Kapitel 22: Ein schwerer Weg
Langsam sank Hermine der Kopf auf die Brust, während sie in einem kuscheligen Sessel im Gemeinschaftsraum der Gryffindors saß und in einem Buch über das Selbstverständnis Generationen übergreifend unterdrückter Völker las.
Seufzend legte sie den Wälzer zur Seite und drehte sich zum ihren Freunden um, die flüsternd nahe dem Kamin saßen.
„Wir werden morgen nach dem Unterricht in der Mystik-Abteilung der Bibliothek versuchen, etwas über diese mysteriöse Kraft des Lebens herauszufinden. Es muss darüber ja wohl etwas geben, oder?" Hermine klang milde empört bei der Vorstellung, dass es keinerlei geschriebenes Material über eine Sache geben könnte, über die sie mehr zu erfahren wünschte.
Harry sah sie an und musste lächeln. Das war so sehr Hermine, er schmunzelte bei dem Gedanken, dass kein Vielsafttrank der Welt jemals ihm oder Ron eine falsche Hermine würde vorspiegeln können.
„Was gibt es da zu grinsen?" fragte Hermine misstrauisch, als sie seinen Gesichtsausdruck sah.
„Nichts, schon gut", erwiderte Harry und wandte sich an Ron, die unterbrochene Unterhaltung wieder aufnehmend.
„Du hast nicht mit ihr geredet, Ron. Sie will Dumbledore nicht ausstechen, sie sieht nur einige Dinge etwas anders. Und sie sagt, dass er sich in einem einzigen speziellen Punkt geirrt hat."
Ron knurrte unwillig: „Trotzdem. Wir kennen Professor Dumbledore seit Jahren und er hatte immer recht mit dem, was er gesagt hat."
Harry schüttelte leicht den Kopf. „Nicht immer, er hat mir gegenüber schon zugegeben, dass seine Einschätzung manchmal nicht ganz richtig war."
Ron riss die Augen auf und sah Harry erstaunt an.
„Naja", versuchte Harry das gesagte zu relativieren, „es waren keine riesigen Irrtümer, aber es zeigt mir, dass niemand, auch nicht Dumbledore, unfehlbar ist. Und das heißt, dass Carol durchaus auch recht haben könnte."
„Logisch gefolgert", sagte Hermine anerkennend und unterdrückte ein Gähnen.
„Aber das können wir auch morgen weiter besprechen, jetzt sollten wir schlafen gehen."
Sie sammelte ihre Bücher ein, wünschte Ron und Harry eine gute Nacht und verschwand durch die Tür zum Mädchenschlafsaal.
Carol lief den Weg zum Schloss hinauf und erreichte etwas außer Atem die Eingangstür. Sich suchend umsehend durchquerte sie die große Halle die wie ausgestorben vor ihr lag. In den dahinter liegenden Gängen war auch kein Mensch zu sehen und Carol überlegte krampfhaft, wie sie am schnellsten Kontakt zu Dumbledore oder McGonagall aufnehmen konnte. Sie versuchte sich die Gänge und Treppenaufgänge von ihrem letzten Besuch ins Gedächtnis zu rufen, doch das Schloss war einfach zu verwirrend und außerdem war sie damals nie alleine hier unterwegs gewesen, sondern immer in Begleitung eines Ortskundigen. Sie sah sich verzweifelt um und suchte nach einer Lösung. Nach ein paar Sekunden kam ihr eine Idee. Sie drehte sich in dem Gang einmal herum und musterte die an den Wänden hängenden Portraits.
„Hören Sie mir zu", sagte sie an die Bilder gewandt, „bitte sorgen Sie dafür, dass Professor Dumbledore oder Professor McGonagall erfahren, dass ich hier bin. Mein Name ist Carol Featherton, die Beiden kennen mich. Bitte, es handelt sich um einen Notfall, ich brauche unverzüglich Hilfe!"
Einige der Portraits murrten unwillig über die Störung ihrer abendlichen Ruhe, doch einige andere schienen erkannt zu haben, dass es sich um etwas Ernstes handelte und waren aus ihren Rahmen entschwunden und bewegten sich über andere Bilde aus dem Gang heraus.
Carol überlegte einen Moment, ob sie weiter herum laufen sollte, um darauf zu hoffen, zufällig jemandem über den Weg zu laufen, der ihr helfen konnte. Doch sie entschied sich, dass es besser wäre, hier zu bleiben, damit die Leute aus den Bildern genau sagen konnte, wo sie war.
Es vergingen nur wenige Minuten, dann erschien Dumbledore und ging auf sie zu. Er bedankte sich bei einem älteren Mann mit Hasenzähnen, der sich mit einen selbstzufriedenen Gesichtsausdruck wieder auf die Ledercouch auf seinem Portrait fallen ließ.
Der alte Zauberer sah Carol mit Besorgnis an, als er sie fragte, was denn los sei. Carol berichtete ihm von Lupins Zustand und der Schulleiter schüttelte voller Sorge den Kopf.
