Kapitel 21: Wissen und Lernen…
Severus Snape beugte sich tiefer über das alt und wichtig aussehende Buch, in dem er nun seit Stunden las. Er selber merkte nicht, wie die Zeit verging, zu sehr war er in seine Arbeit vertieft und zu sehr faszinierte ihn, was er las.
Augusta Jacobsen war mehrmals leise an seinen Tisch getreten und hatte ihm einen Becher mit Tee hingestellt. Jedes Mal, wenn sie wieder an den Tisch kam, war der Becher leer, doch Snape schien weder ihre Anwesenheit noch den wechselnden Füllzustand des Teebechers bewusst wahrzunehmen. Augusta lächelte, sie wusste, was es hieß, in Studien vertieft zu sein. Noch einmal tauschte sie den Becher und ließ ihm einen vollen stehen, dann verließ sie das Krankenzimmer um in ihre Privaträume nebenan zu gehen.
Snape griff nach seinem Becher und zuckte zusammen, als er merkte, wie heiß der Tee war. Stirnrunzelnd betrachtete er die dampfende Flüssigkeit. Er hätte schwören können, dass er vor einer Weile den Becher geleert hatte. Außerdem hätte der Tee, selbst wenn noch ein Rest da gewesen wäre inzwischen eiskalt sein müssen. Einen Moment noch starrte er auf den Becher, dann nahm er einen vorsichtigen Schluck, stellte den Becher beiseite und mit ihm schob er auch den Gedanken an den sich scheinbar magisch erneuernden Tee von sich.
Er konzentrierte sich wieder voll und ganz auf seine Forschungen, die langsam immer mehr immer Erstaunlicheres hervorbrachten. Langsam zog er ein weiteres Buch zu sich heran und sein Blick schweifte wieder zu einer flachen Schale, in der die kleine, unschuldig wirkende, gelbe Blüte lag. Eine seltsame Faszination ging von ihr aus, besonders, seit ihm langsam immer klarer wurde, dass es sich scheinbar wirklich um eine Legende, um verloren geglaubtes Wissen handelte. Wenn er seinen Büchern trauen konnte und dem, was er aus Gesprächen und Geschichten erinnerte, dann könnte es sich um eine Trevia Blüte handeln.
Diese Pflanze galt unter Kräuterkundigen als etwas, über das man seit Generationen hörte, aber das man nur sehr eingeschränkt glaubte.
Denn obwohl es über diese Pflanze viele Überlieferungen gab, waren die Aufzeichnungen bruchstückhaft und vieles Gesagte kam offensichtlich aus dem Reich der Sagen. Sicher war, dass es in dieser und den vorhergehenden Generationen niemanden gab, der diese Pflanze mit eigenen Augen gesehen hatte.
Laut den ungenauen Aufzeichnungen in verschiedenen Büchern hatte Snape herausgefunden, dass es sich scheinbar um eine Hybridpflanze handeln musste, deren Kombination sehr unwahrscheinlich oder gar schier unmöglich war. Es war immer angenommen worden, dass es nicht möglich war, magische Unterwasserpflanzen mit nichtmagischen Bergkräutern zu kreuzen, doch genau das war die Trevia-Pflanze. Die Überlieferungen beschrieben sie genau, aber es war nie gelungen, so eine Kombination zu züchten. Und so war es auch nicht wissenschaftlich beschrieben, wie die Wirkung einer solchen unmögliche Blüte war. Einzig Geschichten über ihre erstaunliche Wirkung, und die Folgen gab es.
Snape hatte zwar über die Pflanze gehört, aber sich nicht weiter damit befasst, da es keine wissenschaftliche Grundlage gab, um damit zu arbeiten. Natürlich hatte er auch davon gehört, was sie in bestimmten Tränken bewirken würde, immerhin wurde auch darüber ausführlichst spekuliert, aber ihn interessierte das nicht, denn da es diese Pflanze nicht gab, so glaube er bis heute, hatte es keinen Sinn, sich über Wirkungsweisen in Tränken Gedanken zu machen.
Und nun lag sie hier. Direkt vor ihm.
Die Möglichkeiten waren enorm, wenn er darüber nachdachte, was für Studien mit einem existierenden Exemplar möglich waren.
