Ich weiß gar nicht, wie oft ich mich schon für die verspäteten Kapitel entschuldigt habe, aber diesmal lag es nicht allein an mir! ;-)
Hier liefert DKub den Beweis:
Ich möchte mich für die lange Bearbeitungszeit offiziell bei den Lesern entschuldigen.
Wer Arbeit und Familie hat, weiß, wie viel Stress möglich ist. Es ist nicht immer leicht, alles unter einen Hut zu bringen.

So, bevor es mit dem Kapitel losgeht, hier noch schnell die Antworten auf eure Reviews!

Corvi: Danke! Sicherlich war es ein Fehler, sich von seinen Freunden abzuwenden, aber er hat es nicht ohne Grund getan. Für ihn schien es die einzige Möglichkeit zu sein. Das „Ding" auf den Rücken der beiden wird ihren weiteren Weg bestimmen. Das muss erstmal als Erklärung reichen! ;-)

Sandy123: huhu zurück! Danke auch dir! Warum sollte Harry springen, er kann doch gar nicht fliegen (jedenfalls nicht ohne Besen)! Eine Weile brauche ich ihn noch.
Er spricht mit seinen Freunden, aber für wie lange noch?
hdagdl!

HerminePotter: Danke, hier kommt das nächste!

MechWOLLIer:DAS ist noch kein böses Ende!

Alex Black5: Danke für dein Review! Und ich werde es schaffen!

silvertrust: Ja, mit Seamus habe ich etwas geschaffen, mit dem Harry nicht soooo leicht fertig werden wird. Und dann noch Malfoy und Co. Ich ahne böses!
Also, eine Schatzkarte ist es mit Sicherheit nicht! Du wirst sehen (lesen), was es mit den Ornamenten aus sich hat.

HexeLea: So viele Fragen, die alle nach und nach beantwortet werden.
Das auf den Rücken der beiden? Tja… eine Verbindung ist es, aber was sie zu bedeuten hat und wie sie entstanden ist, wirst du noch erfahren. Das mit der Tür vom Schlafsaal war nur der Anfang.

laser-jet: Dieses aber noch nicht, hehe!

Ron Weasley: HIER KOMMT EIN CHAP! Es tut mir unendlich leid, dass du so lange warten musstest! Ich hoffe, dieses Kapitel entschädigt dich wenigstens etwas.
supermegawirklichganztollgenial? DANKE
Ein schreckliches Ende? Von mir doch nicht, da musst du mich mit jemanden verwechseln.

Joanna: Weiter gehts!

So, auch an dieser Stelle noch mal ein GROßES Dankeschön an meinen Betaleser DKub, der es alles andere als leicht mit dieser FF hat. Mit meinen vielen (oft auch sinnlosen und dämlichen Fehlern) kann er bestimmt schon seine die Wohnung tapezieren. Du weißt ja, tütütü! Dass ich… Danke, dass du dir so viel Mühe mir meiner FF gibst!

Wie auch sonst:
Die Story ist auf den 5 HP-Büchern aufgebaut. Alle Figuren, die ihr aus den Büchern von J.K.Rowling kennt, gehören ihr. Das, was ihr nicht aus ihren Büchern kennt, ist zum größten Teil auf meinem Mist gewachsen. Ich verdiene mit dieser Geschichte keinen einzigen Cent und möchte mit dieser auch niemanden zu nahe treten. Eine kleine Entschuldigung an dieser Stelle für alles, was ich den Figuren des HP-Universums angetan habe und noch antun werde! Also, alles gehört ihr und mir nix.

Kapitel 11 Versteckspiel

Mit dem Finger auf Harry zeigend, saßen einige Schüler in ihren Sesseln. Harry konnte an ihren Gesichtern erkennen, was sich in ihren Köpfen abspielte. Ohne sich weiter um das Gekicher und Getuschel seiner Mitschüler zu kümmern, drehte er sich um und lief die Treppen hoch zurück zum Schlafsaal. Ginny hatte ihm so sehr den Kopf verdreht, dass er sich halb nackt hinter ihr hergestürzt hatte, ohne darüber nachzudenken.

Hastig suchte Harry seine Sachen zusammen und zog sich an. „Verdammt, wo ist die Karte?", fluchte er, da er sie nicht finden konnte. Ohne die Karte des Rumtreibers würde er Ginny ewig suchen. Den ganzen Schlafsaal stellte er auf den Kopf, doch er fand nicht wonach er suchte. Schon fast panisch lief er umher, bis ihm sein geheimes Zimmer einfiel. Wenn sie dort nicht war, wüsste er auch nicht weiter.

Ohne auf seine Mitschüler zu achten, lief er in Richtung des Portraitlochs. „Schade!", riefen ihm einige Mädchen im Chor nach und fingen an zu lachen. Doch das Lachen störte ihn nicht, auch wenn es diese Mädchen sein würden, die die neue Gerüchtelawine ins Rollen bringen würden. Mandy und Cecile waren eindeutig die größten Tratschtanten Gryffindors. Unter dem Getuschel der anderen verließ er den Gemeinschaftsraum
„Harry, pass auf wo du hinläufst!" Fast wäre er mit Hermine zusammengestoßen. „Was ist denn hier los?"
„Ist dir Ginny über den Weg gelaufen?", fragte Harry und sah sich dabei auf dem Flur um. „Ja, sie hätte mich auch fast umgerannt. Sie hat geweint! Was…" „In welche Richtung ist sie gelaufen?", unterbrach Harry sie. „Ich… ich weiß nicht genau. Ich glaube… die Treppen runter in Richtung Eingangshalle", stotterte Hermine. Skeptisch sah Harry seine beste Freundin an. „Sicher?" „Ich sagte ja, ich weiß es nicht genau!" Nun war ihre Stimme wieder sicher, kein Stottern war mehr zu hören.
Harry drehte sich um und ging in Richtung der Treppen, die in die oberen Stockwerke führten. „Harry, was hast du vor?", rief sie ihm hinterher. „Ginny suchen, was soll ich sonst wollen?", gab er ihr zur Antwort. Hermine wusste nicht, was zwischen den beiden vorgefallen war, doch Ginny wollte mit Sicherheit allein sein und das sollte Harry auch akzeptieren. „Harry, such sie bitte nicht! Sie möchte bestimmt allein sein." „Auf mich hat auch keiner Rücksicht genommen, wenn ich allein sein wollte. Hast du das etwa schon vergessen?" „Ja, aber…", doch weiter kam sie nicht. Harry wollte keine Zeit verlieren. Er musste die Karte finden und wenn er sie endlich hatte, auch Ginny.

