Rettung (aus) der Zukunft

Kapitel 16

Für ihn und Ron suchte das Mädchen zwei pechschwarze Umhänge mit Stehkragen aus. Außerdem hatten sie, im Gegensatz zu allen ihren anderen Umhängen, keine Ärmel. Dazu bekam noch je eine schwarze Weste. Weiße Hemden und schwarze Hosen hatten die Jungs ja schon wegen der Schuluniformen. Sein rothaariger Freund murmelte die ganze Zeit etwas unverständliches vor sich hin, aber Hermine schien nicht darauf zu achten. „Komm schon. Lass ihr den Spaß. Nächstes Jahr sind wir dran. Ich bekomm Dumbledore sicher rum das wir noch mal ein Kostümfest machen und dann suchen wir ihr etwas aus. Ein Prinzessinnen- Kostüm oder so was", schlug Harry vor. Ron sah ihn erst geschockt an, grinste dann aber. „Gute Idee Kumpel."

Harry nickte und zwang sich zu einem Lächeln. Er wollte seinen Freunden das Fest nicht verderben, wegen seiner miesen Stimmung. Anschießend gingen sie noch in den Honigtopf und zu Zonkos. Harry war es dann, der seine Freunde noch auf ein Butterbier in die drei Besen einlud um sich auf andere Gedanken zu bringen.

Um fünf ging es dann wieder hoch ins Schloss. Die Feier sollte um acht beginnen. Hermine wollte sich selbst und auch die Jungen noch fertig machen und die ergaben sich ihrem Schicksal. Harry hatte schon auf dem Weg runter ins Dorf seinen Tarnumhang bei Hagrid deponiert um nicht mit einer Tasche zum Fest zu müssen und bei sich tragen ging auch schlecht, vor allem unter diesem Umhang.

Im Bad der Jungen machte Hermine sich freudig grinsend ans Werk. Harry konnte sich ein Lachen nicht verkneifen als sie die rote Mähne seines besten Freundes tief schwarz färbte und der Junge kreidebleich wurde. Das hatte aber nichts mit dem ungewohnten Kontrast zu tun, ihm war das einfach nur peinlich. „Ich hoffe das geht wieder raus", piepste er besorgt. Harry traf bei der Stimme der Schlag.

Er würde sehr wahrscheinlich Wurmschwanz und Lestrange begegnen, da Voldemort ja noch glaubte unentdeckt geblieben zu sein. Ein hinterhältiges Grinsen huschte über sein Gesicht. Wenn es eine Möglichkeit gab, würde er sich die beiden vornehmen.

„So Harry. Augen zu", befahl Hermine und er gehorchte. Es fühlte sich seltsam an, was sei da tat. Aber wenn er sich vorstellte, dass die Berührungen mit etwas weichem Remus Finger waren, war es alles andere als unangenehm. Erst als ihm ein leiser Seufzer entfloh riss er sich zusammen. „An was denkst du denn?" fragte Ron von rechts. Harry zuckte mit den Schultern. „In was ich da wieder rein geraten bin. Und das freiwillig, mit Wissen der Lehrer. Ich glaub´ Snape hat Recht. Ich bin ein Angeber."

„Harry. Du tust das nicht um anzugeben. Du tust das um uns alle zu retten und wenn diese übergroße Fledermaus das nicht einsieht, hat er selbst Schuld", meinte Hermine streng. „So, fertig." Harry musste ein paar Mal blinzeln bis er in dem hellen Licht wieder etwas sehen konnte. „Oh Gott. Ich sehe ja auch wie eine Leiche", stellte er erschrocken fest. „Sollst du ja auch", meinte Hermine und sagte dann: „Ich geh mich auch fertig machen. Zieht euch doch schon mal an", sagte sie und verschwand. „Oh Mann. Das wird ein peinlicher Abend", sagte Ron und ließ sich aufs Bett fallen.

„Ihr zwei habt wenigstens Spaß. Den werde ich sicher nicht haben. Denn ein Vergnügen sich mit Voldemort zu duellieren, ist es auf keinen Fall", meinte Harry und knöpfte sich das Hemd zu. Erst jetzt fielen ihm die beiden roten Punkte auf, die sich an seiner Halsschlagader befanden. „Sie hat auch an fast alles gedacht"; meinte Harry. „An was denn nicht?" fragte Ron verwundert. „Spitze Eckzähne?" hackte Harry nach. „Stimmt. Die haben wir noch nicht. Aber eigentlich müssten die auch sein, oder?"

„Da lass ich die Finger von. Es geht auch ohne", sagte Harry und warf sich den neuen Umhang über und betrachtete sich im Spiegel. „Andererseits, das Furchteinflössende fehlt." „Eben drum", meinte Ron. Allerdings wagte sich auch ein Freund da nicht dran.

Harry bemerkte erst jetzt, das Hermine scheinbar mit Wachs oder so was versucht hatte Rons Frisur seiner anzugleichen. Allerdings nicht grade erfolgreich. „Komm mal her Wenn du als mein Double durchgehen willst, müssen wir da noch was ändern", sagte er und zog seinen Freund zum Bett.

„Hey! Was soll das?" fragte Ron empört, aber der echt-schwarzhaarige ließ sich nicht davon beeindrucken. Er zerwühlte Rons Haare komplett und zupfte sie dann in die richtige Richtung. Damit sie so blieben, hatte er sich kurzerhand etwas von Seamus Haarwachs ausgeliehen.

„Perfekt. Fehlt nur noch eine Brille. Meine brauch ich aber selbst", meinte Harry. Im selben Moment kamen Neville und Dean herein. Beide bleiben wie angewurzelt stehen. „Himmel. Ich dachte grade ich sehe doppelt", lachte Dean dann und setzte sich auf sein Bett.

Harry kam eine Idee. Er hatte es erst neulich im Verteidigungsunterricht bemerkt. „Dean, leihst du uns deine Lesebrille? Wir wollen das ganze perfekt machen", fragte Harry. Der Junge sah ihn verwundert an, reichte sie ihm dann aber. Mit einem kurzen Spruch verwandelte er sie dann so, da sie aussah wie seine. „Setz mal auf. Die Gläser dürften nur noch Fensterglas sein", bat Harry.

