A/N 1: Vielen Dank für eure Reviews, die zum Teil doch recht informativ waren und mich auch ein bisschen nachdenklich gemacht haben. Bei manchem habe ich aber auch recht deutlich gemerkt, dass ihr das letzte Kapitel wirklich gelesen und nicht nur überflogen habt, so wie es leider sehr viele zu machen scheinen... Meine Antworten auf eure Reviews findet ihr wie immer auf meiner Homepage. Wer die Adresse immer noch nicht kennt - schaut hier auf ff(dot)net einfach mal in mein Profil!
A/N 2: Quelle der verwendeten realen historischen Daten: Wikipedia(dot)de
A/N 3: Die hier verwendeten Namen real existierender Unternehmen und Personen habe ich nur verwendet, um die von mir auf die magische Welt übertragenen wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse und Verflechtungen anschaulicher zu machen. Ich unterstelle den real existierenden Unternehmen und Personen in keinster Weise, tatsächlich so wie von mir in diesem Kapitel geschildert zu agieren! Ich habe diese Namen nur deswegen ausgesucht, weil sie mir für die jeweilige Branche als am bekanntesten und dementsprechend repräsentativ erschienen.
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Nun wünsche ich euch viel Spaß mit diesem Kapitel - Geschichtsunterricht der etwas anderen Art sowie Wirtschafts- und Sozialkunde für Harry und seine Freunde (und natürlich auch für euch)! ;-)
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DMD6F - Kapitel 7: GESCHICHTSUNTERRICHT EINMAL ANDERS
Nicht lange nach dem gemeinsamen Abendessen im Grimmauld Place saßen die sechs Schüler in ihrer eigenen Bibliothek im Gryffindorturm, zusammen mit ihrem Schulleiter. Harry und Hermine hatten es sich in ihrem Zweimannsessel bequem gemacht, ebenso wie Ron und Luna. Neville hockte etwas verloren in seinem Sessel, Ginny hatte sich wie immer in ihrem Sessel zusammen gerollt; und Albus Dumbledore hatte seinen Sessel in ihre Mitte gestellt, nahe dem prasselnden Kaminfeuer. Jeder hatte etwas zu Trinken in Reichweite, und auf dem Tischchen vor Hermine lag schreibbereit ihr neuer großer Notizblock und ihre neue Flotte-Schreibe-Feder wartete darauf in Aktion treten zu können.
„Also, bevor ich euch in die Struktur, die Arbeitsweise und in die Verbündeten des Ordens einweise", fing Dumbledore an nachdem er sich mehrmals in seinem Sessel hin- und hergeräkelt hatte um die bequemste Sitzposition zu finden, „möchte ich euch etwas Geschichtsunterricht geben. Geschichtsunterricht der besonderen Art sozusagen. Dies ist wichtig, da ihr wissen solltet wie die heutigen Machtverhältnisse auf politischer und vor allem wirtschaftlicher Ebene in Europa sind und wie es dazu kam, denn erst dann werdet ihr die vielfach verflochtenen und verborgenen Verbindungen des Ordens verstehen und nutzen können. Allerdings werden wir heute Abend nicht alles besprechen können; zumal euch eine ganze Menge an Hintergrundwissen fehlt, was ich euch erst vermitteln muss, wenn ihr alle Zusammenhänge verstehen wollt. Also, seid ihr bereit?" Alle sechs Schüler gaben ihre Zustimmung, auch wenn Ron dies wohl nur etwas widerwillig tat, aber immerhin – er stimmte zu.
„Nun denn, fangen wir sozusagen mit dem „Urschleim" an und arbeiten uns dann bis in die heutige Zeit vor: Wie euch vielleicht bekannt ist gibt es Zauberer und Hexen schon so lange wie es die Menschheit selbst gibt. Nachdem sich unsere magischen Vorfahren so nach und nach ihrer besonderen Fähigkeiten und vor allem ihrer Macht bewusst wurden die sie damit über ihre Mitmenschen hatten, nahmen sie verstärkt die Rolle des Stammesführers ein, meistens jedoch die Position des Heilers, Medizinmannes oder wie auch immer man das bezeichnen mag. Später, als die Menschen ihre eigenen Götter erfanden und um Hilfe anriefen, drängten die vorzeitlichen Zauberer mehr und mehr in die Rolle der Priester. Diese Rolle hatten sie dann viele tausend Jahre inne. In so gut wie jeder Kultur, in jedem Stamm und später dann in jedem Volk wurden die Priester und Priesterinnen durch Zauberer und Hexen gestellt. Dadurch hatten diese Zauberer und Hexen eine nahezu allumfassende Machtstellung in jeglicher Hinsicht. Man kann sagen, dass sie dadurch das Leben ihrer Mitmenschen mehr oder weniger bestimmten. Dies war auch in Atlantis so, wie Emrys euch berichtet haben dürfte, aber auch bei den alten Ägyptern, Griechen, Inkas und Mayas. Bei den heute noch lebenden Indianern Nord- und Südamerikas und bei den Ureinwohnern Australiens ist es heute noch so, auch wenn die Zauberer und Hexen einen nicht mehr so gravierenden Einfluss haben wie früher. Dies erst einmal zur Einführung.
Eine besondere Rolle in der Geschichte der magischen Bevölkerung spielt zum einen das Volk der Elfen oder Elben, wie sie manchmal auch genannt werden, und natürlich Atlantis. Ich denke gerade zu Atlantis brauche ich euch nicht viel erzählen; mein gesamtes Wissen darüber habe ich von Emrys. Wie er mir sagte, hat er euch ebenfalls alles erzählt was er weiß. Was nun die Elfen bzw. Elben angeht – keiner weiß woher sie kamen und wann sie zum ersten Mal auf der Erde auftauchten; und niemand weiß so genau wann, warum und wohin sie wieder verschwunden sind. Fest steht nur, dass sie tatsächlich einmal auf der Erde gelebt haben, aber nichts mit den uns heute bekannten Hauselfen zu tun haben. Von Emrys einmal abgesehen dürftet ihr, Harry und Hermine, die einzigen Menschen sein die zwei lebendige Elben gesehen haben und sogar von ihnen ausgebildet wurden. Soweit dazu.
Der erste größere Abschnitt, den ich mit euch durchgehen möchte, ist die Zeit vor dem Römischen Reich, also das Zeitalter der Ägypter, Sumerer, Babylonier und Mykener. Als sich im vierten Jahrtausend vor Christus das Ägyptische Reich bildete, wurde die Religion, also die Verehrung der Götter und das Leben nach ihren Regeln, Sache des Staates. Spätestens hier wurden die Priester als besondere, gehobene Kaste etabliert, meistens war das geistliche Oberhaupt gleichzeitig auch das weltliche Oberhaupt des Staates. Dementsprechend groß wurde ihr politischer und wirtschaftlicher Einfluss. Allerdings merkten sie bald, dass die offizielle Staatsführung wohl doch nicht so ihr Ding war, und so gelangten die Pharaonen an die Macht. Die tatsächliche Macht hielt aber nach wie vor der jeweilige Oberpriester in seiner Hand, und er gab sie so schnell nicht wieder her. Auf jeden Fall wurden die Zauberer und Hexen als Priester und Priesterinnen anerkannt und geehrt, und zunehmend wohl auch gefürchtet. Hatten die phönizischen Priester und ihre Gegenstücke in Mesopotamien noch Wert darauf gelegt, im Einklang mit ihrem Volk zu leben, griffen die Priester Ägyptens immer mehr nach der Macht, und sie erhielten sie auch. Analog zu Ägypten verlief die Entwicklung auch bei den Sumerern.
