Dieses
Kapitel ist LEIDER nicht betagelesen, aber meine Cousine Kaddy war so
nettig -DANKE Pflaume! Wir sehen uns blad, spätestens im Kino!
Wehe nicht!- und hat wenigstens einige Rechtschreibe und
Grammatikfehler beseitigt.
Ich
hoffe mal, das DKub sich nach seinem Urlaub sich noch mal das Kapitel
vornimmt und es beta liest. Ich wollte euch nicht noch länger
warten lassen und habe es daher einfach hochgeladen.
So, nun zu den Reviewantworten!
Ron
Weasley: HIER KOMMT EIN CHAP! ;-) Entzugserscheinungen? Oh
je, dass muss aufhören!
Danke
für dein Review und das supermegawirklichganztollgenial WOW,
was für ein Wort! Bin gespannt was du zu diesem Kapitel sagst!
Joanna: Danke auch dir für dein Review! Sorry, dass es so lange gedauert hat! Hier kommt ein neues Kapitel.
Silvertrust: Er vertraut Ron, er weiß, dass er auf ihn zählen kann, aber er hat ein wenig Angst, wie Ron reagieren könnte. Ja, hat Filch, aber nicht zu Voldemort. Schatzkarte? Bauplan? ;-)) HERRLICH! Aber nein, nichts dergleichen. Na gut, bauen – etwas verbindet sie. So, mehr nicht! Hier kommt Kapitel 12 (nach langem, langem Warten).
Hermine
Potter: DANKE! JA, er hat es Ginny gesagt – ENDLICH! Aber wie
gehen beide damit um?
Grüß
zurück!
HexeLea:
Hey, grüß dich!
Und
wieder DANKE! Ja, das wurde aber auch wirklich langsam Zeit. Aber ich
denke, es ist nur durch Ginnys Auftritt dazu gekommen. Ron und
Hermine werden es bald erfahren. Die Alpträume werden schlimmer,
versprochen, aber das ist leider noch nicht alles. Sonderunterricht
bekommt er nicht bei Snape, aber dieser spielt auch bald eine größere
Rolle als zuvor. Ich könnte ja MAL noch etwas gemein sein:
Ginny, die… oh je!
Corvi:
… und HALLO!
Was?
So schlimm bin ich doch gar nicht! Es gibt FF-Autoren (will keine
bestimmten nennen), die schon… ach weiß ich wie lange kein
neues Kapitel mehr hochgeladen haben. bepa bockig :-(
SO,
UND NUN IST ES ZEIT FÜR KAPITEL 12!
Sie
sagt es ihm nicht, da sie keine Erklärung dafür hat. Aber
BALD!... sagt sie es ihm. Mit der Erklärung müssen beide
allerdings noch etwas warten. Was könnte es bedeuten? Hmm…
lass mal überlegen! Sie haben manchmal - jeder aus seiner Sicht
- die gleichen Träume, fast das gleiche Ornament auf dem
Rücken… Hmm, warte mal, irgendwas war da mal…
MechWOLLIer:
Nun ja… DANKE ;-) Das Lob werde ich gern weitergeben, denn er hat
VIEL zu tun mit meinen Kapiteln. Auch dieses wird er sich sicherlich
(ich hoffe doch) noch vornehmen, wenn sein Urlaub vorbei ist.
Jetzt
geht es bald richtig los und beide merken, dass etwas Eigenartiges
mit ihnen passiert.
Jo
Lizard: Oh, auch mal wieder hier? ;-) Oh ja, sehr böse Jo! Wie
willst du das nur wieder gut machen?
Mit
der Rettung Schluss? Die FF fängt doch erst gerade richtig an!
Ja, auch wenn die Fettnäpfchen noch so klein sind, er findet sie
alle. Irgendwie kommt mir das bekannt vor – das mit den
Fettnäpfchen mein ich. -grübel-
Ich
hoffe, die Freude bleibt auch noch nach diesem Kapitel bestehen!
DANKE!
Josy:
HI!
Meine
Sehnsucht stillen? ;-) Woher kennst du meine Sehnsüchte?
Auaha!
Das
mit dem Schmelzen war nicht wirklich meine Absicht. Geht es dir
wieder gut? Hoffe doch!
Romantisch?
Es ist eigentlich nicht meine Ader ;-) (ne, Jen?)
„…und
bitte LASSE Ginny und Harry noch ein paar romantische Stunden bevor
einem von beiden wieder etwas passiert." – darauf habe ich LEIDER
keinen Einfluss.
KNUDDEL
laser-jet: Was sagst du hier zu?
Sandy123:
DANKE, DANKE, DANKE!
Ja
ne, wenn man sich den richtigen Mann dazu vorstellt! Falsche FF, dass
gehört hier nicht hin, SORRY! ;-)
Dass
Ron den anderen geglaubt hat, denke ich eher nicht. Vielleicht wollte
er es nur von Harry persönlich hören und hat sich wütend
gestellt? Du
wirst lesen – BALD!
hdagdl
– siehst, ich kann es noch!
Cho5: An die 25 Kapitel. Ich werde die FF beenden so wie ich es vorhatte, obwohl Band 6 (englisch) dann bereits erschienen ist. Ich werde mir auch von NIEMANDEN sagen lassen, was in Band 6 passiert (von niemanden laser-jet!)
Jeanuts: DANKE für die WOWs! Freut mich, dass sie dir gefällt!
Krissi:
DANKE auch dir! Freut mich, dass ich dich so mit meinen FFs
begeistern kann.
‚Der
Anfang vom Ende' wird an die 30 Kapitel plus eine Fortsetzung haben
und ‚vereint für die Ewigkeit' wird an die 25 Kapitel haben
– dafür dann aber keine Fortsetzung.
Katze: So, nun geht es ENDLICH weiter!
Lord Adolf Voldemort Hitler: Danke für dein nettes Review! Sag mal, wie kommst du auf diesen Namen? Würde mich wirklich interessieren.
Knuddelgirl:
HI! Ganz unauffällig! Fein gemacht! Großes Lob! Danke
dir!
Jungendliche?
Du meinst die männliche Gattung deren, stimmts? Hoffe, dir wird
auch dieses Kapitel gefallen!
Drohungen
und Kritik gehen wie immer an mich. Dieses Mal könnte ich sie
nicht mal weiterleiten. Könnt euch also richtig auslassen!
Für
Fehler haftet wie immer die Tastatur. Ich bin unschuldig!
Ich hoffe, ich habe alles vernünftig hochgeladen. Wenn nicht muss ich es noch mal machen, also nicht wundern, wenn einige Wörter mal wieder zusammen geschrieben sind, die nicht zusammen gehören!
Wie
auch sonst:
Die Story ist auf den 5 HP-Büchern aufgebaut.
Alle Figuren, die ihr aus den Büchern von J.K.Rowling kennt,
gehören ihr. Das, was ihr nicht aus ihren Büchern kennt,
ist zum größten Teil auf meinem Mist gewachsen. Ich
verdiene mit dieser Geschichte keinen einzigen Cent und möchte
mit dieser auch niemanden zu nahe treten. Eine kleine Entschuldigung
an dieser Stelle für alles, was ich den Figuren des
HP-Universums angetan habe und noch antun werde! Also, alles gehört
ihr und mir nix.
Kapitel 12 Und wieder alles auf Anfang!
Schweißgebadet saß Harry im Gryffindor-Schlafsaal auf seinem Bett und sein Herz raste vor Aufregung. ‚Was war das eben?' Harrys Gedanken überschlugen sich. Immer noch hatte er dieses Bild vor Augen, wie Ginny tot vor ihm lag und hörte dieses kalte und boshafte Lachen Voldemorts.
Woher
kam dieser Traum, was sollte er bedeuten? Warum lag plötzlich
Ginny auf dem Boden und nicht mehr Harrys Mutter, wie es sonst jede
Nacht der Fall war? Obwohl Harry erst ein Jahr alt war, als Voldemort
seine Eltern ermordet hatte – eigentlich hatte er den Tod seiner
Mutter ‚miterlebt' und nicht den seines Vaters – glaubte er
jede Einzelheit zu kennen. Doch woran lag das? Durch den Einfluss der
Dementoren musste Harry schon die angsterfüllten Hilferufe und
Schreie seiner Mutter erleiden, aber jetzt, seit dem Tod von Sirius,
sah er wie der Dunkle Lord ihm seine Eltern nahm. Jedes dieser Bilder
setzte sich so fest, dass es ihn regelrecht verfolgte. Und nicht nur
seine Eltern sah er sterben – Cedric Diggorys Tod wohnte er
ebenfalls fast jede Nacht aufs Neue bei. Er sah Sirius, wie er mit
Bellatrix Lestrange kämpfte, von einem ihrer Flüche
getroffen wurde und dann mit weiten offenen Augen durch den Schleier
des Torbogens in der Mysteriumsabteilung des Zaubereiministeriums
fiel. Die Schreie seiner Tante, seines Onkels und seines Cousins,
während sie von Voldemort und dessen Todessern gefoltert wurden,
ließen jede Nacht das Blut in seinen Adern gefrieren. Und von
irgendwo her hörte er Remus Lupin rufen, dass Harry ihm doch
helfen solle, er keine Kraft mehr hätte. Harry war am
verzweifeln – wie sollte er ihm nur helfen, wenn er nicht mal
wusste wo er war? Und warum hört er Remus Lupin überhaupt
um Hilfe rufen?
Vielleicht
hatte Voldemort ihm die Bilder vom Tod seiner Eltern geschickt. Oder
er hatte diese Erinnerungen schon immer, und durch die
schicksalhaften Geschehnisse wurden sie an die Oberfläche
transportiert. Die Frage war nur, ob Voldemort Harry dies
unbeabsichtigt gegeben hat, als er ihn unwissentlich als sich
ebenbürtig kennzeichnete oder ob er es ganz bewusst tat und
damit einen ganz bestimmten Plan verfolgte.
Panik
stieg in Harry auf. „Nein, nein!", flüsterte er unbemerkt
immer lauter werdend und hielt sich dabei seinen Kopf.
„Potter,
reiß dich doch mal zusammen!", giftete Seamus Finnigan, der
anscheinend auch sein Bett aufgesucht hatte in Harrys Richtung. Hatte
Harry doch gedacht, dass dieser nie wieder einen Fuß in diesen
Schlafsaal setzten würde, jedenfalls nicht so lange er im selben
war – falsch gedacht!
