A/N: Sorry, dass es dieses Mal mit dem Update doch etwas länger gedauert hat - aber hier kommt das neue Kapitel:
.DMD6F - Kapitel 8: DAS FAMILIENVERLIES DER GRYFFINDORS
Inzwischen war die zweite Oktoberwoche angebrochen. Professor Dumbledore verkündete den Schülern beim Frühstück, dass sie wie üblich Ende des Monats zu Halloween das Dorf Hogsmeade besuchen konnten, selbstverständlich nur die Schüler ab der dritten Klasse und auch nur mit Einwilligung der Erziehungsberechtigten. Natürlich waren vor allem die jüngeren Schüler aus dem Häuschen und sie sprachen über nichts anderes mehr. Naja, zumindest die nächsten 12,3 Sekunden nicht, denn dies war exakt die Zeit, die Dumbledore wartete, bis er bekannt gab, dass es am Halloween-Abend eine große Party für alle geben würde.
Einer jedoch konnte sich nicht so recht über die angekündigte Party freuen: Harry Potter. Einmal mehr wurde ihm bewusst, dass dieses Halloween der fünfzehnte Todestag seiner Eltern war. Überall um ihn herum waren fröhliche Gesichter, nur Hermine bemerkte seine Stimmung. So reagierten die anderen doch sehr verwundert, als Harry Rons Freudenausbruch – der Rothaarige klatschte Harry auf den Rücken und meinte: „Klasse, was?" - mit einem wütenden Knurren beantwortete, bis sie sich einer nach dem anderen daran erinnerten, dass an Halloween 1981 Lily und James Potter umgebracht wurden. Doch die nun aufkommenden mitleidigen Blicke konnte Harry noch weniger ertragen, also verließ er umgehend die Große Halle. Hermine fand ihn wenig später draußen am See, wo er unter der großen Buche saß und auf das Wasser starrte.
„Ärgere dich nicht über ihn; so ist Ron nun einmal", meinte Hermine, nachdem sie sich an die Seite ihres Mannes gesetzt hatte. „Ist schon ok", murmelte Harry daraufhin. „Lügner", entgegnete Hermine ebenso leise. „Es ist nicht in Ordnung, und du weißt es!" Harry seufzte. „Was soll ich machen, Hermine?" Die Braunhaarige dachte kurz nach. „Am besten du ignorierst seine 'Ausbrüche'. Ron hat doch noch nie einen tragischen Verlust erleiden müssen; er wird einfach nicht verstehen können, was in dir in solchen Momenten vorgeht." „Hab ich dir eigentlich schon einmal vom Spiegel NERHEGEB erzählt?" „Du meinst als du im ersten Hogwarts-Jahr mit Ron davor standest? Als sich Ron als Schulsprecher und Quidditchkapitän gesehen hat, während du im Spiegel deine Eltern erkanntest?" Harry nickte, dann schwiegen beide eine Weile.
„Schatz, dich bedrückt doch noch mehr, oder?", fragte Hermine schließlich. Zögernd antwortete Harry ihr: „Es ist Voldemort. Ich befürchte, er plant etwas für Halloween. Es ist ja nicht nur der Todestag meiner Eltern; Halloween ist ja gleichzeitig auch der Jahrestag seiner ersten großen Niederlage und das Ende des ersten Krieges, weil er mich nicht töten konnte. Ich vermute, er wird an diesem Tag allen zeigen wollen dass er wieder an der Macht ist. Wenn ich nur wüsste was er vorhat..." „Wir müssen wohl darauf vertrauen, dass der Orden etwas herausfindet", entgegnete Hermine. „Das hatten wir doch schon einmal – der Orden ist diesbezüglich zu uneffizient. Wir bräuchten andere Informanten, am besten ein ganzes Netzwerk. Aber wer soll das machen? Die Hauselfen werden uns kaum helfen, wenn sie an die jeweiligen Familien und Häuser gebunden sind; und die Kobolde machen sowieso ihre eigene Sache. Und die Zaubererfamilien stehen entweder auf der Seite des Ordens oder sie sind Voldemorts Diener." „Nicht alle", widersprach Hermine. „Nicht alle stehen auf einer der beiden Seiten, Harry. Viele Familien scheinen eher neutral zu sein – sie sind es, um die wir uns kümmern müssen!" „Hm, und wie sollen wir das anstellen? Wir können doch nicht einfach zu ihnen hingehen und sagen 'Hey, wir brauchen Informationen, könnt ihr uns helfen?' Wir müssten erst einmal wissen um wen es sich überhaupt handelt, und wie man mit ihnen ins Gespräch kommen könnte." „Albus fragen können wir auch nicht – er würde wohl nie mit Leuten zusammen arbeiten, die nichts gegen Schwarze Magie einzuwenden haben, auch wenn sie nicht auf Voldemorts Seite stehen..." „Wie kommst du denn jetzt auf Schwarze Magie?" „Ganz einfach, mein Lieber: Wenn die Leute nur Weiße Magie einsetzen und selbst etwas gegen die Schwarze Magie haben würden, dann wären sie entweder im Orden oder würden ihm zumindest recht nahe stehen." „Hm, klingt logisch. Aber wie finden wir heraus, um wen es sich handelt; und wie kommen wir mit ihnen in Kontakt? Albus können wir ja wohl schlecht fragen, oder?" „Nein, das wird wohl nicht gehen. Aber wir könnten zum Beispiel Dobby fragen, oder Mad Eye. Er hat, glaube ich, eine nicht ganz so ... strenge Einstellung zu den Dunklen Künsten. Ansonsten heißt es wohl viel recherchieren. Willst du Albus nicht wenigstens grob informieren, Harry?" „Hm", gab der Schwarzhaarige daraufhin von sich. „Ich glaube es ist besser, wenn ich ihn informiere. Vielleicht kann er uns ja den einen oder anderen Tipp geben. Ich meine, er muss sich ja mit den 'Grauen Häusern' nicht abgeben wenn er es nicht will, aber vielleicht könnten sie uns doch helfen. Also gut, reden wir mit ihm darüber."
