Kapitel 3: Neue Freunde und alte Verwirrungen...

Die Tage zogen dahin und Carol lernte langsam aber sicher die einzelnen Mitglieder des Ordens kennen, die von Zeit zu Zeit im Haus auftauchten. Einige waren ihr gegenüber aufgeschlossen und freundlich, andere eher misstrauisch, doch nachdem, was sie inzwischen über diese Welt und ihre Situation gelernt hatte, wunderte sie das nicht.

Allen kam es vor, als herrsche die Ruhe vor dem Sturm. Es gab kaum Nachrichten über Todesser-Aktivitäten noch hörte irgendwer etwas über den Aufenthaltsort oder die Pläne Voldemorts. Es war, als würde irgendwo im Verborgenen etwas ausgebrütet und jeder wollte dringend wissen, was das war. Die leichte Nervosität war überall zu spüren, alle wollten gerne irgendwie aktiv sein, doch derzeit hiess es nur warten und Informationen sammeln.

Und so namen die Tage ihren Lauf.

Mehr und mehr wurde die Küche der zentrale Raum des Hauses, in dem sich das gesamte Leben abspielte und Carol etablierte die Tatsache, daß immer eine Kanne mit Tee auf dem altmodischen Herd stand. Außerdem liebte sie rohes Gemüse, von dem mittlerweile immer eine Schale auf der Anrichte oder auf dem Tisch stand. Diese Vorliebe wurde von den anderen eher schmunzelnd betrachtet. Einzig Tonks liebte rohe Möhren und knabberte davon so oft sie am Grimmauldplatz war. Gleichzeitig schien sie den Ehrgeiz entwickelt zu haben, ihre Haarfarbe immer der jeweiligen Möhre, die sie gerade aß anzupassen.

"Wirst Du eigentlich nicht vermisst von Deiner Umwelt?" fragte Harry sie eines Tages.

Carol schaute nachdenklich drein und sagte dann:" Nein, ich war sowieso auf einer Reise. Alle meine Freunde wissen das."

"Eine Reise? Wo wolltest Du denn hin?" hakte Harry neugierig nach.

Schmunzelnd erwiderte Carol: "Nicht jede Reise muss ein Ziel haben. Mein Ziel war die Reise selber. Eigentlich eher eine Suche."

"Eine Suche? Was hast Du denn gesucht?" war eine Stimme von der Tür ein. Remus betrat die Küche, schlenderte zum Herd, um sich eine Tasse Tee zu nehmen. Er trug seinen Tee zum Tisch, setzte sich und sah Carol interessiert in die Augen. Ihre tiefbraunen Augen erwiderten seinen Blick ohne zu Blinzeln und nach einem Augenblick der Ruhe sagte sie: "Meine Reise ist eine andere Geschichte. Irgendwann wird die Zeit dafür sein, diese Geschichte zu erzählen, aber diese Zeit ist definitiv nicht heute."

Carol ging zum Herd, um sich eine neue Tasse Tee einzuschenken und sich dann wieder der "Geschichte der Zauberei" zu widmen, als sie sah, daß das Feuer wieder einmal fast erloschen war. Leise fluchend machte sie sich daran, es am Ausgehen zu hindern. Mit einer hektischen Bewegung versuchte sie Luft in die Flammen zu wedeln, ihr Ärmel streifte die Teekanne, die darauf ins schwanken kam. Wie in Zeitlupe fiel die Kanne vom Herd, zerbrach am Boden und verspritzte Tee in alle Richtungen. Knurrend schnappte Carol sich einen Lappen und begann die Bescherung aufzuwischen und die Scherben einzusammeln. Eine besonders spitze Scherbe bohrte sich in ihre Handfläche und Blut mischte sich mit dem Tee auf dem Boden und in dem Lappen.

"Himmel, Arsch und Wolkenbruch!" explodierte Carol, "was ist das heute bloß für ein verdammter Tag."

Lupin erhob sich ruhig, zückte seinen Zauberstab und sagte "Ratzeputz". Die Flüssigkeiten auf dem Boden verschwanden und mit einer weiteren Bewegung des Zauberstabs und einem gemurmelten Reparo stand die Kanne wieder intakt auf dem Herd. Er brachte noch schnell das Feuer wieder in Ordnung und wollte sich dann Carols blutender Hand zuwenden. Ein giftsprühender Blick liess ihn innehalten, dann flog ihm das tee- und blutgetränkte Tuch vor die Füsse.

