A/N: Vielen Dank an diejenigen wenigen von euch, die für das letzte Kapitel ein Review hinterlassen haben! Die Antworten dazu findet ihr wie immer in den nächsten Tagen auf meiner Homepage (Adresse siehe Profil)!

War Kapitel 5 wirklich so schlecht? Oder wart ihr alle im Urlaub? Wenn euch das Kapitel nicht gefallen hat, dann schreibt mir doch bitte, warum es nicht gut war. Wie soll ich mich bzw. meine Geschichte(n) sonst verbessern können, wenn mir niemand sagt was ich falsch mache?

Im neuen Kapitel gibt es einiges zum Nachdenken... Ich hoffe, ihr könnt die Gedankengänge nachvollziehen und wünsche euch viel Spaß beim Lesen!


DMD6F - Kapitel 6: BÜCHER & MEHR

Nur wenige Tage später wurden Harry und Hermine nach dem Unterricht in Dumbledores Büro gerufen: Die von Narzissa Malfoy angekündigte Sendung war eingetroffen! Für den Schulleiter waren dutzende kleine und große Kisten und Truhen angekommen, für Harry stand eine riesige Truhe bereit, die über und über mit tausenden miniaturisierten Büchern gefüllt war. Hermine war natürlich vollauf begeistert; doch hatte sie nicht vergessen aus welcher Quelle diese Bücher stammten, und so übte sie erst einmal äußerste Zurückhaltung. Gemeinsam mit Harry und den anwesenden Professoren untersuchte sie die Truhe und ihren Inhalt, aber sie konnten nichts finden. Alles schien ganz normal zu sein, sie konnten nur den Verkleinerungszauber aufspüren, der auf jedem Buch lag.

Später in ihrer Bibliothek nahmen Harry und Hermine jedes einzelne Buch aus der Truhe in die Hand, brachten es auf seine Originalgröße, trugen es in einer Liste ein und sahen sich den Inhalt kurz an. Unterstützt wurden sie dabei nicht nur von Ginny und Luna (Ron war auf dem Quidditchfeld und Neville war wie so oft im Gewächshaus), sondern auch von Dobby. Obwohl sie zu fünft daran arbeiteten, würde die Katalogisierung der Bücher wohl eine ganze Zeit in Anspruch nehmen. Jedes einzelne Buch musste auf Autor, Titel, Thema, Inhalt und vor allem auf eventuelle Zauber geprüft werden!

Später stieß dann Neville zu ihnen, der noch immer etwas streng nach Pflanzendünger roch, obwohl er ausgiebig geduscht hatte - dachte er zumindest. Nur wenige Minuten später kam ihnen auch Ron zur Hilfe. Der Geruch, den Ron an sich hatte, war nicht weniger schön als der von Neville. Einstimmig hatten sie beschlossen, Ron erstmal duschen zu schicken, bevor er sich zu ihnen gesellte. Mürrisch und irgendetwas vor sich hinmeckernd, machte er sich auf den Weg ins Bad; es hörte sich verdächtig nach: "Man kann es auch übertreiben!" Als er sich unbeobachtet fühlte, schnupperte er doch tatsächlich an seinen Sachen. "Ohhhhh", rümpfte er seine Nase.

Immer wieder fanden sie Bücher, die wohl niemand von ihnen jemals freiwillig lesen würde - Bücher, in denen man unter anderem lesen konnte wie man seinen Gegner am effektivsten foltert. Nachdem Hermine diese Bücher gesehen hatte, war ihr klar, wo die mittelalterlichen Inquisitoren ihre ‚allseits beliebten' Foltermethoden her hatten! Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken, was Harry bemerkte. "Wir werden diese Flüche mit Sicherheit nicht verwenden!", versprach er ihr. „Aber wir können sie jetzt erkennen und im Ernstfall darauf reagieren!"

In den nächsten Tagen hatten sie also ihre Beschäftigung. Wenn sie nicht gerade die neuen Bücher sortierten oder im Unterricht waren, trainierten sie mit den anderen Schülern im Rahmen des freiwilligen Zusatzunterrichtes. Die vier Hauslehrer hatten den jeweiligen Vertrauensschülern die neue Sporthalle gezeigt, und diese wiederum ihren Mitschülern. Natürlich wurden Harry und seine Freunde häufig um Unterstützung gebeten, hatten sie doch schließlich die Sporthalle eingerichtet, aber es gab genügend muggelstämmige Schüler, welche den anderen die Möglichkeiten der Sporthalle erklärten und zeigten. Derart in den Mittelpunkt gerückt, verstanden es die bei den Muggels aufgewachsenen Schüler bald, einige Interessante Dinge – wie eben den Sport – erfolgreich in Hogwarts zu etablieren. Nicht wenige der in reinen Zaubererhaushalten aufgewachsenen Schüler nahmen diese sportlichen Aktivitäten dankbar an, denn bisher kannten sie nur Quidditch. Nun konnten sie selbst auch Sport treiben ohne sich dafür einen teuren Besen kaufen zu müssen. Im Allgemeinen wurde die neue Sporthalle also von den Schülern sehr gut angenommen, sie war praktisch jeden Abend ausgebucht.

Vom großen Interesse ihrer Mitschüler an der Sporthalle völlig überrascht, stellten Harry und Hermine ihr eigenes Training um. Einen Teil absolvierten sie zusammen mit den anderen in der Sporthalle, den anderen Teil führten sie immer draußen im Freien durch. Mal schwammen sie im Hogwarts-See, mal liefen sie um den See, meist jedoch flogen sie ein gutes Stück über den Verbotenen Wald und suchten sich dort ein ruhiges Fleckchen zum Üben. Die Abende jedoch verbrachten sie in ihrer Bibliothek, sie hatten immer noch etliche Bücher von Narzissa Malfoy einzuordnen, und außerdem mussten sie ja auch noch die Teilnehmer vom letzten Samstagsunterricht in Gruppen einteilen. Auch der „Nachhilfeunterricht" bei Severus Snape stand nach wie vor auf dem Programm.

Dann kam der Samstag, und mit ihm ein anstrengender Vormittagsunterricht. Wie angekündigt sollten die Schüler dieses Mal als Gruppen ins Labyrinth gehen. Hermine hatte darauf geachtet, dass in jeder Gruppe Schüler aus allen vier Häusern vertreten waren, und die Schüler akzeptierten dies auch. Sehr viele waren dann aber doch recht überrascht mit welchem Ergebnis sie die Prüfungen im Labyrinth ablegten, sobald sie einmal die Hauszugehörigkeit außer Acht ließen und anfingen zusammen zu arbeiten. Aber es stellte sich dabei auch heraus, dass die von Hermine vorgenommene Gruppeneinteilung noch nicht optimal war; hier würde sie auf jeden Fall noch Veränderungen vornehmen müssen. Harry hatte die Einteilung schließlich Hermine überlassen, da sie ihre Mitschüler wesentlich besser einschätzen konnte als er, sie hatte da einfach das bessere Gespür dafür. Oder halt die dafür notwendige weibliche Intuition.

Nachdem alle wieder aus dem Labyrinth heraus gekommen waren, kam wie schon am letzten Samstag eine Flut von Pergamentrollen auf Hermine zugeflogen und landete vor ihr in dem dafür bereitgestellten Korb. Während die anderen Schüler ihre Erlebnisse austauschten und einen kleinen Imbiss zu sich nahmen, überflog Hermine zusammen mit Harry und den Professoren Dumbledore, McGonagall, Flitwick und Lupin die Schriftrollen. Zu großen Teilen bestätigten sich ihre Einschätzungen, aber es gab auch die eine oder andere Überraschung. So hatte zum Beispiel Blaise Zabini in der Gruppe um einiges schlechter abgeschnitten als letzten Samstag, wo sie für sich allein gekämpft hatte. Andere wiederum konnten sich in der Gruppe deutlich steigern, wie es unter anderem Susan Bones, Dean Thomas oder auch Terry Bott bewiesen. Man muss aber auch sagen, dass die ursprünglichen Mitglieder der DA eindeutig am Besten abgeschnitten hatten, egal welcher Gruppe sie zugeordnet waren.