„Es
dreht sich nicht immer alles nur um dich, Potter, also verhalt dich
ruhig!" Harry schmiss seinen Kopf in Finnigans Richtung und blicke
ihn zornig an. „Ja, Potter, die Wahrheit tut weh, was?"
„Übertreibe es nicht Finnigan, halt deine Backen!", ging Ron
dazwischen, der durch den Krach, den die beiden veranstaltet hatten,
aufgewacht war. „Harry, ist alles in Ordnung mit dir? Willst du
darüber reden?" „Na klar, Weasley, der kleine Potterknabe
möchte dich in seine tiefsten Geheimnisse einweihen! Bis gestern
hat er nicht mal mit euch geredet. Glaubst du etwa, Potter erzählt
euch noch etwas? Sieh ihn dir doch an!", spottete Seamus.
„Finnigan, du bewegst dich auf ganz dünnem Eis!", mischte
sich nun auch Dean Thomas ein. „Wenn dein Ego mit dir durchgeht,
dann nerv uns damit bitte nicht! Verschwinde, wenn du es hier nicht
mehr aushältst, von uns wird dich keiner vermissen!" „Pah,
Dean, jetzt spuckst du große Töne, aber als Ginny mit dir
Schluss gemacht hat, warst du auch wütend. Sag uns, wie du dich
gefühlt hast, als sie mit mir zusammen gekommen war!" „Das
spielt doch jetzt gar keine Rolle, das ist doch etwas ganz anderes!
Was soll das?", entgegnete Dean. „Was das soll? Du darfst wütend
auf mich sein, ich aber nicht auf… Potter?" Abfällig schaute
er Harry von oben bis unten an. „Finnigan, wasch dir die Füße,
damit der Dreck nachrutscht, vielleicht verstehst du mich dann –
Ginny Weasley und ich sind nicht zusammen! Wie oft soll ich dir das
noch sagen?" Harry überlegte einen Moment. „Und wenn es so
wäre, würdest du daran nichts ändern können!"
Ron sah seinen Freund von der Seite an. Ahnte er etwas? Diesen
Gedanken verwarf Harry erstmal, er hatte andere Probleme, größere
Probleme. „Potter, du bist so ein…" „Halt dich zurück,
Finnigan!", wurde er von Dean erneut unterbrochen. „Was mischst
du dich da überhaupt ein, Thomas? Halt deinen Rand!" Dean
wollte gerade auf Seamus Aussage reagieren, als Harry ihn stoppte.
„Lass ihn Dean, er ist es nicht wert, dass du deinen Schlaf für
ihn opferst!" An Ron gewannt, sagte er: „Ich hatte nur einen
Alptraum und konnte mich schlecht wieder beruhigen, mehr nicht! Legt
euch wieder schlafen!" Immer weiter lästerte Seamus über
Harry, bis er endlich die Lust daran verlor. Niemand reagierte mehr
auf sein dämliches Gequatsche.
Harry
wartete noch einen Augenblick, bis alle wieder fest schliefen,
schnappte sich seinen Tarnumhang und verließ leise den
Schlafsaal, um sich wieder einmal aus dem Gryffindorturm zu
schleichen, sich heimlich zu verkriechen.
Als
er unten im Gemeinschaftsraum ankam, sah er Ginny in einem der vielen
roten Sesseln sitzen. Ihre Knie hatte sie fest umklammert und wippte
gedankenversunken vor und zurück. Träumerisch sah sie an
die gegenüberliegende Wand und bemerkte nicht, wie Harry sich
ihr nährte. Ganz schwach konnte er wieder diese liebliche
wohlklingende Melodie hören, die sie leise vor sich her summte.
Lächeln lauschte er ihr.
Er
hatte schon seit einer ganzen Weile bemerkt, dass er Gefühle für
Ginny entwickelte, doch wollte er diese auf keinen Fall zulassen.
Diese Gefühle wurden immer stärker und schließlich
konnte er sie nicht mehr unterdrücken. Letztendlich hatte Ginny
den entscheidenden Schritt getan, so dass Harry schließlich
keine andere Wahl mehr hatte – er musste es ihr sagen. Hoffentlich
war es nicht die falsche Entscheidung gewesen! Er würde es sich
nie verzeihen, wenn diesem Wesen seinetwegen irgendetwas zustoßen
würde. Das ‚Hirngespinst', dass seine Freunde ohne ihn
weniger in Gefahr wären, hatte er trotz der letzten Ereignisse
noch nicht ganz abgelegt.
„Ginny?",
hauchte er leise, um sie sich nicht aufzuschrecken. Ginny fuhr
zusammen und schreckte aufgeregt rum. „Wer ist da?" Sie konnte
niemanden entdecken. „Ich bin es, Harry!", antwortete er ihr und
zog seinen Tarnumhang von sich. Den hatte er völlig vergessen.
„Was machst du denn hier, warum bist du nicht in deinem Bett?",
fragte sie verwundert. „Ich hatte wieder einen Alptraum und konnte
nicht mehr einschlafen." Na, ob das die ganze Wahrheit war? Einen
Alptraum hatte er, und was für einen, aber das mit dem nicht
einschlafen können, stimmte nicht ganz. Er hatte wohl eher
keinen Schlaftrank mehr oben im Nachtschrank im
Gryffindor-Jungenschlafsaal, sondern nur noch in ‚seinem' Raum.
„Und du, was ist deine Ausrede, warum liegst du nicht in deinem
Bett und träumst was Schönes?" „Ich…" ‚Ich habe
auch Alpträume!' Warum sagte sie nicht wie es wirklich war?
Stattdessen meinte sie: „… ich konnte einfach nicht einschlafen,
mir geistern zu viele Sachen durch den Kopf." Lächelnd sah sie
Harry an und setzte sich ordentlich hin. „Ich habe alles versucht,
aber es klappt nicht, ich kann nicht schlafen!"
Harry
sah auf seine Uhr – sie zeigte 01:35 – und ließ sich in den
Sessel gegenüber von Ginny fallen. „Was für Sachen gehen
dir durch den Kopf?", fragte er. Normalerweise hätte Harry gar
nicht fragen brauchen, ahnte er doch zu genau was Ginny beschäftigte.
Er wollt sie anlächeln und sagen, dass sich alles bald wieder
geben würde, doch konnte er es nicht, er hatte schon zu oft
gelogen. Die Schuld an diesem ganzen Schlammassel, in den er Ginny
mit rein gezogen hatte, gab er nur sich – wie immer. Er wusste,
dass Ginny die letzten Wochen nie wieder vergessen würde. Er
würde alles dafür geben, damit er es ungeschehen machen
könnte. Warum dachte nur keiner an den Zeitumkehrer? Schon
einmal wurde er benutzt, um Geschehenes rückgängig zu
machen. Warum nicht auch dieses Mal?
„Harry, ist alles in Ordnung? Du wirkst so abwesend!" Besorgt musterte sie ihn und stand langsam auf. „Es tut mir Leid, Ginny, ich wollte…" „Harry, hör auf dich bei mir zu entschuldigen! Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich dir nicht die Schuld für das gebe, was" – jetzt kam der Name wieder etwas zögerlicher – „Voldemort mir… uns angetan hat! Du kannst am Wenigsten dafür!" Harry schüttelte seinen Kopf. „Wenn du wüsstest, Ginny", sagte er fast flüsternd. Ginny ging langsam auf ihn zu. „Ich muss nur das wissen, was du mir sagen willst!" Sie nahm seine Hände in ihre und sagte: „Wenn du soweit bist, wirst du es mir erzählen, das weiß ich. Ich werde dich nicht drängen und damit nerven, nur versprich mir, dass du dich nicht wieder abkapselst!" „Versprochen!", nickte Harry und zog Ginny zu sich auf den Schoß. „Wir beide schaffen das, Harry, ich helfe dir so gut ich kann!" Liebevoll lächelte sie ihn an und gab ihm einen zärtlichen Kuss auf den Mund, den Harry ohne lange zu überlegen erwiderte. Trotz der Befürchtung, dass jeden Augenblick jemand den Gemeinschaftsraum betreten könnte, genoss er ihren Kuss und ihre Nähe in vollen Zügen. Er fragte sich, wie er so lange seine Gefühle für Ginny ihr gegenüber verstecken konnte – nie wieder würde er sie freiwillig loslassen. Er braucht diese wundervolle Person wie die Luft zum Atmen. Ohne ihre Nähe würde er vor Einsamkeit ersticken.
„Erzählst
du mir, was du geträumt hast?", fragte Ginny vorsichtig, da
sie vor wenigen Minuten noch gesagt hatte, dass sie Harry nicht
drängen würde und schmiegte sich an ihn. Doch das war eher
auf die Prophezeiung und Voldemort bezogen, was Harry auch verstand.
Er überlegte, ob er ihr tatsächlich von seinem Traum
erzählen sollte oder er es besser für sich behielt. Wieder
trat ihm das Bild vor Augen, wie Ginny tot vor ihm lag und er mit
einem Zauberstab auf ihren leblosen Körper zeigte. Er atmete
merkbar tief ein und Ginny spürte, dass Harry sich um
irgendetwas Sorgen machte. „Harry, du brauchst…" Harry stoppte
sie, indem er ihr seinen Zeigefinger auf ihre Lippen legte und ihr
anschließend einen Kuss gab. Wieder zögerte er einen
Moment. „Ich hatte wieder den Alptraum, in dem ich meine Eltern
sterben sehe." Harry senkte seinen Blick - er konnte sie nicht
ansehen. Er wagte ihr nicht zu sagen, was er wirklich geträumt
hat, was noch in seinem Traum vorgekommen war. Immer wieder sah er
ihre leeren, leblosen Augen.
Ginny
schmiegte sich an ihn: „Wenn ich dir doch nur helfen könnte."
Ganz leise hatte sie diesen Satz gesagt, doch hatte Harry jedes Wort
davon verstanden. „Das tust du doch, Ginny, mehr als du denkst!"
Harry tat ihr Leid. Jede Nacht, jedes Mal, wenn er sich zum Schlafen
legte, musste er die schlimmsten Momente seines Lebens durchmachen.
