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DMD6F - Kapitel 3: SCHULALLTAG
Mit seiner Kapitulation zwang Professor Flitwick seine zwei besten Schüler sein Angebot anzunehmen, wollten sie nicht ihr Gesicht verlieren. Also nahmen Harry und Hermine Flitwicks Zauberstab in die Hand, bevor sie ihn seinem Besitzer zurückgaben. „Danke für die Ehre, Filius", sagte Harry leise, und man konnte ihm anmerken, dass er es ernst meinte. Schließlich hatte er gerade im Kampf das Privileg erhalten, seinen Professor zu duzen. Hermine ging es dabei nicht anders, obwohl sie nicht hatte kämpfen müssen.
Nach der anschließenden Analyse der kurzen Kampfsimulation - Ron hatte seine Sprache immer noch nicht wieder gefunden - kam natürlich die Frage, warum Harry und mit ihm auch Hermine so verbissen gelernt und trainiert hatten. Harry verständigte sich kurz mit seiner Frau, und ein kurzer Blick zu seinem Ururgroßvater zeigte ihm, dass dieser einverstanden war. Dann erzählte er den Anwesenden von der Prophezeiung, allerdings nur soweit sie auch Voldemort bekannt war. Seine Freunde waren geschockt, und auch den Lehrern ging es nicht viel anders. Sogar der sonst so strengen und manchmal emotionslos wirkenden Minerva McGonagall entwich ein Laut des Entsetzen, als ihr die Bedeutung von Harrys Worten klar wurde. Wie in Trance stand sie auf und ging zu Harry, nahm seine Hände und schwor ihm ihre bedingungslose Unterstützung. Dann tat sie etwas, was sie noch nie getan hatte: Sie umarmte Harry!
Auch Remus, Tonks und Filius schworen Harry ihre Unterstützung. Ginny umarmte ihn kurz und gab ihm ein Küsschen auf die Wange, Neville gab Harry erst stumm seine Hand, bevor er ihn kurz an sich zog, und Luna tat es ihrer rothaarigen Klassenkameradin gleich. Nur Ron reagierte nicht, er saß stumm auf seinem Platz, hielt den Kopf nach unten gesenkt und stütze ihn mit den Händen ab. Keiner sprach ihn an, aber alle wussten oder ahnten, dass Ron gerade einen inneren Kampf mit sich selbst austrug. Schließlich stand er schon immer im Schatten von Harry, dann hatte er seine Flamme Hermine an seinen besten Freund verloren, war plötzlich drei Jahre jünger als Harry und Hermine, seine Fähigkeiten reichten jetzt nach den Sommerferien nicht einmal mehr ein kleines bisschen an die seiner beiden besten Freunde heran, und nun wurde von ihm erwartet, dass er Harry ebenfalls die Treue schwor und sich damit selbst für immer in Harrys Schatten stellte.
Irgendwie verstand Harry sogar, was in seinem besten Freund vorging. Daher trat er langsam an ihn heran und legte ihm seine Hand auf die Schulter. „Ron, ich weiß, dass gerade dir diese Entscheidung nicht unbedingt leicht fällt. Aber du solltest wissen, dass du immer noch mein bester Freund bist und dass ich deine Entscheidung akzeptieren werde, wie auch immer sie ausfällt! Und bitte sei mir nicht böse, dass ich euch nicht schon auf Avalon von der Prophezeiung erzählt habe!"
Später diskutierten sie noch über die geplanten Aktivitäten des Phönixordens und die Möglichkeiten, das Ministerium vollends auf ihre Seite zu bringen. Auch Maßnahmen gegen die Anhänger Voldemorts wurden besprochen, und Harry wurde langsam klar, warum der Orden keine drastischen Maßnahmen außerhalb des Schlachtfeldes unternehmen konnte: Ein Jeder hatte Angehörige, um die er sich sorgte und deswegen Racheaktionen der Todesser befürchtete. Ohne sich mit Hermine oder Albus abzustimmen, berichtete Harry daher von ihren Plänen und wie sie Godrics Hollow wieder sicher gemacht hatten, um dort gefährdete Familien unter bringen zu können. Tonks und Remus waren die ersten die zustimmten, ihre Zelte auf dem Territorium der Potters aufzuschlagen. Auch Minerva und Filius erklärten sich mit dem Vorhaben einverstanden und versprachen ihre vollste Unterstützung. Minerva, die sich schon lange um die Sicherheit ihrer Familie sorgte, wollte zum Wochenende zu ihrem uralten schottischen Clan reisen, um mit dem Familienoberhaupt zu sprechen. Filius hatte keine Familie mehr um die er sich sorgen müsste, aber er wollte genauso wie Minerva mit den betroffenen Schülern reden.
Schließlich waren alle Fragen geklärt, die zu diesem Zeitpunkt zu klären waren. Harry bedankte sich für die Unterstützung aller, bevor er die Zauber aufhob, die ihre Zusammenkunft abgesichert hatten. Kaum hatte er das getan, erschienen auch schon mehrere besorgte und ungeduldige Hauselfen, allen voran Dobby. „Master… Harry, wir haben hier laute Explosionen gehört und starke Erschütterungen gespürt – ist alles in Ordnung hier?", fragte Harrys glubschäugiger Lieblingshauself. „Ja, Dobby, hier ist alles in Ordnung! Wir haben nur ein wenig mit verschiedenen Schutzschilden und einer neuen Waffe experimentiert, kein Grund zur Sorge! Die dabei entstandenen Schäden haben wir schon repariert, ihr braucht euch darum nicht mehr zu kümmern…" Nach dem sich die Elfen noch vergewissert hatten, dass auch wirklich alles in Ordnung war, zogen sie mit leicht enttäuschten Gesichtern wieder ab, denn es gab für sie nichts zu tun hier.