So kam es dann auch. Nach dem Abendessen hatten die beiden ein Gespräch mit dem Ordensleiter, der schnell seinen langjährigen Freund und Stellvertreter, Alastor Moody, hinzu holte. Dumbledore war zwar von dem Vorhaben nicht allzu sehr begeistert, aber er erkannte worauf es Harry und Hermine ankam; und er sicherte ihnen nicht nur freie Hand, sondern auch die Unterstützung durch den Orden zu. „Aber, Harry", erinnerte Dumbledore seinen Schützling, „bevor du das in Angriff nimmst, solltest du dich um deine Erbschaften kümmern. Vielleicht ist da ja das eine oder andere dabei, was dir bzw. euch bei eurem Vorhaben weiter helfen kann. Du solltest wirklich einmal zu Gringotts gehen und die Angelegenheit klären, mein Junge!"
Also setzte sich Harry hin und schrieb einen Brief an Gringotts, in dem er um einen Termin für seine Erbschatfsangelegenheit bat. Hedwig freute sich ausgelassen; endlich durfte sie mal wieder einen Brief für ihren Herrn und Freund austragen! Und wie überrascht war Harry, als er nach noch nicht einmal einer Stunde die Antwort erhielt! Gringotts schrieb ihm, dass er jederzeit – rund um die Uhr - vorbei kommen könne (für die Winkelgasse gab es schließlich kein Ladenschlussgesetz); ein Termin sei nicht notwendig. Harry müsse sich nur bei Mr Krychtook melden, dieser würde ihn dann vorläufig betreuen.
Nach einer kurzen Rücksprache mit seinem Ururgroßvater öffnete Harry ein Portal nach Gringotts, und reiste so mit Hermine zur Zaubererbank. Ihre Ankunft blieb natürlich nicht unbemerkt – sie liefen ausgerechnet Narzissa Malfoy in die Arme – sie hatte von dem Portal glücklicher Weise nichts mitbekommen sondern nahm an, Harry und Hermine wären appariert -, die gerade im Begriff war die Bank per Portschlüssel zu verlassen. Nach einigen Höflichkeitsfloskeln – Hermine schaffte es, sich „durch die Blume" in ihrem und Harrys Namen bei Narzissa für die Bücher zu bedanken - ging jeder seiner Wege, nicht ohne sich zu fragen was der bzw. die andere hier wollte. Am Schalter angekommen fragte Harry nach Mr Krychtook und wurde umgehend in dessen Büro geleitet. Krychtooks derzeitiger Assistent war Harry wohl bekannt - es war niemand anderes als Gryphook, dessen Bekanntschaft Harry ja bereits bei seinem allerersten Gringotts-Besuch vor so vielen Jahren machte. Gryphook war sehr erstaunt, dass Harry sich an seinen Namen erinnern konnte – dies war in der Welt der Zauberer und Hexen absolut nicht üblich.
Mr Krychtook stellte sich als ein sehr alter Kobold heraus, der mindestens so alt sein musste wie Albus Dumbledore. Er stellte sich als Leiter für Erbschaftsangelegenheiten vor. Harry musste erst einmal einige Prüfungen über sich ergehen lassen; dabei wurde nicht nur seine Identität festgestellt, sondern auch sein Alter, seine Blutslinie und seine Bindungen. Alle Prüfungen liefen zur vollsten Zufriedenheit von Mr Krychtook ab, er wunderte sich nicht einmal als eine der Prüfungen enthüllte, dass Harry eine Bluts- und Seelenbindung mit Hermine eingegangen war. Seine einzige Reaktion auf dieses Ergebnis war, dass er Hermine den gleichen Tests unterzog.
„Nun gut, Mr und Mrs Potter, Ihre Identität ist eindeutig festgestellt worden. Ich muss Sie darauf hinweisen, dass unser Test zur Feststellung der wahren Identität einer Person jegliche Täuschungs- oder Verschleierungsversuche der Menschen umgehen kann; dazu gehört auch Ihr Fideliuszauber. Aber seien Sie sich gewiss, dass Ihr Geheimnis bei mir in guten Händen ist – es wird diesen Raum nicht verlassen. Absolute Diskretion ist unsere oberste Devise!