„Das war doch ein Bild für die Götter, fandet ihr nicht?", grölte Mandy. „Erst kommt Ginny verheult die Treppen runter und dann läuft ihr Potter auch noch halb nackt hinterher. Was die beiden da oben wohl gemacht haben?" „Du wärst wohl gern an Ginnys Stelle gewesen, was?", rief ein Mädchen, was in der Nähe des Kamins saß und ihre Hausaufgaben machte. „Und wenn schon!", entgegnete Mandy „Wer nicht?", grinste sie Cecile an. Hermine glaubte ihren Ohren nicht zu trauen. „Was hast du da gerade eben gesagt?", fragte sie die immer noch gackernde Mandy, der dabei fast die Spucke im Hals stecken blieb. Hermines Blick trieb ihr sofort die Schadenfreude aus ihrem Gesicht. „Sag schon!", forderte Hermine. Mandys Augen verengten sich zu Schlitzen und überheblich antwortete sie der Vertrauensschülerin von Gryffindor: „Ich habe gesagt, dass Ginny…" „Das weiß ich!", wurde sie von Hermine unbeherrscht unterbrochen. Mandys Grienen wurde wieder breiter. „Potter ist ihr nur in Shorts hinterhergelaufen. Wer weiß, was die da oben… getrieben haben. Hat Seamus also doch Recht!" Wütend ging Hermine auf Mandy zu: „Überlege dir genau was du verbreitest!", drohte sie. „Denk daran, dass du ebenfalls ein Gryffindor bist! Aber anscheinend legt kaum noch jemand Wert darauf. Das ist so was von armselig und enttäuschend!", sah sie in die Runde. Immer noch konnten einige Mädchen ihr Gekicher nicht abstellen.
Eigentlich wollte Hermine noch in den Mädchenschlafsaal, um ihre Hausaufgaben zu erledigen, doch sie entschied sich anders. Ihre Hausaufgaben hatten noch Zeit. Weglaufen würden sie nicht. Vielleicht würde sie Harry noch erwischen. ‚Niemals hätte er ihr wehgetan, niemals hätte er…' Sie führte diesen Gedanken nicht zu Ende. Zuerst wollte sie mit Harry darüber reden und anschließend mit Ginny, bevor sie es Ron erzählen würde. Wenn Ron es nicht schon längst wusste. Wenn etwas über Harry und Ginny in Hogwarts im Umlauf war, verbreitete sich dies schneller, als man es sich vorstellen konnte. Für Hermines Geschmack zu schnell. Ron würde mit Sicherheit ausrasten, wenn er von jemand anderem, zum Beispiel Seamus, erfahren würde was Harry angeblich mit Ginny gemacht haben soll.

Irgendwo muss sie doch liegen!", meckerte Harry vor sich her. Die darf nicht weg sein! Verdammt, wo habe ich sie bloß hingeschmissen?" Hätte er seinen Zauberstab noch, würde ein einfaches ‚Accio Karte des Rumtreibers' reichen. Beinahe wollte er aufgeben und sich enttäuscht aufs Bett fallen lassen, als er endlich die Karte entdeckte.
Fast vollkommen verschüttet – nur noch eine kleine Ecke des alten Pergaments lugte hervor – lag sie zwischen seinen schmutzigen Sachen. „Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin!", versuchte Harry die Karte zu aktivieren, doch es geschah nichts. „Verdammt!", fluchte er. „Das kann doch nicht wahr sein. Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin!" Wieder geschah nichts. Keine einzelnen Linien, die sich spinnennetzartig verbanden, bis sie jeden Winkel von Hogwarts zeigten. Zum X-ten Male verfluchte er Voldemort dafür, dass er existierte. Mit der Zerstörung von Harrys Zauberstab war er seinem Ziel wahrscheinlich ein Stückchen näher gekommen. Wieder, nur diesmal etwas energischer, rief er: „Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin!" Auch diesmal führte dieser Spruch nicht zum erwünschten Erfolg. ‚Ohne Zauberstab bin ich nichts!' Hatte er schon vergessen, dass er vor nicht mal einer Stunde stablose Magie angewendet hatte, wenn auch unbewusst? Vielleicht half ein wenig mehr Konzentration! „Ginny, wo bist du?", flüsterte er bedrückt und setzte sich aufs Bett. „Es hilft nichts, dann muss ich sie eben so suchen!", sprang Harry auf. Gerade wollte er die Karte weglegen, da bemerkte er, dass sie sich doch aktiviert hatte. „Wie… Was… Egal! Zeig dich, Ginny! Wo steckst du?" Die Sorge, dass Ginny das Schloss verlassen haben könnte, kam immer mehr durch. Es dauerte nicht lange, und er hatte sie gefunden. „Ginny!" ‚Zum Glück!', dachte sich Harry. Ginny Weasley war allein auf dem Astronomieturm. Er schnappte sich seinen Tarnumhang, der über dem Stuhl hing und warf ihn sich über. Mit den Augen auf der Karte stieg er auf zum Astronomieturm. Je näher er ihr kam, desto schneller schlug sein Herz.

Ginny saß auf dem Boden des Astronomieturms und hatte ihre Arme um ihre angezogenen Knie geschlungen. Ihr Kopf lag seitlich auf den Knien und ihre Augen hatte sie geschlossen, wobei sie wieder diese wunderschöne Melodie vor sich her summte. Sie hatte nicht bemerkt, dass Harry unter dem Tarnumhang den Astronomieturm betreten hatte. Zu sehr war sie in ihre Gedanken vertieft, zu sehr kreisten diese um Harry und um das, was noch vor kurzem passiert war.
Schweigend stand er vor ihr. Er war schon fast drauf und dran den Turm wieder zu verlassen, doch er musste es jetzt durchziehen! Er war es ihr schuldig. Zu lange hatte er seine Gefühle vor ihr versteckt.
Ihm gefiel diese Melodie immer wieder. Er hatte sie schon oft zuvor in seinen Träumen gehört. Er konnte nicht genug von ihre Stimme bekommen, auch wenn es ‚nur' ein Summen war.
Er wollte Ginny nicht unterbrechen. So leise wie möglich, setzte er sich neben sie auf den Boden und lehnte sich gegen die Mauer. Harry fiel wieder dieser Traum ein, in dem er die Melodie das erste Mal gehört hatte und zeitgleich kroch dieser angenehme Geruch in seine Nase. ‚Ein dunkler Raum, man konnte nichts erkennen. Da war er wieder, dieser liebliche Geruch, der Harry in letzter Zeit, durch seine Träume begleitete. Woher kam das? Harry kniff seine Augen zusammen, in der Hoffnung etwas mehr sehen zu können, wenn seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Nichts, dunkel wie schon zuvor. Ein Summen durchbrach die Stille, eine wunderschöne Melodie. Woher kam sie? Harry schritt langsam in die Richtung, aus der die Melodie zu kommen schien. Umso näher er dem Objekt seiner Neugierde kam, desto heller wurde der Raum. Was er jetzt sah, ließ ihn erstarren. Eine junge Frau saß zusammengekauert am Boden und wippte vor und zurück, dabei diese wundervolle Melodie summend.'
Ganz leicht neigte er seinen Kopf in Ginnys Richtung und atmete tief durch. Es waren ihre Haare, von denen dieser Geruch ausging. Unbeabsichtigt entfloh ein kleiner Seufzer seiner Kehle.