Wieder blieb sein Blick auf der Blüte hängen und er dachte noch einmal, wie erstaunlich unschuldig sie doch aussah. Lupins Gesicht erschien vor seinem geistigen Auge, wie er unruhig geblinzelt hatte, als er erzählt hatte, wie Jasper ihn überlistet hatte. Snape überlegte einen Moment, dann fügte sich das Bild wieder wie ein weiteres Puzzelteil in das bisher herausgefundene.
Tatsächlich schien der Duft der Blüte, obwohl er betörend schön war als ein extrem starkes Narkotikum zu wirken, wenn man ihn mehr als zweimal hintereinander einatmete. Alle Aufzeichnungen beschrieben, dass man ein- bis zweimal ohne jede Wirkung an ihr riechen konnte. Nur bei den Angaben, wann es zum Einsetzen der betäubenden Wirkung kam, wichen die Überlieferungen von einander ab. Und auch die sehr drastischen, aber weitestgehend unklar beschriebenen Nachwirkungen waren sowohl was die Zeit des Auftretens als auch die Heftigkeit der Wirkung nur unbestimmt und sehr abweichend beschrieben worden.
Wirklich ausprobieren sollte man das alles lieber nicht, sinnierte Snape mit einem Anflug von Nervosität, als sein Blick wieder auf die Blüte fiel. Zwar war klar, dass sie in sicherer Entfernung lag, aber nach Allem, was er über die Nebenwirkungen in Erfahrung gebracht hatte, hatte er sich fest vorgenommen, extrem vorsichtig zu sein.
Seine Gedanken schweiften ab, er sah wieder das verwirrte und höchst unglückliche Gesicht Lupins vor sich. Snape fragte sich, was die Trevia-Blüte wohl bei ihm angerichtet haben könnte. So wenig er Lupin mochte und so sehr er ihn immer wieder mit den verhassten Maraudern und dem Debakel um die Flucht Sirius Blacks assoziierte, er war ein Verbündeter, der auf der Seite des Ordens kämpfte. Ein eigenartiger Bund in der Tat, aber Snape diszipliniert genug, um die Gegebenheiten zu akzeptieren. Wenigstens war es Lupin und nicht Potter oder Black, den das Schicksal ihm hier als Kampfgefährten ausgesucht hatte. Er erinnerte sich an unzählige Begegnungen in den Gängen von Hogwarts und auf dem Gelände, bei denen er zwar nicht immer die Auseinandersetzungen verlor, aber doch häufig genug, um die kumulierenden Demütigungen unvergessbar in seine Seele einzubrennen. Erneut loderte tief empfundener Hass in ihm auf, glühende Nadeln schienen sich in seinen Kopf zu bohren.
Er schüttelte den Kopf und sah wieder die so harmlos aussehende Blüte an. Mit einer raschen Bewegung stülpte er eine gläserne Schale darüber und seufzte. Sie länger in der Umgebung zu haben und verdünnt ihren Duft einzuatmen schien auch nicht ganz ohne Wirkung zu sein, nur hatte er bisher darüber keine Informationen gefunden. Dennoch konnte er sich nicht vorstellen, dass die soeben erlebte Erinnerung und die emotionale Reaktion darauf völlig ohne Verbindung zu der Blume sein konnte. Sicherlich schmerzten die Erinnerungen noch immer, aber gerade in der letzten Zeit hatte er begonnen Abstand zu finden. Die letzten Jahre in der Gegenwart von Potters Sohn hatten die Vergangenheit noch einmal sehr aufgewühlt und er hatte begonnen, sich emotional von ihr zu distanzieren. Dazu kamen die Worte, die er von Carol gehört hatte und die letzten Tage der Ruhe, in denen er viel nachgedacht hatte.
Umso erstaunlicher schien ihm der eben erlebte Ausbruch.
Er warf wieder einen Blick auf die Blüte. Zart gelb und unbeschreiblich harmlos wirkend lag sie unter der gläsernen Kuppel.
