern, ob er nicht auch mal einfach nur
an sich denken konnte. Trauer, Angst und Wut wechselten sich
nacheinander ab, immer und immer wieder.
Erst jetzt bemerkt
Hermine, dass über Harry eine Art magische Schrift stand, die
seinen Zustand verriet. Plötzlich rief sie: „Was du hier
veranstaltest, das verzeihe ich dir nie!"
Wie der Zufall es so
wollte, schlugen die Zauber, die Harrys Zustand überwachten
Alarm - er hatte sich drastisch verschlechtert.
Blitzschnell lief
Nell auf Harry zu, um zu sehen was der Zauber anzeigte. „Öffnen
Sie die Tür!", rief sie Hermine zu, ohne sie anzuschauen.
Hermine konnte nicht erkennen, was Nell da tat. Sie war zu
überrascht, dass noch jemand im Zimmer war. „Die Tür
öffnen, verdammt!", schrie Nell jetzt.
Hermine realisierte
nichts mehr. Geschockt sah sie auf Harrys Bett. „Was soll das? Sind
Sie irre?", fragte die Krankenschwester. „Er braucht Hilfe! Sehen
Sie zu, dass Sie den Zauber von der Tür nehmen! DAD!"
Mit
einem gewaltigen Knall zersplitterte die Tür und der Heiler
eilte auf Harry zu. „Verlassen Sie das
Zimmer! SOFORT!" Doch immer noch blieb Hermine wie angewurzelt
stehen – als wäre sie erstarrt. Charlie war als erster bei ihr
und versuchte sie auf sich aufmerksam zu machen. Jedes Wort ihrer
Freunde prallte an ihr ab, als wäre sie eine Wand aus Stahl und
die Worte nur unwichtige Gummibälle. Doch plötzlich brach
sie wie in Zeitlupe zusammen. „Bringen Sie Miss Granger in ein
Zimmer, ich komme so schnell wie möglich nach!", rief Sam
Bright Charlie zu. „Ich habe es geahnt", murmelte er vor sich
her. Geschlagen sah er seine Tochter an. „Du schaffst das, Dad, gib
dein Bestes!"
Sein Bestes? Er hatte alles Mögliche getan,
und es hat nichts gebracht.
Einen Stabilisierungszauber nach dem
anderen legte er über Harry, doch noch immer gab es keine
Besserung.
Charlie,
Kingsley und Remus hatten Hermine mit ins Wohnzimmer genommen. Immer
noch bewusstlos und leichenblass lag sie auf dem Sofa. Auch Arthur,
Molly, Bill und Tonks hatten sich zu ihnen gesellt. Schweigend saßen
sie im Wohnzimmer verteilt.
Nach etwa einer Stunde erwachte
Hermine und sah in sieben ernste Gesichter. „Wie geht es dir, mein
Kind?", fragte Molly, und wollte dabei beruhigend klingen, jedoch
flatterte ihre Stimme dermaßen, dass jeder ihre Unruhe bemerken
musste. „Gut, denke ich."
Hermine zögerte einen Moment,
bevor sie fragte: „Was ist mit Harry… lebt er noch? Was soll ich
nur ohne ihn machen? Ich kann ohne ihn nicht existieren..."
Bekümmert und in sich gekehrt senkte sie ihren Kopf. „Harry
lebt – er ist stark, er hat bis jetzt jeden Angriff irgendwie
überstanden. Er lässt sich nicht so leicht unterkriegen!",
meinte Molly tröstend, doch klang sie immer noch nicht
überzeugend.
„Wir müssen auf alles gefasst sein! Dr.
Bright meint, dass wir uns von ihm verabschieden sollten, jeder auf
seine Weise. Es besteht kaum noch eine Chance, dass er
überlebt."
Hermine bemerkte, dass Remus jedes seiner Worte
weh tat und mit jeder Silbe etwas in ihm zerstört wurde.
„Entschuldigt mich bitte!", rief er plötzlich und sprang
auf. Ohne sich noch einmal umzudrehen, verließ er das
Wohnzimmer. Hermine versuchte aufzustehen; sie wollte hinterher. „Ich
gehe! Bleib du hier und ruh dich noch aus!", hielt Molly sie davon
ab. Sie ging ihm nicht gleich hinterher, sondern erst in die Küche.
Bei einer heißen Tasse Tee konnte man sich viel besser
unterhalten.
„Ich habe vergessen, dass Remus auch Angst hat –
wie ihr alle. Toll, nicht wahr? Wie immer denke ich nur an mich
selbst – eigensinnig und ungerecht!" Wieder fing Hermine an zu
weinen, obwohl sie die ganze Zeit versuchte, es zu unterdrücken.
„Erst schicke ich Harry in den Tod und dann denke ich, dass ich als
Einzige das Recht habe zu trauern…"
„Hermine, bitte hör
auf dir immer für alles die Schuld geben zu wollen! Es reicht
wenn einer diese Angewohnheit hat! Das ist Harrys Job, nicht deiner."
Es hörte sich nicht forsch an – es war ungewohnt Kingsley so
einfühlsam zu erleben. Selten, zu selten bekam man die
Gelegenheit. „Wir alle haben Angst, dass er stirbt, und nicht nur
du, dass stimmt – aber niemand, keiner von uns, würde dich als
eigensinnig und ungerecht bezeichnen.
Und Remus… Er und Sirius
haben Lily und James bei ihrem Leben geschworen, Harry zu beschützen
falls sie - wie es ja leider auch geschah – sterben sollten.
Nachdem nun auch Sirius tot ist, hat er allein diese Aufgabe. Er
wollte sich um Harry kümmern… jedenfalls soweit er dies
zuließ. Ab dem sechsten Schuljahr hat sich Harry kaum noch
jemanden geöffnet, gesagt wie es ihm wirklich geht, nur dir und
Ron."
Er startete einen kleinen Versuch zu lächeln, auch
wenn ihm das in dieser Situation nicht gerade leicht fiel. „Im
letzten Jahr ist er wie ein Sohn für ihn geworden… Außerdem
musste er Harry für den Kampf mit Voldemort und seinen Todessern
ausbilden. Ich stelle es mir so vor, als wenn man seinen eigenen Sohn
in den Kampf schicken würde und genau wüsste, dass er
vielleicht nicht heimkehrt. Er macht sich Vorwürfe, versagt zu
haben. Er hätte Harry sofort geholfen, aber du weißt ja,
wie stur dein Verlobter sein kann – er ist einfach allein los, um
dir zu helfen. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann…"
„Ja, er wusste dass es eine Falle war!", unterbrach Hermine ihn.
„Er hat es genau gewusst und ist trotzdem gekommen!"
„Du
hättest ihn mal im Fuchsbau erleben sollten; er hat sie alle
allein aufgemischt!" Charlie stand auf und setzte sich neben
Hermine. „Er hat Ron vor den Avada Kedavra gerettet." Doch wie
genau verschwieg er.
Mit Hilfe der anderen erzählte er, was
im Fuchsbau geschehen war. „… dann ist er einfach disappariert."
Von
ganz allein fing Hermine an zu erzählen, was sie gesehen hatte
und von dem sie glaubte, dass es wahr war. Auch wie Snape versucht
hat, sie aufzuhalten. Stockend erzählte sie vom Friedhof.
Die
blassen Gesichter ihrer Freunde wurden noch blasser. Erst jetzt
wussten sie was Harry wirklich durchmachen musste. Irgendwie hatten
sie das Gefühl, dass Hermine gewollt einiges ausließ –
besonders das was sie selbst betraf.
Einige der Flüche, die
Hermine aufzählte, hatte Dr. Bright bereits mit Hilfe eines
Zaubers analysieren können, doch das ganze Ausmaß… „Wir
müssen Sam sagen, was Voldemort" – Hermine überlegte,
seit wann Arthur Weasley den Dunklen Lord bei seinem ‚Namen'
nannte – „mit ihm angestellt hat! Vielleicht gibt es ja doch noch
eine Chance, wenn er jede Einzelheit kennt und sich nicht nur an
Vermutungen festhalten muss."
Auch er verließ das
Wohnzimmer eilig. Sie durften nicht noch mehr wertvolle Zeit
verlieren!
Hermine
sah in die fahlen Gesichter der restlichen Anwesenden. Unglaube statt
Zuversicht stand auf jedem, ohne Ausnahme, auch wenn einige
versuchten dies zu verstecken. Keiner von ihnen glaubte so richtig
daran, dass es für Harry noch eine Chance geben würde –
nicht nach dem was passiert war. Zwar war noch Hoffnung vorhanden,
aber nicht ausreichend, um sich damit aufzubauen.
Auf dem Friedhof
hatte er keinen Schutz durch Fawkes gehabt, alles musste er aus
eigener Kraft schaffen, und nun war diese bis auf den letzten Funken
aufgebraucht. Auch war Fawkes immer noch nirgends zu sehen oder zu
hören.