Nun denn, jetzt können wir uns um Ihre Erbschaft kümmern. Mr Potter, im August haben Sie bereits das persönliche Erbe Ihres Paten Sirius Black angenommen. Dies schloss jedoch nicht das Familienerbe ein. Derzeit gibt es in der Familie Black kein Familienoberhaupt. Laut den bestehenden Gesetzen kann dies nur ein männlicher Nachkomme sein, oder – falls es keinen solchen gibt – ein per Testament dazu bestimmter, zur Familie gehörender Zauberer. Nur wenn sich überhaupt kein männlicher Erbe finden lässt, geht das Familienerbe an die älteste noch lebende Tochter – in diesem Fall wäre das Mrs Bellatrix Lestrange. Da alle männlichen Blacks inzwischen von uns gegangen sind, Sirius Black jedoch als letztes Familienoberhaupt der Blacks Ihr Pate und zumindest zeitweise Ihr Vormund war, und Mr Black dies in seinem Testament so bestimmt hatte, wurden Sie, Mr Potter, als Empfänger des Familienerbes bestimmt, auch wenn Sie keine Blutsverwandtschaft zu den Blacks haben. Durch den Test Ihres Alters wissen wir, dass Sie inzwischen volljährig und damit voll geschäftsfähig sind, Mr Potter, auch wenn dies nicht offiziell ist. Aber in solchen Angelegenheiten verwenden wir nicht die offiziellen Daten des Ministeriums, wie Sie sich sicherlich denken können. Also, wenn Sie das Erbe der Familie Black annehmen, werden Sie ganz offiziell als Oberhaupt der Familie Black eingesetzt. Damit haben Sie nicht nur uneingeschränkten Zugriff auf das Vermögen der Familie, Sie dürfen sich damit auch 'Lord Black' nennen. Zudem haben Sie mindestens ein Mitbestimmungsrecht bei den verbliebenen Familienangehörigen, also Ms Tonks, Mrs Malfoy und Mrs Lestrange. Wie lautet Ihre Entscheidung?"
Harry musste nicht lange nachdenken, denn Hermine drückte ihm bereits zustimmend die Hand. #Nimm das Erbe an, Liebster, wer weiß wozu das noch gut ist. Und als Familienoberhaupt kannst du vielleicht sogar ein Auge auf Bellatrix und Narzissa werfen...#, sandte sie ihm telepatisch zu. „Ich nehme das Erbe an", sagte Harry daraufhin zu Mr Krychtook. „Eine weise Entscheidung, Mr Potter."
„Bevor ich Ihnen darlege, welchen Umfang das Vermögen der Blacks hat, möchte ich wissen, ob Sie das Familienerbe der Potters annehmen. Wie Sie wissen stammen die Potters zwar von den Gryffindors ab, jedoch hatten die Potters bisher keinen Zugriff auf das Gryffindor'sche Erbe. Aber dazu später. Wenn Sie das Erbe der Potters annehmen, werden Sie als letzter lebender männlicher Nachkomme automatisch das Familienoberhaupt der Potters, da Albus Dumbledore seinerzeit dieses Erbe abgelehnt hatte. Sie dürfen sich dazu 'Lord Potter' nennen. Zum Erbe gehört ebenfalls das Haus Ihrer Eltern, welches Sie wie ich erfahren habe wieder aufgebaut haben. Nehmen Sie das Erbe an, Mr Potter?" Dieses Mal musste Harry nicht erst auf Hermines Zustimmung warten, er nahm das Erbe sofort an.
„Gut, Lord Potter-Black. Kommen wir zum schwierigsten Erbe: dem der Gryffindors. Um dieses Erbe antreten zu können, müssen Sie mir beweisen, dass Sie ein wahrer Gryffindor sind. Eine reine Blutsverwandtschaft reicht hier nicht aus." Oh je! Wie sollte Harry ihm dies beweisen? Aber Hermine dachte wieder einmal weiter als ihr Mann. #Harry, erinnere dich an dein zweites Hogwarts-Jahr! Was hatte Albus zu dir gesagt als du ihm davon berichtet hattest, was dir Fawkes in der Kammer des Schreckens gebracht hatte?# Bingo! Das Schwert Gryffindors! Dass war es! Schnell rief Harry nach Fawkes und bat ihn, den Sprechenden Hut und / oder das Schwert herzubringen. Der Feuervogel ließ auch nicht lange auf sich warten, jedoch brachte er für Harry keine guten Neuigkeiten mit: Der Sprechende Hut habe das Schwert ebenso wenig wie Fawkes selbst. Es sei im Büro des Schulleiters nicht aufzufinden. Harry ließ seinen Kopf hängen. Wie sollte er dem Kobold sonst beweisen, dass er Gryffindors wahrer Erbe war? War er es überhaupt?
