Kapitel 44: Slytherin-Angelegenheiten

In der wohligen Wärme ihres Zimmers fiel Carol erst auf, wie eisig kalt es draußen gewesen war und dass sie bis auf die Knochen durchgefroren war. Sie schauderte, hüllte sich in eine warme Decke und setzte sich in einen der riesigen Ledersessel vor dem Kaminfeuer. Sie starrte in die Flammen, fühlte eine wohlige Trägheit in sich aufsteigen und rief leise nach Winky. Die kleine Elfe erschien sofort und Carol fragte sie, was man als frischgebackene Eulenbesitzerin beachten musste. Winky erklärte ihr einiges über die Vögel und brachte schließlich noch eine kleine Porzellandose, die mit Eulenkeksen gefüllt war. Damit könne Carol ihrer Eule eine große Freude machen, erklärte Winky ernsthaft.

Carol hörte ihr aufmerksam zu und beschloss, Coco gleich morgen mit einem Brief zu Augusta zu schicken, einfach, um dem Tier eine Aufgabe zu geben und einen Grund zu haben, ihr ein paar Kekse in die Eulerei zu bringen.

Anschließend nahm sie ein Bad und widmete sich wieder einigen Büchern und Schriften, die noch immer überall herumlagen und die sie studieren wollte.

Sie aß eine Kleinigkeit unter den wachsamen Augen von Winky und schließlich suchte sie eine Weinflasche aus dem kleinen Vorrat heraus, den sie sich hierher mitgebracht hatte. Als es kurz vor acht Uhr war, machte sie sich auf den Weg zu Snapes Räumen.

Severus Snape erreichte seine Räume in den Kerkern ohne sich genau daran zu erinnern, wie er hergekommen war. Er schloss die schwere Tür hinter sich und lehnte sich von innen dagegen. Zum ersten Mal seit dem Gespräch mit Bellatrix hatte er das Gefühl ein wenig freier atmen zu können. Jetzt, da er sich nicht kontrollieren musste, wo er nicht darauf achten musste, dass keiner seinen Gesichtsausdruck entschlüsseln konnte.

Mit raschen Schritten ging er zu seinem Schreibtisch, setzte sich und stützte den Kopf in seine Hände. Er brauchte einen Plan. Einen guten Plan, der seine Tarnung aufrecht erhielt und Carol trotzdem schützte.

Was für eine verfluchte Situation, was für ein verfluchtes Leben.

Wann hatte das alles angefangen? Wann hatte alles begonnen diesen schrecklich falschen Weg zu nehmen? Wann war die Falle über ihm zugeschnappt, ohne, dass er es gemerkt hatte?

Mit einer plötzlichen Bewegung seines Armes und einem gepressten Wutschrei fegte er einen Stapel Pergamente vom Schreibtisch.

Er atmete tief durch und bekam sich wieder unter Kontrolle. Es hatte nichts geholfen, er fühlte sich kein bisschen besser.

Immer wieder hallten Bellatrix' Worte in seinem Geist wider, er wusste, er würde es sich nicht verzeihen können, wenn er Carol nicht beschützte, wenn sie in die Fänge des dunklen Lords geraten würde.

Er versuchte klar zu denken, einen Plan zu ersinnen, aber nichts außer schrecklichen Bildern kam ihm in den Sinn.

Vielleicht sollte er Dumbledore einweihen und um Hilfe bitte, sicher konnte er Carol fortschaffen, irgendwohin, wo sie in Sicherheit war. Aber es widerstrebte ihm, den Schulleiter mit noch einem weiteren Problem zu belasten. Immerhin hatte dieser schon die ganze Last des Widerstandes gegen den dunklen Lord und seine immer dreister werdenden Schergen, des Chaos im Ministerium und dessen Folgen und der Leitung der Schule und Ausbildung und Sicherheit der Schüler zu tragen.

Es wäre nicht angemessen, ihm noch mehr Lasten aufzuladen.

Nein, dies war sein eigenes Problem, etwas, das er ganz alleine lösen musste.

Und im allergrößten Notfall konnte er ihr ein Elixier brauen, das ihr wenigstens einen gnädigen, schnellen Tod verschaffte.

Er schüttelte den Kopf. Soweit durfte es nicht kommen, auf keinen Fall.

Schließlich sah er ein, dass er keinen vernünftigen Plan zustande bringen würde und beschloss, an ein paar Trankrezepten zu arbeiten, um einen klaren Kopf zu bekommen. Tief in Gedanken versunken zog er einige Pergamente aus einer Schublade, zog sich zwei Bücher heran und begann auf den Pergamenten, die schon voller Notizen, durchgestrichener Formeln und einzelnen schematischen Zeichnungen verschiedener Pflanzenquerschnitte waren zu schreiben.