Ja, Fawkes könnte ihnen wieder etwas Hoffnung
geben, aber nichts dergleichen. Wo war der Phönix? Seit dem
Friedhof wurde er nicht mehr gesehen. Hermine hoffte inständig,
dass er bei Harry ist, und er sich nur nicht zu erkennen geben
könnte. Doch auch dieser Glaube war nur noch gering, er bestand
nur noch aus dünnem, nicht greifbarem Rauch.
Einer sah dem
anderen an was er dachte. „Es hilft nichts, wenn wir hier nur
rumsitzen und Trübsal blasen - wir müssen uns irgendwie
beschäftigen! Hier sitzen und auf das warten, vor dem wir uns
alle am meisten fürchten? Nein, das halte ich nicht
aus!
Ablenkung hilft momentan am besten", schlug Molly vor, die
bereits wieder nach wenigen Minuten zurück im Wohnzimmer war.
Remus hatte sie nicht gefunden, er war wie vom Erdboden verschluckt.
Anscheinend wollte er nicht gefunden werden.
Doch mit was sollte
sie sich ablenken? Das Haus glänzte von oben bis unten, und
zurück in den Fuchsbau wollte sie nicht. Sie wollte hier bleiben
falls jemand ihre Hilfe bräuchte. „Ich werde uns etwas zu
Essen machen, eine kleine Stärkung!", fiel ihr ein. „Hermine,
möchtest du mir helfen?" Mütterlich lächelte sie ihr
zu. „Ja, natürlich!" Hermine klang nicht gerade begeistert,
aber vielleicht hat Molly ja Recht, und Ablenkung hilft tatsächlich.
Überall
im Haus war es totenstill. In der Küche konnte sich Hermine
nicht mal ansatzweise konzentrieren. Einen Moment der Unachtsamkeit
und sie ließ gleich mehrere Teller fallen, die sie eigentlich
auf den Tisch stellen wollte. „Da gehören sie aber nicht hin,
Liebes! Eiferst du jetzt Tonks nach?", versuchte Molly zu scherzen,
was völlig daneben ging. Hermine konnte über Mollys Scherz
nicht lachen, nicht mal ihre Mundwinkel zuckten. Nur ein leises
„Entschuldigung" kam ihr über die Lippen, bevor sie sich auf
einen der Stühle am Tisch niederließ. Alles, egal was,
erinnerte sie an Harry.
Selbst in den Porzellanscherben vor sich
auf dem Boden glaubte sie sein Gesicht zu erkennen. Mit einem
einfachen „Reparo" von der Weasleymutter waren die Teller wieder
wie neu.
„Vielleicht wäre es besser, du würdest deine
Eltern besuchen; sie freuen sich bestimmt! Hermine?", fragte sie,
da diese nicht reagierte.
„Ich möchte zu ihm, Molly, ich
halte es nicht mehr aus! Ich möchte bei ihm sein, wenn er…. Er
soll nicht allein…" Hermine konnte es einfach nicht aussprechen.
Schon die Vorstellung, dass Harry nie mehr bei ihr sein würde;
sie nie wieder sein wunderbares Lächeln sehen könnte und
seine atemberaubenden Augen sie kein weiteres Mal zum Schmelzen
bringen würden; er ihr nie wieder sagen würde, dass er sie
liebt, ließ Übelkeit in ihr aufsteigen. Ihr Herz begann
erneut zu rasen und das Atmen fiel ihr immer schwerer. ‚Er wird
nicht sterben, er wird nicht sterben…', versuchte sie sich in
Gedanken zu beruhigen. „Hermine, gib die Hoffung nicht auf! Bitte
gib euch nicht auf!" Dieser kleine aber deutliche Satz von Molly
trieb ihr wieder Tränen in ihre noch immer etwas geröteten
und geschwollenen Augen.
Noch mehrmals versuchte Molly Hermine
dazu zu überreden, sich bei ihren Eltern auszuruhen, jedoch
führte dort selbst mit Engelszungen kein Weg hin.
Stumm
saß Hermine an Harrys Bett und hielt seine linke Hand fest
umklammert. Mit ihren Gedanken war sie nicht auf dem Friedhof –
daran wollte sie sich nicht mehr zurückerinnern – sondern in
der Zukunft, in ihrer erhofften Zukunft. Wie sehr wünschte sie
sich eine Familie mit Harry. Schon so oft hat sie davon geträumt.
Sie überlegte, was ihr lieber wäre – ein Mädchen
oder ein Junge? Ein kleiner Bücherwurm wäre gar nicht
schlecht. Bei dem Gedanken huschte ein leichtes Lächeln über
ihr verweintes Gesicht. „Sein Zustand hat sich in den letzen drei
Stunden nicht mehr verschlechtert, er ist stabil geblieben!", wurde
Hermine aus ihren Gedanken gerissen. Erschrocken drehte sie sich um
und blickte in das lächelnde Gesicht der jungen Krankenschwester
Nell Bright. „Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt!", kam
Nell auf sie zu. „Ich heiße Nell und bin die Tochter von Dr.
Bright. Ich arbeite als Krankenschwester im St. Mungo auf der Station
für Fluchgeschädigte." Hermine stand auf und reichte ihr
die Hand: „Hermine Granger! Ich bin die Freundin von Harry" „Ah
ja, seine Verlobte", verbesserte Nell. „Wenn sich sein Zustand
nicht weiter verschlechtert, hat er es geschafft. Mr Weasley hat uns
erzählt, was auf dem Friedhof passiert ist." Sie schüttelte
ihren Kopf. „Dass ein Mensch so etwas aushalten kann, habe ich nie
für möglich gehalten."
Hermine sah wieder auf ihren
Verlobten und fragte: „Konnten Sie erkennen, ob sein Phönix
noch bei ihm ist?" „Oh ja, und das ist sein Glück! Wäre
er nicht da gewesen, dann…" „Aber auf dem Friedhof war er nicht
bei ihm gewesen!", unterbrach Hermine sie. „Das nicht, aber er
ist gerade noch rechtzeitig gekommen. Mr Lupin meinte, dass Harry –
oh, Verzeihung, Mr Potter meine ich natürlich! – das Kraftfeld
irgendwie aufgehoben hat und sein Phönix dadurch zu ihm konnte.
Nur einen Moment später und selbst Fawkes hätte ihm nicht
mehr helfen können. Aber…" Die Krankenschwester zögerte.
„Was aber?" „Nun ja… hätte er früher den
Schutzschild von Ihnen genommen, dann wäre alles anders
gekommen. Er hätte noch etwas Kraft gehabt und würde jetzt
nicht hier halb tot vor uns liegen."
Sie sah Hermines
entsetzten Blick. „Miss Granger, bitte! Er allein hat sich dazu
entschieden – auch wenn er nicht wirklich eine Wahl gehabt hat."
„Doch, hätte er", murmelte Hermine leise. Die
Krankenschwester hatte sie genau verstanden. „Sie hätten ihn
bestimmt durch nichts davon abhalten können! Nachdem was ich
alles von Ihren Verlobten gehört habe" – sie lächelte
wieder etwas – „hat er seinen ganz eigenen Kopf.
Was sich
einmal darin festgesetzt hat, kann man dort nicht mehr so schnell
vertreiben.
Das waren die Worte von Charlie." Hermine nickte
zustimmend. „Aber Voldemort war schon längst verschwunden, und
trotzdem hat er es aufrechterhalten. Wozu nur?", seufzte sie und
setzte sich wieder ans Bett. Abwesend fragte sie Nell: „Warum ist
er nicht im St. Mungo? So schlecht ging es ihm noch nie. Wäre es
nicht besser, wenn er dort behandelt werden würde?"
„Ja,
mit Sicherheit! Aber nachdem was dort vorgefallen ist…" Weiter
kam sie nicht. „Vorgefallen? Was… was ist dort vorgefallen? Was
war da los?" Nervös blickte Nell um sich, ob jemand in der Tür
stand. Hätte sie doch bloß ihre Klappe gehalten! Sie
verfluchte sich selbst dafür. „Sie wissen das nicht?",
versuchte sie die Wahrheit hinauszuzögern. Allem Anschein noch
nicht, denn sonst hätte Hermine sicherlich nicht
nachgefragt.
„NEIN!" Nell atmete tief durch. „Dann sollte
Ihnen das lieber jemand anderes erzählen, ich bin nicht die
Richtige dafür." Hermine ließ jedoch nicht locker, und
Nell musste schließlich nachgeben.
Kopfschüttelnd
kniete Hermine am Bett. „Wie weit wird das noch gehen?"
Nell
ließ Hermine mit ihren Gedanken allein. Ihr Weg führte sie
direkt zu ihrem Vater - sie musste ihm beichten, was sie Hermine aus
versehen erzählt hatte. Sie hoffte nur, dass er Arthur und den
anderen ihren Fehler beibringen würde. Aber warum
Fehler?
Irgendwann hätte Hermine es so oder so erfahren!
Der
Samstag ging und der Sonntag kam. Den ganzen Tag schon saß
Hermine an Harrys Bett und wich nicht von seiner Seite – nicht eine
Minute. Irgendwann war sie erschöpft neben ihm eingeschlafen.