Erstaunt sah er sie an. "Was ist denn los? Ich wollte doch nur helfen."

"Wenn Du helfen willst, dann geh raus und mach dem Welthunger ein Ende." fauchte sie ihn an.

Lupin zuckte zusammen, starrte sie verwundert an und warf dann Harry, der die ganze Szene beobachtet hatte, einen fragenden Blick zu. Harry zuckte unmerklich die Schultern.

Carol hielt ihre noch immer blutenden Hand unter den Wasserhahn und seufzte.

"Was ist denn los?" startete Lupin einen weiteren Versuch.

"Was los ist?" knurrte Carol, "das will ich Dir sagen: Ich weiss immer noch nicht, was ich hier eigentlich soll. Dumbledore besteht darauf, daß ich hier bleibe, weil er überzeugt ist, daß das wichtig ist. Aber ich komme mir hier völlig überflüssig und außerdem unfähig und dumm vor. Außerdem beneide ich Euch alle glühend, daß Euer Rumgefuchtel mit den Zauberstäben das Leben so enorm einfach macht." Sie holte tief Luft "Sind das genug Gründe, warum ich gerade nicht gerade in der Laune für ein fröhliches Pläuschchen bin?" Sie warf einen wilden Blick zu Lupin und Harry, die mit verwirrtem Blick am Tisch saßen.

Plötzlich erklang aus der Halle wieder einmal Mrs. Blacks kreischende Stimme mit einer lautstarken Hasstirade, weil Kingsley das Haus betreten hatte und dummerweise der Vorhang vor dem Bild nicht zugezogen war.

Carol wurde kreidebleich. sprang auf und rauschte wütend aus der Küche in die Halle. Sie blieb vor dem Gemälde der Gift und Galle spuckenden alten Frau stehen und brüllte aus vollem Hals: "Wenn Du verfluchte, dumme, widerwärtige alte Vettel nicht auf der Stelle den Mund hältst, dann schwöre ich, ich übermale Dein Bild mit schwarzer Lackfarbe!"

Mrs. Black verstummte.

In die plötzliche Stille hinein räusperte sich Kingsley und fragte leise: "was ist denn hier los?"

"Wir erarbeiten das Rezept für Stachelbeermarmelade, was denkst Du denn?" fauchte Carol ihn mit vor Sarkasmus triefender Stimme an.

Kingsley stand da wie vom Basiliken versteinert und Lupin, der in der Küchentür stand räusperte sich leise: „Es reicht jetzt, meinst Du nicht?"

Carol errötete noch ein wenig und murmelte dann „schulligung… das war ein Temperamentsausbruch. Ich bin irgendwie etwas überfordert grade." Sie lief tiefrot an und sah betreten auf den Boden.

„Ach so" sagte Kingsley trocken „ich dachte schon, es wäre etwas Schlimmes" und marschierte in die Küche. Carol atmete tief ein, entspannte sich wieder ein wenig und folgte ihm mit einem Anflug eines Lächelns

Wenig später tauchte Dumbledore mit einem kleinen Geschöpf im Haus auf, das er als Winky, die Hauselfe vorstellte. Carol nahm sie mit in eine Ecke der Küche, griff nach einem der Sitzkissen, die auf den Stühlen lagen, und legte es auf dem Boden vor sich. Sie deutete darauf und sagte zu Winky:" Setz Dich."

Die Elfe schaute erstaunt zu Carol hoch, setzte sich dann aber folgsam. Carol schnappte sich noch ein zweites Kissen, legte es vor das Erste und setzte sich selber darauf.

Dann sah sie sich das Geschöpf sehr genau an. Die riesigen Augen starrten sie voller Unsicherheit und Furcht an und Carol begann leise zu sprechen: „Winky, wenn ich das richtig verstanden habe, dann seid ihr Hauselfen Wesen, die gerne helfen. Ich brauche Hilfe. Mehr als ich gedachte hätte einmal Hilfe zu brauchen. Ich bin in einer Welt, in der ich fremd bin, in der ich mich kaum zurecht finde und ich weiss nicht mal, wie lange ich hier bleiben soll oder muss. Würdest Du das tun? Mir hier helfen und mich unterstützen bei was immer auch meine Aufgabe sein soll?"

