Kapitel 34: Es ist nicht immer, was es scheint

Remus' Retter stellte sich als Nathaniel vor. Er brachte den geschwächten Remus in eine andere Höhle, die gut beleuchtet und mit Möbeln eingerichtet war.

Auf dem Weg dorthin hatte er trotz seiner brennenden Augen erkennen können, dass sie sich irgendwo in den Bergen befanden und die zerklüfteten Felswände von unzähligen Löchern, die wie Höhleneingänge aussahen durchbrochen waren. Zwischen den bewohnten Höhlen gab es ausgetretene Wege, offene Feuer und Menschen saßen und standen überall herum und schienen zu tuscheln.

Einen Moment lang glaubte er, seine Augen würden ihn täuschen, aber auch bei genauerem Hinsehen änderte es sich nicht. Kaum einer dieser Menschen sah gesund und normal aus. Fast jeder war entstellt, verkrüppelt und selbst die, denen man auf den ersten Blick keinen körperlichen Defekt ansehen konnte, sahen entweder blicklos in die Gegend, oder man bemerkte etwas, sobald sie sich bewegten.

Seine Augen brannten zu sehr, also schloss er sie und nach wenigen Minuten waren sie auch schon am Ziel angekommen.

Nathaniel braute ihm einen Trank, der zwar scheußlich schmeckte, ihm aber klare Gedanken und ein wenig Erfrischung bescherte. Er war immer noch erschöpft und müde, aber er fühlte sich dennoch in der Lage, das Passierte zu hinterfragen.

Sein Gastgeber setzte sich zu ihm, er bekam etwas zu essen und Wasser und dann fragte Nathaniel ihn, ob er sich stark genug fühle, um sich zu unterhalten.

Remus nickte, er fühlte sich noch weit entfernt davon stark zu sein, aber er wollte wissen, was geschehen war und vor allem, warum.

Nathaniel begann sehr leise von seiner Tochter und dem Dorf hier zu erzählen.

„Wie sie sicher bemerkt haben, sind wir nicht gesund. Niemand von uns, die letzten, die nicht verkrüppelt, entstellt oder mental krank waren, haben uns verlassen. Wer könnte es ihnen auch verübeln. Wir leben schon so lange isoliert, seit Generationen bleiben wir unter uns und lassen keine Außenstehenden mehr in unsere Gemeinschaft. Menschen von außen bedeuten Verfolgung, Grausamkeit und Tod. Aber der Preis, den wir für den Frieden zahlen, den wir hier gefunden haben ist hoch."

Er pausierte, sah Remus an, ob der ihm folgen konnte, aber Remus merkte, wie seine Lebensgeister zurückkehrten, während der andere Mann sprach.

„Wir nennen uns die Verstoßenen, aber in Wahrheit haben wir uns wohl selber verstoßen."

Wieder unterbrach er sich, als müsse er seine Gedanken sammeln. Es schien lange her zu sein, dass er sich mit einem Fremden unterhalten hatte.

„Sie dürfen Deirdre nicht verurteilen, sie hat nichts Böses gewollt", änderte er unvermittelt das Thema. „Wenn ich das, was sie mir selber erzählt hat und das, was ich mir aus dem, was ich gesehen habe richtig zusammenreime, hat sie Sie im Wald gefunden. Sie müssen sich gerade zurückverwandelt haben und waren schwach."

„Was habe ich getan? Hat sie Ihnen erzählt, wen ich getötet habe? Ist es jemand von Ihren Leuten? Vermissen Sie jemanden?"

„Niemanden. Sie haben niemanden getötet. Es tut mir so schrecklich leid, was Deirdre Ihnen angetan hat."

Nur langsam sickerten die Worte in Remus' Bewusstsein und es dauerte eine Weile, bis er wirklich begriff, was er da hörte.

„Ich habe nicht…?"

„Nein. Deirdre fand sie geschwächt direkt nach Ihrer Rückverwandlung, das erzählte sie mir. Sie betäubte Sie mit einem Zauber, dann beschmierte sie Sie mit Tierblut und brachte Sie in die Höhle, die sie als Versteck ausgesucht hatte. Sie versteht sich sehr gut auf Tränke und sie muss Ihnen eine Substanz verabreicht haben, die Ihre Sinne verwirrt und benebelt hat. Dazu einen Teilklammerfluch für den Brustkorb, der ihnen das Gefühl gibt, verletzt zu sein und sich nicht bewegen zu können, ohne einen heftigen Schmerz zu empfinden und am Schluss noch einen leichten Gedächtnisverwirrungszauber, der die Verwirrung der Erinnerungen noch vertiefte.