„Wir sollten sofort zu Poppy gehen, sie weiß sicher Rat", versuchte er Carol zu beruhigen.
Gemeinsam gingen sie zur Krankenstation, wo sie Mme. Pomfrey in ein aufgeregtes Gespräch mit Professor Sprout vertieft vorfanden.
Beide sahen auf, als der alte Zauberer den Raum betrat und sahen die Neuankömmlinge fragend an.
Dumbledore erklärte kurz die Situation und Carol schilderte so genau es ihr möglich war Lupins Zustand und ließ auch das nicht aus, was sie in seinem Bewusstsein gespürt hatte.
Mme. Pomfrey runzelte die Stirn, wandte sich dann an Professor Sprout und fragte: „Könnte das etwas mit dieser Pflanze zu tun haben, von der Sie mir berichtet haben?"
Die kleine Kräuterkundlerin fuchtelte aufgeregt mit den Armen und nickte dabei heftig.
„Wenn ich den Brief von Professor Snape richtig verstanden habe, dann war es Remus Lupin, der dem Duft der Blüte ausgesetzt war. Und genau wegen der möglichen Folgen hat er mich ja kontaktiert."
Dumbledore blickte fragend von einer zur Anderen und Mme. Pomfrey fasste kurz das ihr bekannte zusammen. Sie erklärte, Professor Sprout habe eine Eule von Severus Snape erhalten, in der er seinen Verdacht mitteilte, die Blüte, die Jasper bei Lupin zurück gelassen habe wäre eine Trevia-Pflanze. Diese Pflanze existiere eigentlich nur in Legenden und dementsprechend wären ihre Wirkungen und Nebenwirkungen nur sehr bruchstückhaft und teilweise auch in sagenform dokumentiert.
Allerdings waren viele Aufzeichnungen sich einig, dass die Trevia-Blüte außer ihrer Wirkung als starkes Narkotikum auch eine scheußliche Nebenwirkung habe. Sie verstärke alle negativen Empfindungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens erlebt und empfunden hat.
„Der Wirkstoff der Blüte scheint als eine Art Focus zu fungieren, der alle diese Empfindungen in der Seele eines Menschen aufspürt und bündelt", fuhr sie mit der Erklärung fort. „Der Mensch wird mit der konzentrierten Kraft dieser schrecklichen Erinnerungen und Gefühle überflutet und ertrinkt quasi in Kummer und Verzweiflung. In manchen Schriften wird die Trevia als eine Art pflanzliche Version der Dementoren bezeichnet. Auf einen rundum glücklichen Menschen hat das Gift eigentlich keinerlei Nebenwirkung, wenn der betäubende Effekt abgeklungen ist, aber wer ist schon immer frei von Unglück und Kummer gewesen." Sie seufzte.
„In einigen der wenigen Berichte über die Pflanze steht, dass die Wirkung umso stärker wird, je schlimmer Kummer, Trauer und Sorgen waren, die der Betroffene in seinem bisherigen Leben erlebt hat."
Dumbledore war bleich geworden und Carol, die zwar nicht wusste, was Dementoren waren, erkannte aber doch, dass es nichts Gutes bedeutete, was sie dort hörte.
Mme. Pomfrey mischte sich ein: „Es ist kein lebensbedrohlicher Zustand, in dem Professor Lupin sich befindet, sehr unangenehm, aber nicht gefährlich. Ich werde kurz einen Trank bereiten, der dafür sorgt, dass die Wirkung so weit abgeschwächt wird, dass man den Patienten erwecken und bei der Selbstheilung unterstützen kann. Es ist zwar kein spezifisches Gegenmittel zu dem Gift, aber es ist in vielen ähnlichen Zuständen hilfreich und sollte auch hier seine Wirkung zeigen. Leider hat der Wirkstoff des Trankes nur eine sehr kurze Haltbarkeit, so dass man ihn nicht bevorraten kann, er muss also immer frisch zubereitet werden."
Sie seufzte. „Es ist sehr bedauerlich, dass Severus nicht hier ist, er könnte den Trank wahrscheinlich in der halben Zeit zubereiten."
Die agile Kräuterkundelehrerin erklärte, sie wolle schnell ein paar frische Ingredienzien für den Trank holen und verschwand mit einer kurzen Liste in der Hand, die die Schulkrankenschwester ihr in der Zwischenzeit angefertigt hatte.
Sie drehte sich zu Dumbledore und Carol um und sagte ruhig: „Wollen Sie mir folgen, dann können Sie bei der Zubereitung des Trankes zusehen und wir gehen gemeinsam nach Hogsmead um Remus zu behandeln?"
„Sollte nicht besser jemand gleich hingehen, damit er nicht alleine ist?" fragte Carol besorgt und man konnte ihr deutlich ansehen, dass sie am Liebsten sofort aufgebrochen wäre.
„Sie können nichts tun, meine Liebe", erwiderte Mme. Pomfrey sanft und strich Carol beruhigend über den Arm. „Er würde niemanden bemerken und es täte Ihnen selber nicht gut, dort länger bei ihm zu sein", fügte sie hinzu.
