Kapitel 46: Durchschaut

Die stellvertretende Schulleiterin saß vor Albus Dumbledore und sah ihn erwartungsvoll an. Sie hatte ihren Konflikt mit dem Hauslehrer der Slytherins ausführlich geschildert und wartete nun auf seine Meinung dazu.

Der Schulleiter sah nachdenklich drein und erklärte ihr dann, er wolle den Fall mit Snape besprechen und nachdem er dessen Seite gehört habe eine Entscheidung treffen.

Zufrieden erhob sich McGonagall und verabschiedete sich, um eine weitere Klasse in Verwandlung zu unterrichten.

Dumbledore lehnte sich in seinem Stuhl zurück, als sie sein Büro verlassen hatte und strich sich nachdenklich seinen langen weißen Bart. Etwas stimmte hier ganz und gar nicht. Er kannte Severus Snape sehr lange und was er eben gehört hatte, beunruhigte ihn.

Er ging in Gedanken die Stundenpläne des heutigen Vormittags durch und erkannte, dass vor dem Mittagessen genug Zeit war, die Angelegenheit mit Snape zu klären.

Als es schließlich Zeit war, rief er seinen Zaubertranklehrer durch den Kamin in dessen Büro zu sich und kurz darauf erschien dieser in Person.

Der Schulleiter hatte Tee und Biskuits auf einem kleinen Tischchen in einer Ecke seines Büros vorbereitet und obwohl er die Natur seines Lehrers eigentlich besser kannte, so hoffte er doch, dass die Atmosphäre dadurch etwas entspannter wurde.

Sie setzten sich und nach einer kurzen Zeit des Gedankenordnens begann Dumbledore.

„Mir ist zu Ohren gekommen, es gab einen unerfreulichen Zwischenfall mit Harry und seinen Freunden?" Er warf Snape einen auffordernden Blick zu.

Dieser atmete tief ein und schilderte dann den Vorfall aus seiner Sicht.

Der Schulleiter hörte aufmerksam zu, warf ab und zu eine Frage ein und versuchte zu ergründen, was es zwischen den Zeilen des Dargestellten zu sehen gab.

Schließlich endete Snape und sah auf das Tischchen, das sich zwischen ihnen befand. Er mied den Blick des Schulleiters, denn schon während seines Berichts war ihm klar geworden, dass er wie ein Fanatiker klingen musste.

Als er alleine darüber nachgedacht hatte und sogar noch während des Streits mit Minerva war ihm sein Standpunkt völlig logisch und plausibel erschienen und er war sicher, im Recht zu sein, wenn auch nicht unbedingt jeder das so sehen würde.

Nun aber, unter den verständnisvollen Blicken seines Schulleiters hatten seine Worte ihre Überzeugung verloren und das war durch die vereinzelten, leisen Fragen des alten Mannes nur noch schlimmer geworden.

Nach einer Weile des Schweigens begann der Schulleiter langsam den Verdacht, der ihm während Snapes Bericht gekommen war, in Worte zu fassen.

„Es war doch nicht der harmlose Patronus, der Dich dazu bewegt hat, Harrys Gruppe verbieten lassen zu wollen, oder, Severus?

Dumbledores Blick war bohrend und ernst.

„Ich kenne Dich nun schon so lange, Du kannst sehr gut einschätzen, was eine angemessene Reaktion ist, auch, wenn Du manchmal versuchst, uns vom Gegenteil zu überzeugen."

Um die Mundwinkel des alten Zauberers spielte die Andeutung eines Lächelns, seine Augen waren weiter forschend interessiert auf seinen Zaubertrank-Lehrer gerichtet.

In die Stille hinein begann eines der zierlichen Instrumente, die über all auf kleinen Tischchen standen, leise zu surren. Dünne Flügelchen fingen an, sich um einen gläsernen Korpus zu drehen und mit jeder vollendeten Drehung erklang ein zartes, glockenhelles Geräusch, das sich angenehm von dem monotonen Surren abhob.

