Kapitel 53: Ein alter Bekannter

Mark beobachtete, wie Todesser in einer langen Reihe aus der Hütte kamen und sich schnell und lautlos entfernten.

Nach einer Weile kam ein hochgewachsener dunkelhaariger Zauberer, der ihm und seinen Freunden mitteilte, sie sollten sich nun entfernen, jetzt käme nur noch der innerste Kreis um den dunklen Lord und er selber.

Mark und seine Freunde beeilten sich, von der Hütte fort zu gehen. Sie beschlossen, sich gemeinsam in die Kämpfe zu mischen und als Gruppe für ihren Herrn zu kämpfen.

Vorsichtig bewegten sie sich aus dem Wäldchen heraus und sahen sich um.

Willow zeigte auf das Schloss und die anderen nickten. Aufmerksam, jede Deckung nutzend bewegten sie sich auf die Schule zu.

Bellatrix Lestrange lief aufgeregt zwischen den Kämpfenden herum, sie war erregt, diese Art der Kämpfe war für sie die Erfüllung ihrer Träume. Keiner kontrollierte den Einsatz von Flüchen, niemand interessierte sich dafür, wie und gegen wen sie kämpfte, sie war ihre eigene Herrin und konnte die ganze Bandbreite ihres Könnens ausnutzen.

Lachend drehte sie sich herum und suchte sich einen Gegner. Ein Stückchen entfernt entdeckte sie einige Kämpfer, von denen ein rothaariger Mann offensichtlich gerade keinen Gegner hatte.

„Arthur Weasley, der widerliche Blutsverräter", zischte sie hasserfüllt und jagte ihm blitzschnell einige Flüche auf den Hals.

Arthur drehte sich um und wehrte sie ab, so gut er konnte, doch sie hatte den Überraschungseffekt auf ihrer Seite und ihre wilde Art zu Kämpfen überforderte ihn hoffnungslos und brachte ihn in arge Bedrängnis.

Er schaffte es gerade so eben, zu kontern, an eigene Angriffe oder eine Strategie war nicht zu denken und so drängte sie ihn mehr und mehr von den Anderen ab und unter lautem Gelächter ließ sie ihn spüren, wer den Kampf beherrschte.

Abseits von den allgemeinen Kämpfen auf einer kleinen Anhöhe stand eine kleine Gruppe Todesser und beobachtete das Geschehen. In ihrer Mitte stand ihr Anführer, Lord Voldemort persönlich. Auch er beobachtete genau, verschaffte sich einen Überblick über die Kämpfe. Ein seltsames Gefühl von Triumph erfüllte ihn, als er sah, wie sich alles entwickelte. Seine Pläne hatten reibungslos funktioniert.

Allerdings sah er hier weitaus mehr ausgewachsene Zauberer, als er erwartet hatte und da ärgerte ihn. Scheinbar war es Dumbledore, dem alten Narren, irgendwie gelungen, von seinen Plänen Wind zu bekommen und sich Verstärkung zu besorgen. Eigentlich sollte zu diesem Zeitpunkt die Lehrerschaft schon außer Gefecht gesetzt worden sein, aber er war natürlich nicht unvorbereitet gewesen und hatte noch einige Trümpfe im Ärmel.

Suchend ließ er den Blick über den Himmel schweifen und ein böses Lächeln umspielte seinen Mund, als er an das dachte, was er noch erwartete.

Remus versuchte sich zu orientieren und Carol in dem Getümmel zu finden, aber er sah keine Spur von ihr. Er war fest entschlossen, sie zu suchen und ihr Deckung zu geben, bis sie Harry gefunden hatte und dann tat, was zu tun war. Alleine der Gedanke daran schmerzte ihn mehr, als er glaubte ertragen zu können, aber immer wieder verdrängte er das Gefühl und versuchte sich auf die Situation zu konzentrieren. Unaufhörlich nagte der Gedanke an sein Versprechen an ihm und er wollte um keinen Preis der Welt versagen.

Jasper hatte die Fähigkeit besessen in die Zukunft zu sehen und er hatte seinen eigenen Tod vorhergesehen. Und er hatte ihm, Remus, das Versprechen abgenommen, auf Carol aufzupassen, seine Stärke für sie einzusetzen, wenn der Moment gekommen war, dass sie ihre Aufgabe erfüllen musste. Er hatte keine Ahnung, wie das aussehen sollte und er wusste noch immer nicht, welche Stärke Jasper in ihm gesehen hatte, aber er würde alles geben zu dem er in der Lage war.