Sie reichte Carol und Dumbledore je einen Becher mit einer milchigbraunen Flüssigkeit und lachte, als sie Carols Gesicht sah: „Nun schauen Sie nicht so, das ist Tee."
Mit routinierten Bewegungen wandte Sie sich ihrem Arbeitstisch zu und begann mehr oder minder undefinierbare Dinge aus Gläsern und Schachteln zu nehmen. Sie breitete alles auf der Arbeitsfläche aus und zog Messer, Walzen und ein kleines Beil aus einer Schublade.
Langsam und sorgfältig zerhackte und zerdrückte sie die Zutaten, zupfte an dem einen und anderen herum, und warf ein paar Ingredienzien in einen Kessel, der leise und zufrieden über einer Flamme vor sich hinblubberte. Einige andere legte sie zur Seite und rührte dann vorsichtig und konzentriert die Flüssigkeit um.
Carol empfand die Sorgfalt und Kompetenz, die von dieser Arbeit ausging als beruhigend und entspannte sich langsam.
Nach einigen Momenten öffnete sich die Tür erneut und Professor Sprout kam mit einigen Blättern und Stängeln in der Hand zurück. Mme. Pomfrey nahm sie lächelnd entgegen und machte sich dann wieder konzentriert daran, die Pflanzenteile vorzubereiten und dem brodelnden Trank beizumischen.
Die Kräuterkundlerin griff sich derweil auch einen Becher Tee und setzte sich zu Dumbledore und Carol.
Sie blickte über den Rand ihrer Tasse und erzählte, was sie zuvor mit der Krankenschwester besprochen hatte.
„Ich habe eine Eule von Severus bekommen, der mir mitteilte, er habe den Verdacht, Jasper hätte eine Trevia-Blüte verwendet, um Lupin zu betäuben. Severus war sehr unsicher, ob es wirklich sein konnte, aber der Verdacht erhärtete sich, je mehr er nachforschte. Er war zwar sehr zurückhaltend in seinen Äußerungen, da es wissenschaftlich nicht definitiv beweisbar ist, was man über diese Pflanze weiß, aber immerhin reichte sein Verdacht aus, um mich um meine Expertise zu bitten.
Man nennt die Trevia-Blüte auch „Janus-Pflanze", denn sie hat zwei Gesichter. Das Gesicht des Schmerzes und das der Heilung. Soweit mir bekannt ist, verursacht der Duft der Blüte einen sehr schmerzvollen psychischen Zustand, mit dem wir es ja offensichtlich hier zu tun haben. Ich habe mich eingehend mit alten Geschichten und Legenden über angeblich ausgestorbene Pflanzen befasst und die Trevia ist eine der Faszinierendsten."
Sie mache eine Pause und sah nachdenklich in ihre Teetasse.
Ein leises Zischen war aus dem Kessel zu hören, dessen Inhalt mittlerweile eine orange-rote Färbung angenommen hatte.
Mme. Pomfrey nickte zufrieden und legte den Rührstab zur Seite, nahm sich eine Tasse Tee und setzte sich zu den anderen.
„Noch einen Viertelstunde köcheln lassen, dann die gehäckselte Opossumleber dazu und er ist fast fertig", sagte sie mit einem zufriedenen Lächeln und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder Professor Sprout zu.
„Ähm.. ja. Das Janus-Gesicht der Trevia", versuchte diese den Faden wieder aufzunehmen, „es ist nicht sehr viel aufgezeichnet worden über das andere Gesicht der Pflanze, nur, dass man die Blütenkelche, Blätter und einen bestimmten Teil des Stiels in einen Trank verarbeiten kann, der", sie machte eine theatralische Pause, „einen Menschen von der Schwelle des Todes zurück holen kann."
Sie blickte in die Runde und fuhr dann fort: „Und fragen Sie mich jetzt bitte nicht, was genau das bedeuten soll, ich habe darüber nur sehr wenig Wissen. Nur dass der Trank ausgesprochen schwierig herzustellen ist und es fast unmöglich sein soll, ihn korrekt zuzubereiten."
„Dann ist das eine Aufgabe, die wir Severus überlassen sollten", warf Dumbledore ein und die beiden Frauen nickten.
Carol blickte immer wieder zu dem Kessel und schien kaum zuzuhören. Die Sorgen, die man in ihrem Gesicht lesen konnte waren fast greifbar, wie eine Aura, die sie pulsierend umgab.
Dumbledore musterte sie einen Moment und sagte dann: „Ich denke, Carol sollte Poppy zur heulenden Hütte begleiten, sobald der Trank fertig ist."
Carol und die Krankenschwester nickten fast synchron und Professor Sprout erhob sich.
„Ich werde in mein Büro gehen und weitere Nachforschungen über die Pflanze und die verschiedenen Wirkungen anstellen. Außerdem werde ich Professor Snape eine Eule schicken mit der Bitte, nach Hogwarts zu kommen, sobald es ihm möglich ist."