Ron stand auf und ging zum Spiegel wo er die Brille aufsetzte. „Cool", meinte er und drehte sich zu seinem Freund um. „Perfekt", beschloss Harry. Nur wenn man genau vor ihnen Stand würde man sie noch unterscheiden können. Rons Sommersprossen waren nur dann zu erkennen, ebenso wie die andere Augenfarbe. Und bei seinem Freund fehlte die Narbe. Die war bei Harry aber auch stark überschminkt und auch unter den Haaren versteckt. „Das wird ein Schock für Professor Snape", meinte Ron plötzlich. Harry musste kurz an das Gesicht des Lehrers Denken und brach in schallendes Gelächter aus. „Und was für einer. Komm. Wir fragen Hermine nach einer kleinen Zahnkorrektur."

Lange mussten sie auf ihre Freundin nicht warten und sie sah echt zum fürchten aus. Ihre Augen waren schwarz umrandet, ihr Gesicht ebenfalls blass geschminkt. Und das Kleid passte wie angegossen. „Wow. Ihr habt meine Idee mit dem Double aber wörtlich genommen", meinte sie und musterte die beiden. „Und wer ist wer?" fragte Harry. „Wäre wohl eine Schande, wenn ich meinen Freund nicht erkennen würde", lachte sie und gab Ron einen Kuss auf den Mund. „Aber irgendwas fehlt!" „Die Zähne", meinte Ron düster und bedrohlich. „Stimmt. Sonst hat das keine Wirkung. Kommt mal her", meinte sie und zog ihren Zauberstab. Mit zwei kurzen Sprüchen waren die beiden Gryffindors äußerlich echte Vampire. Vorsichtig betastete Harry mit seiner Zunge die neuen Zähne. „Au", fluchte er als er sich die daran verletzte. „Die sind ja auch scharf." „Musst eben vorsichtig sein", meinte Hermine grinsend. „Wollen wir?" fragte Ron. „Ja. Auf geht's. Mal sehen wie mein Lieblingslehrer reagiert", stimmte Harry zu.

Auf der Treppe hackte Hermine sich dann kurzerhand bei ihnen beiden ein. „Eine Banschee mit Zwillingsvampiren als Geleitschutz. Wenn das nicht doch was Ausgefallenes ist", sagte das Mädchen schmunzelnd. „Und einer ist mit einem Werwolf zusammen", kicherte Ron. „Noch lauter. Dann kann ich das gleich öffentlich machen", zischte Harry. Ron sah etwas perplex drein. „Sorry." „Schon gut. Ich bin nur nervös" entschuldigte sich Harry.

In der großen Halle, waren die Haustische verschwunden und wie beim Weihnachtsball vor zwei Jahren eine Menge Kleiner aufgestellt. Viele seiner Mitschüler waren schon da, in allen möglichen Kostümen. Am Interessantesten fand Harry, dass scheinbar ein paar Erstklässler versucht hatten sich so zu verkleiden wie die Zauberer der Muggel. Mit Frack und Zylinder. Es sah irgendwie lustig aus.

„Kommt, wir holen uns was zu trinken", meinte Hermine und zog sie zum Tisch mit dem Büfett. Die ganze Schule hatte vor McGonagall ebensoviel Respekt wie vor Dumbledore und so war es für sie kein Problem die Halle zur Ruhe zu bringen und das Fest um Punkt acht zu eröffnen. Dumbledore hatte gestern Morgen verkündet, er habe eine Eule vom Zaubergamot bekommen und wäre untröstlich nicht am Fest teilnehmen zu können. Leider sei der Termin unaufschiebbar.

Hermine zog Ron auf die Tanzfläche, während Harry am Rand stehen blieb und sich an seinem Bowleglas festhielt. Eine Weile beobachtete er die wirbelnden Pärchen und vertiefte sich in seine trüben Gedanken. Je später es wurde, desto mehr verstärkte sich das ungute Gefühl in seiner Brust. Er wusste was es war, aber etwas sagte ihm das ihre Aktion heute schief gehen würde. Irgendwas würde passieren.

„Ich würde vorschlagen sie trinken nicht zu viel, sonst sind so gut wie tot", zischte ihm eine seidige Stimme ins Ohr. Unwillkürlich lief ihm ein Schauer über den Rücken. Snape konnte echt unheimlich sein. „Es ist immer noch mein erstes Glas, Sir. Ich weiß sehr genau was mir bevor steht und das ich einen klaren und vor allem nüchternen Kopf brauche", antwortete er leise. „Wenn sie das sagen. Was wollen sie eigentlich mit dieser Zwillingsverkleidung bezwecken?" schnarrte der Mann der sich auch etwas zu trinken einschenkte. „Nicht viel. Nur das man mich auf den ersten Blick mit Ron verwechselt. Zumindest von weitem", antwortete Harry und schenkte Snape absichtlich ein lächeln. Für einen Moment weitete sich sein Blick und dann schüttelte der den Kopf. „Wenn sie einem echten Vampir begegnen, wissen wie der einem angst macht. Wie sie dass hier versuchten ist es einfach nur ein Witz", sagte der Lehrer kühl und verabschiedete sich.

Harry sah ihm verblüfft hinterher. „Professor Snape hasst große Feste", erklärte jemand neben ihm. Seine Hauslehrerin war grade aufgetaucht. „Dann sollte er vielleicht besser in den Kerkern bleiben als den Schülern die Laune zu verderben", murmelte Harry, wohl wissend das McGonagall ihn verstand. „Ich habe das jetzt einfach nicht gehört, Mr. Potter. Aber sagen sie mal wie lange geht das schon mit ihnen und Remus?" Für einen Moment verschlug es Harry die Sprache. Seine Hauslehrerin wollte mit ihm über ihre Beziehung reden? Jetzt?

„Seit meinem Geburtstag, etwa", antwortete er und sah sie an. „Ich war auch mal jung und ich verstehe auch das sie sich nacheinander sehnen, vor allem wenn sie so lange getrennt waren. Aber suchen sie sich bitte einen anderen Platz als mein Klassenzimmer", meinte sie lächelnd und verschwand dann. Harry blieb mit offenem Mund zurück. Sein einziger Gedanke war nur was für eine Peinlichkeit das war und was McGonagall jetzt wohl von ihm dachte. „Oh Gott. Ich werde ihr nie wieder unter die Augen treten können", flüsterte er und raufte sich die Haare.

Um viertel vor elf nickte er kurz Ron zu der ihn grade beobachtete und verließ die große Halle scheinbar ohne das es jemand bemerkte. Das Portal stand weit offen und Harry trat hinaus in die kühle Nachtluft. Bei Hagrid, der seine Tür offen gelassen hatte, ließ er den Kostümumhang zurück und warf sich seinen Tarnumhang über. Sein Schulhemd war Gott sei Dank eine der wärmeren Ausgaben und auch die Weste trug ihren Teil dazu bei, das ihm nicht allzu kalt wurde. Man merkte aber deutlich das der Winter vor der Tür stand.