Damit hatte sie Sie dort, wo sie sie haben wollte."

Er schwieg und Remus konnte den Schmerz erkennen, der ihn plagte, all diese schrecklichen Dinge über seine Tochter sagen zu müssen. Einen Moment lang sah er das Gesicht seines Vaters, als der ihn einmal von einer Geburtstagsfeier abholen musste, nachdem dort herausgekommen war, dass er ein Werwolf war und niemand ihn mehr dort haben wollte. Er hatte im Schuppen warten müssen, dass er abgeholt wurde, weil plötzlich alle Angst hatten, ihn im Haus zu lassen. Er empfand Mitleid für Nathaniel, denn für ihn musste der Balance-Akt zwischen der Liebe zu seinem Kind und dem, was dieses Kind tat unendlich schwer und schmerzhaft sein.

Leise fuhr der Vater fort: „Verurteilen Sie Deirdre nicht zu hart, bitte. Ihre Missbildung ist nicht körperlich, ihr Defizit liegt in ihrem Herzen, in ihrer Seele.

Deirdre ist unfähig irgendetwas zu empfinden, aber sie ist seit sie ein kleines Kind ist auf der Suche danach. Sie versucht, durch andere zu erfahren, was Gefühle sind, nachdem sie gelernt hat, dass sie es nicht durch sich selber erfahren kann.

Die Narben in ihrem Gesicht, das ist kein angeborener Schaden, das hat sie sich als kleines Kind selber angetan. Sie hat sich mit dem Gesicht in die Glut einer Kochstelle gelegt, weil sie herausfinden wollte, was Schmerz ist. Aber sie konnte nichts empfinden."

Er schwieg und in Remus stiegen Tränen auf aus Mitgefühl mit diesem verzweifelten Geschöpf, das schon als Kind so schrecklich gelitten haben musste.

„Sie versuchte herauszufinden, was andere empfinden, indem sie sie immer ausgefragt hat, aber es half ihr nicht. Also glaubte sie, es wären die großen Dinge, die sie lernen müsse. Vielleicht waren die kleinen Gefühle zu „leise" für sie, dachte sie und deshalb ist sie immer auf der Suche nach großen Emotionen.

Als sie Sie fand, dachte sie, sie könne etwas über Verzweiflung lernen.

Sie hat schon früher manchmal einsame, verirrte Wanderer gefangen und versucht, aus ihnen zu lernen, was Angst und Einsamkeit sind.

Nicht immer habe ich diese armen Menschen rechtzeitig gefunden."

Er schwieg und Tränen liefen ihm über das Gesicht.

„Wenn sie es könnte, dann wäre ich das ideale Studienobjekt für „Schuld". Bitte, verurteilen Sie mein Kind nicht."

Remus versuchte, das Gehörte zu verdauen. Es war unglaublich, aber so, wie Nathaniel es schilderte, musste es wahr sein.

„Aber ich habe sie draußen vor der Höhle schluchzen gehört", erinnerte er sich.

„Sie imitiert Gefühlsäußerungen, die sie von anderen Menschen kennt.

Manchmal lacht sie, manchmal tut sie so, als wenn sie weint, wenn es ihr angemessen erscheint."

Lange schwiegen die beiden Männer, es gab nichts, was sie sich noch hätte sagen können.

Remus war voller Mitgefühl für Deirdre, deren Verzweiflung irgendetwas empfinden zu wollen ihn zutiefst rührte. Eine Welle des Kummers erfasste ihn, als ihm bewusst wurde, dass sie nicht einmal dieses Mitgefühl verstehen könnte, wenn sie davon erfuhr.

Schließlich erhob sich Nathaniel.

„Wir sterben. Dieses Dorf stirbt und vielleicht ist das besser so. Es gibt schon seit einiger Zeit keine zeugungsfähigen Männer unter uns mehr, aber ich denke, es wird uns endlich den Frieden bringen, den wir vor so langer Zeit gesucht haben."

Ohne ein weiteres Wort und als wäre das eine angemessene Sühne, verließ er die Höhle und Remus schlief erschöpft ein. Sein letzter Gedanke, bevor er in der Welt der Träume einen besseren Ort fand, galt Carol und die Sehnsucht nach ihr begleitete ihn in seinen Traum.