Nachdem sie mit ihrer kurzen Auswertung fertig waren erhob sich Harry. Er brauchte nicht lange um Ruhe zu bitten, seine Mitschüler hatten ihn, Hermine und die Professoren während der Auswertung sowieso die ganze Zeit beobachtet, und nun waren sie natürlich gespannt auf die Ergebnisse. „Also, im großen und ganzen haben sich die Einteilungen bestätigt", fing Harry an. Noch immer fiel es ihm etwas schwer vor so vielen Leuten zu reden, selbst wenn es seine Mitschüler waren. „Ein paar Veränderungen müssen wir noch vornehmen, aber mit den Betroffenen werden wir selbst reden. Wir denken jedoch dass wir jetzt eine Basis haben auf der wir aufbauen können. Jetzt können wir anfangen einen Zeitplan zu erstellen, wann welche Gruppe üben kann. In der Zwischenzeit möchten wir euch um Folgendes bitten: Versucht euch in eurer Gruppe näher kennen zu lernen, unternehmt was zusammen, macht zusammen Hausaufgaben, geht zusammen in die Sporthalle, unterhaltet euch. Kurz gesagt: Lernt euch besser kennen! Wählt bitte je einen aus eurer Gruppe, der uns dann als Ansprechpartner dient, und teilt uns denjenigen oder diejenige mit.

Eine Sache hätten wir noch: Wir haben uns überlegt ob wir hier nicht eine Informationstafel anbringen, auf der ihr nicht nur eure Trainingszeiten ablesen könnt, sondern auch die Gruppenstände. Versteht das bitte nicht falsch, dieser Unterricht soll nicht zu einem Ersatz des traditionellen Häuserkampfes werden, aber ich denke jeder von euch wird wissen wollen wo er oder sie steht. Was haltet ihr davon?" Überwiegend zustimmendes Gemurmel erhob sich in der Runde. „Machen wir es kurz: Jeder der dafür ist hebt bitte die Hand!" Nur wenige Hände blieben unten, und so war es beschlossene Sache. Remus erklärte sich bereit diese Aufgabe zu übernehmen, und in Ginny fand er dafür sogar noch eine freiwillige Helferin.

Nachdem die ganze Rasselbande ins Wochenende entlassen war, nahmen sich Harry und Hermine noch einmal die Prüfungsergebnisse durch. Zusammen mit den Professoren analysierten sie die Ergebnisse, vor allem die derjenigen Schüler, die in der Gruppe wesentlich schlechter abgeschnitten hatten als im Einzeltest. Die größten Unterschiede zwischen den beiden Tests waren bei Blaise Zabini und Cho Chang erkennbar. „Mich wundert dies nicht", gab der sonst immer so miesepetrige Zaubertrankprofessor von sich. „Miss Zabini ist eine sehr ruhige, zurückhaltende Schülerin, die gerne ihre Ruhe hat. Ihr mit Abstand bestes Fach ist Zaubertränke, gefolgt von Kräuterkunde." Schwupp – wie von selbst stellten sich Nevilles Ohren auf. Zumindest täten sie es wenn er ein Hund wäre. „Seit sie auf Hogwarts ist hat sie sich immer aus allen Gruppierungen herausgehalten, sie war und ist in unserem Haus allen gegenüber recht neutral. Die meisten nehmen sie gar nicht richtig wahr, was scheinbar in ihrem Interesse liegt. Daher finde ich es ausgesprochen bemerkenswert, dass Miss Zabini in der vergangenen Woche scheinbar jeden Abend in der Sporthalle anzutreffen war."

Hermine war Nevilles Interesse nicht entgangen, als Professor Snape erwähnte dass Blaise sich neben Zaubertränke auch für Kräuterkunde interessierte. Sie vermutete dass er gerne eine Freundin hätte mit der er sein liebstes Hobby – die Pflanzenkunde - teilen konnte. Verschmitzt lächelnd meinte sie daher an seine Adresse: „Neville, wie wäre es wenn du dich ein bisschen um Blaise kümmern könntest? Sie scheint die gleichen Interessen wie du zu haben; und wer weiß, vielleicht kann sie dir ja in Zaubertränke helfen?" #'Mine, versuchst du etwa Neville mit Blaise zu verkuppeln?#, fragte mental ein überraschter Harry. Doch Hermine grinste ihn nur an. „Aber, aber… ich kenn sie doch gar nicht, ich weiß doch gar nichts von ihr!", entgegnete Neville stotternd und mit roten Ohren. #Sie scheint ihm zu gefallen, hübsch ist sie ja#, meinte Hermine in diesem Moment zu Harry. Dieser akzeptierte die Idee seiner Frau, und beschloss spontan sie zu unterstützen. Insgeheim hatte er zwar gehofft dass Neville mit Ginny zusammen kommen würde, aber eigentlich hatte er bereits eingesehen dass der Wirbelwind Ginny wohl doch nicht die Richtige für den ruhigen Neville sein würde. „Hey Nev, einiges weißt du doch schon von ihr: Du kennst ihren Namen, weißt ungefähr wie alt sie ist, kennst jetzt auch ihre zwei wichtigsten Interessen – das ist doch schon mal ein Anfang, oder? Du weißt doch dass dir keiner von uns das Wasser im Bereich der Pflanzen reichen kann! Versuch doch mal mit Blaise ins Gespräch zu kommen, vielleicht könnt ihr ja zusammen im Gewächshaus arbeiten!" Neville sah Harry und Hermine einige Momente unentschlossen an – er war sich nicht sicher ob sie ihn vielleicht nicht doch nur auf den Arm nehmen wollten. „Du könntest dich dann vielleicht mal mit jemand anderem als mit Professor Sprout über dein Hobby unterhalten", fügte Hermine dann noch hinzu. „Hm, meint ihr wirklich?" Zustimmendes freundliches Nicken in der gesamten Runde. „Na gut, vielleicht frage ich sie ja mal…"

„Was machen wir mit Cho Chang?", fragte Harry kurz darauf. „Sie war mir gar nicht so als Einzelgängerin in Erinnerung!" „Harry, ich glaube dies ist ein Problem welches du mit Miss Chang am Besten allein besprichst", meinte Filius Flitwick nachdenklich. „Meinst du sie hat Probleme damit dass ich jetzt mit Hermine zusammen bin, obwohl ich das im letzten Jahr noch dementiert hatte?" „Genau das vermute ich", bestätigte der kleine Professor. „In Ordnung, ich rede mit ihr", sicherte ihm Harry daraufhin zu.

Nach dem Mittagessen trafen sich die sechs Freunde wieder in der Bibliothek. Die Mädchen waren weiter mit den Büchern beschäftigt, Ron ging die Liste mit denjenigen Gryffindor-Schülern durch die sich für das kommende Auswahlverfahren eingetragen hatten, und Neville lernte einige Zaubersprüche mit denen er immer noch Schwierigkeiten hatte.

Harry dagegen saß in seinem Lieblingssessel und grübelte einmal mehr darüber, wie er seine eigene Organisation auf die Beine stellen konnte um aktiv in die Auseinandersetzungen mit Voldemort einzugreifen, ohne dabei zu große Risiken einzugehen. Nach wie vor behagte es ihm überhaupt nicht das seine Freunde und die Mitglieder der ehemaligen DA willens waren ihm in jeden Kampf zu folgen; er hatte dabei immer das Gefühl, er würde sie in den Tod schicken. Wie soll er bitteschön den Eltern eines Mitschülers oder einer Mitschülerin vor die Augen treten können, wenn dieser oder diese durch Harrys Anweisung schwer verletzt wurde oder schlimmer noch: deswegen ums Leben kam? Wie soll er ihnen und auch sich selbst jemals wieder in die Augen sehen können? Aber auf der anderen Seite hatte Harry auch begriffen, dass er allein keine Chance gegen Voldemort und die Todesser hatte und auch niemals haben würde – da konnte er selbst noch so mächtig sein, allein stand er einfach auf verlorenem Posten! Selbst mit Hermines tatkräftiger Unterstützung würde er es nicht schaffen, zumal Voldemort mit Sicherheit ein nicht gerade kleines Heer an Todessern und anderen dunklen Kreaturen ins Feld führen würde. Also musste Harry seinen Freunden vertrauen und sie mit in den Kampf ziehen lassen... Harry war ungemein froh über die Tatsache, dass Emrys seinen Freunden zumindest das Notwendigste beibringen konnte, so waren sie nicht ganz so ungeschützt.