Allerdings hatte die in den Händen der Priester konzentrierte Macht auch einen nicht zu verachtenden Vorteil: Wissbegierig und neugierig wie ihr selbst auch, steckten sie einen großen Teil ihrer Macht in die Forschung. So wurde zum Beispiel um dreitausend vor Christus in Ägypten das Papyrus entwickelt, der Vorläufer des Pergaments, das wir heute noch benutzen. Auch wurde im 28. Jahrhundert vor Christus in Ägypten ein Kalender mit 365 Tagen entwickelt, welcher wie ihr wisst heute noch seine Gültigkeit hat, wenn auch etwas abgeändert.
Mit Beginn des 27. Jahrhunderts v.Chr. begannen die Ägypter so nach und nach größere und weitläufigere Tempelanlagen zu bauen, welche sie aber dem Volk nicht öffentlich zugänglich machten. Tatsächlich konzentrierten sie in diesen Tempelanlagen die Ausbildung ihrer Kinder; sie gründeten also sozusagen die erste Schule für Zauberei und Hexerei, auch wenn sie zum Beispiel mit Hogwarts überhaupt nicht zu vergleichen wäre. Aber immerhin, es gab somit die erste magische Schule. Interessanter Weise war dieser Zeitraum auch jener, in dem die Ägypter anfingen ihre heute noch stehenden Pyramiden zu bauen…"
Hier machte Dumbledore eine kleine Pause, denn seine Kehle glich inzwischen einer trockenen Wüste! Nachdem er sich an seinem Tee gütlich getan hatte, ließ er seinen Blick in die Runde schweifen. Ginny hatte sich in ihrem Sessel wie eine Katze zusammen gerollt, sah ihn aber mit wachen Augen an. Neville hatte sich wohl selbst auch einige Notizen gemacht, unabhängig davon dass Hermines Feder die ganze Zeit über unablässig übers Pergament gehuscht war. Luna blickte verträumt wie immer durch die Gegend, während Ron ganz offensichtlich damit zu kämpfen hatte seine Augen offen zu behalten. Harry schien über irgendetwas nachzudenken, und Hermine sah so aus als ob sie es gar nicht erwarten konnte dass sie mehr zu hören bekam…
Kurz räusperte sich der Schulleiter, dann fuhr er mit seinem interessanten Monolog fort, insgeheim froh darüber dass noch niemand eingeschlafen war. „Während die Ägypter also ihre erste magische Schule gründeten, herrschte in Mittel- und Nordeuropa noch größten Teils pure Barbarei. Die Slawen, also die heutigen Osteuropäischen Völker, lebten immer noch in einzelnen Stämmen. Die späteren Teutonen und Germanen, die übrigens auch mit zu unseren Vorfahren zählen, hausten noch in ihren Wäldern, genau so die zukünftigen Kelten, Goten und die Franken. Unsere schöne Insel war noch keine Insel und zudem überwiegend bevölkert von Wilden; einzig im Süden – also im heutigen Wales und Cornwall - gab es erste Anzeichen einer Zivilisation. Man muss allerdings auch bedenken, dass die endgültige Besiedlung unserer Insel erst vor ungefähr zehntausend Jahren begann; davor waren zwar immer wieder einzelne Stämme hier mehr oder weniger ansässig, die aber wegen der Eiszeiten immer wieder fliehen mussten. Übrigens, zur Insel wurde Britannien ungefähr um 5000 v.Chr.
Doch zurück zu Ägypten. Ihre magische Schule entwickelte sich schnell zu einer wahren Forschungshochstätte, man könnte vielleicht auch vorzeitliche Universität dazu sagen. Laut Gringotts – ihr könnt ja mal Bill dazu fragen falls er darüber reden darf – wurden hier nach dem unter gegangenem Atlantis wieder die ersten Schriftzeichen entwickelt, eine Neuerung welche die Welt verändern sollte. Ron, im 26. Jahrhundert v.Chr. lebte übrigens der Pharao Cheops, dessen Pyramide du mit deiner Familie vor gut zwei Jahren besucht hast.
Mit der Entwicklung der Schriftzeichen entstand auch die Mathematik. Ungefähr ab dem 21. Jahrhundert v.Chr. wurde die Mathematik in Babylonien als Wissenschaft betrieben; doch es waren wiederum die alten Ägypter, welche aus der Mathematik schließlich die Arithmantik entwickelten. Ihr seht also, die Zusammenballung von Ausbildenden und Auszubildenden ermöglichte in Zusammenhang mit den notwendigen finanziellen Mitteln eine umfangreiche Forschungsarbeit, wie sie bis dahin noch nicht bekannt war. Darauf werden wir später noch einmal zurückkommen. Eine weitere Folge des Zusammenlebens auf nun wesentlich engerem Raum war die Entstehung der ersten magischen Blutlinien. Man könnte also sagen, dass die Tradition der Reinblüter bis ins alte Ägypten zurück reicht.
Ungefähr ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts v.Chr. begann die griechische bzw. mykenische Hochkultur, welche später auf die Römer einen großen Einfluss haben sollte. Mit dem Emporstreben der mykenischen Kultur nahmen die Ägypter relativ schnell umfangreiche Handelsbeziehungen mit ihnen auf, und bald schon gab es schwunghaften Handel zwischen den Ägyptern, Sumerern, Mykenern, Babyloniern und nicht zu vergessen Mesopotamien. Natürlich musste jede Handelskarawane gesegnet werden, und eine Begleitung durch Priester war natürlich Grundbedingung für ein gutes Gelingen! Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass es die Priester sehr gut verstanden haben auch außerhalb ihrer Tempel gute Geschäfte zu machen und ihre wirtschaftliche Macht weiter auszubauen.
Auf jeden Fall begann ungefähr zu dieser Zeit auch gleichzeitig die internationale Vermischung der gerade erst entstandenen magischen Blutlinien. Allerdings sind heute keine Aufzeichnungen mehr darüber vorhanden, so dass wir nicht mit Sicherheit sagen können, wann und wo genau die heutigen noch existierenden Blutlinien entstanden. Einzig von unserer eigenen Linie wissen wir, dass sie ihren Ursprung im alten Ägypten nahm, Harry.
Die Griechen hielten es wie die Babylonier, Ägypter und Sumerer – ihre Zauberer und Hexen lernten ihr Handwerk im Tempel. Daran sollte sich lange Zeit nichts ändern. Selbst als Rom am 21. April 753 v.Chr. gegründet wurde änderte sich nichts an dieser Tradition. Um diese Zeit herum gewannen auch die Kelten und ihre Kultur in Mitteleuropa immer mehr an Einfluss. Mit dem langsamen Aufstieg der Kelten und der Römer begann sich auch die angewendete Magie zu verändern. Die alten Völker benutzten vorwiegend Artefakte für ihre Magie; zum Teil wirklich sehr mächtige Artefakte, die selbst heute kaum etwas von ihrer Magie eingebüßt haben. Die Kelten und Römer dagegen verwendeten eine eher 'alltagstaugliche' Art der Magie, wobei die der Kelten naturgebundener war.
