Hier die Antworten auf eure lieben Reviews für Kapitel sieben und acht. Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen!

choooo: Danke für das ‚genial und gigantisch' für Kapitel 7! Irgendwann ist selbst Harry's Mut aufgebraucht.

Mr. P: Danke auch dir! Mal sehen, ob Harry Ginny alles gesteht.

Obelix72: zu Kap. 7: sehr interessant? Mehr nicht?
Dieses Kapitel ist doch nicht so lang, wie ich es eigentlich geplant hatte.

Jo Lizard: zu Kap. 7: Nein, nein. Ich habe mir schon gedacht, dass du Ginny meinst. Freu mich, dass dich die Story so beschäftigt. Natürlich hätte Ginny besser ihre Klappe halten sollen, aber aus Fehlern lernt man. Wo keine Beziehung ist, da kann auch kein Beziehungsstreit sein!
Ja, Goyle war schneller, aber ich denke nicht, dass es deshalb Au ist! Auch wenn J.K. Rowling Goyle als dumm und schwerfällig beschreibt ist er lernfähig. Er wird seine Flüche schon beherrschen.
McGonagall hätte Malfoy, Goyle und Crabbe rauswerfen können/müssen, das stimmt, aber ich brauche sie noch eine Weile. Für sie war es erstmal wichtig, Harry zu helfen. Den Rest wirst du noch erfahren, warte ab! DANKE für dieses tolle Review!

Schwarzleser: Ich hoffe, dieses auch wieder!

MechWOLLIer: Nichts zu meckern? Klasse! Die FF wird ca. 30 Kapitel haben, aber so wie es zurzeit ausschaut, werden es mehr.

michi-sky: zu Kap. 7: Ich bin gemein geworden? Warum sagst du so was? Bin traurig!

laser-jet: Ich hoffe, dass du in den Ferien viel Spaß hattest! Danke für dein Review!

AlexBlack5: zu Kap. 7: So wie Hermine? Och nee, ein bisschen Spaß braucht man doch auch. Nicht immer nur Bücher und lernen.
Es war Voldemort, der Harry den Dolch durch einen Zauber in den Bauch gejagt hat. Harry hat sich bei ihm bedankt, da er ihn ebenfalls „getötet" hat. Er könnte sich nie verzeihen, wenn Ginny (oder sein anderen Freunden) seinetwegen sterben würde. Die Vorwürfe würden ihn zerfressen. Voldemort verschwindet nicht!
Der Titel heißt ja auch ‚Vereint für die Ewigkeit'.
Draco brauche ich noch! Ich kann ihn nicht einfach gehen lassen. Außerdem wirst du den Grund noch erfahren, weshalb er an der Schule bleiben darf. Hab Geduld!

Carika: Mit schnell weiter schreiben ist da zurzeit nicht viel. Kann meine Zeit nicht finden, ist einfach weg. Aber hier kommt endlich das nächste Kapitel.

pupp: Danke dir! Weiter geht's.

silvertrust: Danke! Moin? Bist du auch ´ne Nordleuchte?
Das ‚ES' auf dem Rücken beider wird sich bald… Wart mal! Wie war das noch mal? Hm… Ach was, ich darf nicht zu viel verraten, sonst ließt du wohlmöglich nicht mehr weiter.
Seamus wird noch viel netter, schäumt förmlich über vor Tatendrang.
Die Sache mit Malfoy und Co wird sich bald aufklären. Du wirst erfahren, warum er in Hogwarts bleiben darf. Hab auch du noch etwas Geduld!

Josy: Hi, Sonne! Danke, danke! Ich fühl mich immer wieder geschmeichelt. Ich soll wie der Wind weiter schreiben, sonst…! Sonst was? Sprich dich aus!
HDAGDL

Sandy123: Huhu zurück! Freut mich, dass dir auch diese FF gefällt.
Ja, einer muss immer leiden, so ist das nun mal. Die Welt ist ungerecht. Warum denn nicht gleich zu zweit? Geteiltes Leid ist halbes Leid.
HDAGDL

Kniesel: Danke! Weiter geht's.

Miss Hypocrisy: 1? Danke! Ich versuche es, versprochen!

Ron Weasley: Willkommen! Hast dich wieder einbekommen? ;-)
Dein Lob reiche ich an DKub weiter, denn ohne ihn wäre die Story ein Sch… ‚Schlechtes Beispiel'. Einverstanden?
Jetzt bekommst du mehr STOFF! ;-)

Jen1307: Ja, sei immer schön brav! Wer weiß, was…
Meine Schmerzgrenze liegt unter meiner Fußsohle. Ich bin ein richtiges Weichei!
HDAL! Bis bald bei icq!

HexeLea: Grüß dich!
Was Harry tun wird, wirst du bald lesen. Aber die Vernichtung Voldemorts…
Wunderwerke? DANKE!

Corvi: Was hast du? Hattest du etwa Langeweile? Ich hoffe, ich kann dich mit dieser FF weiter so begeistern.
Harry's Zauberstab ist tatsächlich zerbrochen und auch Ginny hat ihren nicht mehr.

kaddylein: Du schleichst auch überall rum, was? ;-)
Bei dir wundert mich das gar nicht. Der Tag war zu viel für dich? Du warst doch nicht mal fünf Stunden da. Hast du etwa kein Durchhaltevermögen (oder nur für's Kino)? Und dann gibst du auch noch unserem kleinen Joni die Schuld. Nicht nett! Gibt es da keinen anderen, dem wir die Schuld in die Schuhe schieben können?
Wenn ich dir sagen soll, wo Michi hingefahren ist, DANN MUSST DU AUCH DEIN ICQ ANHABEN!
Bis dann, Pflaume! Deine Schnegge

Klagen, Drohungen und Kritik gehen wie immer an mich. Falls nötig, leite ich sie weiter.

Wie auch sonst:
Die Story ist auf den 5 HP-Büchern aufgebaut. Alle Figuren, die ihr aus den Büchern von J.K. Rowling kennt, gehören ihr. Nur das, was ihr nicht aus ihren Büchern kennt, ist auf meinem Mist gewachsen. Ich verdiene mit dieser Geschichte keinen einzigen Cent.
Also, alles gehört ihr und mir nix.