Mit
Ginny auf seinem Schoß angelte er sich seinen Tarnumhang, den
er zuvor neben dem Sessel fallen gelassen hatte und deckte sich und
Ginny damit zu. Wenn jetzt jemand den Gemeinschaftsraum betreten
hätte, dann würde dieser denken, dass er verlassen sei und
alle Gryffindors in ihren warmen Betten.
Der
Schlaftrank war aus Harrys Gedanken wie weggeblasen. „Heißt
das etwa, du bleibst bei mir?", fragte Ginny freudig. „Wenn du
allein sein möchtest, kann ich das verstehen. Ich werde dann…"
„Untersteh dich, Harry Potter, du bleibst schön bei mir!",
drohte sie spielerisch und stützte sich mit ihren Armen auf
seiner Brust ab. Harrys Augen glänzten. „Zu Befehl!",
grinste er und versuchte ihre Lippen zu erreichen. Dieser Geste
konnte Ginny nicht widerstehen, zu schön war der Ausdruck in
seinen smaragdgrünen Augen und so schlang sie ihre Arme um
seinen Hals und kam seinem Wunsch entgegen. Ohne dass sich ihre
Lippen auch nur einen Millimeter von einander trennten, zog Harry
seine Freundin enger an sich. Luft war nebensächlich!
Nach
einer Weile, wie sie so Arm in Arm auf dem Sessel lagen, durchbrach
Ginny die Stille: „Wäre das Sofa nicht etwas gemütlicher?
Ich kann nicht klagen, aber für dich sieht es nicht gerade
bequem aus", fuhr sie zärtlich mit ihren Fingern die Konturen
von Harrys Gesicht nach. Ganz langsam ließ sie ihren
Zeigefinger an seinem Hals entlang wandern bis sie schließlich
am linken Schlüsselbein stoppte. Harry durchfuhr ein angenehmer
Schauer. Auf diese Art Gänsehaut zu bekommen, gefiel ihm.
„Lass
es uns doch testen!", antwortete Harry verschmitzt und stand mit
Ginny auf dem Arm auf. Er brauchte nicht viel Kraft, um sie zu
tragen. „Du bist viel zu leicht!", stellte er fest. Doch was
verlangte er nach all dem was passiert war? „Zu leicht?",
runzelte Ginny ihre Stirn, bevor er sich mit ihr auf dem Sofa
niederließ. „Keine Angst, dass wird schon wieder!",
bemerkte Harry leicht grinsend und zog sie mit sich. „Hey!",
begann Ginny zu protestieren. „Du willst mich doch nicht etwa
mästen?" Sie zog eine Schippe wie sie im Bilderbuch stand.
„Über mein Gewicht oder über meine Figur hat sich noch
niemand beschwert." Harry quittierte ihr das jedoch nur mit einem
Lächeln und einem erneut lang anhaltenden Kuss.
Eigentlich
hatte Harry nicht vor einzuschlafen, viel lieber wollte er Ginny
beobachten, wie sie so friedlich auf seiner Brust lag, als wenn nie
etwas Grausames geschehen wäre. Das Feuer des Kamins, welches am
Abend und in der Nacht immer noch brannte, ließ ihre langen
roten Haare wie lodernde Flammen aussehen. Doch irgendwann fielen
auch ihm die Augen zu. Ginnys einmaliger Geruch, das Farbspiel ihrer
Haare und ihr gleichmäßiger Herzschlag halfen ihm, einen
ruhigen Schlaf zu finden.
Zugedeckt
mit Harrys Tarnumhang lagen beide schlafend auf dem Sofa, während
das Feuer im Kamin genüsslich hin- und hertanzte, um schwächer
und schwächer zu werden. Aber nicht die Liebe der beiden: Mit
jeder Minute, die die beiden zusammen verbrachten oder auch nur an
einander dachten, verbanden sie sich mehr. Wann würden sie wohl
die Tragweite ihrer Beziehung kennen lernen? Und wenn es endlich so
weit sein würde – würden sie es auch begreifen und
annehmen? Werden sie diesen großen Schritt gehen?
Langsam
ging die Sonne hinter dem Verbotenen Wald auf und hüllte das
Schloss und seine Ländereien in rötlich schimmerndes Licht.
Nur die Vögel, die bereits den neuen Tag begrüßten,
waren zu hören, niemand sonst war zu dieser Stunde wach.
Harry
und Ginny lagen immer noch schlafend auf dem Sofa im
Gryffindorgemeinschaftsraum versteckt unter dem Tarnumhang. Jedoch
als ruhig konnte man Harrys Schlaf nicht mehr bezeichnen. Sein Atem
ging schneller als es beim Schlafen gewöhnlich der Fall war,
seine Augen huschten unter den Lidern aufgeregt hin und her. Selbst
seine Arme lagen nun nicht mehr ruhig auf Ginnys Rücken.
Noch
halb verschlafen und einen Moment überlegend sah Ginny sich im
Gemeinschaftsraum um. Lächelnd blickte sie auf Harry, bevor sie
seine Unruhe bemerkte. Sachte strich sie ihm über die Wange und
flüsterte ihm beruhigende Worte zu. „Harry… Harry, sccchhh,
es ist alles gut! Ganz ruhig, du bist in Sicherheit. Harry, ich bin
es Ginny!" Kaum hatte sie ihren Namen ausgesprochen, begann Harry
nur schwer verstehbare Wörter zu murmeln, die jedoch immer
deutlicher wurden: „Ginny… Gi… Ginny… Nein, bitte nicht!"
„Harry, wach auf, ich bin doch bei dir! Mir geht es gut!" Dem
folgte ein sanfter Kuss, aber ohne Erfolg – sie bekam ihn einfach
nicht wach.
Harry
wurde immer unruhiger und Ginny stand auf. Sie wusste nicht mehr was
sie tun sollte. Warum bekam sie Harry nicht wach, egal was sie tat?
„Hermine,
ich weiß doch auch nicht wo Harry hin ist, vorhin war er noch
in seinem Bett!" „Aber, Ron, er muss doch irgendetwas gesagt
haben! Warum habt ihr denn nicht mitbekommen, wie er abgehauen ist?
Wie können vier Jungs einen einfach so verlieren?" „Wir
haben ihn doch nicht verloren!", wehrte Ron sich energisch. „Er
hat gesagt, dass alles in Ordnung sei, er nur einen Alptraum hätte
und hat sich wieder hingelegt. Was hätten wir bitte schön
tun sollen – ihn vielleicht anketten?", schnaubte er weiter.
Beide klangen doch recht unbeherrscht. „Zum Beispiel!", gab
Hermine zur Antwort, bevor sie den Gemeinschaftsraum betraten.
Ginny,
die Hermine und ihren Bruder rechtzeitig gehört hatte, tat so
als wenn sie ebenfalls erst kurz zuvor den Gemeinschaftsraum betreten
hätte. „Ginny du bist schon auf?", kam Hermine zur Begrüßung
auf sie zu. „Warum bist du noch im Schlafanzug?", fragte ihr
Bruder und musterte sie. Ginny überlegte schnell was sie Ron
antworten sollte, damit dieser keine falschen, oder besser gesagt
richtigen Schlüsse zog: „Ich habe gestern Abend hier mein
Zaubertränkebuch liegen lassen und wollte es mir eben holen,
damit ich bis zum Frühstück noch etwas lernen kann." Bei
dem Wort ‚lernen' konnte sie einen leichten Schimmer von
Zufriedenheit auf Hermines Gesicht erkennen. Machte sich diese doch
einige Sorgen, dass Ginny ihre ZAG-Prüfungen nicht schaffen
würde, da sie vieles verpasst hatte. Aber Sophie hatte Hermine
versichert, dass sie Ginny helfen würde das Verpasste
nachzuholen. Und wenn sie Probleme bekommen würden, versprach
sie, Hermine um Hilfe zu bitten. Nicht nur Ginny, sondern auch Harry
hatte viel Unterrichtsstoff verpasst, brauchte sie sich wegen seiner
Leistungen jedoch weniger Gedanken machen. Immerhin war er zurzeit
besser als sie selbst.
„Hast
du vielleicht Harry ge…" Weiter brauchte Hermine nicht zu fragen.
„Nein, nicht!", hörte sie Harrys Stimme. „Harry?",
fragte Hermine verwundert. Ginny ging zur Seite und gab den Blick auf
Harry frei, der immer unruhiger wurde und sich bereits von links nach
rechts drehte. „Was…" „Ich weiß es nicht, Ron, er lag
schon so, als ich runter gekommen bin. Ich bekomme ihn nicht wach!"
Ginny ging wieder auf Harry zu. Vorsichtig hielt sie seinen Kopf
fest. „Harry, wach doch bitte auf! Ich bin es, Ginny! Hörst du
mich?" „Harry!", kamen nun auch Ron und Hermine ans Sofa.
„Vielleicht hat er ja was eingenommen", überlegte Hermine.
„Hey, Kumpel, Frühstück!" „Ron, das hilft vielleicht
bei dir, aber Harry ist nicht so verfressen wie du!", hielt seine
Freundin ihn auf noch mehr unnötige Äußerungen von
sich zu geben. Grimmig starrte Ron sie an. „Für verfressen
hältst du mich also? Danke aber auch!" „Hey, ihr beiden!
Könnten wir uns mal wieder um Harry kümmern? Immer dieses
Gestreite!"
„Wie
lange bist du schon hier unten und versuchst ihn wach zu bekommen,
Ginny?", wandte sich ihr Bruder mit einer dicken Flunsch um. „Hmm,
etwa fünfzehn Minuten denke ich", log sie. „Wir müssen
jemanden holen der uns hilft! Wer weiß, was Harry gerade
durchmacht", schlug Hermine vor. Noch einmal wollte Ginny versuchen
Harry zu wecken, als er plötzlich anfing seine Arme zu heben und
versuchte nach etwas zu greifen. „GINNY!", schrie er. Ron und
Hermine schreckten zurück. „Ich bin doch hier, Harry!",
wisperte Ginny mit beginnenden Tränen in den Augen. Sie konnte
nicht begreifen, warum er nicht wach werden wollte. Gerade als sie
Harrys Hand nehmen wollte, setzte er sich ruckartig auf, hielt ihre
fest umklammert und rief; „Ich werde dich vernichten!" Bei diesen
Worten hatte er seine Augen bereits geöffnet und starrte schnell
atmend seine erschrockenen Freunde an. Ginny hatte sich von ihm
losgerissen und einige Schritte entfernt. Er ließ seinen Blick
erst von Ron zu Hermine schweifen und dann zur völlig
aufgelösten Ginny. So kam es den dreien jedenfalls vor. Doch war
er immer noch nicht richtig wach, obwohl er seine Augen geöffnet
hatte. Abwesend saß er auf dem Sofa vor seinen Freunden.