Dumbledore erinnerte sich daran, dass es schon damals, als der Junge Severus ihm gegenüber gesessen hatte, nicht einfach gewesen war, ihn dazu zu bringen, das zu sagen, was er wirklich dachte und fühlte. Schon damals hatte der Schulleiter gelernt, dass dieser Junge niemals mit Druck, sondern nur mit besonders viel Geduld zum Sprechen zu bewegen war.

Snape schwieg weiter. Er war sich bewusst, dass er sich selber in diese Falle manövriert hatte und er verfluchte sich dafür. Aber erst jetzt wurde ihm langsam klar, wie sehr ihn seine Wut auf Bellatrix und das Gefühl der Hilflosigkeit geblendet hatten. Er hätte sich diese Situation hier ersparen können, wenn er Potter gegenüber nicht die Nerven verloren hätte.

Der Schulleiter fuhr unbeirrt fort: „Severus, es ist zwecklos, die Dinge immer alleine angehen zu wollen, ich hatte gehofft, Dir das in all den Jahren vermittelt zu haben. Vertraust Du mir nicht?

Was ist es, dass Dir so auf der Seele liegt, dass Du Deine Beherrschung verloren hast?"

Mit einem unhörbaren Seufzer ergab Snape sich in sein Schicksal. Auch er kannte sein Gegenüber lange genug, um zu wissen, dass sein Mentor nicht aufgeben würde, bis er erfahren hatte, was er wissen wollte.

Leise berichtete er von dem Treffen mit Bellatrix und von den Befehlen des dunklen Lords.

Als er schließlich endete, breitete sich Schweigen zwischen den beiden Männern aus.

„Nun, ich denke, wir sollten Ms Featherton über die Lage in Kenntnis setzen, findest Du nicht auch, Severus?", sagte der Schulleiter sanft, nachdem er eine Weile über das Gehörte nachgedacht hatte.

„Da bin ich anderer Meinung, Schulleiter", erwiderte Snape. Seine Stimme klang beherrscht, aber die Antwort war eine Spur zu schnell gekommen, um Dumbledore über seine wahren Gefühle zu täuschen.

„Severus, sie ist ein erwachsener Mensch. Sie hat sich entschieden hier bei uns zu sein, an unserer Seite und auch, wenn wir wissen, welche Gefahren drohen und wohl kaum in der Lage sind, ihr das Ausmaß der Bedrohung klar zu machen, so hat sie doch das Recht, zu erfahren, in welcher Gefahr sie schwebt.

Wir können Maßnahmen zu ihrem Schutz ergreifen, Pläne schmieden und müssen sie darüber informieren, wie wir wie schützen wollen."

Snape wollte widersprechen, schluckte dann jedoch seine Worte herunter. Im Grunde hatte Dumbledore Recht und er würde sich sicherlich auch nicht von seiner Entscheidung abbringen lassen.

Er nickte in Gedanken versunken und Dumbledore erklärte, er wolle Ms Featherton zu dem Gespräch hinzu holen.

Kurz zögerte Snape, es widerstrebte ihm, jetzt mit Carol darüber zu reden, nachdem er ihr zuvor in einem sehr viel persönlicheren Gespräch nichts gesagt hatte. Er kam sich schäbig vor bei dem Gedanken und der bittere Geschmack des Betrugs machte sich auf seiner Zunge breit.

Dumbledore schien nichts davon zu bemerken oder ließ sich zumindest nichts anmerken, als er sich zum Kamin bewegte, um Carol zu rufen.

Carol ging zielstrebig durch die Korridore auf den Seitenausgang des Schlosses zu, um ihr Vorhaben im verbotenen Wald zügig hinter sich zu bringen, als hinter ihr eine Stimme ihren Namen rief.

Sie drehte sich um und sah Nicholas Kasparian an einer Abzweigung stehen. Er winkte ihr fröhlich zu und als sie näher kam, begrüßte er sie mit der ihm eigenen Begeisterung.