Ginny schreckte hoch. „Wer ist da? Was war das? Harry, bist du das etwa?", rief sie verunsichert, da sie niemanden sehen konnte. Sie war schon auf dem Weg zur Tür, als Harry endlich seine Tarnung aufgab. „Bitte, bleib!", rief er. Ginny erstarrte in ihrer Bewegung und drehte sich langsam um. Mit großen Augen sah sie ihn an. „Was machst du hier? Und wie hast du mich überhaupt gefunden?" „Ich möchte mit dir reden!", antwortete Harry und hielt dabei die Karte hoch, um auch ihre zweite Frage zu beantworten. „Hätte ich mir ja denken können, dass du die Karte benutzt!", sagte Ginny, was Harry schmunzeln ließ. „Wie lange bist du schon hier oben?", fragte sie weiter. „Etwa 10 Minuten", antwortete er und ging auf sie zu. „Ginny, vorhin im Schlafsaal… Ich… Was ist da passiert?" Ohne seinen Blick von Ginny abzuwenden, stand er stand er vor ihr und wartete auf eine Antwort, auf die Antwort.
„Ich… Ich war nicht… ich selbst! Ich weiß nicht, was da in mich gefahren ist. Vergiss einfach was vorhin passiert ist!" Harry bemerkte, dass Ginny diese Worte nicht leicht gefallen waren. „Nein, Ginny, das kann ich nicht!" „Harry, ich…" Doch weiter kam sie nicht. Harry ging noch einen Schritt auf sie zu. Er wollte nach ihren Händen greifen, doch sie entfernte sich immer weiter von ihm. „Bitte bleib stehen!", bat Harry und zog seine Hände wieder zurück. Das Letzte was er wollte, war Ginny zu verscheuchen. „Harry, es war ein Fehler, eine Dummheit!"
„Schade, mir hat es gefallen und vielleicht darf ich mich ja irgendwann mal revanchieren bei dir?"
Schon während seiner Antwort bemerkte er, wie Ginny sich aufplusterte, ihre zornleuchtenden Augen ihn durchbohrten und sie ihre Hände in die Hüften stemmte. Kaum hatte Harry seinen Satz beendet, wetterte Ginny und schimpfte, ob er, Harry, noch alle Tassen im Schrank hätte, ob er, Harry, die Gerüchte, sie sei schon als Flittchen in Verruf gekommen, nun noch mehr schüren wolle usw. usf. ...
Wie sie derart echauffiert vor ihm auf und ab lief, sah sie eher aus wie eine Kreuzung aus einer Gewitterhexe, Rumpelstilzchen und Pumuckl. Bei diesem Gedanken musste er laut auflachen, was das Temperament von Ginny kurz zum Verstummen brachte.
Diese Pause nutzte Harry, indem er entschlossen und wieder mit ernstem Gesichtsausdruck auf sie zuging, eine ihrer mitten in der Luft hängen gebliebenen Hände nahm und leise zu ihr sprach: „Was machst du, wenn ich dir sage, dass ich mich in dich verliebt habe?" Ginny glaubte sich verhört zu haben. Ist ihr größter Wunsch tatsächlich wahr geworden? „Was hast du da eben gesagt?" Ihre Stimme klang ganz dünn, schon fast ängstlich – ängstlich, dass sie sich verhört haben könnte und ihr Wunsch doch nicht in Erfüllung gehen würde. „Ich habe mich in dich verliebt!", antwortete Harry mit sicherer Stimme, die eigentlich keine Zweifel mehr aufkommen lassen dürfte. „Du liebst mich?", fragte sie jetzt mit zittriger Stimme. Wahrscheinlich wollte sie nur auf Nummer sicher gehen. Harry nickte.
„Du bist sechzehn und ich erst fünfzehn! Wissen wir überhaupt schon, was Liebe ist? Das sind doch alles nur Kindereien!" Warum tat sie das? Das war es doch, wovon sie schon so lange geträumt hatte. – Dass Harry ihre Gefühle, ihre Liebe erwidern würde.
Harry sah ihr fest in die Augen. „Ist es auch noch Kinderei, wenn ich jede Minute an dich denken muss, ich dich nicht mehr aus meinem Kopf bekomme? Wenn ich meine Augen schließe, sehe ich dich vor mir. Wenn ich sie öffne, wünsche ich mir, dass ich dich sehe. Du befreist mich aus meinen Alpträumen!"

Das zuletzt Gesagte war noch gar nicht richtig bei Ginny angekommen. „Ist das dein Ernst?", fragte sie hoffnungsvoll. Sanft strich ihr Harry eine Strähne aus dem blassen Gesicht. Vorsichtig legte er seine Hand unter ihr Kinn und hob es an, so dass sie ihm in die Augen sehen musste: „Mir war noch nie etwas so ernst!"
Zärtlich streichelte Harry ihr Gesicht und zeichnete verträumt dessen Konturen nach. Ginnys Herz schlug noch heftiger, als Harry exakt das tat, was sie bereits in einem ihrer Träume erleben durfte. Es war bisher ihr schönster Traum gewesen.
Harry sah sie mit seinen smaragdgrünen, ausdrucksstarken Augen an, die voller Liebe und Entschlossenheit steckten. Augen, die sie schon so lange nicht mehr bei ihm gesehen hatte. Augen, in denn man Lebensfreude erkennen konnte. Liebevoll lächelte er sie an. Ganz sachte zeichnete er die Konturen ihres Gesichtes nach, welches sich wie Seide unter seiner Hand anfühlte. Ginny hatte das Gefühl, ihre Haut würde unter seinen Berührungen brennen. Sanft, als wäre es nur ein Hauch, begann er ihre Lippen zu ummalen. Ein Schauer durchfuhr sie. Ihre Augen hatte sie bereits geschlossen und hoffte inständig, dass es dieses Mal kein Traum sein würde. Die angenehmen Liebkosungen ihrer Lippen schloss Harry mit einem langen und für beide unbeschreiblichen Kuss ab. Doch auch dieser musste irgendwann einmal enden.

„Davon habe ich schon so lange geträumt", sagte Harry leise und holte Ginny damit wieder zurück, um abermals ihre Lippen zu versiegeln. Harry verlor sich in diesem Kuss und ein heißer Schauer lief über seinen Rücken. Es war so, als wenn er nur auf diesen Kuss gewartet hätte.
Mit Sicherheit erging es Ginny nicht anders. Ihre Gefühle für Harry übermannten sie. So etwas hatte sie noch nie erlebt. Sie hatte das Gefühl in Flammen aufzugehen. Sie hoffte, dass wenigstens dieser Kuss nie enden würde. Für beide war es atemberaubend. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es entstand etwas zwischen ihnen, was sie zwar fühlten, aber noch nicht verstanden. Wenn die beiden auf ihren Rücken Augen hätten, wären ihnen diese mit Sicherheit übergegangen. Das, was sich dort gerade abspielte, hätte sie an ihrem Verstand zweifeln lassen.
Wieder kam in Harry dieses Gefühl auf, welches er Ginny gegenüber schon in Voldemorts Verlies wahrgenommen hatte, bevor er neben ihr zusammenbrach. Dass das der Anfang ihrer besonderen Verbindung war, konnte keiner der beiden wissen und schon gar nicht, wodurch sie entstanden war.
„Ginny", begann Harry „diese Gefühle für dich habe ich schon seit einiger Zeit. Ich konnte… Ich wollte sie dir nur nicht zeigen. Ich hatte Angst davor, wie du darauf reagieren würdest." Nur war das nicht die ganze Wahrheit.
Auch Ginny hatte Angst gehabt ihre Gefühle gegenüber Harry zuzugeben. Genau aus dem Grund hatte sie nie etwas gesagt, nur von seiner Nähe geträumt. Doch auch ohne Worte waren sie zusammengewachsen.

Ginny wollte Harry auf die Zeichnungen auf seinem und ihrem Rücken ansprechen, doch hatte sie nicht den Mut dazu. Was sollte sie auch sagen? Vielleicht: ‚Du, Harry, ich habe da auch so etwa auf dem Rücken! Weißt du zufällig was das sein kann? Nein? Dann entschuldige bitte, du brauchst dich nicht weiter darum zu kümmern und deinen Kopf darüber zerbrechen. Es passiert bestimmt fast jeden Tag, dass mal eben so ein Tattoo auf dem Rücken erscheint.'