Ich weiß dass das ein wenig trocken ist, aber wir nähern uns nun mit größeren Sprüngen unserer eigenen Zeit. Wollen wir vielleicht eine kleine Pause machen?" Nur zu gerne nahmen Dumbledores Schützlinge diesen Vorschlag an. Schnell waren die Fenster geöffnet um ein wenig frische Luft hinein zu lassen, und man dehnte und streckte sich was das Zeug hielt. Aber es dauerte nicht lange und alle saßen wieder auf ihren Plätzen. Jetzt, wo sie die geschichtlichen Daten endlich in Bezug zu ihrem Wissen stellen konnte, fing es auch an interessant zu werden.
„Also, wir waren stehen geblieben beim Aufstieg der Kelten und der Römer", setzte der Schulleiter seinen Unterricht fort. „Im vierten Jahrhundert v.Chr. fielen die Kelten in Rom ein. Seit dieser Zeit hat sich die römische und die keltische Art der Magie vollständig vermischt. Eine Trennung erfolgte erst wieder nach dem Untergang des Römischen Reiches, aber so weit sind wir noch nicht.
331 v.Chr. wurde Alexandria gegründet und Alexander der Große löste in Ägypten die Pharaonen ab. Dies bedeutete allerdings auch den allgemeinen Niedergang der ägyptischen Kultur so wie sie bis dahin bekannt war, denn Alexander der Große schränkte die Macht der Priester immer weiter ein. Er wollte die Macht wohl nicht mit ihnen teilen, zumindest nicht in dem Umfang wie bisher. Zwar konnten sie sich noch halten, aber die Zeit der großen Entdeckungen war eindeutig vorbei und sollte zumindest für die Ägypter nie mehr wieder kommen.
Im ersten Jahrhundert v.Chr. wurde schließlich das Römische Reich gegründet, dessen Erbe uns heute noch beeinflusst. Das beste Beispiel dafür ist zum einen unsere Schrift, denn die Römer führten das lateinische Alphabet und die damit zusammenhängenden Schriftzeichen ein; zum anderen basieren die meisten unserer heutigen Zaubersprüche wie ihr wisst immer noch auf der lateinischen Sprache.
Im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt fielen die Römer in Britannien ein, sie blieben für ungefähr vierhundert Jahre, bis sie von den Sachsen vertrieben wurden. Den Römern verdanken wir unter anderem die Gründung Londons, aber auch die Zerschlagung des druidischen Kultes, der sich hier in der Zwischenzeit heraus gebildet hatte… Seine Blütezeit erreichte das Römische Reich im zweiten Jahrhundert, es beherbergte in dieser Zeit rund 100 Millionen Einwohner; eine Zahl, die ein Reich erst tausend Jahre später wieder erreichen sollte, nämlich das Reich der Franken.
Zu dieser Zeit begann auch die Christianisierung Europas, auch wenn dieser Prozess noch mehr als tausend Jahre bis zu seinem Abschluss dauern sollte. War das Christentum bisher eine nur untergeordnete Religion, begann sie sich nun Stück für Stück durchzusetzen. Das wirklich Neue an dieser Religion war, dass sie nur noch einem Gott folgte und keine anderen Götter neben sich zuließ. Dies bedeutete für unsere magischen Vorfahren, dass sie sich nicht mehr wie gewohnt in ihre Tempel zurückziehen konnten. Dies war der eigentliche Anfang der Trennung zwischen Zauberer und Muggel. Allerdings muss man den römischen Zauberern und Hexen zugute halten, dass sie im Gegensatz zu ihren nichtmagischen Mitmenschen regen Kontakt zu den Kelten und Germanen hatten, und zwar offenbar auf freundschaftlicher Basis.
Diesem Umstand haben wir es zu verdanken, dass ebenfalls im zweiten Jahrhundert an der Grenze zwischen dem Römischen und dem Germanischem Reich die erste Schule für Zauberei und Hexerei gegründet wurde, die gänzlich frei von irgendwelchen religiösen Einflüssen war. Hier wurde nur noch die Magie gelehrt, und natürlich das was die Schüler sonst noch zum Leben brauchten. Dies war also die erste magische Schule, so wie wir sie heute noch kennen. Diese Schule lag auf dem heutigen deutschen Territorium, und zwar irgendwo im Dreieck zwischen Trier, Speyer und Worms, drei sehr alte Städte welche die Römer gegründet hatten. Die Schule wurde damals von Römern und Germanen gleichermaßen betrieben. Ich habe sie übrigens selbst noch gesehen – in der Nähe dieser Schule konnte ich Grindelwald besiegen. Leider wurde die Schule durch den zweiten Weltkrieg dermaßen zerstört, das sie nicht wieder aufgebaut werden konnte." Bei seinen letzten Worten war Dumbledore immer leiser geworden, so als würden ihn alte Erinnerungen überrennen. Doch es dauerte nicht lange bis er sich wieder gefangen hatte.
„Also, noch einmal: Die ersten, die mit der traditionellen Rolle der magischen Bevölkerung brachen, waren die Römer. Dies war kurz nachdem das Christentum gegründet wurde, also vor beinahe zweitausend Jahren. In dieser damals neuen Religion war nur noch eine Gottheit erlaubt. Je mehr sich nun diese neue Religion verbreitete, desto weniger Tempel gab es, und desto weniger Einfluss hatten die Zauberer und Hexen auf ihre nichtmagischen Mitbürger. Da sie aber auch in den Tempeln ausgebildet worden sind und dies nun nicht mehr möglich war, mussten sie sich von nun an selbst darum kümmern. Dies war somit auch der Zeitpunkt, zu dem sich der magische Teil der Bevölkerung Europas mehr und mehr vom nichtmagischen Teil abschottete, denn ihre Fähigkeiten widersprachen der neuen Religion.
Die Römer gründeten mehrere magische Schulen, wie viele insgesamt weiß man nicht. Aber es ist uns bekannt, dass zwischen all diesen Schulen ein reger Wissensaustausch statt gefunden haben muss. Das Römische Reich umfasste mehrere Nationen, welche miteinander zu kommunizieren und zu leben lernten – so gesehen war das Römische Reich der Vorgänger der Europäischen Union, mit der die Muggel heute versuchen Europa zu vereinen, nur dass es damals noch keine Demokratie gab. In diesem riesigen Reich hatten auch die Zauberer unterschiedlicher Kulturen Kontakt zueinander, und im Laufe der Zeit passten sich ihre unterschiedlichen Arten der Magieausübung immer mehr an einander an. Durch die schiere Größe des Römischen Reiches vermischten sich auch die Zauberer immer mehr – Ägypter kamen bis nach Albion, während unsere Druiden dagegen bewiesener Maßen oft in Gallien – dem späteren Frankreich - gesichtet wurden. Gemeinsame Basis war dabei die Lateinische Sprache. Gerade im nördlichen Einflussgebiet der Römer begann die gemeinsame Sprache die Magieausübung als erstes zu verändern: Lange Beschwörungsformeln wurden so nach und nach von kürzeren Zaubersprüchen abgelöst, bis sich das irgendwann im ganzen Reich durchgesetzt hatte. Gleichzeitig mit dieser Umstellung hielten auch die Zauberstäbe Einzug. Es wird vermutet, dass sie von den mitteleuropäischen Kelten zu erst verwendet wurden, aber belegen lässt sich dies nicht. Unter den Druiden waren die Zauberstäbe nicht gebräuchlich, und wenn dann als körpergroße Stäbe wie Emrys einen besitzt, die sie gleichzeitig auch als Kampfstäbe nutzen konnten.