Er nahm den Geheimgang zur Heulenden Hütte, wo er seinen Tarnumhang im Schlafzimmer unter dem Bett versteckte. Durchs Fenster konnte er so grade die Ordensmitglieder erahnen. Allen voran Dumbledore. Sein silberner Bart schimmerte kurz im Mondlicht.

Um zu ihnen zu gelangen musste er zwangsläufig die Tür nehmen, da Remus auch über die Hütte ein Apparierschild gelegt hatte. „Harry?" fragte David ihn leise als er zu ihnen rüber kam. „Ja. Ich bin's", antwortete er. Eine warme Hand legte sich auf seien Schulter und er sah sich um. Zwei bernsteinfarbene Augen sahen ihn besorgt an und das Geicht verriet pure Anspannung. „Das ist doch nur Schminke, oder?" meine Remus. Harry grinste ihn an und Remus zuckte entsetzt zusammen. David aber grinste. „Guter Trick. Ein Zauber?" „Ja. Ein Zauber und Schminke. Remus würdest du das mit den Zähnen in Ordnung bringen? Die sind nämlich ungewohnt." Remus nickte und Harry war erleichtert als er die langen Eckzähne wieder los war. „Vielleicht solltest du wissen das Werwölfe und Vampire erbitterte Todfeinde sind", meinte Remus leise. „Hast du dich wirklich so erschreckt. Snape meinte nämlich ich wäre nicht Furcht einflössend." Remus grinste nur. „Das hast du jetzt nicht von mir, aber wenn Severus Angst vor Vampiren hätte dürfte er nicht in den Spiegel schauen. Die Ähnlichkeit ist nämlich verblüffend auch wenn er keiner ist." Harry kicherte leise. Das Remus auch so dachte hatte er bisher noch gar nicht gewusst.

„Los kommt. Lasst uns gehen", erklärte Dumbledore und augenblicklich versteifte Harry sich. Remus griff nach seiner Hand und apparierte mit ihm. Sie manifestierten sich scheinbar am Dorfrand. Die Kirche war von hier aus nicht zu erkennen, aber Dumbledore schien zu wissen wo es lang ging. Sie krochen durchs Unterholz bis zum Rand und beobachteten das kleine Gebäude. Noch war niemand zu sehen. Ein eisiger Wind wehte hier und dicke Nebelschwaden zogen an ihnen vorbei. Harry jagte ein Schauer nach dem anderen Über den Rücken. „Kalt?" flüsterte Remus. „Etwas", antwortete Harry und spürte wie Remus seinen Umhang auch um ihn schlang.

„Versprichst du mir etwas?" fragte Remus Stimme leise. Harry sah ihn kurz an. Die Sorge stand ihm ins Gesicht geschrieben „Alles was du willst", sagte Harry leise. Remus huschte ein verzweifeltes Lächeln über seine Lippen. „Das du verschwindest sobald Voldemort auf dich aufmerksam wird. Leg dich nicht unnötig mit ihm an. Sieh einfach zu das du wegkommst." Harry schloss kurz die Augen und nickte. „Ich habe nicht vor mich mit ihm zu duellieren, wenn es nicht sein muss", antwortete Harry und sah sich kurz nach seinen beiden Leibwachen um. Die knieten abseits und waren grade auch in eine Unterhaltung vertieft.

Harry nutze diese, vielleicht letzte Gelegenheit für heute Abend und gab Remus einen Kuss auf die Wange. „Ich liebe dich, Remus. Pass bitte auf dich auf und leg du dich auch nicht mit Voldemort an. Egal was passiert. Auch wenn er auf mich losgeht und ich nicht wegkomme. Ich will… ich will dich nicht auch noch verlieren. Denk daran. Wir haben die gleichen Stäbe. Er kann mich nicht töten, wenn ich schnell genug bin. Und das werde ich sein." Remus nickte und wischte sich die Tränen aus den Augen. „O.K. Ich verspreche es dir. Und wenn das hier vorbei ist, löse ich mein anderes Versprechen ein. Aber du fragst Hermine nach dem Passwort." Nun musste Harry doch lachen. Remus hatte scheinbar seine Idee aufgegriffen. „Gut. Mach ich", flüsterte Harry und gab Remus noch mal einen flüchtigen Kuss.

„Kommt. Wir gehen näher an die Kirche ran", flüsterte David, der plötzlich neben ihm war. Ob er wohl grade etwas mitbekommen hatte? Harry schüttelte diesen Gedanken ab. Das war ja jetzt wohl mehr als nur Nebensache. Er sah noch mal Remus kurz an und nickte ihm lächelnd zu. Der Werwolf erwiderte es und streifte seinen Umhang ab. „Damit du nicht frierst und ich will ihn von dir persönlich zurück haben", erklärte er und Harry verstand was er damit sagen wollte. „Versprochen", flüsterte er und nickte dann den Männern zu. „Albus sagt, du sollst so dicht es geht an die Kirche ran", erklärte Chris leise während sie durch den Wald schlichen. Aber das hätte der Mann nicht extra sagen müssen. Darauf wäre er auch so gekommen. Das Problem war nur, das er nicht wusste wie dicht. Er spürte Voldemort auf 100 km Entfernung wenn der wütend war. Nur wie war es anders herum. Wie nah musste Harry sein damit Voldemort ihn spürte? Klappte es überhaupt noch? Immerhin konnte Voldemort ihn ohne Schmerzen berühren. Andererseits war der wahrscheinlich auch einfach nur besser im Umgang mit Schmerzen und ließ sich nichts anmerken.

„Wie wissen wir, dass er Harry bemerkt hat?" hackte David hinter ihm nach und klang dabei besorgt. „Albus meinte nur, Harry würde es merken", antwortete Chris. „Ich wünschte manchmal Albus würde aufhören in Rätseln zu sprechen. Das kann einem ganz schön auf den Geist gehen", seufzte der ehemalige Kollege seines Vaters. „Da gebe ich ihnen Recht", sagte Harry und kniete sich auf Chris Zeichen hin ins feuchte Unterholz. Eine Weile schwiegen sie und Harry überlegte sich Dutzend Fluchtszenarien die alle damit endeten dass er Voldemort gegenüberstand. Dabei wollte er das gar nicht, oder doch? Wollte er wirklich freiwillig dem Mörder seiner Eltern gegenübertreten? Und das obwohl er wusste das er keine Chance gegen ihn hatte?