Ginny
glaubte sich verhört zu haben, sie wünschte es sich. Was
meinte Harry damit, wen will er vernichten? Etwa sie? All dies
spiegelte sich deutlich in ihren Augen wieder. „Harry, was sagst du
da?", fragte Ron ungläubig und riss ihn damit aus seiner
scheinbar immer noch bestehenden Trance. Doch trotz dieser Trance
schien Harry genau zu wissen, was er eben noch gesagt,
beziehungsweise geschrien hatte.
Er
blickte wieder Ginny an, in dessen Augen sich Tränen sammelten.
Schwankend stand er auf und wollte auf seine Freundin zugehen, doch
ging sie gleichzeitig rückwärts. Zitternd entfernte sie
sich von ihm. Immer wieder ging ihr dieser eine Satz durch den Kopf:
‚Ich werde dich vernichten!'
Harry
sah die Angst, die sich auf ihrem Gesicht widerspiegelte. „Ginny,
ich habe damit nicht dich gemeint", versicherte er ihr „glaube
mir bitte!" Wieder machte er einen Schritt auf sie zu und wieder
ging Ginny einen zurück, wobei sie leicht ihren Kopf schüttelte.
Harry begriff und blieb stehen. Ginnys Reaktion versetzte ihm einen
Stich ins Herz. Wie sollte er es ihr nur erklären? „Was sollte
das eben, Harry?", lenkte Ron dessen Aufmerksamkeit wieder auf
sich. „Ron, ich habe… Ginny, bitte glaube mir doch, ich…" Er
brachte diesen Satz nicht zu Ende, stattdessen drehte er sich um und
verließ mit seinem Tarnumhang im Arm den Gryffindorturm.
Keine
vierundzwanzig Stunden hatte die alte-neue Freundschaft gehalten,
wieder schien alles zerstört, und das nur durch ein
Missverständnis. „Harry, bleib hier!", rief Hermine und
rannte ihm hinterher. Draußen auf dem Flur gab sie auf –
Harry war nirgends mehr zu sehen. „Verdammt", fluchte Hermine und
stieß mit dem Fuß gegen die Wand, die eigentlich am
Wenigsten dafür konnte. „nicht schon wieder!"
Wütend
und besorgt zugleich ging sie zurück in den Gemeinschaftsraum,
wo Ron versuchte seine Schwester zu trösten. „Ist doch gut, er
wird dir nichts tun, dafür sorge ich!" „Hast du sie noch
alle?", rief Hermine aufgebracht, als sie das hörte. „Wie
kannst du so was sagen?" Fragend sahen Ron und Ginny auf. „Glaubst
du im Ernst, dass Harry Ginny je etwas antun würde? Niemals hat
er Ginny damit gemeint! Habt ihr nicht gesehen, dass er Angst hat? Er
ist verzweifelt." Hermine schüttelte ernüchternd ihren
Kopf: „Und ihr wollt seine Freunde sein!" Sie wollte gerade den
Gemeinschaftsraum Richtung Schlafsaal verlassen, als Ron sie am Arm
festhielt. „Warum wohl hat er Ginnys Namen gerufen und sie
festgehalten, hä?" „Ron, wie dumm bist du eigentlich?",
riss Hermine sich wieder los. „Er hat von Ginny geträumt, das
war nicht zu überhören, doch das heißt noch lange
nicht, dass er… Nach all dem was passiert ist, ist es ja wohl auch
kein Wunder, dass er von ihr träumt. Beide wären fast
draufgegangen? Hast du schon vergessen, was Ginny uns im
Krankenflügel erzählt hat, häää?" „Was
soll sie uns…" „Ron!", unterbrach ihn Hermine unbeherrscht.
„Er hat sich, trotz dass er gefesselt war, Voldemort in den Weg
gestellt, um Ginny vor ihm zu schützen." Immer noch
schluchzend saß Ginny auf dem Boden. „Er… er hat… hat mir
Mut zugesprochen, ich sollte nicht aufgeben. Er würde mir
niemals etwas antun! Er…" Jetzt hätte sie doch fast gesagt:
‚Er liebt mich.' Gerade noch rechtzeitig stoppte sie sich selbst.
„Nein, Ginny, das würde er nie! Aber er hatte Angst, er hat
dich gerufen und nach etwas gegriffen. Vielleicht wollte er aber auch
jemanden abwehren", spekulierte Hermine. „Mit Sicherheit hat er
von dem geträumt, was Voldemort und seine Todesser euch beiden
angetan haben."
Erneut
fing Ginny an zu weinen – wie konnte sie nur so über Harry
denken, was hatte sie dazu gebracht, Harry nicht zu vertrauen?
Nach
einer Weile des Grübelns, sprang Ginny wie von der Tarantel
gestochen auf. „Wir müssen ihn suchen, bevor er etwas Dummes
anstellt!"
Warum
glaubte jeder, Harry könnte etwas Dummes anstellen? Sah er
tatsächlich so dumm aus oder woran lag das? Er war sich bis
jetzt eigentlich fast immer sicher gewesen, genau zu wissen was er
tat. Wie gesagt: fast immer.
Ohne
weiter auf Ron und Hermine zu achten, lief sie aufs Portraitloch zu
und verschwand. Nur kurz hielt sie auf dem Flur inne, um ihre Tränen
zu trocknen, bevor sie sich auf die Suche nach Harry machte. „Warum
habe ich das nur gemacht? Er wird mich nie mehr ansehen wollen!",
meckerte sie im laufen vor sich her.
Ginny
suchte fast das ganze Schloss nach Harry ab, doch nirgends war er zu
finden. Astronomieturm, Eulerei, Nordturm, Bibliothek – jeden den
sie traf, hatte sie gefragt, doch auch von denen hatte ihn niemand
gesehen. Harry war wie vom Erdboden verschluckt. Eine Chance hatte
sie noch – Hagrids Hütte. Auch hier wie zuvor kein Erfolg.
Immer
größere Vorwürfe machte sie sich.
Nicht
nur sie, sondern auch Ron und Hermine. Beide saßen wie
versteinert beim Frühstück. Beide hatten genau so viel
Erfolg wie Ginny gehabt – keinen.
Das
ganze Frühstück über blieb Harrys Platz leer, was auch
Prof. McGonagall aufgefallen war. „Guten Morgen!", trat sie an
den Gryffindortisch heran. „Guten Morgen, Professor!", wurde sie
fast im Chor von ihren Schülern begrüßt. Nur Ginny,
Ron und Hermine taten dies etwas abwesend. Neben Ginny kam die
Professorin zum Stehen. „Miss Weasley, ich möchte Sie und Mr
Potter heute um sechzehn Uhr in meinem Büro sprechen! Bitte
seien Sie pünktlich – beide!" Ginny nickte nur stumm. Jetzt
bemerkte McGonagall die bedrückten Gesichter der drei. „Was
ist geschehen und wo ist Mr Potter?" Keiner der Angesprochenen gab
der Lehrerin eine Antwort, und auch jetzt erst wunderten sich ihre
Mitschüler ebenfalls. War es doch zur Routine geworden, dass
Harry selten am Frühstückstisch saß. „Miss Weasley,
sagen Sie mir bitte wo Mr Potter steckt!" Der Tonfall ihrer Stimme
war fordernd. Ginny atmete tief durch und sah ihre Hauslehrerin so
sicher an wie nur möglich. „Er liegt in seinem Bett und
schläft! Er hat die Nacht nicht gut geschlafen und da ist er
wieder ins Bett gegangen." Ginny log ohne rot zu werden. „Sicher?",
fragte McGonagall nach und beobachtete Ginny und ihre Freunde. Ron
und Hermine hatten zu tun, ihre verblüfften Gesichter zu
verbergen. „Ganz sicher, Professor!" „Gut, dann sehe ich Sie
und Mr Potter um sechzehn Uhr!"
Nachdem
die Professorin den Gryffindortisch wieder verlassen hatte, starrten
Hermine und ihr Bruder Ginny mit offenen Mündern an. „Du hast
McGonagall belogen", flüsterte Hermine über den Tisch.
„Was hätte ich bitte schön sagen sollen? Vielleicht dass
wir Harry vor den Kopf gestoßen haben und er abgehauen ist?"
„Wir?", protestierte Hermine energisch. „Ich habe…" „Du
auch Hermine, du genau so wie Ron und ich. Hättest du vorher
deinen Mund aufgemacht, wäre er vielleicht nicht abgehauen."
„Ginny, wie kannst du…" „Ich habe Recht, Hermine, aber
anscheinend kannst du die Wahrheit nicht vertragen!", giftete Ginny
zurück. Hermine war völlig perplex, noch nie hatte sie
Ginny so erlebt. Hermine verstand nicht, weshalb Ginny ihr jetzt die
Schuld zu schob, das war nicht fair! Wütend stand sie auf, doch
Ron zog seine Freundin zurück auf ihren Stuhl. „Warum schieben
wir uns gegenseitig die Schuld zu? Das nützt gar nichts, dadurch
finden wir ihn auch nicht! Wir alle drei haben einen Fehler begangen"
Wieder wollte Hermine protestieren. „der eine mehr und der andere
weniger. Gestern haben wir ihm noch unsere Freundschaft zugesichert
und heute sind wir ihm in den Rücken gefallen. Wie muss er sich
dabei wohl vorkommen? Verarscht würde ich sagen. Tolle Freunde
sind wir! Wer uns als Freunde hat, braucht Feinde wie Vol…" Ron
schluckte. „Voldemort nicht. Er geht an uns zu Grunde. Wir…"
„Wie wahr, wie wahr, Wiesel! Wann kam dir denn diese Erleuchtung?