Sie musste spontan lächeln und dachte kurz, was für ein charmanter Mensch er doch war. Er erzählte ihr, er habe eine Freistunde und wollte eigentlich einige Aufsätze korrigieren. Er hielt einen Stapel Pergamentbögen hoch, um seine Worte zu unterstreichen.

Doch nun, beim Anblick einer lieben Freundin, wäre ihm eher nach einem zweiten Frühstück, natürlich nur in netter Begleitung.

Er zwinkerte ihr zu und hielt ihr einen Arm hin.

Carol wehrte ab und erklärte, sie wolle hinaus, einige Dinge erledigen, doch Kasparian wischte ihre Einwände mit einer lockeren Handbewegung weg. Was immer sie zu erledigen hätte, eine gute Tasse Kaffee und vielleicht eine Kleinigkeit zu essen würden dabei sicherlich nicht hinderlich sein.

Carol lachte und sie wusste, er würde sowieso nicht locker lassen, also konnte sie auch gleich mitgehen.

Er führte sie in sein Büro und mit einigen Schwüngen seines Zauberstabs war der Tisch gedeckt. Carol begnügte sich mit einer Tasse Kaffee, während Kasparian Tee und kleine Gebäckstücke wählte.

Sie unterhielten sich und zum ersten Mal merkte Carol, wie sehr sie sich innerhalb des Gespräches umkreisten, wie sehr sie beide versuchten, den anderen auszuloten. Carol wollte noch immer herausfinden, welcher Seite sich Kasparian zugehörig fühlte und er war sicher, hinter der Anwesenheit dieser Frau steckte mehr als nur ein wenig Recherche in der Bibliothek der Schule. Er wollte unbedingt herausfinden, wer sie wirklich war und was sie hier tat.

Und so versuchten sie beide den jeweils anderen zu einer unbedachten Äußerung zu verleiten, die Rückschlüsse auf ihren Hintergrund ermöglichte.

Schließlich merkten sie beide, was sie hier taten und lachten spontan los.

Kasparian sah sie einen Moment lang an, dann sagte er plötzlich ernst geworden: „Sie wollen herausbekommen, wo ich stehe, Ms Featherton. Ich wahre Neutralität, soviel kann ich ihnen sagen. Ich werde keine Stellung beziehen, mich auf keine Seite schlagen, das sollten Sie wissen. Ich habe mir meine Neutralität über viele Jahre bewahrt, sie ist mir wichtiger, als alles andere und ich werde sie nicht aufgeben. Was also immer auch ihre Erwartungen an mich gewesen sein mögen, es wäre besser, sich von ihnen zu trennen."

Carol sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Das war offensichtlich die erste gradlinige und rückhaltlos ehrliche Aussage, die er vor ihr je gemacht hatte.

Sie nickte, dann erklärte sie, um weitere Nachfragen über sich selber vorzubeugen, sie müsse nun wirklich los, um verschiedene Dinge zu erledigen.

Kasparian nahm ihr Ausweichmanöver zur Kenntnis, kommentierte es aber nicht.

Als sie sein Büro verließ und durch das leere Klassenzimmer für Verteidigung gegen die dunklen Künste ging, ließ sie ihren Blick durch den Raum schweifen über die unterschiedlichen Bilder an den Wänden und sie schauderte bei dem Gedanken, dass das, was hier gelehrt wurde, vielleicht bald zum Überleben für die Schüler notwendig wurde.

Sie sah auf die Uhr und stellte fest, dass sie sich sputen musste, wenn sie ihren Ausflug zu dem alten Baum noch vor dem Mittagessen erledigen wollte. Eiligen Schrittes verließ sie das Schloss und ging in Richtung des Waldes.

Mark begab sich zum Westfall-Anwesen und traf dort die anderen Mitglieder seiner Gruppe. Sie sahen sich in dem Gebäude um, aber weder Deakins noch Mrs Lestrange waren anwesend, um ihnen ihre Instruktionen zu erteilen.