Sie saß zwar in einem großen Sessel, aber bequem sah es
trotzdem nicht gerade aus.
Plötzlich wurde sie unruhig.
Hastig huschten ihre Augen unter den geschlossenen Lidern hin und her
und ihre Hände zuckten. Sie schien zu träumen.
Schreiend
wachte sie auf: „NEIN, NICHT!" Aufgeregt blickte sie sich um sich
und sah einen besorgten Remus in der Tür stehen. Er war kurz
zuvor am Zimmer vorbeigekommen und hatte ihren Schrei gehört.
Tränen, die sie sinnloser Weise versuchte zurückzuhalten,
standen in ihren Augen. Sie war zurzeit nicht in der Lage auch nur
einen Funken Stärke zu zeigen. So sehr sie es auch versuchte,
jedes Mal scheiterte sie kläglich.
„Geht es dir nicht gut,
Hermine?", kam Remus auf sie zu. Was für eine Frage! Natürlich
ging es ihr nicht gut! „Geht schon wieder, danke", flüsterte
sie heiser und wischte sich ihre Tränen mit dem Ärmel fort,
nur um sofort neuen Platz zu machen. Remus kniete sich neben den
Sessel und nahm ihre Hand. „Rede mit mir!", bat er leise. Hermine
schüttelte nur ihren Kopf. „Hermine, bitte!", bemühte
Remus sich aufs Neue. Er blickte auf Harry und sagte: „Tu' es für
ihn! Wenn er aufwacht und dich so sieht, bricht es ihm das Herz.
Er
hat das alles für dich getan." Und genau das war Hermines
Problem – er hat es für SIE getan. IHRETWEGEN lag er hier
bewusstlos im Bett; IHRETWEGEN wäre er fast gestorben. „Ich
weiß", antwortete sie mit belegter Stimme.
Für einen
Augenblick sagte keiner der beiden etwas – stumm saßen sie an
Harrys Bett und beobachteten ihn. Jeder ging seinen eigenen Gedanken
nach.
Remus
war es, der als erster die Stille durchbrach: „Hattest du einen
Alptraum?" Hermine traute sich nicht den Werwolf neben sich
anzusehen. „Du hast ‚Nein, nicht' geschrien. Was
war los?"
Eigentlich wollte sie nicht darüber reden,
sie wollte es schnell wieder vergessen. Oder besser gesagt
verdrängen, denn vergessen würde sie es bestimmt nie
wieder. Noch ein Grund war, dass die anderen sich schon genug um sie
sorgten.
„Wenn ich meine Augen
schließe, Remus, sehe ich den Friedhof vor mir. Ich kann die
klamme Luft und die feuchte Erde selbst jetzt noch spüren –
Voldemorts röchelnden Atem auf meinem Nacken fühlen." Sie
kniff ihre Augen zusammen. Diese Erinnerungen waren so nah, als würde
sie immer noch dort am Grabstein gefesselt sein. „Ich sehe Harry
vor mir" - ihre Augen waren wieder geöffnet und ein
mitleidiges Lächeln schenkte sie dem schlafenden Harry - „wie
er all die Flüche von Voldemort und seinen Todessern aushalten
muss, und…" Sie schluckte, riss sich aber wieder zusammen. „…
und ich konnte ihm nicht helfen. Ich höre seine Schreie und
Voldemorts kaltes Lachen, sehe seine wütenden und zugleich
ängstlichen grünen Augen genau vor mir. Ja, Remus, er hatte
Angst! Aber nicht um sich, sondern um mich. Er wäre fast für
mich gestorben!"
Hermine nahm all
ihren Mut zusammen und erzählte weiter. Irgendwann würde es
sicherlich leichter werden. Doch irgendwann war eine lange
Zeitspanne. Irgendwann ist halt irgendwann, und es hört
sich nicht nach naher Zukunft an. „Er muss unvorstellbare Schmerzen
gehabt haben. Seine Augen hatten kaum noch Hoffnung, doch trotzdem
hat er nicht aufgegeben." Jetzt lachte Hermine auf: „Voldemort
hat ihm ein Angebot gemacht – er hätte das alles nicht
ertragen müssen. Er hatte ihm angeboten, sich ihm anzuschließen,
aber Harry hat abgelehnt nur weil ich ‚Nein' gerufen
habe."
„Nicht, Hermine",
unterbrach Remus sie, „er hätte es auch ohne dein ‚Nein'
abgelehnt!
Niemals würde Harry sich ihm anschließen."
„Auch nicht, wenn er mich damit retten würde? Glaube mir, er
hat überlegt, ob er…" „NEIN, niemals!"
Hermine
hatte Remus und den anderen zwar am Vortag bereits erzählt, was
auf dem Friedhof geschehen war, aber das, was sie ihm eben erzählt
hat, hatte sie gewollt ausgelassen. Auch jetzt hatte sie noch nicht
alles erzählt.
„… und der Angriff auf den Fuchsbau…
war nur ein Test!" Remus glaubte sich verhört zu haben: „Ein
Test?", fragte er ungläubig. „Ja, Remus, ein verdammter
Test! Er wollte wissen, welche Kräfte und Fähigkeiten Harry
noch so hat." Auf so etwas Abartiges konnte auch nur ein
selbsternannter Dunkler Lord kommen. „Und eins hat er damit noch
geschafft." Remus sah sie fragend an. „Mit dem Kraftfeld – so
hat Voldemort es jedenfalls erzählt – wusste er genau, wie er
Harry und Fawkes trennen konnte. Deshalb konnte Fawkes nicht zu ihm."
„Warum hast du uns das nicht gestern schon erzählt, es ist
wichtig - verdammt wichtig!" „Warum? Ich habe es in der ganzen
Aufregung einfach vergessen!"
Und das war nicht mal gelogen.
Erst als sie anfing mit ihm über das Ganze zu reden, fiel es ihr
wieder ein. Die ganze Zeit über hatte sie sich gefragt, warum
Fawkes ihnen nicht zur Hilfe kam. Hier war die Antwort, und diese war
nicht weniger erschreckend und traf sie auch nicht weniger heftig,
als auf dem Friedhof.
Wieder stieg Übelkeit in ihr auf.
Allein schon der Gedanke daran, dass Voldemort es noch einmal
versuchen könnte reichte aus, um hysterisch zu werden. „Hermine,
wir werden einen Weg finden! Voldemort wird es nicht noch mal
schaffen, das verspreche ich dir!
„Es tut mit Leid, dass ich so
eigensinnig war und nur an mich gedacht habe! Ich habe nicht mal
bemerkt, dass es euch auch schlecht geht." „Schon gut, Hermine!"
Sanft strich Hermine Harry durchs Haar und gab ihm erst einen Kuss auf die Stirn und dann auf den Mund. „Wach wieder auf, bitte!", flüsterte sie ihm zu, wobei sie ihm über die blassen Wangen strich und erneut küsste. „Hermine?", machte Remus wieder auf sich aufmerksam. „Ja?", kam es zaghaft zurück, ohne das sie ihre Augen von Harry abwandte. „Wissen deine Eltern schon was passiert ist? Vielleicht solltest du für ein paar Tage zu ihnen gehen. Du brauchst Abstand, damit du dich ausruhen kannst!" „Ich? Abstand? Ich brauche keinen Abstand!", protestiere sie. „Ich brauch nur Harry! Meine Eltern wissen nichts von alledem hier, und das bleibt auch so!", sagt sie energisch. Wieder etwas friedliebender fügte sie hinzu: „Sie machen sch schon genug Sorgen um mich. Es ist besser, wenn sie es nicht erfahren!" „Aber…", versuchte diesmal Remus dagegen zu reden. „Remus, bitte!" Er nickte zustimmend. Immerhin war es ihre Entscheidung, auch wenn er anders entschieden hätte. Er runzelte die Stirn – irgendwoher kannte er den Gedanken bereits…
Es
klopfte an der Tür und Remus und Hermine schreckten aus ihren
Gedanken hoch. Molly Weasley stand lächelnd in der Tür und
betrat das Zimmer. „Ich wollte euch zum Essen holen, es steht alles
auf dem Tisch!" „Wir kommen sofort!", entgegnete Remus und
stand auf. Er reicht Hermine seine Hand, doch diese verneinte seine
Geste. „Ich habe keinen Hunger, geht ohne mich!" „Hermine,
Kind, du musst aber endlich mal was essen! Du hast seit Freitag nicht
einen Bissen mehr angerührt. Komm, es riecht köstlich!"
Hermine
schüttelte entschieden ihren Kopf. „Ich habe keinen Hunger –
mir ist schlecht! Ich möchte wirklich nicht!"
Immer weiter
versuchte Molly ihr Glück, doch nach dem dreizehnten Mal gab sie
es schließlich auf, Hermine zum essen zu bewegen. Nicht mal
hier an Harrys Bett wollte sie etwas essen.