Obwohl Harry die ganze Zeit hin- und herüberlegte, es wollte ihm einfach keine Möglichkeit einfallen wie er zusammen mit seinen Freunden unabhängig vom Phönixorden in den Kampf eingreifen konnte. Sicher, durch die Erweiterung des Grundbesitzes um Godrics Hollow stand ihnen nun eine sehr weitläufige Fläche zur Verfügung, die sie zum Beispiel zum Trainieren nutzen konnten, aber der Platz war eigentlich vorgesehen für den Fall dass schnell ganze Familien evakuiert werden mussten. Godrics Hollow war inzwischen so gut geschützt, dass man ruhig von einer Festung sprechen konnte. Dort konnte man sich eine ganze Zeit lang verstecken und verschanzen, sollte dies einmal notwendig sein. Aber dies war eigentlich die letzte Zuflucht, wenn alle anderen Maßnahmen versagt hatten. Diese rein defensiven Maßnahmen reichten Harry nicht aus, nicht mehr. Er wollte aktiv mit ins Geschehen eingreifen – doch wie sollte er dies tun? Er konnte schlecht mit seinen Freunden losziehen und bekannte Todesser beschatten und jagen, schließlich mussten sie immer noch zur Schule gehen! Was sie dringend brauchten waren Informationen – und die bekamen sie nur durch den Orden. Aber die Ordensmitglieder, allen voran sein eigener Ururgroßvater, hielten es für besser wenn sie nichts über die stattfindenden Missionen erfuhren, stattdessen erhielten sie nur die Informationen mit denen sie momentan nicht viel anfangen konnten. Es war zum Verzweifeln!

Harry brauchte dringend jemanden der ihm die wirklich wichtigen Informationen zukommen ließ. Aber wen sollte er darum fragen? Remus? Nein. Der war viel zu besorgt um den Sohn seines leider verstorbenen besten Freundes. Tonks? Fehlanzeige. Sie stand so schon genug zwischen den Fronten, indem sie einerseits dem Ministerium und andererseits dem Orden verpflichtet war. Arthur Weasley? Auch wieder nichts. Er stand wohl zu sehr unterm Pantoffel von Molly. Außerdem würde er sowieso nichts sagen wenn es darum ging dass sich seine Kinder wohlmöglich verletzen könnten, egal wie alt und wie gut ausgebildet sie sein sollten. Kingsley Shaklebolt? Siehe Tonks. Alastor Moody? Hm, das wäre vielleicht eine Möglichkeit, aber er stand Albus Dumbledore viel zu nahe. Severus Snape? Ähm, nein danke! Trotz der relativen Freundlichkeit der letzten Wochen traute Harry ihm immer noch nicht über den Weg. Amelia Bones? Sie galt als absolut unbestechlich, aber das war auch schon alles was Harry über Susan's Tante wusste. Blieb nur noch einer: Albus Dumbledore, in dessen Händen sowieso alle Fäden zusammen liefen. Aber würde er es schaffen können seinen Ururgroßvater dazu zu überreden ihm mehr Informationen zu geben die er wohlmöglich für eigene Missionen verwenden könnte? Wie würde Albus reagieren wenn sein letzter und jüngster Familienangehöriger ganz bewusst das Risiko suchte und von sich aus aktiv in den Kampf eingriff? Es half alles nichts, wollte Harry aktiv mitkämpfen, dann führte kein Weg an seinem Ururgroßvater vorbei…

Die nächste Frage war, was wollte er überhaupt machen? Was konnte er machen? Wie könnte er den Ordensmitgliedern auf einer Mission helfen? Welche Fähigkeiten hatte er, über welche die Ordensmitglieder nicht verfügten? Hm, diese Frage war für ihn gar nicht so schwer zu beantworten. Im Gegensatz zu den Ordensmitgliedern besaß Harry die Fähigkeit stablose Magie auszuführen, ebenso die Magie der Elfen und nicht zu vergessen die Elementarmagie. Er konnte Auren sehen, sich in fast jedes beliebige Tier verwandeln und sich ohne Hilfsmittel unsichtbar machen. Offiziell durfte er zwar nicht apparieren, doch dafür beherrschte er die Teleportation, was seiner Meinung nach sowieso die bessere Reisemöglichkeit darstellte. Außerdem konnte er so genannte Portale errichten, mit deren Hilfe gleich ganze Gruppen von Leuten durch die Gegend (und wenn es sein musste auch durch die Zeit) reisen konnten. Und das Beste an der ganzen Sache war, Hermine konnte dies alles auch. Mit ihren Fähigkeiten könnten sie also die Ordensmitglieder oder auch die Auroren bei ihren Missionen unterstützen, wenn sie nur die Erlaubnis dazu bekämen.

Das brachte ihn gleich zu einer weiteren Frage: Was konnten oder was hatten die Ordensmitglieder bzw. Auroren, was weder er noch Hermine hatten? Also vom Alter einmal abgesehen? Erfahrung. Kampferfahrung! Aber wie sollte er bitteschön Kampferfahrungen sammeln können wenn ihn niemand kämpfen ließ? Zwar hatten sowohl Harry als auch Hermine bereits etliche Duelle bestritten, aber da ging es immer entweder gegen Mitschüler oder es war von vornherein nur eine Simulation. Die bisher beiden einzigen echten Duelle, die Harry bestritten hatte, war das in seinem vierten Schuljahr gegen Voldemort persönlich und dann das am Ende des fünften Jahres im Ministerium gegen die Todesser. Vielleicht war dies ja das richtige Argument mit dem er seinen Großvater überzeugen konnte? Hm, mal sehen. Auf jeden Fall sollte er zuerst mit ´Mine darüber reden...

Als Harry fertig war mit seinem Grübeleien und seinen Kopf hob um Hermine anzusehen, musste er feststellen dass sie ihn – ihr Buch immer noch aufgeschlagen in der Hand - bereits ansah und irgendwie wissend anlächelte. #Du hast ganz schön laut vor dich hingedacht!#, sandte sie ihm auch schon telepatisch zu. #Hast du etwa alles mitbekommen?# #Stört dich das?# #Nein, ich wollte ja sowieso mit dir darüber reden... Was meinst du zu dem Ganzen?# #Na ja, im Prinzip hast du Recht. Die Frage ist nur ob wir Albus damit überzeugen können. Ach ich weiß auch nicht – manchmal komme ich mir so nutzlos vor! Immer nur lernen, lernen, lernen; aber das Gelernte anwenden können wir nicht weil man uns aus allem heraus hält...#, seufzte Hermine. Daraufhin stand Harry auf und ging zu ihr hinüber um sie in die Arme zu nehmen, doch Hermine war einmal mehr schneller: Bevor Harry reagieren konnte war sie ebenfalls aufgestanden, hatte Harry in ihren Sessel gedrückt und sich auf seinen Schoß gesetzt! #Jetzt kannst du mich trösten...#, meinte sie als sie sich an ihn kuschelte und ihre Arme um ihn schlang, so wie er es auch bei ihr machte. Harry ließ sich das nicht zweimal sagen – ein paar gut platzierte Streicheleinheiten und etliche liebevolle Küsschen später schien es Hermine wieder besser zu gehen, denn sie griff schon wieder nach ihrem Buch...