Ein leises Klopfen riss ihn aus seiner Arbeit und ließ ihn hochschrecken.

Zu vertieft war er in seine Arbeit gewesen, als dass er gemerkt hätte wie die Zeit verging und dass es bereits acht Uhr war.

Wieder einmal stellte er fest, wie gut es tat, seine Gedanken durch konzentriertes Arbeiten zu reinigen. Nur hatte er es nun versäumt, sich ein wenig auf das Gespräch vorzubereiten. Er seufzte leise, dann öffnete er die Tür und bat Carol herein.

Sie sah sich neugierig um, erfasste den Raum mit Blicken und stellte fest, wie sehr er zu Snape passte.

An einem Ende stand ein wuchtig wirkender, massiver Schreibtisch aus dunklem Holz vor einer Wand aus Bücherregalen voller dicker Folianten, zwischen denen Gläser standen in denen merkwürdige Dinge in trüben Flüssigkeiten schwammen. Sie wollte sich lieber nicht vorstellen, was das war, aber es wirkte, als wären es Sachen, die zerstückelt, gemörsert, geschrotet oder ausgekocht in seine allgegenwärtigen Tränke gehörten.

Auf dem Schreibtisch stapelten sich Bücher, Pergamente, Federn und Tintenfässer.

Sie musste wieder denken, wie wunderbar es eigentlich war, dass diese Menschen mit Tinte auf Pergament schrieben. Es passte irgendwie zu ihrer Art zu leben und ließ das Geschriebene wichtig und wertvoll erscheinen.

Er durchquerte vor ihr den Raum und ging auf das gegenüber liegende Ende zu. Dort standen zwei alt aussehende Ledersessel und ein ebensolches Sofa. Dunkles, schweres Leder, alt und ein wenig blank gescheuert, aber durchaus passend für diesen Raum. Sie umrahmten einen Tisch, der eine Miniaturausgabe des riesigen Schreibtischs zu sein schien. Das gleiche dunkle Holz der gleiche Eindruck unvergänglicher Massivität.

Sie setzte sich in einen der Sessel und reichte ihm die Weinflasche, die er schweigend auf die wohlbekannte Art öffnete. Mit einem gezielten Schlenker seines Zauberstabs erschienen edle Kristallgläser auf dem Tisch und wieder einmal fühlte sie einen Anflug von Neid auf diese so praktischen Fähigkeiten, die die Zauberer hatten.

Sie musste lächeln, was er mit einem fragenden Blick quittierte, als er sich in den anderen Sessel setzte.

„Hast Du Hunger", fragte er. „Ich könnte die Hauselfen beauftragen, Dir ein Abendessen zu richten."

Sie schüttelte den Kopf. „Danke, aber Winky hat mich schon versorgt."

Er nickte, dann tranken sie einen Schluck des Rotweins. Schweigend blickte er auf die dunkelrote Flüssigkeit, dann, nach einer Weile, blickte er sie an, sagte jedoch weiterhin nichts.

Carol wusste nicht so recht, wie sie die tausend Fragen, die sie hatte aussprechen sollte, als beschloss sie, einfach drauf los zu reden.

„Erzähl mir von Kasparian. Was ist es, das ihn, Dich und die Malfoys so eng miteinander verwoben hat. Und erzähl mir nichts von Slytherin-Angelegenheiten, bitte. Ich frage nicht aus reiner Neugier, nur wenn ich begreife, was es für Verbindungen gibt, was die einzelnen Personen antreibt, kann ich verstehen und nur aus dem Verstehen werden ich das Wissen ziehen können, das zu tun, was richtig ist."

Sie schwieg, hoffte, er würde verstehen, was sie bewog, ihn so auszufragen.

Er nickte stumm, nahm einen weiteren Schluck aus seinem Glas und begann dann zu erzählen.

Er hatte als Junge nicht viel davon mitbekommen, was die Gruppe um Lucius Malfoy in der Schule angestellt hatte. Immerhin war er ein Erstklässler gewesen, Kasparian, Malfoy und dessen Gang waren Sechstklässler und er hatte sie nur aus der Ferne und nicht für lange erlebt. Er hatte selber genug Probleme gehabt und sein Hass auf die Gryffindor-Bande und die Ungerechtigkeiten, die ihn immer benachteiligten gegenüber diesen Jungen waren für seinen Schulalltag bestimmend gewesen.