Kapitel 9 Wie soll es weitergehen?

Harry und Ginny lagen noch lange wach, doch keiner der beiden sagte auch nur ein Wort. Harry war zu sehr in seine Schuldgefühle vertieft und Ginny versuchte Harry zu verstehen. Sie versuchte zu verstehen, warum er sich noch immer zurückziehen wollte, obwohl er nun wusste, dass sein Plan fehlgeschlagen und seine Freunde immer noch in großer Gefahr waren.
Ungewollt ließ Ginny diesen ganz bestimmten Tag noch einmal vor ihren Augen ablaufen. Angefangen bei der Szene im Gewächshaus bis hin zum Verlies, in dem sie festgehalten wurden. Gedanken, was wäre gewesen, wenn sie nicht fortgelaufen wäre, kamen auf. Langsam glitt sie in einen unruhigen Schlaf über.
Auch Harry war trotz seiner ständigen Grübeleien endlich eingeschlafen. Doch auch bei ihm konnte man nicht von einem ruhigen und erholsamen Schlaf sprechen.

Es dauerte nicht lange, bis Harry schweißgebadet und schnell atmend aufwachte. „Nein!", rief er und sah sich mit weiten Augen hektisch und im Zimmer um. ‚Voldemort, Ginny!', schoss es ihm durch den Kopf. Erst als er Ginny in ihrem Bett liegen sah, realisierte er, wo er sich befand.
„Verdammt!", fluchte Harry und schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. Schon oft hatte er Voldemort in Gedanken für das verflucht, was er ihm angetan hatte, dass er seinetwegen kein normales Leben führen konnte. Doch nicht nur Harry musste leiden, sondern jeder, der ihm nahe stand. Jeder der irgendetwas mit ihm zu tun hatte, war in Gefahr. Wie weit der ‚Dunkle Lord' gehen würde, hatte er bereits mehrmals bewiesen.
Vorwürfe, dass Ginny seinetwegen fast ihr Leben verloren hätte, ließen keine klaren Gedanken zu. Aufgewühlt stürmte er in Richtung Tür.
„Was hast du vor?", hielt Ginny ihn auf und versuchte sich dabei hinzusetzen. Harry stoppte und ohne sich umzudrehen antwortete er: „Nichts, ich möchte nur allein sein. Schlaf weiter!"
Harry wollte weitergehen, doch wieder hielt Ginny ihn zurück. „Was soll das? Du kannst nicht einfach abhauen! Fang bitte nicht wieder so an!"
Er drehte sich um und ging langsam auf Ginny zu. „Ich möchte nur meine Ruhe haben, weiter nichts." „Aber hier hast du doch deine Ruhe, es stört dich niemand! Wenn du dich wieder hinlegst, dann halte ich auch sofort meinen Mund", versuchte Ginny ihn umzustimmen. „Es hat nichts mit dir zu tun, glaube mir!", erwiderte Harry. Sachte strich Harry ihr über die Wange: „Wir sehen uns." Er sah auf die Uhr, die an der Wand über Ginnys Bett hing. Sie zeigte bereits 4:00 Uhr. „Vielleicht heute noch. Leg dich wieder hin und versuch noch etwas zu schlafen!"
„Harry, ich möchte nicht, dass du gehst! Bitte bleib doch hier, ... bei mir!", bettelte Ginny. Traurig sah sie in die grünen Augen vor sich, die ihren Glanz schon lange verloren hatten.
Harry schüttelte seinen Kopf. Immer noch lag seine Hand an Ginnys Wange. „Das geht nicht, Ginny! Wenn ich dich hier liegen sehe, dann …" Er konnte diesen Satz nicht beenden. Die Angst ließ seine Stimme versagen. Bedrückt blickte er zu Boden und ließ seine Hand sinken. Ginny griff danach: „Hattest du einen Alptraum? Du hast irgendetwas gerufen und wolltest nach etwas greifen. Ich konnte es zwar nicht verstehen, aber du hattest Angst, da bin ich mir sicher!"
„Es tut mir leid, es war nicht meine Absicht, dich aufzuwecken!", entschuldigte sich Harry ohne aufzublicken. „Mach dir keine Sorgen, mir geht es gut! Es ist alles in Ordnung! Außerdem", jetzt sah Harry ihr wieder in die Augen, „ist es nur wichtig, dass es dir bald wieder gut geht und du hier raus kommst!"
„Tu' mir bitte den Gefallen und bleib hier!", sagte Ginny leise und eine kleine Träne suchte sich ihren Weg, was Harry jedoch nicht mitbekam. Leicht genervt und härter als er eigentlich wollte, entgegnete er: „Nein, Ginny! Kannst du oder willst du mich nicht verstehen? Ich will weg! Ich habe die Nase voll, ich will nicht mehr!"
Mit diesen Worten riss Harry seine Hand aus Ginny's und lief aus dem Krankenzimmer. „So ein Idiot!", schimpfte Ginny laut, bevor sie weinend ins Kissen fiel.