Sie bemerkte den Blick, den Dumbledore ihr zuwarf und fügte hinzu: „Nur damit wir unsere Erkenntnisse und Unterlagen über die Pflanze und einiges anderes, das dieser Jasper scheinbar bei ihm hinterlassen hat abgleichen können."
Mme. Pomfrey nickte zustimmend. „Ich werde Augusta eine Eule schicken, dass ich ein Auge auf ihn haben werde und er nicht zum Unterricht oder anderen anstrengenden Tätigkeiten zugelassen wird." Sie schmunzelte. „Sonst wird Augusta ihn mit Sicherheit nicht aus dem Haus gehen lassen."
Dumbledore nickte und strich sich den langen weissen Bart.
„Gut, dann melden Sie sich in meinem Büro, sobald Sie näheres über Remus wissen und Severus hier ist. Wir können dann gemeinsam beratschlagen, wie wir weiter vorgehen wollen. Ich werde derweil in der Küche sehen, ob es für uns vielleicht noch etwas für ein spätes Nachtmahl gibt." An die Krankenschwester gewandt sagte er: „Wenn Sie mir den Brief an Severus geben, bringe ich ihn in die Eulerei und sorge dafür, dass er sicher auf den Weg gebracht wird, dann können Sie hier bei dem Trank bleiben und verlieren keine Zeit."
Mme. Pomfrey warf noch einen kritischen Blick in den Kessel, bevor sie ein Stück Pergament heran zog, einige Worte darauf schrieb und es Dumbledore in die Hand drückte. Sie nickte ihm dankbar zu und drehte sich wieder zu dem Trank um.
Dumbledore warf Carol noch ein aufmunterndes Lächeln zu und verließ dann gemeinsam mit Professor Sprout den Krankenflügel.
Der Trank gab ein lautes Blubbern von sich und wechselte seine Farbe in ein leuchtendes Türkis.
Zufrieden nickend füllte die Krankenschwester eine Phiole ab und sagte zu Carol: „Gut, dann können wir gehen."
Gemeinsam machten die beiden Frauen sich auf den Weg zur heulenden Hütte.
Severus Snape erreichte erschöpft und mit zunehmenden Schmerzen das Hauptquartier. Er war zufrieden mit dem Erreichten und sicher, dass es keinerlei Probleme geben würde, was seine Tarnung oder Tensborrows Überzeugung anging.
Augusta erwartete ihn bereits an der Tür und musterte ihn mit besorgter Miene. Allerdings machte sie nicht den Eindruck, ihm Vorhaltungen machen zu wollen, was ihn ungemein beruhigte.
Als er jedoch an ihr vorbei zu seinem Arbeitstisch und dann zu seinem Bett gehen wollte, hielt sie ihn mit einer raschen Geste auf.
„Ich habe eine Nachrichten für Sie", sagte sie in ungewöhnlich mildem Tonfall. „Kommen Sie am besten mit in das Krankenzimmer, dann kann ich Sie behandeln, während Sie lesen."
Sie deutete mit gerunzelter Stirn auf sein Bein, wo Blut aus dem Hosenbein sickerte.
„Die Wunde ist aufgerissen, Sie haben das Bein zu früh zu stark belastet."
Resolut schob sie ihn auf eines der Betten zu.
„Haben Sie starke Schmerzen?"
Er zögerte einen Moment, nickte dann aber wahrheitsgemäß. Es würde wenig Sinn machen, sie zu belügen und außerdem sehnte er sich nach Ruhe und schmerzstillender Behandlung, auch wenn es ihn nach wie vor schwer fiel, das einzugestehen.
Sobald er lag untersuchte sie sein Bein, legte einen neuen Salbenverband auf und sprach einen Heilzauber. Dann verabreichte sie ihm noch einen Stärkungstrank, der schon bereit stand und reichte ihm die Nachricht von Professor Sprout.
Er las sie konzentriert, dann sah er von dem Glas mit dem Trank zu der Heilerin und wieder zu dem Glas. Er nickte verstehend.
„Ich werde gleich aufbrechen, ich vermute, der Trank lässt darauf schließen, dass Sie informiert wurden, sonst hätte ich eher mit einem Schlaftrunk gerechnet." Er hob dezent amüsiert die Augenbraue.
Augusta schmunzelte und nickte: „Ihre logischen Fähigkeiten sind weder durch Schwäche noch durch Verletzung zu beeinträchtigen", erwiderte sie und half ihm aufzustehen.
Sie musterte ihn kritisch.
„Wird es gehen?"
„Ich denke ja, es ist ja keine schwierige Reise."
„Sie werden sich sofort nach Ihrer Ankunft bei Poppy melden und sich strikt an ihre Anweisungen halten." Ihre Miene wurde wieder streng.
Er nickte und ging in die Küche, um durch den Kamin in das Büro des Schulleiters zu reisen.