Auch wenn Malfoy, Kasparian und er in einen Haus gewesen waren, so waren die Kontakte zwischen den Jahrgängen nicht sehr ausgeprägt gewesen. Nur wenige Schüler schafften es, Anerkennung und Freundschaft auch in anderen Jahrgängen als dem eigenen zu erlangen und Nicholas Kasparian war einer von ihnen gewesen. Er war niemals herablassend oder unfair den jüngeren gegenüber gewesen, hatte jeden Slytherin gleich angesehen und niemals irgendetwas gegen einen Hauskameraden gesagt oder getan.

Selbst Malfoy, den er zutiefst zu verabscheuen schien, behandelte er respektvoll und sagte in der Öffentlichkeit niemals ein geringschätziges Wort gegen ihn. Nur manchmal hörte man sie erbittert streiten, so laut, dass es selbst in den Schlafsälen der unteren Klassen zu hören war.

Es ging das Gerücht, dass sie sich mehrmals nachts auf dem Gelände duelliert hatten und sowohl Kasparian, als auch Malfoy waren deshalb mehrfach im Krankenflügel behandelt worden.

Die Schüler wisperten, die beiden Jungen hätten niemals einen eindeutigen Sieger ermitteln können, aber das läge nur daran, dass Kasparian Malfoy zwar haushoch überlegen sei, der aber immer wieder zu unfairen Mitteln und dunklen Künsten gegriffen hätte, so dass am Ende immer ein Gleichstand heraus kam.

Snape war niemals in diese Geschichten involviert, er hatte alles nur aus der Ferne mitbekommen und war daran auch nur mäßig interessiert.

Beide Familien waren alte Reinblüter und blickten auf eine lange Tradition im Hause Slytherin zurück, so dass sie sich gegenseitig ein gewisses Maß an Respekt zollen mussten, denn es war unmöglich, sich trotz aller Differenzen nicht als gleichwertig anzusehen. Das schien das besondere Dilemma Malfoys zu sein, denn normalerweise stempelte er seine Gegner gerne als unrein oder Blutsverräter ab, was bei Kasparian aber völlig unmöglich war. Zu untadelig war der Ruf der Familie und zu klar war deren Position in der Zauberergemeinschaft.

Schließlich hatten die beiden Kampfhähne die Schule verlassen und die ganze Sache war in Vergessenheit geraten.

Snape hatte später von Lucius dessen Version der Geschichte gehört, nach der Kasparian ein Feigling war, der die Familie Malfoy fortwährend beleidigt habe.

„Allerdings ist Lucius Malfoy nicht gerade ein Paradebeispiel für eine objektive Beurteilung, insbesondere, wenn er selber in eine Geschichte verstrickt war und ganz besonders dann nicht, wenn er in dieser Geschichte nicht besonders gut aussah. Deshalb ist auf seine Darstellung nicht allzu viel zu geben", schloss Snape seine Erzählung.

Carol hatte schweigend zugehört, nun nickte sie und sagte leise: „Es ist schon erstaunlich, wie weit so alte Geschichten reichen können, wie stark der Arm der Vergangenheit sein kann."

Snape nickte, keiner wusste das besser als er.

Er fuhr noch ein wenig fort, zu erklären, eigentlich ging ihn die ganze Sache nichts an und sie hatte ihn auch nie sehr interessiert, bis jetzt, da Kasparian als Lehrer zurückgekehrt war und Snape als Hauslehrer Slytherins für seine Schüler verantwortlich war. Und einer dieser Schüler war eben Draco Malfoy, der die Gedanken seines Vaters weiter trug und somit den alten Konflikt wieder hatte aufbrechen lassen.

„War Kasparian… Du weißt schon, war er einer von Voldemorts Leuten, damals?"

„Seine Familie sympathisierte mit den Idealen des dunklen Lords, wie es zu jener Zeit so viele taten.

Lucius musste trotz seiner Abneigung zugeben, dass Kasparian ein herausragender Zauberer war, ungewöhnlich talentiert und mit einer natürlichen Leichtigkeit im Umgang mit Zaubern und Flüchen gesegnet. Deshalb heuchelte er Freundschaft und versuchte, Nicholas für die Todesser zu gewinnen, denn mit einem solchen Verbündeten an seiner Seite, wäre sein eigenes Ansehen in den Kreisen der Todesser noch einmal enorm gestiegen.