Auch wenn er nicht wusste, wie er es ertragen sollte in der Nähe zu sein, wenn sie starb, so war er nicht bereit aufzugeben. Er spürte, wie ihm Tränen in die Augen stiegen bei dem Gedanken daran und blinzelte sie fort. Jetzt war nicht die Zeit dafür, sagte er sich immer wieder, später würde er sich die Zeit nehmen, seinem Kummer freien Lauf zu lassen, aber nun waren seine Fähigkeiten als Zauberer gefragt.

Schließlich glaubte er sie zu sehen, wie sie sich weit von ihm entfernt hinter eine kleine Hecke zu ducken versuchte. Offensichtlich war sie vorsichtig genug, sich nicht in Kämpfe verwickeln zu lassen, sondern nur nach Harry Ausschau zu halten. Sein Herz machte einen Satz, als er sie lebend entdeckt hatte und er schwor sich, sie nicht mehr aus den Augen zu verlieren.

Er stürmte vorwärts, an einer Gruppe verbissen kämpfender Ministeriumszauberer und Todesser vorbei, als sich ihm plötzlich eine Gestalt in den Weg stellte.

„Da bist Du ja, mein alter Freund", quiekte die schrille Stimme Peter Pettigrews. „Endlich ist meine Zeit gekommen, endlich kann ich mich dafür rächen, dass Du und Sirius mich den Dementoren ausliefert wolltet." Er kicherte schrill und fuchtelte mit seiner silbrigen Hand vor Remus herum.

„Der dunkle Lord hat mir nicht nur eine neue Hand geschenkt. Sie ist aus Silber. Und was tut Silber mit Werwölfen?" Pettigrews Stimme überschlug sich fast bei der Vorfreude auf das, was er nun endlich tun konnte.

Remus starrte ihn an, dann brach er in schallendes Gelächter aus.

„Peter, Peter, hast Du denn nichts in unserer Schulzeit gelernt? Erinnere Dich an den Unterricht in Verteidigung, als es um Werwölfe ging."

Peters Kichern erstarb. Ungläubig sah er seinen früheren Freund an, der nun nicht mehr lachte, sondern ihn traurig ansah.

„Silber kann Werwölfen nur schaden, wenn sie verwandelt sind. In ihrer menschlichen Form ist es für sie völlig harmlos." Er machte eine Pause, dann fuhr er traurig fort: „Hast Du denn gar nichts gelernt in Deinem Leben, Peter? Ist alles nur Verrat und Betrug, was Du tust?"

Ohne ein weiteres Wort hob Remus seinen Zauberstab, fesselte und knebelte Peter und wandte sich ohne einen weiteren Blick ab.

Voller Schrecken stellte er fest, dass er Carol nicht mehr sehen konnte. Dort, wo er sie entdeckt hatte, war niemand mehr und so sehr er auch suchte, er sah sie nirgendwo.

Er rannte los, sich suchend umsehend, voller Angst, dass er zu spät kommen könnte, dass einer der Todesser sie erwischen würde.

Sicher, sie konnte sich schützen, das hatte er mit eigenen Augen gesehen, aber er wusste auch, wie viel Kraft sie das kostete und dass sie alle Kraft aufbewahren wollte, um Harry zu helfen.

Er rannte weiter…

In der Ferne waren kleine Punkte am Himmel zu sehen, die sich rasch nähern. Plötzlich rief eine Stimme: „DRACHEN!!!"

Und tatsächlich, es waren Drachen, die da heran geflogen kamen. Der dunkle Lord hob seine Arme, als wolle er sie begrüßen.

„Da seid ihr ja, meine Schönen", rief er und seine Stimme klang ekstatisch. „Brennt sie nieder, brennt das verfluchte Schloss und alles was es umgibt nieder, verwandelt in Asche, was sich Euch entgegenstellt!"

Würde nicht eine so schreckliche Gefahr von ihnen ausgehen, so wäre es ein faszinierender und betäubend schöner Anblick gewesen, diese riesigen, eleganten Flugwesen herab gleiten zu sehen, aber als ein Feuerstrahl aus dem ersten Maul schoss, begannen die Kämpfer zu schreien und panisch zu fliehen.

Die Drachen richteten sich gegen das Schloss und als sie es erreichten leckten riesige Flammenzungen über die dicken Mauern und Zinnen. Kleine Feuer entstanden auf den Türmen und Balkonen und an einigen Stellen zersprang das Glas der Fenster unter der Hitze.

Doch schon nach kurzer Zeit drehten die riesigen Flugwesen vom Schloss wieder ab, um sich lohnendere Beute zu suchen.