Fawkes hingegen flatterte auf Harrys Schulter und ließ sich dort nieder. #Harry, mein Freund, versuch dich an das Schwert zu erinnern! Du hattest es doch schon in der Hand, hast mit ihm gekämpft! Konzentrier dich auf das Schwert und du wirst es finden, so wie du es damals im Sprechenden Hut gefunden hattest!##Fawkes hat Recht, Harry#, mischte sich nun auch Hermine mit ein. #Versuch es wenigstens!# Also nahm sich Harry zusammen. Er konzentrierte sich auf das Schwert, welches er vor so vielen Jahren einmal in der Hand gehabt hatte. #Gryffindors Schwert, Gryffindors Schwert#, rief er die ganze Zeit in seinen Gedanken, als er versuchte sich an das Schwert zu erinnern. Leider waren Harrys Erinnerungen an die Waffe schon zu sehr verblasst, er konnte es sich vor seinem inneren Auge einfach nicht mehr richtig vorstellen.
Aber das Schwert erhörte seinen Ruf. Urplötzlich materialisierte es sich vor dem verblüfften Schwarzhaarigen und fiel ihm schwer in die Hände, so dass es den Anwesenden glatt die Sprache verschlug. Schließlich ergriff Harry das Schwert am Heft und drehte es langsam in seiner Hand; schön vorsichtig, denn das Schwert war nicht unbedingt leicht und außerdem mörderisch scharf. Mit einem Male erglühte das Schwert in einem rot-goldenen Glanz – es hatte seinen rechtmäßigen Besitzer wieder erkannt. Harry jedoch erschrak dermaßen, dass er das Schwert beinahe hätte fallen gelassen.
„Damit ist der erste Beweis erbracht", kommentierte Mr Krychtook das Geschehen. „Wenn wir uns dann zu den Verliesen begeben, werden Sie versuchen mit Hilfe dieses Schwertes das Tor zu Gryffindors Verlies zu öffnen, Mr Potter. Dies wird dann die zweite Prüfung sein – nur mit dem richtigen Schwert kann der wahre Erbe das Verlies zum ersten Mal öffnen. Ich möchte Ihnen vorschlagen, dass wir jetzt die drei Verliese besuchen, anschließend erledigen wir den schriftlichen Teil. Ich kann Ihnen gerne eine genaue Auflistung Ihrer Vermögenswerte mitgeben, wenn Sie sich das heute nicht mehr ansehen wollen. Ich verstehe, wenn Ihnen das alles ein bisschen zu plötzlich kommt und daher zuviel wird." Harry nickte ergeben, in der Tat war das alles ein bisschen zu viel für ihn. „Was meinen Sie, sehen wir uns jetzt die Verliese an? Dadurch werden Sie für den Zugang autorisiert, und Sie können sich dann die Verliese jederzeit genauer ansehen, wann immer Sie wollen." „Also gut, gehen wir", schnaufte Harry.
Dieses Mal dauerte die Fahrt hinunter zu den Schätzen Gringotts wesentlich länger als all die anderen Male, als Harry hier gewesen war. Das Familienverlies der Blacks war – wie alle Verliese der alteingesessenen Familien – ein Hochsicherheitsverlies. Für die Autorisation musste Harry etwas Blut auf eine extra dafür vorgesehene Stelle am Tor zum Verlies geben, und schon war das Thema erledigt. Der Inhalt des Verlieses war in etwa so, wie Harry ihn sich vorgestellt hatte: Bergeweise Gold – unwillkürlich hatte Hermine ein Bilde aus einem Comic der Muggel vor Augen: Dagobert Duck, wie er ein Bad in seinem Gold nahm - und Silber, Edelsteine und andere Reichtümer; dazu noch ein umfangreicher Bücherbestand, dutzende – meist schwarzmagische - Artefakte und Unmengen von Zaubertrankzutaten. Die Bücher, Artefakte – wie zum Beispiel ein magischer und auf dem ersten Blick vollständiger Stammbaum der Familie Black - und die Zutaten wurden geschrumpft und eingesteckt – Hermine wollte sie mit nach Hogwarts nehmen um sich dort einen Überblick zu verschaffen. Außerdem hatten beide keine Ahnung, was die Artefakte bewirkten, aber sie hofften, dass Dumbledore da weiterhelfen konnte. Das Geld und die Edelsteine ließ Harry vorläufig in sein eigenes Verlies transferieren, wohin auch schon Sirius' persönliches Erbe gewandert war. Als das Verlies leer war, sahen sich Harry und Hermine noch einmal um, ob sie auch nichts übersehen hatten. Aber sie konnten nichts mehr entdecken.
Beim Familienverlies der Potters kam es zu einem für den Kobold peinlichen Zwischenfall: Er konnte das Verlies nicht finden! An der Stelle, wo sich nach dem Wissen von Mr Krychtook der Zugang zum Verlies befinden sollte, war nur eine blanke Felswand zu sehen. Krychtook suchte wie wild in seinen Unterlagen, doch er konnte keinen Hinweis darauf finden, wo sich das Pottersche Verlies befand. Es war in seinen Unterlagen nicht einmal mehr aufgeführt! Der Kobold zweifelte schon an seinem Verstand – vor noch nicht einmal einer Stunde hatte er doch die Bemerkungen zum Verlies selbst in die Akten eingetragen, und nun waren sie verschwunden! Einfach weg! So etwas war in Gringotts noch nie passiert! Noch nie in den mehreren tausend Jahren, in denen Gringotts nun auf dieser Welt existierte!