Du kennst das ja, Einsicht ist…" „Verschwinde Malfoy, du hast
schon genug angerichtet!", ranzte Ginny Draco Malfoy an, der mit
seinem untalentierten Gefolge breit grinsend hinter den Freunden
stand. „Ach, Rotschopf, du wirst auch noch dein Fett weg kriegen,
warte es einfach ab!", spottete Malfoy selbstgefällig.
„Niemand…" „Mr Malfoy, haben sie ein Problem?", rief Prof.
McGonagall von Lehrertisch aus und fixierte ihn mit böse
funkelnden Augen. Ohne ihr zu antworten, aber dafür mit
hochgezogener Nase, drehte Malfoy sich zu Crabbe und Goyle um.
„Kommt, hier stinkt es!"
„Wir
sollten nicht streiten, das ist nur ein gefundenes Fressen für
solch ein Abschaum wie Malfoy und seine Fußabtreter!", sagte
Ron und nahm die Hand seiner Schwester und die von Hermine. „Wir
sollten lieber wieder Harry suchen, irgendwo muss er doch sein!"
„Und was machen wir, wenn wir ihn gefunden haben, uns einfach bei
ihm entschuldigen?", fragte Ginny mit leicht zittriger Stimme. „Das
wird nicht reichen!" „Es wäre aber ein Anfang", entgegnete
Ron und stand auf. „Das werden wir dann schon sehen, erstmal müssen
wir ihn finden!", brachte Hermine vor sah noch einmal zum
Lehrertisch und stand anschließend ebenfalls auf.
Draußen
in der Eingangshalle trennten sich die drei. „Wir treffen uns vor
dem Mittagessen oder falls einer von uns ihn gefunden hat im
Gemeinschaftsraum, einverstanden?", schlug Hermine vor und zeigte
an in welche Richtung sie sich aufmachen würde. „Hermine,
warte mal bitte!", rief ihr Ginny hinterher. „Entschuldige bitte,
ich wollte dich nicht so anfahren. Ich weiß, dass es allein
meine Schuld ist. Harry wollte es mir erklären, doch ich habe es
nicht zugelassen." Wieder kullerten Tränen an ihren Wangen
hinab. „Aber ich hatte in dem Moment solche Angst. Es klingt
lächerlich, ja, aber es ist so, und nun ist es zu spät."
„Ginny, beruhige dich wieder! Ich bin dir nicht böse. Du bist
so sehr aufgewühlt, da kann einem so was schon mal rausrutschen.
Und außerdem hätte ich auch etwas einfühlsamer dir
gegenüber sein können. Wir werden ihn schon finden, uns
entschuldigen und dann sehen wir weiter."
Wieder
suchten die Freunde fast jeden Winkel des Schlosses ab, selbst Luna
und Neville halfen mit, doch keiner von ihnen fand auch nur eine Spur
von Harry.
Bedrückt
und mit einem unguten Gefühl im Bauch lehnte Ginny ihren Kopf
gegen das Fenster. Vor etwa einer halben Stunde hatte sie ihre Suche
aufgegeben und war zurück in den Gryffindorturm gegangen.
Zusehen
war nur der große Hogwartssee, über den jedes Jahr die
Erstklässler an ihrem ersten Tag hoch zum Schloss gebracht
werden und einige Mitschüler, die den schönen warmen
sonnigen Sonntag genossen. Die älteren Jahrgänge – um
genauer zu sein die Fünft- und Siebtklässler – saßen
mit ihren Büchern und Pergamenten auf der Wiese und lernten für
ihre ZAG- beziehungsweise für ihre UTZ-Prüfungen. Ginny
stöhnte innerlich, auch sie müsste eigentlich lernen, damit
sie wenigstens die wichtigsten ZAGs schaffen würde. Sie sah
schon ihre Mutter vor sich, wie sie wütend vor ihr auf und ab
lief, nur weil sie nicht genügend ZAGs mit nach Hause gebracht
hat. ‚Wenigstens einen mehr als die Zwillinge, dann kann sie
eigentlich schon nichts mehr sagen', überlegte Ginny, was ihr
ein kleines Lächeln auf ihr Gesicht zauberte. Ihre Brüder
schafften es auch immer wieder, selbst wenn sie nicht da waren.
„Ist
mit Miss Weasley alles in Ordnung?", riss sie die piepsige Stimme
von Dobby dem Hauselfen aus ihren Gedanken. „Hallo, Dobby!",
begrüßte Ginny ihn traurig. „Was ist mit Miss Weasley,
kann Dobby helfen? Dobby hilft gern, besonders Ginny Weasley",
verbeugte er sich ganz tief vor ihr. „Dobby mag nicht, wenn die
kleine Miss Weasley traurig ist. Es reicht schon, wenn Harry Potter
traurig ist." Ginnys Augen weiteten sich. ‚Man bin ich dämlich,
warum bin ich nicht gleich darauf gekommen?', schellte sie sich
selbst. „Weißt du wo Harry ist, hast du ihn vielleicht
irgendwo gesehen?" Dobby wurde sichtlich nervös und nestelte
mit seinen langen dünnen Fingern an seinen Sachen umher. Hatte
er etwa was Falsches gesagt? „Dobby, wenn du weißt wo er ist,
dann sage es mir bitte! Wir machen uns große Sorgen um ihn."
Immer weiter spielte Dobby an seinen Sachen. „Harry Potter, er
möchte nicht gefunden werden, er möchte allein sein. Dobby
weiß, dass das nicht gut für ihn ist, aber seine Freunde
haben ihm wehgetan. Er… er hat sogar geweint." „Dobby, bitte!",
flehte Ginny. „Ich muss mit ihm reden, es ist wichtig." Dobby
schüttelte seinen Kopf. „Dobby hat versprochen nichts zu
sagen."
Ginny
gab nach, sie würde aus Dobby nichts mehr herausbekommen. Er
stand Harry zu nahe, dass er seinen Wunsch nicht respektieren würde.
„Dann sage ihm bitte, dass Prof. McGonagall ihn und mich um
sechzehn Uhr in ihrem Büro sprechen möchte! Wir sollen
pünktlich sein!" Sie ließ sich in einen der Sessel
fallen und schlug die Hände vors Gesicht. „Es tut mir Leid,
Harry, ich wollte das nicht! Ich liebe dich!" Ganz leise hatte sie
diese Worte gesagt, doch trotzdem hatte Dobby jedes verstanden.
„Harry
Potter hat gesagt, dass Ginny Weasley Angst vor ihm hat. Harry Potter
ist sehr unglücklich." Mit nassen Augen sah Ginny den kleinen
Hauselfen an. „Nein, Dobby, ich habe keine Angst vor ihm!" Für
einen Moment trat Stille ein, bis Ginny schließlich kaum hörbar
weiter sprach. „Ich sollte zumindest keine Angst vor ihm haben. Das
war alles nur ein Missverständnis." Sie kam sich so dämlich
vor. „Ein großes Missverständnis!", piepste Dobby und
zog an Ginnys Umhang. „Wie kann ich das nur wieder gut machen,
Dobby?" Er zog sie an ihrer Hand vom Sofa und führe sie wieder
zum Fenster. Mit seinen Fingern zeigte er nach draußen auf
Schlossgelände. „Harry Potter sollte nicht allein sein, er
grübelt viel zu viel über Dinge nach." Der Hauself fing
Ginnys verwunderten Blick auf. Er denkt über Dinge nach, die
nicht gut für ihn sind. Ginny Weasley sollte bei ihm sein!"
Wie schnell man auch als Hauself seine Meinung ändern konnte!
Ginny
blickte aus dem Fenster und suchte mit Adleraugen das Gelände
ab. „Wo, Dobby, ich sehe ihn nicht, wo ist er denn? Er… Der
Tarnumhang, natürlich!", schlug Ginny sich mit der Hand gegen
die Stirn. War sie wirklich schon so durcheinander, dass sie diesen
vergessen hatte. „Sieht Miss Weasley das platt gedrückte Gras
gleich neben dem Stein, dort am Ufer?" Ja, da war was. Sie sah
genauer hin und konnte tatsächlich platt gedrücktes Gras
erkennen und auch den Stein, der sich unmittelbar daneben befand.
Nickend sah sie wieder Dobby an. „Harry Potter darf aber nicht
sauer auf Dobby sein! Dobby will doch nur sein Bestes." „Er wird
nicht sauer sein, bestimmt nicht!" Dobby sah das scheinbar anders
und fing wieder an, an seinen Sachen herumzunesteln. „Dobby,
versprochen! Danke!", umarmte sie unverhofft den kleinen nun
irritierten Hauselfen. „Dobby braucht keinen Dank! Harry Potter und
Ginny Weasley gehören zusammen!" Nun war es Ginny, die etwas
irritiert dreinblickte. Was wusste Dobby? Hatte Harry ihm bereits
alles erzählt? So wird es sein. Ginny hatte schon länger
die Vermutung, dass Dobby der Einzige ist, den Harry sich anvertraut.
Warum sollte er ihm also nichts über Ginny erzählt haben.
Natürlich
wusste Dobby es, aber woher sollte Ginny das wissen?
Er hätte
blind und taub sein müssen, wäre es für ihn unbemerkt
geblieben, zumindest, dass Harry etwas an Ginny lag. Viel zu oft
hatte er von Ginny geträumt. „Keine Angst, Dobby sagt nichts,
Dobby schweigt wie ein Grab! Dobby hat Harry Potter sein Versprechen
gegeben und Dobby weiß auch wie wichtig das ist. Harry Potter
hat gesagt, dass Ginny Weasley jetzt in noch größerer
Gefahr ist. Dobby soll, wenn Harry Potter nicht da ist, auf Ginny
Weasley acht geben." ‚Wenn er nicht da ist?' Ginny kümmerte
sich nicht weiter um diesen Gedanken. Sicherlich meinte Harry damit
nur, wenn sie nicht zusammen waren.
Ginny
hielt inne, ihre Hand lag auf der Klinke des großen
Schlosstores. Wie würde Harry reagieren? Würde er sauer
sein, würde er überhaupt noch mit ihr reden wollen? Immer
mehr Fragen gingen ihr durch den Kopf und verunsicherten sie. Zweifel
waren jetzt aber nicht angebracht! Sie sah auf ihre Uhr – sie
zeigte dreißig Minuten nach zehn. Eigentlich müsste sie
den anderen bescheid geben, dass sie Harry gefunden hat. Eigentlich,
aber nicht unbedingt! Doch trotzdem hatte sie ein schlechtes Gewissen
gegenüber ihren Freunden und Ron. Sie suchen sich die Füße
wund, dabei weiß Ginny längst wo Harry ist. Aber wenn sie
ihnen sagen würde, dass sie Harry gefunden hat… Nein, das geht
auch nicht, dann hätte er nicht mehr seine Ruhe und das war es,
was er wollte. Vielleicht sollte sie ihn ebenfalls in Ruhe lassen?