Zurück zu den Römern: Das Christentum wurde im Jahre 380 von Theodosius I. zur Staatsreligion im Römischen Reich erklärt, doch dies konnte den Niedergang des Römischen Reiches nicht mehr aufhalten. Aber auch wenn ihr Reich unterging – die Römer hatten Europa beeinflusst wie keine Nation vor ihnen. Selbst in Gebieten die sie nicht besetzt hatten war und ist ihr Einfluss zu spüren. Bedingt durch den Niedergang des Römischen Reiches schlossen sich die Zauberer und Hexen in Mittel- und Westeuropa enger zusammen. Zwar versteckten sie sich noch nicht so sehr vor den Muggel, aber sie bildeten die erste magische Gemeinschaft größeren Ausmaßes."
In diesem Moment wurde Dumbledore unterbrochen, und zwar von Rons leisen, aber nicht zu überhörenden Schnarchgeräuschen. „Oh!", entfuhr es da dem Schulleiter, während die etwas peinlich berührte Luna versuchte ihren Freund zu wecken. „Und ich hatte gedacht, dass passiert nur unserem guten, alten Professor Binns… Na gut, machen wir Schluss für heute. Was habt ihr denn für die nächsten Tagen geplant?"
Luna gab die Weckversuche vorerst auf. Auch sie interessierte es, was Harry und Hermine so geplant hatten. „Nun ja", antwortete Hermine langsam, „wir müssen erst einmal eine Art Stundenplan für jeden von uns erstellen, damit wir alle Aktivitäten unter einen Hut bekommen. Wir brauchen Zeit für den normalen Unterricht, für die Hausaufgaben, den zusätzlichen Unterricht, unsere eigene Zusatzausbildung… Auch müssen wir uns ab und zu um Godrics Hollow kümmern." „Und wir brauchen gelegentlich auch etwas Zeit für uns, 'Mine", warf Harry leise ein, woraufhin Hermine seine Hand nahm und ihn liebevoll ansah.
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So verliefen die nächsten Tage für alle Beteiligten recht stressig. Dumbledore hetzte von einem Termin zum nächsten, Moody wurde wieder ins Ministerium berufen als Seniorchef der Auroren, unter denen er erst einmal aufräumte, um seine Truppe von eventuellen Todessern und Sympathisanten zu säubern. Shaklebolt und Tonks halfen ihm dabei. Arthur Weasley hingegen begann damit, vorsichtig erste Kontakte zur britischen Regierung der Muggel zu knüpfen, um sie auf die Möglichkeit eines bevorstehenden Krieges hinzuweisen. Unterstützung erhielt er dabei von Amelia Bones und überraschender Weise auch von Gringotts. Die Bank der Kobolde verfolgte aufmerksam alle Aktivitäten, besaßen sie doch schon zahlreiche Verbindungen zu den Muggels, vor allem auf wirtschaftlicher Ebene. Arthur lernte sehr viel über die äußerst komplizierten und sehr oft auch undurchsichtigen Verbindungen, welche durch das Gold und die Gier der Zauberer ermöglicht wurden. Harry war bei weitem nicht der Einzige, der sein Gold in Muggelfirmen investiert hatte! Mit diesem Wissen, nämlich dass beinahe die gesamte britische (und europäische) Wirtschaft insgeheim unter der Federführung von Gringotts in den Händen der Zauberer lag, konnte Arthur etliche einflussreiche Politiker der Muggel für sich gewinnen und brachte sie in Kontakt mit Amelia Bones und Albus Dumbledore, der wiederum recht oft Harry und Hermine mit zu den Treffen hinzu zog, damit die beiden auch auf dem rauen und verwinkelten Parkett der Politik ihre ersten Erfahrungen sammeln konnten.
Einen Zeitumkehrer bekam das junge Ehepaar jedoch auf Grund der Einstellung des Ministeriums nicht. Harry und Hermine schafften ihren Tagesplan nur noch durch eine genaueste Planung ihrer Aktivitäten durch Hermine; und eine stark verkürzte Nachtruhe. Indem sie ihre Kräfte durch die Elfenmagie wieder regenerierten, brauchten Harry und Hermine bei weitem nicht mehr so viel Schlaf wie früher. Dadurch konnten sie viele Dinge wie Planungen oder ihre Studien und dergleichen Nachts erledigen, weswegen sie tagsüber nicht nur die Zeit für ihren Unterricht fanden; sondern sie konnten auch der Einladung von Vernon Dursley folgen, sich bei der monatlichen Vorstandsitzung im September vorzustellen. Diese Sitzung verlief völlig unproblematisch, wenn man einmal davon absah, dass die anderen Vorstandmitglieder arg überrascht waren zwei so junge neue Eigentümer des Unternehmens vor sich zu haben. Als Harry jedoch erklärte sich nicht groß in die Geschäfte einmischen zu wollen, sondern dies ausdrücklich seinem Onkel überließ, waren die Vorstandsmitglieder wieder beruhigt. Vernon allerdings war über seinen eigenen Schatten gesprungen und hatte sich mit Harry bezüglich der weiteren Führung seines Unternehmens abgesprochen, und er hatte vor sich auch daran zu halten.
Unterdessen war der neunzehnte September mit riesigen Schritten herangerast, Hermines Geburtstag. Die Gryffindors veranstalteten eine kleine Party zu ihren Ehren, von der sich aber das Geburtstagskind und ihr Liebster bald zurückzogen. Hermine hatte einfach keinen Nerv für den Trubel der Party, und Harry war es auch Recht, mit seiner Frau ein paar kostbare Stunden allein verbringen zu können. Gemeinsam flogen sie nach Godrics Hollow, wo sie es sich für den Rest der Nacht bequem machten und einander verwöhnten…
Bis Ende September hatte sich der zusätzliche Unterricht soweit eingependelt, dass für alle Teilnehmer ein fester Stundenplan erstellt werden konnte. Inzwischen war es schon eine Tradition geworden, zu diesem Unterricht entweder in Muggelkleidung oder zumindest in neutralen Roben mit dem Wappen von Hogwarts zu erscheinen. Erstaunlicher Weise hatten sich alle teilnehmenden Schüler recht schnell daran gewöhnt, hier alle Hausrivalitäten außer Acht zu lassen. Hier in diesem Zusatzunterricht waren sie alle gleichermaßen einfach nur Hogwartsschüler, woran sich sogar die wenigen Slytherins hielten. Die Zusammenarbeit zwischen den Häusern war sehr gut; sie wurde nur noch übertroffen durch das Zusammenspiel der älteren, erfahreneren Ausbildern und ihren jungen Partnern. Nachdem der Unterricht einmal so richtig angelaufen war, konnten sich Harry und Hermine ein kleines bisschen zurückziehen. Sie brauchten sich jetzt nur noch um ihren eigenen Unterricht und um die von ihnen geleiteten Ausbildungsthemen kümmern, und natürlich um die Planung des gesamten Unterrichtes. Hierbei wurden sie jedoch von ihren Freunden, ihren Lehrern und den anderen Ausbildern so gut unterstützt, dass sie nicht mehr so viel Zeit aufwenden mussten. Insgesamt waren es für alle Beteiligten zwei absolut stressige und stürmische Wochen, aber es zeigten sich bereits die ersten Früchte ihrer Arbeit.