Snape ließ den Blick über seine Bücher schweifen und erkannte, dass er Hilfe brauchen würde, wenn er dem Geheimnis der legendären Blüte auf die Spur kommen wollte. Er zog ein Stück Pergament zu sich heran und schrieb hastig mehrere Zeilen darauf. Dann faltete er es sorgfältig und steckte es in die Tasche.
Carol sah mit wachsender Besorgnis auf Lupins zusammengesunkene Gestalt. Sie sah, dass sein Gesicht wächsern war, soweit sie es erkennen konnte. Sie schob ihn vorsichtig rückwärts, so dass er auf den Überresten des Bettes zu liegen kam. Noch immer reagierte er nicht, doch sein fahles Gesicht schien angespannt.
Zögernd, fast ängstlich streckte sie die Hand aus, um seine Wange zu berühren. Ein Schaudern durchlief ihren Körper, als sie daran dachte, was sie vielleicht fühlen würde, wenn ihre schlimmsten Befürchtungen sich bewahrheiteten.
Ihre Fingerspitzen berührten seine Haut und sanft strich sie darüber. Ihre Hand kam auf der Seite seines Gesichtes zum Liegen und sie spürte, wie kalt seine Haut war. Langsam hob sie die andere Hand und ließ die Finger über seine Stirn gleiten, bis sie einen bestimmten Punkt nahe der Schläfe erreichte. Sie schloss die Augen und konzentrierte sich auf ihn.
Wie eine eisige Woge donnerte ihr Verzweiflung und Schmerz entgegen. Sie versuchte kurz dem standzuhalten, um sich Remus erkennen zu geben, damit er in diesem Inferno nicht aufgab, aber die dunklen Empfindungen streckten sich aus nach ihr, als witterten sie frische Beute. Sie spürte, wie das Grauen versuchte, ihren Geist und ihre Seele zu erreichen, um auch sie in diese mentale Hölle zu ziehen.
Mit einem Aufschrei löste sie ihre Hände von Remus. Schweißperlen standen ihr auf der Stirn, als sie ihn wieder ansah.
Was immer das war, was er dort erlebte, es war grausam und sie musste schnellstmöglich etwas dagegen unternehmen. Klar war, dass sie alleine dem nicht gewachsen war. Fieberhaft überlegte sie, was sie tun könnte, dann kam ihr ein Einfall. Hogwarts. Er musste nach Hogwarts, dort war Mme. Pomfrey und Carol war sicher, dass sie Remus würde helfen können. Da sie ihn aber weder tragen konnte, noch die Magie beherrschte, ihn anderweitig dort hin zu bringen, blieb nur eine Möglichkeit. Sie musste ihn alleine lassen und Hilfe holen.
Verzweifelt versuchte sie eine andere Lösung zu finden, denn um Nichts in der Welt wollte sie ihn in diesem Zustand hier alleine lassen. Kurz verfluchte sie die Tatsache, dass sie keine Hexe war, dann siegte wieder ihr Pragmatismus und sie erhob sich.
Bevor sie das Zimmer verließ, beugte sie sich noch einmal über Lupin, strich ihm sanft über das Gesicht und sagte leise: „Gib nicht auf, bitte. Ich hole Hilfe und bin so schnell es geht wieder bei Dir. Es kann einen Moment dauern, aber gibt nicht auf."
Dann sprang sie auf und verließ eilig die heulende Hütte. Es war dunkel geworden und auf der Strasse sah sie sich kurz um, um sich zu orientieren, dann folge sie der Wegbeschreibung nach Hogwarts, die sie von Dumbledore erhalten hatte.
Der dunkle Schatten in dem alten, verkrüppelten Baum neben der Hütte drehte träge den Kopf und sah ihr nach, folgte ihr aber nicht.
Severus Snape erhob sich und ging langsam die Treppen hinauf in den Raum unter dem Dach, der mehrere Eulen beherbergte, die dem Orden zur Verfügung standen. Manchmal mussten mehrere Nachrichten gleichzeitig losgeschickt werden und da es unpraktisch war, wenn Ordensmitglieder alle ihre privaten Eulen zu Treffen mitbrachten, hatte Sirius von zwei Jahren diesen Raum für die Eulen zur Verfügung gestellt.