„Ich hatte ja gehört das du James ähnlich siehst und aber jetzt wo ich selbst gesehen habe wie du…" „Bitte"; unterbrach Harry den Mann: „Das ist grade ein verdammt ungünstiger Zeitpunkt. Wenn wir das hinter uns haben, gern. Aber nicht jetzt", murmelte Harry. „Entschuldige", sagte der Mann leise aber Harry winkte ab. Es war ja nicht so das er nicht gern etwas über seinen Vater erfuhr aber dieser Satz erinnerte ihn zu sehr an Sirius. Und das war etwas was er im Moment gar nicht gebrauchen konnte.

„Sobald Voldemort rauskommt machen wir dass wir hier weg kommen. Lauf so schnell du kannst, Harry. Wenn wir erwischt werden, am Waldrand wo wir angekommen sind liegt ein Besen. Albus meinte du wärst ein As im Fliegen. Ein Kompass ist am Besen befestigt. Du musst dich Richtung Nordnordost halten. Da liegt Hogwarts. Flieg so hoch es geht, nicht das du gesehen wirst", erklärte ihm Chris. „Alles klar", antwortete Harry ihm und atmete tief durch.

Wieder herrschte Minuten lang stillschweigen. Nur der Wind rauschte in den Bäumen und jagte Wolken über den dunklen Himmel. Sie schimmerten wie silberne Flecken am Himmel. Es war eine unheimliche Stimme. „Die Ruhe vor dem Sturm", flüsterte er sich selbst zu und spürte eine Hand auf seiner Schulter. „Wir werden auf dich aufpassen", sagte David. Dann gab es plötzlich mehre Plopps. Harry hatte keine Chance zu erkennen wie viele es waren. Es war zu schnell gegangen.

Nur Sekunden danach leuchtete der Himmel über ihnen kurz Rot auf und um die Kirche schimmerte für einen Moment eine Art Blase blausilbern auf. Im Gebäude selbst flammte Licht auf und Harry sah und hörte dann das die Auroren und der Orden angriffen.

„Komm", forderte Chris und zog Harry hoch. Er beschwerte sich nicht über die grobe Art des Unsäglichen, allerdings verstand er sie auch nicht. Der Man tat ja so, als würde er gleich abhauen. David griff nach der Hand seines Kollegen und löste sie von Harrys Arm. Plötzlich hatte Harry das Gefühl gegen eine Wand zu laufen. „Was ist denn das?" fragte er verwundert sich die Nase reibend. „Verdammt. Der hat eine Mauer hochgezogen", fluchte Chris und tastete an einer unsichtbaren Wand. Harry selbst hob auch die Hände. Es war seltsam. Es war nichts was man spüren konnte, aber dennoch war da etwas was nicht nachgab. Als leistete die Luft widerstand.

„Wie kommen wir da durch?" fragte der Gryffindor sofort. „Gar nicht. Erst wenn Marge und Ted die Schuttzauber gebrochen haben", knurrte Chris. Harry sah den Mann kurz an und dann zu David. „Wie lange brauchen die dafür?" „Mindestens drei Minuten. Severus hat uns aber hiervon nichts gesagt", meinte er.

Harrys Gedanken überschlugen sich für einen Moment. Sie waren verloren. Voldemort würde es schaffen. „Ganz ruhig Harry. Wir bekommen das hin", beruhigte David ihn. Harry nickte. Der Mann hatte Recht. Er war es der Voldemort aufhalten konnte. Und wenn das heute sein sollte, würde er es tun. Der Wind wehte den Lärm vom Vorplatz der Kirche zu ihnen herüber und Harry konnte auch die bunten Blitze aufleuchten sehen.

„Leuchtet das Schild auf, wenn es zusammenfällt?" fragte er spontan. „Ja Wieso?" meinte Chris. Er gab keine Antwort und rannte los. Er könnte hier eh nichts tun, also warum dann nicht den anderen Helfen. Einfach nur rum stehen und zusehen war nicht sein Ding. Und vielleicht würde Voldemort ihn dann bemerken, bisher hatte er ihn nämlich nicht gespürt.

Auf dem Vorplatz herrschte ein wildes durcheinander. Die Todesser waren eindeutig in der Überzahl und brachten die wenigen Auroren in arge Bedrängnis.

Harry entdeckte Tonks, die grade verbissen mit zwei Todessern kämpfte. Er fackelte nicht lange, und griff einen von ihnen mit einem Schockzauber an. Der war so überrascht, dass er gar nicht mehr reagieren konnte und getroffen wurde. Sein Mitstreiter richtete einen Fluch gegen Harry den er aber blocke. Und nur Sekunden danach hatte Tonks den Angreifer überwältigt.

Er wollte grade zu ihr laufen, als seine Narbe anfing wie Feuer zu brennen. Er stöhnte heftig auf und presste sich die Hand gegen die Stirn. Mit diesem plötzlichen Schmerz hatte er nicht gerechnet. „Harry. Verschwinde. Es wird zu gefährlich", rief Tonks und griff einen Todesser an der von links auf ihn zukam. Dann rollte die kalte Stimme Voldemorts über den Hof. „Holt mir Potter! Lebend!"

„Tonks! Runter!", schrie Harry, der sich von dem Schreck erholt hatte und sah wie ein zweiter Todesser die Aurorin von hinten angreifen wollte. Er schoss einen Schockzauber in die Richtung des Angreifers, während die Aurorin sich auf den Boden fallen ließ und ihren Duellpartner von dort schockte. Harrys hatte sein Ziel leider verfehlt, dafür war es der Lähmfluch eines anderen Auroren der den Angreifer außer Gefecht setze.

Die lautstarke Warnung Harrys hatte leider zur Folge dass die umstehenden Todesser nun wussten wo sich das geforderte Opfer ihres Meisters aufhielt und der Gryffindor musste sich unter mehreren Flüchen wegducken.

Über ihnen verdunkelte sich der Himmel zusehens und der Wind frischte auf. Dann tauchten Chris und David an seiner Seite auf und gaben ihm Deckung. „Bist du bescheuert!" fauchte der Unsägliche und zog ihn grob auf die Beine, da Harry grade sich vor einem Lähmfluch auf den Boden fallen gelassen hatte. „Mach dass du in den Wald kommst und dann verschwinde. Du kannst nichts mehr tun. Er hat angefangen." Harry stockte einen Moment. Wenn das stimmte, waren sie alle verloren. Dann machte es auch keinen Unterscheid mehr, ob er blieb oder verschwand.

