Kapitel 41: Aneinander vorbei
Carol kehrte nach Hogwarts zurück, glücklich und voller Hoffnungen für die Zukunft.
Sie war nun auch wieder in der Lage, ihren Forschungen in der Bibliothek aufzunehmen und stürzte sich mit Feuereifer in die Arbeit. Sie verstand mehr und mehr von dem, was sie las und es erstaunte sie zutiefst, dass die Zauberer und Hexen so wenig Interesse an der Magie der Natur zu haben schienen.
Zwei Tage nach ihrer Rückkehr saß sie abends in einem der hinteren Räume der Bibliothek, als der Schulleiter sich zu ihr gesellte. Er erklärte schmunzelnd, ihm wäre zu Ohren gekommen, dass es ihr nach ihrer Rückkehr aus London deutlich besser ginge und er wolle sich selber davon überzeugen. Außerdem wollte er sich nach Remus' Genesung erkundigen. Carol erzählte ihm, dass es Remus viel besser gehe und dass sie beide sich ausgesprochen hätten, was der alte Mann mit einem freundlichen Lächeln und einem wissenden Augenzwinkern kommentierte.
Sie unterhielten sich angeregt über den Orden und seine Entwicklung und schließlich standen sie auf, um sich zur Nacht zu verabschieden.
Carol, die wieder einmal das Essen vergessen hatte und nicht gemerkt hatte, wie die Zeit vergangen war, taumelte leicht. Sie stützte sich mit einer Hand an der Wand ab, atmete tief durch und schloss die Augen. Dumbledore sah sie etwas beunruhigt an, aber sie fing sich schnell wieder und öffnete die Augen. Einen Moment lang hielt sie sich noch an der Wand abgestützt, aber ihr Gesichtsausdruck änderte sich und die zog plötzlich eine Augenbraue hoch. Erstaunt sah sie ihn an, strich mit der Hans über das Mauerwerk der Wand.
„Dieses Schloss ist weit mehr, als ein Hort des Wissens und der Lehre, oder?
„Hogwarts ist eine Schule, allerdings eine sehr alte Schule, das ist wahr." Dumbledore schmunzelte.
„Ja, es ist alt, sehr alt. Und es beherbergt mehr als nur Wissen und den Wunsch zu lernen. Dieser Ort birgt große Macht, Sie müssen das doch wissen, es fühlen."
Dumbledore war ernst geworden und sah sie eine Weile schweigend an.
Dann, als hätte er einen Entschluss gefasst, richtete er sich gerade auf, zog seine Robe mit einem kleinen Ruck glatt und erwiderte:
„Ja, dies ist ein Ort großer Macht. Die Gründer der Schule haben diesen Platz nicht ohne Grund ausgewählt, hier ist eine Art Knotenpunkt magischer Energie. Der angrenzenden
Wald, der verbotenen Wald, hat seit Urzeiten magische Geschöpfe aller Art und Herkunft angelockt und das Schloss bietet jenen, die hier leben besonderen Schutz. Die Gründer haben es mit vielen verschiedenen Zaubern belegt, die es erfahrenen und mächtigen Zauberern ermöglicht, einen Schutzwall gegen das Böse zu halten. Dadurch ist es möglich, die Schule immer wieder mit neuen Schutzzaubern und Abwehr gegen die dunklen Künste zu belegen. Die Schulleiter erhalten das Wissen der Gründer von ihren jeweiligen Vorgängern und entscheiden selber, mit wem sie es teilen. Viele Generationen hat dieses uralte Wissen niemals dieses Büro verlassen, aber schon meine Vorgänger haben wieder begonnen, es ausgewählten Personen mitzuteilen. Ich habe es an bestimmte Mitglieder des Ordens gegeben, ich halte es für eminent wichtig, dass sie wissen, was Hogwarts wirklich bedeutet. Jeder von uns ist entbehrlich, aber Hogwarts darf nicht fallen."
Auch Dumbledore legte nun eine Hand an die Steine der Wand, atmete langsam und tief ein und legte den Kopf schief, als versuche etwas zu hören.
„Ist das so deutlich zu spüren?", fragte er und leichte Verwunderung schwang in seiner Stimme mit
Carol hatte ihm aufmerksam zugehört und antwortet nun nachdenklich.