Ein Dachfenster war geöffnet und an der Wand liefen Stangen entlang, auf denen die großen Vögel hockten und dösten.
Ein braun gesprenkelter Waldkauz dreht den Kopf, als Snape den Raum betrat. Er streckte den Arm aus und der Kauz ließ sich darauf nieder. Nachdem er das Pergament erhalten hatte, breitete er seine imposanten Flügel aus und verschwand mit einer eleganten Kurve durch das Fenster. Snape sah ihm einen Augenblick nach und verließ dann den Raum.
So gerne er auf die Antwort gewartet hatte, er musste noch etwas anderes erledigen. Der Orden brauchte dringend Gewissheit, was das Artefakt und die Schriftrolle anging. Ein Schaudern ergriff ihn, als er an seinen letzten Kontakt zu den Todessern dachte und unbewusst verstärkte sich sein humpeln, als die erlittene Qual sich wieder in sein Bewusstsein drängte. Er griff nach dem Treppengeländer, als sein Bein drohte, unter ihm nachzugeben.
Nach einigen Momenten hatte er sich wieder unter Kontrolle und kehrte in das Krankenzimmer an seinen Arbeitstisch zurück.
Er grübelte, wie er es schaffen konnte, ungefährdet an Informationen zu kommen.
Nach dem Erlebnis auf der Lichtung konnte er nicht genau sagen, ob seine Position als Spion noch sicher war. Und wenn er ganz ehrlich war, fürchtete er in tiefsten seines Inneren eine Wiederholung des Geschehenen.
Dennoch war er nicht bereit, aufzugeben. Sollte sich noch irgendein Weg finden, seine Position beizubehalten, so würde er ihn beschreiten. Zu wertvoll waren die Informationen und der damit verbundene Vorsprung, den er Dumbledore und dem Orden verschaffen konnte. Er atmete tief ein und überlegte erneut.
Plötzlich schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf: Tensborrow.
Der junge Todesser war erst seit kurzer Zeit bei Voldemorts Gefolgsleuten und sah Snape als eine Art Mentor an. Snape hatte diese Tatsache bisher als eher unangenehm und lästig empfunden, da der junge Mann sich immer wieder an ihn wandte um sich Rat und Hilfe zu holen.
Jetzt jedoch schien es sich als ein Segen zu erweisen, dass er so anhänglich und vertrauensvoll war. Zumindest war Severus sich sicher, dass der junge Mann keine ernsthafte Gefahr sein würde, selbst wenn es ihm nicht gelingen würde, seine Tarnung aufrecht zu halten. Natürlich bestand das Risiko, dass Tensborrow sich einem anderen Todesser anvertrauen würde, der daraufhin eine Falle für Snape vorbereiten würde. Er zögerte kurz bei dem Gedanken, aber verwarf ihn dann wieder. Tensborrow war zu schüchtern und Voldemorts Organisation war nicht darauf ausgelegt, Vertrauen und Sorge unter den Mitgliedern aufzubauen. Er konnte also ziemlich sicher sein, dass der junge Mann weder von dem Vorfall auf der Lichtung wusste, noch den Mut haben würde, jemanden anderes über ein Treffen mit Snape zu informieren.
Er verließ wieder das Krankenzimmer und ging in die Küche, um Kontakt mit Tensborrow durch das Flohnetzwerk aufzunehmen. Als das erledigt war und er ein Treffen in zwei Stunden vereinbart hatte, ging er wieder zu seinem Schreibtisch. Er setzte sich noch einen Moment auf den Stuhl und versuchte seinen schmerzenden Körper zu entspannen. Seine langen Nachforschungen und die plötzlichen Bewegungen hatten ihn mehr erschöpft, als er zugeben wollte und auch der Schmerz hatte wieder erheblich zugenommen. Er knurrte unwillig darüber, dass sein Körper ihn im Stich ließ, jetzt, wo keine Zeit war, sich auszuruhen. Andererseits konnte er froh sein, dass er überhaupt noch lebte, das machte er sich ein weiteres Mal klar und seine Gedanken gingen zu Carol.