Madame Pomfrey wurde durch Ginny's Schimpfen und das darauf folgende Weinen alarmiert und stürmte im Morgenmantel ins Zimmer. „Was ist hier los, was soll der Lärm? Sie sollen beide schlafen!", stürzte sie auf Harrys Bett zu, da sie annahm, dass er die Ursache für den Krach sei.
Vor seinem Bett kam sie zum Stehen. „Wo ist Mr Potter?", fragte sie ohne die Augen vom Bett abzuwenden, als könnte sie nicht glauben, dass er sich wieder ihren Anweisungen widersetzt hatte.
Zitternd, da Ginny immer noch schluchzte, streckte sie ihre Hand in Richtung Tür. „Er ist abgehauen", antwortete sie leise.
Die Krankenschwester schüttelte ihren Kopf: „Dieser Bengel raubt mir noch meinen letzten Nerv! Miss Weasley, wie geht es ihnen?", fragte sie wieder mit sanfter Stimme. „Mir geht es gut! Darf ich auch gehen?"
Mit zusammengezogenen Augenbrauen sah die Krankenschwester auf Ginny herab. „Diese Frage war ja wohl völlig überflüssig! Die muss ich ihnen doch nicht wirklich beantworten, oder?" „Nein", kam es leise von Ginny und enttäuscht legte sie sich wieder hin. Doch ans Einschlafen war nicht zu denken. Zu viel geisterte ihr durch den Kopf.
Wieder tauchte die Szene aus dem Gewächshaus auf, bevor sie fortgelaufen war - die Folter, die sie durch Voldemort und seine Todesser ertragen musste. Doch am schlimmsten waren für sie die Bilder, wie Harry ins Verlies gebracht wurde und wie sie ihm den Schnitt an seiner Brust zugefügt hatte. Es war zwar nicht freiwillig geschehen, aber ihre eigenen Hände hatten den Dolch geführt. Harrys Augen und seine Stimme waren es, die sie zurückgeholt hatten und sie davon abhielten, den Dolch noch tiefer in seine Brust zu stoßen.
All dies war nur passiert, weil sie ihre Füße nicht stillhalten konnte. Hätte sie einfach abgewartet, vielleicht hätte sich dann alles aufgeklärt und sie hätte keinen Grund gehabt, wütend wegzulaufen. Bei diesen Gedanken fiel ihr auf, wie ähnlich sie selbst und Harry vom Temperament her waren.

Erschöpft ließ sich Harry aufs Bett fallen. Nicht im Jungenschlafsaal des Gryffindorturms. Nein, wieder hatte er sich zurückgezogen und sich in seinem geheimen Raum versteckt, verkrochen. Er hatte sich überschätzt, hatte geglaubt schon wieder genügend Kraft zu haben.
Fern ab von der Hilfe, die er von seinen Freunden hätte kriegen können, lag er zusammengerollt auf dem Bett und versuchte seine Gedanken zu ordnen. Wieder einmal hatte er Ginny enttäuscht.
Langsam glitt er in einen Schlaf über, der erneut von Alpträumen übersäht war. Er träumte, wie Voldemorts Todesser ihn durch den dunklen Gang des Verlieses führten und sie vor einer großen Tür mit Gitterstäben hielten. Er sah Ginny, wie sie verletzt auf dem Boden der Zelle kauerte und mit schwacher Stimme seinen Namen rief. Jede Einzelheit träumte er, als würde es erst jetzt passieren. Er sah in Ginnys Augen, bevor sie zusammenbrach.

Keiner der beiden, weder Harry noch Ginny ahnte, dass sie beide den gleichen Traum hatten, dass sie, jeder aus seiner eigenen Perspektive, den gleichen Traum träumten. Woran lag das? Wie konnte es sein, das zwei Menschen zur gleichen Zeit den gleichen Traum hatten?

Klitschnass wachte Harry nach drei Stunden auf und griff instinktiv zur Schublade seines Nachttisches, in dem sich die Phiolen mit dem Schlaftrank befanden. Nur noch wenige Zentimeter war er von den Phiolen entfernt, als eine kleine Hand mit langen dünnen Fingern die Seine festhielt. „Dobby!", sagte Harry verwundert und sah dabei in die dunklen, für den kleinen Hauselfen viel zu großen Augen.
„Nein, das sollte Harry Potter Sir nicht tun! Das ist nicht gut!", sagte Dobby und verbeugte sich, wobei er immer noch Harrys Hand festhielt. „Ich brauche den Trank, Dobby!" „Harry Potter sollte wenigstens ein Mal auf Dobby hören, auch wenn Dobby nur ein Hauself ist und nichts zu sagen hat! Dieser Trank lässt Harry Potters Sorgen nicht verschwinden. Sie verstecken sich nur, genau wie Harry Potter selbst. Sir sollte zu seinen Freunden gehen! Sie würden gern helfen, besonders Miss Weasley."
„Ginny", murmelte Harry und senkte seinen Blick. Für einen kurzen Moment schlich sich ein kleines Lächeln über sein Gesicht.
„Ginny Weasley mag Harry Potter auch, genau wie er sie. Warum sagt er ihr das nicht?", piepste Dobby. „Warum Dobby? Das kann ich dir ganz genau sagen. Meinetwegen wurde sie von Voldemort und seinen Todessern gefoltert und wäre fast gestorben. Ich glaube nicht, dass sie mir das je verzeihen wird."
„Miss Weasley wird verzeihen, bestimmt hat sie es schon. Aber sieht Harry Potter jetzt ein, dass es nichts gebracht hat, sich von seinen Freunden abzuwenden, ihnen die Freundschaft verwehrt zu haben?"
Dobby hatte Harry's Hand bereits losgelassen, die nun ruhig auf dessen Schoß lag. Nachdenklich blickte er den Hauselfen an und sagte leise: „Es wäre trotzdem passiert! Es passiert immer wieder! Voldemort nimmt mir alles und ich kann es nicht verhindern. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich …"
„Diesen Satz darf Harry Potter nicht aussprechen, er sollte nicht mal daran denken! Harry Potter darf und wird nicht sterben. Und auch seine Freunde nicht! Wenn Harry Potter stirbt, dann ist alles verloren!" Erschrocken sah Harry auf. Wusste Dobby etwa von der Prophezeiung?
„Dobby, wir haben gesehen, dass ich gegen Voldemort nicht ankomme, dass ich nichts gegen ihn ausrichten kann. Ich bin noch nicht mal siebzehn! Wie soll ich verhindern, dass mir und meinen Freunden was passiert?"
„Prof. Dumbledore und die anderen Lehrer können helfen. Harry Potter muss es nur zulassen. Es …" Dobby stoppte. „Dobby wird gerufen. Harry Potter sollte nichts Unüberlegtes tun!" Mit einer tiefen Verbeugung verabschiedete er sich von Harry und verschwand lautlos.