„Nun, wenn man bedenkt, dass sich die Kräfte der Natur kaum von dem unterscheiden, was Sie in ihrer Welt die weiße Magie und was andere Kulturen die Mächte des Lichtes nennen, dann ist das kaum noch schwer zu verstehen."
Sie lächelte ihn an: „Jede Welt hat ihre Engel, nicht wahr?"
Damit verließ sie die Bibliothek und suchte sich ihren Weg zurück in den Gästetrakt.
Mark Tensborrow öffnete die Tür seines Hauses, als Snape pünktlich zur verabredeten Zeit eintraf.
Wie gewohnt gingen sie in den Salon, wo Jingle bereits einen leichten Tee vorbereitet hatte, um mit dem Okklumentik-Unterricht fort zu fahren.
Während sie zunächst eine Tasse Tee tranken und eines der hervorragenden Gurken-Sandwichs aßen, berichtete Mark von der Observation und dem, was er in seiner Gruppe gehört hatte.
Snape ließ sich seine tiefe Beunruhigung über das Gehörte nicht anmerken, aber besonders die Erwähnung, dass der Anführer der Gruppe als möglicher Verräter angesehen wurde und dass Bellatrix Lestrange die Führung übernommen hatte, ließ ihn Schlimmes ahnen.
Äußerlich ruhig und gefasst, fragte er genauer nach und ließ Mark jedes Detail und jeden Wortlaut genauesten schildern. Schließlich schwiegen sie und der junge Mann sah ihn erwartungsvoll an.
Snape wägte jedes Wort sorgfältig ab, bevor er zu sprechen begann.
„Sie sind mehr denn je in Gefahr, Mark. Wir müssen unsere Bemühungen um ihre Sicherheit verstärken, notfalls werde ich Sie persönlich für einen Auftrag anfordern. Das ist gefährlich und könnte noch mehr Verdacht erregen, aber bevor man Sie des Verrats verdächtigt, hole ich Sie lieber aus der Schusslinie."
Mark sah ihn erstaunt an, schwieg aber. Er musste wieder daran denken, wie stark seine Zweifel an der Sache der Todesser geworden waren und fürchtete sich mehr denn je.
Snape sah ihn forschend an und ein Schauder lief ihm über den Rücken, als er daran dachte, dass sein Mentor diese Zweifel vielleicht spüren konnte.
„Hören Sie Mark, wir müssen sicherstellen, dass man Ihnen keinen Verrat vorwirft, dass man sie nicht möglicherweise mit ihrer Gruppe zusammen verdächtigt und eliminiert."
Snape sah ernst aus und Mark hatte das Gefühl, er mache sich wirklich Sorgen um ihn. Wieder dachte er daran, wie sehr er sich immer einen Vater gewünscht hatte und wie sehr er sich seinen Vater so vorgestellt hatte.
„Ist es denn Ihrer Meinung nach möglich, dass Deakins ein Spion und Verräter ist?", fuhr Snape fort und Mark schreckte aus seinen Gedanken auf. Er rief sich zur Ordnung, gerade das freie fließen lassen von Gedanken war etwas, von dem er unbedingt lernen sollte, es zu unterbinden, denn es bot einem guten Legilimentiker einen perfekten Ansatzpunkt hatte Snape ihn gelehrt. Er schämte sich plötzlich, dass er das Gelernte so wenig umsetzte, obwohl er sich doch so sehr bemühte.
Er sah seinen Lehrer an und runzelte die Stirn. „Ich weiß es nicht. Ich habe Deakins nur zweimal getroffen und er schien mir ein aufrichtiger Anhänger des dunklen Lords zu sein."
Mark errötete leicht, als er leiser fort fuhr: „Aber es ist wohl nicht sehr schwer, mich zu täuschen. Ich habe keine Erfahrung mit Verrat und Betrug."
Beschämt senkte er den Blick, hatte er doch all die Jahre geglaubt, was seine Mutter ihm erzählt hatte, keinen Zweifel hatte er empfunden, keinen Gedanken daran verschwendet, dass es eine andere Version der Geschichte geben könnte.
Snape musterte ihn aufmerksam, er erkannte die tiefe Unsicherheit in dem jungen Mann und beschloss vorsichtig weiter zu fragen.
„Hat er bei den Treffen ihrer Gruppe jemals Ansichten geäußert, aus denen man schließen könnte, dass er gegen einzelne Aktionen der Todesser war? Hatte er je so ausgesehen, als schmeckten ihm die Anweisungen nicht?"