Schließlich fand Jordan in dem Raum, in dem Mrs Lestrange sie beim letzten Mal instruiert hatte, auf dem Tisch in der Mitte des Raumes einen Umschlag, auf dem ihre Namen standen.

Sie öffneten ihn und lasen erstaunt ihre Anweisungen. Jeder von ihnen las die Bögen Pergament mehrere Male, dann sahen sie sich verwundert an.

Schließlich fragte Mark unsicher: „Wo liegt Hogsmead und was ist so besonderes daran?"

Sie erklärten es ihm, nachdem sie sich wieder klar gemacht hatten, dass er mit den Gegebenheiten in England nicht vertraut war.

Mark stutzte bei dem Gedanken, dass das Dorf ganz in der Nähe von Hogwarts lag, jener Schule, in der der von ihnen allen gehasste Albus Dumbledore Schulleiter war.

Wieder schossen Mark Überlegungen durch den Kopf, ob es wohl möglich sein würde, Kontakt aufzunehmen, aber dann dachte er daran, dass ja auch sein Mentor Severus Snape dort unterrichtete und er traute sich nicht zu, direkt unter dessen Augen gegen den dunklen Lord und seine Leute zu agieren.

Resigniert ließ er den Gedanken wieder fallen, doch noch eine Chance zu bekommen, sich in den Augen seiner Großmutter als würdig den Familiennamen zu tragen zu erweisen.

„Was ist los, Tensborrow? Wieder mal mit Deinen Gedanken bei den feurigen Spanierinnen?"

Die anderen lachten laut über Willows Bemerkung und Mark ärgerte sich wieder einmal, dass seine häufige Geistesabwesenheit immer häufiger Anlass zu Spott bot. Aber wie jedes Mal grinste er verlegen und murmelte etwas von einer jungen Frau, die er nicht vergessen konnte.

Es gab keine solche Frau, die er in Spanien zurück gelassen hatte, aber es war besser, die Anderen dachten, so etwas und spotteten, als dass sie Verdacht schöpften, worüber er wirklich nachdachte.

Sie lasen die Nachricht noch einmal gemeinsam, damit jeder wusste, was er zu tun hatte.

Ihre Befehle lauteten, sie sollten sich im Laufe der nächsten Woche nach Hogsmead begeben, sich dort einquartieren und sich in Bereitschaft halten, weitere Befehle zu bekommen. Ihnen wurde nahe gelegt, die örtlichen Gasthöfe zu meiden und sich bei zwei beigefügten Adressen von treuen Todessern zu melden, die zugesagt hatten, ihnen eine verschwiegene Unterkunft zu bieten.

Außerdem stand in dem Brief, dass Dumbledore, der schwatzhafte alte Narr, wie Mrs Lestrange den Schulleiter nannte, dem dunklen Lord vor sehr langer Zeit stolz erzählt habe, er sei mit den Wirtsleuten des Ortes gut befreundet und habe so immer genaueste Kenntnis über alles, was in den Wirtshäusern vor sich gehe.

Diesen Umstand sollten sie sich zu Nutze machen und einen Abend im Eberkopf verbringen, um in vorgetäuscht betrunkenem Zustand über ihren wichtigen Auftrag im St. Mungos zu beraten. Sie sollten darauf achten, dass der Wirt mitbekommen würde, was sie beredeten, aber in keinem Fall wirklich trinken oder gar betrunken werden. Mrs Lestrange machte unmissverständlich klar, dass sie erwarte, die Gruppe würde ihren Anweisungen wortgetreu folgen. Absolutes Stillschweigen wurde eindringlich gefordert und ihnen wurde noch einmal nahe gelegt, sich keinerlei Fehler zu erlauben.

Jedem der Gruppe war klar, dass es nicht wünschenswert war, sich den Zorn dieser Frau zuzuziehen und so sehr sie sie für ihre Rolle beim dunklen Lord bewunderten, so sehr fürchteten sie doch auch ihr unberechenbares Temperament.