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Anfang Oktober schließlich kam es zu einer weiteren Zusammenkunft mit dem Schulleiter, der Arthur Weasley zu dem Treffen mitbrachte. Albus setzte seinen Geschichtsunterricht fort: Er erzählte vom Niedergang des römischen Reiches; vom Aufstieg des Frankenreiches aus den vereinten Stämmen der Franken und Germanen, welches später in die Westfranken – dem späteren Frankreich - und die Ostfranken – die späteren Deutschen - zerfallen sollte; von der Gründung des Deutschen Reiches Römischer Nation; vom langsamen Aufstieg der Spanier und Portugiesen und auch der Holländer. Aber vor allem ging Dumbledore auf den Aufstieg des britischen Imperiums ein.
Immer wieder flocht der alte Zauberer in seiner Erzählung auch die Geschichte der wichtigsten und ältesten europäischen Zaubererfamilien mit ein. Die Malfoys zum Beispiel entstammten einem spanischen Adelsgeschlecht, die Zabinis hatten ihre Wurzeln bei den Römern, während die Potters bzw. Gryffindors über die Kelten und davor die Römer bis ins alte Ägypten zurückverfolgt werden konnten. Die Weasleys dagegen entstammten einer Reihe von irischen und schottischen Druiden, welche den Kelten mehr als nur nahe standen. Aber davon zeugten heute nur noch die typischen roten Haare, welche alle Weasleys ihr Eigen nannten, und die besonderen Fähigkeiten im Bereich der Zauberkunst, über die immer wieder einige Mitglieder der Familie verfügten, wie zum Beispiel Bills Talent als Fluchbrecher.
Im Anschluss an Dumbledores Geschichtsunterricht berichtete Arthur Weasley von den wirtschaftlichen Verstrickungen zwischen den beiden Welten. Deutlich konnte man ihm anmerken, wie stolz er war sein erst kürzlich erworbenes Wissen weiter geben zu dürfen. Allerdings war das Wissen, welches er an die sechs Freunde weitergab, für diese nicht unbedingt sehr erbaulich. Nur langsam konnten sie die Zusammenhänge zwischen wirtschaftlicher und politischer Macht begreifen, was nicht zuletzt daran lag, dass dieses Thema so dermaßen undurchsichtig war. So umwerfend diese neuen Erkenntnisse auch waren, mit ihrem scharfen analytischen Verstand schaffte es Hermine auch dieses Mal, die Bedeutung des Gehörten zu erfassen. Aber nicht nur Hermine musste nach Luft schnappen als ihr die Zusammenhänge klar wurden, den anderen ging es nicht anders, sie brauchten eben nur etwas länger um zum gleichen Ergebnis zu kommen.
„Aber… Das bedeutet ja, dass die Malfoys mit ihrem ganzen Geld erst die Grundlage für Voldemorts Vorhaben schaffen! Und dass sie über Narzissas Verwandtschaft zu den Blacks auch dieses Vermögen kontrollieren!", keuchte Harry. Mit einem schon fast bedauernden Gesichtsausdruck nickte Albus bestätigend. „Du hast es erfasst, Harry. Dies war auch ein Grund, warum mich der Brief von Narzissa Malfoy so überrascht hatte – ihr Verzicht auf das Vermögen der Blacks, so wie sie es geschrieben hatte, passt so gar nicht zu ihrem bisherigem Verhalten, denn damit gibt sie einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer wirtschaftlichen Macht einfach so ab. Dieses Verhalten von ihr weckt etliche Zweifel in mir, die ich mit unserem bisherigen Wissen einfach nicht entkräften kann. Auch ist uns nicht bekannt, inwieweit Narzissas Schwester Bellatrix hier mit involviert ist. Niemand von uns weiß, ob es sich bei Narzissas erklärtem Verzicht um eine Falle handelt, ob sie aus freien Stücken auf das Vermögen verzichtet; oder ob Voldemort dieses Vermögen einfach nicht mehr benötigt, weil er sich eine andere, ergiebigere Geldquelle aufgetan hat.
Narzissas bisheriger Einfluss auf das Black'sche Vermögen ist auch der Grund, warum ich möchte dass du Sirius' Vermächtnis akzeptierst, unabhängig von Narzissa Malfoys Verzichtserklärung. Dann nämlich kannst du dieses Vermögen kontrollieren und entziehst es somit den Malfoys und damit im Endeffekt auch Voldemort. Auch solltest du in Erwägung ziehen, dass du mit dem Vermögen der Potters, der Gryffindors und der Blacks den Malfoys und ihren Verbündeten einen gewaltigen Gegenpol entgegen setzen kannst, sowohl wirtschaftlich als auch politisch gesehen. Dies ist wohl die wichtigste Lektion, die du derzeit lernen musst, mein Junge, und es wird wirklich nicht einfach werden für dich. Aber mit diesem gewaltigen Vermögen im Rücken kannst du Lucius Malfoys Macht brechen, und damit auch Toms Einfluss verringern." „Also ist es so, dass Voldemort zwar auf Grund seiner magischen Fähigkeiten das Sagen hat, aber Malfoy durch seine wirtschaftlichen und politischen Verbindungen derjenige ist, der die wahre Macht in den Händen hält", fasste Harry kopfschüttelnd zusammen. „Irgendwie ist das pervers! Erst macht Malfoy mit den Muggels Geschäfte und zieht ihnen das Geld aus den Taschen; und dann benutzt er eben dieses Geld, um die Muggel umzubringen! Aber wenn er so sehr in die Wirtschaft der Muggel involviert ist, wieso ist er dann für deren Ausrottung? Damit nimmt er sich doch selbst die Möglichkeit Geschäfte zu machen!" „Das ist genau das was Hitler gemacht hat!", warf Hermine ein. „Erst hat er die Juden und die Kommunisten enteignet, dann hat er mit ihrem Geld die Konzentrationslager gebaut, in denen sie schließlich millionenfach vergast wurden!"
„Harry, erinnerst du dich an das was ich euch zum Thema Zweiter Weltkrieg erzählt habe? Hitler hatte die politische Macht in seinen Händen, aber das konnte er nur weil er einerseits von Grindelwald unterstützt wurde, und andererseits die milliardenschweren Großindustriellen wie Krupp, Thyssen, Flick, Wolff und viele andere mehr ihm nicht nur finanziell den Rücken frei hielten. Bei Voldemort ist dies ganz ähnlich – Malfoy konzentriert die finanzielle Absicherung in seinen Händen, und viele andere halten ihm politisch den Rücken frei. Darum konnten in der Vergangenheit viele Todesser nie verurteilt werden, und ich fürchte dass sie es auch dieses Mal wieder schaffen werden, sollte der Kampf einmal vorbei sein. Und um deine Frage zu beantworten – Lucius Malfoy weiß wohl sehr genau, dass Voldemort nie so viele Muggel umbringen kann, damit seine Geschäfte beeinträchtigt würden."
„Unter diesen Voraussetzungen müssen wir wohl das Verhalten von Draco Malfoy und seiner Mutter neu bewerten!", wandte Hermine ein. „Und wir müssen uns überlegen, was wir gegen Lucius Malfoy machen können." „Das ist der richtige Ansatz", wurde sie daraufhin von Dumbledore gelobt. „Wir müssen erst einmal herausfinden, wo Lucius Malfoy überall beteiligt ist, und wie weit seine Frau und sein Sohn da mit eingeweiht sind. Das bedeutet für uns, dass wir auf Gringotts angewiesen sind." Harry dachte eine Weile nach. „Also muss ich zu erst die Vermögen, die ich geerbt habe, zusammen führen und für mich in Anspruch nehmen. Dann muss ich versuchen Gringotts dazu zu bringen, etwas Licht in Malfoys Geschäftstätigkeiten zu bringen und mir das auch mitzuteilen, und dann müssen wir sehen wie wir Malfoys Macht brechen können…" „Guter Junge!", lächelte Dumbledore.