Snape musterte Mark genau und als er dessen grüblerischen Gesichtsausdruck bemerkte, ergänzte er: „Manchmal sind es nur kleine Anzeichen, ein verrutschter Gesichtsausdruck, ein Blinzeln zur falschen Zeit. Denken Sie nach, Mark, es ist wichtig für unser weiteres Vorgehen."
Tensborrow grübelte, versuchte sich die zurückliegenden Treffen ins Gedächtnis zu rufen, dann schüttelte er resigniert den Kopf.
„Nichts. Da war absolut nichts Auffälliges. Zumindest nichts, das man für das Verhalten eines Verräters halten könnte. Allerdings habe ich noch nie einen Verräter oder einen Spion erlebt, ich weiß nicht recht, was da ein typisches Verhalten wäre."
Er schwieg einen Moment, während Snape ihn weiter ansah.
„Sir, woran würde man einen Spion erkennen?"
Snape sah ihn schweigend an, dann erwiderte er ohne die Miene zu verziehen: „Wenn es ein guter Spion ist, dann gar nicht."
„Wie kann ich ihre Frage dann beantworten, Sir?"
„Es gibt nur sehr wenige gute Spione."
Beide schwiegen eine Weile, das ganze Gespräch verlief schleppend, ein neutraler Beobachter hätte den Eindruck gewinnen können, die beiden verbargen etwas voreinander, schlichen um ein heißes Thema herum, vorsichtig sondierend, dem anderen nicht trauend.
Mark dachte an seine Gedanken bei dem letzten Treffen, an seine Überlegungen, selber vielleicht ein Spion sein zu wollen und Furcht erfasste ihn. Er hatte sich seit dem mehrmals überlegt, wie er es anstellen könnte. Stärker und stärker war seine Abneigung gegen die Machenschaften der Todesser geworden und der offensichtliche Spaß an Grausamkeiten, den er bei vielen von ihnen bemerkte, tat ein Übriges. Auch, wenn seine Mutter ihn gelehrt hatte, dass er zu einer überlegenen Rasse gehörte, deren Recht und Pflicht es war, über alle anderen Menschen und Geschöpfe zu herrschen, so hatte er sich bei unnötiger Grausamkeit immer unwohl gefühlt. Damals, in Spanien, weit fort vom Zentrum der Macht des dunklen Lords und lange vor seiner Wiedererstarkung war diese Art nicht sehr ausgeprägt gewesen, die wenigen Anhänger der dunklen Lehren hatten sich nicht so offen gezeigt und dennoch waren ihre wenigen grausamen Handlungen ihm unangenehm gewesen. Er hatte sich damals gedacht, er wäre einfach noch zu weich und hatte sich bemüht, diese Gefühle zu verbergen.
Nun aber, in direkter Nähe zu ihrem Herrn, der dabei war mächtiger zu werden, als je zuvor, scheuten sich die Todesser nicht mehr im Mindesten und Mark war immer angewiderter von ihren Handlungen und ihren Worten. Es fiel ihm immer schwerer, sich zu konzentrieren und immer öfter hatte er den Drang, einfach fortzulaufen. Natürlich ging das nicht, das hatte Snape ihm erklärt, man würde ihm Verrat und Flucht nicht durchgehen lassen. Der dunkle Lord hatte deutlich gemacht, dass er es genoss, an solchen Leuten Exempel zu statuieren und wie man sehen konnte, trug diese Vorgehensweise Früchte.
Mark quälte sich mehr und mehr mit diesen Gedanken und er begann sich nichts sehnlicher zu wünschen, als der Farce seiner Mitgliedschaft bei den Todessern wenigstens noch einen Sinn zu geben. Selbst, wenn ihn das das Leben kosten könnte. Er zermarterte sich seit Tagen das Gehirn, wie er es anstellen konnte, unauffällig aus Snape heraus zu bekommen, an wen ein möglicher Spion sich wenden konnte. Vielleicht konnte er Snape unauffällig an seinem Arbeitsplatz aufsuchen und dort Kontakt zu Dumbledore aufnehmen. Ideen wirbelten durch seinen Kopf und wurden in sekundenschnelle wieder verworfen.
Seine ganze Haltung hatte sich gewandelt, seit er von der Geschichte seiner Familie gehört hatte und je mehr er zweifelte, desto unmöglicher schien es ihm, seine Fassade aufrecht zu halten und desto mehr wünschte er sich etwas sinnvolles zu tun.