Einige Zeit später, als alle schon in ihrem Bett lagen und schliefen, unterhielten sich Harry und Hermine immer noch. Sicher, sie hatten in der Zeit auf Avalon sehr viel gelernt und waren unter anderem dadurch nun doch recht mächtig geworden. Aber trotzdem waren sie doch mit der Gesamtsituation irgendwie unzufrieden. Sie wollten sich nicht auf dem bisher Gelernten verlassen um nun in der Schule ihre Hände in den Schoß legen und einfach nur ganz normale Schüler zu sein. Nein - sie wollten aktiv in den Kampf gegen Voldemort eingreifen und sich nicht nur auf den Endkampf vorbereiten! Zugegeben, ihr zusätzlicher Unterricht stellte auch eine Art des Kampfes dar, doch letztendlich diente er nur der Verteidigung, wenn sowieso schon alles andere zu spät war. Gemeinsam analysierten sie die momentane Situation, soweit das ihr Wissensstand zuließ. Es gab im Prinzip vier Parteien: Das Ministerium, den Phönixorden und seine Verbündeten, Voldemort und seine Todesser und schließlich die bisher unbeteiligten Zauberer und Muggel. #'Mine, irgendwie gefällt mir das Ganze nicht#, sandte Harry telepatisch seiner Frau zu. #Albus wird uns zwar in den Orden aufnehmen, aber nur als Junior-Partner, so dass wir effektiv nichts machen können. Also sind wir vor allem in Bezug auf bestimmte Informationen immer von Albus abhängig… Am liebsten würde ich meinen eigenen Orden gründen, um Tom auf meine Art und Weise zu bekämpfen. Ich glaube, unsere Freunde und viele aus der DA wären damit einverstanden. Was meinst du dazu?# Hermine dachte ein paar Minuten nach, bevor sie Harry antwortete: #Da muss ich dir zustimmen, wir sind von Albus abhängig. Aber unsere eigene Organisation… Meinst du dass das klappen könnte? Und was willst du dann überhaupt tun?#
#Nun, der Orden kann offiziell nicht immer etwas unternehmen, da er an die Gesetze gebunden ist. Außerdem sind die meisten Mitglieder Ministeriumsangestellte, Auroren oder Lehrer. Aber eine Geheimorganisation, noch geheimer als der Phönixorden und die wirklich niemand kennt außer den Mitgliedern, und die auch nur im Verborgenen operiert, hat da schon wesentlich mehr Möglichkeiten, zumindest so lange wie sie geheim bleibt. Ich möchte es den Todessern mit gleicher Münze heimzahlen, was sie so vielen Menschen angetan haben – ich will sie jagen und sie einem nach dem anderen sicher hinter Schloss und Riegel bringen! Ich will meine Eltern und Sirius rächen!# Hermine war nicht sehr überrascht, als sie gerade die letzten Worte von Harry vernommen hatte, immerhin waren sie Seelen- und Ehepartner, dadurch hatte Hermine wirklich sehr tiefe Einblicke in Harrys Innerstes werfen können und auch müssen. Sie kannte ihn wie niemand anderes, und so konnte sie nicht nur seine Rachegedanken verstehen, sondern auch seine Wut, seinen Hass und nicht zuletzt seinen Schmerz. Hermine seufzte leicht, als sie ihren Mann noch fester in ihre Arme zog, bevor sie ihm leise ins Ohr flüsterte: „Harry, ich habe dir geschworen, dir überall hin zu folgen und dich zu unterstützen. Ich liebe dich viel zu sehr, als dass ich dich da allein lassen würde – also kannst du mit mir rechnen! Aber lass uns ein anderes Mal darüber reden, ich bin jetzt einfach zu müde dazu…"
Am nächsten Tag hatten sie erst einmal vier Stunden VgddK bei Remus Lupin, in denen sie den Stoff der letzten Jahre wiederholten. Dabei musste Remus vor allem zwei Dinge feststellen: Im letzten Jahr hatten die Schüler im Unterricht nicht wirklich etwas gelernt, was ihn aber nicht verwunderte nach den Berichten, die er zum Unterricht von Dolores Umbridge bekommen hatte. Aber er konnte auch feststellen, dass die Schüler, die an der DA teilgenommen hatten, den anderen in fast allen Gebieten weit voraus waren. Natürlich kannte Remus die Mitglieder der DA, und er konnte auf ihre Unterstützung hoffen, um alle Schüler auf den gleichen Wissensstand zu bringen. In Zauberkunst langweilten sich Harry und seine Freunde, als Professor Flitwick den Aufrufe- und den Verschwindezauber behandelte, um dann mit dem Erschaffen von Gegenständen zu beginnen.
Am Abend machten die Freunde erst ihre Hausaufgaben, bevor sie ihre Planungen für den Unterricht nochmals verfeinerten. Aber dafür brauchten sie nicht all zu sehr viel Zeit, den Rest des Abends trainierten sie Schwertkampf und ähnliche Sachen. Am Mittwoch konnten Harry und Hermine in Kräuterkunde erstmals ihr Wissen, welches sie von Emrys und den Elfen bekommen hatten, einsetzen. Professor Sprout behandelte verschiedene Heilpflanzen, die in Europa heimisch waren, und Neville bestach alle mit seinem umfassenden Wissen über die Eigenschaften und die Zucht dieser Kräuter. Auch in diesem Unterricht blieb es zwischen den einzelnen Häusern relativ ruhig.
In Zaubertränke behandelte Professor Snape Harry und Neville eigentlich wie immer, auch wenn er vielleicht eine Spur weniger sarkastisch zu ihnen war. Trotzdem verloren sie wieder einige Punkte und bekamen umfangreiche Hausaufgaben aufgehalst. Der Unterricht bei Minerva McGonagall war wie immer: Interessant, lehrreich und fordernd. Nicht das unsere Freunde damit ein Problem gehabt hätten, im Gegenteil, Minerva lobte Neville, da er erstmals wirklich gut mithalten konnte. Anschließend hatten sie Pflege Magischer Geschöpfe (PMG) bei Hagrid, und die Freunde waren schon sehr darauf gespannt, denn sie hatten mit ihrem übergroßen Freund bis jetzt noch nicht weiter reden können. Dementsprechend fiel dann auch die Begrüßung aus, man konnte deutlich das Glitzern in Hagrids Augen sehen.