„Was brauchen wir dazu?", fragte Harry und blickte in die Runde. „Aber bevor wir das klären – Großvater, warum hast du nicht eher etwas gegen Malfoy unternommen?" „Warum wusste ich, dass du mir diese Frage stellen würdest?", sinnierte Dumbledore. „Harry, es gibt mehrere Antworten für diese Frage. Zum Einen habe ich mich früher nie für Politik oder Wirtschaft interessiert. Wie ich dir schon erzählt hatte, habe ich mich in meinen jungen Jahren gänzlich der Forschung und dem Unterrichten gewidmet; bis ich mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zum Kämpfen gezwungen wurde, als ich erkannte das Tom Riddle als 'Lehrling' zu Grindelwald gegangen war. Seit dem habe ich genügend mit dem Orden und der Schule zu tun, und später kam dann auch noch der Zaubergamot dazu. Ein weiterer Grund ist, dass ich durch das Verhalten meines Sohnes keinen Zugriff auf das Vermögen der Potters hatte, und ich das Vermögen der Gryffindors nicht anrühren wollte. Mein eigenes kleines Vermögen habe ich seit der Gründung fast ausschließlich für den Orden verwendet. Der wichtigste Grund jedoch ist, dass wir bis jetzt nicht wussten, wie umfangreich Malfoys Verbindungen sind. Dies haben erst die Kontakte zu Tage gebracht, die Arthur und Amelia in den letzten Wochen knüpfen konnten."
„Hier hat uns der Zufall weiter geholfen", warf Arthur ein. „Der Bruder von einem der Muggel-Ministeriumsbeamten, die ich kennen gelernt habe, arbeitet im Kartellamt. Das ist eine Behörde, welche den Wettbewerb unter den Firmen beobachtet. Sie versuchen solche Dinge wie Preisabsprachen oder auch Monopolbildungen zu verhindern. Wie er mir berichtete, sind ihm in den letzten Jahren immer wieder Unregelmäßigkeiten aufgefallen, wenn es um die Übernahme von bestimmten Firmen ging. Im Allgemeinen kann man sagen, dass es sich durchweg um hochprofitable Unternehmen handelt. Aber bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass es vor allem Firmen aus dem Bereich der" – hier musste Arthur einen Blick auf einen kleinen Zettel in seiner Hand werfen – „Hochtechnologie, der Computerindustrie, dem Schwermaschinenbau sowie den Medien wie Fernsehen und Zeitungen handelt. Vor allem aber betrifft es Unternehmen aus dem militärischen Bereich, also Hersteller von Waffen und Ausrüstungen. Unser neuer Kontakt hat herausgefunden, dass es Bemühungen gibt, Unternehmen aus den genannten Bereichen zu unterwandern und sie zu übernehmen. Und er hat herausgefunden, dass die meisten der Bemühungen auf drei Quellen zurück zu führen sind: Lloyd & Partner, Henson & Partner sowie Westfield & Partner.
Lloyd & Partner ist ein Versicherungs- und Finanzkonsortium mit weit reichenden Verstrickungen im Bereich Schiffsbau, Schwermaschinenbau und der Waffenindustrie. Sie übernehmen zu horrenden Preisen jegliche vorstellbare Versicherungen und stellen somit eine wahre Goldgrube dar, da sie wesentlich mehr einnehmen als sie an Versicherungsleistungen ausgeben müssen. Die 'Partner' hinter Lloyd sind niemand anderes als Vertreter von Gringotts.
Bei Henson & Partner handelt es sich um ein recht großes Anwaltsbüro. Sie sind in Großbritannien die führenden Wirtschaftsanwälte mit entsprechendem Einfluss auch auf die Politik. Die 'Partner' sind auch hier wieder Vertreter von Gringotts. Mr Henson selbst ist ein Squib. Wir wissen derzeit noch nicht, welcher Familie er entstammt.
Westfield & Partner ist eine Bank, die sich vollkommen in Privatbesitz befindet. Offiziell treten sie kaum in Erscheinung, jedoch besitzen sie Beteilungen an faktischen allen größeren europäischen Bankhäusern. Zum Teil sind sie die wahren Eigentümer der europäischen Banken. Westfield & Partner gehört zu einhundert Prozent Gringotts."
Nach diesen Ausführungen schwieg Arthur. Er wusste, die anderen würden einige Zeit benötigen, um diese Informationen zu verdauen. Er selbst konnte es ja auch noch nicht so ganz glauben!
„Das heißt also, Gringotts beherrscht die europäische Wirtschaft", meldete sich Hermine nach etlichen Minuten nachdenklich wieder zu Wort. „Und wir müssen herausfinden, in wessen Interesse die Kobolde handeln." „Das habe ich bereits", antwortete Dumbledore langsam. „Während ihr beide euren Termin bei Vernon Dursleys Firma wahrgenommen habt, hatte ich in meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Zaubergamots eine Unterredung mit dem Direktor von Gringotts, einem sehr alten Kobold. Natürlich hat er mir keine Namen genannt, in dieser Beziehung ist Gringotts verschwiegener als die Schweizer Banken, an denen sie übrigens auch beteiligt sind. Aber er ließ durchblicken, dass sie die ihnen anvertrauten Gelder unabhängig der Besitzer so einsetzen, dass sie maximale Profite erwirtschaften können. Dadurch und durch ihre von Schatzsammlern und Fluchbrechern weltweit gefundenen Kostbarkeiten konnten sie ihr eigenes Bankhaus in der Welt der Muggel etablieren. Mit dem Gold der Zauberer finanzieren sie die Wirtschaft und die Forschung der Muggel, was ihnen wiederum bis dahin nie gekannte und in der Welt der Zauberer nicht erreichbare Profite einbringt. Natürlich geben sie einen Teil ihrer Profite als Zinsen an die Eigentümer der bei Gringotts angelegten Vermögen zurück, dass ist schließlich ihre Pflicht als Bank. Da wir wissen dass das Vermögen der Malfoys das bis jetzt größte Einzelvermögen ist, wissen wir auch dass Lucius Malfoy neben Gringotts der größte Nutznießer ist, er streicht wohl nicht unbeträchtliche Summen als Zinsen für sein angelegtes Vermögen ein.
Auf der anderen Seite wissen wir auch, dass Tom Riddle von seiner Familie nur ein sehr kleines Vermögen geerbt hat. Allerdings habe ich den Verdacht, dass Grindelwald ihn als seinen Erben eingesetzt hatte. Jedoch denke ich, dass dieses Vermögen, vom Umfang her wurde es seinerzeit auf ungefähr drei Millionen Galleonen geschätzt, schon zur Zeit seiner ersten Machtübernahme aufgebraucht war, denn Riddle hatte sehr kostspielige Forschungen betrieben bis er endgültig zu Voldemort wurde. Wir vermuten also, dass bereits Lucius Malfoys Vater damit begonnen hatte, Voldemort finanziell zu unterstützen, und dass Lucius dies weiter vertieft hat.