Der Kobold achtete nicht auf Harry, so sehr verzweifelt durchsuchte er seine Unterlagen. Harry dagegen war ein paar Schritte näher an die Felswand heran getreten, denn er hatte ein kurzes Aufblitzen magischer Energie wahrgenommen. Als er die Wand fast berühren konnte, tauchten auf einmal drei Wappen vor ihm auf dem Felsen auf: Das Wappen Gringotts, das Wappen der Gryffindors und das Wappen der Potters. Fragend betrachtete Harry die drei Wappen; er hatte keine Ahnung, warum sie auf einmal hier erschienen sind. Dann merkte er, wie Hermine neben ihn trat und sich ein bisschen an ihn anlehnte. Auch sie hatte die Wappen bemerkt. Alle drei Wappen schienen leicht zu pulsieren, sie strahlten eine Energie ab wie eine unter Dampf stehende Lokomotive.
„Mr Potter, Sir, es tut mir Leid, aber ich kann in meinen Unterlagen nichts finden", sagte in diesem Moment der Gringotts-Angestellte. „Hm, vielleicht können uns dafür diese Wappen hier einen Hinweis geben, Mr Krychtook", entgegnete Harry. „Wie meinen Sie das? Welche Wappen - Oh!", kam es da von dem Kobold, der inzwischen zu Harry und Hermine getreten war. „Ich kann mir das nicht erklären, Mr Potter", gab Krychtook von sich, während er darum kämpfte nicht vollständig die Fassung zu verlieren.
Doch nur wenige Sekunden später geschah etwas, mit dem nun wirklich niemand gerechnet hatte: Das Wappen der Potters geriet in Bewegung! Langsam rutschte es in Richtung Gryffindor-Wappen, dabei schrumpfte es und wurde zunehmend kleiner. Direkt neben dem Wappen Gryffindors war das Wappen der Potters nur noch so groß wie eine Münze; und es verharrte kurz. Dann jedoch rutschte es weiter, direkt in das Wappen der Gryffindors hinein, um auf der Flanke des abgebildeten Königlichen Greifen, der verdächtig nach Aladahan aussah, einen neuen Ruheplatz zu finden.
Harry wusste nicht, was dieses Schauspiel zu bedeuten hatte, und der Kobold wollte schon wieder zu der Erklärung ansetzen, dass er dies nicht erklären könne. Doch Hermine bewies einmal mehr ihren hellen, logischen Verstand. „Vielleicht bedeutet dies, dass das Verlies der Potters von Gringotts selbst zum Verlies der Gryffindors transferiert wurde…", mutmaßte sie. „Das … das ist ganz und gar unmöglich!", ereiferte sich daraufhin der Angestellte der Zauberer-Bank. „Wir Kobolde müssen Anweisung geben, wenn der Inhalt eines Verlieses in ein anderes übertragen werden soll; doch ein Verlies selbst kann nicht transferiert werden! Und schon gar nicht ohne unsere Anweisung!" „Wissen Sie, Mr Krychtook, in der Welt der Magie habe ich gelernt, dass nichts, aber auch absolut gar nichts unmöglich ist", entgegnete Harry daraufhin in einem betont ruhigen Ton. „Vielleicht sollten wir uns als nächstes das Verlies der Gryffindors ansehen, wohl möglich gibt es dort einen Hinweis auf das Verlies meiner Eltern…" Der Kobold beruhigte sich wieder. Er fügte sich Harrys Vorschlag, und führte die beiden jungen Eheleute zum Verlies der Gryffindors. Dieses Verlies befand sich auf der untersten Ebene des Gringottskomplexes – dies sah man sofort, denn es führten keine Gleise, kein Weg weiter in die Tiefe. Auf der abenteuerlichen Fahrt ganz nach unten glaubte Harry, sogar einen Drachen – oder besser gesagt dessen Schatten – gesehen zu haben!
Beim Verlies des Hogwartsgründers angekommen – laut Krychtook gab es auf dieser Ebene nur noch Verliese von Gringotts selbst – atmete Harry noch einmal tief durch, bevor er an das riesige mit dem Wappen Gryffindors verzierte Flügeltor herantrat. Hier lief die Prozedur nun etwas anders ab als beim Verlies der Blacks. Da Harry ja als gebürtiger Potter von den Gryffindors abstammte, war er somit sowieso schon zugangsberechtigt. Jedoch musste er sich erneut autorisieren, da er nun das neue Familienoberhaupt war. Auch musste er beweisen, dass er ein wahrer Gryffindor war, so wie es ihm Krychtook gesagt hatte. Also lies Harry ein paar Tropfen seines Blutes auf die dafür vorgesehene Stelle tropfen, bevor er Godrics Schwert gegen das Tor drückte. Hier gab es eine reliefartige Stelle, die das genaue Gegenstück zum Schwert darzustellen schien; und in der Tat passte das Schwert hinein, als wäre es hinein gegossen worden. Einige Sekunden verweilte das Schwert so in dieser Position, während es in einem goldenen Schimmer glänzte, dann verschwand es plötzlich und tauchte erneut in Harrys Hand auf. Mr Krychtook quittierte dies mit einem Lächeln, auch wenn das in seinem Kobold-Gesicht etwas ... gewöhnungsbedürftig aussah.
