Kapitel 13: Alte Aufgaben neu verteilt

Nachdem alle gegangen waren, ging Carol noch einmal ins Krankenzimmer. Snape lag wie üblich in seinem Bett ohne eine Miene zu verziehen, ohne auch nur durch den Hauch einer Geste zu verraten, dass er ihre Anwesenheit zur Kenntnis genommen hatte.

Sie ging schweigend zu seinem Bett, setzte sich auf den Stuhl der daneben stand und sah ihn eine Weile schweigend an. In seinem Auge sah sie eine Wimper, die bei jedem Lidschlag unangenehm scheuern musste, doch er ließ sich nichts anmerken. Nach einigen Minuten bemerkte sie, wie er die Muskeln seines Oberarms verkrampfte, sein Gesicht angespannter wurde und sich sein Mund zu einer dünnen Linie verformte. Seine Hand zuckte leicht, doch mehr passierte nicht. Trotz aller Anstrengung gelang es ihm noch nicht, seinen Arm zu heben.

Carol sah ihm noch einen Moment stumm in die Augen, dann schob sie 2 Finger ihrer Hand sanft unter seinen Unterarm und hob ihn sacht an. Ohne den Blickkontakt zu lösen gab sie genau das Maß an Kraft dazu, das benötigt wurde, damit Severus seine Hand zum Auge führen konnte. Er rieb sich die Wimper aus dem Auge ohne ein Wort zu sagen, aber auch er unterbrach den Blickkontakt nicht.

Nach fast einer Stunde schweigenden Beisammenseins war keine Kälte mehr in seinem Blick. Er schien langsam Frieden mit ihrer Anwesenheit zu machen, aber vielleicht fügte er sich auch nur in das Unvermeidbare. Nach einem letzten Blick erhob sich Carol, strich ihm noch einmal sanft, wie zum Abschied über die Hand und verließ den Raum.

Am nächsten Tag betraten Carol und Lupin die Küche, als ihnen schon im Flur eine laute Stimme entgegen schallte: "Oh ja, geht fort und ihr sterbt vielleicht. Bleibt hier und ihr lebt, wenigstens eine Weile... ". Sie sahen sich mit fragendem Blick um und betraten schmunzelnd die Küche, wo sich ihnen ein ganz erstaunlicher Anblick bot. Hermine stand auf dem Tisch und rief mit donnernder, magisch verstärkter Stimme: "... und wenn ihr dann in vielen Jahren sterbend in eurem Bett liegt, währet ihr dann nicht bereit jede Stunde einzutauschen von heute bis auf jenen Tag, um einmal nur, ein einziges Mal nur wieder hier stehen zu dürfen, um euren Unterdrückern zuzurufen: "ja sie mögen uns das Leben nehmen, aber niemals nehmen sie uns - UNSERE FREIHEIT!""

Ron und Harry saßen am Ende des langen Tisches und sahen mit gequältem Blick zu ihr hoch. Winky wuselte um den Herd herum und murmelte fast unhörbar: „Winky möchte nicht sterben, auch nicht für Freiheit. Winky möchte still und zufrieden leben und putzen und kochen und nicht sterben, bitte."

Carol hob die Hand, um Hermine zu einer Unterbrechung aufzufordern. Hermine hielt inne, deutete mit ihrem Zauberstab auf ihre Kehle und sagte: "QUIETUS", dann sah sie Carol fragend an.

"Hermine, das ist eine Rede von William Wallace, Du solltest Dir vielleicht überlegen, aus den Reden der großen Freiheitskämpfer etwas Eigenes zu destillieren. Du musst den Geist der Worte begreifen und ihn weitergeben. Aber ansonsten war das schon sehr gut." sagte Carol mit einem aufmunternden Lächeln zu Hermine.

"Und nun wollen wir frühstücken."

Nach dem Frühstück verließ Carol das Haus um Dinge zu besorgen, von denen sie nichts verraten wollte. Als sie später zurück kam war sie schwer beladen. Eine Kiste mit Ziegelsteinen und ein großer Beutel "Mauerblitz - der extra schnell härtende Zement" landeten im Flur auf dem Boden. Harry, Ron, Hermine und Lupin sahen sie mit fragenden Gesichtern an und nur in Hermines und Harrys Augen begann nach einem Moment Verstehen zu dämmern.

"Was willst Du denn mauern?" fragte Harry grinsend.