„Was liest du da eigentlich?", fragte Harry nach einigen Minuten, während er mit ihren Haaren spielte. „Ein Buch von Professor Vector – wie man mittels Arithmantik die Wirksamkeit von Zaubersprüchen berechnen kann", entgegnete Hermine ohne mit dem Lesen aufzuhören. „Lass mich raten – das funktioniert nur bei gesprochenen Zaubersprüchen, oder?" „Ja, so scheint es. Ich will versuchen das auch bei zauberstabloser Magie anzuwenden, aber das wird wohl nicht so ohne weiteres funktionieren - man müsste sämtliche Analysezauber modifizieren und ich weiß nicht ob das überhaupt geht..." „Gibt es denn da keine andere Möglichkeiten?", fragte Harry. „Ich meine, die Mächtigkeit von Artefakten können wir doch überprüfen, indem wir feststellen wie viel magische Energie sie aufgenommen haben, welcher Art sie ist und wie lange sie in dem Artefakt gespeichert werden kann. Wenn man das auf stablose Magie umsetzt, dann müsste man vielleicht die noch vorhandene Restenergie mit der natürlichen magischen Energie der jeweiligen Umgebung vergleichen. Vielleicht könnte man so herausfinden welche Magie da gewirkt wurde..." „Hm, das wäre vielleicht eine Möglichkeit. Aber dazu müsste man wissen wann die Magie gewirkt wurde und wie schnell sich die Restenergie abbaut – also ganz genau so wie bei der atomaren Strahlungsenergie." „Da kommt mir eine Idee – wir könnten doch einen Geigerzähler so umbauen das er die magische Energie messen kann!" Verblüfft starrte Hermine ihren Mann an. „Harry, du bist genial! Wenn das wirklich funktioniert..."

Schnell hatten sich die beiden einige Notizen zu diesem Thema gemacht, denn um es in Angriff nehmen zu können würden sie noch eine nicht unbeträchtliche Menge studieren müssen. Beide hatten keine Ahnung wie so ein Geigerzähler funktionierte, sie wussten nur dass man damit die Stärke nuklearer Strahlung messen konnte, was wiederum Rückschlüsse über die Energiemenge zuließ. Vielleicht würde es ja auch ein einfacher Energiemesser tun? Beide funktionierten auf jeden Fall mit elektrischem Strom – sie würden also in einer magischen Umgebung nicht funktionieren. Also mussten Harry und Hermine als Erstes herausfinden wie sie Muggelgeräte, die auf Elektrizität angewiesen waren, in Hogwarts oder anderen magischen Orten zum Funktionieren bringen konnten.

Inspiriert von den Ideen der beiden steckten auch die anderen ihre Köpfe zusammen. Gemeinsam versuchten sie eine Liste zu erstellen mit den Dingen, die sie in der nächsten Zeit tun bzw. erforschen wollten. Dazu gehörte unter anderem auch die Frage, wie man sich miteinander verständigen konnte ohne dabei auf die althergebrachten Kommunikationsmittel der Zauberer zurückzugreifen, denn die waren ja nicht nur den Auroren und den Ordensmitgliedern bekannt, sondern auch Voldemort und den Todessern. Also mussten völlig neue Möglichkeiten her, die in der Welt der Magie noch niemand kannte, und die zudem noch absolut abhörsicher waren.

Ginny, Ron, Neville und Luna waren allerdings mit ihrem Latein schnell am Ende, sie kannten eben nur die magischen Kommunikationsmöglichkeiten, und selbst von denen noch nicht einmal alle. Harry und Hermine dagegen kannten da noch die Kommunikationsmittel der Muggel, zwar nicht so gut, aber immerhin. Allerdings hatten diese alle den riesengroßen Nachteil, dass sie allesamt von der elektrischen Energie abhängig waren. Also setzten sie dies ganz oben auf ihre Liste, dreimal unterstrichen…

#Harry?#, fragte Hermine ihren Mann mental. #Tust du mir einen Gefallen? Erzählst du den anderen von deinen Gedanken die du vorhin hattest?# #Bist du dir sicher?# #Ja, Harry, ich denke es betrifft sie genauso wie uns!# Harry nickte als Antwort, während Rons Blicke zwischen ihnen hin und her pendelten. „Da! Sie tun es schon wieder!", rief er. Ginny begriff schnell was er meinte. „Irgendwann verlernt ihr noch das Sprechen", meinte sie kichernd. Harry wartete bis er die Aufmerksamkeit aller hatte, dann begann er seine Überlegungen zu schildern – in einer etwas abgemilderten Form als Hermine sie mitbekommen hatte. Nachdem er geendet hatte herrschte erst einmal längere Zeit Schweigen in der Runde. „Da ist was dran", gab Ron schließlich zu, und Neville fragte: „Wirst du mit ihm reden?"

Harry ließ langsam seinen Kopf sinken und stützte ihn mit seinen Händen ab. „Ich werde auf jeden Fall mit ihm darüber reden. Aber dies ist ein sehr heikles Thema, und ich kann ihn nur für mich selbst bitten. Ihr wisst wie hoch die Risiken bei solchen Missionen sind! Dazu kommt noch, dass ihr noch nicht volljährig seid. Außerdem – Ron, Ginny, ihr kennt eure Mutter! Tut mir leid, aber dies kann ich euch nicht abnehmen. Ich kann Albus lediglich für mich selbst bitten, eventuell noch für Hermine. Wenn ich ihn für euch mit bitte oder euch ohne jemanden zu fragen mitnehme wird Molly mich lynchen – das steht so sicher fest dass wir dazu keinen Wahrsager brauchen.

Neville, was dich angeht – ich kenn deine Oma nur vom Sehen und weiß daher nicht wie sie reagieren wird. Das Gleiche gilt für dich, Luna. Weder kenne ich deinen Vater noch weiß ich wie er zu solchen Dingen steht…" „Was schlägst du vor, Harry?", fragte Luna daraufhin. „Ich weiß es nicht", seufzte Harry. Dafür hatte Ginny eine Idee. „Wie wäre es wenn wir alle zusammen mit deinem Großvater und vielleicht gleichzeitig auch mit Alastor Moody reden? Wenn wir wissen wie die beiden dazu stehen können wir dann mit unseren Familien reden – sollte Professor Dumbledore ablehnen ersparen wir ihnen ein paar zusätzliche Sorgen. Er hat ja bereits zugegeben dass wir Erfahrungen sammeln müssen – ich hoffe er hatte das nicht nur auf die Theorie oder den Unterricht bezogen!" Während Harry zustimmend lächelte, legte Hermine ihrer jüngeren Freundin ihre Hand auf den Arm um ihr so ihre Zustimmung zu zeigen.

„Dann lasst uns das Ganze mal zu Papier – ähm, ich meine Pergament bringen, damit wir es Albus vorlegen können und er sieht dass wir uns ernsthaft Gedanken darum gemacht haben, einverstanden?" Und so wurde es dann auch gemacht. Gemeinsam trugen sie ihre eigenen Fähigkeiten, aber auch Mängel zusammen, und Hermine schrieb mit ihrer sauberen und akkuraten Winzschrift alles ordentlich auf. Dann machten sie dasselbe mit den angenommenen Fähigkeiten der Auroren bzw. Ordensmitgliedern. Deutlich markierte Hermine die wichtigsten Unterschiede zwischen den Gruppen. Danach schrieb sie ihre Notizen zum Thema Kommunikationsmöglichkeiten noch einmal sauber ab, um sie ebenfalls an die Ordensführung weiter geben zu können.

Nachdem sie alles noch einmal überlesen und kontrolliert hatten rief Harry Fawkes zu sich. Auf einem zusätzlichen Pergament bat Harry um ein gemeinsames Treffen und nannte kurz die Themen um die es gehen sollte. Inzwischen war Fawkes bei ihnen erschienen, weswegen Hermine sich kurz in einen Phönix verwandelte um mit ihm zu besprechen was sie auf dem Herzen hatten. Nachdem Fawkes sein Einverständnis erklärt und Hermine sich wieder zurück verwandelt hatte, rollte Harry mit Ginnys Hilfe die Pergamente zusammen, versah sie mit einem Schutzzauber damit nur Dumbledore sie öffnen konnte und er gleichzeitig auch wusste von wem sie stammten. Dann gaben sie die Pergamentrollen Fawkes, der sie vorsichtig ergriff und mit ihnen in seiner üblichen Stichflamme verschwand.