Als sich schließlich die Obsidian-schwarzen und sicherlich tonnenschweren Tore absolut lautlos für das junge Ehepaar öffneten (der Kobold konnte das Verlies nicht betreten), staunten die Beiden nicht schlecht: Im Vergleich zum Verlies der Blacks schien dieses Verlies mehr als zehn Mal so groß zu sein! Auch gab es scheinbar Bereiche, die zwar Harry wahrnehmen konnte, Hermine hingegen nicht. Sie konnten sich diesen Umstand nur so erklären, dass wesentliche Inhalte des Verlieses nur dem aktuellen Familienoberhaupt zugänglich waren und somit für andere Familienangehörige gar nicht erst sichtbar waren. Dann kam Harry eine Idee: Sanft nahm er Hermines Hand, und trat mit ihr wieder an die Außenseite des Tores. Die Torflügel schlossen sich sofort wieder, aber das störte Harry nicht. Er holte Godrics Schwert hervor und presste es erneut und das Gegenstück im Tor, nur ließ er dieses Mal seine Hand darauf ruhen. Dann führte er Hermines Hand zum Schwert und legte sie ebenfalls darauf. Aber es passierte nichts, und der Kobold sah ihnen skeptisch zu. Schließlich nahm Harry seine Hände und Hermines Hand wieder weg, und bat Hermine um einen ihrer Dolche. Damit ritzte er sowohl seine als auch Hermines Hand auf, und zusammen pressten sie ihre nun blutenden Hände auf das Schwert. Dieses Mal reagierte es: Zuerst wurde es warm, dann erglühte es in einem rot-goldenem Schimmer. Es schien, als wollte das Schwert das Blut der beiden Menschen untersuchen… Kurz darauf huschte ein Blitz über das gesamte Tor, ebenso rot-golden wie der schimmernde Glanz um das Schwert, welches daraufhin wieder verschwand und erneut in Harrys freier Hand auftauchte. Als Hermine nun aber durch die sich wieder öffnenden Tore erneut in das Verlies blickte, konnte sie seine wahre Größe erkennen und auch all die Gegenstände, die Harry ihr zuvor geschildert hatte, die sie jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht sehen konnte. Das Schwert und die Sicherheitssystem des Tores hatten sie also als 'First Lady' erkannt - als Angetraute des Familienoberhauptes - und da Harry ihr den Zutritt zum Verlies gewährte, hatte sich das Verlies dem angepasst.
Von nichts mehr behindert, betraten Harry und Hermine erneut das Verlies. Am auffälligsten war ein riesiger, dreidimensionaler Stammbaum, der einem echten Baum zum Täuschen ähnlich sah, wenn man einmal davon absah dass er statt Blätter kleine Namensschildchen trug und zwischen diesen Schildchen überall kleine verschiedenfarbige Linien waren, die wohl das jeweilige Verwandtschaftsverhältnis anzeigten. Im Gegensatz zu einem „normalen" Stammbaum, der gewöhnlich auf einen Teppich gewebt war, waren hier die Ahnen am Fuße des Baumes zu sehen, sozusagen die Wurzeln; und die Nachkommen bildeten das Astwerk wie bei einem echten Baum. Schnell hatten Hermine und Harry sich selbst entdeckt – ihre beiden Namen waren mit mehreren verschiedenen auffallenden Linien miteinander verbunden, genauso wie sie selbst auf unterschiedliche Art und Weise miteinander verbunden waren. Zum einen war da eine doppelte goldene Linie für ihre Ehe; dann war da noch eine blutrote Linie zu sehen, welche wohl auf ihre Blutsverbindung hinwies, die durch das Ritual der Seelenpartnerschaft entstanden war; und schließlich war da noch eine dickere Linie, die in allen Regenbogenfarben schillerte und glühte und die langsam mal in die eine und mal in die andere Richtung pulsierte, und die wohl ihre Seelenpartnerschaft selbst darstellen sollte. Sowohl Harry als auch Hermine konnte bei keinem anderen auf diesem ungewöhnlichen Stammbaum eingetragenen Familienmitglied eine derartige Verbindung entdecken.
Von der ungewöhnlichen Darstellung einmal abgesehen brachte ihnen der Stammbaum kaum Neuigkeiten, hatte Harry doch auf Avalon schon einen auf einen Teppich gewebten Stammbaum von seinem Ururgroßvater erhalten. Also schauten sich die Beiden aufmerksam in dem riesigen Gewölbe um und erkannten dabei, dass der Inhalt des Verlieses anscheinend thematisch geordnet war. Zuerst bemerkten Harry und Hermine, dass alle Gegenstände irgendwie sternförmig von dem großen Stammbaum aus organisiert waren. In einer Ecke waren gleich palettenweise riesige Truhen gestapelt, die sehr, sehr alt aussahen. Beim näheren Betrachten stellte sich heraus, dass die Truhen über und über mit Gold gefüllt waren – Unmengen mehr als selbst bei den Blacks. Gleich daneben standen kleinere Truhen, welche Edelsteine und anderen Schmuck beinhalteten. Weitere Truhen enthielten Kleider sowie edle Stoffe und feinste Felle.