Harry's Blick ging von der Stelle, an der der Hauself eben verschwunden war zum Nachttisch. Dobby's Worte hallten immer noch in seinen Ohren, doch trotzdem griff er nach einer der vielen Phiolen, die es in seinem Nachttisch gab und leerte sie mit einem Zug, ohne weiter darüber nachzudenken.
Schnell trat die Wirkung des Trankes ein. Harry schaffte es gerade noch sich hinzulegen, um sich nicht seinen Kopf an der Bettumrandung aufzuschlagen.
Wie Dobby schon einmal erzählte, unterdrückt der Trank nicht alle Träume, sondern nur die Alpträume und sorgt damit für einen erholsamen Schlaf. Auch jetzt träumte Harry wieder von Ginny, was ihm einen entspannten Gesichtsausdruck verlieh.

Es war Samstag früh und bereits neun Uhr. Madame Pomfrey hatte Ginny aus ihrem unruhigen Schlaf befreit, um sie zu untersuchen.
Erneut hatte Ginny von Voldemort und seinen Todessern geträumt. Wie lange würden diese Alpträume noch anhalten? Wie lange müsste sie diese noch ertragen?
Trotzdem, ein kleines zartes Lächeln umspielte ihr Gesicht. Sie hatte nicht nur von Voldemort und dessen Todessern geträumt. Kurz bevor sie aufwachte, hatte sie von Harry geträumt, wie er sie anlächelte und sanft durch ihr Haar strich. Dieser Traum hatte sie wieder ruhiger werden lassen, doch woher kam er so plötzlich? Erst sah sie, wie sie mit erhobenem Dolch auf Harry zu ging und diesen an seiner Brust ansetzte und nur einen Augenblick später nahm er sie liebevoll in den Arm. Natürlich waren diese Träume angenehmer als die von Voldemort, aber sie verstand den Zusammenhang nicht. Erst hatte sie Angst einzuschlafen und dann wollte sie am liebsten nicht mehr aufwachen. Sie hätte die Krankenschwester dafür verfluchen können.
Nachdem Madame Pomfrey ihre Untersuchung abgeschlossen hatte und nichts weiter feststellen konnte, brachte sie Ginny das Frühstück.

„Madame Pomfrey?", hielt Ginny die Krankenschwester auf, als diese das Zimmer verlassen wollte. „Ja, Miss Weasley, brauchen sie noch etwas?", fragte sie und ging wieder auf Ginny zu. „Ist Harry noch mal zurückgekommen?", fragte Ginny schüchtern. Eigentlich hätte sie gar nicht fragen brauchen, sie war sich ziemlich sicher, die Antwort zu kennen.
„Nein, damit hatte ich aber auch nicht gerechnet. Was Mr Potter sich einmal in den Kopf gesetzt hat, bekommt man da so schnell nicht wieder raus. Das müssten sie eigentlich wissen!"
„Dürfen wir?", lenkte Hermine die Aufmerksamkeit auf sich. Zusammen mit Ron, Neville und Luna stand sie in der Tür. „Wenn sie leise sind, dürfen sie", entgegnete die Krankenschwester in scharfem Ton. Noch immer war sie leicht verärgert über das Benehmen der vier Schüler am Tag zuvor.
Sich der Andeutung die sie erhielten bewusst, gingen sie auf Ginny's und Harry's Bett zu. Keiner der vier ahnte auch nur, dass Harry abgehauen war.
„Wo ist Harry, darf er etwa schon aufstehen?", fragte Ron und sah sich um, doch konnte er ihn nirgendwo entdecken.

Ginny erzählte, was vor wenigen Stunden passiert war.
„Warum lässt er sich nicht helfen?", fragte Luna nachdem Ginny zu Ende erzählt hatte. „Weil er Angst hat, nehme ich an", beantwortete Ron die Frage leise. „Egal was er uns erzählt, er hat Angst, will es aber nicht zeigen."
„Wovor hat er Angst? Doch nicht etwa vor uns!" Wieder war es Luna, die fragte.
Ginny setzte sich auf und sah ihre Klassenkammeradin ernst an. „Vor dem was passiert ist und vor dem was noch passieren könnte." „Was ist genau passiert?", fragte Luna weiter und hielt Ginnys Blick stand. „Nicht, Luna, lass sie!", versuchte Neville sie zu unterbrechen. „Nein, Neville! Niemand wollte uns erzählen, was Ginny und Harry zugestoßen ist. Ich möchte es wissen!" Sie sah wieder Ginny an. „Und bestimmt nicht nur ich."
Ginny überlegte einen Moment, ob sie das Erlebte ihren Freunden erzählen sollte, denn so müsste sie alles noch einmal durchleben.
Ihr Bruder nahm sie tröstend in den Arm. „Du musst nicht, Ginny! Niemand zwingt dich dazu", sagte er und sah Luna dabei vorwurfsvoll an. Beruhigend strich er seiner Schwester über den Rücken. „Es ist nur wichtig, dass ihr lebt! Mehr brauchen wir nicht zu wissen." Doch auch er hoffte, eine Antwort zu bekommen.
Die Worte ihres Bruders schienen ihr bei der Entscheidung geholfen zu haben. Sie sah ihre Freunde mit traurigen Augen an und begann zu erzählen.

Ginny bekam nasse Augen und mit jedem Wort kullerten mehr Tränen an ihren Wangen hinunter. Doch es half auch, das Erlebte etwas zu verarbeiten. Aber wirklich nur etwas, denn sie war sich sicher, dieses Erlebnis ihr Lebtag nicht zu vergessen.
„Alles nur wegen dieser beschissenen Prophezeiung! Was will er noch damit? Sie ist doch zerstört worden. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen", durchbrach Neville die Stille. „Ich weiß nicht, was da zerstört wurde, aber Harry kennt die vollständige Prophezeiung - das behauptet Voldemort jedenfalls." Auf keinen Fall wollte sie Harry mit dem Wissen um die Prophezeiung noch mehr unter Druck setzen. Sollten die anderen vorerst in dem Glauben bleiben, dass Voldemorts Behauptung vielleicht nicht stimmte. Ginny dachte daran, dass Harry ihr sogar verraten hatte, von wem die Prophezeiung stammte. Sie war sich sicher, dass Harry ihr und seinen anderen Freunden irgendwann auch deren Inhalt preisgeben würde. Im Moment war er aber wohl noch nicht dazu bereit.