Das Treffen fand drei Tage später statt. Auf Albus' Bitte hin öffnete Harry nach dem Abendessen ein Portal zum Grimmauld Place, durch dass sie alle zum Hauptquartier des Ordens reisten. Zum ersten Mal durften die Jugendlichen den Versammlungsraum des Ordens betreten – und blieben wie vom Blitz getroffen noch in der Tür stehen. Vor ihnen im Raum wartete etwa nicht nur Alastor Moody auf sie – nein, auch Minerva McGonagall, Remus Lupin, Nymphadora Tonks, Kingsley Shaklebolt und noch etliche andere erwarteten sie – und zu Rons und Ginnys Bestürzung auch ihre Eltern, Molly und Arthur Weasley!

Lächelnd schob Dumbledore seine Schützlinge nach ein paar Augenblicken in den Raum hinein und wies ihnen ihre Plätze zu, bevor er an die Stirnseite des großen Versammlungstisches ging und dort seinen angestammten Platz einnahm. Nachdem er die Aufmerksamkeit aller hatte – Molly hatte es nicht lassen können ihren Kindern ein paar giftige Blicke zuzuwerfen wegen ihrer Einmischung in Ordens­angelegen­heiten – zog er ein paar den Schülern nur zu bekannte Pergamentrollen aus einer seiner Robentaschen, die wie Harry vermutete verzaubert waren, denn so viel wie Dumbledore in ihnen verstauen konnte war einfach nicht normal.

Dann eröffnete der Schul- und Ordensleiter die Sitzung. „Wir haben uns heute hier versammelt, weil unseren Jüngsten ein paar Sachen unter den Nägeln brennen, die wie ich denke uns alle angehen. Vor drei Tagen erhielt ich diese Pergamente hier, die mich sehr nachdenklich gemacht haben. Inzwischen habe ich mit jedem von euch" – ein Kopfnicken in Richtung der Erwachsenen – „darüber gesprochen, es weiß also jeder worum es geht. Zusätzlich möchte ich noch einen weiteren Punkt auf die Tagesordnung bringen: Wie ihr wisst habe ich unseren sechs Schützlingen versprochen sie zumindest als Juniormitglieder in den Orden aufzunehmen. Ich denke, heute wäre eine gute Gelegenheit, dies in die Tat umzusetzen. Für diese Entscheidung brauchen wir nicht die vollständige Führungsriege – eure Zustimmung und die Aufnahme durch Fawkes sollte genügen. Ist jeder damit einverstanden?"

Natürlich hatte Molly Einwände, die sie auch wortgewaltig und vor allem lautstark zur Geltung brachte. Aber auch die anderen Erwachsenen hatten Einwände, welche sie nach und nach vor brachten, und Dumbledore hörte sie sich alle geduldig an. Auch die sechs Jugendlichen, um die es hier ja ging, hörten so aufmerksam wie es ging zu und versuchten ihren wachsenden Frust zu verbergen. Gerade Ron hatte gewaltig zu kämpfen um sein Temperament unter Kontrolle zu halten, aber auch Harry musste von Hermine immer wieder beruhigt werden.

Schließlich gingen den Erwachsenen die Argumente aus; und als sie anfingen sich zu wiederholen, blockte Dumbledore sanft aber bestimmt die Diskussion ab. „Wir kennen jetzt eure Gründe, warum ihr gegen eine Aufnahme von Harry, Ron, Hermine, Neville, Ginny und Luna seid. Nun wollen wir uns die Gründe anhören, warum unsere Jüngsten Mitglied im Orden werden wollen. Harry, wärst du so lieb?"

Und so berichtete Harry ein weiteres Mal von seinen Überlegungen, und jeder seiner Freunde fügte seine eigenen Beweggründe hinzu. Zum Schluss fasste Harry noch einmal zusammen: „Es geht uns primär nicht um die Mitgliedschaft im Orden, es geht uns darum aktiv am Kampf teilzunehmen, denn der Krieg in dem ihr kämpft ist schon längst auch unserer Krieg. Dies ist er für mich bereits seit Halloween 1981, und erst recht seit dem Vorfall im Ministerium. Vor kurzem habt ihr uns zugestimmt dass wir Erfahrungen sammeln müssen genauso wie ihr lernen müsst uns und unseren Fähigkeiten zu vertrauen und uns mehr Verantwortung zu überlassen. Wir müssen lernen auf uns selbst aufzupassen, uns selbst und das was uns lieb und teuer ist zu verteidigen. Wir denken, dass wir hier seit den Ferien große Fortschritte gemacht haben, aber das reicht uns nicht. Nicht mehr. Ihr kennt die Prophezeiung, ihr wisst dass ich gegen Voldemort kämpfen muss. Aber dazu brauche ich Informationen, Erfahrung, und nicht zuletzt meine Freunde. Die Informationen die wir brauchen können wir von euch, vom Orden bekommen. Wenn wir wissen was ihr wisst können wir viele Sachen ganz anders einschätzen und beurteilen und machen dann schon allein deswegen nicht mehr so viele Fehler wie in der Vergangenheit, und ihr müsst nicht mehr so oft zu unserer Rettung losstürzen.

Wir brauchen Erfahrungen, Kampferfahrungen. Wie sollen wir gegen Voldemort und seine Todesser bestehen können wenn wir Duellieren nur vom Schulunterricht her kennen? Wie sollen wir uns verteidigen können wenn wir nicht wissen mit welchen Mitteln unsere Gegner kämpfen? Wie sollen wir versuchen unsere Mitschüler darauf vorzubereiten auf das was sie erwarten könnte wenn wir es selbst nicht wissen? Wie sollen wir versuchen schwankende Mitschüler auf unsere Seite zu ziehen wenn wir nicht einmal wissen welche Mittel und Möglichkeiten ihnen die Gegenseite zu bieten hat?"

Molly war bei Harrys kleiner Rede wieder in Tränen ausgebrochen. „Ihr seid noch so jung", schluchzte sie. Doch bevor sie weiter reden konnte stand Harry auf, ging zu ihr hinüber, hockte sich neben sie hin und nahm ihre Hände in die seinigen. „Molly, ich kenne deine Ängste, und es ist mir ganz und gar nicht egal dass du dir solche Sorgen um uns machst. Jeder von uns teilt deinen Wunsch dass wir ein normales und sorgenfreies Leben führen können. Glaub mir – niemand von uns wünscht sich mehr ein normales Leben zu führen als ich! Ein Leben ohne den ganzen Rummel, ohne den ganzen Ruhm für etwas an das ich mich nicht einmal erinnern kann. Ein Leben ohne Angst und Furcht, ohne die ständige Bedrohung. Molly, du weißt so gut wie ich das Voldemort hinter mir her ist, und dass jeder in Gefahr ist den ich auch nur ansatzweise meinen Freund nennen kann. Ihr habt mich in eure Familie aufgenommen und ich bin euch unendlich dankbar dafür. Allerdings weiß auch Voldemort dass ihr mich quasi adoptiert habt, und deswegen steht ihr auf seiner Liste mit ganz oben, so wie wir alle. Aber gleich nach Albus und mir stehen Hermine, Ron und Ginny auf seiner Liste, noch vor euren Namen. Und weißt du warum? Hermine steht so weit oben auf seiner Liste nicht weil sie offiziell muggelgeboren ist, sondern weil sie meine Freundin, meine Partnerin, meine Vertraute, meine Frau ist. Ron steht nicht so weit oben auf dieser Liste weil er ein Weasley ist und die Weasleys seit Anbeginn auf der Seite des Lichts stehen, sondern weil Ron seit unserer ersten Fahrt nach Hogwarts mein Freund ist, mein bester Freund und fast schon mein Bruder. Beide haben bereits mehrmals mit mir gegen Voldemort gekämpft oder mir zumindest dabei geholfen. Genauso ist es mit Ginny – in ihrem ersten Jahr war sie von Voldemorts Geist besessen, als er durch sein jüngeres Abbild Besitz von ihr nahm. Spätestens bei dem Kampf im Ministerium hat er vollends Notiz von ihr genommen, genauso wie von Neville und Luna. Wir alle stehen noch vor euch auf seiner Liste, selbst noch vor dem Ministerium selbst. Aber jeder von uns möchte eine friedliche Zukunft haben. Hermine möchte Lehrerin werden oder in die Forschung gehen, Ron schwankt noch zwischen Auror und professionellem Quidditchspieler, Neville möchte sich seinen Pflanzen widmen… Das sind die Gründe warum wir kämpfen wollen, kämpfen müssen. Wir wollen für unsere eigene Zukunft kämpfen, damit sie einmal so wird wie wir uns das vorstellen!"