Harry, da du der Erbe der drei Vermögen bist und niemand sonst vollen Zugriff darauf hat, liegt es an dir, diese drei Vermögen zu vereinen. Wir werden dich dabei nach Kräften unterstützen, oder zumindest nach Leuten suchen die dies können und sie für dich gewinnen. Allerdings bleibt eine Aufgabe, die nur du übernehmen kannst: Du musst persönlich bei Gringotts die Annahme der drei Vermögen bestätigen, und du solltest Gringotts mitteilen, wie sie dieses geeinte Vermögen für dich anlegen sollen. Ich schätze, dass du damit zu Gringotts größtem Kunden werden wirst; und ich denke, dies wird dir einige Sonderrechte bei ihnen einräumen. Hast du dir gemerkt, was ich euch über die Entstehung der europäischen Wirtschaft und über die Entstehung von Gringotts erzählt habe? Dieses Wissen wirst du brauchen können, wenn du mit Gringotts verhandelst. Keine Angst, mein Junge, wir werden dich dabei nicht allein lassen!"
Harry seufzte. So langsam wurde ihm das alles ein bisschen zu viel! Was würde wohl noch alles auf ihn zukommen? Immer wenn er dachte, sein Leben hätte sich stabilisiert, tauchte etwas Neues auf, was fast alles wieder auf den Kopf stellte…
Während sich Hermine um ihren Mann kümmerte und versuchte ihm ihre Unterstützung zu signalisieren, bedeutete Ginny ihrem Bruder sowie Neville und Luna, ihr zu folgen. Leise verließen sie den Raum, um Harry die Ruhe zu geben die er brauchte, um sich auf die neue Situation einzustellen. Der Schwarzhaarige nahm dies gar nicht wahr, doch Hermine registrierte es mit einem müden Lächeln. Auch sie fragte sich, was noch alles auf ihr noch so junge Familie zu kommen würde.
Auch nachdem seine Freunde den Raum schon längst verlassen hatten, saß Harry noch immer da und grübelte vor sich hin. Was hatte sein Ururgroßvater vor? Sollte Harry sich nun auch noch zum Finanz- bzw. Wirtschaftsexperten ausbilden lassen?
Sowohl Albus Dumbledore als auch Arthur Weasley rutschten näher an Harry und Hermine heran, nun da sie nur noch zu Viert waren. "Harry", erhob schließlich der Schulleiter das Wort, "zunächst einmal möchte ich dir sagen, dass wir keineswegs vorhaben dich jetzt auch noch in diesem Bereich auszubilden. Ich glaube, du hast so schon genug um die Ohren. Vielmehr wollen wir versuchen - deine Zustimmung vorausgesetzt - zuverlässige Partner zu finden, die bereits über das notwendige Wissen verfügen. Zwar wirst du dir zumindest die grundlegenden Dinge aneignen müssen um die Kontrolle über das Vermögen nicht zu verlieren, aber wir werden dir dabei helfen. Doch zunächst musst du erst einmal das Erbe der Blacks, das der Potters und das der Gryffindors für dich beanspruchen. Wir haben uns das folgendermaßen vorgestellt..."
Der alte Zauberer stellte Harry einen wohl durchdachten Plan vor, mit dem der Junge einverstanden sein konnte. Ihm war durchaus bewusst, dass damit trotz allem eine weitere nur schwer zu bewältigende Last und Verantwortung auf seinen schmalen Schultern abgelegt wurde; aber wie es ihm sein alter Mentor und auch Emrys selbst klar gemacht hatten - er, Harry, war nun das Oberhaupt der Familie Potter und durch die Erbschaften gleichzeitig auch das Oberhaupt der Häuser Black und Gryffindor. Und als Oberhaupt der drei Familien trug er unter anderem nun einmal die Verantwortung für die entsprechenden Vermögen.
Harry seufzte einmal mehr. Nun fehlte ihm nur noch, dass er auch irgendwelche Titel und Posten mit geerbt hätte! Aber so ganz ausschließen konnte er es nicht, denn Godric Gryffindor war seinem Wissen nach ein Adliger gewesen...
An diesem Abend fiel Harry wie ein Stein in sein Bett. Hermine hatte den Eindruck, dass er bereits schlief, bevor er überhaupt sein Kissen berührt hatte. Sie selbst konnte jedoch nicht so schnell einschlafen - zu viele Gedanken gingen ihr durch den Kopf. Hauptsächlich fragte sie sich, wie Harry dies alles noch aushalten konnte; und ob er wohl eines Tages unter der Last, die er zu tragen hatte, einfach zusammen brechen würde. Hermine würde ihm liebend gerne in seinem Schicksal helfen, aber es gab Dinge, die konnte sie ihrem Mann und Seelenpartner einfach nicht abnehmen.
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Die nächsten Tage waren zur Abwechslung einmal ruhig. Das heißt, neben den normalen schulischen Aktivitäten, dem Zusatzunterricht und ihrem eigenen Training konnten die sechs Freunde sogar etwas Freizeit genießen. Ron und Ginny nutzten diese Zeit um mit der Gryffindor-Mannschaft Quidditch zu trainieren; Neville widmete sich seinen Pflanzen; Luna recherchierte irgend etwas für die Zeitung ihres Vaters; und Harry & Hermine kümmerten sich um Godrics Hollow. Allerdings hatten sie dort nicht viel zu tun, denn Dobby und Winky hatten bereits so gut wie alle Arbeiten erledigt, die bis dahin abgesprochen waren. Also übte das junge Ehepaar ein bisschen das Erschaffen von Portalen, und zwar dieses Mal nicht nur räumliche in derselben Zeitebene, sondern vor allem übten sie Portale durch den Zeitenfluss hindurch zu einem bestimmten, vorher festgelegten Zeitpunkt zu erschaffen. Ziel war es, getreu nach Emrys' Vorbild relativ einfach durch die Zeit reisen zu können. Beide wussten, dass sie in Zukunft mehr als genug zu tun haben würden, sie aber auf Grund des Verhaltens des Ministeriums keine Zeitumkehrer nutzen konnten. Dementsprechend brauchten sie eine Alternative - und die bot sich ihnen in Form von Merlins Portalen durch Raum und Zeit!
Zunächst einmal studierten Harry & Hermine die uralten Pergamentrollen, welche sie noch auf Avalon von Emrys erhalten hatten. Natürlich war das Lernen nach den alten Schriften bei weitem nicht so einfach wie das Lernen nach modernen, entsprechend aufbereiteten Schulbüchern, aber sie kamen ganz gut zurecht. Irgendwann schafften sie es auch in ihren praktischen Übungen, allerdings vorerst nur gemeinsam und auch nur für einen kleinen Zeitraum, nämlich einigen wenigen Minuten. Versuchten sie es einzeln jeder für sich, schafften sie es nicht. Trotzdem waren beide froh wenigstens fünf Minuten in der Zeit zurück gesprungen zu sein, auch wenn es schon sehr eigenartig war, als auf einmal zwei Harrys und zwei Hermines da standen und sie sich kurz darauf selbst beobachteten wie sie sich einfach so in Luft auflösten. Aber so ganz neu war ihnen dieses Gefühl ja nun auch wieder nicht, hatten sie doch in ihrem dritten Hogwarts-Jahr gemeinsam Hermines Zeitumkehrer benutzt um Sirius und Seidenschnabel zu retten...
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Auch die anderen Schüler freuten sich, dass das Chaos der ersten Wochen vorbei war und sie nun einen etwas geregelteren Tagesablauf hatten. Viele Schüler sah man daher draußen am See, wo sie die letzten wärmenden Strahlen der herbstlichen Sonne genossen. Wohin man auch sah, überall hockten die Schüler in Gruppen zusammen. Dies war ja soweit nichts Neues, aber bei einer genauerer Betrachtung konnte man feststellen, dass sich die Schüler zunehmend über die alten Häusergrenzen hinweg zusammen fanden. Selbst einige Slytherins scheuten sich nicht mehr, sich mit Hufflepuffs, Ravenclaws oder gar Gryffindors abzugeben. Man konnte zwar noch nicht wirklich von beginnenden Freundschaften reden; aber immer sprachen die Schüler nun miteinander, tauschten Wissen und Gedanken aus.