Kasparian war nie der Mensch, der sich auf geheuchelte Freundschaften einließ und so ließ er Lucius kalt abblitzen. Er liebäugelte jedoch mit Voldemorts Leuten und der Macht, die sie ausübten. Von vielen Seiten bedrängt, sich en Todessern anzuschließen schob er die Entscheidung immer wieder vor sich her. Es ist wohl nie seine Stärke gewesen, sich ganz eindeutig für eine Sache zu entscheiden, denn er stellte sich auch niemals offen oder verdeckt gegen den dunklen Lord.

Letztendlich hat ihm die Zeit die Entscheidung abgenommen, wir alle wissen, was aus dem dunklen Lord und seinen Leuten wurde.

Bis heute ist niemals klar geworden, wo er stand und steht und ich persönlich glaube auch nicht, dass er jemals klar Stellung beziehen wird."

„Hm…", Carol schwenkte den Wein in ihrem Glas bedächtig, eine Geste, die von Snape seit sie sich kannten mit leichter Verwunderung beobachtet wurde. Sie folgte der träge kreisenden Flüssigkeit in ihrem Glas mit den Augen und schien das Gehörte mit dem, was sie selber wusste zu verbinden.

„Es scheint auch ein wenig so, als gefiele er sich in der Rolle des Undurchsichtigen", sagte sie nach einer Weile lächelnd.

Snape kniff die Augen zusammen.

„Er war schon immer für seinen Charme bekannt. Sei vorsichtig, es heißt, er nutzt ihn gerne, um eigene Ziele zu ereichen.

Ich halte ihn für einen Opportunisten, der nur seinen eigenen Vorteil sucht in allem, was er tut. Er kaschiert das aber immer mit den Idealen seiner Familie, denen er aber nur dann folgt, wenn es ihm nützt. Sein Charme und seine Umgangsformen machen es ihm leicht, diesen Umstand zu verbergen und in den Augen anderer als guter Kerl dazustehen. Und wie ich sehe, wirkt diese Methode noch immer."

Er musterte Carol, deren Lächeln in die Breite wuchs.

„Severus, ich bin keine zwanzig mehr und ich bin nicht weltfremd, auch, wenn ich manchmal den Eindruck erwecken mag. Mir sind schon viele Männer begegnet, die meinten, mit Charme einen Vorteil herausschlagen zu können, ohne Rücksicht darauf, wer auf der Strecke bleibt.

Ich werde mich hüten und darauf herein fallen, aber es ist angenehm, sich mit Kasparian zu unterhalten und ich sehe keinerlei Anlass, auf eine angenehme Unterhaltung zu verzichten. Die Zeiten sind bedrückend genug." Sie trank einen Schluck Rotwein.

„Außerdem ist es nicht die schlechteste Position, das Ziel eines undurchsichtigen Mannes zu sein, der glaubt, sein Charme könne überdecken, dass er eigene Ziele verfolgt. Solche Männer neigen dazu, zu glauben, sie wären die einzigen, die das Spiel beherrschen und übersehen dabei, dass Aushorchen und Abklopfen in beide Richtungen funktioniert."

Sie lachte, als sie Snapes Gesichtsausdruck sah.

„Ich beherrsche das Spiel durchaus, Severus. Und ich sehe, dass sich die Anzeichen für eine Zuspitzung der Situation verdichten. Der fragile Frieden wird nicht mehr lange halten, das spüre ich mit jeder Faser, es schwebt über uns allen. Kasparian ist hier, im Zentrum der einen Seite dieses Kampfes und ich möchte wissen, wo er steht."

Snape sah sie nun mit erhobenen Augenbrauen an, sagte aber nichts mehr.

Sie schwiegen eine Weile, in der Snape erstaunt feststellte, dass Carol ihn immer wieder überraschen konnte. Er war wirklich der Meinung gewesen, Kasparian hätte sie eingewickelt und dass sie ein eigenes Spiel spielte, in dem sie seine Eigenheiten benutzte war das letzte, was er vermutet hätte.

Wieder überlegte er, ob es nicht doch besser wäre, sie über die drohende Gefahr aufzuklären, in der sie schwebte. Ihr zu erklären, was sein Auftrag war und darauf zu hoffen, dass sie auch damit fertig wurde.

Dann aber verwarf er diesen Gedanken wieder, sie hatte wahrlich genug andere Sorgen. Dies war ein Problem, das er alleine lösen musste und er wollte ihr nicht noch mehr aufladen.

Er bemerkte, dass sie ihn stirnrunzelnd musterte.

„Ist sonst noch irgend etwas passiert, außer dem Vorfall mit Harry?", sie sah ihn forschend an. „Du wirktest vorhin ein wenig… verstört."

Er hob eine Augenbraue und kräuselte die Lippen.