Inzwischen liefen Mollys Tränen ungehindert ihre Wangen hinunter. Dies hinderte sie aber nicht daran den jüngsten ihrer Söhne fest an sich heran zu ziehen. Ok, er war durch sein Abenteuer auf Avalon nicht mehr der jüngste ihrer Söhne, er trug nicht den Namen „Weasley" und hatte auch keine roten Haare, aber Harry war für Molly trotzdem ihr jüngster Sohn. „Ich habe solche Angst um euch", flüsterte Molly als sie ihm durchs Haar fuhr. „Ich weiß", entgegnete Harry ebenso leise. „Wir haben genauso Angst. Aber wir müssen dagegen ankämpfen, sonst gehen wir daran zugrunde…"

Als Arthur seine Hand auf Mollys Schulter legte löste sie sich schließlich von Harry. Noch einmal sahen sie sich fest in die Augen, dann nickte die Weasley-Patriarchin zustimmend. „Danke!", formten Harrys Lippen tonlos, dann stand er auf und ging zurück an seinen Platz. Gerührt, anerkennend und dankend nickten Ron und Ginny ihm zu, und Hermine griff nach seiner Hand um ihre Finger mit den seinen zu verflechten. Molly holte noch einmal tief Luft, bevor sie Dumbledore zunickte.

„Also gut", ergriff der Ordensleiter wieder das Wort. „Lasst uns abstimmen!" Durch seine kleine Rede an Molly Wesley hatte Harry auch die anderen Erwachsenen überzeugt, und so stimmten sie einstimmig für eine Aufnahme. Kaum hatte sich die letzte Hand gehoben erschien Fawkes in seiner üblichen Stichflamme. Nachdem er eine Runde über den Köpfen sämtlicher Anwesenden gedreht hatte ließ er sich auf Dumbledores Schulter nieder, wobei er ihn mit ein paar freundlichen Tönen begrüßte. Der alte Zauberer wiederum streichelte dem Feuervogel ein paar Mal übers Gefieder, bevor er ihn darum bat die sechs Jugendlichen zu prüfen und ihnen den Eid abzunehmen.

Fawkes tat worum er gebeten wurde. Neville saß ihm am nächsten, und so schwebte er zu ihm und setzte sich vor dem Jungen auf den Tisch. Niemand wusste so recht was Fawkes da eigentlich tat, doch Neville schien in eine Art Trance zu fallen, die Augen starr und weit auf Fawkes gerichtet. Nach zwei, drei Minuten streckte Neville langsam seinen rechten Arm aus und legte seine Hand vor Fawkes auf den Tisch, die Handfläche nach oben. Mit einer blitzschnellen Bewegung seines Schnabels ritzte der Namensgeber des Ordens Nevilles Handfläche auf, dann ließ er eine kleine Feder auf die Wunde fallen. Als die Feder jedoch Kontakt mit dem hervorquellenden Blut bekam sog sie sich voll damit. Dabei schien sie eigenartiger Weise zu schrumpfen, aber dieser Eindruck täuschte. Tatsächlich wanderte die Feder durch die Wunde immer tiefer in Nevilles Hand bis sie ganz darin verschwunden war. Nun ließ Fawkes eine Träne auf die Wunde fallen – es zischte und dampfte kurz, dann war die Wunde wieder verheilt. Nur ein golden schimmerndes Abbild der Feder war noch zu erkennen, aber auch dieses verschwand Augenblicke später. Dann sah Nevilles Hand wieder aus als wenn überhaupt nichts passiert wäre, und Neville erwachte aus seiner Trance und lächelte. Fawkes tschirpte kurz, bevor er sich Luna zuwandte. Das Ritual wiederholte sich, ebenso bei Ginny und Ron.

Dann jedoch kam Fawkes zu Harry und Hermine. Er setzte sich genau zwischen sie, und zwar auf ihre Hände die sie immer noch hielten. Fawkes legte seinen Kopf schief und sah sie fragend an, doch weder Harry noch Hermine wagten es sich zu verwandeln. Stattdessen griffen sie einmal mehr zur Telepathie um sich mit ihm verständigen zu können. #Hallo Harry, hallo Hermine#, begrüßte sie der Feuervogel. #Eure Seelen brauche ich nicht zu untersuchen, ich weiß dass ihr eure Freunde und Mitstreiter niemals verraten würdet. Ich werde euch auch nicht an mich binden wie ich es mit den anderen gemacht habe, denn durch eure eigene Magie und eure Fähigkeit euch selbst auch in einen Phönix zu verwandeln wirkt meine Magie bei euch nicht so wie bei den anderen. Es ist mir unmöglich euch an mich zu binden, ich vertrage eure gemischte Magie nicht. Albus hat mir gesagt dass ich mit euch darüber reden soll. Da ich der Geheimniswahrer des Ordens bin obliegt es mir zu entscheiden was wir machen…#

Harry war von diesen Neuigkeiten genauso überrascht wie Hermine. Damit hatten sie nun wirklich nicht gerechnet! #Fawkes, was sollen wir tun? Sollen wir uns verwandeln?#, fragte Harry schließlich. #Reicht dir ein normaler Schwur oder Eid von uns?# Fawkes überlegte ein paar Augenblicke, bevor er antwortete. #Ich denke die anderen ahnen schon dass es bei euch nicht so abläuft wie bei ihnen. Also gut, verwandelt euch…# Während sich Harry und Hermine blitzschnell in Phönixe verwandelten hörten die anderen ein merkwürdiges Geräusch von Fawkes. Sie hatten keine Ahnung dass dieser soeben einen tiefen Seufzer von sich gegeben hatte…

#Fawkes, was bewirkt eigentlich die Bindung an dich?#, wollte Hermine wissen. #Nun, zum Einen spürt ihr über die Bindung wenn ein Ordenstreffen einberufen wird. Albus oder ein anderer der Ordensleitung schickt mir eine Benachrichtigung wann und wo das Treffen stattfindet und wer alles dabei sein soll. Ok, bisher hat immer Albus die Treffen einberufen, nur einmal hat das Alastor gemacht. Alle diejenigen die ich einladen soll und die an mich gebunden sind verspüren ein angenehmes, warmes Kribbeln an der Stelle wo bei ihnen meine Feder mit ihnen verbunden ist. Wenn ich spüre dass sie mich hören übermittle ich ihnen Zeitpunkt und Ort des Treffens. Also, ich übermittle ihnen entsprechende Bilder, ich kann mich mit ihnen ja nicht so unterhalten wie mit euch… Wenn jemand in Lebensgefahr ist und nach mir ruft kann ich ihn spüren und bis auf wenige Ausnahmen auch orten. Ich leite dann den Hilferuf weiter an die anderen. Was nun das Geheimnis des Ordens angeht – nur Albus und ich kennen wirklich alle Mitglieder. Ihr wisst dass ich mich mit Albus verbunden habe. Wenn ich also jemanden an mich binde, dann binde ich ihn automatisch auch an Albus, aber außer euch und Albus weiß das niemand. Sollte nun ein Ordensmitglied im Begriff stehen uns zu verraten, so gibt es mehrere Möglichkeiten: Wenn sich Ordensmitglieder über den Orden oder über Dinge unterhalten die unter das von mir bewahrte Geheimnis fallen und es hört eine unbeteiligte, nicht eingeweihte Person zu, dann verstummen sie sofort bis entweder der Nichteingeweihte weg ist oder sie über etwas anderes reden wollen. Das funktioniert allerdings nicht wenn mit einem Nichteingeweihten gezielt über den Orden oder dessen Mitglieder geredet werden soll, wenn dies zum Wohle des Ordens ist. Sonst könnten wir ja keine neuen Mitglieder bekommen… Diese Ausnahme ist allerdings auf einige wenige führende Mitglieder beschränkt, also Albus, Alastor, Minerva, Arthur und Kingsley. Aber nur Albus kann ganz offen über den Orden reden, sonst hättet ihr auch nichts davon erfahren.