Der Gryffindor richtete seinen Zauberstab gegen einen Todesser der Remus von hinten angreifen wollte. Leider verfehlte er ihn aber dennoch hatte die Aktion einen gewissen Effekt. Der Vermummte ließ von seinem Freund ab und wendete sich ihm zu. Die beiden Auroren an seiner Seite waren grade mit anderen Todessern zu beschäftigt um zu bemerken was der Junge tat.

Harry rollte sich zur Seite weg um die beiden nicht noch mehr in Gefahr zu bringen und griff den selbst gewählten Gegner erneut mit einem Schockzauber an. Dieser blockte den aber mit einem Schild und schrie: „Expelliarmus!" Harry aber schaffte es dem Fluch zu entkommen und konterte mit dem Lähmfluch, der aber sein Ziel wieder verfehlte. Die beiden Duellanten schenkten sich nichts. Lähmflüche, Ganzkörperklammern, Entwaffnungszauber, Schocker jagten zwischen ihnen hin und her und immer wieder musste er auch den Flüchen anderer Todesser aus dem Weg gehen. Jeder wollte scheinbar derjenige sein der Harry an Voldemort übergab. Der Befehl lautete Gott sei dank lebend. So musste er wenigstens keine Todesflüche fürchten, hoffte er zumindest. Er schaffte es grade noch einem Schockzauber mit einem Hechtsprung zu entkommen und sich knapp vor dem Lähmfluch wegzurollen, als Moody auftauchte und den Angreifer lähmte.

„Was tust du hier?" knurrte der Auror der zu ihm kam um ihm aufzuhelfen. Harry aber sagte nichts sondern zog Moody bei Seite um aus der Schussbahn eines giftgrünen Blitzes zu kommen, der heftig in das Schild um die Kirche einschlug.

„So viel also zu den Todesflüchen", dachte Harry und sagte zu Moody provokativ: „Helfen?" Immer noch schienen die Todesser in der Überzahl zu sein. Der Himmel über ihnen war immer wieder von Blitzen erleuchtet. Es sah zunehmend bedrohlicher aus.

Hinter Harry leuchtete das Schild um die Kirche zwei Mal auf und Moody schimpfte vulgär los. „Eine Schleife", hörte er heraus und verstand dass das wohl ein ernsthaftes Problem war. Dann sah er David mit dem Rücken zum Schild stehen, zwei Todesser sich gegenüber. Chris lag neben ihm am Boden, was mit ihm war, konnte Harry nicht erkennen. Moody verteidigte sich grade gegen einen anderen Todesser.

Harry rannte los und jagte einem der Todesser die den Kollegen seines Vaters angriffen einen Fluch auf den Hals. Der hatte den Angriff aber gesehen und duckte sich weg. Sein Mitstreiter war aber nicht mehr schnell genug. David selbst fackelte nicht lange und zwei Flüche später ging auch der erste Todesser zu Boden. „Was ist mit ihm?" fragte Harry keuchend als er bei dem Auroren angekommen war und deutete auf Chris. „Schutzschild", befahl David und kniete sich runter.

Harry hatte schon in den Sommerferien von Remus gehört wie die Ausbildung zum Auroren etwa aussah und beschwor ein Spiegelschild herauf. „Er lebt ist aber schwer verletzt", erklärte David und ließ einen Verband um den Kopf des Mannes erscheinen. „Das muss erst mal genügen." Harry derweil sah das einige Todesser auf sie aufmerksam geworden waren.

„Ärger mal drei", meinte Harry und zog den Mann weg da im selben Moment ein Avada auf sie zugesaust kam. Der Auror ging sofort zum Gegenangriff über und auch Harry versuchte sein Bestes. Die Todesser drängen die beiden auseinander und Harry sah sich wieder allein dem einen gegenüber.

„Na Pottybaby. Bist du gekommen um den Meister aufzuhalten?" lachte eine hohe Stimme. „Lestrange", knurrte Harry und Hass stieg in ihm auf. Die Mörderin seines Paten. Er hatte sie gefunden. Und er würde sie fertig machen. Er würde heute Nacht seine Rache bekommen. „Darauf habe ich gewartet", zischte er ihr zu und die Hexe lachte laut auf. „Willst du etwa deinen verlausten Paten rechen?" fragte sie mit Babystimme und in Harry schäumte die Wut noch mehr hoch. „Du wirst dafür bezahlen", polterte er und griff sie ohne weiter nachzudenken an. Seine Wut hatte Überhand genommen. Die Hexe schien allerdings nicht im mindesten überrascht zu sein, sondern wich den Flüchen geschickt aus. Es war für Harry bisher das heißeste Duell des Abends, denn Remus hatte nicht untertrieben. Bellatrix war gut. Verdammt gut und einige Male entkam er nur knapp ihren Flüchen.

Dann, wie aus dem nichts, spürte Harry einen brennenden fast unerträglichen Schmerz in der Narbe und im nächsten Moment hatte er das Gefühl, tausend Nadeln bohrten sich in seinen Körper. Schreiend sackte er zu Boden. Er war unfähig zu denken. Jede Faser seines Gehirns nahm nur diesen unerträglichen Schmerz wahr, der dann aber plötzlich nachließ. Keuchend sah er auf. Remus war die es Lestrange abgelenkt hatte. Sie hatte den Cruciatus über ihn gesprochen, als Voldemort sich über irgendetwas geärgert hatte.

Ganz plötzlich krachten mehrere Blitze in die Kirche und setzten das Dach in Brand. Die Erde unter ihren Füßen fing an zu beben und Bäume im Wald entwurzelten. Es gab ein paar gellende Schreie und Harry sah wie Tonks grade noch einem umstürzenden Baum entkam. Der Todesser mit dem sie sich duelliert hatte wurde aber unter dem Stamm begraben. Immer mehr Blitze erleuchteten den Himmel und schlugen in den Vorplatz ein. Einer, keine fünfzig Meter neben ihm. Duellieren tat sich hier keiner mehr. Alle rannten. Rannten um ihr leben. Auch Harry begann zu rennen, nachdem er auf die Beine gekommen war, aber weit kam er nicht. Der Boden vor ihm riss auf und eine riesige Wand aus Feuer schoss in die Höhe. Er schaffte es grade noch stehen zu bleiben und stolperte zurück. Aber hinter ihm krachte es plötzlich heftig und Harry fuhr entsetzt herum. Ein Blitz hatte ein tiefes Loch in den Boden gerissen, seine Fluchtwege alle abgeschnitten. Links von ihm lag die Kirche dessen Schultzschild wild flackerte, ebenso wie die Apparationssprerre. Rechts der Wald, wo immer wieder Bäume umstürzten, vor ihm einen Wand aus Feuer, hinter ihm tiefe Krater und noch mehr Wald.