Winky sah sie aus ihren riesigen Augen an und wackelte nachdenklich mit den Ohren. „Ja, das könnte ich tun" piepste sie leise.

Carol beugte sich vor und umarmte die kleine Elfe dankbar, die erschreckt nach Luft japste und rasch die Küche verliess.

Langsam trudelten die restlichen Mitglieder des Ordens ein und zogen sich in den Beprechungsraum zurück. Carol blieb in der Küche mit Harry, Dumbledore hatte ihr erklärt, er würde sie in den Orden einführen, wenn die Zeit dafür reif sei.

Im Besprechungsraum gab es großes Stimmengewirr, bis Dumbledore auf den Tisch klopfte und um Ruhe bat. Er sah sich um und sagte dann „Wir werden nicht auf Severus warten, er ist unterwegs und versucht Informationen zu bekommen, Wer weiss, wann er kommen kann. Ich weiss, Euch allen brennen Fragen auf der Seele, deshalb sind wir heute hier beisammen."

Moody hob den Kopf, sein magisches Auge drehte sich in Richtung Küche: „Wer ist sie genau, was tut sie hier und warum vertraust Du ihr?"

Dumbledore holte tief Luft und sagte dann ruhig: „Wer genau sie ist, weiss ich nicht. Ich habe sie auch erst kennen gelernt, als Filch sie mir in meinem Büro mehr oder weniger vor die Füsse warf. Minerva und ich hatten ein langes Gespräch mit ihr und ich kann Euch erstmal ein paar Dinge über sie verraten. Aufgefallen ist sie uns, beziehungsweise wir sind ihr aufgefallen, weil sie unsere durch Zauber verborgenen Orte sehen kann. Muggelschutzzauber bewirken bei ihr nur eine leichte Trübung der Sicht, wie einen Nebelschleier. So kam sie nach Hogwarts. Und dann ist da ein besonderes Gespür, das sie für Energien und Magie hat. Sie nennte Hogwarts einen Ort großer Macht, womit sie ja nicht so ganz Unrecht hat" er unterbrach sich und schmunzelte.

„Aber sie ist ein reiner Muggel? Ohne Zaubererblut?" meldete sich Arthur Weasley zu Wort.

Dumbledore schwieg einen Moment nachdenklich, dann sagte er: „Ja, ich denke das ist sie. Zaubererblut wie wir es kennen hat sie keines, sie ist auch so magisch unbegabt wie ein Squib. Aber ich habe ihn ihr eine Kraft gespürt, die ich nicht einordnen kann. Sie hat Zugriff auf Magie, daran besteht kein Zweifel, doch was das für eine Magie ist, ist bis jetzt unklar.

Sie selber hat uns nur erzählt, dass sie sich auf einer Suche befand, als sie Hogwarts entdeckte. Und dass sie sich durchaus verstellen könne, Hogwarts und unsere Welt sei ein Teil Ihrer Reise. Nicht das Ziel, da war sie sich sehr sicher.

Sie sagte, sie sei bereit, eine Weile bei uns zu bleiben und zu sehen, was hier passiert, weil sie denkt, das könne ein Teil ihrer Reise sein. Aber was genau sie ist, was für eine Macht ihr zur Verfügung stünde, darüber sagt sie nichts. Sie hat nur erklärt, das könne sie nicht sagen, dafür wäre die Zeit noch nicht reif.

Ich weiss, das ist alles sehr nebulös, aber ich weiss auch, dass es Magie gibt, die viel älter und viel mächtiger ist als alles, was wir kennen. Nur kann man diese uralte Magie nicht kontrollieren und beherrschen, soweit ich weiss.

Wir werden also alle warten müssen, was sich weiter entwickelt.

Ich kann nur aus tiefstem Herzen sagen, dass ich mir sicher bin, Carol hat eine Bedeutung für unseren Kampf. Sie hat nicht zufällig in dieser sehr kritischen Zeit unseren Weg gekreuzt."

Er schwieg und es wurden noch eine Menge Fragen gestellt.