Die Themengebiete reichten vom Schulischen über Quidditch bis hin zur Mode. Pansy Parkinson stellte so zum Beispiel fest, dass sie sich ganz gut mit Lavendar Brown, den Patil-Zwillingen sowie Cho Chang und ihren Freundinnen über Mode im Allgemeinen und Klamotten im Besonderen unterhalten konnte. Millicent Bullstrode lieferte sich mit einigen Mädchen aus den drei anderen Häusern einen heftigen Wettstreit über die Kindererziehung. Ein jedes der Mädchen hatte andere Erfahrungen gemacht - die eine hatte einen Kindergarten bei den Muggels besucht, war dann aber in eine magische Grundschule in Cornwall aufgenommen worden, wo sie bis zum Beginn ihrer Hogwarts-Ausbildung blieb. Eine andere war wie Hermine zum Beispiel bis Hogwarts nur in Einrichtungen der Muggel gewesen. Millicent selbst war bis zu ihrem Hogwartsbrief nur von ihren Eltern ausgebildet worden; mit anderen Kindern war sie so gut wie nie in Kontakt gekommen, was sie sehr schade fand. Fast schon wehmütig lauschte sie den Erzählungen einer muggelgeborenen Ravenclaw, die ihr ganzes Leben hinweg immer mit anderen Kindern spielen und lernen konnte.
Blaise Zabini versuchte in ihrer Freizeit, mehrere Rezepte für verschiedene Zaubertränke zu optimieren. Sie wusste, dass ihr Hauslehrer ihr dabei freie Hand ließ, solange sie nicht seine Vorräte aufbrauchte oder sein Labor in die Luft jagte. Etliche der Zutaten hatte Blaise noch in ihrem eigenen Vorrat, andere musste sie sich kaufen oder Professor Sprout darum bitten. So kam es, dass man Blaise in diesen Tagen gewöhnlich in einem der Gewächshäuser antreffen konnte, falls sie einmal nicht im Tränkelabor war. Jedes Mal, wenn Blaise in einem der Gewächshäuser zu tun hatte, traf sie dabei auf Neville Longbottom. Bisher kannte sie ihn nur aus dem gemeinsamen Unterricht; und sie wusste dass er in Zaubertränke nicht unbedingt so begabt war, aber dafür bei den Pflanzen ein glückliches Händchen hatte. Immer dann wenn sich Professor Sprout nicht selbst um Blaise kümmern konnte, schickte sie das ruhige Mädchen zu Neville, und so kamen die beiden in Kontakt. Im Laufe ihrer Arbeiten stellte Blaise wiederholt fest, dass Nevilles Wissen über die verschiedensten Pflanzen und ihre Pflege und Aufzucht das ihrige um Längen übertraf, und sie begann ihn dafür zu bewundern. Auch gefiel ihr, dass Neville nicht so geschwätzig war wie all die anderen Schüler, sondern genauso wie sie selbst auch eher die Stille bevorzugte. Blaise merkte aber auch, dass die Behandlung, die Professor Snape dem manchmal etwas tollpatschigen Gryffindor zukommen ließ, absolut ungerechtfertigt war. Hin und her gerissen zwischen ihrer Loyalität zu ihrem Haus und ihrem Hauslehrer einerseits und ihrer wachsenden Sympathie für Neville auf der anderen Seite beschloss Blaise, öfter mit dem Gryffindor zusammen zu arbeiten, einfach mehr Zeit in seiner Gesellschaft zu verbringen, um ihn besser kennen zu lernen. Wie weit reichend die Folgen dieses Beschlusses sein würden, ahnte das Mädchen zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ansatzweise. Aber selbst wenn Blaise dies hätte ahnen können, hätte sie sich trotzdem nicht anders entschieden.
Vincent Crabbe und Gregory Goyle langweilten sich in ihrer Freizeit. Sie konnten weder etwas mit Quidditch anfangen, noch wollten sie einen Blick in ihre Bücher werfen. Auch an den Gesprächen der anderen wollten sie sich nicht so recht beteiligen. Aber sie hörten den anderen gerne zu, wenn diese sich unterhielten. Als Dean Thomas eines Tages von den vielfältigen sportlichen Möglichkeiten der Muggel erzählte, erinnerten sich die beiden wieder an die Worte, die Harry Potter zur Eröffnung der Sporthalle von sich gegeben hatte. Neugierig geworden fragten sie Dean ganze Löcher in den Bauch, doch er konnte ihre Fragen nicht immer beantworten. So schlossen sie einen Handel ab: Dean bestellte über seine Eltern etliche Bücher und Zeitschriften der Muggel zu den verschiedensten Sportarten wie Ringen, Boxen, Judo und dergleichen; und die beiden Slytherins bezahlten den ganzen Lesestoff, der anschließend durch die Bibliothek allen zur Verfügung gestellt werden sollte. Insgeheim fragten sich jedoch beide Slytherins, warum es bei den von ihrem Haus so verachteten und belächelten Muggels so viele unterschiedliche Sportarten gab, während in der Welt der Zauberer und Hexen nur Quidditch bekannt war...
Draco Malfoy langweilte sich. Er konnte sich in seiner Freizeit zu nichts aufraffen - lesen machte ihm keinen Spaß; die anderen Slytherins, mit denen er sonst seine Freizeit verbrachte, tummelten sich draußen auf dem Schlossgelände und diejenigen die es nicht taten mieden ihn, da sie mit seiner Teilnahme am Zusatzunterricht nicht einverstanden waren; auf seinem Besen fliegen konnte er auch kaum, da das Quidditchstadion meist von anderen Mannschaften belegt war; mit seinem Patenonkel Severus Snape konnte er auch nicht reden, da dieser aus unerfindlichen Gründen noch mieser gelaunt war als sonst; und mit Potter streiten konnte er ebenfalls nicht, da sich dieser samt dem bisher so unerträglichen Bücherwurm quasi in Luft aufgelöst hatte. So kam es, dass man den blonden Slytherin recht oft allein auf einer der Tribünen im Quidditchstadion sitzen sehen konnte, wo er entweder den anderen beim Training zu sah oder einfach Löcher in die Luft starrte. Zu viel ging Draco durch den Kopf - zu viel hatte sich in seinem bisherigen Leben in zu kurzer Zeit geändert. Aber es waren vor allem zwei Dinge, die dem Blonden einfach keine Ruhe ließen: Zum einen fragte er sich, warum er sich ausgerechnet zu der rothaarigen Gryffindor hingezogen fühlte, so sehr dass er sie sogar beim Training beobachtete; und zum anderen fragte er sich, was mit ihm los sei. Immer wieder hatte er in den letzten Wochen das Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben; doch er konnte sich beim besten Willen nicht daran erinnern was es sein könnte. Draco konnte auch nicht genau sagen, wann dieses Gefühl angefangen hatte, er schätzte aber irgendwann in den Sommerferien. Hier kam einmal mehr seine malfoy'sche Erziehung durch, und so schwieg er und vertraute niemanden sein Problem an. Wenn er doch nur ahnen könnte, welche Folgen sein Schweigen haben würde...