Am
Abend konnte Molly mit ihrem Gewissen nicht mehr vereinbaren, dass
Hermine noch immer nichts im Bauch hatte. Damit, dass sie nicht von
Harrys Seite wich, hatte sie sich abgefunden, aber verhungern lassen,
konnte sie das Mädchen nicht. Sie beschwor einen kleinen
Beistelltisch und stellte ihn neben Hermine. „Was glaubst du, sagt
Harry, wenn er dich halb verhungert vorfindet? Was denkst du, ist das
Erste, was er tun wird? Mich lynchen, da ich dich nicht zum essen
gezwungen habe. Und genau das werde ich jetzt tun – du wirst essen!
Wenn nicht, werden wir einen anderen Weg gehen müssen; ich habe
schon mit Dr. Bright gesprochen. Iss und ich überlege mir meine
Entscheidung noch mal!" Entsetzt sah Hermine sie an. „Ich tue es
nicht gern, Hermine, aber anscheinend geht es bei dir nicht anders.
Also, ich werde so lange hier sitzen bleiben, bis du aufgegessen
hast. Ich will den Teller krümelfrei sehen!"
Molly duldete
keine Widerrede mehr. Sich schüttelnd quälte Hermine sich
die Schnitten, die auf dem Teller lagen hinunter.
„Danke!
Es tut mir Leid, dass ich so mir dir umgehen musste, aber du wolltest
es anscheinend nicht anders!", versuchte Molly ihr Verhalten zu
rechtfertigen. „Spiel dich nicht selbst kaputt!"
Mit diesen
Worten verließ Molly mit dem leeren Teller in der Hand das
Zimmer. Bevor sie die Tür zuzog, drehte sie sich noch einmal um
und sagte: „Wenn du etwas brauchst, wir sind unten." Nur ein
Nicken bekam sie als Antwort.
Wieder
vergingen die Tage fast unbemerkt. Der Heiler besuchte seinen
Patienten fast stündlich – nur nachts ließ er größere
zeitliche Abstände zwischen seinen Besuchen. Noch immer war
Harry nicht wach, aber ein Lichtblick gab es trotzdem – sein
Zustand war weiterhin stabil. Jedes Mal sagte er: „Wenn es so
bleibt, wird er bald wieder unter uns sein." Auch Nell hatte
Hermine am Samstag schon gesagt, dass wenn sein Zustand sich nicht
verschlechtern würde, es Hoffnung gäbe und er durchkommen
würde. Sie hatte sie also nicht belogen, nur um sie zu
beruhigen.
Dankbar lächelte Hermine den Heiler an. „Danke,
Dr. Bright! Das was Sie für Harry getan haben, war…" „Bitte
danken Sie mir nicht, Miss Granger! Es ist meine Aufgabe zu helfen.
Außerdem habe ich nicht viele
Aktien an seiner Genesung, es ist sein Phönix." Er sah sich
Hermine genau an. „Aber Sie sehen viel zu blass aus. Ich würde
Sie gern noch einmal untersuchen wollen!"
„Nein, mir geht es
gut, ich bin nur etwas müde und geschafft, mehr nicht. Wichtig
ist nur, dass Harry bald wieder gesund wird!" „Das wird er, geben
Sie ihm noch ein paar Wochen und alles ist wieder beim Alten!
Wenigstens fast. Seine seelischen Wunden werden nicht so schnell
heilen." Wochen? Hatte Hermine da richtig verstanden?
Gerade
wollte der Heiler wieder gehen, als Hermine ihn aufhielt: „Dr.
Bright?" „Ja, Miss Granger?" „Was macht Ihre Familie… Ich
meine, Sie haben doch sicherlich eine. Ihre Tochter ist auch hier,
aber wo ist Ihre Frau? Weiß sie wo Sie sind?" Er wirkte
nachdenklich. „Jain – sie weiß nur, dass es uns gut geht
und wir für einige Zeit nicht nach Hause kommen werden. Mehr
darf ich ihr nicht sagen. Ich habe auch noch eine kleine Tochter, sie
heißt Tegla." Ein bedrücktes Lächeln huschte über
sein Gesicht. „Sie ist neun Jahre alt. Aber wenn das alles hier
vorbei ist, es Ihrem Verlobten wieder gut geht und er mich nicht mehr
braucht, werden Nell und ich so oder so alles vergessen haben, was
seit Freitag passiert ist." Hermine sah ihn irritiert an. „Nur
unter der Bedingung durften wir mit", erklärte er. „Ich
hätte Ihren Verlobten gern im St. Mungo behalten, aber es ging
nicht."
„Aber warum werden Sie alles vergessen haben, wie
meinen Sie das?" „Ganz einfach – ein kleiner Vergessenszauber
und alles ist weg." Hermine wollte nicht so ganz glauben, was ihr
der Heiler da erzählte. Immer noch ungläubig sah sie ihn
an. „Meine Familie und ich sind keine Mitglieder des Phönixordens,
und wir haben auch nicht vor welche zu werden. Ich helfe gern, aber
kein Eintritt. Da nehme ich doch lieber den Vergessenszauber."
„Gibt es einen bestimmten Grund, weshalb Sie nicht dem Orden
beitreten wollen?", fragte sie direkt heraus. „Nicht heute, Miss
Granger!" Wieder wollte er gehen. „Aber man vermisst Sie doch
sicherlich im St. Mungo. Wie wollen Sie ihr Verschwinden erklären?"
Der Heiler zuckte mit den Schultern. „Wir haben auf unbestimmte
Zeit unbezahlten Urlaub eingereicht."
Draußen
war es nass und unangenehm geworden – richtig typisches
Herbstwetter für England. Genau eine Woche war vergangen, doch
Harry war immer noch bewusstlos. Zwar gab
es keinerlei Zwischenfälle mehr, aber Anstalten aufzuwachen,
machte er trotzdem nicht. Blass und noch immer von den Spuren des
Kampfes gekennzeichnet, lag er in seinem Bett.
Dr. Bright und
seine älteste Tochter waren seit einer Woche nicht mehr bei
ihrer Familie gewesen. Beide vermissten Frau und Mutter sowie auch
die kleine Tegla, jedoch hatte sich keiner von ihnen beklagt. Hermine
hingegen hatte ein schlechtes Gewissen dem Heiler und Nell gegenüber.
Fern von der Familie und ohne Bezahlung kümmerten sie sich um
Harry. Sie fasste den Entschluss mit Arthur, Remus und Professor
McGonagall darüber zureden. Die beiden sollten bekommen, was
ihnen zusteht! „Ich bin gleich wieder bei dir, Harry, mach ja keine
Dummheiten!", sagte sie, küsste ihn zum Abschied auf den Mund
und verließ das Zimmer.
„Remus!", rief sie ihm nach.
„Warte bitte auf mich, ich muss mit dir reden!" Der Gerufene
hatte sich gerade seinen Mantel übergezogen und wollte
disapparieren. „Remus, hast du einen Moment für mich? Es
dauert auch nicht lange!" Der Werwolf legte seinen Mantel wieder ab
und schlug ihn über seinen linken Arm. „Für dich habe ich
immer Zeit! Ich wollte nur gerade nach Hogwarts, Minerva möchte
gern wissen, was es Neues von Harry gibt." „Gut zu wissen!",
zwinkerte sie ihm zu. „Das tut richtig gut!" Hermine sah ihr
Gegenüber mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Was tat gut? Was
hatte sie nur getan, dass es Remus gut ging? Nicht dass sie nicht
wollte, dass es ihm gut ging. „Was tut gut?", sprach sie laut
aus. „Dein Lächeln", bekam sie als Antwort von ihm. „Endlich
wieder ein Lächeln von dir. Ich dachte schon, ich würde es
nie wieder auf deinem Gesicht sehen… Was hast du denn auf dem
Herzen?"
Wieder musste Hermine über Remus' Aussage
leicht schmunzeln. „Ihr braucht euch um mich keine Sorgen machen!
Aber was ich von dir wollte… Ich würde gern mit dir, Arthur
und Professor McGonagall sprechen – es geht um Dr. Bright und
Nell." Diesmal war es Remus, der sie mit zusammengezogenen
Augenbrauen ansah: „Professor McGonagall?
Hat Minerva dir nicht
das Du angeboten? Ich denke so etwas irgendwann mal gehört zu
haben. Immerhin seid ihr Kollegen und außerdem hält sie
sehr viel von dir." „Ja, aber sie ist die Schulleiterin und ich…"
„STOPP!", hielt Remus sie auf. Sein Ton war wohl nicht gerade der
ruhigste, denn Hermines Augen weiteten sich schlagartig um das
Doppelte.
„Denk das ja nicht zu Ende! Entschuldige bitte, ich
wollte nicht so laut werden!" „Schon gut!", winkte Hermine ab.
„Wann kann ich mit euch sprechen? Können wir uns heute
irgendwann zusammensetzen?" Remus schlug vor, McGonagall zum
Abendessen mitzubringen: „Nach dem Abendessen können wir dann
in Ruhe reden." „Ihr lasst auch keinen Versuch aus, mir Essen
unterzuschieben, was?" „Erwischt! Bis heute Abend, Hermine!",
verabschiedete sich Remus.