Sie schwiegen eine Weile beklommen und jeder von ihnen machte sich Gedanken, wie er seine Abreise planen und begründen würde.

„Bei uns zuhause wurde gesagt, es gäbe wichtige Pläne, die nun langsam in ihre Endphase kommen würden", unterbrach Mansfield schließlich das Schweigen und klang dabei ein wenig wichtigtuerisch.

Drake nickte. Auch er hatte solche Dinge im Umfeld seiner Familie gehört, angeblich bereite der dunkle Lord sich auf seinen finalen Schlag vor, der ihm endgültig die Macht über die Zaubererschaft verschaffen sollte.

Sie redeten und redeten und Mark hörte staunend zu. Er hatte keine solche Quellen, die über Informationen oder Gerüchte aus dem inneren Kreis der Todesser verfügten. Und so nahm er jedes Wort begierig auf.

Am Ende trennten sie sich und jeder ging nach Hause zurück, um seine Abreise in der kommenden Woche vorzubereiten.

Mark kam in seinem Haus an und ging unverzüglich in sein Arbeitszimmer.

Ihm wurde klar, dass, wenn seine Gruppe in der nächsten Woche nach Hogsmead gehen und sich dort bereit halten sollte, um auf Befehle zu warten, von denen keiner wusste, wann genau sie eintreffen und wie dringend sie ausfallen würden, er seine Okklumentikstunde bei seinem Mentor nicht würde wahrnehmen können.

Einen Moment lang erwog er, seine Absage mit einer Lüge zu begründen, denn in der Nachricht von heute hatte unmissverständlich klar gemacht, dass absolutes Stillschweigen erwartet wurde. Andererseits war Mr Snape natürlich selber einer der besten Leute des dunklen Lords und so dürfte es kein Problem sein, von seinem Auftrag zu berichten.

Da er ja selber nicht wusste, was genau dort passieren sollte, war es sicher ungefährlich, seinem Lehrer zu sagen, wohin er geschickt worden war.

Der Gedanke, wie wenig er und seine Gruppe über die Natur ihres Auftrages wussten, machte ihm plötzlich klar, wie wenig ihr Auftraggeber ihnen traute und er schauderte unwillkürlich bei den denkbaren Konsequenzen dieser Schlussfolgerung.

Remus kehrte in das Gästequartier zurück und sah sich nach Carol um. Seine Vorbereitungen waren absolut nach seinen Vorstellungen verlaufen und er war voller Vorfreude, ihr seine Überraschung zu zeigen. Allerdings wollte er sie vorher noch ein wenig zappeln lassen. Es liebte es, wenn sie so ungeduldig und neugierig war und in Anbetracht ihrer eigenen Geheimniskrämerei letzte Nacht erschien es ihm nur fair, dass auch er ein wenig mit ihrer Neugier spielen wollte.

Er sah das Pergament auf dem Tisch und las die Nachricht, die Carol ihm geschrieben hatte. Wieder rätselte er, was sie wohl vorhaben könnte, aber er hatte keine Idee.

Ein Geräusch ließ ihn den Kopf zum Kamin drehen und in diesem Moment loderten grüne Flammen auf und der Kopf des Schulleiters erschien.

„Oh, Remus. Wie geht es Dir? Ich hatte eigentlich gehofft, Ms Featherton anzutreffen." Er dreht den Kopf suchend herum.

„Sie ist draußen auf dem Schulgelände unterwegs, allerdings weiß ich nicht genau, wohin sie wollte", erwiderte Remus.

„Würdest Du sie bitten, zu mir zu kommen, sobald sie wieder in ihr Zimmer zurückkehrt?"

Remus nickte und erklärte Dumbledore, dass Carol eigentlich bald wieder hier sein müsse, denn auf ihrer Notiz hatte sie angekündigt, zum Mittagessen wieder da sein zu wollen und er würde sie jede Minute erwarten, zumal Winky bereits nach Wünschen für das Essen gefragt hatte.