Hin und her überlegte sie und bemerkte nicht, wie sich ihr
jemand nährte.
„Ginny!"
Ginny schreckte rum und sah Sophie ins grinsende Gesicht. „Bist du
daran festgeklebt oder was ist los? Du stehst schon mindestens fünf
Minuten so. Stimmt etwas nicht?" „Ähh… doch, alles in
Ordnung, ich war nur in Gedanken!" „Harry?" Ginnys Augen
huschten plötzlich durch die Halle „Wo? Hast du ihn etwa
gesehen? Ich sehe ihn nicht, wo ist er?"
„Ginny,
komm runter, ich wollte nur wissen, ob deine Gedanken mal wieder bei
Harry waren!" Die Ertappte sah leicht betreten zu Boden.
„Erwischt?" „Ja, Sophie, erwischt! Und nun?" Ginny klang
gereizt. „Hey, ist doch gut, ich sage ja gar nichts mehr!",
wedelte Sophie mit ihren Armen vor sich umher. Sie wollte Ginny damit
nicht zu nahe treten, es sollte eigentlich nur ein Scherz sein.
„Entschuldige bitte, Sophie, aber… Ach, egal!" „Was ist los
mit dir, du wirkst so durcheinander!" Ginny biss auf ihre Oberlippe
und stand wie ein kleines Schulkind vor ihrer Freundin. „Sophie?
Kannst du mir… einen Gefallen tun, ohne viele Fragen zu stellen?
Ich erkläre es dir auch irgendwann, nur jetzt kann ich es noch
nicht." Sophie sah ihre Freundin skeptisch an. „Bitte!" „Na
gut, um was geht es?" Richtig einverstanden schien Sophie damit
nicht zu sein, irgendetwas an der ganzen Sache kam ihr eigenartig
vor. „Wenn du Ron, Hermine, Neville oder Luna siehst – egal wen
von den vieren – sage ihnen bitte, dass ich Harry gefunden habe, es
ihm gut geht, er aber nicht gestört werden möchte! Ach ja,
und dass wir uns zum Essen in der Großen Halle treffen. Bitte
sei so nett! Vielleicht sagst du ihnen auch noch, dass er sich
schlafen gelegt hat und ich für die Prüfung lerne. Wenn sie
anfangen Fragen zu stellen, sag einfach, dass du nicht mehr weißt!"
„Und das ist nicht mal gelogen", feixte Sophie. „Du weißt
wirklich wo er ist, nicht wahr?" Ginny nickte nur, umarmte ihre
Freundin zum Dank und verließ das Schloss.
Nachdem
die Tür wieder ist Schloss gefallen war, machte sich Sophie mit
Ginnys Nachricht auf den Weg, um ihre große Aufgabe zu
erfüllen. Innerlich musste sie schmunzeln: ‚Ein perfektes
Paar!'
Geblendet
von der Sonne ging Ginny mutig auf den See zu. Das ‚Problem' mit
ihren Freunden hatte sie zumindest teilweise gelöst. ‚Wie gut
das Sophie gerade zu Stelle war! Ein Timing hat die Gute', grinste
sie. Doch das Grinsen verging ihr schnell wieder, als sie das platt
gedrückte Gras und den Stein sah. Jetzt, wo sie fast bei ihm
war, wollte sie es gar nicht mehr. Wieder erlangte ihre Angst die
Oberhand. Angst vor Harry hatte sie nicht, eher Angst vor dem was
jetzt passieren würde, dass er sie abweisen könnte. Was
wenn er sie wieder wegschickt, was wenn sie mit ihrer blöden
Reaktion oben im Gemeinschaftsraum zwischen ihnen alles zerstört
hat?
Mit
rasendem Herzen ging sie weiter auf Harry zu. Kurz vor ihm blieb sie
stehen und blickte über den See. „Darf ich mich zu dir
setzen?", fragte sie ohne ihren Blick vom See zu wenden. Keine
Antwort. Ihr Herz schlug immer heftiger. „Harry, bitte!" Wieder
nichts, er gab keine Antwort. Zittrig führte sie ihre Hand an
die Stelle, an der sie ihn vermutete, hielt aber kurz vorher an. Eine
kleine Träne löste sich abermals und suchte sich ihren Weg
an den blassen Wangen hinab. „Verzeih mir, Harry!", bat sie leise
und wandte sich zum Gehen ab. „Warte, Ginny!", hielt Harry sie
auf. Auch seine Stimme klang nicht gerade sicher. „Woher weißt
du, dass ich hier bin?" „Dobby", antwortete Ginny nur.
„Natürlich, er kann es nicht lassen! Komm, setz dich hin!"
„Harry,
bitte sei nicht sauer auf Dobby, er wollte doch nur helfen!" Harry
lächelte unter seinem Tarnumhang, was für Ginny unbemerkt
blieb. „Ich weiß, er meint es immer nur gut. Leider findet er
mich überall auf Hogwarts. Frag nicht wie er das anstellt, aber
es ist so", zuckte Harry mit den Schultern. Er hatte es aufgegeben,
darüber nachzudenken.
Eine
Weile sagte niemand etwas, beide saßen nur da und sahen stumm
auf das Wasser. Nach einer für Ginny kaum auszuhaltenden
Ewigkeit tastete sie nach Harrys Hand. Hatte sie doch vermutet, dass
er seine sofort wegziehen würde, stattdessen drückte er
ihre fest. „Es tut mir so Leid, Harry, bitte glaube mir! Ich war
dumm zu glauben, dass du mich damit meinen könntest. Ich war
geschockt – erst rufst du meinen Namen und dann… Ich habe keine
Angst vor dir, ich liebe dich!" Bei diesem Satz drückte er
ihre Hand noch fester. „Mach dir keine Sorgen, Ginny, ich mache dir
keine Vorwürfe!" Sie schüttelte verlegen ihren Kopf. „Du
brauchst dich nicht zu verstellen! Die Enttäuschung in deinen
Augen war nicht zu übersehen. Und du hattest Recht – wir haben
dich enttäuscht." „Nein, ich hätte bestimmt nicht
anders reagiert", entgegnete er. „Doch, hättest du!" Hätte
er tatsächlich anders reagiert?
„Wissen
Hermine und dein Bruder dass ich hier bin?" „Nein, ich habe es
ihnen nicht gesagt. Hätte ich es ihnen sagen sollen?" „Nein"
Harry atmete hörbar schwer aus. „Ginny, ich wollte dich nicht
erschrecken!", begann er wieder. Es ließ ihm einfach keine
Ruhe, er hatte sie ungewollt verletzt. Die ganze Zeit über, die
er hier am See saß, hatte er über seine Beziehung zu
Ginny, seinem letzten Alptraum und über das was vorhin passiert
war nachgedacht. Immer wieder kam er zum gleichen Ergebnis:
Seinetwegen waren seine Freunde in Gefahr, und unweigerlich auch
jeder andere, der ihm half.
„Denk
darüber bitte nicht weiter nach!", holte Ginny ihn zurück.
Wie gern würde sie sich jetzt an Harry schmiegen. Mit aller
Kraft versuchte sie diesen Reiz zu unterdrücken. „Ich habe von
dir geträumt", redete Harry weiter „es war wieder ein
Alptraum. Diesmal war es nicht wie sonst, ich habe zwar erst vom Tod
meiner Eltern geträumt, aber dann warst auf einmal du vor mir.
Den Traum hatte ich auch letzte Nacht, bevor ich in den
Gemeinschaftsraum gekommen bin. Eigentlich wollte ich wieder
verschwinden, doch dann habe ich dich gesehen." „Was war mit mir
in dem Traum, was ist passiert?", fragte Ginny nach. Sie hatte
schon beinahe Angst vor seiner Antwort, und das zu Recht. Harry
erzählte ihr schweren Herzens was genau er geträumt hatte
und mit jedem Wort fiel Ginny das Schlucken schwerer. Er bemerkte,
dass sie neben ihm immer unruhiger wurde. Nie wieder wollte sie
Voldemort gegenüberstehen müssen. „Ich habe mehrmals
versucht dich aufzuwecken, aber es ging nicht", flüsterte
Ginny.
„Da
war noch mehr! Ich habe mich vor dir fallen lassen, habe deinen Namen
gerufen, aber du hast deine Augen nicht geöffnet. Da war auch
keine Atmung und auch kein Herzschlag mehr – du warst tot. Ich,
Ginny, ICH habe dich umgebracht!" „Es war doch nur ein
Alptraum!", versuchte sie sich und ihn vergebens zu beruhigen.
„Voldemorts Lachen wurde immer lauter und plötzlich stand er
vor mir. Er hat mich einen Mörder genannt. Und… und dann hat
er gesagt: ‚Du wirst der nächste sein!' Darauf hin habe ich
geschrieen: ‚Ich werde dich vernichten!' Ginny, wenn ich nichts
unternehme, wird er uns umbringen! Das Beste für alle wäre,
wenn ich hier verschwinden würde. Ich bringe euch alle nur in
Gefahr." Nicht schon wieder!
Wieder
sah er nur die eine Möglichkeit sich von seinen Freunden zu
distanzieren. Aus Fehlern lernen, war wohl doch nicht seine Stärke.
„Was
redest du da?" Ginny war entsetzt. „Hast du mir nicht zugehört,
Harry, es war doch nur ein Alptraum!" „Nur ein Alptraum?
Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Ich bin mir sicher, dass
Voldemort mir diesen ‚Alptraum' in den Kopf gesetzt hat."
Beginnende Verzweiflung und Angst erstickte seine Stimme. „Er will…
er muss…" Er konnte nicht weiter reden. Wenn ja, müsste er
Ginny von der Prophezeiung erzählen. Wäre das denn so
schlimm? Er hatte es doch schon mal vorgehabt. Hatte er vielleicht
Angst, dass er Ginny in die ganze Sache mit reinziehen könnte?