Als zwei Gestalten sich raschen Schrittes der heulenden Hütte näherten, drehte der Schatten im Baum den Kopf. Seine Kopfbewegung folgte ihnen, als sie ohne ihn zu bemerken das Gebäude betraten und als sie verschwunden waren, erhob er sich und segelte elegant aus dem alten Baum in einen anderen Baum am Weg, der nach Hogsmead führte. Auch hier verschmolz er nach der Landung sofort mit seiner Umgebung und war unsichtbar selbst für das suchende Auge.
Mme. Pomfrey und Carol betraten den Raum, in dem Carol Lupin zurück gelassen hatte. Er lag unverändert auf dem halb zusammengebrochenen Bett, Schweißperlen liefen von seiner Stirn auf den Stoff, der unter seinem Kopf lag. Es war nicht klar erkennbar, ob es nur Schweiß war, oder ob er sich mit Tränen vermischt hatte. Carol eilte auf ihn zu, hockte sich sofort neben ihn und strich ihm über das Gesicht und wischte sanft die Flüssigkeit weg.
Ihr Magen krampfte sich zusammen, als sie ihn so dort liegen sah und mit einem Hilfe suchenden Blick wandte sie sich an die Krankenschwester.
Diese beugte sich über Lupin und untersuchte ihn sorgfältig. Sie brummte unwillig, als sie einen Blick in seine Pupillen warf und zog dann die kleine Phiole aus der Tasche. Sie träufelte einige Tropfen daraus auf Lupins Lippen.
Zuerst geschah nichts, dann kam ein leiser Seufzer über seine Lippen. Noch immer hatte er die Augen geschlossen und das Gesicht in Schmerz verzerrt, aber er bewegte die Lippen und schien rudimentär auf die Flüssigkeit zu reagieren.
Mme. Pomfrey träufelte weitere Tropfen auf Lupins Lippen und er öffnete leicht den Mund, um die Substanz aufzunehmen. Carol streichelte weiter sanft sein Gesicht und er schluckte. Langsam entspannten sich seine Züge und die Augenlider flatterten, während Poppy geduldig weitere Tropfen auf seine Lippen fallen ließ.
Langsam spürte Lupin dass sich etwas veränderte. Hoffnung keimte in ihm auf, als würde ein kleiner unscheinbarer Bach die Wüste der Trostlosigkeit, in der er sich befand durchfließen. Er wollte sich darauf stürzen, wie auf einen Rettungsanker, aber noch war der Bach nicht erreichbar, flimmerte wie eine Fata Morgana. Er versuchte sich darauf zu konzentrieren und dem klebrigen Sog von Verzweiflung und hoffnungslosem Trübsinn zu entkommen.
Langsam schienen seine Versuche, sich davon zu lösen Früchte zu tragen und er begann etwas Neues wahrzunehmen. Er spürte eine kühle Feuchtigkeit auf seinen Lippen, als tropfte dort irgendetwas immer wieder auf ihn herab. Die Flüssigkeit sammelte sich in seinem Mund und er schluckte. Ein leicht bitterer Nachgeschmack breitete sich in seinem Mund aus und füllte merkwürdigerweise seinen gesamten Empfindungskosmos aus. Mildes Erstaunen machte sich in ihm breit, als er langsam zu verstehen begann, dass sein Empfinden bis eben von Schmerz und Kummer dominiert worden war und seine Seele sich hungrig auf jedes andere Gefühl stürzte, nur um nicht in den Abgrund der Tristesse zurückfallen zu müssen. Er versuchte noch mehr sich auf äußere Impulse zu konzentrieren, auf einer tiefen Ebene des Denkens war ihm klar geworden, dass jetzt in ihm selber nur Dunkelheit war und alles andere nur von außen kommen konnte. Also bemühte er sich, sich auf die Sinneseindrücke zu fokussieren, um dem Grauen zu entkommen.
Wie auf eine unausgesprochene Frage fühlte er plötzlich ein zartes Streichen auf seiner Haut. Erstaunt nahm er wahr, wie angenehm dieses Gefühl war und wie leicht es ihm fiel, alles andere dagegen zu verdrängen.
Langsam wurde ihm klar, dass es Finger waren, die dort immer wieder über sein Gesicht strichen, sanft dessen Konturen entlang fuhren und einen Moment lang fragte er sich, wer so viel Zärtlichkeit für ihn empfinden mochte. Er konzentrierte sich auf die Berührung der Fingerspitzen und merkte, dass eine seltsame Wärme von ihnen ausging, die sich langsam in ihm ausbreitete.
Er fühlte sich, als wäre ein altes Sehnen endlich erfüllt worden und wünschte sich nur noch, die zärtliche Berührung würde nie mehr aufhören.
Snape erschien wie abgesprochen in Dumbledores Kamin, klopfte sich den Staub vom Umhang und sah sofort, dass der Schulleiter sich offensichtlich für eine größere Besprechung gerüstet hatte.