"Wen ich einmauern will, wäre die richtige Frage", erwiderte Carol mit einem verschmitzen Lachen. "Ich finde, die Halle kann einen Mauervorsprung vertragen und wie es der Zufall so will, ist das Portrait der unsäglichen Mrs. Black dummerweise an der Stelle, die mir dafür vorschwebte. Wie ärgerlich, dass sie ihr Portrait mit einem Dauerklebefluch an der Wand befestigt hat, sonst hätten wir es umhängen können."

Ihre Augen glitzerten mit einer sonst bei ihr unbekannten Härte. "Ich werde nicht länger zuhören, wie dieses verfluchte Weib hier ihr Gift versprüht. Ihre menschenverachtenden Ansichten haben wir lange genug angehört."

Sie schritt energisch in die Halle und mit der Hilfe des Trios sowie Lupin machte sie sich an die Arbeit.

Einige Stunden später war die Arbeit erledigt und die Wand hatte einen zwar recht knubbeligen Vorsprung, der noch verputzt und gestrichen werden musste, aber das Portrait der alten Mrs. Black war verschwunden.

Harry betrachtete die noch feuchte Wand und sagte leise mit einer Spur Wehmut in der Stimme: "Sirius hätte die Idee gefallen." Tränen stiegen ihm in die Augen und er drehte sich schnell weg um in sein Zimmer zu gehen. Carol lächelte, sie wusste, was sie noch plante und ahnte, dass es Harry freuen würde.

Sie schlug einen Nagel in die Wand, zog ein gerahmtes Foto hervor, das sie von Lupin bekommen hatte und hängte es auf. Besucher wurden nun von zwei jungen Männern begrüßt, die schallend über irgendetwas lachten und dann fröhlich in die Kamera winkten. James und Sirius wirkten auf diesem Bild, als gäbe es nichts, um das man sich Sorgen machen, müsse und ihre ausgelassene Freude war ansteckend.

Molly und Arthur Weasley befanden sich auf einer langen und mühseligen Reise. Sie hatten den rasenden Conquistadore genommen, einen schienenlosen Zug, der sich auf magische Weise durch Süd- und Mittelamerika bewegte. Mit dem Conquistadore sollten sie bin in die vereinigten Staaten reisen, von wo aus sie in Ruhe weitersehen wollten. Zwar schien Eile geboten, aber wichtiger noch war Unauffälligkeit, sie durften unter keinen Umständen Aufmerksamkeit auf sich lenken. Es war mittlerweile klar - und der Vorfall in Cancun hatte das schmerzhaft bestätigt - dass Voldemort seine Schergen überall hatte und man musste mit Spionen und Verrätern rechnen. Deshalb wollten die Weasleys kein Risiko eingehen und lieber langsamer vorankommen.

Sie saßen also im rasenden Conquistadore und durchquerten einen halben Kontinent.

Der restliche Tag am Grimmauldplatz verlief ereignislos und am Nachmittag trudelten wieder verschiedene Ordensmitglieder ein. Es war unübersehbar, dass ihre Begründungen, warum sie nun unbedingt heute wieder hier sein mussten etwas fadenscheinig waren und die Neugier auf Jaspers erneutes Erscheinen war deutlich spürbar.

Als alle zusammen in der Küche saßen und Tee tranken brachte Moody wieder einmal seinen Unmut über Snape zum Ausdruck.

"Der ungehobelte Kerl könnte wenigstens etwas Dankbarkeit zeigen, das wäre ja wohl das Mindeste", knurrte er: "Immerhin hast Du ihm das Leben gerettet, Carol. Und wie behandelt er Dich? Als wärest Du sein Feind."

Harry, Ron und Hermine schauten interessiert zu Moody, Carol rührte nachdenklich in ihrem Tee.

„Diese Lebensrettungsgeschichten sind ein zweischneidiges Schwert", sagte sie leise: „Man tut demjenigen, den man rettet nicht immer nur einen Gefallen. Sicher, man hat sein Leben gerettet, aber was noch? Man hat ihm zusätzlich eine Schuld auf den Rücken geladen, die fast nicht abzutragen ist. Das ist schwer auszuhalten, für beide Seiten. Und noch schwerer ist es, wenn man ein so stolzer Mensch ist, wie Severus Snape.

Man kann damit noch einigermaßen umgehen, wenn es sich um einen Freund, einen engen Vertrauten oder ein geliebtes Mitglied der Familie handelt.

Aber was soll ein Mensch wie Severus empfinden, wenn jemand wie ich ihm das Leben rettet?