„Seid herzlich willkommen zu zwei weiteren Jahren ‚Pflege magischer Geschöpfe'!", begrüßte Hagrid die anwesenden Schüler aus den vier Häusern, wobei er doch sehr verwundert zur Kenntnis nahm, dass auch die meisten der Slytherins, die ihn und seinen Unterricht bisher nicht unbedingt so toll fanden, weiterhin in seinen Kurs kamen. „Es freut mich, dass ihr alle so zahlreich erschienen seid, auch wenn ich ehrlich gesagt nicht mit allen von euch gerechnet hatte. Also, in diesem Jahr werden wir uns unter anderem mit magischen Schlangen, Greifen, Einhörnern, Mantikors, Sphinxen und Phönixen beschäftigen, und im nächsten Jahr dann Wesen wie Vampire, Werwölfe, Trolle, Kobolde, Zwerge, Riesen, Elfen, Veelas und so weiter. Ich hoffe, dass das für uns alle zwei interessante Jahre werden! Heute wollen wir mit den Phönixen anfangen, Professor Dumbledore hat mir seinen freundlicher Weise zur Verfügung gestellt."
Bei diesen Worten kam wie auf Kommando Fawkes angeflogen, sanft landete er auf Hagrids Schulter. Fawkes blinzelte kurz in die Richtung von Harry und Hermine und begrüßte sie telepatisch, als Hagrid auch schon fragte, wer ihm etwas über die Feuervögel sagen konnte. Sowohl Harry als auch Hermine hielten sich ganz bewusst zurück, sie wollten sehen was ihre Mitschüler über diese äußerst langlebigen Wesen wussten. Dadurch dass sich beide selbst auch in einen Phönix verwandeln konnten wussten sie natürlich ausgesprochen viel darüber, sie hätten mit ihrem Wissen selbst den Schulleiter verblüffen können, hätten sie es ihm wohl jemals mitgeteilt. Zur Verwunderung aller war es ausgerechnet Pansy Parkinson, die am meisten über die Phönixe erzählen konnte; hatte sie doch in der Vergangenheit immer wieder versucht, Hagrids Unterricht zu boykottieren. Auf die fragenden Blicke ihrer Mitschüler reagierte die Slytherin nur mit einem Schulterzucken. „Die Phönixe interessieren mich nun mal, genauso wie die Einhörner…", erklärte sie schließlich.
Keiner der anderen bemerkte, dass sich Harry und Hermine fast die ganze Zeit über telepatisch mit Fawkes unterhalten hatten, der spottende Kommentare über die Schüler machte als er merkte, wie wenig sie eigentlich über seine Rasse wussten. Die jungen Eheleute mussten sich manchmal ganz schön zusammen reißen, ein fluchender, schimpfender und lästernder Phönix klang aber auch zu komisch!
An diesem Abend übten Ron, Ginny, Neville und Luna wieder zauberstablose Magie, während Hermine und Harry in ihrer Bibliothek saßen. Hermine versuchte etwas über die alten Zaubererfamilien, ihre Abstammungen und ihre Fähigkeiten herauszubekommen, und Harry saß einfach nur da und grübelte darüber nach, wie er am besten aktiv in die derzeitigen Geschehnisse in der Welt der Zauberer eingreifen könnte.
Am Donnerstag hatten sie dann das erste Mal Wahrsagen. Wie Harry schon befürchtet hatte, hatten sie das Fach nicht bei Firenze dem Zentaur, sondern bei „Der Alten Eule", wie er Professor Trelawney insgeheim nannte. Irgendwie war Harry an diesem Tag schon seit dem Aufstehen nicht besonders gut drauf, und als ihm seine Professorin dann auch noch zum wiederholten Male einen schrecklichen Tod voraus sagte, platzte ihm schließlich der Kragen. Mit geballten Fäusten stand Harry langsam auf, und mit einer leisen, eiskalten und dafür umso Furcht einflößender Stimme sagte er Der Alten Eule endlich seine Meinung: „Professor, mit allem Respekt, aber Sie können mich mal! Seit ich bei Ihnen Unterricht habe verging keine einzige Stunde, in der Sie mir nicht einen schrecklichen und grausamen Tod voraus gesagt haben! Wie Sie aber sehen können bin ich immer noch am Leben und ich denke gar nicht daran, meine Zeit weiterhin mit diesem Unsinn zu vergeuden! Leben Sie wohl!" Mit einer winzigen Handbewegung waren seine Sachen wieder eingepackt, und mit sicheren Schritten ging er auf die Turmluke zu, um diesen vernebelten und verräucherten Raum zu verlassen. „Harry, warte auf mich!", rief ihm Ron hinterher, die schleunigst seine Sachen zusammenpackte und dann seinem besten Freund hinterher eilte.
„Und, was machen wir jetzt?", fragte Ron, als sie schließlich den Turm hinab gestiegen waren. „Ich weiß nicht, vermutlich sollten wir uns jetzt bei Albus melden, nachdem wir nun diesen Kram hingeschmissen haben…" Kurze Zeit später hatten sie im Büro des Schulleiters Platz genommen und ihm von ihrem Abgang aus dem Wahrsageunterricht berichtet. Dumbledore jedoch schmunzelte nur. „Ich habe mich sowieso schon gefragt, warum ihr dieses Fach noch nicht abgewählt habt! Da ihr ja jetzt etwas mehr freie Zeit habt, wollte ich euch fragen, ob ihr nicht in Arithmantik einsteigen wollt. Hermine und Professor Vector könnten euch die Grundlagen beibringen. Bei eurem logischen Denkvermögen solltet ihr kaum Schwierigkeiten mit diesem Fach haben, ganz besonders du nicht, Ron. Ihr solltet auch darüber nachdenken, ob ihr nicht auch noch Alte Runen belegt, wie ich von Emrys erfahren habe hat er euch schon ein paar alte Schriften beigebracht. Beide Fächer könnten euch helfen, die Wirkungsweisen von verschiedenen Zaubern zu erkennen und zu verstehen, und vielleicht könnt ihr einmal eure eigenen Zaubersprüche entwickeln. Denkt bitte in Ruhe darüber nach, und redet mit Hermine und Professor Vector. Nun, eine Sache hätte ich noch: Professor Snape wird morgen im Unterricht wieder sehr unfair zu euch sein und euch ein paar Punkte abziehen. Zum Schluss wird er euch Nachhilfeunterricht als Strafarbeit aufdonnern. Das ist unser Alibi für euren zusätzlichen Unterricht bei ihm, um den du selbst gebeten hast, Harry. Ich hoffe, ihr seid damit einverstanden. Und egal wie viele Punkte er euch abziehen wird, ihr bekommt sie schon wieder, keine Angst!"