Erst jetzt, da bis auf Hermine alle anderen zusammenzuckten, wurde sie sich bewusst, dass sie Voldemort beim Namen genannt hatte.
Das Gehörte versetzte den vier Freunden einen weiteren Schock, doch lange konnten sie nicht darüber nachdenken, denn es klopfte an der Tür und Albus Dumbledore betrat das Krankenzimmer.
„Einen guten Morgen wünsche ich euch!", begrüßte er sie freudig. „Guten Morgen, Professor!", antworteten sie alle im Chor, was den Schulleiter schmunzeln ließ. „Welch eine Begrüßung", lachte dieser. Doch einen Augenblick später wurde Dumbledore wieder ernst. An Ginny gewandt fragte er: „Dürfte ich ein wenig deiner Zeit stehlen? Es ist wichtig!" „Natürlich dürfen sie!"
„Wir werden Harry suchen gehen! Vielleicht kriegen wir ihn ja diesmal dazu, mit uns zu reden. Bis nachher!", verabschiedete sich Ron von seiner Schwester mit einer Umarmung. Gefolgt von den anderen, verließ er das Zimmer.

„Wie geht es dir?", fragte der Direktor nachdem sie gegangen waren und musterte Ginny. „Mir geht es schon besser. Danke, Professor! Nur …" Betreten sah sie zu Boden. „Sag was dir auf dem Herzen liegt!" Langsam drehte sie ihren Kopf in Richtung Harry's Bett.
„Ich versteh schon!" Dumbledore nahm sich einen der Stühle, die noch am Bett standen und setzte sich neben Ginny. „Sei Harry nicht böse! Er …" Dumbledore stoppte für einen Augenblick. „...ihr habt Schlimmes durchstehen müssen", sprach er schließlich weiter. „Das, was ihr durchleben musstet, hätte jeden aus der Bahn geworfen. Harry fühlt sich für das was passiert ist verantwortlich. Er gibt sich die Schuld dafür." „Aber Harry kann nichts dafür!", unterbrach Ginny den Schulleiter. „Ich war es, die weggelaufen ist. Ich bin den Todessern direkt in die Arme gelaufen. Wenn ich im Gewächshaus unter Harrys Tarnum…" Erschrocken sah sie in Dumbledores Gesicht, wo sie jedoch nur einige ‚Schmunzelfalten' erblickte. „Schon gut! Ich weiß davon. Erzähl weiter!", sagte er ruhig.
„Wenn ich geblieben wäre wo ich war, dann wäre das alles gar nicht passiert!" Mit nassen Augen und völlig aufgewühlt saß sie vor ihrem Schulleiter. „Beruhige dich wieder! Es ist bestimmt nicht deine Schuld. Wenn jemand die Schuld trägt, dann ich. Ich hätte meine Schüler besser beschützen müssen." Für einen Moment schien Dumbledore mit seinen Gedanken ganz woanders zu sein. „Doch das, was passiert ist, kann man nicht ändern." Ginny konnte den wehmütigen Gesichtsausdruck nicht deuten, denn sie ahnte nicht, dass Dumbledore an eine äußerst lernbegierige Schülerin in ihrem dritten Schuljahr dachte. Laut sagte er jedoch: „Es hilft nichts, wir können es nicht mehr ungeschehen machen, so gern ich das tun würde. Wir können nur noch versuchen zu verhindern, dass sich so etwas wiederholt."
„Ich würde gern wissen, warum sich Harry so verhält, warum er nicht mehr mit uns redet und warum Voldemort..." Ginny stutzte und bemerkte, wie ihr Professor sie mit hochgezogenen Augenbrauen über seine Brille hinweg ansah. „...ihm dies alles antut", schluchzte Ginny und versuchte sich wieder zusammenzureißen. Mit dem Bettbezug wischte sie sich ihre Tränen weg. „Ich weiß leider auch nicht, was in den Köpfen meiner Schüler vor sich geht, aber bei Harry habe ich eine Vermutung. Und Voldemort …"
Nachdenklich blickte er an die gegenüberliegende Wand, als wäre dort etwas höchst Interessantes zu finden.
„Hat das etwas mit der Prophezeiung zu tun?", holte Ginny ihren Schulleiter aus seinen Gedanken. „Immer wieder hat Voldemort mich nach der Prophezeiung gefragt. Jedes Mal habe ich ihm gesagt, dass ich nicht weiß, wovon er redet, dass ich die Prophezeiung nicht kenne. Ich habe ihn angefleht, er solle aufhören, doch er hat immer weiter gemacht." Ginny hielt sich ihren Kopf mit beiden Händen. „Das hat wehgetan, es war kaum auszuhalten." Wieder lösten sich vereinzelte Tränen.
Dumbledore versuchte Ginny zu trösten. Er drückte ihre Hand und beschwor ein Taschentuch hervor, welches er ihr reichte.
„Es muss reichen, wenn ich dir diese Frage mit ja beantworte! Irgendwann wird Harry euch erzählen, was die Prophezeiung beinhaltet. Bitte versuch mich zu verstehen, ich kann nicht über Harry's Kopf hinweg entscheiden. Da die Prophezeiung ihn direkt betrifft, liegt die Entscheidung bei ihm, wann er euch davon erzählt."
„Ich weiß bereits, dass Sie dabei waren, als Prof. Trelawney die Prophezeiung ausgesprochen hat. Harry wollte sie mir gestern erzählen, bevor Sie in den Krankenflügel kamen. Aber ich glaube, es war ihm ganz recht, dass er von Ihnen unterbrochen wurde.", sagte Ginny enttäuscht. Sie hatte gehofft, von Dumbledore etwas über die Prophezeiung zu erfahren.