„Wie wird es jetzt zwischen uns weitergehen?", fragte Ginny, um sich von ihren Gedanken abzulenken. „Ich weiß es nicht, Ginny. Ich weiß nur, dass ich jede Minute mit dir zusammen sein möchte. Wirklich jede Minute. Aber…" Harry stoppte. „Was aber?", hakte sie nach. „Es geht nicht!" Das war wie ein Schlag ins Gesicht für Ginny. „Wir müssen es geheim halten! Allen gegenüber. Fürs Erste jedenfalls." Harry tat es weh, dies zu sagen. Noch vor wenigen Minuten hatte er ihr gesagt, dass er sich in sie verliebt hat und nun so etwas.
Harry wusste, dass es nicht richtig war, doch er sah leider keine andere Möglichkeit. Im Moment zumindest noch nicht.
Fragend sah Ginny ihn an und Harry ahnte, was sie wissen wollte. Sie wollte eine Antwort. „Wenn jemand erfährt, dass wir zusammen sind – ich rede jetzt nicht von unsern Freunden – bist du in noch größerer Gefahr als jetzt schon. Wenn Voldemort… Ginny ich kann dich nicht beschützen!" „Harry, glaubst du nicht, dass er es bereits weiß? Früher als wir selber!"
„Nein, Ginny, das kann er nicht!" Oh doch! Und Harry wusste das. Er wollte es vor Ginny nur nicht zugeben und sie womöglich noch mehr beunruhigen. Oder eher sich selbst nicht? Als er im Verlies versucht hatte, die Prophezeiung vor dem Dunklen Lord zu verstecken, hatte dieser gesehen welche Gefühle er für Ginny empfand. Kein Wort davon was Voldemort im Verlies gesagt hatte, würde er je wieder vergessen. ‚Was sehe ich denn da? Das ist ja richtig niedlich! Solche Gedanken von dir?'
„Harry!", riss Ginny ihn aus seinen Gedanken. „Ich möchte allen zeigen, dass wir zusammen sind, dass ich dich liebe!" Harry musste lächeln. ‚Sie liebt mich.' Das hörte sich so gut an. „Ginny, bitte!", flehte Harry liebevoll und strich ihr über die Wange. „Harry, sie denken doch schon, dass wir zusammen sind." „Das sind alles nur Gerüchte, die verschwinden irgendwann!" „Ganz bestimmt nicht, dafür hat Seamus gesorgt! Und nachdem was vorhin im Gemeinschaftsraum passiert ist – immerhin bist du mir nachgelaufen und das nur in Shorts" und ein kleines Schmunzeln huschte bei dem Gedanken über ihr Gesicht – „werden Neue entstehen und sie verschwinden so lange nicht, bis wir ihnen geben, was sie hören wollen. Sie malen sich sonst was aus, was da oben im Schlafsaal passiert sein könnte. Wir sind mal wieder Schulgespräch Nummer eins."

Natürlich hatte Ginny Recht und Harry konnte sich nur zu gut vorstellen, wie weit ihre Mitschüler dies ausbauen würden. An ihrer Fantasie hatte er noch nie zweifeln müssen.
„Bitte, wenigstens für eine gewisse Zeit! Wenn es jemand rausbekommen sollte, dann ist es halt so! Aber…" „Schon gut!", unterbrach Ginny ihn und gab ihm einen Kuss. „Ich verstehe dich!" Nur ungern stimmte sie dem zu. Nun hatte sie endlich was sie wollte und konnte es niemandem zeigen.
„Ginny, ich liebe dich!", sagte Harry und hoffte, dass sie nicht zu sehr sauer auf ihn war. „Ich liebe dich auch!", entgegnete sie und lehnte sich an Harry. Mit ihrer rechten Hand strich sie über seine linke Brust und bemerkte den Verband.
„Ist der Schnitt etwa immer noch nicht verheilt?", fragte Ginny schuldbewusst. Ihre Hand begann zu zittern und sie konnte es nur schwer verstecken. „Nein, noch nicht!", schüttelte Harry seinen Kopf. „Aber es tut nicht weh!" „Wirklich nicht?" „Nein, wirklich nicht. Es ist alles in Ordnung!", versuchte Harry sie zu beruhigen. Schützend nahm er sie in den Arm und flüsterte ihr leise zu: „Es heilt bestimmt bald." Doch Ginny ließ nicht beruhigen. Mit roten Augen sah sie zu Harry auf. „Aber warum ist die Wunde noch nicht verheilt? Es ist doch schon zwei Wochen her!" „Ginny", versuchte es Harry weiter „mach dir bitte keine Sorgen! Zerbrich dir darüber nicht deinen hübschen Kopf!", lächelte er und platzierte einen behutsamen Kuss auf ihre Stirn. Doch fragte auch er sich, weshalb sich die Wunde immer noch nicht verschlossen hatte. Er würde Lügen, wenn er behaupten würde, dass er sich keine Sorgen macht.

„Ich wollte das nicht, es tut mir leid! Bitte verzeih mir!" „Nicht ich muss dir verzeihen, sondern ich muss bei dir um Verzeihung bitten. Und wenn du es nicht kannst, kann ich das durchaus verstehen. Meinetwegen hat Voldemort dir das angetan. Wenn ich nicht wäre, dann…" Harry ließ seinen Kopf sinken. „Als du mit dem Dolch in der Hand auf mich zukamst, waren deine sonst so leuchtenden Augen leer und ohne Hoffnung… Ich habe alle Bilder und Gedanken an dich hervorgeholt, um den Schmerz zu unterdrücken, den der Dolch hinterlassen hat. Als ich dann wieder in deine traurigen Augen gesehen habe und du wieder Herr deiner Gedanken warst, wollte ich dich küssen, dir den Schmerz nehmen, den ich in deinem Gesicht sehen konnte, und an dem ich Schuld war. Ich wollte dir zeigen, dass ich dich liebe. Auch wenn ich fest der Meinung war, dass es ein Abschiedkuss geworden wäre", sagte Harry kaum hörbar mehr zu sich selbst, als zu Ginny. Doch Ginny blieben auch diese Worte nicht verborgen. Tränen traten aus ihren Augen, die Harry ihr mit seinen Daumen sanft wegwischte. „Ich habe mich bei ihm bedankt, dass er mir ebenfalls – zu dem Zeitpunkt sah es jedenfalls so aus – das Leben genommen hat." „Du… Du hast… dich bedankt?", fragte Ginny erschrocken. Ein zögerndes Lächeln konnte sie auf Harrys Gesicht erkennen, doch verstehen konnte sie immer noch nicht. „Ich würde mir niemals verzeihen, wenn einer von euch meinetwegen stirbt, egal wer. Voldemort hat mir schon zu viel genommen… Ich könnte ohne dich nicht leben! Ich will ohne dich nicht leben! Ich wollte nur noch bei dir sein und er hat mir diesen ‚Wunsch' erfüllt."
„Wir leben noch! Du brauchst dir keine Vorwürfe zu machen. Ich würde nie auf die Idee kommen, dir für das was passiert ist die Schuld zu geben. Ich…" Immer noch lag ihre Hand auf Harrys linker Brust und spürte trotz des dicken Verbandes das regelmäßige Schlagen seines Herzens. „Ginny, das warst nicht du!", sagte er und legte seine Hand auf ihre. Seine andere Hand hatte er um ihre Hüfte gelegt und zog sie fest an seinen Körper. Mit nassen Augen blickte Ginny auf und sofort berührten Harrys Lippen die von Ginny.

Nach einem langen und zärtlichen Kuss, der zum Ende hin immer leidenschaftlicher wurde, breitete Harry Ginnys und seinen Umhang auf dem Boden aus und beide ließen sich darauf nieder. Harry lehnte sich wieder mit dem Rücken an die Mauer und Ginny mit ihrem Kopf an seine Schulter. Arm in Arm gaben sie sich Schutz. Keiner der beiden sagte etwas. Still genossen sie ihre Nähe.
Langsam glitt Harry in einen Dämmerzustand und war darauf hin auch bald eingeschlafen. An Ginnys Seite fühlte er sich so geborgen.