„Na, das war doch schon mal ein guter Anfang. Es waren ja deutlich mehr gekommen, als wir vermutet hatten", Hermine warf ihren Schal auf eines der Sofas im Gryffindor Gemeinschaftsraum und setzte sich mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck.

Ron nickte und kaute an einem Stück Maisbrot, das er noch vom Mittag in seiner Tasche gehabt hatte.

Hinter ihnen betrat Neville den Raum, gefolgt von Alicia, Ginny und Dean. Alle wirkten etwas zerzaust und verschwitzt, aber zufrieden.

Alicia boxte Dean in die Seite, während er versuchte ihr auszuweichen.

„Wenn Du das noch mal versuchst, dann kriegst du ne fette Revanche", sagte sie zwischen den nicht sehr ernst aussehenden Schlägen.

„Hey, hör auf, mich zu schlagen, ok ok, es war nicht fair, aber wir wollten Kampfsituationen simulieren, da geht's halt nicht fair zu", versuchte Dean sie weiterhin abzuwehren.

Hermine knuffte Harry und machte eine Kopfbewegung zu den beiden Streithähnen.

„Sieh mal, ich schätze, das ist ein Zeichen für Deinen Erfolg", sagte sie so leise, dass nur Harry es hören konnte.

Er grinste, sagte aber nichts.

Allmählich trat Ruhe im Gemeinschaftsraum ein. Sie alle waren erschöpft, denn es war eine anstrengende Stunde gewesen.

Die erste DA-Stunde dieses Jahres und Harry war erstaunt gewesen, dass fast jeder, der zur ursprünglichen DA gehörte und der noch auf der Schule war, erschienen war, um das Begonnene fortzuführen.

Es hatte einen Moment gedauert, bis Harry sich gefasst hatte, als er den Andrang in dem leeren Klassenzimmer gesehen hatte, das ihnen Professor McGonagall mit einem wissenden Lächeln zugewiesen hatte.

Im Gegensatz zum letzten Jahr hatte er auf Anraten von Hermine die DA offiziell als Duellier-Club mit dem klangvollen Namen „Defense Alliance" bei der Schulleitung angemeldet und so waren sie in den Genuss eines Raumes und der Gleichstellung mit sportlichen Aktivitäten gekommen. Natürlich wusste jeder, der das letzte Jahr erlebt hatte, wofür „DA" in Wirklichkeit stand, aber es schien eine stillschweigende Übereinkunft zu geben, darüber kein Wort zu verlieren. Und ohne es besonders zu erwähnen schien auch jeder wieder bereit zu sein, im Notfall auf Legalität zu pfeifen und, sollte es nötig werden, wieder in den Untergrund zu gehen.

Harry und Ron hatten sich zuerst dagegen ausgesprochen, den Club zu legalisieren, sie waren der Meinung, es entspräche der Tradition von Rebellen, weiterhin aus dem Verborgenen zu agieren, aber am Ende hatten Hermines praktische Argumente sie überzeugt. Es war so viel angenehmer, die Termine der DA in den Schulkalender einzutragen und dann dort auch wirklich agieren zu können.

Und so waren sie mit ihrem Plan zu Professor McGonagall gegangen, die sich den Vorschlag und das Konzept für den Duellier-Club genau angehört hatte und dann nach reiflicher Überlegung zugestimmt hatte.

Hermine hatte ihr versprechen müssen, den Verlauf der Übungen genauestens im Auge zu behalten, um nötigenfalls einen Lehrer hinzu zu ziehen, falls die Schüler überfordert wären.

Des Weiteren durften sie nur Zauber und Flüche üben, deren praktischen Einsatz sie bereits in den Stunden „Verteidigung gegen die dunklen Künste" gelernt hatten. Harry hatte zuerst protestiert, aber ein strenger Blick seiner Hauslehrerin hatte ihn zum Schweigen gebracht. Es war mehr als offensichtlich, dass sie keinerlei Widerspruch dulden würde und schließlich kannte er sie auch lange genug, um zu wissen, wann er sich besser nicht auf ein Wortgefecht einließ.

Na gut, diese Lektion hatte er schmerzhaft lernen müssen, aber vielleicht hatte Hermine ja recht, vielleicht war es an der Zeit ab und zu die Stimme der Vernunft zuzulassen.