Und so war es dann auch. Severus Snape hatte eine furchtbare Laune, die er vorrangig an den Gryffindors ausließ. Hätten Harry und Ron ihre Freunde nicht vorher schon informiert, dass dies passieren würde, hätte es wohl einen Aufstand gegeben. So aber spielten die Freunde die vor Wut bebenden Opfer eines grausamen Lehrers, aber wenn sie ehrlich zu sich selbst waren mussten sie dem Meister der Zaubertränke eingestehen, dass er wirklich sehr gut schauspielern konnte. Denn als sie an diesem Abend in den Kerkerräumen erschienen um ihre ‚Strafarbeit' anzutreten, entschuldigte sich der Professor bei ihnen für sein Auftreten. „Dadurch werden sich die anderen Schüler nichts dabei denken, wenn Sie an mehreren Abenden wegen verschiedenen ‚Strafarbeiten' zu mir kommen. So können wir ungestört üben, was Sie bei Emrys versäumt oder vergessen haben."
Vor allem Harry und Hermine merkten, wie bitter nötig sie den Nachhilfeunterricht hatten, denn in den dreieinhalb Jahren auf Avalon hatten sie in der Tat wirklich sehr viel über das Brauen von Zaubertränken vergessen, da sie die ganze Zeit andere Sachen gelernt hatten. Snape fing mit relativ einfachen Tränken an und würde in den nächsten Wochen zu immer schwierigeren Tränken übergehen. Im Gegenzug dafür wollten Harry und Hermine ihm helfen, seine ohnehin schon guten Okklumentikkenntnisse zu verbessern. Am Ende dieser Stunde jedoch sprachen sie gemeinsam über Snapes Beteiligung am samstäglichen Unterricht. Nun, da Severus Snape Harrys und Hermines Macht spüren konnte, war er im privaten sehr freundlich zu ihnen. Aber vielleicht lag es auch daran, dass der Schulleiter ihm von Harrys bisherigem Leben erzählt hatte, und die übergroße Fledermaus langsam erkennen musste, dass er den Sohn seines alten und schon längst verstorbenen Schulfeindes all die Jahre völlig falsch eingeschätzt hatte… Während Harry sich einfach nur freute dass Snape begann ihn ernst zu nehmen und angemessener zu behandeln, hatte Hermine doch so ihre Zweifel an des Professors Redlichkeit. Irgendwie kam ihr es recht merkwürdig vor, das Snape sein Verhalten ihnen gegenüber von jetzt auf gleich veränderte! Aber sie behielt ihre Gedanken vorerst für sich, nahm sich allerdings fest vor das Ganze weiter zu beobachten.
Spät abends suchte Harry in Begleitung von seinen Freunden und den ihn unterstützenden Lehrern zum ersten Mal seit vier Jahren wieder die Kammer des Schreckens auf. Zwar mussten sie dieses Mal nicht durch die Röhren rutschen, aber dafür mussten sie sich regelrecht durch das Kellergewölbe kämpfen, denn es war noch weiter eingestürzt. Auch lag ein wirklich unangenehmer Geruch in der Luft, der umso stärker wurde, je näher sie der Kammer kamen. Schließlich wurde es sogar so schlimm, dass sie einen Schild um sich legen mussten, der keine Luft durch ließ, sonst wären sie bei dem bestialischen Gestank wohl erstickt.
Hermine schaute immer wieder zu Harry und besonders zu Ginny hinüber, sie machte sich Sorgen, da beide in dieser Kammer nicht gerade angenehme Erlebnisse hatten, die beide fast mit ihrem Leben bezahlt hätten. Harry ließ sich kaum etwas anmerken, aber Ginny sah wirklich sehr blass aus. Hermine griff nach ihrer Hand um ihr Mut zu machen, und gemeinsam schritten sie durch das Tor zur Kammer, welches Harry gerade geöffnet hatte. Bei ihrem Eintreten entflammten eine Menge Fackeln, die rings herum an den Wänden in entsprechenden Halterungen steckten. Wie Harry es vermutet hatte, war es furchtbar dreckig in der Kammer. Das Schlimmste war jedoch der riesige Kadaver des Basilisken, den Harry vor vier Jahren getötet hatte. Halb verfault und vergammelt lag er bei den Säulen, genauso wie Harry ihn damals hatte liegen lassen. Seine Freunde bekamen untertassengroße Augen, als sie sahen, wie groß der Basilisk wirklich gewesen war. Harry hatte bei seinen damaligen Erzählungen wie immer ein wenig untertrieben…
Harry wollte den Kadaver gerade verschwinden lassen als er von Albus aufgehalten wurde. „Warte noch", meinte dieser, „ich glaube dass sich Severus noch die Zähne sichern will – sie sollen ja sehr mächtige Zaubertrankzutaten sein!" Nachdem sich der Meister der Zaubertränke die Zähne und auch etliche Schuppen gesichert hatte, nickte er Harry zu, und dieser ließ den Kadaver endlich verschwinden. Hermine und Albus reinigten die Luft, damit sie alle wieder frei atmen konnten.