Etwas anderes ist es wenn der Orden verraten werden soll. Die Bindung an mich verhindert dass man das Geheimnis des Ordens verraten kann, egal ob gewollt oder nicht. Es geht einfach nicht. Soll ein Ordensmitglied durch Folter, Leglimentik oder ähnlichem zum unfreiwilligen Verrat gebracht werden, dann wird einfach sein Gedächtnis blockiert und nur ich kann diese Blockade wieder lösen. Will jemand wissentlich den Orden verraten dann wird sein Gedächtnis dauerhaft gelöscht, also der Teil der den Orden betrifft. Niemand wird dies wieder korrigieren können… Dies ist auch der Grund warum Severus Snape uns nicht wirklich verraten kann. Allerdings gab es diese Blockade nicht immer, ich habe sie erst nach Peter Pettigrew's Verrat eingeführt.# #Was passiert wenn jemand sich gewaltsam an den Erinnerungen eines Ordensmitgliedes zu schaffen macht und versucht deine Sperren zu umgehen?# #Solange er keinen Erfolg hat passiert nichts weiter. Hat derjenige allerdings Erfolg, dann kann es nur eine einzige Lösung geben – und das augenblicklich!#

Zwar waren Harry und Hermine einen Moment lang schockiert, aber als sie darüber nachdachten sahen sie das Fawkes Recht hatte. Schließlich hingen eine ganze Menge von Leben vom Orden und seinen Mitgliedern ab! Außerdem – wenn ein Zauberer stark genug war um Fawkes Magie zu umgehen, dann blieb von dem betroffenem Ordensmitglied wohl nicht mehr viel übrig, und durch seinen Tod ersparte man ihm noch größere Qual oder ein Leben in völliger geistiger Umnachtung. Mit einem Schaudern erinnerte sich Harry wieder daran dass er selbst beinahe so geendet hätte nachdem Voldemort ihn zum bisher letzten Male angegriffen hatte…

#Also gut. Was erwartest du von uns?#, fragte Harry schließlich. #Oh, ich erwarte von euch nur das ihr tut was immer ihr für notwendig erachtet um zu siegen. Ich will von euch keinen Schwur, keinen Eid und auch kein Versprechen. Aber ich wünsche mir dass ihr mich öfters mal besuchen kommt – ihr seid die einzigen mit denen ich mich vernünftig unterhalten kann…# #Das ist alles?# #Ja, das ist alles. Ihr braucht kein Mal von mir, damit ihr mich rufen könnt oder damit ich euch rufen kann. Wir können uns unterhalten egal wie weit wir räumlich getrennt sind – es wird nur mit zunehmender Entfernung anstrengender. Ich werde aber die Geheimhaltungszauber der anderen so verändern dass sie mit euch reden können als wärt ihr ganz normale Ordensmitglieder. Ihr müsst allerdings selbst darauf achten dass man euch dieses Wissen nicht entreißen kann, denn ohne die Bindung kann ich euch nicht davor schützen…# So einigten sich die drei. Fawkes flog anschließend zurück zu Albus und setzte sich wieder auf seine Schulter, während sich Harry und Hermine zurück verwandelten und wieder ihre vorherigen Sitzplätze einnahmen.

„Was hat so lange bei euch gedauert?", fragte Ron. Nun erst bemerkten Harry und Hermine dass sie von beinahe allen angestarrt wurden. ‚Oh je', ging es Harry durch den Kopf. #Erzählt es ihnen!#, wurde er auch schon von Fawkes aufgefordert. Also berichtete Harry einiges von dem was sie von Fawkes erfahren hatten. Er erklärte auch warum sie nicht Fawkes Mal erhalten hatten, aber dass der Phönix ihnen trotzdem vertraute und er die Schutzzauber des Ordens an sie beide anpassen wolle. Natürlich löste dies einige Diskussionen und Fragen aus, hatten doch noch nicht alle gewusst dass sich Harry und Hermine in Tiere verwandeln konnten, und dann auch beide noch in Phönixe…

Nachdem alle diesbezüglichen Fragen geklärt waren soweit dies möglich war – immerhin lag noch ein sehr umfangreicher und komplexer Fideliuszauber über Harry und Hermine – konnte Dumbledore endlich zur Tagesordnung übergehen. Nun kam er auch dazu den neuesten Ordensmitgliedern zu gratulieren. Er hob noch einmal hervor dass sie, solange sie noch Schüler waren, nicht zu Kampfeinsätzen gerufen wurden, außer der Endkampf würde unmittelbar bevorstehen. Anschließend gratulierten auch die anderen Erwachsenen, sogar Molly, auch wenn sie ihren Kummer kaum verbergen konnte. So wunderte es niemanden das sie ihre Kinder länger im Arm hielt als sonst…

Nachdem alle wieder ihre Plätze eingenommen hatten verlas Dumbledore noch einmal die Pergamente die er von den Schülern erhalten hatte, und gemeinsam besprachen sie den Vergleich zwischen den sechs Freunden im Allgemeinen und Harry und Hermine im Besonderen mit den Auroren und Ordensmitgliedern. Es fehlten nur noch einige Kleinigkeiten, im Großen und Ganzen stimmte die Übersicht so wie die Schüler sie aufgeschrieben hatten.

„Also, wenn ich noch einmal kurz zusammen fassen darf", sagte Dumbledore abschließend, „die Frage nach den Informationen haben wir geklärt. Im Anschluss an unser heutiges Treffen werde ich euch erst einmal die wichtigsten Dinge mitteilen, alles andere wird so nach und nach kommen, denke ich. Wir sollten uns jetzt eurem zweiten Wunsch zuwenden, da dies nicht ganz so einfach zu lösen ist. Zu erst einmal, ihr habt Recht, ihr braucht Erfahrungen im Kampf, die ihr leider nur zum Teil aus Simulationen gewinnen könnt. Ihr habt auch Recht damit dass ihr etliche Fähigkeiten habt mit denen ihr die Auroren unterstützen könntet. Hier möchte ich beispielsweise nur eure stablose Magie nennen, eure Verwandlungsfähigkeiten, eure Fähigkeiten zur Tarnung oder eure wenn auch recht unterschiedlichen Kenntnisse ähm… alternativer Wege der Magie.

Dem gegenüber stehen allerdings größere Probleme, und damit meine ich nicht nur euer Alter. Ihr seid noch mindestens dieses und nächstes Jahr schulpflichtig. Das ist eine Sache die nur das Ministerium ändern kann. Weiterhin finden die Einsätze der Auroren meist nachts statt, was wir mit eurem schulischen Tagesablauf nur in Einklang bringen könnten wenn wir massiv Zeitumkehrer einsetzen würden. Diese jedoch stehen unter Aufsicht des Ministeriums, zu Recht möchte ich sagen. Ich weiß dass ihr unter bestimmten Umständen eure Kräfte schneller regenerieren könnt, aber dies wird bei weitem nicht ausreichen, fürchte ich." Hier machte Dumbledore eine kleine Pause um etwas zu trinken.