„Verstört? Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht verstört gewirkt und werde sicherlich heute nicht damit angefangen haben."

Sein Tonfall war spöttisch, aber sie meinte einen leisen, undefinierbaren Unterton zu vernehmen.

Es war vertrackt, er mauerte und ihr wurde klar, dass sie das nur akzeptieren konnte.

Seufzend beließ sie es dabei und sie tranken den Wein aus. Schließlich verabschiedete sich Carol, es war spät geworden und sie war müde. Auch Snape sah erschöpft aus, aber sie tat so, als wäre alles in bester Ordnung. Wenn er das, was immer ihn bedrückte mit sich selber ausmachen wollte, dann würde sie versuchen, ihn zu unterstützen, auch wenn das bedeutete, ihn einfach in Ruhe zu lassen und nur dann da zu sein, wenn er von sich aus reden wollte.

Als sie sein Zimmer verlassen hatte, setzte sich Snape noch einmal an seinen Schreibtisch, um eine Notiz an Minerva McGonagall zu schreiben, in der er sie für den morgigen Tag um ein Gespräch bezüglich Potters Verteidigungs-Clubs bat. Er betonte, dass es sich um eine dringende Angelegenheit handele, bei der ihre Autorität als Hauslehrerin benötigt würde.

Nachdem er einen Hauselfen beauftragt hatte, die Notiz zu überbringen, begab er sich zur Ruhe, ohne allerdings die Hoffnung zu hegen, Schlaf zu finden.

In ihrem Zimmer fand Carol einen Brief von Remus vor, der seine Ankunft in Hogwarts für den nächsten Tag ankündigte.

Strahlend vor Glück ließ sie alle Sorgen und Gedanken hinter sich und gab sich ganz ihrer Vorfreude hin.

Sie schlief wie ein Baby und wachte am Morgen erfrischt und ausgeruht auf. Sofort erinnerte sie sich an den Brief und sprang aus dem Bett, um nachzusehen, ob es ihn wirklich gab, oder ob sie das nur geträumt hatte.

Er war da und lag auf dem Tisch, wo sie ihn gestern Abend liegen gelassen hatte. Voller Vorfreude machte sie sich fertig und frühstückte dann ausgiebig. Danach schrieb sie den geplanten Brief an Augusta und berichtete, was in Hogwarts so alles passiert war in letzter Zeit.

Mit dem Brief und einigen Eulenkeksen bewaffnet stieg sie hinauf in die Eulerei, nachdem Winky ihr genau den Weg erklärt hatte. Die Elfe hätte ihr gerne selber den Weg gezeigt, war aber aufgeregt damit beschäftigt, Remus' Ankunft vorzubereiten, wie sie atemlos berichtete. Carol fragte nicht nach, was Winky da vorbereiten wollte, sie freute sich über den glücklichen Eifer der Hauselfe und machte sich mit deren genauen Weginstruktionen auf den Weg.

Es war die Zeit nach dem Frühstück der Schüler, so dass alle in ihren Klassenräumen waren und das Schloss wie ausgestorben wirkte. Fasziniert betrachtete sie alles, was sie auf ihrem Weg zu sehen bekam und ein weiteres Mal war sie begeistert über die Schule.

Schließlich erreichte sie die Eulerei und sah sich um. Hunderte von Eulen saßen auf Stangen, Mauervorsprüngen, in Nischen und Erkern.

Wie sollte sie nur ihre Eule hier finden?

Leise rief sie Cocos Namen. Ein Rascheln zog sich durch den hohen Raum, als viele Eulen ihre Köpfe unter den Flügeln hervorzogen und mehr oder minder interessiert in ihre Richtung sahen.

Aus einer entfernten Ecke löste sich eine kleine Gestalt und flog auf sie zu. Coco hatte sie erkannt und kam sofort zu ihr.

Carol staunte ein weiteres Mal über die Eulen und ihre Fähigkeiten.

Sie fütterte Coco, die inzwischen auf ihrer Schulter gelandet war mit einem Eulenkeks, den diese freudig annahm. Dann gab sie ihr den Brief und sagte sicherheitshalber noch einmal ganz genau, wohin er sollte.

Coco schuhute leise und klang etwas entrüstet, dass man ihr offenbar nicht zutraute, den Brief auch ohne mehrmalige Wiederholung des Adressaten zuzustellen. Carol schmunzelte und entschuldigte sich, worauf die Eule zügig los flog.

Sie machte noch einen kleinen Spaziergang um die Gewächshäuser, dann kehrte sie in ihre Räume zurück, um auf Remus zu warten.