Er hat das Gefühl, mir etwas zu schulden, etwas so Großes, dass er diese Schulden sein Leben lang mit sich herum tragen muss. Das alleine schon ist furchtbar schwierig zu ertragen. Dazu kommt aber noch, dass die ganze Umwelt genau diesen Gedanken nicht kennt und erwartet, dass er sich dankbar zeigt." Sie sah Moody in sein normales Auge. „Damit ist die Last, die er in seinem Leben sowieso schon zu tragen hat noch schwerer geworden und es gibt nichts, was er dagegen tun kann.

Die Forderung nach Dankbarkeit ist eine Demütigung für ihn, mit der er nur sehr schwer umgehen kann, ich selber werde froh sein, wenn er mir eines Tages verzeihen kann. Mehr erhoffe ich mir nicht, aber meine Freude darüber wäre unbeschreiblich groß.

Es geht doch eigentlich nicht um Dankbarkeit, oder?

Man sollte niemanden retten, damit der dann dankbar ist. Man sollte einfach tun, was man glaubt tun zu müssen, weil man glaubt, dass es das richtige ist. Und dann kann man nur hoffen, dass der Andere einem die Last verzeihen kann, die man ihm aufgebürdet hat.

Gerade Severus kennt genau diese Situation, schon einmal hat ihm jemand das Leben gerettet und das war sein schlimmster Feind. Er hat schon damals lernen müssen, wie schwer die Last der Lebensschuld sein kann, ich werde nichts tun, um diese Last noch zu vergrößern. Wenn es ihm das Leben erleichtert, mich dafür zu hassen, dann werde ich seinen Hass mit Freude hinnehmen. Denn schließlich habe ich ihm das Leben nicht dafür gerettet, das es noch schwerer oder irgendwann unerträglich für ihn wird."

"Hübsch gesagt, Kleines" klang es von der Tür. Alle wandten die Köpfe und dort stand Jasper. Lässig wie immer, mit einem breiten, glücklichen Lächeln im Gesicht. Tonks verschluckte sich an ihrem Tee, ihre Haare verfärbten sich tiefschwarz, als sie an einem Hustenanfall fast erstickte. Kingsley klopfte ihr beruhigend auf den Rücken und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Jasper sah einmal in die Runde und er sagte ruhig: "Tut mir leid Leute, aber ich muss erst einmal mit jemandem reden, dann können wir zum spaßigen Teil des Abends kommen." Er lachte frech.

Dann schlenderte er zum Tisch, knuffte Lupin gegen die Schulter und sagte: "Hey, wo können wir ungestört reden?"

Lupin sah ihn verwundert an, stand dann aber auf und ging zur Tür: "Wir können zu mir gehen", sagte er und verließ die Küche.

Sie gingen die Treppe hinauf zu Lupins Zimmer. Es war karg möbliert, wirkte aber trotzdem freundlich. Jasper sah sich genau um, dann deutete er auf ein kleines braunes Ahornblatt, das in einer zierlichen Glasschale auf einem Tischchen stand: "Was ist das?"

Lupins sagte: "Das Blatt war in meinem Haar an dem Morgen nachdem Carol...also nach der Nacht, in der sie..." er verstummte und sein Gesicht verfärbte sich leicht rosa.

Jasper sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauchen und einem zufrieden-amüsierten Gesichtsausdruck an.

Dann sah er sich weiter im Zimmer um, zeigte auf einen Büchertisch neben dem zwei verschlissene, aber gemütlich aussehende Sessel standen: "Können wir uns setzen, oder bestehst Du darauf, hier in der Mitte stehen zu bleiben."

Lupin zuckte zusammen, als wäre er mitten aus einem Tagtraum gerissen worden, dann lächelte er Jasper an und machte eine einladende Geste zu der Sitzgruppe.

Sie setzten sich, Lupin zog den Zauberstab aus der Tasche und ließ mit einer eleganten Bewegung Tee auf dem Tischchen erscheinen.

Jasper sah Lupin einem Moment lang ruhig an: "Du bist also der Wolf", sagte er mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck.

Lupin murrte leise: "Offenbar scheint jeder, der hier neu auftaucht von meinem Problem zu wissen", er erwiderte Jaspers Blick, doch seine Miene wurde verschlossen.

Jasper betrachtete ihn weiter: "Mann, das ist..." er schien ein Wort zu suchen: „ toll. Ich beneide Dich. Das ist... unglaublich." Jaspers Gesicht leuchtete vor Begeisterung.