Er bemerkte, dass Snape ihn ansah, als warte er darauf, dass Mark etwas sagte.
Hatte sein Lehrer etwas von diesen Gedanken mitbekommen und prüfte ihn nun?
Er schluckte schwer, schwieg aber weiter.
„Nun wollen wir mit dem Unterricht beginnen", brachte Snape sie wieder auf den eigentlichen Grund des Treffens zurück. Mark nickte schweigend, ihm war klar, wie wichtig es war, dass er seinen Geist verschließen konnte. Insbesondere nun, da er mehr und mehr entschlossen war, sich irgendwie Dumbledores Leuten zu offenbaren und seinem Gewissen zu folgen. Seine einzige Sorge war, wie er dies vor seinem Lehrer verbergen konnte, der ein meisterhafter Legilimentiker war. Andererseits hatte er beim bisherigen Unterricht gemerkt, dass Snape großen Wert auf Wahrung der Privatsphäre legte und im höchsten Masse diszipliniert mit seinen Fähigkeiten umging. Und so hoffte Mark, dass es ihm gelinge konnte, seine Gedanken zu verbergen. Zumindest im Rahmen dieser Übungen, er machte sich nichts vor, dass ein Mensch mit weniger Skrupeln da keinerlei Probleme haben würde, ihm seine Geheimnisse zu entreißen. Umso mehr konzentrierte er sich darauf, so viel wie nur irgend möglich aus dem Unterricht zu lernen und umzusetzen.
Snape bereitete sich darauf vor, Mark wieder in die Kunst der Okklumentik einzuweisen, aber während er beobachtete, wie sein Schüler die Augen schloss und offensichtlich mit seinen Konzentrationsübungen begann, schweiften seine eigenen Gedanken ab.
Es war beunruhigend, was er da von Mark hörte. Die Zusammenfassung von einzelnen Todessern zu kleinen, autonom agierenden Grüppchen unter der Leitung einzelner Führungspersönlichkeiten ließ darauf schließen, dass die Pläne zur finalen Übernahme der Zaubererwelt in die erste Stufe eingetreten waren. Er wusste, dass dies direkt zu der Zerstörung strategischer Ziele führen würde, was Voldemort den Weg freimachen sollte, Potter zu töten, der dann weit weniger geschützt sein würde, als es jetzt der Fall war.
Scheinbar hatte die Zerstörung des Artefaktes eine neue Strategie nötig gemacht, deren indirekte Resultate er gerade erfahren hatte. Das typische Misstrauen in den Reihen der Todesser machte ein Vorgehen mit kleinen Gruppen, von denen die eine keine Ahnung davon hatte, was die andere tat und bei denen keine Gruppe erkennen konnte, was ihr Handeln für den ganzen Plan bedeutete, logisch.
Logisch und unglaublich schwierig zu durchschauen für jemanden, der nicht in der obersten Riege mitspielte.
Er atmete tief ein, dann konzentrierte er sich auf Mark und sie begannen den Unterricht.
Carol setzte in den folgenden Tagen ihre Studien fort, verbrachte aber auch einige Zeit im Wald und auf den Ländereien. Es war ihr zur Routine geworden, darauf zu achten, die Schüler zu meiden und darauf zu achten, sich während der Unterrichtsstunden im Gelände zu bewegen. Für ruhige Stunden hatte sie noch immer das magisch versteckte Eckchen hinter den Gewächshäusern zur Verfügung und so genoss sie ihre Zeit in Hogwarts mehr und mehr.
Manchmal traf sie abends Harry, Ron und Hermine und seltener auch Neville und Luna bei Übungen auf einem Platz nahe Hagrids Hütte an. Sie hatten ihr von der DA erzählt und Carol beobachtete interessiert, wie sie Zauber und Flüche übten. Dies waren, wie man ihr erklärte, nicht die regulären Stunden den DA, sondern eine Art Extra-Übungen, wobei sie an Rons rot angelaufenen Ohren und Hermines betretenem Gesicht erahnen konnte, dass es sich nicht um offiziell abgesegnete Zauber handelte, die hier geübt wurden. Die Jungendlichen erklärten ihr zwar mehr oder minder überzeugend, dass sie hier trainierten, um den Rest der Gruppe besser lehren zu können, aber sie lächelte nur und merkte, dass sie es durchaus angemessen fände, manche Regeln unter besonderen Umständen etwas zu dehnen.