Wirklich einverstanden war er mit dieser Regelung nicht, den sie hatten den Patronuszauber noch nicht im Unterricht ausgeführt und er war fest entschlossen gewesen, diesen Zauber mit seinen Freunden zu üben. Gerade jetzt, wo die Dementoren nicht mehr der Kontrolle des Ministeriums unterstanden, war das aus seiner Sicht eine lebensnotwendige Lektion. Auch einige andere Zauber und Flüche, die sie durch die Versäumnisse des 5. Jahres verpasst hatten, hatten eigentlich auf seinem Trainingsplan gestanden, den er ausgearbeitet hatte. Nun strich McGonagall mit zusammengekniffenen Lippen all diese Punkte in seinem Plan durch und erklärte, da sei natürlich alles viel zu schwierig und gefährlich.

Wenn ihr Club allerdings eine Weile bestünde, dann gäbe es natürlich durchaus die Möglichkeit, dass Professor Kasparian oder auch Professor Snape die eine oder andere Lehrstunde für noch nicht bekannte Zauber abhalten würde. Aber ihr Club sei nun mal keine Lehrveranstaltung, sondern eine Zusammenkunft, um erlerntes zu vertiefen und vor allem zu üben. Für das Lehren seien andere zuständig.

Harry knirschte mit den Zähnen bei der Vorstellung, Snape würde die DA unterrichten, was ihm einen weiteren Messerstich-Blick von McGonagall einbrachte.

Schließlich stimmte er in allen Punkten ihren Vorgaben zu, nicht ohne sich selber im Geiste jedoch das Versprechen zu geben, sollte es kein Lehrer übernehmen, so würde er den Schülern wieder selber die benötigten Dinge beibringen, Versprechen hin oder her.

McGonagall segnete den Plan ab, lobte insbesondere noch einmal den Geist der hausübergreifenden Zusammenarbeit dieses Projektes und teilte ihnen einen Raum, sowie Platz an den Anschlagbrettern der Häuser zu.

Und so hatten sie in den letzten Tagen hochoffiziell die ehemaligen DA-Mitglieder angesprochen, um sie zum erneuten Mitmachen zu motivieren.

Fast alle waren gekommen und dazu noch einige, die im letzten Jahr nicht dabei gewesen waren.

Harry, der insgeheim nur mit Neville und Luna gerechnet hatte, war überwältigt gewesen und brauchte einen Moment, um sich zu fangen. Dann aber hatte er sich aufgerichtet und ihnen erklärt, worum es hierbei ging. Es sollte dieses Mal nicht Unterrichtsstoff geübt werden, der ihnen vorenthalten wurde, der Unterricht von Professor Nicholas Kasparian war hervorragend, da waren sich alle einig.

Worum es diesmal ging, erläuterte Harry, als sich das Gemurmel wieder etwas gelegt hatte, war die Übung für konkrete Kampfsituationen.

Er erklärte, was sie letztes Jahr im Ministerium erlebt hatten und wie der Kampf dort gewesen war. Und er versuchte ihnen klar zu machen, dass nur Training ihnen helfen konnte schnell und sicher zu reagieren, wenn es drauf ankam. Er erklärte, dass es zwar eine Trainingsgruppe hier sein sollte, aber er auch davon ausgehen wolle, dass, wenn es hier in der Schule oder der Umgebung zu Kämpfen käme sie durchaus eingreifen wollten.

Einige hatten entsetzt reagiert und Hermine hatte sich beeilt zu erklären, dass das natürlich völlig freiwillig wäre und nur, wer sich wirklich sicher fühle, solle in einem solchen Fall mitkommen. Harry, Ron und Hermine waren vorab übereingekommen, nur sehr wenig, sehr vertrauenswürdige Schüler in ihren eigentlichen Plan einzuweihen, eine Art Backup-Truppe für den Phoenix-Orden auszubilden. Der Rest der Schüler sollte glauben, es wäre eine reine Trainingsgruppe, die höchstens im schlimmsten Fall die Lehrer bei der Verteidigung der Schule unterstützen sollte. Ein Fall, von dem sowieso niemand ausging, dass er eintreten könnte.

Schließlich hatte Harry sie eingeteilt in Teams aus jeweils zwei bis vier Personen. Er erklärte, ein wichtiger Bestandteil des Trainings würde sein, dass sie lernten, mit ihrer Gruppe zusammen zu kämpfen. Die Stärken und Schwächen der Teammitglieder kennen lernten und sich gegenseitig ergänzten und schützten. Er erklärte, er wäre der Meinung, das sei der beste Weg zum Erfolg und die Gruppen hätten die besten Chancen im Kampf.