Dumbledore nickte und bat dann um Verständnis, dass Carol wohl erst nach ihrem Gespräch zum Essen kommen würde, aber das ließe sich leider nicht vermeiden.

Die Eile des Schulleiters ließ Sorgen in Remus aufsteigen. „Was ist denn so dringend, wenn ich fragen darf?"

„Du darfst fragen, Remus, allerdings kann ich Dir die Antwort erst geben, wenn ich Ms Featherton gesprochen habe und sie einverstanden ist, Dich einzuweihen. Das verstehst Du doch, nicht wahr?"

Remus seufzte. Natürlich verstand er es, aber das Gefühl von Sorge wurde stärker und drängender. Er wollte Carol beschützen, auf sie aufpassen, aber wie konnte er das, wenn ihm nichts erzählt wurde?

Mit einem Aufflammen des grünen Feuers verschwand der Kopf des Schulleiters aus dem Kamin und Remus bemerkte, dass er so in Gedanken gewesen war, dass er Dumbledores letzte Worte nicht mehr gehört hatte.

Er beruhigte sich mit dem Gedanken, dass Carol ihn informieren würde, wenn etwas geschehen war und dass es sich hierbei sicher nur um eine private Angelegenheit handeln musste, die eben nur Carol und den Schulleiter etwas anging. Mit dem Gedanken, dass ihr nichts geschehen konnte, solange sie bei Dumbledore war, verscheuchte er seine Sorgen und griff zu einem Buch, um sich die Wartezeit auf ihre Rückkehr zu verkürzen.

Es war kurz vor Mittag, als Carol ihr Zimmer wieder betrat, wo Remus sie schon erwartete. Er erzählte ihr von dem Gespräch mit Professor Dumbledore und dass er sie so schnell wie möglich sehen wollte.

„Wann war das denn?", fragte Carol mit einem Blick auf ihre Uhr.

„Oh, gerade vor ein paar Minuten erst, es passt gut, dass Du in diesem Moment zurück gekommen bist."

Carol nickte und musterte Remus mit fragendem Blick.

„Hat er nicht gesagt, worum es geht?"

„Nein, er sagte, er wolle es Dir selber sagen. Es muss wohl etwas persönliches sein."

Remus schaffte es kaum seine Sorge zu verbergen, als Carol sein Gesicht musterte.

Dann lächelte sie und sagte: „Nun, ich werde es wohl nur herausfinden, wenn ich zu ihm gehe, nicht wahr?"

Sie ging zur Tür, dann drehte sie sich um und sah den immer noch sitzenden Remus erstaunt an. „Kommst Du nicht?"

„Er wollte Dich sprechen, Carol. Du kannst mir später ja erzählen, was los war."

„Ach Unsinn. Was mich angeht, geht auch Dich an. Du bist en Teil meines Lebens und jede Neuigkeit, die mich betrifft, sollte auch Dich betreffen."

Die Selbstverständlichkeit, mit der sie diese Worte sagte, ließen sein Herz höher schlagen und er merkte, wie wenig er eigentlich daran gewöhnt war, sein Leben mit jemandem zu teilen. Er sprang auf, trat neben sie und sagte einen Hauch zu schnell: „Na, dann los. Sehen wir, was es gibt, das so dringend ist."

Sie erreichten das Büro des Schulleiters und zu ihrem Erstaunen sahen sie Severus Snape dort sitzen. Ein ungutes Gefühl erfasste Remus, aber Carol schien völlig frei von solchen Gedanken. Sie lächelte und erwiderte die Begrüßung des Schulleiters. Auf seinen fragenden Blick hin erklärte sie, dass sie auf Remus' Anwesenheit Wert lege und begrüßte anschließend auch Snape freundlich.

Er erwiderte ihren Gruß, sah jedoch sehr verschlossen und finster aus.