Zentral im Raum stand ein länglicher Tisch mit Stühlen, den Snape hier noch nie gesehen hatte und darauf standen die verschiedensten Lebensmittel und Getränke.
Dumbledore bedeutete Snape mit einer einladenden Geste, Platz zu nehmen, der jedoch wandte sich der Tür zu.
„Ich werde die Gelegenheit nutzen, noch ein Paar Dinge aus meinem Büro zu holen", wandte er ein und Dumbledore nickte. Der alte Zauberer hoffte, dass es der Krankenschwester und Carol gelingen möge, Lupin heil herzubringen.
Es gab eine Menge zu besprechen und er hoffte, dass alle Beteiligten in ausreichend guter Verfassung sein würden und dass ihre baldige Wiederherstellung sichergestellt war.
Wenige Minuten später kam Snape zurück in sein Büro, eine große Tasche in der Hand, die er in einer Ecke abstellte.
Dumbledore reichte ihm eine Tasse und deutete auf einen der Stühle am Tisch. Der Tränkemeister setzte sich und sah seinen Schulleiter fragend an.
Dieser musterte Snape mit einem langen Blick und fragte dann leise: „Wie steht es, Severus?"
Schweigen.
„Severus?"
„Es geht mir gut."
Der alte Mann musterte Snape ruhig, jedoch mit leicht bohrendem Blick.
Snape fühlte sich unbehaglich. Er begann von seinen Nachforschungen und den ersten Ergebnissen über die Blüte zu berichten. Dumbledore hob die Hand und unterbrach ihn.
„Severus, das meine ich nicht, und das weißt Du auch genau."
Schweigen.
„Wie gehst Du damit um, erneut gerettet worden zu sein?"
Manchmal verfluchte Snape den alten Zauberer für seine direkte Art. Als blicke er einem Menschen direkt ins Herz und fände instinktiv den Punkt um den sich alles drehte.
Dumbledores väterlicher Blick ruhte weiterhin auf ihm und vermittelte Vertrauen und Anerkennung und wie schon so oft entspannte er sich langsam unter diesem Blick.
Leise und fast wie zu sich selbst sagte er: „Es ist gar nicht so schwer. Ihre Art erleichtert es sehr, etwas von ihr zu bekommen."
„Manchmal kann es nicht schaden, eine angebotene Freundschaft auch anzunehmen, Severus", warf Dumbledore ein und Snape sah verwundert auf. Güte und tief empfundene Zuneigung spiegelte sich in den Augen Dumbledores, als ihre Blicke sich trafen.
Snape seufzte und schwieg.
Madame Pomfrey verschraubte das Fläschchen mit dem Trank sorgfältig und steckte es zurück ich ihre Tasche. „Das sollte genügen. Zumindest um die Katatonie zu durchbrechen, die weitere Heilung dürfte kein Problem sein, wenn ich das richtig einschätze." Sie sah etwas unzufrieden aus, was kein Wunder war, da die Wirkung der Trevia-Blüte so wenig erforscht und dokumentiert war.
Lupins Gesicht war inzwischen völlig entspannt und obwohl er die Augen weiter geschlossen hatte, war ihn anzumerken, dass von dem Schrecken, der ihn beherrscht hatte kaum noch etwas übrig war. Er öffnete die Augen, als sich Madame Pomfrey über ihn beugte und ihn leise ansprach. Zwar sagte er kein Wort, aber sein Blick, der von Poppy zu Carol wanderte sprach Bände.
Und obwohl er keine sichtbaren körperlichen Schäden hatte, war er ausgesprochen wackelig auf den Beinen, als er versuchte mit Hilfe der zwei Frauen aufzustehen.
Madame Pomfrey fackelte nicht lange, beschwor mit einem eleganten Schwung ihres Zauberstabs eine Trage herauf und Lupin wurde von ihr darauf manövriert. Viel Kraft, sie gegen diese professionelle Bemutterung zu wehren hatte er ohnehin nicht und so ließ er es geschehen, hielt nur Carols Hand fest, die sie wie selbstverständlich ergriffen hatte. Und so verließ eine merkwürdige Gruppe die heulende Hütte in Richtung Hogwarts.
Der dunkle Schatten beobachtete die kleine Prozession und folgte ihr in angemessenem Abstand ungesehen bis zum Schloss.
In der Halle erhob sich Lupin von der Trage und erklärte, er fühle sich nun wieder gut genug, um selber zu gehen. Madame Pomfrey wollte ihn gerade mit auf die Krankenstation nehmen, um weitere Untersuchungen an ihm durchzuführen, als eine kleine Gestalt aufgeregt auf die Gruppe zulief.
„Ohhh…. Dobby ist froh, die Damen und den Professor gefunden zu haben." Er schnappte nach Luft und fuhr mit hoher, aufgeregter Stimme fort: „Der hochverehrte Schuldirektor bittet Sie, schnellstmöglich in sein Büro zu kommen und hat Dobby losgeschickt Sie zu suchen. Dobby ist sehr froh, Sie gefunden zu haben."