Schließlich erhob er sich, um das Haus zu verlassen. Er wollte bereits eine Stunde früher am Treffpunkt sein, um sich genau umzusehen und den Ort dann von einer sicheren Stelle aus zu beobachten, falls doch eine Falle aufgebaut wurde. Das würde ihm die Möglichkeit geben, unbemerkt zu verschwinden, wenn es zum Schlimmsten kam und er verraten worden wäre.
Er stand auf, griff nach seinem Umhang, den er sich im Gehen über die Schultern warf.
In der Tür wäre er fast mit Augusta zusammengeprallt, die vom Instinkt des Heilers geleitet genau im richtigen Moment nach ihrem Patienten sehen wollte.
„Was glauben Sie, wohin Sie gehen?" Ihre Stimme klang scharf und ihr Blick schien ihn am Boden festzunageln.
Er warf ihr einen seiner berüchtigten Blicke zu, der jeden anderen zu Eis hätten erstarren lassen, an Augusta jedoch scheinbar wirkungslos abprallte.
„Das ist meine Privatsache und geht Sie nichts an, Mme. Jacobsen. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir nun aus dem Weg gehen würden, damit ich meinen Angelegenheiten nachgehen kann", er feuerte einen weiteren Blick auf sie ab, „ungestört, wenn ich bitten darf."
Augusta blieb unbeeindruckt in der Tür stehen und versperrte ihm so den Weg nach draußen. Sie erwiderte seinen Blick ohne zu blinzeln und sagte eine Spur versöhnlicher: „Sie sind mein Patient und so geht es mich eine Menge an, wenn Sie Dinge tun wollen, die ihren Gesundheitszustand noch weiter verschlechtern." Sie sah ihn streng an und wich noch immer keinen Zentimeter zur Seite.
Snape hob eine Augenbraue: „Noch weiter verschlechtern? Ich dachte, Sie waren mit meinen Fortschritten zufrieden?" Ironie troff aus seinen Worten.
„Bisher ja", erwiderte Augusta ruhig und ihre Miene wurde weicher und Sorge spiegelte sich in ihrem Blick, „aber Sie haben Ihre Ruhezeiten heute nicht eingehalten und mit Verlaub gesagt, jetzt gerade sehen Sie aus wie Buttermilch mit Spucke."
Sie musterte ihn eindringlich: „Sie haben Schmerzen." Es war eine Feststellung, keine Frage.
Snape schüttelte den Kopf: „Es geht mir unter den gegebenen Umständen gut. Wir haben keine Zeit, uns von meinem eingeschränkten Zustand behindern zu lassen." Er wollte nichts dringender, als den Raum verlassen, aber Augusta Jacobsen stand in der Tür wie ein Fels in der Brandung und zeigte keinerlei Ambitionen, seinen Wünschen nachzugeben.
„Ich werde nicht erlauben, dass Sie Sich gefährden, Mr. Snape. Sie überschätzen Sich, sie sehen nicht, wie fragil Ihr Zustand zurzeit ist und ich wäre keine Heilerin, wenn ich Ihnen auch nur einen einzigen Schritt nach draußen erlauben würde."
Severus Snape war ein Mann, der wusste, wann er verloren hatte und so sah er nur noch einen Weg hier heraus. Er sah Augusta Jacobsen eindringlich in die Augen, sein Blick war Erklärung und Bitte zugleich.
„Wir brauchen die Information, hinter der ich her bin. Und nur ich kann sie besorgen, denn der Mann, der sie hat vertraut nur mir. Bitte, es hängt eine Menge davon ab."
Sein Blick hielt den der Heilerin fest und unterstrich seine Worte.
Augusta schwieg einen Moment, dann fällte sie eine Entscheidung.
„Sie werden zwei Medikamente von mir zu sich nehmen, bevor sie gehen. Ich werde mir Ihr Bein noch einmal ansehen und es bei Bedarf noch einmal verbinden. Und erst, wenn ich sage, dass sie gehen können, werden Sie gehen." Sie machte eine kurze Pause. „Haben wir uns verstanden?"
Snape seufzte theatralisch, dann nickte er und drehte sich um, um für die Untersuchung seines Beines hinzulegen.