Nachdem sich alle ausführlich in der nun sauberen Kammer des nicht mehr vorhandenen Schreckens umgesehen hatten, vergrößerten Harry und Hermine die Kammer, so dass sie schon eher die Ausmaße einer guten Turn- und Sporthalle hatte. Dann verwandelten sie die äußeren Bereiche in Laufbahnen, die sich farblich von ihrer Umgebung unterschieden und natürlich durch weiße Linien voneinander getrennt waren. Auch den Boden hatten sie derart verändert, dass er jetzt ein bisschen weicher war und beim Laufen ganz leicht zurück federte. Einen Teil des Eingangsbereiches trennten sie ab, hier wollten sie Duschen und Umkleideräumer errichten. Den inneren Bereich der Halle teilten sie in zwei abgetrennte Bereiche, im hinteren Teil erschufen sie verschiedene Sport-, Turn- und Gymnastikgeräte, so wie sie ihnen noch in Erinnerung waren, und den vorderen Teil verwandelten sie in ein Spielfeld. Anschließend gingen sie mit ihren Freunden und den Lehrern durch die Halle und erklärten, was sie gemacht hatten und auch warum.
Anschließend erläuterten sie, wie und wo sie sich einen Zugang zur neuen Sporthalle gedacht hatten, der ja für alle Schüler und Lehrer zugänglich sein sollte. Harry und Hermine wollten einfach die Röhre, die von Myrthes defekter Toilette aus zur Kammer führte, zu einer breiten Treppe ausbauen und alle anderen Röhren versiegeln. Sie könnten zu einem späteren Zeitpunkt erforscht werden, denn niemand wusste wie viele Röhren es gab und wo sie überall hingingen. Nachdem der Schulleiter und auch die anderen Lehrer ihre Zustimmung gegeben hatten, verschwand Harry kurz um die maulende Myrthe zu informieren. Kurz nachdem er wieder zurückgekommen war, führte er gemeinsam mit seiner Frau den Plan aus und verwandelten die Röhre in eine breite Treppe. Auch für die entsprechende Beleuchtung sorgten sie, indem sie in bestimmten Abständen Fackelhalterungen anbrachten. Die dazugehörenden Fackeln zauberte Dumbledore herbei, er sorgte auch dafür, dass sie sich automatisch entzünden würden, sobald jemand sich näherte, und dann auch wieder automatisch verloschen, sobald die Personen weiter gegangen waren. Gemeinsam bauten sie noch die notwendigen Duschen und Umkleideräume, bevor Harry und Hermine schließlich mit Ginnys Unterstützung alle anderen Röhren, die sie ausmachen konnten, magisch versiegelten.
Als Harry und Hermine einige Zeit später in ihrem Bett lagen, konnten beide nicht einschlafen. Sie waren einfach zu nervös wegen ihrer ersten Unterrichtsstunde, die sie ja am nächsten Tag halten sollten. Irgendwann standen sie also wieder auf und gingen ins Bad, um sich mal wieder ein richtiges Vollbad zu gönnen, was sie schon die ganze vergangene Woche nicht mehr getan hatten. Als sie schließlich in dem warmen Wasser lagen, kamen bei beiden wieder ein paar Erinnerungen an Avalon hoch, vor allem an ihr erstes gemeinsames Bad in ihrer ersten gemeinsam erbauten Hütte, und an ihre erste gemeinsame Liebesnacht auf den Fellen vor dem selbst gebauten Kamin… Als sie dann eine ganze Zeit später aus dem Wasser stiegen, waren beide recht erschöpft, so dass sie recht bald eng umschlungen ins Reich der Träume abdrifteten.
Der nächste Tag begann äußerst stressig für unsere beiden Helden – sie hatten verschlafen, was zumindest Hermine noch nie zuvor passiert war! Hätte Ginny nicht wie eine Wilde gegen ihre Türe gehämmert, hätten die beiden wohl auch noch das Frühstück verpasst. So aber konnten sie wenigstens noch etwas zu sich nehmen, bevor sich der Schulleiter erhob und die Schüler ab der vierten Klasse bat, nach dem Frühstück noch dazubleiben.
„So meine Lieben", begann Dumbledore, nachdem auch der letzte Drittklässler die Große Halle verlassen hatte. „Wie ihr sicherlich mitbekommen habt, beginnen wir heute mit dem freiwilligen Zusatzunterricht. Dieser Unterricht wird immer samstags stattfinden, jedoch können auch einzelne Teilbereiche auf andere Tage verlegt werden, sollte dies notwendig sein. Schwerpunkt dieser Ausbildung wird die Verteidigung gegen die dunklen Künste sein, es werden aber auch Themen aus anderen Bereichen behandelt. Ziel des Unterrichtes ist es, dass ihr euch in einer Gefahrensituation so gut wie möglich selbst verteidigen könnt. Dazu gehört nicht nur Duellieren, sondern auch Verwandlung, Zauberkunst, Heilkünste und Sport, sowie auch etliche andere Dinge. Wie ich schon angekündigt hatte wird Harry Potter die gesamte Ausbildung leiten. Unterstützt wird er dabei von den Professoren McGonagall, Snape, Lupin, Flitwick und auch von mir, sowie unserer Madam Pomfrey und den Auroren Tonks und Moody. Das Besondere an diesem Unterricht ist aber, dass er so weit es geht von euch Schülern durchgeführt wird. Für den Anfang haben sich einige Schüler aus dem Hause Gryffindor bereit erklärt, die Ausbildung zu übernehmen; an ihrer Seite stehen die schon genannten Professoren und Auroren. An den ersten beiden Samstagen werdet ihr in den verschiedensten Gebieten getestet, damit wir einen Überblick über eure Leistungen bekommen. Dementsprechend werdet ihr dann in den einzelnen Unterrichtsthemen zu Gruppen mit in etwa dem gleichen Wissensstand zusammengefasst. Wenn sich jemand auf einem oder mehreren Gebieten besonders hervor tut, besteht durchaus die Möglichkeit, dass dieser Schüler oder diese Schülerin dann die anderen ausbilden darf. Wie ich schon sagte, dieser Unterricht ist absolut freiwillig, aber es besteht natürlich auch hier die Möglichkeit Hauspunkte zu gewinnen oder zu verlieren. Wir haben extra für diesen Unterricht eine Sporthalle und einen geeigneten Klassenraum erschaffen. Alle die an diesem Unterricht teilnehmen wollen, finden sich bitte in einer Stunde in diesem Klassenraum ein. Viel Spaß und viel Erfolg!"