In
der Zwischenzeit hatten sich Bill und Charlie dazu entschlossen,
Harry einen Besuch abzustatten. Charlie ging auf Nell zu, die gerade
für ihren Vater an Harry noch einige Tests durchführte und
anschließend die noch verbliebenen Wunden mit einer gelben
Tinktur versorgte. Bill hingegen blieb kopfschüttelnd und
gedankenversunken am Türrahmen gelehnt stehen. Noch einmal ging
ihm der Vorfall im St. Mungo durch den Kopf, wo er Harry zu Unrecht
zusammengestaucht hatte. Jedes einzelne Wort tat ihm Leid, welches er
ihm so unbedacht und voller Wut an den Kopf geknallt hatte. Doch
getreten ist getreten!
Charlie bemerkte, dass mit seinem Bruder
irgendwas nicht stimmte. Er glaubte auch zu ahnen, was Bill gerade
durch den Kopf ging. „Er weiß, dass du nicht du selbst
warst!", holte Charlie ihn zurück. Nell schreckte hoch. Sie
hatte nicht bemerkt, dass jemand bei ihr war, und auch nicht, dass
sich jemand an sie herangeschlichen hatte. So sehr war sie in ihre
Arbeit vertieft gewesen. „Was?", fragte sie und erkannte Bill und
Charlie.
„Das ist keine Entschuldigung für das was ich ihm
an den Kopf geballert habe! Wie konnte ich so etwas nur sagen? Und
das Schlimmste ist, Tonks weiß es nicht mal! Er scheint es ihr
nicht gesagt zu haben. Warum nicht?" „Das wird er auch nicht",
ging Charlie auf Bill zu und legte seinem Bruder seine Hand auf die
Schulter. „Wenn du möchtest, dass sie es erfährt, dann
musst du es ihr wohl selbst sagen! Aber wenn Harry es nicht getan
hat, dann nimmt er es dir nicht übel. Warum also quälst du
dich unnötig damit? Lass es doch gut sein! Tonks muss es nicht
unbedingt erfahren."
Bill sah Charlie entschlossen an. „Ich
habe einen Fehler gemacht, den ich vielleicht nie wieder gut machen
kann. Ich wollte ihr helfen, habe aber versagt. Also habe ich meine
Unfähigkeit an Harry ausgelassen. Er konnte doch nichts dafür,
dass sie… Er hat uns doch nicht gehört." Immer größere
Schuldgefühle redete er sich ein, doch schaffe er es nicht, sein
Gewissen damit zu entlasten.
„Warum nie wieder?", mischte sich
Nell ein. „Er wird bald wieder aufwachen. Auch wenn es noch einige
Wochen dauern sollte, aber er wird gesund. Ich kenne Harry zwar
nicht, aber ich denke auch, dass er es ihr nicht sagen wird. Wenn er
es gewollt hätte, dann wüsste sie es bestimmt schon –
Gelegenheiten hatte er sicherlich schon genug, es ihr zu erzählen.
Ich glaube, sie arbeiten zusammen, oder nicht? Wenn du wirklich so
verbissen darauf bist, es ihr zu erzählen und dein Gewissen
damit beruhigt bekommst, dann musst du wohl deinen Mund aufmachen!"
Ohne ein weiteres Wort zu sagen, drehte Bill sich um und verschwand
mit wehendem Umhang.
Nell
und Charlie sahen sich an. „Eine Tasse Tee? Es ist so kalt, die
wärmt bestimmt durch. Draußen wird es immer
ungemütlicher." Nell sah auf ihre Uhr: „Gern, aber wir
könnten es auch gleich mit dem Abendbrot verbinden." Sie hielt
sich ihren Bauch. „Ich habe tierischen Hunger!" „Könnten
wir theoretisch", erwiderte Charlie, „aber…" „Was aber?"
Charlie sah verlegen zu Boden. „Ich meine… Ich wollte…" „Na?"
„Ich wollte eigentlich mit dir allein sein." Darauf wusste Nell
keine Antwort. Die sonst so schlagfertige Nell fand einfach keine
Worte. Charlie musste grinsen: „Hey, wo ist die sonst so kecke Nell
Bright hin, die ich so…" Charlie stoppte sich selbst. „Jaaaaaaa?"
„Die ich kenne, mein ich."
„Charlie Weasley!", mahnte
Nell. „Was denn, möchtest du nun oder nicht?", fragte er
leicht gereizt. Obwohl, gereizt konnte man das nicht nennen, eher
verlegen. Verlegen daher erwischt worden zu sein. Schon als Kinder zu
Hause und auch in Hogwarts hatten die beiden viel Zeit miteinander
verbracht, bis sie sich schließlich nach dem Abschluss aus den
Augen verloren hatten.
Nachdem sich Nell noch einmal vergewissert
hatte, dass es Harry gut ging, meldete sie sich bei ihrem Vater ab
und holte sich zusammen mit Charlie etwas aus der Küche. Molly
rief ihnen hinterher, warum sie nicht wie alle anderen auch in der
Küche essen könnten, doch bekam sie keine Antwort von den
beiden. Ihr Sohn winkte ihr nur frech zu. „Den bekomme ich auch
nicht mehr groß!", meckerte sie vor sich her.
Wie
besprochen trafen sich nach dem Abendbrot Remus, Arthur und
McGonagall im Salon – nur Hermine fehlte noch. Wie jeden Abend
hatte sie an Harrys Bett gegessen.
„Entschuldigt bitte, ich habe
die Zeit vergessen!", betrat Hermine den Salon. „Dafür
brauchst du dich nicht bei uns zu entschuldigen!", meinte die
Direktorin und klopfte mit ihrer linken Hand aufs Sofa. „Setzt
dich!"
Mit seinem Zauberstab schloss Arthur die Tür. „Was
wolltest du mit uns bereden? Remus sagte, du hast Sam erwähnt?",
fragte er. „Ja, stimmt. Es geht so nicht weiter, er…" „Was
ist mit ihm?", fragte Arthur dazwischen. „Wir können ihm
vertrauen, ich bürge für ihn." „Nein,
Arthur, ganz ruhig! So meine ich das doch gar nicht. Ich
vertraue ihm auch, es geht nur darum, was Nell und ihr Vater für
uns tun. Ich möchte den beiden gern etwas dafür geben. Es
wäre auch in Harrys Sinne, denke ich." „Schon, aber er macht
es freiwillig", erklärte Arthur. „Ich kenne ihn, er würde
nie etwas dafür nehmen." „Aber Arthur, sie haben dafür
auf unbestimmte Zeit unbezahlten Urlaub genommen. Wer weiß, wie
lange das Ganze hier dauert, seine Familie muss doch vorn irgendwas
leben. Wir können nicht verlangen, dass sie ihr Erspartes
angreifen!"
„Unbezahlt und auf unbestimmte Zeit?", fragte
Remus. Anscheinend wusste er nichts davon. Und auch Arthur sagte:
„Das wussten wir nicht! Kingsley hat nur gesagt, dass Sam ihm einen
Brief für die Verwaltung des St. Mungo mitgegeben hat."
„Außerdem", sagte Hermine weiter, „machen die beiden das
alles, obwohl sie nicht im Orden sind. Ihr könnt sie nicht hier
festhalten und nachher einfach mal so ihr Gedächtnis verändern!"
„Woher weißt du das alles?", fragte McGonagall. „Dr.
Bright hat es mir erzählt, besser gesagt, ich habe es ihm
entlockt. Das könnt ihr mit den beiden nicht machen!"
„Zerbreche
dir darüber nicht deinen Kopf! Harry wird entscheiden was
wir tun. Wir werden das machen, was er für richtig hält.
Und wenn er meint, ein Vergessenzauber ist das Richtige, dann ist es
so." Remus' Aussage duldete keine Gegenrede. So hatte sie ihr
Gegenüber noch nicht erlebt – kaltherzig war das Wort, welches
Remus momentan am besten beschrieb.
„Aber… woher wollt ihr so
genau wissen, was Harry meint und was er für richtig hält?"
„Nein, Hermine, wir haben mit den beiden alles besprochen, sie
wussten, auf was sie sich einlassen." Hermine stand erzürnt
vom Sofa auf. „Dann gebt den beiden wenigstens etwas Lohn für
ihre Arbeit! Das könnt ihr hoffentlich ohne Harry entscheiden!"
Sie wartete nicht erst auf die Antwort der drei. „Wenn nicht,
bezahle ich sie von meinem Geld!" Das war das Letzte, was sie von
ihr zu hören bekamen. Wütend verließ sie den Salon.
„Sie hat Recht!", durchbrach McGonagall die Stille. „Ja",
entgegnete Remus etwas weniger aufgebracht als zuvor, „aber wir
können erstmal nichts daran ändern. Was soll Sam sagen,
wenn jemand mitbekommt, dass trotz des unbezahlten Urlaubes
Geldbeträge auf sein Konto eingehen? Wir regeln das schon
irgendwie – Harry wird ja zum Glück nicht ewig schlafen."