Die Erleichterung auf den Gesichtern des Trios bestätigte ihr, was sie sich schon gedacht hatte.
Voller Faszination beobachtete sie, wie die Drei etwas übten, das Harry ihr als Patronus-Zauber erklärt hatte. Sie hatte bereits mitbekommen, dass der Orden diese merkwürdigen Erscheinungen aus Licht für Mitteilungen benutzte. An mehreren Abenden übten sie diesen Zauber und man konnte sehen, dass sie immer besser wurden.
Sie hatte auch ein paar Mal aus der Ferne gesehen, dass in einer größeren Gruppe geübt wurde, aber das fand nur selten unter freiem Himmel statt, hatten sie ihr erklärt.
Wieder einmal beobachtete sie die Drei, als sie an einer kleinen Baumgruppe übten. Carol ging auf sie zu, hielt aber in einiger Distanz inne. Eine eigenartige Hast ging von diesen Jugendlichen aus, eine Dringlichkeit lag über dieser Szene, die ihr erschreckend klar machte, dass ihnen die Zeit davon lief, dass das, was kommen musste sich mit Riesenschritten näherte. Der eisige Wind zerrte an den blattlosen Ästen der Bäume und auch er schien zur Eile zu mahnen, Und das schien nicht nur sie zu spüren, sondern auch die Jugendlichen. Sie waren hochkonzentriert bei der Sache, unterbrachen sich dann aber, als Carol sich näherte.
Nach einer kurzen Begrüßung erklärten sie Carol, dass sie Feinderkennungszauber übten, die Hermine aus den verschiedensten Apparaturen zur Erkennung von Feinden und zur Alarmierung abgeleitet hatte. Hermine lief leicht rosa an bei dem Lob ihrer Freunde und auch Carol war angemessen beeindruckt.
„Man kann sie an Häusern anbringen, oder innerhalb von Häusern in Gängen und Korridoren, also man verhext sozusagen einen Punkt an der Mauer, damit man gewarnt wird, wenn sich feindlich gesinnte Personen nähern", erklärte sie. „Natürlich gibt es auch direkte Alarmzauber, aber an die kommen wir nicht heran, weil sie noch nicht auf unserem Lehrplan stehen. Außerdem unterscheiden sie nur sehr selten zwischen Freund und Feind."
Sie strahlte, man merkte, wie sehr sie in ihrem Element war und Carol musste lächeln.
„Das Problem ist", fuhr Hermine eifrig fort, „dass wir nicht wirklich überprüfen können, ob wir alles richtig gemacht haben, denn solange sich hier kein Feind nähert, werden wir nichts merken."
Sie seufzte. „Ich habe stundenlang gegrübelt, wie man das simulieren könnte, aber das einzige, was mir eingefallen ist, war ein Irrwicht. Aber ob das klappen würde, ist auch fraglich, es wäre also keine sichere Methode, unseren Erfolg zu überprüfen." Sie zog ärgerlich die Augenbrauen zusammen. „Es ist zum verrückt werden."
Harry und Ron tauschten Blicke, die erkennen ließen, dass sie sich nicht das erste Mal über diese Unzulänglichkeit ausließ.
„Naja, aber wir sind schon ziemlich sicher, findest Du nicht?", versuchte Ron zu beschwichtigen.
Hermine sah ihn an und nickte dann zögernd, aber ihre Stirn blieb gerunzelt.
„Manchmal hat man keine Wahl, man muss einfach sein Bestes geben und dann hoffen, dass alles klappt", sagte Carol nachdenklich.
Sie plauderten noch ein wenig, aber jeder schien mehr mit eigenen Gedanken beschäftigt und so verabschiedete Carol sich bald und ging in Richtung Gewächshäuser. Sie wollte noch zu Professor Sprout und sich über bestimmte magische Pflanzen erkundigen. Besonders interessierte sie sich für das, was ais den verschiedenen Samen geworden war, die sie aus Jaspers Hütte mitgebracht hatte und die sie der Kräuterkundlerin gegeben hatte. Sie musste schmunzeln bei dem Gedanken daran, wie die Frau vor Begeisterung fast geglüht hatte, als sie einige der Samen und Sprösslinge erkannt hatte. Bei anderen war sie völlig ratlos, wollte aber versuchen, etwas aus ihnen zu ziehen.