Eine Abteilung enthielt nur Rüstungen aller Art – von der eisernen Ganzkörper-Rüstung der mittelalterlichen Ritter über hölzerne oder bronzene Schilde bis hin zur exklusivsten Drachenhautkleidung. Diese sah Harry sich genauer an – wusste er doch, dass Drachenhaut schwächere bis mittelschwere Flüche abhalten konnte. Diese wertvolle Bekleidung schrumpfte Harry und steckte sie sich ein.
Die nächste Abteilung beinhaltete Handwaffen aller Art: Alte Waffen. Sehr alte Waffen. Und Uralte Waffen. „Ich glaub das ist ein Museum", flüsterte Harry in Richtung Hermine, während er sich die Speere, Schwerter, Bögen und dergleichen ansah. Ritterliche Turnierwaffen interessierten ihn im Moment ebenso wenig wie die Sammlung von Streitäxten aller Größen und Arten, brachten diese ihm doch mit Sicherheit keinen praktischen Nutzen. Auch die Schwerter und Degen waren nicht so interessant – konnte er doch das Beste von ihnen bereits sein Eigen nennen. Aber die verschiedenen Armbrüste schienen direkt nach Harry zu rufen; vor allem die eine aus Holz und Metall, die mit einer Art Magazin versehen war, welches randvoll mit stählernen Bolzen gefüllt war. Natürlich war diese Armbrust bei weitem nicht so groß wie die von Hagrid, aber Harry war ja auch kein Halbriese. „Und, was Interessantes gefunden?", rief in diesem Moment Hermine, die gerade die Sichtung der Kleider und Stoffe beendet hatte. „Schau mal, 'Mine", entgegnete Harry und zeigte ihr die Armbrust, nachdem er sie vom Staub befreit hatte. „Hm, sieht gut erhalten aus – willst du sie mitnehmen?" „Das dachte ich schon, vielleicht können wir damit was anfangen", meinte Harry, schrumpfte die alte Waffe und steckte sie ein.
In einer weiteren Abteilung stand nur ein einziger Schrank. Zwar war dieser wirklich sehr groß, aber er war das einzige Inventar in diesem Bereich. Als Harry den Schrank vorsichtig öffnete, wusste er auch warum. Der monströse Schrank war über und über gefüllt mit Pergamentrollen! Auch Hermine konnte sich ein leichtes Keuchen nicht verkneifen, als sie die Schriftrollen sah und was sie beinhalteten. Sämtliche Rollen waren in verschiedenen Fächern einsortiert und diese wiederum trugen den Namen der der jeweiligen Personen, welche die Rollen betrafen, sowie das Geburts- und meist auch das Sterbedatum. „Harry", flüsterte Hermine aufgeregt, „sieh nur! Das sind die ganzen Heirats- und Geburtsurkunden deiner Vorfahren!" Harry war sprachlos. Wie versteinert starrte er auf die unzähligen Dokumente, unfähig auch nur irgendetwas zu sagen. Hermine dagegen begann damit, fieberhaft nach Harrys Unterlagen zu suchen, und sie wurde auch recht schnell fündig. „Geniales Ablagesystem", murmelte sie vor sich hin, während sie sich Harrys Geburtsurkunde ansah. Aber wie erstaunt war sie, als sie neben Harrys Geburtsurkunde auch ein Exemplar ihrer Heiratsurkunde fand! „Da laus' mich doch der Affe", entfuhr es der Braunhaarigen, was Harry aus seiner Erstarrung riss, denn man konnte Hermine nur äußerst selten fluchen hören. Gemeinsam sahen sie sich die beiden Urkunden genauer an, und so dauerte es nicht sehr lange bis sie feststellten, dass sie „nur" Kopien vor sich hatten. Alles andere hätte sie doch sehr verwundert, bewahrten sie doch das Original ihrer Hochzeitsurkunde – die ja unter anderem von Albus Dumbledore und Emrys unterzeichnet worden war – in ihren Räumen in Hogwarts auf! „Ich kann es mir nur so erklären", fand Hermine ihre Stimme wieder, „dass für alle Familienangehörigen bei jeder Geburt und bei jeder Hochzeit durch einen bestimmten Zauber automatisch eine Kopie der Urkunden erstellt und hier einsortiert wird. Wirklich genial! Ich frage mich, was das wohl für ein Zauber ist…"
„Das, meine liebe Hermine, kann ich dir bei Gelegenheit einmal erklären", dröhnte plötzlich eine unbekannte und dennoch vertraut klingende Stimme hinter ihnen. Harry und Hermine fuhren wie von Taranteln gebissen herum – und blickten in das Angesicht Godric Gryffindors! „Was, wie…", stammelte Harry, doch dann erkannte er, dass es sich „nur" um eine Projektion seines berühmten Vorfahrens handelte. Harry und Hermine schwiegen. Beide wussten einfach nicht, wie sie den Gründer ihrer Schule und den Namensgeber ihres Hauses ansprechen sollten. Godric hingegen – er sah deutlich älter aus als auf den unzähligen Gemälden die in Hogwarts hingen – lächelte seinen letzten Nachkommen und dessen Frau freundlich an.