Zu schön war dieses Bild, wie sie beide Arm in Arm lagen und sich gegenseitig Wärme spendeten. Wenn dies jetzt nur ihre Freunde sehen könnten.
Träumerisch lauschte Ginny dem gleichmäßigen Herzschlag und den ruhigen Atemzügen ihres Freundes. Wie viel Zeit in der Zwischenzeit vergangen war, wusste sie nicht. Es war auch nicht wichtig. Wichtig war nur, dass Harry neben ihr saß. Irgendwann begann Harry unruhig zu werden. Er bewegte seinen Kopf von rechts nach links und seine Augen huschten unter den Lidern aufgeregt hin und her. Besorgt sah Ginny in Harrys Gesicht, auf dem sie glaubte, Schmerz und Angst erkannt zu haben.
„Harry!", flüsterte sie leise und strich ihm leicht übers Gesicht. Sie wollte ihn nicht erschrecken. „Harry, es ist alles gut, wach auf!" Sie hielt sein Gesicht in beiden Händen und hauchte ihm ein Kuss auf seine Lippen. Nur Sekunden später schlug Harry seine Augen auf und blickte in besorgte blaue. Erschrocken sah er sich um, bevor er sich, tief durchatmend, wieder zurücklehnte.
Was hatte Harry geträumt, dass ihn so unruhig werden ließ. Sein Blick beunruhigte Ginny. „Geht es dir gut?", fragte sie fast flüsternd. „Ja, jetzt geht es mir gut. Danke!" „Wofür? Ich habe nichts getan!" „Oh doch, du hast was getan!", antwortete Harry und ließ einen Kuss folgen. Er konnte gar nicht genug davon bekommen.
Immer noch sah Ginny ihn ungläubig an. Was sollte sie wohl getan haben? Als ob Harry Gedanken lesen könnte, antwortete er: „Du hast mich wieder auch meinem Alptraum befreit! Und dafür bin ich dir dankbar." Da Ginny anscheinend noch nicht ganz verstand, sagte Harry: „So wie vorhin im Schlafsaal."
Ginny wurde rot bei dem Gedanken, was sie getan hatte. „Hey, Kleines, ist doch gut! Du brauchst dich nicht zu schämen. Es war angenehm!" Harrys letzter Satz ließ Ginny noch mehr Farbe bekommen. Ich… Ich wollte… Ich…", stotterte sie. „Ganz ruhig!" „Ich war wie ferngesteuert! Ich wusste, dass es falsch war, dass ich dich nicht einfach anfassen durfte, doch ich habe es trotzdem getan. Als du wieder ruhiger wurdest, hätte ich aufhören müssen, aber ich konnte nicht. Und dann noch das auf…" ‚…auf deinem Rücken', hätte sie sich beinahe verplappert. „Ginny, du hast alles richtig gemacht! Ohne dem hätte ich wahrscheinlich nie den Mut gehabt, dir meine Gefühle zu gestehen. Ich hätte sie weiterhin für mich behalten, doch nun ging es nicht mehr. Und ich bin froh darüber!"

Ginny schenkte ihm eines ihrer Lächeln, welche er so sehr an ihr liebte. „Ich hätte niemals gedacht, dass du meine Gefühle erwidern würdest", gab Ginny zu. „Ich weiß nicht warum, aber ich habe nie aufgehört Gefühle für dich zu haben. Am Anfang waren es sicherlich nur – wie habe ich vorhin noch mal gesagt – Kindereien, aber diese wurden immer stärker. Ich habe immer gehofft, dass du mehr in mir sehen würdest, als Rons kleine Schwester. Aber wie gesagt, ich habe gehofft und nicht erwartet. Ich hätte alles darauf verwettet, dass du mit Hermine… Aber nachdem sie…" Ginny stoppte und sah verlegen zu Boden. „…nachdem sie mit Ron zusammen gekommen ist, wolltest du wohl sagen!", grinste Harry. „Aber woher weißt du das?"
„Das kann man ja nun wirklich nicht übersehen. Gegensätze ziehen sich nun mal an. Die sind wie Katz und Maus, wie für einander bestimmt. Es geht gar nicht anders."
„Du bist so gemein, Harry Potter!", schlug sie ihm spielerisch auf den Arm. „Sie überlegen hin und her, wie sie es dir beichten sollen und du weißt es längst."
Harry wurde wieder ernster. „Auch wenn ich so getan habe, als wenn ich mit euch nichts mehr zu tun haben wollte, so wart ihr mir keineswegs egal. Nicht einen Tag!"
„Und was ist mit uns beiden?", fragte Ginny nur einen Augenblick später. „Wir brauchen keine Gegensätze! Uns verbindet etwas anderes.", lächelte Harry, unwissend dass er vollkommen Recht damit hatte. Diesmal war es Ginny, die die Initiative ergriff und Harry leidenschaftlich küsste.

Wieder saßen sie Arm in Arm. „Harry, darf ich dich etwas fragen?" „Nur zu!", antwortete er und fuhr dabei mit seinen Fingern durch ihr langes rotes Haar. „Wenn du nicht willst, musst du nicht antworten!" „Frag und du wirst merken, ob ich antworte oder nicht!"
Ginny atmete tief durch: „Was sind das für Alpträume?" Da Harry nicht gleich antwortete, sagte Ginny schnell: „Entschuldige bitte, ich wollte nicht…" „Sccchhh!", machte Harry und drückte sie fest an sich. „Ich träume jede Nacht, wie Voldemort meine Eltern umbringt. Sehe jede Nacht aufs neue Cedric sterben und wie Sirius durch den Schleier fällt. Immer wieder versuche ich nach seiner Hand zu greifen, ihn festzuhalten, zu retten, doch… Die Dursleys schreien um Hilfe, während sie mit dem Cruciatus gefoltert werden. - Nur so zum Spaß! Ich bin unfähig irgendetwas dagegen zu tun. Ich höre die Stimme von Remus – Hilferufe - kann ihn aber nicht finden. Dann das, was im Verlies passiert ist. Es läuft alles wie ein Film ab, den ich nicht abstellen kann. Angefangen vom Tod meiner Eltern bis…" Harry traute sich nicht das Letzte auszusprechen. „… bis zu meinem Tod!", beendete Ginny seinen Satz. Harry nickte stumm und konnte ihr nicht mehr in die Augen sehen. „Es ist ein Alptraummarathon."
Auch Ginnys Gedanken schweiften zu ihren Alpträumen. Bedrückt lehnte sie sich wieder an Harry.

„Ich habe Angst, dass ich so etwas noch einmal erleben muss!", durchbrach Ginny die erneut entstandene Stille. Harry wusste darauf keine rechte Antwort. Wieder kamen Schuldgefühle in ihm hoch, die ihm fast die Luft zum atmen nahmen.
„Harry, was hast du?", fragte Ginny ängstlich und drehte sich zu Harry um. „Harry!", rief sie besorgt, da er abwesend wirkte.
„Wenn ich meinen Mund gehalten hätte, wärst du nicht weggelaufen uns das alles wäre nicht passiert. Ich wollte damit doch nur versuchen die Gerüchte zu zerstreuen! McGonagall hat doch gesagt, wir sollen etwas dagegen unternehmen. Ich wollte dir nachher alles erklären. Das Beste für alle wäre, wenn ich hier verschwinden würde!"
„Untersteh dich! Wage es nicht, mich allein zu lassen! Ich hätte außerdem merken müssen, was du vorhattest. Aber ich war zu verletzt und dachte… Ich habe nur noch rot gesehen. Also rede du dir bitte nicht die Schuld ein! Wenn ich unter dem Tarnumhang geblieben wäre, dann…" „Ginny, bitte!", unterbrach Harry sie. „Auf mich haben die Todesser auf Waldrand gewartet. Malfoy, Goyle und Crabbe sollten mich schwächen, damit sie keine Probleme mit mir haben würden. Sie sollten mich, nur mich, zu Voldemort bringen." Ginny wollte wissen, was Goyle und Malfoy mit Harry gemacht hatten, doch traute sie sich nicht danach zu fragen.
Das brauchte sie auch nicht. Unaufgefordert redete Harry weiter und erzählte ihr, was geschehen war. „… Er weiß auch, dass ich keinen Zauberstab mehr habe."