„Warum Harry?", murmelte Ginny und begann mit ihren Fingern an der Bettdecke zu nesteln.
„Ginny, sieh mich an!", bat Dumbledore. Mit roten Augen sah Ginny auf. „Meiner Meinung nach hast du ein Recht darauf, von der Prophezeiung zu erfahren. Was Voldemort dir angetan hat, kann niemand je wieder gut machen. Denn was er sich einmal vorgenommen hat, das zieht er auch durch. Aber wie schon gesagt, es ist allein Harry's Entscheidung."
„Wie meinen sie das?", fragte Ginny unsicher.
Wieder schienen die Gedanken des alten Professors woanders zu sein. „Professor, wie meinen sie das?", fragte sie etwas lauter und holte ihn damit zurück.
„Wie ich das meine? Er hat dich benutzt, um an Harry ranzukommen und versucht dich zu töten, um ihm zu schaden. Zum Glück hat er es nicht geschafft, was wir Peter Pettigrew zu verdanken haben. Hätte er euch nicht hergebracht oder auch nur einen Moment länger gewartet, wäre es für euch beide zu spät gewesen und Voldemort hätte sein Ziel erreicht", sagte Dumbledore traurig. „Aber ich bin mir sicher, dass er weiterhin versuchen wird, dich, genauso wie Harry, oder jeden anderen seiner Freunde in seine Finger zu bekommen."
Ginny wurde immer unruhiger. Schon der Gedanke daran, dass der ‚Dunkle Lord' ihr wieder etwas antun könnte, ließ ihre Angst überschäumen. „Aber ich habe ihm doch gar nichts getan!"
„Es spielt keine Rolle, ob du ihm was getan hast oder nicht. Du bist Voldemort ein Dorn im Auge, aber auch der Schüssel, um an Harry heranzukommen." Ginny's Herz begann vor Angst zu rasen. „Er würde niemals die Schmach auf sich belassen, dass du ihm entkommen bist, ein sechzehnjähriges Mädchen, was dazu noch durch ihre Verletzungen geschwächt war. Und außerdem würde er Harry mit deinem Tod noch mehr zusetzen, als er es bisher schon getan hat.

"Das war zu viel. Alles was Dumbledore ihr gesagt hatte, brach mit einem Mal über sie herein. Hastig schlug sie ihre Decke zur Seite und wollte aufstehen. „Nein, bleib im Bett, Ginny! Madame Pomfrey reißt mir den Kopf ab, bitte! Wie sieht das denn aus, ein Schulleiter ohne Kopf", versuchte er sie zu beschwichtigen.
„Ich will hier raus! Ich muss mit Harry reden!", schluchzte Ginny.
Vorsichtig drückte Dumbledore sie wieder zurück ins Bett. „Du kannst mit Harry reden, aber nicht jetzt! Ruh dich noch ein wenig aus und versuch zu schlafen! Du wirst sehen, nachher geht es dir besser." Ginny schüttelte energisch ihren Kopf. „Ich kann nicht schlafen. Ich habe Angst einzuschlafen. Die Alpträume, ich will sie nicht!" Wer wollte schon Alpträume? Wer wollte Nacht für Nacht Angst und Schrecken aufs Neue erleben?

„Ginny! Ginny, sieh mich an! GINNY!" Das hatte gewirkt. Völlig verstört blickte sie ihren Schulleiter an. „Erzähl mir von deinen Alpträumen!"
Wieder schüttelte Ginny ihren Kopf und versuchte erneut aufzustehen. „Es ist alles meine Schuld!", rief sie. „Harry wird mir das nie verzeihen!" „Ginny, komm wieder zu dir, beruhige dich! Voldemort hat eine ungeheuere Kraft, Menschen zu manipulieren, zu beeinflussen. Harry ist der Letzte, der dir dafür die Schuld geben würde." Mit aller Kraft versuchte Ginny aufzustehen, doch Dumbledore hielt sie immer noch fest. Ginny wunderte sich nicht einmal, wie viel Kraft ihr Direktor hatte. „Ich hätte ihm fast das Herz rausgeschnitten", schrie Ginny. Voldemorts Worte würde sie nie wieder vergessen: ‚Es ist Potters Schuld, dass du leiden musstest. Er hat dir dein Herz gebrochen. Zahle es ihm heim! Schneide es ihm heraus!'

„Poppy!", rief Dumbledore die Krankenschwester zu Hilfe, da sich Ginny nicht beruhigen ließ. Kaum hatte er den Namen der Krankenschwester ausgesprochen, stand sie auch schon mit einer Phiole Schlaftrank neben den beiden. „Albus, was hast du ihr erzählt?", fragte sie ärgerlich. „Die Wahrheit, Poppy, nur die Wahrheit."
„Trinken sie das, Miss Weasley! Welche Wahrheit?", wandte sie sich wieder an Dumbledore.
Mit weiten Augen blickte die Krankenschwester in die des Schulleiters. Sie konnte nicht fassen, was er getan hatte. Auf den entsetzten Gesichtsausdruck seines Gegenübers sagte Dumbledore: „Wann wäre deiner Meinung nach der richtige Zeitpunkt gewesen? Für so etwas gibt es keinen richtigen Moment. Nicht jetzt, nicht morgen und auch nicht in zehn oder zwanzig Jahren! Sie muss lernen, mit dem was passiert ist umzugehen."
Während Madame Pomfrey und Albus Dumbledore sich noch darüber stritten, wann der richtige Zeitpunkt wäre und ob er ihr überhaupt irgendetwas hätte erzählen sollen, schlief Ginny ruhig und ohne von Alpträumen geplagt zu werden ein.

Zur gleichen Zeit wachte Harry aus einem erholsamen Schlaf auf. Geht doch, dachte er. „Fehler! Ein Fehler wäre es nur, würde ich diesen Trank nicht einnehmen", sagte er leise zu sich selbst und streckte seine Glieder.
Er begann zu lächeln, als er sich daran erinnerte, was er zuletzt geträumt hatte, von wem er zuletzt geträumt hatte: Beide, Ginny und er lächelten sich an. Sanft fuhr er ihr durchs lange weiche rote Haar. Dieser liebliche Geruch, der seine Träume von Ginny begleitete, war auch wieder da.
Harry holte tief Luft. Nie wieder wollte er diesen Geruch vergessen, den er mit Ginny in Verbindung brachte. Doch warum brachte er ihn mit ihr in Verbindung? Noch nie zuvor hatte er ihn bemerkt, nur in seinen Träumen. Oder etwa doch? Hatte er ihn nur nicht richtig wahrgenommen?
Er sah auf seine Uhr - 10:30. Entschlossen stand er auf und richtete seine Sachen. „Jetzt eine schöne heiße Dusche!" Mit seinen Gedanken noch bei Ginny, dass er sich schleunigst bei ihr entschuldigen müsse, weil er sie einfach so angefahren hatte und abgehauen war, verließ er das Zimmer.