Nach dem Ende der Versammlung begaben sich die meisten Mitglieder des Ordens in die Küche, wo sich Molly Weasley sofort daran machte, das Abendessen für alle zuzubereiten. Carol sah ihr voller Neid zu, wie sie mit wenigen Bewegungen des Zauberstabs die köstlichsten Dinge auf den Tisch brachte. Plötzlich sprang die Tür auf und eine Gestalt stürmte in den Raum. Ganz in schwarz gekleidet, mit langem strähnigen Haar und einer sehr markanten Nase im finsteren Gesicht rauschte der Mann nur Zentimeter an Carol vorbei.

„Hey, passen Sie doch auf, wohin sie treten, Sie Tram…!" brauste sie auf, brach jedoch unvermittelt mitten im Wort ab, als er sich ihr zuwandte und sie mit einem kalten Blick seiner fast schwarzen Augen durchbohrte, wie man ein lästiges Insekt mit einer Nadel aufspießt. Er musterte sie einige Sekunden lang, dann kräuselte er die Lippen und verdreht die Augen. Mit einem verächtlichen Schnauben und einer schwungvollen Drehung wandte er ihr den Rücken zu.

Er sprach mit samtigem Bariton als er zu Dumbledore sagte: „Ich habe eine neue Informationsquelle gefunden. Dort hoffe ich einige Details zu finden, die mir noch fehlen bei meiner Theorie über einen Plan, den eine Gruppe von Todessern offensichtlich verfolgt. Ich werde mich sofort zu dieser neuen Quelle begeben und für einige Tage keinen Kontakt mit dem Orden halten können. Nun muss ich mich beeilen, es bleibt nicht viel Zeit."

Mit diesen Worten verliess er das Haus.

Carol schnappte nach Luft und sagte: „ Was war das denn ?"

Lupin schmunzelte: „Das war Severus Snape." sagte er in bedeutungsschwerem Tonfall.

„Aaaaha…. „ erwiderte Carol noch immer wie betäubt. „Der Mann hat ein Gespür für einen gekonnten Auftritt" fügte sie mit einem Anflug ihrer alten Ironie hinzu.

„Seine Abgänge sind auch nicht von schlechten Eltern" murmelte Harry und Tonks grinste.

So aufgelockert wurde das Abendessen eine fröhliche Angelegenheit, bei der alle viel lachten und scherzten.

Nur Lupin saß stiller als sonst vor seinem Teller. Seine Gedanken schweiften ab, in zwei Tagen war Vollmond und nach Snapes Auftritt würde er in den nächsten Tagen keinen Wolfsbanntrank bekommen. Das bedeutete für ihn, er würde sich in der Vollmondnacht in einen der Kellerräume einschließen lassen und wieder mal die ganze Qual der unkontrollierten Verwandlung erleben müssen.

Carol beobachtete ihn verstohlen aus dem Augenwinkel und runzelte die Stirn.

Als endlich alle gegangen waren und auch Harry die Küche verlassen hatte, um ins Bett zu gehen machte sich Stille zwischen Carol und Lupin breit.

Er lehnte an der Wand neben der Tür und wollte gerade den Raum verlassen, um in sein Zimmer zu gehen. Carol ging an ihm vorbei, hielt inne und ging einen Schritt zurück. Nun stand sie genau vor ihm, nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. Sie sah ihm tief in seine Augen, hob eine Hand und legte sie flach an seine Brust. Einen Moment verharrten sie bewegungslos so, dann sagte sie leise: „Du bist ein Wolf, nicht wahr? Wunderbare Wesen, Ihr sind dem Wald und der Erde so nahe. Gerade deshalb liebt die Mutter Euch so viel mehr als andere Geschöpfe." Ihr Blick änderte sich und in ihren Augen war unbeschreiblicher Kummer zu sehen „Warum diese Liebe aber mit soviel Schmerz verbunden ist, das weiss keiner."

Einen Moment noch verharrte sie, dann löste sie ihre Hand von ihm und dreht sich um. Sie ging aus der Küche, dreht sich in der Tür noch einmal um und sagte: „Es gibt Hoffnung, weißt Du? Verzweiflung mag irgendwann richtig sein, aber nicht heute. Hab keine Angst vor dem nächsten Mond, es gibt immer Optionen mit denen keiner rechnet."

Mir diesen Worten liess sie einen völlig verblüfften Remus Lupin in der Küche zurück.