Sie flogen wieder und wieder über die Ländereien und mit jedem flammenden Atem, den sie ausstießen, loderten Brände auf.

Hagrids Hütte stand in Flammen und sogar die kleine Baumgruppe, die sich hinter Lord Voldemort und seiner Handvoll Todesser befand, brannte und ließ rote Flammen gegen den grauen Himmel flackern.

Er selber stand davor, blickte auf das Chaos aus Tod und Zerstörung, das er inszeniert hatte und lachte zufrieden.

Harry, Ron und Hermine liefen seitlich am schlimmsten Kampfgetümmel vorbei, um zu sehen, ob sie irgendwo helfen konnten. Voller Entsetzen hatten sie gesehen, wie die Drachen das Schloss angegriffen hatten und nun das Chaos durch Brände noch weiter verschlimmerten. Aus einigen Fenstern des Schlosses loderten Flammen, aber insgesamt gesehen schien sich der Schaden an dem alten Gemäuer in Grenzen zu halten.

Die drei waren übereingekommen, sich unter die Kämpfenden zu mischen und zu sehen, ob jemand Hilfe brauchte. Sie wollten de erwachsenen Zauberer nach Kräften unterstützen und so sahen sie sich nach geeigneten Gegnern um.

An einer etwas entfernten Stelle entdeckten sie Tonks, die gerade gegen zwei Todesser kämpfte. Doch bei näherem Hinsehen war zu erkennen, dass die junge Frau sehr gut zurecht zu kommen schien und keinerlei Hilfe benötigte. Sie grinste breit, als sie einem ihrer beiden Gegner einen Fluch auf den Hals hetzte, der seine Beine in Gummi zu verwandeln schien und seine Arme wild flattern ließ. So, auf dem Boden liegend, mit den Armen wedelnd, wie ein neugeborener Pinguin, war er keine Gefahr mehr und sie schickte sich an, auch den anderen außer Gefecht zu setzen.

Grinsend wandte sich Harry ab, als Ron rief: „Da, ich glaube, der braucht Hilfe."

Harry sah dorthin, wo Rons Finger deutete und entdeckte einen Zauberer, der ihm unbekannt war, der aber gerade von zwei weiteren Todessern attackiert wurde.

Ihm fehlte die Souveränität, die Tonks im Kampf an den Tag gelegt hatte und so wurde er von den beiden schwarzgekleideten Gestalten schnell in Bedrängnis gebracht.

Hermine nickte, zückte ihren Zauberstab und ein entschlossener Zug machte sich um ihren Mund breit.

Sie erreichten die Kämpfenden rasch und Ron und Hermine verwickelten den einen Angreifer sofort in ein Gefecht aus Flüchen und Abwehrflüchen.

Harry stand daneben und stellte mit leichtem Staunen fest, was für ein gutes Team die Beiden abgaben. Ohne Worte, nur mit Blicken schafften sie es, ihre Zauber aufeinander abzustimmen und effizient zu arbeiten.

Er unterstütze sie mit seinen Zaubern und sie hatten den Todesser bald niedergerungen und gefesselt. Zeitgleich schaffte es auch der andere Zauberer, seinen Gegner zu lähmen und außer Gefecht zu setzen.

Er nickte ihnen dankbar zu und ging auf eine andere Gruppe kämpfender Ministeriumszauberer zu.

Wie ein Schatten schlich Everett Spangle abseits von seinen Kameraden hinter den Gewächshäusern entlang und beobachtete das Geschehen auf dem Schulgelände.

Abscheu erfüllte ihn bei dem, was er sah. Das Töten war eine Kunst, etwas Heiliges und nicht ein solches Gemetzel, wie es hier veranstaltet wurde.

Er wusste, dass hier eine Schlacht stattfinden sollte und er war voller Vorfreude gewesen, als er erfahren hatte, wann es losgehen sollte. Er war dem dunklen Lord zutiefst dankbar, dass dieser ihn so wunderbar arbeiten ließ und es war ihm einfach nicht klar gewesen, was er hier sehen würde.

Aus irgendeinem Grund hatte er fest geglaubt, dass diese Schlacht etwas Erhabenes sein würde, ein Ort, an dem der Tod zelebriert wurde. Irgendwie war er davon ausgegangen, dass alle seine Kameraden auf wundersame Weise seine Sichtweise über Tod, Blut und Schmerz teilten und dass hier ein wunderbares großes Kunstwerk entstehen würde.

Doch das hier hatte nicht im Entferntesten mit Kunst zu tun.