Ginny sprang auf. Schon während des Erzählens hatte er zu tun Ginny festzuhalten.
„Und warum ist er immer noch an der Schule? Sie hätten ihn und die beiden Schwachköpfe rausschmeißen müssen!" So sauer hatte Harry seine Ginny noch nie erlebt. Sie machte Malfoy mit Worten so kurz wie ein Maggiwürfel. Nur gut für ihn, dass er nicht in ihrer Nähe war. Harry hätte für nichts garantieren können. „Ginny, bitte beruhige dich wieder. Damit ändern wir auch nichts. Anscheinend haben die Malfoys immer noch den längeren Arm. Ich frage mich auch, weshalb sie noch hier sind, aber wir werden es bestimmt noch erfahren. Wenn nicht sogar von Malfoy persönlich."
Immer noch schimpfte Ginny wie ein kleiner Rohrspatz und lief auf dem Turm wütend hin und her. „Voldemort hätte lieber versuchen sollen ihn umzubringen, dann hätten wir Ruhe vor ihm! Malfoy würde niemand hinterhertrauern."
Mit großen Augen sah Harry die aufgeregte Ginny an. Hatte er eben wirklich richtig verstanden? „Was hast du da eben gesagt?" Fragend blickte Ginny zurück. „Hast du eben Voldemort beim Namen genannt?" Ginny nickte nur. Harry nahm sie daraufhin in eine innige Umarmung, die mit einem langen Kuss endete.

„Wir sollten gehen, es wird langsam kühl hier oben." Beide hatten nicht bemerkt, wie viel Zeit vergangen war und die Sonne bereits dabei war, ihren Platz dem Mond zu übergeben.

Eng aneinander geschmiegt stiegen sie unter dem Tarnumhang die Treppen vom Astronomieturm hinab. Als sie an der Tür ankamen, die sie wieder ins Getümmel des Schlosses eintreten ließ, blieb Harry stehen. „Ginny", sagte er zögerlich „du gehst besser allein in den Gemeinschaftsraum! Falls dich jemand fragt wo ich bin – du weißt es nicht, du hast mich nicht gesehen." „Aber du…" „Bitte!", wurde sie von ihm unterbrochen und seine Lippen legten sich auf ihre. „Und wo gehst du hin?" Wieder bekam Ginny einen Kuss. Mit einem Lächeln antwortete Harry: „Ich komme bald nach. Sie dürfen uns nur nicht zusammen sehen!" Ungläubig sah sie Harry an. „Ich verspreche es dir, Ginny! Außerdem muss ich doch noch mit deinem Bruder reden. Er hat bestimmt schon gehört, was angeblich passiert ist. Ich hoffe nur, er reißt mir nicht den Kopf ab." „Willst du ihm sagen, dass wir beide...?", fragte sie erstaunt und zeigte mit ihrer Hand erst auf sich und dann auf Harry. „Nein", raubte ihr Harry die Hoffnung „ich werde ihm nur sagen, dass ich dir nicht wehgetan habe und alles nur ein Missverständnis ist." „Missverständnis also", knurrte Ginny. „Bitte, du weißt doch wie ich das meine! Ron wird einer der Ersten sein, die es erfahren." „Natürlich weiß ich wie du das meinst. Es fällt mir nur schwer so zu tun, als wäre nichts." „Glaubst du etwa mir fällt es leicht? Bestimmt nicht!"
„Ich möchte noch nicht zurück! Ich möchte noch etwas mit dir allein sein." Mit einem Schmollmund, wie er im Bilderbuch stand, sah sie Harry an, der nichts weiter tun konnte und sie daraufhin nur anlächelte. „Das geht nicht! Wir haben noch Stoff von zwei Wochen nachzuholen. Montag fängt die Schule wieder an."
„Schule!", stöhnte Ginny. „Komm!"

„Stopp!", flüsterte Ginny nur wenige Minuten später. Ihr Arm deutete auf eine dunkle Ecke, in der vier Gestalten standen. „Malfoy!", zischte Harry, dessen Stimme er bereits erkannt hatte. Leise schlichen sie sich an die kleine Versammlung heran und blieben in sicherem Abstand zu ihnen stehen, aber so dass sie noch etwas mitbekommen konnten.
„Habt ihr alles verstanden? Ich will Potter auf seinen Knien vor mir sehen! Niemand verarscht einen Malfoy!", sagte Malfoy, wobei seine Augen gefährlich aufblitzen. Ginny hielt Harrys Hand fest umklammert.
„Niemand nimmt mir die Freundin weg und schon gar nicht Potter!", ranzte Finnigan und schlug mit der Faust gegen die Wand. „Ginny gehört mir! Wie konnte sie sich nur mit Potter einlassen?" „Krieg dich wieder ein! Du wirst das Wiesel schon noch bekommen. Aber glaubst du nicht, dass Potter sie bereits verdorben hat?", grinste Malfoy arrogant. „Wenn wir mit Potter fertig sind, wird ihn keiner mehr ansehen wollen geschweige denn anfassen."
Nur schwer konnte Harry seine Wut und seinen Zorn unter Kontrolle halten. Wäre Ginny nicht bei ihm gewesen, dann hätte er Malfoys und Finnigans Hals schon zwischen seinen Händen gehalten und kräftig gewürgt.

„Mr Malfoy, was machen Sie hier? Hecken sie schon wieder etwas aus? Denken sie daran, was ich ihnen gesagt habe! Sie bewegen sich auf ganz dünnem Eis. Nur noch ein Fehler und…" „Ich weiß, Professor!", unterbrach er seine Lehrerin überheblich grinsend. „Keine Angst, ich tue dem armen Harry nichts!", grinste er nun in Crabbes und Goyles Richtung.
Zwischen Harry und Ginny, die sich immer noch unbemerkt von den vieren unter dem Tarnumhang versteckt hielten, sowie Malfoy, Crabbe, Goyle und Finnigan, standen Prof. McGonagall und der Hausmeister Mr Filch. „Ich warne Sie, fordern Sie ihr Glück nicht heraus!", drohte McGonagall und ging weiter. „Ach, bevor ich es vergesse! Sehen Sie doch endlich ein, dass Sie verloren haben, Mr Finnigan. Ich finde es ja gut, dass Sie den Umgang mit anderen Häusern pflegen, aber diese Herren sind nicht gerade die perfekte Wahl für sie, wenn ich das mal so ausdrücken darf. Einen schönen Abend noch!"
Nur Filch blieb stehen, an dessen Füßen seine hässliche Katze umher schlich, die mit großen Augen durch die Gegend stierte und genau an der Stelle verharrte, an der Harry und Ginny standen. Beide hofften auf den ihnen nur zu gut bekannten Filch und freuten sich schon innerlich auf den Ärger, den die vier gleich bekommen würden. Doch im Gegenteil. Harry und Ginny staunten nicht schlecht. „Ihr Vater wird nicht sehr erfreut sein, eher wütend, sogar ziemlich sauer, wenn ich ihnen das sagen darf. Genau so wie ihre Väter!" Sein Blick ging von Malfoy zu Crabbe und Goyle und wieder zurück. „Er hat sich nie so dämlich angestellt! Was er gemacht hat, hatte Hand und Fuß. Er wird…" Was er wird, sollten Harry und Ginny nicht mehr erfahren. „Was hast du, mein Liebes? Was siehst du?" Ein Fauchen bekam Filch als Antwort und die Katze ging langsam auf Harry und Ginny zu. Harry deutete Ginny lautlos an, dass sie hier verschwinden mussten und ganz leise gingen sie rückwärts. Erst in sicherer Entfernung drehten sie sich um und liefen Richtung Gryffindorturm.