Lupin runzelte die Stirn: "Was ist daran toll? Ich werde einmal im Monat zur reißenden Bestie, ich töte Menschen, wenn sie das Pech haben mir in der Zeit zu begegnen. Ich bin gefährlich, eine böse Kreatur." Aus Lupins Stimme klang eine Mischung aus Zorn und Trauer.

"Was redest Du da für einen Unsinn", erwiderte Jasper in einem Tonfall, in dem man ehrlich empfundenes Unverständnis hören konnte.

"Du wirst einmal im Monat zu einem Tier. Du folgst den Instinkten dieses Tieres, bist frei und wirst ein Teil der Natur. Natürlich bist Du dann gefährlich. Die Natur ist nun mal gefährlich. Viele Tiere sind gefährlich. Feuer und Wasser sind sowohl Lebensspender als auch Todesbringer. Wind ist gefährlich und Bergrutsche können tödlich sein. Alles in der Natur ist eine potenzielle Gefahr. Gefährlich, aber nicht böse. Die Natur unterscheidet nicht zwischen gut und böse. Sie ist einfach was sie ist. So, wie Du auch. Als Wolf geht von Dir Gefahr und Wildheit aus, aber auch Kraft und Freiheit. Das ist weder gut noch böse, es ist einfach so, wie die Natur es haben will.

Oh Mann, ich beneide Dich um die Freiheit. Ich wünschte, es gäbe so was wie Werhaie. Ich wünschte, ich könnte so ein Wesen im Wasser sein." Er strahlte Lupin mit einer derartigen Begeisterung an, dass dessen Kummer und Zorn verrauchten und einem angenehmen Gefühl der Wärme wichen.

Dann wurde Jasper schlagartig ernst als er sagte: "Ich muss Dich um etwas bitten, Mann. Es ist wichtig, wirklich wichtig, sonst würde ich hier sicher nicht so einen Aufstand darum machen." Er schaute zu Lupin, der ihn fragend ansah.

"Worum geht es?"

"Um Carol."

"Was ist mit ihr?"

"Sie braucht Dich."

"Mich?" Lupin klang ungläubig. "Es ist wohl eher umgekehrt. Ohne sie wäre ich noch im Krankenzimmer und Mme. Pomfrey würde sich mit den diversen Riss- und Bisswunden herumschlagen, die ich mir selber zugefügt hätte in Ermangelung anderer Opfer." Er sah zu Boden.

Jasper schwieg einen Augenblick, dann sagte er: "Ja, das passt. Sie kann jedem helfen, nur sich selber nicht. Sie passt auf jeden auf, nur auf sich selber nicht. Sie glaubt auch nicht, dass das nötig ist. Sie hält sich ja für unwichtig. "Ein Werkzeug", so nennt sie sich immer." Lupin zuckte bei der Bezeichnung zusammen und nickte.

"Als ob sie als Person völlig unwichtig wäre und nur die Aufgabe zählen würde", fuhr Jasper fort. "Sie braucht jemanden, der sie beschützt, sonst wird sie das hier nicht überleben. Sie ist tatsächlich eine Art Werkzeug geworden, aber das heißt nicht, dass ihr Leben mit der Erfüllung ihrer Aufgabe enden muss, oder? Aber das wird es, wenn niemand aufpasst, dass sie als Mensch noch eine Bedeutung behält. Sie selber ist nur allzu gern bereit, sich als Mensch aufzugeben, wenn das helfen könnte, den Krieg zu gewinnen." Er seufzte.

Lupin sah ihn bestürzt an: "Was heißt das, sie wird es nicht überleben, wenn keiner auf sie aufpasst?"

"Carol hat viele Fähigkeiten, aber überhaupt kein Talent auf sich selber aufzupassen. Schau sie Dir doch jetzt an. Sie sieht schrecklich aus. Grauenhaft, nur noch ein Gespenst. Als sie nach Hawaii kam und wir uns trafen, war sie das blühende Leben, sie sprühte vor Lebensenergie." Sein Blick schweifte in die Ferne und seine Stimme wurde träumerisch: "Sie war wunderschön, wie eine Waldelfe, die im Morgengrauen auf einer Lichtung tanzt, wenn die ersten Sonnenstrahlen das Grau des beginnenden Tages aufbrechen und sich tausendfach in den vielen Tautropfen brechen. Sie war schön wie das Leben selbst." Er schwieg einen Moment, dann fuhr er fort: "Ich weiß, was sie für Euch getan hat und das war auch völlig richtig so. Ich hätte es auch getan, aber sie hatte nur Glück, dass ihre Kräfte ausgereicht haben. Sie hätte auch weitergemacht bis zu ihrem Tod, wenn das nötig gewesen wäre um Euch zu beschützen. Sie beschützt das Leben und sie ist nicht bereit, dabei Kompromisse zu machen."