Carol erreichte das Gewächshaus Nummer 2, stellte aber fest, das es abgeschlossen war und als sie durch die Scheiben starrte, stellte sie fest, dass es völlig verlassen war.
Sie hatte sich wohl zu lange aufgehalten und nun war Professor Sprout gegangen.
Ärgerlich, aber morgen war ja auch noch ein Tag, dachte sie sich und wandte sich ab, um noch ein paar Schritte über das nun ausgestorbene Gelände zu machen.
Als sie um die Ecke des Gewächshauses kam, sah sie eine Gestalt, die Gewächshaus Nummer 4 verließ und in ihre Richtung ging. Sie erkannte Haltung und Gang und nun sah die Gestalt auf und Snape nickte ihr grüssend zu. Er trug einen Beutel in der Hand, aus dem mehrere Stiele und Blätter hervorragten. Offensichtlich hatte er sich mit Trankzutaten eingedeckt.
Snape ging zielstrebig zu ihr und als er sie erreichte, musterte er sie kritisch. Sie begrüßten sich und er musterte sie noch einmal eindringlich, dann sagte er mit milder Zufriedenheit in der Stimme: „Es geht Dir besser."
Carol nickte und erzählte ihm, was sie bei Hagrid mit den Einhörnern erlebt hatte. Sie schilderte jedes Detail und sie strahlte unbändige Freude dabei aus. So sehr, dass er fast lächeln musste.
Carol bemerkte es und sagte schmunzelnd: „Siehst Du? Tut doch gar nicht weh, mal zu lächeln." Sie lachte ihn an, aber seine Miene wurde düster.
Sehr leise sagte er: „Nein, es tut nicht weh, zu lächeln. Aber es schmerzt, sich zu erinnern, dass es einmal eine Zeit gab, als ein Lächeln nichts Besonderes war, auf das man hingewiesen wurde."
Carol schwieg, es gab nichts, was sie darauf erwidern konnte, es gab keine tröstenden Worte, die etwas gegen den Schmerz und die Bitterkeit ausrichten konnten, die in diesen Worten mitschwangen.
Schweigend gingen sie über das Gelände und langsam wich die Spannung, die Snape umgeben hatte wieder.
Nach einer Weile entdeckten sie abseits des Weges zwei Personen, die sich offensichtlich stritten. Sie gestikulierten heftig und vereinzelt waren lautere, aber unverständliche Worte zu hören.
Carol und Snape näherten sich schneller, um zu sehen, was da los war und dann erkannten sie Nicholas Kasparian und Draco Malfoy, die in ihren heftigen Streit vertieft waren. Draco warf die Arme in die Luft und fuchtelte mit seinem Zauberstab. Kasparians Gesicht war rot vor Zorn und er hob die Hand, als wolle er Draco schlagen.
Snape bleib stehen, wandte sich an Carol und sagte: „Warte hier, ich glaube dort werde ich als Hauslehrer gebraucht."
Mit eiligen Schritten und wehendem Umhang ging er auf die beiden Personen zu. Carol blieb im Schatten der nahen Bäume stehen und beobachtete die Szene. Der blonde Junge wandte sich an Snape, seine Gesten wirkten aufgebracht. Kasparian stand wie eine Statue da, den Arm ausgestreckt und sein Finger deutete auf den Jungen. Dann sagte er so laut, dass sogar Carol es in der Entfernung deutlich hören konnte: „Keine Malfoy-Brut wird je anders von mir behandelt werden."
„Es reicht!", erklang nun auch Snapes Stimme schneidend. Dann wandte er sich wieder an den Jungen, der nach ein paar Worten zornig in Richtung Schloss davon stapfte.
Snape sprach noch ein paar Worte mit Kasparian, der aber wieder völlig entspannt und höflich wirkte. Als auch dieser sich zum Gehen wandte, kehrte Snape zu Carol zurück.
Sie hob fragend die Augenbrauen, aber er winkte nur ab: „Alberne Schulstreitereien, nichts wichtiges."
„Nun, ich fand, es klang beunruhigend, wenn Du mich fragst."
„Ich frage Dich nicht", entgegnete er grob, fügte dann aber versöhnlicher hinzu: „Slytherin-Angelegenheiten. Wir tragen die Dinge nie nach Außen. Nie."
Damit schwieg er.
Carol seufzte, insistierte aber nicht und so gingen sie schweigend zurück zum Schloss.