„Das war knapp!", sagte Ginny schell atmend, als sie am Portrait der Fetten Dame zum Stehen kamen. „Ich hasse dieses Mistvieh!" Durch die ganze Aufregung, dass sie fast erwischt worden wären, hatten sie Malfoys, Crabbes, Goyles und Finnigans Plan völlig vergessen. „Bis gleich!", verabschiedete sich Harry mit einem Kuss von Ginny und zog den Tarnumhang von ihr. Aber nicht ohne sich zu vergewissern, dass niemand in der Nähe war und sie beobachtete. „Bis gleich!", flüsterte Ginny ins Nichts.
Harry sah noch zu, wie Ginny durchs Portraitloch verschwand und machte sich auf den Weg.

„Hi, Ginny!", feixten Mandy und Cecile im Chor. Die beiden hatten anscheinend nur auf sie gewartet. Aber sie waren nicht die einzigen, die sich dazu entschlossen hatten, auf Ginnys und Harrys Rückkehr zu warten. Enttäuschung machte sich auf ihren Gesichtern breit, da sie Harry nirgends entdecken konnten.
„Na, wie war dein Tag denn so?", kam Mandy auf Ginny zugelaufen. „Und wo hast du Harry gelassen? Er war soooo süß in seinen Shorts", grinste Cecile, die sich ebenfalls neben Ginny stellte. Im ganzen Gemeinschaftsraum war Getuschel zu hören. Ginny Blick fiel auf einen der Sessel, in dem Sophie saß und sie anlächelte. Es war kein fieses, gemeines oder hinterhältiges Lachen, eher ein verständnisvolles.
Langsam ging Ginny auf sie zu und ließ sich in den freien Sessel daneben fallen. „Bist du schon wieder enttäuscht von mir?", fragte sie ohne Sophie anzusehen. „Habe ich denn einen Grund?", fragte ihre Freundin zurück. „Nein!", schüttelte Ginny ihren Kopf und hatte zu tun, ein Grinsen zu verstecken. Sie hatte so sehr gehofft, dass wenigstens Sophie ihr vertrauen würde. Und sie tat es! So sah es jedenfalls im Moment aus.
„Hast du Hunger?" „Und wie!" Geräuschvoll unterstützte Ginnys Magen ihre Aussage.
„Dann komm!", nahm Sophie die Hand ihrer Freundin und zog sie mit sich zum Ausgang. „Wo willst du mit mir hin?" „Ich denke du hast Hunger? Warte ab!"
Ginny hatte keinen blassen Schimmer, wo Sophie sie wohl hinschleppen würde. Erst vor der Großen Halle hielten sie an.

Am Tisch der Gryffindors stand noch allerhand leckeres Essen, aber nur ein Gedeck. „Ist das für mich?", fragte Ginny erstaunt und konnte ihre Augen nicht vom Essen lassen, so hungrig war sie. Wieder ließ ihr Magen ein überdimensionales Grollen hören, was Sophie dazu veranlasste sie zum Tisch zu schubsen. „Hermine hat Prof. McGonagall überredet dir Essen stehen zu lassen."
Genüsslich verdrückte Ginny ihr verspätetes Abendessen. „Was?", fragte sie mit vollem Mund. „Wenn etwas wäre, dann würdest du es mir doch sagen, oder nicht?" „Natürlich!", log Ginny ohne rot zu werden und ihre Gedanken schweiften zu Harry, was er wohl gerade machen würde.

Harry hatte sich entschlossen doch nicht so lange zu warten und ging kurz nachdem Ginny und Sophie den Gemeinschaftsraum verlassen hatten in die ‚Höhle des Löwen'. Unter dem Getuschel und Gegaffe seiner Mitschüler betrat Harry den Gemeinschaftsraum. Ihre Blicke hafteten wie Magnete an ihm – mehr die der weiblichen Gryffindors als der männlichen. Sein Blick fand Ron, der in ein Schachspiel mit Neville vertieft war. Kurz vor dessen Sessel blieb Harry stehen. „Ron?" Mürrisch sah der Angesprochene auf. Harry glaubte zu wissen, dass es nicht daran lag, dass er ihn mitten im Spiel gestört hatte und auch nicht daran, dass er doch nicht zum Training erschienen war, sondern eher daran, was Ron von seinen Mitschülern erfahren hatte. „Lass uns reden!"
„Ich bin gerade am Zug, das siehst du doch!", entgegnete Ron beleidigt und sah wieder aufs Schachbrett. „Bitte!" „Geh schon!", mischte Neville sich ein, stand auf und klopfte Harry auf die Schulter. „Und, was möchtest du?" Schon fast gelangweilt klang Rons Stimme. „Nicht hier! Oben!"

Widerwillig stand Ron auf und folgte Harry in Richtung Jungenschlafsaal. „Seht mal, jetzt muss Potter sich rechtfertigen, was er mit Weasleys kleiner Schwester gemacht hat!"
Diese Stimme konnte nur einem gehören - Seamus Finnigan!
Grimmig drehte sich Harry um. „Halt deinen Mund!", flappte er und sah dabei in das fies grinsende Gesicht von Seamus. „Potter, Potter, so etwas hätte ich nicht von dir gedacht! Nicht von dem ach so großen und tollen Harry Potter."
Wütend stieg Harry die Stufen hinab und baute sich von Seamus auf. Jeder im Raum hatte die Luft angehalten, um nichts zu verpassen. „Neidisch?", fragte Harry, was sicherlich nicht klug war, denn wieder begann das Getuschel im Gemeinschaftsraum. „Ich würde ganz leise sein, Finnigan! Oder willst du etwa, dass jeder weiß, dass du dich mit Malfoy verbündet hast? Oh, es wäre wohl besser, wenn das niemand erfahren würde, denn sonst hättest du nichts mehr zu lachen. Ups, habe ich das jetzt etwa laut gesagt? Entschuldige bitte, das war wirklich nicht meine Absicht!" Seamus' Augen verengten sich: „Sei still, Potter!" „Was denn, hast du etwa Schiss? Aber doch nicht du! Du, der sich nicht die Freundin ausspannen lässt. Wie war das vorhin noch gleich? Was hat Malfoy noch mal gesagt?" Harry tat so, als ob er schwer überlegen musste und kratzte sich am Kinn. „Ach ja, ich soll vor euch auf den Knien sitzen. Ich bin schon richtig gespannt, wie ihr das anstellen wollt. Ich liebe Überraschungen, vor allem wenn sie so lustig werden."
„Dann warst du das also, den Filchs Katze gesehen hat!", zischte Finnigan und gab damit alles zu. „Was? Hast du mich da etwa irgendwo gesehen?" Gerade noch rechtzeitig konnte Harry der Faust von Seamus ausweichen. Und wieder kam der Gedanke in ihm auf, wie Ginny sich nur mit so einem einlassen konnte. „Daneben! Vielleicht beim nächsten Mal!"
Harrys Spielchen konnte seine Wirkung voll entwickeln. Seamus bekam abwertende Blicke von allen Gryffindors, die im Gemeinschaftsraum versammelt waren und zog beleidigt und unbeschreiblich wütend auf Harry ab.