Immer noch in Gedanken lief er die Flure entlang. Gerade wollte er die Treppe betreten die zum Gryffindorturm führte, als er zwei ihm sehr bekannte Stimmen hörte. Wut kam in ihm auf, denn diese Stimmen gehörten unverkennbar Draco Malfoy und Seamus Finnigan.
Harry drehte um und ging in die Richtung aus der die Stimmen kamen. Er drückte sich an die Wand, damit keiner der beiden ihn bemerkte.
Anscheinend war das Gespräch zwischen Malfoy und Finnigan bereits beendet, denn Harry bekam nur noch mit, wie Finnigan sagte: „Beide werden sich wünschen, sich nie mit uns angelegt zu haben! Da werden selbst ihre Freunde und Dumbledore nicht mehr helfen können." „Du bringst eurem Haus Schande, weißt du das?", lachte Malfoy und klopfte Finnigan anerkennend auf die Schulter. „Das bügelt der ‚Große Potter' wieder aus, Malfoy, da brauch ich mir keine Sorgen machen", entgegnete Finnigan verächtlich, als wenn der Name Potter Gift wäre und verabschiedete sich.
Harry hatte seine Hände zu Fäusten geballt und überlegte, wem er folgen sollte. Er entschied sich für Malfoy und ging ihm unauffällig hinterher, denn Finnigan konnte er sich immer noch im Gryffindorturm schnappen.

Harry dachte zumindest, dass er Malfoy unauffällig gefolgt wäre. Kurz vor den Treppen, die zu den Kerkern führten, hielt Malfoy an. Ohne sich umzudrehen, aber mit einem gehässigen Grinsen auf seinem Gesicht, sagte er: „Im Hinterherschleichen warst du schon mal besser, Potter!" Harry kam hinter der Ecke, hinter der er sich versteckt hatte hervor und schritt auf Malfoy zu. „Hat dich Pomfrey laufen lassen?" Harry antwortete nicht. „Was denn, Potter. Hat dir der Anblick von dem Wiesel, wie sie halbtot am Boden lag etwa die Sprache verschlagen? Du siehst gar nicht so aus."
„Was du nicht sagst", entgegnete Harry kühl, doch musste er sich stark zusammenreißen nicht gleich auf Malfoy loszuspringen und ihn zu würgen, Schmerzen zuzufügen, ihm alles heimzuzahlen. Immer noch waren seine Hände zu Fäusten geballt, so dass sich seine Knöchel bereits weiß gefärbt hatten. „Immer noch so unbeherrscht, wie ich sehe. Hat dir der Lord diese lästige Angewohnheit noch nicht ausgetrieben!", grinste Malfoy. „Was für ein Lord? Ich kenne keinen Lord. Voldemort ist nur Abschaum!"
Bei Voldemorts Namen zuckte Malfoy zusammen und sein Gesicht war wie ein offenes Buch. „Draco, Draco!", verhöhnte Harry ihn nun seinerseits. „Sprich mir doch einfach mal nach, es ist ganz leicht: V O L D E M O R T."
„Wie geht es der Weasleyschlampe?", lenkte Malfoy ab. „Sie muss sich doch unendliche Vorwürfe machen, dass sie einfach so abgehauen ist und ihr Liebster uns ausgeliefert war, oder?"
Langsam schritt Harry auf Malfoy zu und seine Wut wuchs mit jedem Schritt. „Ich bin nicht ihr Liebster, Malfoy. Ich weiß gar nicht wie du darauf kommst", zischte Harry. „Na klar, Potter und ich gehöre eigentlich nach Hufflepuff und nicht nach Slytherin", lachte Malfoy spöttisch.
„Das war alles geplant, habe ich Recht? Alles, bis dahin, dass jemand Ginny aufgelauert hat. Was wolltet ihr mit ihr machen? Wolltet ihr sie tatsächlich umbringen?"
Immer breiter wurde Malfoys Grinsen. „Ich hätte es gern gesehen, aber nein, es war nicht geplant. Wir sollten dich eigentlich nur schwächen, damit die Todesser dich ohne Probleme hätten holen können. Dass das Wiesel dazwischen kam, war nicht geplant. Aber es war doch recht nützlich. Nur McGonagall hat den Plan etwas nach hinten verschoben. Aber ich kann dir sagen, wir hatten trotzdem unseren Spaß. Und wenn man es genau nimmt, werden wir ihn auch weiterhin haben, denn der Lord wird dich jagen, euch beide jagen, bis er euch hat. Und dann werdet ihr leiden, wie noch nie jemand gelitten hat, darauf kannst du Gift nehmen."

Harry stand jetzt nicht mal mehr einen Meter von Malfoy entfernt, der bereits seinen Zauberstab gezogen hatte. „Überleg dir genau, was du tust! Denk daran, dass du keinen Zauberstab mehr hast!" Harry sah wohl etwas verblüfft aus, denn Malfoy sagte: „Du siehst, Potter, ich bin über alles informiert."
„Was hast du mit Finnigan ausgeheckt?", fragte Harry wütend. „Na na, Potter! Man belauscht nicht die Gespräche anderer. Aber ganz ruhig, du wirst es bald erfahren. Keine Angst, hab einfach noch etwas Geduld!" „Sag es oder du wirst es bereuen, das verspreche ich dir!", erwiderte Harry und wollte Malfoy an den Hals springen, als Crabbe und Goyle, Malfoys Wachhunde die Treppe von den Kerkern heraufstiegen.
„Lernen scheint nicht gerade deine Stärke zu sein, Potter. Immer wieder machst du den gleichen Fehler - drei gegen einen", kam Crabbe gefolgt von Goyle mit erhobenem Zauberstab auf Harry zu.
„Das aus deinem Mund, Crabbe?", lachte Harry. „Ich dachte immer, das Wort ‚lernen' würde es gar nicht in deinem Wortschatz geben." „Pass auf was du sagst!", ranzte Crabbe zurück und hielt seinen Zauberstab unter Harrys Kinn.
Auch wenn die Situation mal wieder alles andere als gut für Harry aussah, wusste er, dass Malfoy, Crabbe und Goyle ihm hier nichts antun würden. So blöde waren nicht mal die. Das hoffte Harry zumindest.