Noch weiter war wohl kaum möglich. „Nimm bitte den Tarnumhang
ab, ich möchte dich sehen!", bat Ginny. „Nein", kam nur
als kurze Antwort. „Harry, bitte, du kannst so nicht weiter machen!
Lass mich dir helfen!" Er ließ ihre Hand los und stand auf.
Ginny versuchte noch nach ihr zu greifen, doch griff nur ins Leere.
„Genau das ist es ja, du kannst mir dabei nicht helfen… und
sollst es auch nicht!" Auch Ginny stand auf, obwohl sie nicht
wusste, wo genau Harry stand. „Sei nicht so stur, du kannst nicht
verhindern, dass dir geholfen wird! Und erst recht nicht, das
Hermine, Ron, Neville und ich dir helfen – wir sind deine Freunde!"
Jetzt
ließ Harry seinen Tarnumhang sinken und stand aufgewühlt
vor seiner Freundin. „Und genau das ist der Grund, warum ich hier
weg muss! Ihr bringt euch meinetwegen in Gefahr. ICH WILL DAS NICHT!"
„Komm endlich wieder zur Vernunft!", ging Ginny auf ihn zu.
Gerade als sie seine Hände nehmen wollte, zog er diese weg. „Zur
Vernunft kommen soll ich? Ich habe meine Eltern verloren und auch
Cedric und Sirius sind meinetwegen gestorben. Meinetwegen, Ginny!
Tante und Onkel – tot. Remus ist… spurlos verschwunden." Noch
immer hatte er die Hoffnung, dass dieser am Leben war, doch umso
länger er als vermisst galt und niemand auch nur ein kleines
Lebenszeichen von ihm bekam, desto mehr zerbrach diese Hoffnung in
sich. „Voldemort bringt einen nach dem anderen um, jeden der mir
nahe steht. Ich will dich und die anderen nicht auch noch verlieren.
Ich will nicht schuld sein an deinem Tod!" Ginny tat so, als hätte
sie das Letzte überhört. „Bitte, du kannst nicht einfach
abhauen! Was willst du denn machen, wo willst du hin? Und wie stellst
du dir das überhaupt vor?" Mit jedem Wort hoffte sie Harry
wenigstens etwas Vernunft einzutrichtern. Hoffnung war das was
zuletzt starb, oder? „Wie willst du ihm entgegentreten – allein?
Der Stupor wäre bestimmt ein passender Zauber, um ihn in die
Schranken zu weisen!" Ginny wurde immer sarkastischer. „Wenn du
ihm damit drohst, gibt er bestimmt sofort auf. Harry, wach auf,
darüber lacht er doch nur! Er wird dich umbringen und du kannst
nichts dagegen tun! Selbst wenn du dich vor ihm versteckst, er wird
dich finden. Wie bitte schön willst du dich vor ihm schützen,
hä?" Harry sah Ginny fest in die Augen. Wenn es vor wenigen
Minuten noch Harry war, der aufgewühlt vor Ginny stand, war es
jetzt umgekehrt. Sie wollte nicht glauben, was er da gerade von sich
gegeben hat. So dumm war Harry doch gar nicht.
Dumm
nicht, er hatte nur alles ‚gut' durchdacht. Er ging auf die nun
fast schon tobende Ginny zu, nahm ihre Hände und zog sie wieder
mit sich ins Gras.
„Bitte
tu' das nicht, bleib hier wo du sicher bist!", flehte Ginny ihn
an. „Tu' nichts Unüberlegtes!" „Ich habe mir alles genau
überlegt, Ginny. Wenn ich wieder einen Zauberstab habe, kann ich
mich verteidigen. Und ich habe nicht nur den Stupor zu Verfügung,
das kann ich dir versichern. Ich habe seit Sirius' Tod viel
gelernt, sehr viel. Jede Minute habe ich ausgenutzt. Einiges muss ich
noch verbessern, zum Beispiel meine Okklumentik – so gut wie ich
dachte, ist sie leider doch nicht – aber auch das schaffe ich! Ich
kann sogar schon apparieren." Ungläubig starrte Ginny ihn an.
„Nein, natürlich nicht hier in Hogwarts. Ich habe… mich
heimlich nach Hogsmeade geschlichen." „Du hast was? Du hast doch
gesehen was passiert!", unterbrach Ginny ihn. Sie wollte nicht
weiter hören, was er heimlich erlernt hat. „Harry, ich will
nicht, dass du das machst! Hörst du mich, ich will dich nicht
verlieren!" Flehend sah sie ihn an. Harry war drauf und dran Ginny
in seine Arme zu schließen, um sie zu trösten. Wieder war
sie seinetwegen unglücklich. Am liebsten hätte er sie
sofort geküsst.
„Nach
Hogwarts wollte ich eigentlich Auror werden, doch das ist jetzt
Nebensache. Jetzt möchte ich nur noch leben und eine Familie
haben, mit der ich alt und glücklich werden kann." Er lächelte
ihr liebevoll zu. „Aber das, Ginny, geht nur, wenn du in Sicherheit
bist und am Leben bleibst." Ginny wollte etwas sagen, ließ es
aber gleich wieder sein. Sie brachte nur ein leises Krächzten
hervor. Ihre Stimme wollte ihr einfach nicht gehorchen. „Wenn ich
hier weg bin, haben er und seine Todesser keinen Grund mehr
herzukommen. Er kann euch dann nicht mehr gegen mich benutzen. Erst
dann seit ihr sicher!" Wie oft hatte er sich das wohl einreden
müssen, um es selbst zu glauben?
„Sicher?
SICHER?", rief Ginny. Sie hatte immer noch zu tun, ihre Stimme zu
halten. „Prof. Dumbledore hat gesagt, das Voldemort jetzt auch
hinter mir her sein wird, dass er mich ebenso töten will, nur
weil ich ihm entkommen bin und er dich damit auch treffen würde.
Was lässt dich also denken, dass wir ohne dich sicher wären?
Kannst du mir das sagen?"
Harry
antwortete nicht, sein Blick ging stur geradeaus über den
Hogwartssee. Leichte Wellen überflogen den See, welche von dem
aufkommenden Wind immer mehr angetrieben wurden und miteinander zu
tanzen schienen. „Er wird sich nicht davon abbringen lassen, nur
weil du nicht mehr hier bist. Lass mich mit dieser Angst nicht
allein! Bitte, ich möchte das nicht noch mal durchmachen! Ich
will nicht sterben!" Harry versuchte seine nahenden Tränen zu
unterdrücken. Nicht nur Ginny hatte Angst, sondern auch er. „Du
wirst nicht sterben, versprochen, das lasse ich nicht zu!" Immer
mehr flatterte Harrys Stimme. „Harry!" Er blickte mit roten
tränen befüllten Augen in ihre entsetzen, nahm den
Tarnumhang auf, sah sich kurz um und warf ihn über sich und
Ginny. Dann machte er endlich das, was er sich schon die ganze Zeit
sehnlichst wünschte – er nahm ihr Gesicht in beide Hände,
führte seines ganz nah an das ihre und hauchte ihr anschließend
einen zärtlichen, gefühlvollen Kuss auf ihre weichen
Lippen. Er spürte, wie sich seine Tränen lösten und
dabei Ginnys Gesicht benetzten. Der Kuss dauerte ewig an, bevor er
sie in eine innige Umarmung zog.
So
war es richtig. Genau das war es, was Ginny wollte – ihn fest an
sich drücken und nie wieder loslassen müssen. Sie hatte das
Gefühl, wenn sie ihn jetzt loslassen würde, würde er
für immer verschwinden und nie wieder in ihr Leben zurückkehren.
„Ich
werde auf mich aufpassen!", versprach ihr Harry flüsternd.
Ginny verlor jegliche Farbe, die noch auf ihrem Gesicht zu finden
war. Fassungslos sah sie wieder auf und rutschte unter dem Tarnumhang
ein Stück von Harry weg. Noch waren beide von diesem verdeckt.
Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie ihn an. Hatte er denn gar
nichts begriffen? In Ginny zerbrach alles. Die Hoffnung mit ihm
zusammen zu sein, die er ihr eben mit seinem Kuss zurückgegeben
hatte, zerbrach in scheinbar tausend kleine Scherben, die sich ins
Nichts auflösten - als wäre dort nie etwas gewesen. „Das…
glaube ich jetzt nicht! Das… das ist tatsächlich dein Erst,
ja? Ich fasse es einfach nicht!", schüttelte Ginny immer
wieder ihren Kopf. „Über was haben wir denn eben die ganze Zeit
geredet? Harry, du bringst dich damit um, er wird dich umbringen!",
fing sie an zu weinen. Harry wollte wieder ihr Gesicht berühren,
ihre Tränen trocknen, doch sie ließ es nicht zu. „Nicht
weinen, bitte, es geht nicht anders!" „Du willst nur nicht!",
riss Ginny sich los, rappelte sich auf und lief weg. Wie aus dem
Nichts schien sie plötzlich wieder am See aufzutauchen, wo sie
vor einiger Zeit einfach so verschwunden war. Sie kümmerte sich
nicht darum, dass dies womöglich jemand sehen könnte.
„Nicht, bleib hier!", rief Harry und lief ihr ungesehen
hinterher.
Ginny
war zu flink für ihn, auf halber Strecke gab er auf und blieb
stehen. „Ginny, mach es mir doch nicht noch schwerer, versuch mich
zu verstehen!" Ganz leise, für Ginny unmöglich zu
verstehen, sagte er: „Bitte, ich habe doch auch Angst!"
Plötzlich
blieb Ginny stehen und drehte sich zu Harry um. Auch auf diese
Entfernung konnte Harry erkennen, dass sie gewaltige Angst hatte. Und
alles wieder mal seinetwegen. Warum machte er auch immer den gleichen
Fehler? „Mach doch was du willst!", rief sie ihm wütend
entgegen. Einige ihre Mitschüler drehten sich zu ihr um. Wen
schrie Ginny da nur an, fragten sie sich.