Damit setzte sich der Schulleiter wieder, und Harry trank in Ruhe seinen Orangensaft aus. Auch wenn er eine gehörige Portion Lampenfieber hatte, blieb er doch sitzen, denn er wollte wissen, wie viele Schüler sich auf den Weg machten um den neuen Klassenraum aufzusuchen. Zu seiner Verwunderung blieben alle Gryffindors sitzen, aber dafür standen sehr viele Ravenclaws und auch etliche Hufflepuff auf und verließen zügigen Schrittes die Große Halle. Wie Harry bemerkte war auch Cho Chang darunter. Zögernd standen auch ein paar jüngere Slytherins auf, um den Ravenclaws zu folgen. Erst als sich Draco Malfoy erhob, kamen noch ein paar der älteren Slytherins mit. Die Gryffindors hingegen saßen immer noch geschlossen an ihrem Tisch, bis Harry schließlich ein Licht auf ging: Sie warteten alle auf ihn, denn wenn sie ihm folgten mussten sie nicht nach dem Klassenraum suchen, sondern konnten ihm einfach hinterher traben! 'Na wartet!', dachte sich Harry. Kurz nahm er telepatisch Kontakt mit Hermine auf, dann gab er seinen Freunden ein unauffälliges Zeichen ihm zu folgen. Anschließend stand er betont langsam auf und schlenderte vor zum Lehrertisch, um sich ein wenig mit Remus zu unterhalten. Als seine Freunde bei ihnen waren, gingen sie durch den kleinen Nebenausgang hinaus, um mittels eines Portals ins Klassenzimmer zu gelangen.
„Was sollte das jetzt eigentlich?", fragte ein nur minimal verstörter Ron. „Ganz einfach, unsere lieben Hauskameraden haben gedacht, sie sind besonders clever. Sie wollten wohl warten bis wir zum Klassenraum gehen um uns dann zu folgen, so bräuchten sie nicht selbst danach zu suchen… Dabei brauchen sie doch nur den kleinen Hinweisschildern zu folgen, die Ginny heute Morgen angebracht hat!", erklärte ihm seine Freundin. „Ach so!", kam es darauf hin von Ron.
Im Klassenraum wurden sie schon von den anderen Professoren und einer Überraschung erwartet. Der größte Teil des Raumes war durch eine Mauer abgetrennt! Schmunzelnd erklärte der Schulleiter, dass er am heutigen Morgen schon tätig gewesen war und das Labyrinth zum Testen der Schüler aufgebaut hatte. „Ich habe es so eingerichtet, dass eure Mitschüler in einem Abstand von einer Minute das Labyrinth betreten sollten. Jeder wird die gleiche Situation vorfinden und sein Verhalten wird automatisch registriert, so dass wir es hinterher auswerten können. Zusätzlich stellen wir an besonders kritischen Punkten noch Posten auf. Ihr müsst nur noch selbst durch das Labyrinth gehen und mir dann sagen, ob alles so ist wie ihr euch das vorgestellt habt…"
In der Tat war das Labyrinth fast genauso wie zu ihrer ZAG-Prüfung, nur das es heute eben auch an den Wissensstand der Sechst- und Siebtklässler angepasst war. Es mussten die verschiedensten Fallen umgangen, Flüche abgewehrt oder magische Kreaturen besiegt werden. Alle hielten diese Prüfungen für ausreichend, und so setzten sie sich schließlich an den großen Tisch, der immer noch in der Ecke des Raumes stand, und warteten auf die Schüler. Dabei fiel Hermine auf, dass es für die Schüler ja gar keine Sitzgelegenheiten gab, und so schufen sie schnell noch ein paar Bänke und Schreibpulte, die sie an den Wänden entlang anordneten.
Natürlich waren es die klugen Ravenclaws, die als Erste eintrafen, dicht gefolgt von den Gryffindors und den Slytherins. Die Hufflepuffs kamen nur ein paar Minuten später. Harry und seinen Freunden blieb der Mund offen stehen, so viele Schüler waren gekommen! Das Haus Gryffindor war ab der vierten Klassenstufe vollständig anwesend, und aus Ravenclaw waren wohl ebenfalls die meisten Schüler gekommen. Auch von den Hufflepuffs hatten sich viele entschieden herzukommen. Selbst etwa dreißig Slytherins hatten den Weg hier her gefunden, unter ihnen bekannte Gesichter wie Draco Malfoy, Blaise Zabini und Pansy Parkinson. Selbst die Herren Goyle und Crabbe waren da! Innerlich fluchte Harry – hatte er doch gehofft einen friedlichen Unterricht zu haben ohne sich mit Malfoy & Co. herumärgern zu müssen!
Nachdem auch der letzte Schüler Platz genommen hatte (Dumbledore musste extra noch ein paar Bänke herbei zaubern), erhob sich der Schulleiter, um alle zu begrüßen. „Schön, dass ihr so zahlreich hier her gefunden habt. Wie ich euch schon gesagt habe, wird dieser Unterricht von Mr. Harry Potter geleitet. Daher werde ich mich von jetzt an auch im Hintergrund halten und das Wort an Harry übergeben… Viel Spaß und viel Erfolg!" Damit setzte er sich wieder, und Harry stand mit wackligen Beinen auf. Zwar hatte er schon Erfahrungen als „Lehrer" sammeln können, aber das war in der DA gewesen, wo sie nur knapp dreißig Schüler gewesen waren. Nun aber sahen ihn fast zweihundert neugierige Schüler an!