Den
Rest des Abends, den kompletten Samstag und Sonntag bekamen die drei
Hermine kaum noch zu Gesicht - gekonnt mied sie den Rat. Sie waren
nicht länger als eine Minute mit ihr zusammen in ein und
demselben Raum.
Irgendwann gaben sie den Versuch auf, mit Hermine
reden zu wollen. Alle drei waren der Meinung, dass sie Zeit bräuchte
und sie sich schon wieder beruhigen würde. Zumindest hofften sie
es.
Am
Montagvormittag machte Hermine sich von den anderen unbemerkt auf den
Weg in die Winkelgasse. Niemand sollte wissen was sie vorhatte, schon
gar nicht Remus, Minerva und Arthur. Ihre Wut auf die drei war übers
Wochenende nicht ein Stück gewichen.
Sie nutzte ihre
Verbindung zu Gringotts und überwies den Brights einige hundert
Galleonen. Gleichzeitig wies sie an, dass die Kobolde Stillschweigen
bewahren sollten, wer diese Überweisung getätigt hat.
Allerdings lehnten sie ab, diese Anweisung zu befolgen. Auch Hermines
Bitten half nicht, sie konnte die Kobolde nicht umstimmen. „Es tut
mir Leid, Miss Granger, aber das ist uns nicht möglich. Wir
können unseren Kunden so etwas nicht vorenthalten." Hermine
überlegte: „Ist es Ihnen vielleicht möglich, da
irgendetwas dran zu drehen?" „Nein, wehrte Miss Granger, wir
haben da wirklich keine Möglichkeit. Stillschweigen gegenüber
anderen Personen ist selbstverständlich, aber gegenüber dem
Verliesbesitzer - keine Chance. Aber…" – der kleine alte Kobold
lächelte - „… wenn Sie mir vielleicht auftragen" - er sah
nach links und rechts, ob niemand sie belauscht - „dass das Geld
von diesem Konto nicht auf Ihr Konto zurück überwiesen werden
darf, könnte Ihnen das zufällig auch helfen? Wenn Sie mir
dies auftragen würden, könnte ich es veranlassen."
Nicht
nur gegenüber dem Heiler und seiner Tochter hatte Hermine ein
schlechtes Gewissen, auch gegenüber Snape. Seit einer Woche war
sie nicht mehr in Hogwarts gewesen. Severus hatte jede Stunde von ihr
übernommen und sie hatte sich noch nicht mal dafür bedankt.
Erst sah sie im Lehrerzimmer nach, ob er sich vielleicht dort
aufhielt. Doch Fehlanzeige, hier war niemand. Sie sah auf ihre Uhr –
es war kurz nach zwölf. Bestimmt waren alle beim Mittag; nur in
die Große Halle wollte sie nicht. Erstens wollte sie den Fragen
und Blicken der Lehrer und einiger Schüler nicht ausgeliefert
sein und zum anderen war mit Sicherheit auch Minerva McGonagall dort.
Und dieser wollte sie nun wirklich nicht über den Weg laufen!
Ihr war schon klar, dass sie der Schulleiterin nicht ewig aus dem Weg
gehen konnte, aber noch war es möglich. Stattdessen ging sie
runter in den Kerker. Auch wenn sie vor Snapes Büro auf ihn
warten müsste, das war immer noch besser, als die Alternative.
Vielleicht hatte sie ja Glück und er war tatsächlich in
seinem Büro.
Auf ein eher zaghaftes und schüchternes
Klopfen folgte ein genervtes: „Ja, herein!" Erleichtert atmete
sie auf - sie hatte nicht wirklich vorgehabt auf ihn zu warten.
Plötzlich schlug sie sich mit ihrer Hand gegen die Stirn.
„Wie blöde kann man eigentlich sein?", fragte sie sich
selbst. Warum ist sie nicht in ihr Büro gegangen und hat mit ihm
durch den Kamin Kontakt aufgenommen?
„Herein habe ich gesagt!",
wurde Hermine aus ihren Gedanken geholt. „Wer ist denn da? Ich habe
keine Zeit für Spielchen!"
Snapes Stimme kam immer dichter
und im gleichen Moment, indem Hermine die Klinke herunter drücken
wollte, riss er die Tür auf und starrte in ihr erschrockenes
Gesicht. „'tschuldigung", murmelte Hermine, „Ich war in
Gedanken!" „Oh, Hermine!", wurde Snape wieder freundlicher.
„Was führt dich zu mir?" „Darf ich reinkommen?", fragte
sie. „Es ist nicht gerade gemütlich
hier unten." „Oh ja natürlich! Wie konnte ich nur? Komm,
nimm platz!", bat er.
„Danke! Sei nicht sauer, aber wie kann
man sich hier in den Kerkern nur so wohl fühlen?" „Man(n)
kann!", zwinkerte Snape ihr zu. „Zumindest hat man(n) hier unten
seine Ruhe - für gewöhnlich jedenfalls, denn die Meisten
sind deiner Meinung. Selbst unsere geschätzte Schulleiterin."
„Nun ja", entgegnete Hermine schulterzuckend. „Das kann man(n)
sich auch einreden! Wenn ich es lange genug versuchen würde,
gefällt es mir vielleicht auch, aber zum Glück habe ich
dafür keine Zeit", scherzte sie. „Ich kann zu meiner
Verteidigung nur sagen, dass ich rot und gold nicht gerade leiden
kann… Aber wie ich sehe, geht es dir besser. Gibt es Neuigkeiten
oder was führt dich hier runter in die kalten, ungemütlichen
Gemäuer Hogwarts?"
Hermine wurde wieder ernst.
„Entschuldige bitte, habe ich etwas Falsches gesagt? Ist etwas…"
„Nein, nein, Harry geht es soweit gut, zumindest hat sich sein
Zustand nicht wieder verschlechtert", lächelte sie matt. „Ich
wollte mich bei dir bedanken, dass du für mich den Unterricht
übernommen hast. Wie hast du das alles nur geschafft? Ist alles
gut gelaufen oder hattest du Ärger mit den Schülern?",
sprudelte es aus ihr heraus. Sie wollte ihn auf keinen Fall mit
dieser Frage kränken oder beleidigen.
Snape nahm es nicht
als Beleidigung oder Kränkung auf, sondern eher als Scherz. „Nun
mach dir mal darüber keine Gedanken, das war gar nicht so
schlimm. Deine Schüler waren zwar nicht gerade begeistert mich -
Wie war das Wort noch mal? – schleimige Fledermaus zu sehen, aber
sie haben es allesamt überstanden!", grinst Snape. „Ach ja,
ich glaube, einige der Gryffindors, vielleicht auch der Ravenclaws
und Hufflepuffs – aber bei den Gryffindors bin ich mir sicher –
werden sich bei dir beschweren. Ich habe einige Klassen zusammenlegen
müssen, da sie sich sonst mit meinem Zaubertränkeunterricht
überschnitten hätten, und ich wollte keine ausfallen
lassen. Aber… auch dabei ist keiner umgekommen." „Sag mir, wie
ich mich bei dir revanchieren kann!", bat Hermine. „Ich möchte
es wieder gut machen." Snape setzte sich aufs Sofa, welches direkt
neben der Tür an der Wand stand. „Indem du dich mit Remus,
Arthur und Minerva wieder verträgst!" Mehr sagte er nicht.
„War Minerva hier? Hatte sie die glorreiche Idee, du könntest
mich dazu bewegen, wieder mit ihnen zu reden?", fragte Hermine
schnippisch und sprang vom Sessel auf. „Hermine, bitte setzt dich
wieder! Lass uns in Ruhe darüber reden!" „Ich möchte
aber nicht darüber reden, mit niemandem! Ich habe alles
gesagt!", spie sie ihm wieder wütend entgegen. Eigentlich
hatte sie sich soweit im Griff gehabt, dass sie ihre Wut auf die drei
beherrschen konnte, aber nun, da Snape wieder anfing… „Stopp, du
brauchst auf mich nicht wütend zu sein!" Hermine hatte zu tun
sich wieder zu beruhigen und die Kontrolle über sich zurück
zu bekommen. Sie spürte förmlich, dass ihre Wut immer
stärker wurde und fast greifbar war. Aber warum? Solche
Ausbrüche hatte sie sonst nicht gehabt – so schnell jedenfalls
nicht.
„Weshalb
bist du überhaupt wütend?", stand nun auch Snape auf und
ging auf Hermine zu. „Doch nicht etwa wegen dem, was am Freitag
zwischen euch vorgefallen ist? Das kannst du mir nicht erzählen!"
Da hatte Snape den Nagel auf den Kopf getroffen. Stumm und mit weiten
Augen sah Hermine ihn an. „Ich warte, Hermine! Warum? Sag es, dann
wird es dir besser gehen! Glaube mir, das hilft!"