„STOPP!", rief jemand von hinten und Ron, Neville, Hermine und Luna kamen auf die vier zugelaufen. „Was soll das, Harry, was machst du hier? Komm mit!", sagte Ron und stand genau wie seine Freunde mit gezogenem Zauberstab neben Harry.
„Geht, verschwindet, das ist meine Angelegenheit!", blaffte Harry sie an. Mehr konnte er nicht sagen, denn Professor Flitwick, der Lehrer für Zauberkunst kam auf die kleine Versammlung zu.
Schnell steckten Malfoy, Crabbe und Goyle ihre Zauberstäbe weg und versuchten ein unschuldiges Gesicht zu machen, was ziemlich lächerlich aussah. Die anderen vier nutzten ihre Chance und zogen Harry mit sich.

Außer Reichweite von Malfoy und Co. ließen sie Harry wieder los, der sie wütend ansah. „Was sollte das? Es ist alles in Ordnung, lasst mich einfach. Ich hätte das auch allein geschafft!", meckerte Harry. „Kennst du auch noch einen anderen Satz als: ‚Es ist alles in Ordnung?' ", fuhr Hermine ihn an. „Es ist allein meine Angelegenheit und ich entscheide über mein Leben, niemand sonst! Kein Dumbledore, kein Voldemort und auch nicht ihr!"
Ron ging auf Harry zu. Nur wenige Zentimeter trennten ihre Gesichter voneinander. „Was das sollte?", fragte Ron mit fester Stimme. „Bist du lebensmüde oder was? Du müsstest dich mal reden hören! – Deine Angelegenheit. Wir sind deine Freunde, lass dir von uns helfen! Ginny ist völlig …" Weiter kam Ron nicht. Bei Ginnys Namen drehte Harry sich um und lief weg. Ron bekam nur noch ein Stück seines Umhangs zu fassen, den Harry aber fallen ließ. Mit Harrys Umhang in der Hand stand Ron neben seinen Freunden und sah Harry wütend hinterher. „So nicht, Potter!", zischte er und lief ihm nach. „Bleib stehen!"
Harry lief weiter, ohne auf Ron's wütende Rufe zu achten. „Harry, du sollst endlich stehen bleiben!" Doch Harry hatte schon viel zu viel Vorsprung, das Ron ihn noch hätte einholen können, so dass er schließlich aufgab. „Harry, verdammt!", pustete er und hielt sich die Seiten.
„Ron, lass ihn!", versuchte seine Freundin ihn wieder zu beruhigen. „Es bringt nichts. Harry will nicht." „Nein, Hermine, diesmal nicht! Er spielt sich kaputt, wir müssen ihm helfen, ob er will oder nicht!"
„Dann lasst ihn uns suchen!", sagte Neville und gemeinsam gingen sie in die Richtung, in der Harry verschwunden war.

„Ich hätte ihn mit dem ‚Locomotor mortis' oder besser noch mit dem ‚Petrificus Totalus' aufhalten sollen", murmelte Ron vor sich her. Hermine legte ihre Hand auf die Schulter ihres Freundes und sagte: „Denkst du nicht, dass er schon genügend Flüche abbekommen hat? Er muss nicht auch noch von seinen Freunden mit welchen belegt werden." „So habe … Ich würde Harry nicht …", stotterte Ron. „Schon gut, weiß ich doch!" Stärkend drückte Hermine seine Hand und gab ihm zur Beruhigung einen Kuss.

Wie lange sie bereits nach Harry gesucht hatten, wusste keiner der drei. Irgendwann hatten sie aufgegeben auf die Uhr zu sehen. „Lasst uns noch mal draußen suchen!", schlug Hermine geschafft vor. „Wenn wir ihn dort nicht finden, lassen wir es sein."
Luna sah auf ihre Uhr. „Ich kann leider nicht weiter mitsuchen!", sagte sie bedrückt. „Warum nicht, du…", wollte Neville fragen, doch Hermine unterbrach ihn. „Lass sie, Neville! Luna wird schon einen guten Grund dafür haben", lächelte sie Luna an. „Geh ruhig, wir suchen allein weiter!" „Danke!", verabschiedete Luna sich mit schlechtem Gewissen.
Bedrückt gingen die drei Freunde aufs Schlossportal zu. „Hoffentlich kommt er bald wieder zu sich und fängt an zu leben!", sagte Hermine zu sich selbst und wischte sich unauffällig einige Tränen ab. Enttäuscht blickten sie übers Schlossgelände, denn auch hier war Harry nirgends zu sehen. „Vielleicht ist er bei Hagrid", sagte Neville hoffnungsvoll, obwohl er wusste, dass Harry auch zu Hagrid fast keinen Kontakt mehr hatte, nur noch im Unterricht. Doch einen Versuch war es wert.

Auf dem Weg zur Hütte des Wildhüters von Hogwarts drehte sich Hermine zum Schloss um und blickte zu dessen Zinnen und Türmen auf. „Harry!", rief sie erschrocken und packte Ron am Arm. Der Angesprochene drehte sich um und blickte in die Richtung, in die Hermines freier Arm zeigte. Was er dort sah, ließ fast sein Herz aussetzen.


So, das war Kapitel 9. Wie fandet ihr es?
Diesmal wird es nicht soooo lange dauern, bis das nächste Kapitel kommt. Es ist bereits bei DKub.
Genau, vielleicht habt ihr auch ein paar nette Worte für ihn, denn ohne DKub wäre diese FF NICHTS.

Bis bald!

bepa