Harry schluckte seine Nervosität herunter und fing an: „Danke, dass ihr da seid. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass so viele von euch Interesse an zusätzlichem Unterricht haben… Naja, wie auch immer. Ich freue mich besonders, dass heute hier wirklich alle vier Häuser vertreten sind, auch wenn das Manchem von euch vielleicht nicht so sehr gefallen mag." Nicht wenige Schüler vor ihm nickten. „Bis vor einiger Zeit unterlag ich noch der Verblendung, dass alle Slytherins dunkle Magier werden." Ein leichtes Gemurmel entstand, doch Harry hob die Hand und die Menge verstummte. „Mittlerweile bin ich schlauer. Gryffindors, Ravenclaws, Hufflepuffs und auch Slytherins können Entscheidungen treffen und nur Entscheidungen machen einen Menschen aus. Ich selbst hätte nach Slytherin gehen können; meine Entscheidung trug dazu bei, dass ich ein Gryffindor wurde. Das Traurige daran ist, dass ich das eigentlich seit meinem 11. Lebensjahr weiß – und dennoch nie danach gehandelt habe. Schließlich war es einer der besten Freunde meiner Eltern, ein Gryffindor namens Peter Pettigrew alias Wurmschwanz, der meine Eltern und meinen Paten Sirius Black verraten hatte. Wie das ausgegangen ist solltet ihr eigentlich wissen – meine Eltern starben als ich gerade ein Jahr alt war, und mein Pate musste unschuldig für zwölf lange Jahre nach Askaban, ohne je eine Chance auf eine faire Verhandlung zu bekommen. Kurz vor den letzten Ferien ist Sirius umgekommen, getötet von seiner eigenen Cousine!"
Harry brauchte ein paar Momente, um sich wieder zu sammeln, bevor er weiter sprechen konnte. „Letztes Jahr hatten wir eine inzwischen ehemalige Mitarbeiterin des Ministeriums als Lehrerin. Ich bin mir sicher, ihr alle könnt euch noch an die Ereignisse erinnern… Diese Frau war der Grund, warum wir eine Art Selbsthilfegruppe gegründet hatten, wir wollten uns den durch Umbridge verpassten Unterrichtsstoff selbst beibringen. Wie ihr alle wisst, herrscht da draußen Krieg. Noch wird im Verborgenen gekämpft, aber ich bin mir sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird bis die Kämpfe offen ausbrechen. Euch allen sollte klar sein, dass Hogwarts mit zu den Hauptzielen von Voldemort" – ein kollektives Keuchen lief durch die Schüler – „dass Hogwarts mit zu den Hauptzielen von Voldemort gehört. Wir können und wollen es nicht den Lehrern allein überlassen unsere Schule zu verteidigen, denn ob wir ausreichende Unterstützung vom Ministerium bekommen werden ist mehr als fraglich."
Er wollte gerade weiterreden, als Draco Malfoy die Stimme erhob: „Warum?" Harrys Augen wanderten zu dem Blondhaarigen, der etwas spöttisch aber dabei durchaus ernst lächelte. „Warum was?" „Warum das alles hier?" „Das habe ich doch gerade erklärt", antwortete Harry nur. „Nein, Harry", sagte Draco und erhob sich, „Warum?" Harry hörte ein paar der Menschen flüstern, wohl weil keiner so recht verstand, worum es ging oder weil Draco Malfoy ihn gerade mit dem Vornamen angeredet hatte. Doch Harry wusste, worauf Draco aus war. Er konnte die Antwort nicht geben, nicht heute, nicht jetzt und vor allem nicht hier. „Weil Voldemort mehr Menschen umgebracht hat, als ein Harry Potter jemals retten könnte", antwortete er schlicht, „vielleicht auch, weil ich durch Voldemort 10 Jahre lang in einem Schrank leben musste. Weil ich durch Voldemort meine ganze Familie verloren habe. Weil Voldemort durch mich dreizehn Jahre seinen Körper verloren hatte. Weil Voldemort sich an mir rächen will und sich dabei nicht scheut, meine Freunde und euch alle zu benutzen, nur um mich in die Finger zu bekommen. Deshalb will ich, dass ihr lernt euch selbst zu verteidigen. Dass ihr lernt, euch selbst, eure Familien, eure Freunde, eure jüngeren Mitschüler und unsere gemeinsame Schule zu schützen." Draco Malfoy nickte und nahm wieder Platz. Er wusste, dass Harry hier an dieser Stelle nicht mehr sagen würde, nicht mehr sagen konnte.
„Ihr sollt lernen die Gefahren zu erkennen", fuhr Harry fort. „Wir werden euch zwar keine Schwarze Magie beibringen, aber ihr sollt zumindest lernen sie zu erkennen. Ich frage mich, wer diesen Schwachsinn mit der weißen und dunklen Magie überhaupt erfunden hat! Ich für meinen Teil sehe keinen Unterschied darin. Was zählt ist die Absicht, nicht der Zauber. Was zählt sind Entscheidungen. Es geht mir nur darum, wie ich Magie anwende und warum. Das ist alles. Wie wollt ihr gegen Todesser antreten, wenn ihr keinen Schimmer von Dunkler Magie habt?" Harry musste unweigerlich grinsen. „Nein, dazu muss man sich von der Vorstellung verabschieden, alles Gute wäre rot-golden oder glänzte silbrig-grün, wenn ihr versteht, was ich meine. Es kann nämlich auch rot-golden sein und trotzdem silbrig-grün glänzen. Und dabei kann auch noch ein Blau- oder Gelbstich darin sein." Er erwartete nicht, dass alle seinen versteckten Vergleich mit den Häuserfarben verstehen würden, doch er wusste ganz sicher, dass zumindest einige es verstehen würden.