„Ich… ich
bin… Ich bin auf Harry wütend! Warum hat er das getan? Warum
hat er mir das angetan?" Keine Träne war zu erkennen. Es war
tatsächlich die Wut auf Harry, die sie fast zerfraß. „Was
fällt diesem Kerl ein? Er kann sich doch nicht hinstellen und
sich für mich umbringen lassen!" Sie würde immer lauter.
„ER HÄTTE… Mein Gott, warum?" Nun lösten sich doch
einzelne Tränen. In erneut aufkommender Trauer sah sie Snape an.
Ganz leise sagte sie: „Er wäre für mich gestorben. Ich
kann es immer noch nicht begreifen. Jeden Tag überlege ich,
warum und wieso. Ich versuche mir klarzumachen, dass ich ihn nicht
hätte davon abhalten können, aber trotzdem… ich…"
Snape nahm sie tröstend in eine Umarmung und erstickte ihre
schluchzenden Worte. „Sccchhh, es wird
alles wieder gut! Du wirst sehen, er ist bald wieder bei dir!" „Ich
könnte mir nicht verzeihen, wenn er…" „Du könntest es
aber auch nicht verhindern. Harry weiß was er macht!" Snape
war nicht der Einzige, der versuchte ihr dies beizubringen.
Während
Snape und Hermine noch über Harry redeten und über das, was
auf dem Friedhof geschehen war, saß Remus an Harrys Bett und
hielt Wache. Snape hatte es irgendwie geschafft, ihm unbemerkt von
Hermine eine Nachricht zukommen zu lassen, dass sie bei ihm ist und
es ihr gut ginge.
Remus wusste zwar, dass Hermine vernünftig
bleiben würde, aber er hatte sich trotzdem Sorgen gemacht. Sie
hatte keine Nachricht hinterlassen, als sie früh das Haus
verließ.
„Du hast da eine sehr temperamentvolle Freundin,
Harry!", begann Remus mit Harry zu reden. Auch wenn er ihn
wahrscheinlich nicht hören konnte – genau wusste es niemand –
Remus hatte das Bedürfnis, etwas zu sagen. Das Gefühl
dieser Stille war unerträglich – fast so, als würde sie
einen auffressen. „Mit ihrer Sturheit steht sie dir in nichts
nach!" Er lächelte leicht. „Aber du wirst das schon
schaffen! Ihr beide gehört einfach zusammen…"
„Oh
ja, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche", machte Arthur
auf sich aufmerksam. Remus hat gar nicht mitbekommen, dass jemand
rein kam. „Ist er endlich wach?", fragte Arthur hoffnungsvoll, da
er Remus mit Harry sprechen gehört hatte, jedoch wurde seine
Hoffnung sofort wieder zerschlagen. „Nein, immer noch nicht! Aber
ich finde, es wird langsam Zeit. Auch wenn Sam meint, es wäre
besser für Harry, wenn er noch schlafen würde, glaube ich
nicht so richtig daran. Mit jedem Tag, den er hier liegt, wird meine
Angst größer, dass er nicht wieder wach wird… Natürlich
braucht er Ruhe und bestimmt viel Schlaf, aber ich will ein Zeichen
von ihm, dass er das hier unbeschadet übersteht. Ein kleiner
Strohhalm reicht, an dem ich mich festhalten kann. Er soll aufwachen,
sagen, dass es ihm gut geht, und dann kann er meinetwegen wieder
schlafen!"
Arthur konnte Remus gut verstehen, auch ihm gefiel
dieses lange Warten nicht, jedoch sagte er: „Vertrau Sam! Remus, er
würde uns nicht belügen. Wenn Harry das hier nicht
überstehen würde, hätte er es gesagt. Erinnere dich
daran, was er uns am ersten Tag gesagt hat!" „Ich weiß,
aber es dauert alles so lange. Es geht mir auch weniger um mich –
Hermine macht mir große Sorgen." Arthur nickte: „Ich hoffe
nur, sie macht keine Dummheiten!" „Nein, dafür ist sie viel
zu vernünftig", entgegnete Remus. Das war momentan das
Einzige, worauf er sich glaubte verlassen zu können. „Komm mit
runter, Remus, du musst was essen! Molly wartet auf uns."
„Warum
hat er das nur getan?", fragte Remus plötzlich. Sein Blick
haftete an Harry.
„Was?", fragte Arthur ungläubig. Was
faselte der Werwolf da? „Warum? Ohne ihn wäre Hermine mit
Sicherheit tot!" Er verstand nicht; wie kam Remus nur darauf?
„Nein,
das mein ich nicht! Warum hat er es allein getan? Wie konnte er nur
so dumm sein?" „Nein, hätte er nicht, aber er wird es immer
wieder tun. Die Prophezeiung besagt, dass nur er allein ihn besiegen
kann. Er wird immer wieder versuchen uns da raus zu halten, egal zu
welchem Preis. Das hat er uns selbst gesagt und auch schon mehrmals
bewiesen."
Beide
wurden in ihrer Unterhaltung unterbrochen. Harry fing an sich zu
bewegen. Es waren nur winzige Bewegungen, aber man sah sie. Er wurde
immer unruhiger und begann leicht zu zittern. Mit seinen Händen
nestelte er an der Bettdecke, während er leise etwas murmelte.
Was, das konnten sie leider nur schlecht verstehen, es war noch zu
undeutlich. Harry bewegte seinen Kopf leicht hin und her. „Nein,
nein!", konnte man jetzt verstehen. „Er hat Angst!", sprang
Remus auf und kniete sich ans Bett. „Harry, ganz ruhig, wach auf!",
flüsterte er. „Es ist alles gut, du bist in Sicherheit."
Seine Worte schienen nicht bei Harry anzukommen. „Harry, es ist
vorbei!", versuchte Arthur es, doch auch hier keine Reaktion auf
das Gesagte. Remus nahm Harrys Hand und versucht ihm zu zeigen, dass
er nicht allein war. „Harry, ich bin es, Remus!" Ein paar Mal
wiederholte er den Satz, bis Harry endlich seine Augen öffnete.
Zwar nur einen Spalt, aber er war wach.
„Harry, kannst du mich
sehen?", fragte er wieder. Ängstlich huschten Harrys Augen
unter den halb geöffneten Lidern hin und her. Sie schienen etwas
zu suchen. „Harry, hörst du uns?", fragte nun Arthur, der
auch dichter ans Bett kam. Ganz leise, kaum zu verstehen, kam ein
„He… Hem…" von Harry. Dann wieder nichts. Lautlos bewegten
sich seine Lippen. Remus und Arthur verstanden nicht, was Harry von
ihnen wollte. „Ich hole, Sam!", rief Arthur und rannte los. Immer
wieder versuchte Harry etwas zu sagen, doch kamen nur nicht zu
verstehende Laute heraus. Da ihn niemand verstand, wurde er noch
unruhiger. Der Heiler kam gefolgt von Arthur ins Zimmer gestürmt.
„Was ist passiert? Warum ist er schon wach?"
Remus erzählte
ihm, was geschehen war, wobei der Heiler seinen Kopf schüttelte.
Glaubte er ihm etwa nicht? „Was,
warum?", fragte Remus ärgerlich. „Harry ist wach, was ist
daran falsch? Darauf haben wir doch gewartet, oder nicht?" „Nein,
Remus, er sollte nicht wach werden – noch nicht jedenfalls. Er
braucht den Schlaf. In ein, zwei Wochen hätte es sicherlich
anders ausgesehen, aber jetzt ist es noch viel zu früh. Ich habe
doch mit euch darüber geredet. Was habt ihr getan, dass er wach
und so unruhig ist?" Auch Dr. Bright klang verärgert. Hatte er
doch geglaubt, verstanden worden zu sein.
„Nichts!",
antwortete Arthur wahrheitsgetreu. „Er fing von ganz allein an,
sich zu bewegen. Wir haben nichts getan, gar nichts." Warum
versuchte Arthur sich zu entschuldigen?
Harry fing an zu husten
und verschluckte sich. „Ganz ruhig, Mr Potter, Sie werden gleich
wieder schlafen!" Von weitem hörten sie Phönixgesänge;
es klang fast wie Klagegesänge.
„Sam,
etwas stimmt nicht, er…" „Ja, da hast du Recht, Remus. Er
dürfte noch nicht wach sein, das stimmt hier nicht! Hört
ihr das? Sein Phönix spürt das auch", entgegnete der
Heiler trotzig. „Nein, er hat Angst, er will uns etwas sagen!",
rief Remus und versuchte wieder Harry zu beruhigen.
Nell stürmte
ins Zimmer: „Was ist passiert, Dad? Was habt ihr mit ihm gemacht?",
fragte nun auch sie Remus und Arthur. „Nichts verdammt noch mal!",
schrie Remus diesmal. Erschrocken über Remus' Lautstärke
ging sie zu ihrem Vater. „Was machen wir jetzt?" „Er
muss wieder schlafen! Hol bitte den stärksten
Schlaftrank, den wir haben – beeil dich!"