Jasper sah Lupin direkt in die Augen und zum ersten Mal, seit Lupin ihn getroffen hatte wirkte Jasper ernst und zutiefst besorgt.

"Für Carol kann diese ganze Geschichte nur auf drei mögliche Arten enden. Die eine ist, dass ihr Leben mit der Erfüllung ihrer Aufgabe endet. So wird es geschehen, wenn keiner darauf achtet, dass sie ihr Leben und ihre Aufgabe trennt. Wenn keiner ihr zeigt, dass sie als Mensch wichtig ist, dass sie wertvoll ist auch ohne die Aufgabe.

Die andere Art ist, dass sie ihre Aufgabe erfüllt und danach weiterlebt. Einfach so.

Und die dritte ist, dass sie ihre Aufgabe nicht erfüllen kann, weil sie vorher oder dabei getötet wird. Auch das ist möglich, aber diese Möglichkeit verschwindet mehr und mehr im Dunkeln, seit sie hier bei Euch ist."

Lupin wirkte zutiefst erschüttert. "Woher weißt Du das alles?"

"Ich sehe die Zukunft. Oder besser, ich sehe eine mögliche Zukunft. Nichts ist sicher, nichts ist vorherbestimmt. Aber es gibt immer einige Möglichkeiten, die ich sehen kann.

Es ist eine grausame Gabe, denn ich kann zwar sehen, was geschehen wird, aber ich weiß auch, dass jeder Versuch die Geschicke in eine andere Richtung zu lenken einen Preis hat. Das ist schwer zu erklären, aber rette ich beispielshalber einer Person das Leben, indem ich ihr sage, sie soll nicht zu einem bestimmten Ort gehen, dann wird in der von mir geänderten Zukunft ein anderer Mensch an dem Ort sterben, der ursprünglich gar nicht dort war. Man kann mit dem Schicksal handeln, aber es nie betrügen."

Lupin starrte Jasper mit einer Mischung aus Erstaunen und Mitgefühl an: "Aber was ist mit Dir? Kannst Du sie nicht beschützen? Seid ihr nicht... ich meine, habt ihr nicht..." er unterbrach sich und schwieg.

Jasper lächelte breit: "Du meinst, ob ich sie liebe? Ja. Aus tiefstem Herzen, so wie ich eine Schwester lieben würde. Carol ist ein Teil von mir, so wie ich ein Teil von ihr bin. Wie sind einander tief verbunden, aber nicht auf eine romantische Weise, falls Du das meinst.

Aber mach Dir keine Hoffnung, Wolf. Sie erlaubt niemanden sie zu lieben. Sie erlaubt nicht einmal sich selber sich zu verlieben. Sie weiß, wie gefährlich das ist, was sie tut und wer immer sie liebt könnte ja Schmerz erleiden, wenn sie stirbt.

Sie ist so dumm. Als würden wir nicht trotzdem leiden wie die Hunde, wenn sie fort wäre. Aber das sieht sie nicht, sie will immer nur alle beschützen und erlaubt sich selber dabei nicht einmal das Gefühl der Liebe. Natürlich liebt sie das Leben und alle lebenden Wesen. Aber die Liebe zu einem Mann oder seine Liebe zu ihr erscheint ihr zu kostbar, als dass sie sie an sich selber verschwendet sehen wollte.

Sie ist so klug und doch in manchen Dingen so dumm."

Er schwieg einen Moment.

"Und was Deine Frage angeht, warum ich sie nicht beschützen kann", fuhr er fort: "Ich werde nicht da sein, wenn sie Schutz braucht. Mein Weg endet woanders.

Also, was ist, Wolf? Wirst Du mir versprechen, sie zu beschützen, auf sie aufzupassen und da zu sein, wenn die Finsternis nach ihr greift?"

"Natürlich verspreche ich Dir das" sagte Lupin erschüttert und verwirrt von all dem, was er gehört hatte.

Jasper nickte und strahlte Lupin dann an: "Ich wusste, dass man sich auf Dich verlassen kann. Nun lass uns mal wieder zu den Anderen in die Küche gehen, ich schätze, die wundern sich sowieso schon, wo wir bleiben."