„Dementsprechend wird es in unserem Unterricht keine Unterschiede zwischen den Häusern geben. Wir sind alle Schüler von Hogwarts! Und noch etwas: Unser Unterricht beinhaltet auch alternative Kampftechniken, damit ihr euch eurer Haut auch dann noch erwehren könnt wenn euch euer Zauberstab nicht mehr zur Verfügung steht. Dazu gehört auch ein Ausdauer- und Fitnesstraining, mit anderen Worten – Sportunterricht. Ich weiß, dass sich viele von euch noch nicht so richtig vorstellen können, wie das alles ablaufen soll und wozu das alles eigentlich dient, aber ich bin mir sicher, mit der Zeit werdet ihr es noch verstehen. Wir möchten euch heute und nächsten Samstag erst einmal nur testen, inwiefern ihr das bereits im Unterricht Gelernte anwenden könnt. Unsere Professoren haben dazu ein kleines Labyrinth geschaffen, das dem bei den ZAG-Prüfungen ähnelt. Ihr sollt es alle der Reihe nach durchlaufen. Dabei werdet ihr beobachtet und eingeschätzt, so dass wir euren Wissensstand beurteilen können. Das ist notwendig, da wir nicht alle von euch auf einmal unterrichten können, dazu seid ihr zu viele. Wir werden also Gruppen bilden müssen, aber eben dazu müssen wir euren Wissensstand kennen. Euch steht es frei, diesen zusätzlichen Unterricht jederzeit zu verlassen, oder neue Freunde mitzubringen. So, alles Weitere wird euch Hermine erklären…"
Damit übergab Harry das Wort an seine Frau, welche den Schülern den genaueren Ablauf erläuterte. „Ihr betretet das Labyrinth bitte nachdem ich euch aufgerufen habe. Keine Angst, ihr werdet euch schon nicht auf die Füße treten – das Labyrinth ist so verzaubert, das automatisch für jeden von euch eine eigene, angepasste Version geschaffen wird. Am Ende der Prüfung werden eure Leistungen automatisch auf einer Pergamentrolle notiert, welche dann in diesem Korb hier landet." Damit zeigte Hermine auf den großen Weidenkorb, der neben ihr stand. Anschließend rief sie in alphabetischer Reihenfolge die Schüler auf, damit sich diese ins Labyrinth begaben. Bis alle Schüler durch waren, würde es sicherlich an die vier Stunden dauern. Also zauberte Hermine mit Dobbys Hilfe und der anderen Hauselfen ein Buffet herbei, an dem sich alle Hungrigen und Durstigen stärken konnten.
Nach gut zwei Stunden kamen die ersten Schüler wieder aus dem Labyrinth – verschwitzt, abgekämpft, aber begeistert. Müde ließen sie sich auf den Bänken nieder, um ein wenig auszuruhen, bevor sie – nun schon wieder fröhlich plappernd – über das Buffet herfielen. Nach über vier Stunden hatte dann auch der letzte Schüler seine Prüfung absolviert und anschließend einen kleinen Imbiss eingenommen, als auf einmal ein Rauschen einsetzte und die gesammelten Pergamentrollen mit den Prüfungsergebnissen auf Hermine zugeflogen kamen und in dem großen Korb landeten.
Langsam erhob sich Harry und wartete, bis die Lautstärke im Saal soweit gesunken war, dass er frei sprechen konnte. „Ich hoffe ihr habt alles gut überstanden und hattet wenigstens ein bisschen Spaß dabei. Wir werden heute und in den nächsten Tagen eure Ergebnisse auswerten. Nächsten Samstag dann werden wir euch auf Basis eurer heutigen Ergebnisse zu verschiedenen Gruppen zusammenschließen, und ihr wiederholt die heutigen Prüfungen in leicht abgewandelter Form, dann allerdings in eurer Gruppe. Das wär's erst einmal für heute – wir wünschen euch noch ein schönes Wochenende! Wer noch Fragen hat kann natürlich gerne bleiben, für alle anderen gibt es in einer halben Stunde Mittagessen."
Die meisten Schüler verließen den Unterrichtsraum, nur eine Handvoll blieb zurück. Unter ihnen waren nicht nur Cho Chang und Marietta Edgecombe, sondern zur Überraschung aller auch Draco Malfoy. „Harry, wir wollten uns bei dir und bei deinen Freunden für das entschuldigen, was im letzten Jahr passiert ist", sagte Cho mit hochrotem Kopf. „Meine Eltern haben mir in den Ferien ganz schön den Kopf gewaschen, als sie mitbekommen haben, was hier in Hogwarts geschehen ist." „Ich möchte mich auch bei euch entschuldigen", sagte Marietta sehr leise. „Ich hielt es damals für meine Pflicht, euch an Mrs. Umbridge zu melden. Immerhin war sie die Chefin meiner Mutter… Wir hätten nicht alles glauben dürfen, was das Ministerium und der Tagesprophet alles so gesagt hatten." Mit einer Handbewegung forderte Harry die beiden Mädchen auf, sich zu ihm an den Tisch zu setzen. „Wisst ihr, ich war letztes Jahr wirklich sehr sauer auf dich, Marietta. Und ein bischen auch auf dich, Cho. Ich meine, hier in Hogwarts bekommt ihr noch am ehesten mit was da draußen wirklich passiert, denn wenn auch unsere Lehrer uns vielleicht nicht alles sagen oder nicht alles sagen können, so lügen sie uns doch zumindest nicht an. Ich hoffe aber, dass ihr wirklich verstanden habt was für uns alle hier auf dem Spiel steht, und dass ihr euch in unserem Unterricht anstrengt. Tut es wenigstens für Hogwarts, ok?" Cho und Marietta nickten erleichtert, dann drehten sie sich um und liefen aus dem Raum, dicht gefolgt von ihren beiden Klassenkameradinnen, die sie schon die ganze Zeit begleitet hatten. Nachdenklich sahen Harry und Hermine den beiden hinterher. Beide hatten sie sehr wohl registriert, dass Cho's Aura ein kleines bisschen heller geworden war. Konnten sie doch noch für die junge Asiatin hoffen?
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