Harry war es im Moment egal, ob er gerade einen Fehler begangen hatte oder nicht. Doch wirklich nur im Moment. Als er in das Gesicht seines eigentlich besten Freundes sah, konnte er nur Unverständnis und Abneigung für sich darin erkennen. Zumindest glaubte er das in Rons Gesicht zu erkennen. „Bist du mit dir zufrieden?", flappte er Harry vor allen an. „Ja, sehr! Komm, ich erkläre dir alles!" „Das was ich gehört habe, hat mir gereicht!", erwiderte Ron und hatte dabei etwas Verachtendes in der Stimme. „Glaubst du immer gleich das Erste was du hörst? Ich dachte, ich kenne dich besser", entgegnete Harry bissig und stieg die Treppen zum Jungenschlafsaal hoch. Sauer und neugierig zugleich, stieg Ron ihm hinterher.
„Danke!", sagte Harry, als er bemerkte, dass Ron ihm gefolgt war. „Ich erwarte eine vernünftige Erklärung!", war das einzige was Ron darauf sagte. Kein ‚bitte' Kumpel'.
„Nun gut, dann fange ich an. Ich will nicht länger als nötig deine Zeit in Anspruch nehmen." Er konnte Ron sogar verstehen. Wenn es um seine Schwester ging, war ihm alles andere egal. Nur Ginny war wichtig und niemand durfte ihr wehtun. Selbst ein Harry Potter nicht.
„Du hast sicherlich wie alle anderen auch gehört, was angeblich passiert sein soll. Ich habe zwar noch keines der wohl fantasiereichen Märchen gehört, die mal wieder über mich im Umlauf sind, doch kann ich mir denken, was erzählt wird", begann Harry. „Ja, habe ich!" „Nun, dann wirst du wohl wieder umdenken müssen, denn ich habe Ginny nichts getan, ich habe sie nicht angefasst. Auch wenn gewisse Personen etwas anderes behaupten." Harry machte eine Pause und beobachtete seinen Freund. „Was hat sie denn hier oben gemacht?" Er hatte schon fast wieder seine normale Tonlage erreicht. „Was genau sie hier wollte, weiß ich nicht! Ich hatte mal wieder einen Alptraum und sie hat mich geweckt. Als sie bemerkt hatte, dass ich nur eine Unterhose trug, ist sie weggelaufen. Es war ihr peinlich, mich so zu sehen." „Und du bist ihr so hinterher?" „Genau!" Ron konnte nur schwer ein Grinsen verkneifen. Also glaubte er Harry? Belogen hatte Harry ihn ja nicht wirklich, nur ein klein wenig die Wahrheit gebogen – kaum merkbar. „Ron?", fragte Harry, da dieser gerade dabei war, rot anzulaufen. „Ron, hol Luft! Was hätte ich denn tun sollen?" „Dir deinen Umhang umwerfen? Das hätte ich zu gern gesehen. Harry Potter halb nackt im Gemeinschaftsraum umzingelt von einer Schar von gackernden Weibern", prustete Ron los und konnte sich nur schwer wieder einkriegen. „Ach, Mr Weasley, so plötzlich? Beruhige dich, krieg dich wieder ein! Erst bist du auf dem ‚Großer Bruder-Trip' und jetzt das. Ich dachte, wir wären Freunde!" Freunde? Wahren Freunden sagt man die ganze Wahrheit!
„Lass uns Zauberschach spielen!", schlug Ron vor und verließ immer noch lachend den Schlafsaal.
So leicht hatte Harry sich die Sache mit Ron nicht vorgestellt. Vielleicht lag es auch daran, dass Ron von Harry nur hören wollte, dass das alles nicht wahr war.

„Wo ist Hermine?", fragte Harry, denn ihr musste er auch noch sagen, dass das ganze Gerede über ihn und Ginny nicht der Wahrheit entsprach. „Sie ist oben und macht ihre angeblich vergessenen Hausaufgaben." Das Wort Hausaufgaben klang aus Rons Mund wie ein Fremdwort, stellte Harry lachend fest. „Was lachst du so blöd?" „Ach nichts, schon gut!" Hermine und er waren wirklich wie Tag und Nacht. ‚Typisch Ron!'
„Gewonnen!", juchzte Ron und führte im Gemeinschaftsraum einen Siegestanz auf. „Warum freust du dich so? Du gewinnst doch immer!" „Höre ich da etwa Eifersucht aus deiner Stimme, Harry?", fragte er und tanzte weiter.
„Hat Ron etwa wieder gewonnen?" Harry schreckte rum und sah einer strahlenden Ginny ins Gesicht. Sie hatte zwar gehofft Harry hier anzutreffen, aber nicht daran geglaubt.
„Wieder mal!", lächelte Harry. „Das war aber knapp, Brüderchen!", unterbrach sie Rons Freudentanz. Er blieb stehen und blickte aufs Schachbrett und dann wieder auf seine Schwester, die sich in dem Sessel niedergelassen hatte, in dem zuvor ihr Bruder saß. „Miesmacherin! Gewonnen ist gewonnen. Schon fertig mit dem Abendessen?", fragte er wieder etwas freundlicher. „Das war lecker!", rieb Ginny sich ihren Bauch. Wenn nicht an ihren roten Haaren, dann an ihren Appetit konnte man erkennen, dass es Geschwister waren. „Bruder und Schwester", grinste Harry beide an.

Mit den Gedanken bei Ginny und daran wie sie auf dem Astronomieturm reagiert hatte, schlief Harry mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein. Nicht in seinem ‚geheimen' Raum, sondern im Schlafsaal im Gryffindorturm.
Abrupt wachte Harry auf. ‚Was war das?' Aufgeregt sah er sich im Schlafsaal um. Er konnte sich nicht daran erinnern, was er eben geträumt hatte. Bisher konnte er sich immer an seine Träume erinnern, besonders an seine Alpträume. Und dies war ebenfalls einer. Ängste, dass Ginny erneut etwas zustoßen könnte, überfluteten ihn. Wieder traten ihm die Bilder vor Augen, wie sie am Boden des Verlieses lag und ihn mit ängstlichen Augen ansah. Immer mehr Bilder strömten auf ihn ein. „Nein, ich will das nicht mehr!"
Harry hatte wohl etwas zu laut gesprochen, denn Ron wurde wach: „Ist alles in Ordnung, Kumpel?" „Ja, schlaf weiter!" Mehr entgegnete Harry nicht. Mit zusammengekniffenen Augen ließ er sich zurück ins Kissen fallen und versuchte angestrengt an etwas anderes, schöneres zu denken. Langsam und ungewollt glitt er in einen unruhigen Schlaf über.
Wieder fingen die Träume gleich an. Zuerst musste er zusehen, wie sein Vater starb und dann seine Mutter. Doch etwas war diesmal anders. Nachdem Voldemort den Todesfluch ausgesprochen hatte und seine Mutter tot am Boden lag, drehte Harry sich wieder zu Voldemort um. Was er dann sah, ließ ihn an seinem Verstand zweifeln. Er sah nicht Voldemort, sondern sich in einem langen schwarzen Umhang dort stehen und er war es auch, der seinen Zauberstab auf seine Mutter gerichtet hatte. Doch lag dort nicht mehr seine Mutter - die Frau, die jetzt dort lag, sah viel jünger aus. Langsam ging er auf die Person am Boden zu. Je dichter er ihr kam, desto heftiger schlug sein Herz und desto mehr Verzweiflung machte sich in ihm breit. Es war tatsächlich nicht seine Mutter, die dort lag, sondern Ginny. Erneut hörte er das kalte und boshafte Lachen vom Dunklen Lord: ‚Mörder… Mörder… MÖRDER!' „NEIIIIIINNNN!"


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bepa