Kaum hatte er dies
ausgesprochen, stand sie auch schon wieder neben ihrem Vater. „Er
muss das trinken, Nell! Ich halte seinen Kopf und du gibst ihm den
Trank!" „Nein", kam es auf einmal deutlich von Harry. Also
konnte er sie verstehen. „He… Her… W… Wo… Wo ist…" Er
brachte nur Silben hervor, und die auch nur brüchig. Er schaffte
es einfach nicht.
„Wo ist wer?", fragte Nell und beugte sich
vor, damit sie ihn besser verstehen konnte.
Er
sah sie nicht an. „Herm… Hermi…" Wieder verschluckte
er sich. „Es hört sich an wie Hermine. Ja, er möchte
wissen, wo Hermine ist!", sagte sie. „Genau das ist es, er sucht
Hermine." Ganz dicht an Harrys Kopf sagte sie: „Es geht ihr gut,
sie ist in Sicherheit! Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Bitte
nimm diesen Trank, damit es dir besser geht und du wieder schlafen
kannst. Du brauchst dringend Ruhe!"
Harry schüttelte nur
seinen Kopf. „Herm…" Er schaffte es einfach nicht, ihren Namen
auszusprechen. Er stammelte erschöpft irgendwelche Silben vor
sich her.
„Wo ist sie?", fragte schließlich der Heiler.
„Bei Professor Snape in Hogwarts." „Wie schnell kann sie hier
sein? Er muss dringend wieder zu Ruhe kommen, sonst war all die
Arbeit umsonst und wir verlieren ihn doch noch! Er wird immer
schwächer!"
Er
hatte Recht, Harrys Atem wurde immer schneller und flacher. „Ich
hole sie; wir sind in spätestens zehn Minuten wieder zurück!"
„Fünf, Arthur, danach gebe ich ihm den Trank, egal ob ihr
zurück seid oder nicht!" Arthur Weasley nickte und verschwand
hinaus auf den Flur.
Er lief zum Kamin in der Küche, warf
Flohpulver ins Feuer, sagte: „Hogwarts – Büro von Professor
Snape!" und streckte seinen Kopf hinein. Nur wenige Sekunden später
rief er: „Hermine, Harry! Komm schnell!"
Kaum hatte er seinen
Kopf zurückgezogen, trat Hermine auch schon aus dem Kamin
gefolgt von Snape. „Severus!", begrüßte Arthur ihn.
„Was ist mit Harry? Was ist passiert?", fragte Hermine
aufgeregt. „Komm schnell, wir haben keine Zeit!" Ohne weiter
etwas zu sagen, zog er sie mit sich. Mit rasendem Herzen und Angst,
die ihr die Kehle zuschnürte, rannte sie gezogen von Arthur die
Treppe hoch in Harrys Zimmer.
Nell nahm sie in empfang und führte
sie an Harrys Bett. Unsicher, was sie tun sollte, stand sie neben
ihm. Erst als sie ihren Namen hörte, realisierte sie, dass er
wach war. „Harry!", kniete sie sich
neben sein Bett und nahm seine zitternde Hand. „Harry, ich bin bei
dir!", sagte sie und küsste seine Hand und anschließend
seine Stirn. Ein furchtbar klägliches und krächzendes
„Hermine" kam über seine Lippen. „Ja, Harry, ich bin hier.
Es ist alles in Ordnung, du brauchst keine Angst zu haben! Bleib ganz
ruhig, alles wird wieder gut!"
Der Heiler reichte ihr einen
Becher: „Er muss das trinken, damit er weiterschläft!"
„Aber…" Warum schlafen? Das war es doch was sie alle wollten –
Harry war wach. Warum also sollte er
wieder einschlafen?
„Er muss schlafen, er erschöpft sich zu
sehr. Wir verlieren ihn, wenn er nicht zur Ruhe kommt."
„Harry,
hörst du mich?", fragte Hermine traurig. „Du musst das
trinken!", versuchte sie ihm mit brüchiger Stimme
beizubringen. Wieder schüttelte Harry seinen Kopf. Schütteln
ist gut gesagt – er versuchte es so gut es ging. Er wollte einfach
nicht mehr schlafen. „Bitte, Harry, tu'
es für mich! Ich möchte, dass du mich in einer Woche in den
Arm nimmst und mir sagst, dass du mich liebst!"
Wieder wollte
Harry etwas sagen, doch sie hielt ihn davon ab. „Nicht, Harry! Das
kannst du nur, wenn du jetzt den Trank nimmst. Bitte!", flehte sie
ihn an. Es dauerte eine Weile, bis ein kaum merkliches Nicken von ihm
kam. „Danke", hauchte sie und gab ihm einen liebevollen Kuss.
Vorsichtig
nahm Hermine Harrys Kopf hoch und setzte mit der anderen Hand den
Becher an seine Lippen. „Trink!", bat sie. Er nahm einen Schluck,
doch schluckte er nicht alles. Das Meiste lief
ihm wieder aus seinen Mundwickeln und versicherte in seinen Haaren
und im Kopfkissen. „Ganz langsam, es passiert dir nichts. Ich
bleibe bei dir, versprochen!" Ein zweites Mal kippte sie den
Becher. Diesmal klappte es besser. Ganz langsam, Schluck für
Schluck leerte er den Becher. „Schlaf, Harry, mach die Augen zu und
ruh dich aus! Ich bin hier, wenn du wieder aufwachst."
Harry
wandte den Blick nicht mehr von seiner Hermine ab. Er wurde zwar
ruhiger und atmete auch langsamer, jedoch wollten seine Augen noch
immer nicht zu fallen. Angestrengt versuchte er
sie offen zu halten. Hermine nahm wieder seine Hand und führte
diese an ihre Wange.
Langsam wurden ihm seine Augenlider doch zu
schwer. Immer wieder flackerten sie, bis sie zufielen. Doch dauerte
es nur Sekunden, bis sie wieder offen standen. Nach zehnminütigem
Kampf mit der Müdigkeit gab Harry schließlich auf. Noch
einen letzten
Blick
in Hermines braune Augen und seine fielen endgültig zu. Er merkt
nicht mehr, wie Hermines Tränen seine Hand befeuchteten.
Sie
sah zum Heiler und deutete auf die Phiole in dessen Hand. „Darf
ich?", fragte sie ihn. Der Heiler verneinte dies - „Den nicht!"
- und holte eine Phiole mit andersfarbigem Inhalt aus seiner Tasche
hervor.
Ohne auf die anderen im Zimmer zu achten, vergrößerte
Hermine stablos Harrys Bett, nahm die Phiole aus der Hand des Heilers
und legte sich neben ihren Verlobten. Mit einem Zug leerte sie die
kleine Flasche. Hermine war eingeschlafen, bevor ihr Kopf das Kissen
berührte.
Mit offenen Mündern starrten die übrigen
auf Hermine und Harry. Nur Snape hatte sich einigermaßen im
Griff. Er nahm die zweite Decke vom Fußende und deckte Hermine
mit den Worten „Schlaft gut!" zu.
„Das
geht nicht gut aus!", drehte Snape sich zu Remus und Arthur um.
„Was? Wie meinst du das? Warum redest du so?" Arthur schüttelte
verständnislos den Kopf.
„Die beiden würden alles für
einander tun. Ohne zu zögern, würden sie für einander
in den Tod gehen. Meine Befürchtung ist, dass wenn Harry sterben
sollte Hermine ihm folgen wird – und umgekehrt genauso." Da
niemand darauf etwas erwiderte, sagte Snape: „Ich habe mich vorhin
mit Hermine über Harry unterhalten – solch eine Gänsehaut
hatte ich noch nie. Jedes Wort von ihr war ernst gemeint. Der letzte
Satz war: ‚Ich werde nicht ohne Harry
leben!' Ihr hätte sie mal hören müssen!"
„Nein,
ich glaube nicht, dass Hermine so dumm ist!", rüttelte Arthur
die Anwesenden wieder wach. „Dumm?", fragte Remus dazwischen.
„Nein, Arthur, dass ist keine Dummheit, das ist Liebe!"
„Liebe
hin oder her! Wie fertig muss ein Mensch sein, um Selbstmord begehen
zu können?", mischte sich der Heiler wieder ein. „Dad, wenn
du wüsstest, was die beiden im letzen Jahr durchgemacht haben…
Charlie hat mir alles erzählt."
„Noch inniger wird die
Verbindung der beiden, wenn sie verheiratet sind. Wenn sie dann…
Eigentlich sollte man diese Hochzeit verhindern." „Hör auf
damit, Severus!", rief Remus. „Keiner der
beiden darf und wird sterben, dafür werden wir sorgen!
Und Harry und Hermine werden heiraten…"
Es klopfte an der Tür und eine aufgewühlte Tonks stürmte ins Zimmer: „Fudge – der tickt jetzt völlig aus!"
So, wie fandet ihr das Kapitel? Ist der Titel passig? ;-) Wie schon oben gesagt, war es nicht ganz so spannend, aber ich hoffe, es hat euch trotzdem gefallen!
Hoffe auf genau so viele Reviews wie beim letzten Kapitel!
Bis denn dann, bepa!