Einen
Augenblick blieb Ginny noch stehen. Vielleicht hatte sie erwartet,
dass Harry auf sie zukommen und sie in den Arm nehmen würde. Wie
gern hätte sie jetzt die Worte: ‚Keine Angst, Ginny, ich
bleibe bei dir!' gehört. Aber nichts dergleichen. Immer noch
standen sie sich bewegungslos gegenüber, einer erkennend der
andere nicht. Ruckartig wischte Ginny sich die Tränen fort und
lief hoch zum Schloss.
Wie
lange Harry noch so dastand, konnte er nicht sagen. Er bemerkte nicht
mal, wie sich der Himmel zuzog und es zu nieseln begann. Erst als die
ersten dicken Regentropfen seinen Tarnumhang durchnässten,
erwachte er aus seiner Erstarrung. „Es geht nicht anders",
flüsterte er und machte sich auch auf den Weg hoch zum Schloss.
Eigentlich
wollte er allein sein, aber sein Magen wollte etwas anderes –
Essen. Ginny sollte sich erstmal wieder beruhigen, vielleicht würde
sie ihn dann verstehen, bevor er mit ihr reden wollte. So brachte es
herzlich wenig.
Wer
hatte Harry eigentlich den Floh ins Ohr gesetzt, dass wenn er
Hogwarts verlassen würde, seine Freunde in Sicherheit wären?
Glaubte er wirklich, Voldemort würde sie zufrieden lassen?
Natürlich war Ginny in erster Linie durch Harry in Gefahr, aber
der Dunkle Lord wollte seine ganz persönliche Rache an ihr. Wie
Dumbledore schon gesagt hatte, würde Voldemort so etwas nicht
auf sich sitzen lassen.
Schon
des Öfteren hatte Harry vor Hogwarts zu verlassen. Sein letzter
Alptraum, in dem er zu Ginnys Mörder wurde, hat sein Vorhaben
nur noch mehr bestätigt. Und wieder fängt alles von vorn
an! Harrys Verhalten könnte man fast als egoistisch bezeichnen.
Genau das war es auch was Ginny im Moment von ihm hielt. „So etwas
egoistisches!", schimpfte sie weinend auf ihrem Bett, während
ihre Tränen ins Kissen sickerten und auch die letzte Feder
durchnässten.
Harry
betrat nicht gerade gut gelaunt die Große Halle, die schon fast
bis auf nur wenige Plätze gefüllt war. Es roch köstlich.
„Uhhh,
Potter! Hey, wo sind deine heißen Shorts? Zeigst du sie mir
auch mal?", rief Pansy Parkinson, die anscheinend ihr Mittagessen
gerade beendet hatte und auf ihn zukam. Ihr fieses Grinsen widerte
ihn an und Wut stieg in ihm auf. „Tut mir Leid, Parkinson, aber die
hat Ginny!", entgegnete er ihr ohne groß nachzudenken.
Hätte
er mal nachgedacht! Seamus Finnigan stand ganz in der Nähe und
ballte seine Hände zu Fäusten. Nur gut, dass Harry dessen
angewiderten Gesichtsausdruck nicht zu sehen bekam.
Ohne
noch einen weiteren Blick durch die Halle schweifen zu lassen, ging
Harry auf seinen Platz zu. Es fehlten nur noch Ron, Hermine und Ginny
am Tisch. Bevor er jedoch die Möglichkeit hatte sich zu setzen,
kam Prof. McGonagall auf ihn zu. „Mr Potter, einen Moment bitte!",
rief sie. Vor ihm stehend, fragte sie: „Ausgeschlafen?" „Ähm…
ja, habe ich." „Na gut, ich weiß nicht, ob Miss Weasley
Ihnen bescheid gegeben hat: Ich möchte Sie beide heute
Nachmittag um sechzehn Uhr in meinem Büro sprechen! Und bitte,
sein Sie pünktlich!" „Um was geht es denn, Professor?",
fragte Harry nach, was aber nicht sehr höflich klang. Trotz
dieser Art und Weise, die Harry hier an den Tag legte, blieb die
Professorin freundlich: „Das klären wir in meinem Büro,
Harry. Denken Sie daran, pünktlich!", erinnerte sie nochmals,
bevor sie die Halle durch die große Flügeltür
verließ.
Harry
tat sich etwas von den leckeren Speisen auf und fing an zu essen. Na
ja, als essen konnte man es nicht bezeichnen, viel mehr stocherte er
nur auf seinem Teller umher und versuchte das bereits tote Fleisch zu
erdolchen. Wieder ging ihm Ginny durch den Kopf und immer wieder
redete er sich ein, dass er das Richtige machen würde.
Er
konnte ihre weichen Lippen auf seinen spüren, schmeckte sie
sogar, fühlte wie sie zärtlich mit ihrer Hand seine Haut
berührte. Sanft fuhr er ihr durchs lange Haar, welches immer
dieses seidige Gefühl unter seinen Händen hinterließ.
Und dieser liebliche Geruch – nichts roch so wunderbar. Doch
plötzlich sah er, wie sie leblos vor ihm lag und hörte
wieder das kalte und boshafte Lachen vom Dunklen Lord, dem er sein
ganzes Elend zu verdanken hatte. Wie würde es sein, wenn
Voldemort Neville als sich Ebenbürtigen gekennzeichnet hätte?
Schon oft ging ihm dieser Gedanke durch den Kopf. Immer wieder hatte
er sich vorgestellt, wie das Leben mit seinen Eltern hätte
verlaufen können.
„Hey,
Alter, da bist du ja!", schlug Ron ihm auf die Schulter, so dass
Harry sich fast an der Kartoffel verschluckt hätte, die er grade
versuchte runterzuwürgen. Ron setzte sich wie üblich neben
Harry und Hermine und Ginny, die beide kurz nach ihm die Halle
betraten, gegenüber von den beiden Jungs.
Nach
und nach hatte sich die Halle für Harry gänzlich unbemerkt
geleert, so sehr war er in seine Gedanken vertieft. „Hey, Kumpel,
wir müssen reden! Was heute Früh passiert ist…" Ginny
fing spöttisch an zu lachen: „Das würde ich lassen,
Brüderchen, er macht eh was er will, es bringt nichts!" Harry
sah von seinem Teller auf und blickte in Ginnys nun schon fast
gleichgültige Augen. „Meinst du das, ja?", zischte er über
den Tisch. Er versuchte nicht mal nett zu sein, obwohl es ihm
unendlich wehtat. „Ja, Harry, das meine ich! Dir sind doch alle
egal, nur du bist das Opfer", giftete sie unwirsch zurück. Ron
und Hermine beobachteten dieses Schauspiel mit gegenseitigem
Schulterzucken. „Was ist denn mit den beiden los?", fragte
Hermine baff. Sie hatte noch nie erlebt, dass die beiden sich so
angegiftet haben. „NICHTS!", kam es von Harry und Ginny
gleichzeitig, ohne dass sie ihren Blickkontakt trennen. „Sorry,
hängt euch das nächste Mal bitte ein: ‚Nicht-stören-Schild'
um! Das ist ja nicht zum aushalten." „Dann hör doch einfach
weg!", ranzte Harry. Hermines Mund öffnete sich nur, um sich
kurz danach wieder, ohne dass ein Wort über ihre Lippen kam, zu
schließen. „Du meinst also wirklich, dass mir alle egal sind,
habe ich das richtig verstanden?", ging das Streitgespräch
zwischen Ginny und Harry weiter. „Du bist blind, Ginny!" „Blind?
Wer von uns beiden wohl blind ist! Und nicht nur blind, sondern auch
dermaßen stur, dass es kaum auszuhalten ist. Du bist ein
riesengroßer Egoist, Harry Potter!" „Nun macht mal beide
halblang!", versuchte sich Ron einzumischen, ließ es aber
auch gleich wieder sein. „Wenn das so ist, dann kann ich ja gehen!"
Harry wurde immer ungehaltener.
„STOP!",
ging Ron nun doch dazwischen. „Welche Laus ist euch denn über
die Leber gelaufen? Gibt es irgendwas, was ihr uns sagen wollt?"
Nicht nur Ron und Hermine wunderten sich über das Verhalten der
beiden Streithähne, sondern jeder, der sich noch in der Großen
Halle befand, inklusive der Lehrer. Ihr Gezanke war nur schwer zu
überhören.
Harry
wollte gerade auf Rons Frage etwas erwidern, doch ließ er es
bleiben. Ruckartig stand er auf: „Vergiss es!", fauchte er Ginny
garstig an und stürmte Richtung Ausgang. „Wo will er denn nun
schon wieder hin? Harry!", rief Ron ihm nach und stand auf, um ihm
zu folgen. „Geh nur, Harry!", brüllte Ginny. „Hau ab,
verkriech dich wie immer!" Sämtliche Augen waren nur auch
Harry und Ginny gerichtet. Auch Prof. Dumbledore, der kurz zuvor erst
die Halle betreten hatte, beobachtete diese Szenerie mit schwerem
Herzen. Snape hingegen genoss dies alles und kommentierte es mit
einem gehässigen, für sich normalen Lächeln.
Nachdem
Harry die Halle schnellen Schrittes verlassen hatte, blieb es in
dieser zum zerreißen still. Hatten er und Ginny es doch
tatsächlich geschafft, die Gerüchte, die über sie im
Umlauf waren, wenigstens teilweise zu zerstreuen. Jeder der dieses
Spektakel eben miterlebt hatte, musste sicher sein, dass die beiden
nichts miteinander haben.
„Ginny,
was war das eben?", rüttelte Hermine sie wieder wach. Ginny
hatte sich verändert, und ihrer Meinung nach nicht gerade zum
Guten. Erst ihr Auftritt beim Frühstück und jetzt dies.
Skeptisch sah sie zu Ron herüber, der abermals nur mit seinen
Schultern zuckte und sich wieder vor seinen Teller setzte. Auch er
verstand nicht, was in seine Schwester gefahren war.
„Ich
habe keinen Hunger mehr, wir sehen uns später!",
verabschiedete sich Ginny kühl. Ohne auch nur eine kleine
Entschuldigung für ihr Benehmen verließ sie die Große
Halle.
So, das war es wieder für heute! Tut mir bitte ein Gefallen – hinterlasst BITTE ein Review mit eurer ungeschminkten Meinung über dieses Kapitel, ich bekomme sonst noch ne Schaffenskrise. Ein oder zwei waren von diesem Kapitel nicht so sehr angetan. :-( Was haltet ihr davon?
Bis bald, bepa!