Nachdem sie ihm ein Mittel gegen die Schmerzen und einen Stärkungstrank verabreicht hatte und sein Bein mit einer nervenberuhigenden Salbe verbunden hatte, musste Snape zugeben, dass sie recht gehabt hatte. Er wäre in seinem vorherigen Zustand nicht weit gekommen, auch wenn er sich das nicht hatte eingestehen wollen.
Augusta nickte zufrieden, als er sich vom Bett erhob und wieder ankleidete.
„Gut. Nicht so gut, wie ich es gerne hätte, aber das muss wohl genügen. Ich schätze, es hat wenig Sinn, zu versuchen, Ihnen Ihren Ausflug noch auszureden?"
Snape schüttelte stumm den Kopf.
„Nun gut." Augusta sah nicht sehr glücklich aus, ihren Patienten in seinem alles andere als perfekten Zustand gehen zu lassen, aber immerhin war er in deutlich besserer Verfassung als vor ihrer Behandlung. „Kann ich noch etwas für Sie tun?" fragte sie in sanfterem Tonfall.
Er zögerte kurz, dann nickte er knapp: „Ich erwarte eine dringende Eule von Professor Sprout. Wenn Sie so freundlich wären, sie entgegenzunehmen und mir die Nachricht auf den Schreibtisch zu legen?"
Augusta nickte und er drehte sich ohne ein weiteres Wort um und ging. Voller tief empfundener Besorgnis sah sie ihm nach und seufzte kummervoll.
Mark Tensborrow sah sich mehrmals um, als er sein Haus in Kensington verließ. Er war sich nicht sicher, ob es wirklich eine gute Idee war, zu so einem geheimen Treffen zu gehen. Er war erst seit einem Jahr wieder in England, zuvor hatte er seine Ausbildung an einer spanischen Schule beendet. Seine Mutter war Spanierin und nachdem sein englischer Vater nach dem Sturz Voldemorts bei einem Kampf von Auroren getötet worden war, hatte seine Mutter ihn mit sich in ihre Heimat nach Toledo genommen. Sie war eine treue Anhängerin Voldemorts, wie auch ihr verstorbener Mann und sie gab auch nach der Flucht diese Werte an ihren Sohn weiter. Sie wollte ihrem Meister damit dienen, ihm einen treuen und zuverlässigen Gefolgsmann zu übergeben, wenn seine Zeit erneut gekommen war.
Nun schien die Zeit gekommen zu sein.
Mark war stolz, endlich seinen Platz in der Armee des dunklen Lord einzunehmen, immerhin war er sein ganzes Leben lang darauf vorbereitet worden.
Als er nach England kam und das Haus seines Vaters bezog, hatte er sich zunächst etwas gewundert, dass es immer noch der Familie gehörte und damit praktisch sein Eigentum war. Seine Mutter hatte ihm zwar viel über die englischen Traditionen, was Familie angeht informiert, aber auch sie war ja erst in eine englische Familie eingeheiratet, so dass ihr Wissen nicht aus erster Hand stammte.
Er bezog also das schöne Stadthaus in Kensington und wurde schrittweise in die Kreise der Todesser aufgenommen.
Schon bei der ersten Versammlung war ihm ein Mann aufgefallen, der ihn durch seine Haltung und die wenigen Worte, die er an den dunklen Lord richtet zutiefst beeindruckt hatte.
Diese dunkel gekleidete Gestalt mit dem markanten Gesicht schien für ihn der Inbegriff des aufrechten Todessers, der für seinen Herrn durch die Hölle gehen würde. Mark fühlte sofort, so wollte er auch werden.
Er versuchte sich diesem Mann zu nähern und erstaunlicherweise tolerierte dieser ihn in seiner Nähe. Wenngleich er ihn nur bei Treffen sah und sonst nur Kontakt durch Eulen hielt, hatte Mark doch das Gefühl, wenn sein Vater noch lebte, wäre er Severus Snape sehr ähnlich. Und wenn er schon seinen Vater verloren hatte, so hatte er sich hier einen Mentor erobert.
Und obwohl ihn jetzt ein ungutes Gefühl beschlich, dass es nicht gut war, sich spät abends zu treffen, so vertraute er doch dem Lehrer genug, um ohne Fragen zu stellen seiner Aufforderung nachzukommen.