Der Sturm wehte eine Stimme zu ihm rüber: „Er verliert die Kontrolle!" Augenblicklich waren die Worte des Schuleiters da. Wenn er die Kontrolle verliert wird von Pembroke nicht mehr als ein Krater übrig bleiben. Schweiß brach Harry aus. So wollte er dann doch nicht streben. Im Duell ja. Aber sicher nicht so. „HAARY!" schrie jemand und durch das Feuer erkannte er Remus auf der andern Seite stehen. „Verschwinde ich komm klar!" brüllte er ihm zu, aber Remus wollte nicht. „Ich lass dich nicht allein!" Verzweifelt suchte er einen Weg durch die Feuerwand. Vergebens. Es gab keinen. Der Boden hatte sich von den Schutzschilden der Kirche bis zum Wandrand aufgetan.

Doch plötzlich legte sich die Feuermauer, der Erdboden beruhigte sich und auch die Blitze erreichten nicht mehr den Boden. Ein starker Regen setzte ein, dessen Tropfen so dick waren, das er die Flammen auf dem Dach des Gotteshauses zischten. Remus kam zu ihm gerannt und fiel ihm um den Hals. „Merlin sei Dank du lebst", flüsterte er und drückte ihn fest an sich. Auch Harry hielt ihn kurz fest, riss ihn dann aber runter. Die Todesser, die noch nicht geflohen oder diesem Beinaheuntergang zum Opfer gefallen waren, fingen sich erstaunlich schnell wieder und griffen erneut an. Remus wandte sich nach links zu dem der sie Angegriffen hatte und Harry nahm den rechts von ihnen aufs Korn. Remus Wutschrei: „Mörderin!" verriet Harry wen er da gefunden hatte. Gnadenlos und mit aller Kraft die er aufbringen konnte schickte er den Todesser ins Land der Träume um zu Remus zu stürzen und ihm zu helfen die Mörderin seines Patern fertig zu machen, doch dann hallte Dumbledores Stimme über den zerstörten Vorhof. „Harry! Verschwinde! Tom!"

Der Gryffindor sah nur für einen Sekundenbruchteil zur Kirche hinüber. Das Schild war grade erstorben und die Türen flogen krachend auf. Er brauchte kein Hellseher zu sein um zu wissen wer die Gestalt war die dort in der Tür stand. Außerdem spürte er die unbändige Freunde des Dunklen Lords wie Feuer in seiner Narbe brennen. Mit einem Sprung war er über den Abgrund und rannte los. Wo seine Helfer waren wusste er nicht. Er musste zu dem Besen, das war seine einzige Chance zu entkommen. Die Freude konnte nur Eines bedeuten. Er hatte es geschafft.

Dem Gryffindor war schnell klar das er niemals entkommen würde. Todesser stellten sich ihm in den Weg, Flüche zerfetzen den Umhang, sein Hemd und hinterließen schmerzhafte Schnitte auf seiner Haut. Er musste immer wieder Löchern, herumliegenden Steinen oder Ästen ausweichen die dieser, was auch immer, grade hinterlassen hatte. Aber aufgeben würde er nicht. Wenn es schon sein Ende würde, dann sollte Voldemort sich wenigstens die Mühe machen und ihn fangen.

Der Schmerz im Kopf wurde immer stärker, ein Zeichen dafür das Voldemort näher kam. Aber er rannte weiter. Er war schon ganz nahe an der Stelle wo sie aufgetaucht waren. Vielleicht würde er es doch schaffen. Vielleicht gab es Hoffnung. Doch plötzlich traf ihn ein Fluch hart im Rücken und riss ihn zu Boden. Ein stechender Schmerz fuhr durch seinen linken Arm als er sich darauf aufstützend aufstehen wollte.

Hinter ihm landete eine Person. Sofort rollte er sich auf dem Rücken um seinem Wiedersacher in die Augen sehen zu können. Blutrote Augen starrten ihn an. Wie im Ministerium. „Nein", sagte Harry sich und nahm all seine Kraft zusammen um aufzustehen. Er würde nicht einfach nur daliegen und stillhalten. Er hatte es Remus versprochen. Ihm würde nichts passieren. Er hatte eine Chance. Er würde es zumindest versuchen.

„Harry Potter!", sagte Voldemorts kalte Stimme. „Ich hätte niemals gedacht dass dieser alte Kauz es zulassen würde, dass du bei dem Versuch mich aufzuhalten teilnimmst. Er scheint wirklich seinen Verstand verloren zu haben. Aber ihr seit zu spät. Ich habe was ich wollte." Damit hielt er einen Stein hoch, der im Schein der Flammen die immer noch von der Kirche ausgingen rot schimmerte.

Mit aller Macht versuchte Harry den brennenden Schmerz in seinem Kopf zu vergessen. Er musste sich konzentrieren. Wenn Voldemort einen Fluch sprach musste er kontern. Egal wie. Es war nur wichtig dass er schnell genug war. Egal ob mit dem Stein oder ohne, Die Stäbe würden sich verbinden. Sie konnten mit ihren eigenen Stäben nicht gegeneinander kämpfen.

Der Regen prasselte immer weiter auf sie nieder. Harrys Haare klebten feucht an seiner Stirn, Wasser lief aus ihnen heraus über die Nase, Wangen, Kinn, kitzelte ihn, versickerte im Kragen von Remus zerschlissenem Umhang. Der lag aber sowieso schon schwer auf seinen Schultern, durchweichte das Hemd, seine Haut. Die Wunden der Flüche brannten schmerzhaft.

Hinter Voldemort sah Harry die Todesser und den Orden kämpfen. Seine Freunde und Mitstreiter versuchten scheinbar alle zu ihm zu kommen. „Sie werden dir nicht mehr helfen können", sagte der dunkelste Magier aller Zeiten zu ihm und rief seinen Anhängern zu: „Haltet mir sie vom Leib. Ich will das hier genießen."