Der kleine Hauself rannte wie aufgezogen um die Gruppe herum und versuchte sie in die Richtung von Dumbledores Büro zu dirigieren.
Die Krankenschwester warf Lupin einen fragenden Blick zu, doch dieser nickte. Also folgten sie Dobby die Gänge entlang bis zum Wasserspeier.
Sie betraten das Büro und sahen Snape an einem Tisch sitzen, während Albus Dumbledore sie begrüßte und seiner Freude und Erleichterung Ausdruck verlieh, dass Lupin augenscheinlich unversehrt wieder da war.
Carol dankte ihm und als sie Tee und Sandwichs auf dem Tisch stehen sah, musste sie lächeln. Während sich noch alle setzten, öffnete sich die Tür erneut und Professor Sprout trat ein. Auch sie setzte sich und als jeder mit Tee versorgt war, bat Dumbledore kurz die neuen Fakten zu erläutern.
Madame Pomfrey, Snape und Professor Sprout legten ihre Erkenntnisse die Trevia-Blüte betreffend dar. Snape sollte das eine Exemplar behalten, um den Trank der Pflanze zu brauen, falls es ausreichend Unterlagen darüber gab.
Carol hatte staunend zugehört und sagte dann mit einem Tonfall tiefster Überzeugung: „Das hat Jasper nicht gewusst. Ich glaube nicht, dass er dazu fähig gewesen wäre, jemandem diese Nebenwirkungen anzutun, wenn er darüber informiert gewesen wäre." Sie sah Lupin an. Er nickte: „Das glaube ich auch. Es entsprach nicht Jaspers Naturell, jemandem Leid zuzufügen."
„Nun, trotz Allem bleibt es eine faszinierende Tatsache, dass Jasper überhaupt im Besitz einer solchen Blüte war und zumindest ihre betäubende Wirkung kannte", warf Snape ein, „er gab mir außerdem noch einen Beutel mit verschiedenen Substanzen. Bisher hatte ich kaum Gelegenheit, sie näher zu untersuchen, aber schon eine erste Bestandsaufnahme lässt erkennen, dass höchst erstaunliche Dinge dabei sind."
Carol hörte ihm interessiert zu, dann murmelte sie: „Ich muss in den nächsten Tagen unbedingt zu seiner Hütte. Weiß der Himmel, was er uns dort noch hinterlassen hat."
Tränen stiegen ihr in die Augen, als sie erkannte, wie grausam endgültig dieser Satz war.
Plötzlich zischte es im Kamin und die Flammen färbten sich grünlich. Alle drehten ihre Köpfe und schauten auf das Feuer, als Kingsley Shacklebolts Gesicht dort erschien und er erklärte, er habe wichtige Informationen aus dem Ministerium zu berichten.
„Everett Spangle ist auf dem Transport nach Askaban entkommen. Allerdings scheint das Gefängnis auch nicht mehr der sichere Ort zu sein, der es einst war. Kaum noch einer der Insassen ist dort verblieben, besonders die Todesser, die in letzter Zeit dorthin verbracht worden waren, sind scheinbar mit der Unterstützung der wenigen Dementoren, die überhaupt noch dort wachten entkommen. Lediglich einige uralte Gefangene, denen die Kraft fehlt, das Gefängnis zu verlassen, sollen dort noch hausen, aber genauere Informationen liegen nicht vor."
Er machte eine Pause und atmete tief durch. „Im Ministerium herrscht ein heilloses Chaos, seit Cornelius Fudge mit einem Nervenzusammenbruch sein Büro verlassen hat. Charles Wheeling, der den Posten kommissarisch übernommen hat versucht tapfer ein wenig Ordnung in die Unterlagen zu bringen, die Fudge hinterlassen hat, aber was sich dort an Abgründen der Korruption und Verschleierung auftut ist kaum zu beschreiben. Je tiefer man gräbt, desto mehr Unrat scheint zum Vorschein zu kommen. Es ist, als wolle man einen Sumpf trockenlegen und so etwas in der Art ist das, was dort in den letzten Jahren stattgefunden hat wohl tatsächlich.
Lucius Malfoy und Konsorten haben Fudge durch gezielte Zahlungen und Androhungen der Zahlungsunterlassung nach ihrer Pfeife tanzen lassen und er war innerhalb kürzester Zeit so tief darin verstrickt, dass er nur noch als ihr willfähriger Diener fungiert hat. Ganz offensichtlich hat er dann aus Scham über sein eigenes Versagen angefangen, sich ernsthaft einzureden, dass das alles wahr und normal sei. Und schließlich glaubte er selber aus tiefstem Herzen an die Illusion von Sicherheit und Frieden, die er sich selber geschaffen hatte."
Erschrecken machte sich auf den Gesichtern der Zuhörer breit, als er seinen Bericht abschloss.