„Ein weiteres Problem wäre: Wie sollen wir den beteiligten Auroren eure Anwesenheit erklären ohne dass sie sofort zum Ministerium rennen? Wir könnten es ja nicht einmal mit einer Art Praktikum oder ähnlichem begründen! Ihr könntet also nur dann mitgehen wenn alle beteiligte Auroren Mitglieder des Ordens wären. Selbst wenn ihr getarnt mitgehen würdet könntet ihr absolut nichts machen, da ihr sofort auffallen würdet…"

„Ähm, Albus?", wurde er von Kingsley Shaklebolt, dem Chef der landesweiten Aurorentruppe, unterbrochen. „Ja?" „Entschuldige bitte dass ich dich unterbreche, aber mir ist da eine Idee gekommen. Allerdings müssten wir meine Chefin zumindest teilweise einweihen. Du weißt dass Amelia absolut unbestechlich ist, aber sie steht was diesen Kampf angeht voll auf unserer Seite. Zu erst einmal würde ich ganz gerne Alastor wieder an Board holen, als Seniorpartner, Ausbilder oder von mir aus auch als Seniorchef. Die meisten meiner Jungs und Mädels haben einen Heidenrespekt vor dir, Mad Eye, und die die es nicht haben kennen dich einfach noch nicht. Eine ganze Menge aus meiner Truppe sind mit der derzeitigen Führung – sprich Fudge - nicht einverstanden; der einzige Grund warum sie ihre Klappe halten ist der dass sie anderenfalls ihren Job verlieren würden. Aber sie stehen einhundertprozentig zu Amelia. Wenn wir Amelia einweihen und mit ihr zusammen arbeiten, können wir sie vielleicht vollends auf unsere Seite ziehen, und damit auch nicht wenige Auroren. Sie sind wie ich auch durch unseren Diensteid an das Ministerium gebunden, aber dies sollte kein Hindernis sein. Der Kampf gegen du-weißt-schon-wen ist schließlich auch im Sinne des Ministeriums, diesbezüglich würde sich ja nicht sehr viel ändern. Allerdings könnten wir sie dann besser mit den Auroren koordinieren die bereits im Orden sind, und sie somit effektiver einsetzen. Der kleine Nebeneffekt, auf den es mir dabei ankommt, ist dass wir dann bei etwaigen Einsätzen die Anwesenheit von Harry und seinen Freunden nicht mehr groß erklären müssten, vor allem wenn auch ab und zu andere Ordensmitglieder anwesend wären. Was sagst du dazu?"

Doch bevor Dumbledore etwas sagen konnte hatte auch Moody etwas einzuwerfen: „Bedenk doch, Albus, Harry ist der Hoffnungsträger für so viele Menschen, auch für unsere Auroren. Was glaubst du was es ihnen für einen Auftrieb gibt wenn sie sehen dass Harry nicht nur in der Schule lernt, sondern zusammen mit ihnen im Feld steht? Wenn sie sehen das er tatsächlich kämpfen kann und mit ihnen zusammen weitere Erfahrungen sammelt? Und was glaubst du was sie sagen wenn er gleich noch seine Freunde mitbringt?"

Nicht nur Harry hatte den Eindruck dass sich Kingsley und Alastor abgesprochen hatten, doch er musste zugeben dass beide irgendwie Recht hatten. Nach einigem Überlegen kam wohl auch ihr aller Mentor zu diesem Schluss, denn er seufzte, nahm sich die so berühmte Halbmondbrille ab und rieb sich die müden Augen. „Ihr habt ja Recht", meinte Dumbledore als er sich die Brille wieder aufsetzte. „Mir macht nur Kopfschmerzen dass wir dann so viele Leute einweihen müssten – dass gefällt mir ganz und gar nicht. Bei Amelia habe ich keine Zweifel, ich kenne sie seit ihrer Geburt. Sie weiß auch vom Orden; als vorsitzende Richterin im Zaubergammot und als Leiterin unserer Strafverfolgungsbehörde musste ich sie in einige Dinge einweihen, sonst hätte ich euch nicht immer wieder aus dem Kreuzfeuer nehmen können…" „Und wenn du sie in den Orden aufnimmst?", fragte Alastor weiter. „Sie kann ja einen Sonderstatus einnehmen – keine Teilnahme an unseren Einsätzen, aber voller Informationsaustausch in beiden Richtungen!"

„Hm", gab Dumbledore von sich. „Das wäre eine Möglichkeit. Was denkt ihr darüber?" Fragend sah er einen nach dem anderen an, und von jedem einzelnen erntete er ein zustimmendes Nicken. „In Ordnung, dann werde ich mit ihr reden. Harry, ich würde sagen dass wir die Entscheidung über eure Teilnahme an den Einsätzen der Auroren verschieben bis ich mit Amelia Bones gesprochen habe und ihre Position dazu kenne. Seid ihr damit einverstanden?" Sechs Köpfe nickten im Einklang, so als hätten sie das einstudiert. „Gut, dann wollen wir das so machen. Trotzdem bereitet mir euer Fidelius Kopfschmerzen – wenn ihr wirklich bei den Auroren mitmacht, wie wollen wir ihnen eure nicht ganz so gewöhnlichen Fähigkeiten erklären, sobald sie diese bemerken? Ach Kinder, so langsam werde ich zu alt dafür…"

Stumm berieten sich Harry und Hermine, immerhin waren sie von dem Ganzen am meisten betroffen. Dann hatten sie einen Geistesblitz! „Was hältst du davon wenn wir einmal zusammen mit Emrys darüber reden? Wir hätten da nämlich eine Idee: Wir könnten doch euren Fidelius aufheben und ihn an Fawkes und somit den Orden binden. Dann könnten wir ohne Gefahr zumindest die Ordensmitglieder einweihen, und trotzdem wäre niemand in der Lage uns zu verraten. Nur Harry und ich könnten dann noch mit Uneingeweihten darüber reden, da wir uns nicht an Fawkes binden können ohne ihn zu gefährden; aber ich denke dies wäre ein kalkulierbares Risiko", erklärte Hermine.

„Ihr mögt es wirklich nicht so viele Geheimnisse vor euren Freunden und Mitstreitern zu haben, oder?", fragte Albus seufzend. „Großvater", entgegnete Harry sanft, „ich hatte schon arge Probleme damit die Prophezeiung vor meinen Freunden zu verschweigen. Weißt du wie schwierig das für uns ist uns immer zu verstellen und irgendwelche Ausreden und Lügen zu erfinden um die anderen bei Laune zu halten? Aber dieses Thema hatten wir doch schon einige Male besprochen, und du weißt dass wir diese Geheimniskrämerei ganz und gar nicht mögen! Wir haben nun einmal unsere eigene Art mit dem Ganzen umzugehen…"

Betrübt senkte Dumbledore seinen Kopf. Er hatte die versteckte Anspielung sehr wohl verstanden! Und so sehr er es sich auch wünschte dass es anders wäre – aber diesbezüglich hatte sein Ururenkel eindeutig Recht. Hätte er Harry in der Vergangenheit wesentlich früher über bestimmte Sachen informiert, und hätte er ihm vor allem nicht immer nur ein paar Informationshäppchen hingeworfen, dann wären etliche Dinge mit Sicherheit anders verlaufen. Dann wäre Sirius noch am Leben, und wahrscheinlich wäre er sogar schon offiziell freigesprochen worden! Wie er es auch drehte und wendete, er hatte in den letzten Jahren etliche kapitale Fehler gemacht, die einigen Menschen schließlich das Leben gekostet hatten, und das nur weil er starr an seiner eigenen, schon so alten Strategie fest hielt!

Ein paar erste Tränen rannen über die Wangen des alten Mannes, als er sich seiner Fehler so deutlich bewusst wurde, und er sackte immer mehr in sich zusammen während die Tränen immer mehr zunahmen. Fast schon erschrocken registrierte er wie Harry und Hermine sich an den Seiten seines Stuhles niederließen und ihn einfach stumm in die Arme schlossen. Noch nie in seinem langen Leben hatte er sich so sehr geschämt…

Als Albus irgendwann wieder seine Augen öffnen konnte und langsam den Kopf hob, erkannte er dass er mit seinen beiden Schützlingen allein im Raum war. Irgendwann waren die anderen gegangen, doch der leckere Essensduft der durchs Zimmer schwebte sagte ihm dass sie nur in der Küche sein konnten und dass sich Molly ihrer angenommen hatte. Mit einem tiefen Seufzer schlang er seine Arme um die Schultern seiner Nachkommen und zog sie an sich. Dann küsste er sowohl Harry als auch Hermine auf die Stirn. „Bitte verzeiht mir", flüsterte er mit belegter Stimme. „Das Ganze ist mir in den letzten 130 Jahren so sehr in Fleisch und Blut übergegangen dass ich gar nicht mehr anders kann. Wenn ich euch nicht hätte, meine Kinder, dann würde mir gar keiner mehr den Kopf zurecht rücken…"

Zu dritt gingen sie einige Zeit später in die Küche, wo sie wie vermutet Molly umherwuseln sahen. Der Tisch war schon reichlich bedeckt, und so ließen sie sich nieder und griffen beherzt zu.

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