Seine Stimme halte in Harrys Ohren wieder und er trat ein paar Schritte zurück, um mehr Abstand zwischen sich und diese Bestie zu bringen. Er würde etwas Reaktionszeit brauchen um ebenfalls einen Fluch zu sprechen und damit seine einzige Rettung auszulösen. Je weiter desto besser. Voldemort hielt ihn nicht auf. Er schien sich eher zu amüsieren. Ein spöttisches Lächeln lag auf dem schlangengleichen Gesicht. Diese Kreatur, denn einen Mann konnte man das nun wirklich nicht mehr nennen, stand da, grinste ihn an. In einer Hand hielten die dünnen, weißen Finger den schwarzen Zauberstab elegant fest. Die andere hielt den leuchtenden Stein.

„Angst?" fragte Voldemort spöttisch. Harry reagierte nicht. Er trat noch ein paar Schritte zurück. Sicher hatte er Angst. Wenn er es genau nahm hatte er die Hosen gestrichen voll, aber das würde er nicht zugeben. Er war ein Gryffindor. Er war Mutig. Und es widerstrebe ihm, Voldemort das zu geben was er wollte. Und wenn es nur eine Bestätigung war.

„Nein. Ich habe keine Angst. Du bist nichts weiter als ein Mörder", spie Harry aus. Er antwortete nur um noch etwas Zeit zu gewinnen. Zeit um noch mehr Abstand zwischen sie zu bringen. Der Zauberer verzog seinen Mund noch intensiver zu einem Lächeln, wenn man es denn so nennen konnte. Es glich mehr einem irren grinsen. „Die solltest du aber haben. Denn das hier wird deine letzte Stunde sein." Harry schnaubte verächtlich. Sicher hatte Voldemort Recht. Es würde wohl seine letzte Stunde werden. Aber er würde jetzt nicht auf die Knie fallen. Er würde im Kampf sterben. Aufrecht sterben wie sein Vater. Wie Sirius. Die beiden sollten stolz auf ihn sein können. Er würde kämpfen und sterben wie ein Mann, wenn es sein musste.

Auch wusste Harry dass es Größenwahnsinnig war Voldemort zu provozieren, aber der musste zuerst angreifen. Wenn Harry angriff und dieses Monster nur auswich und dann zuschlug würde er nicht mehr die Zeit haben um zu reagieren. Er musste Voldemort dazu bringen zuerst einen Fluch auszusprechen.

„Ich denke wir sollten das erstmal ändern. Ich werde dir mal eine kleine Kostprobe meiner neuen Macht geben und zeigen warum du Angst haben solltest", sagte Voldemort und richtete seinen Stab auf Harry. Der spannte sofort jeden Muskel in seinem Körper an. Er würde schnell genug sein. Doch anstatt das Voldemort ihn angriff richtete er seinen Stab blind hinter sich und feuerte einfach wahllos Blitze ab.

Harry war zu versteinert um zu reagieren. Sie schossen in einer atemberaubenden Geschwindigkeit in die Menge der immer noch Kämpfenden. Ein Grüner Blitz traf einen Todesser der einfach zusammenbrach. Ein blauer streifte einen Auroren der schreiend in die Knie ging und ein Gelber erwischte den Schulleiter der mit dem Rücken zu ihm stand um zwei Todesser daran zu hindern einen Auroren anzugreifen, der wiederum selbst mit zwei Todessern kämpfte. Zu Harrys größtem Schock zählte aber der rote Blitz der Remus voll in den Rücken traf und fast zehn Meter durch die Luft warf.

„NEIN! REMUS!" schrie Harry den Tränen nahe und Voldemort lachte hell auf. Harrys Narbe brannte, wenn das denn überhaupt noch möglich war, noch mehr und der Gryffindor war außer sich. Gefühle in allen Facetten überfielen ihn. Sorge, Angst, Trauer, Wut und Schmerz vermischten sich. „Nun hast du hoffentlich Angst", lachte Voldemort und richtete seinen Zauberstab gegen Harry. Der wandte seinem Blick zu dem Mann vor ihm und hob auch den Stab. Harry war alles egal. Er hatte alles verloren. Nichts würde ihn jetzt noch aufhalten können.

Die Welt um sie herum schien still zu stehen, kein Wort vom Lärm der Kämpfenden drang mehr zu ihnen hinüber. Ein kribbeln durchlief seinen Körper. Kroch bis in die Fingerspitzen. Als wenn jemand sie angezählt hatte sprachen die beiden Magier gleichzeitig ihren Zauber. „Avada Kedavra!"

Harry war es gleich das es der schlimmste der Unverzeihlichen war. Und wenn er dafür in Askaban landen würde. Voldemort würde sterben. Der Hass auf den Mann vor ihm, den Mörder seiner Eltern, Sirius und Remus, war so groß das jeder Faser seines Körpers danach schrie dieses Monster zu töten. Das war das einzige was ihm in diesem Moment Vergnügen bereiten würde.

Voldemort war einen Moment überrascht von der Tatsache das Harry Potter, das Licht der guten Seite in der Lage war den Todesfluch zu sprechen. Damit hatte er nicht gerechnet. Hatte es etwa etwas mit diesem Werwolf zu tun? War da etwa mehr als nur Freundschaft? Wahrscheinlich. Immerhin war er der letzte Freund von James Potter, der auf seiner Seite stand. Ach ja und Freund von Sirius Black. Und der war ja immerhin der Pate des Potter-Jungen gewesen. Und diese Kraft die plötzlich von dem Jungen ausging, beachtlich! Aber ungezähmt. Er hatte sie definitiv nicht unter Kontrolle. Er konnte sie wahrscheinlich nicht mal bewusst benutzen, sonst wäre er nicht weggerannt. Er hätte sich ihm gestellt. Direkt ohne Spielchen. Ein Grund mehr den Jungen zu töten. Mit dieser Macht, würde der ihm ebenbürtig sein. Mit einem Grinsen beobachtete er was zwischen den beiden Stäben geschah. Potter musste ihn wohl für sehr beschränkt halten.

Harry entging vollkommen das Voldemort ihn erstaunt ansah. Er konzentrierte sich völlig auf das was geschah und auf die Kraft in seinem Körper.

Die beiden grünen Blitze trafen sich in der Luft, vereinten sich. Harrys Stab begann heftig zu vibrieren und ein goldener Strahl verband die Zauberstäbe. Er leuchtete stärker als damals und sie wurden höher in die Luft gehoben, als Harry es in Erinnerung hatte. Aus dem Augenwinkel sah der Gryffindor den leblosen Körper von Remus in einer Lache aus Flüssigkeit liegen, die verdächtig nach Blut aussah und das Gefühl von Wut und Hass auf den Zauberer ihm gegenüber wurde noch stärker.