Selbst Dumbledore, dem vieles vom dem Erzählten klar gewesen war, war erstaunt über das ganze Ausmaß der Ministeriumskatastrophe. Er schüttelte sorgenvoll den Kopf und murmelte: „Wie viel hätte durch ein wenig mehr Vernunft und Weitsicht verhindert werden können und wie weit hätten wir in unseren Vorbereitungen schon sein können." Er seufzte schwer, dann streckte er sich und sah in die Runde.
„Nun, was geschehen ist, ist geschehen, es hat keinen Sinn, sich über verschütteten Kürbissaft aufzuregen. Wir sollten sehen, was wir tun können, um Schlimmeres zu verhindern."
Er wandte sich an Kingsleys Gesicht im Kamin: „Ich kenne Charles Wheeling seit seiner Zeit in Hogwarts. Er ist ein aufrichtiger und gradliniger Mann. Nicht unbedingt mit Phantasie und Voraussicht gesegnet, aber grundehrlich. Kingsley, Sie und Arthur sollten den Mann nach Kräften unterstützen, soweit ihnen das unauffällig möglich ist. Wir wissen nicht, wer noch alles in die Korruption und Vertuschungen verwickelt ist und noch jetzt Voldemort und seinen Todessern in die Hände arbeitet. Das leichte Entkommen der Inhaftierten ist nicht ohne Unterstützung aus dem Ministerium zu bewerkstelligen gewesen und wer auch immer da noch in finstere Machenschaften verstrickt ist, wird einen Teufel tun und sich auffällig benehmen. Somit wissen wir immer noch nicht, wem im Ministerium wir trauen können.
Ich bitte Sie und Arthur also, mit äußerster Diskretion vorzugehen und besonders auf sich aufzupassen."
Er blickte Kingsley eindringlich an und dieser nickte ernsthaft.
Schließlich berichtete Snape noch von seinem Treffen mit Mark Tensborrow, aber seine Informationen entsprachen weitestgehend dem, was Kingsley schon über die befreiten Todesser berichtet hatte.
Snape erläuterte seinen Plan, Marks Vertrauen zu ihm auszubauen und den jungen Todesser für seine Zwecke einzusetzen.
Dumbledore nickte nachdenklich und bat ihn, besonderes Augenmerk darauf zu richten, ob der junge Mann den Gedanken der Vernunft vielleicht zugänglich war.
Am Ende waren alle erschöpft und besonders Snape und Lupin konnte man ansehen, dass sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnten nach den Strapazen des Tages und Abends.
Inzwischen war es tief in der Nacht und Professor Sprout schlug vor, Lupin und Snape auf der Krankenstation unterzubringen. Madame Pomfrey warf ein, das Schuljahr sei voll im Gange und die Wahrscheinlichkeit, dass ein verletzter Schüler in den Krankenflügel kommen würde, wäre recht groß. Und dann wäre es doch aufwändig, zu erklären, was die Professoren Lupin und Snape dort täten.
Also beschloss man, dass die drei zurück an den Grimmauldplatz reisen sollten und Madame Pomfrey sah streng von Lupin zu Snape, als sie ihnen sagte, sie sollten sich unverzüglich unter Augustas Obhut begeben.
Mit einem Blick auf Carol sagte sie: „Und auch Ihnen täte etwas Schlaf und eine ordentliche Portion Rühreier mit Speck nicht schlecht, meine Liebe."
Im Stadthaus der Tensborrows huschte ein verschreckter Hauself durch die Korridore und murmelte leise vor sich hin.
Der junge Hausherr war spät am Abend von einem Ausflug heimgekommen und hatte sofort den Hauselfen zu sich gerufen. Dann hatte er ihn über seinen Vater ausgefragt und der alte Elf war erschüttert, wie wenig der junge Herr offenbar über seine Familie wusste. Seine Mutter schien ihm ein merkwürdiges Bild vermittelt zu haben, aber Jingle, den Hauself wunderte das gar nicht, war sie ihm doch schon damals, als der Vater des jungen Herrn sie als seine Frau mit in das Haus brachte sehr merkwürdig vorgekommen. Natürlich stand es einem Hauselfen nicht zu, eine Meinung über seine Herrschaften zu haben, aber Jingle war das immer schon egal gewesen.
Die Familie Tensborrow waren gute Zauberer, denen er gerne und loyal diente.
Nun war der junge Herr hach Hause gekommen und wollte mehr über seinen Vater erfahren. Erstaunlich, in der Tat, denn sonst fragte niemand einen Hauselfen nach solchen Dingen. Jingle hatte den jungen Herrn auf den Dachboden geschickt, wo es massenhaft Material über die Familie gab, Briefe und Tagebücher seines Vaters und seiner Großeltern und natürlich auch einige über seine Mutter. Danach wollte Jingles dann dem jungen Herrn die Geschichte seiner Eltern aus seiner Sicht erzählen.
Murmelnd schlurfte der alte Hauself um eine Ecke und verschwand in einem Zimmer.
Zwei Stockwerke über ihm schlug Mark Tensborrow ein staubiges Buch auf, das eines der Tagebücher seiner Großmutter zu sein schien. Staunend begann er zu lesen.