Duelle und Trainingskämpfe würden immer zwischen den Gruppen ausgefochten und nach und nach sollten die Teams mehr und mehr zu Einheiten zusammenwachsen.

Diese Idee fanden eigentlich alle gut und so begannen sie mit leichten Übungen, um die Stärken und Schwächen der anderen auszuloten.

Ehe sie sich versahen, waren spielerische Kämpfe im Gange und Harry wollte gerade eingreifen, als Hermine ihn am Arm festhielt und ihm außer Atem erklärte, er solle sie jetzt doch erstmal machen lassen. Es sei die erste Stunde und für Strenge und Disziplin wäre immer noch Zeit.

Die Stunde war wie im Fluge vergangen und nun saßen sie müde und hungrig im Gemeinschaftsraum und warteten darauf, dass sie zum Abendessen in die Halle gehen konnten.

Nachdem sie alle wichtigen Details der Stunde noch einmal durchgesprochen hatte und Hermine sich Notizen zu Harrys Anmerkungen über mögliche Verbesserungen gemacht hatte, legte sie abrupt den Stift zur Seite und sagte, als wäre es ihr in diesem Moment eingefallen: „Oh, übrigens, Carol ist in Hogwarts."

Ron sah auf und schluckte dann einen größeren Bissen herunter. „Ha. Dann habe ich doch richtig gesehen. Vor ein paar Tagen dachte, ich, ich hätte sie auf einem der selten benutzten Flure gesehen, die hinter der Bibliothek liegen.

„Was hattest Du denn in den selten benutzten Fluren hinter der Bibliothek zu suchen?", hakte Hermine sofort neugierig nach und Harry nickte.

Ron lief rot an, biss noch einmal herzhaft in sein Maibrot und mümmelte dann etwas völlig unverständliches. Harry und Hermine tauschten einen vielsagenden Blick und Harry grinste breit.

Hermine warf Ron noch einen ziemlich strengen Blick zu, dann fuhr sie allerdings fort: „Also auf jeden Fall hast Du richtig gesehen, denn Dobby hat erzählt, Winky sei mit Carol im Schloss und sie hat ihn schon en paar mal besucht.

Carols Anwesenheit wird nicht so heraus posaunt, aber ich finde, immerhin kennen wir sie schon gut aus dem Hauptquartier, da könnten wir sie doch zum Tee einladen, oder uns sonst wo mit ihr treffen."

Die beiden Jungs nickten eifrig und plötzlich meinte Harry: „Hey, das ist nicht ungefährlich für sie hier in Hogwarts."

Ron und Hermine sahen ihn erstaunt und fragend an.

„Naja, immerhin hat sie Dracos Vater nach Askaban gebracht, da wird er sicher keine Gelegenheit auslassen, sich an ihr zu rächen, wenn er an sie rankommt. Und zimperlich wird er da auch nicht sein, besonders nicht, wenn er eine Leibgarde dabei hat."

Ron knurrte, dann meinte er: „Dann sollte Carol auch eine Leibgarde haben, oder? Immerhin ist sie keine Hexe und als Muggel den Slytherins hilflos ausgeliefert, wenn die sie erwischen."

Harry nickte während sein Freund sprach: „Ja, so hatte ich mir das auch gedacht. Wir könnten die DA einsetzen, um auf Carol aufzupassen."

Hermine runzelte die Stirn. Sie rieb sich den Nasenrücken, dann meinte sie: „Nicht die ganze DA, das ist zu riskant. Wir wollen doch nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf Carol lenken, indem wir zu vielen erzählen, was oder wer sie ist."

„Neville und Luna können wir von ihr erzählen, Luna ist sowieso für alles verrückte aufgeschlossen, die hat kein Problem damit, dass ein Muggel Hogwarts sehen und betreten kann, wahrscheinlich hat ihr Vater schon vor zehn Jahren einen Artikel über eine Horde unsichtbarer Muggel geschrieben, die in Hogwarts eingefallen sind, ohne, dass irgendwer das bemerkt hätte."

Die drei brachen in hemmungsloses Gekicher aus und es dauerte ein paar Minuten, bis sie sich wieder beruhigt hatten.

„Ginny könnten wir auch einladen, sie weiß ja schon von Carol. Und Neville ist eh vertrauenswürdig, er hat immer loyal mit uns gekämpft."

Schließlich kamen sie überein, dass das ein guter Plan war und endlich war es auch Zeit, in die Halle zum Essen zu gehen.