Sie landeten ein Stück von der Kirche entfernt auf einer ebenen Wiese. Sehr nah an dem Ort, an dem sie appariert waren. Harry hatte das Gefühl überzuschäumen vor Wut und im selben Moment wie sich der Goldfaden aufsplitterte zog Voldemort seinen Stab hoch und zerriss damit das Band. Das goldene Licht erstarb und noch bevor der Gryffindor reagieren konnte hatte Voldemort den Cruciatus gegen ihn gesprochen und Harry schrie gellend auf. Die Schmerzen waren nahezu unerträglich. Er hatte das Gefühl zu zerspringen.

Doch dann ließ es nach. „Hast du wirklich geglaubt ich gehe zwei Mal dieser Verbindung auf den Leim? Auch ich habe mich darüber informiert was da geschehen ist und ich bin darauf vorbereitet." Damit zog Voldemort einen zweiten Stab aus der Tasche und richtete in auf Harry.

Der war grade mühsam wider auf die Beine gekommen. Jeder Muskel seines Körpers schmerzte, bei dem Sturz musste sein Knöchel etwas abbekommen haben, denn er konnte ihn nicht richtig belasten. Nun gab es kein entkommen mehr. Er würde streben. Die Kraft war verschwunden, wahrscheinlich durch den Fluch und in Harrys Kopf war alles wie leergefegt. Er wusste nicht mehr was er tun sollte. „Hast du noch einen letzen Wunsch?" fragte der Dunkle Lord höhnisch. Einen Wunsch? Was sollte er sich denn wünschen? Das er ihn am leben ließ? Wollte er das überhaupt? Remus war tot. Nach diesem Sturz und dem Blut was er gesehen hatte, musste Remus tot sein. Das konnte doch keiner Überleben? Und er wollte nicht überleben.

„Zerstöre den Stein", flüsterte eine Stimme in seinem Kopf die ihm Gänzlich unbekannt vorkam. „Sonst ist alles verloren. Du musst den Stein zerstören wenn du die Welt retten willst. Divecxarium ist der Spruch."

Langsam fing sein Gehirn an zu arbeiten. Wer auch immer ihm half, ihm das gesagt hatte, er hatte Recht. Er musste Voldemort den Stein abnehmen. Egal wie. Er musste den Stein an sich bringen und ihn zerstören. Dann hatte zumindest Dumbledore noch eine Chance gegen ihn. Er selbst hatte sie nicht. Dazu war er zu schwach.

„Sag schon Harry. Was ist dein Letzter Wunsch? Eine Nachricht für Dumbledore? Oder einen deiner kleinen Schlammblutfreunde? Ich kann sie auch zu dir schicken. Dann seid ihr wieder zusammen", meinte Voldemort mit einer Kälte und Gleichgütigkeit in der Stimme die Harry kalte Schauer über den Rücken jagte.

„Du tötest sie doch eh alle. Aber ich habe einen anderen Wunsch", sagte Harry und kratzte seinen Mut zusammen. Er hatte nur diese eine Chance. Eine einzige Chance hatte er. Wenn er diese jetzt vergeigte, wäre die Welt verloren. Voldemort würde freie Hand haben. Wenn dies auch sein Ende war, Dumbledore würde eine Chance gegen ihn haben, aber nur ohne diesen Stein. „Da hast du wohl Recht", lachte Voldemort. „Wie ist dein Wunsch?"

Harry zwang sich auch zu seinem Lächeln. „Zeig ich dir gern. Accio roter Stein", rief er dann und schien Voldemort überrascht zu haben. Zumindest für eine Sekunde. Eine Sekunde die Harry einen Vorsprung gab. Den Vorsprung den er brauchte. Er schaffte es den Stein zu fangen und gleichzeitig dem darauf folgenden Todesfluch von Voldemort auszuweichen.

Aber sein verletzter Knöchel machte ihm seinen Triumph zu Nichte. Der Stein flog ihm aus der Hand und landete einige Meter vor ihm im Gras, als sein Fuß unter seinem eigenen Gewicht nachgab und er stürzte. Wie in Zeitlupe sah er Voldemort zu dem Stein gleiten und Harry richtete seinen Stab darauf und schrie „Divecxarium!" Genau in dem Moment wo Voldemort seine Hand nach dem Stein ausstreckte um ihn zu greifen, berührte auch der silberne Blitz aus Harrys Stab ihn und er explodierte der in tausend Teile.

Reflexartig hob der Gryffindor beide Arme über den Kopf um sich vor den Splittern zu schützen. Er spürte viele kleine Nadelstiche in den Armen und Händen und hörte auch wie Voldemort aufschrie. Im selben Moment hatte Harry das Gefühl sein Schädel würde zerspringen unter dem Schmerz, der von seiner Narbe ausging.

„Dafür wirst du bezahlen", hörte er den Magier donnern und Harry versuchte etwas zu erkennen. Doch vor seinen Augen verschwamm alles. Der Schmerz war unerträglich. Er hörte wie die kalte Stimme den Todesfluch sprach. Er schloss die Augen.

Vor den geschlossenen Lidern sah er sein Leben noch mal ablaufen. Er sah seine Eltern die mit ihm spielten, die Flucht im eigenen Haus vor Voldemort, das grüne Licht das seine Mutter tötete. All die Hänseleien und Streitereien mit seinem Vetter, seinem Onkel, seiner Tante. Seinen elften Geburtstag, der Brief von Hogwarts. Die Winkelgasse, als er sie zum ersten Mal betreten hatte, seine erste Zugfahrt nach Hogwarts. Die Erlebnisse der letzten fünf Jahre auf dem Schloss und in den Ferien. Schöne, traurige, schmerzhafte und freudige. Alles zog an ihm vorbei. Den Schmerz in seiner Stirn nahm er kaum noch war. Nur nebenbei hörte er wie jemand: „Nein!" schrie und dann wurde alles schwarz.

AN: Ich weiß ein Cliff. Ein ganz ganz gemeiner Cliff. Aber ich weiß auch wie ihr ihn ganz schnell wieder beseitigt. Schreibt mir ganz viele Reviews. Vielleict schafft ihr die 5er Marke? Wäre doch schön. Der Rekord liegt bei 8 für Kapitel 2, aber an den rannzukommen ist sicher zu schwer. ganz heftig zwinker

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