Wut erfüllte ihn, als er diese schreckliche Verschwendung sah. Wie viele Kunstwerke hätte er aus all diesen Menschen schaffen können, er hätte diese Menschen von ihrer Existenz erlösen können, um ihren Schmerz einem so viel hehreren Ziel zuführen können. Fast traten ihm Tränen in die Augen, als er daran dachte, was hier verloren ging.

Doch dann sah er etwas, das ihm den Atem stocken ließ. Ein Aufschrei voller Wut kam aus seinem Mund, als er loslief.

Neville erreichte die DA-Mitglieder außer Atem und teilte sie ein, wie Harry es ihm gesagt hatte. Gemeinsam mit Luna, seiner Team-Kameradin, führte er die Gruppe an und ließ sie in der Nähe des Schlosses bleiben.

Sie achteten darauf, dass sich niemand dem Schloss näherte. Voller Grauen sahen sie die Drachen, die heran flogen und die Schule anzugreifen schienen.

Doch dann wurde ihre Aufmerksamkeit von etwas anderem in Anspruch genommen.

Eine Gruppe jüngerer Schüler, offensichtlich Erstklässler, Zweitklässler und Drittklässler kamen aus einem Seiteneingang der Schule gelaufen und blickten sich panisch um.

„Schnell, geht zurück ins Schloss", rief Neville und versuchte sie wieder zur Tür zu scheuchen.

Auch die restlichen DA-Mitglieder kamen nun dazu, aber der Strom der Kinder, die aus der Schule liefen wurde immer stärker.

„Da sind Drachen, sie werden das Schloss anstecken!", rief ein kleines Mädchen voller Entsetzen und die Kinder liefen in heillosem Durcheinander von der Mauer fort.

Es war vergebliche Liebesmüh, sie einfangen zu wollen, das erkannte Neville auf einen Blick. Er wies die DA-Mitglieder an, hinter den Kindern herzulaufen und dafür zu sorgen, dass sie nicht in die Kampfzonen gerieten. Vielleicht konnte man sie am Rand des Geschehens in Sicherheit bringen.

Der anführende Drache drehte eine Schleife über dem Land und wandte sich dann wieder den kämpfenden und fliehenden Menschen zu. Ein weiterer Feuerstrahl schoss aus seinen Nüstern und verbrannte eine kleine Hecke. Die anderen Drachen folgten ihm, bleiben immer ein wenig seitlich dahinter und zogen ebenfalls eine Spur aus Feuer und Rauch hinter sich her.

Die Einhörner waren vom Waldrand weg galoppiert und hatten sich vor die flüchtenden Menschen gestellt und wie durch ein Wunder brachen die Drachen den Angriffsflug ab und drehten bei, als sie die weißen Tiere sahen. Als wäre es selbst für sie unmögliche, diesen reinen Geschöpfen etwas zu tun.

Der Anführer der Drachen allerdings drehte nicht bei, er steuerte auf die einsame Gestalt zu, die noch immer dort stand, wo eben noch die Kämpfe gewesen waren und fassungslos auf die Flugwesen starrte.

Hagrid wirkte wie in Trance, er rührte sich nicht, schien nicht einmal zu atmen, als wäre er von einem Basilisken versteinert worden.

Der Drache flog einen Bogen und steuerte den Halbriesen dann direkt an, aber anstatt ihn zu verbrennen, landete das riesige Wesen kurz vor ihm. Es schlug noch einmal mit seinen gigantischen Flügeln und dem gefährlichen Schwanz um sich, dann ging es sehr langsam auf die noch immer stehende Gestalt zu. Kurz vor Hagrid stoppte der Drache, senkte langsam den Kopf, bis er fast auf gleicher Höhe mit dem Kopf des Halbriesen war. Er rührte sich einige Sekunden nicht, nur seine Nüstern blähten sich.

Dann drehte der Drache ruckartig den Kopf, schlug mit seinen Flügeln und erhob sich wieder in die Lüfte. Er flog eine weitere, weite Schleife und ein langer Feuerstrahl kam aus seinen Nüstern, der aber nur wie ein Banner durch die Luft gezogen wurde, dann dreht er ab und mit ihm flogen die anderen Drachen fort von dem Schlachtfeld. Sie gerieten schnell aus der Sicht und nach einigen Momenten des atemlosen Staunens nahmen die Menschen die Kämpfe wieder auf.

Nur Hagrid stand noch immer erstarrt da, starrte den Drachen hinterher und schließlich murmelte er für jeden anderen unhörbar: „Norbert…?"