„Ihr seid also die momentan letzten meiner Nachfahren, von Albus einmal abgesehen. Und wie ich sehe, hast du, Harry, endlich dein wahres Erbe angetreten. Herzlich willkommen, Lord Gryffindor-Potter-Black!" Harry keuchte. Woher nur wusste diese Projektion das alles? Godric musste kurz lachen. „Dein Name wurde am heutigen Abend in den Stammbaum der Blacks eingetragen, mein Junge. Ebenso wurdest du in diesem Moment als aktuelles Familienoberhaupt in unserem Stammbaum gekennzeichnet." Konnte diese Projektion etwa Gedanken lesen? Daraufhin musste die Projektion von Godric nun wirklich herzhaft und lange lachen. „Oh Junge, wenn deine Lage nicht so ernst wäre... Auch wenn mich deine Fragerei irgendwie amüsiert, ist doch deine Unwissenheit was unsere Familie angeht zweifelsohne traurig. Wie wäre es, wenn ihr euch eine Sitzgelegenheit schafft und ich euch dann erst einmal das Wichtigste zu diesem Verlies erkläre, einverstanden? Ach, und sagt bitte Godric zu mir!" Harry stimmte nickend zu, während Hermine für sie beide einen bequemen, übergroßen Sessel erschuf, in dem sie beide Platz fanden.
„Also gut", begann Godric mit seinen Ausführungen, während er vor seinen jüngsten Nachfahren auf und ab schwebte. „Bereits zu meinen Lebzeiten habe ich zusammen mit Rowena einen Zauber gewirkt, der es mir ermöglicht, unabhängig von irgendwelchen Gemälden hier im Familienverlies zu erscheinen. Dies ist nur in Form dieser – wie nanntet ihr das? – Projektion möglich. Allerdings ging beim letzten Mal irgendetwas schief – mein Körper starb, während ich gerade hier war. Dadurch war ich seither gezwungen, mein kümmerliches Dasein hier in diesem Verlies zu fristen, da ich nicht mehr in meinen Körper zurückkehren konnte. Aber das nur nebenbei.
In den tausend Jahren, die ich nun schon hier gefangen bin, habe ich mich an Gringotts anpassen können. Mir stand ja ausgesprochen viel Zeit zur Verfügung… Ich habe so die Zauber von Gringotts kennen gelernt, auch die ganzen Sicherheitszauber. Dadurch war es mir möglich zu erfahren, wann immer einer meiner Nachkommen durch Gringotts zum jeweils aktuellen Familienoberhaupt erklärt wurde. Daher wurde auch ich umgehend durch Gringotts selbst informiert, als du, Harry, heute dein Erbe als Familienoberhaupt der Gryffindors angenommen hattest; und ich kann dich so umfassend einweisen. Auch habe ich Gringotts dazu veranlasst, das Familienverlies der Potters dem unsrigen mit hinzu zu fügen, allerdings hätte ich nicht gedacht, dass Gringotts dies so wortwörtlich erledigt. Ich war ganz schön erschrocken, als hier auf einmal eine weitere Felskammer auftauchte! Ich musste Gringotts erst einmal klar machen, dass ich eigentlich den Inhalt des Verlieses meinte, aber jetzt ist alles geklärt und die Sachen aus dem Potterschen Verlies sind hier mit einsortiert. Die Sachen der Blacks hingegen liegen in einer gesonderten Kammer, die ihr hinter den Bücherregalen finden könnt.
In Hogwarts gibt es noch ein Gemälde von mir, mit dem ich ab und zu kommunizieren kann. Dieses Bild hängt getarnt im Büro des Schulleiters. Dadurch und durch unzählige Unterhaltungen dieses Gemäldes mit Albus Dumbledore habe ich einen recht guten Eindruck von dir und deiner Entwicklung gewinnen können. Ich brauch dir wohl nicht zu sagen wie leid es mir tut, dass du ohne Familie aufwachsen musstest, und dass du nun auch noch mit dieser Prophezeiung fertig werden musst. Selbst ich bin erst jetzt in der Lage dir zu helfen, wenn du denn meine Hilfe annehmen möchtest. Aber ich denke, darüber können wir uns später unterhalten, wenn ihr wieder in meinen Räumen in Hogwarts seid.
Ich glaube, ich sollte euch nun einiges über dieses Verlies hier erzählen. Wie ihr heute erfahren habt, sind etliche Dinge nur für das amtierende Familienoberhaupt sichtbar, und selbstverständlich auch für seine Partnerin, sofern das Familienoberhaupt mit anwesend ist und dieser seiner Partnerin den uneingeschränkten Zutritt gestattet hat. Ich denke jedoch, dass du, Hermine, auch ohne Harry hier Zutritt haben solltest, immerhin seid ihr nicht nur Ehe- sondern auch Seelenpartner und ihr habt auch euer Blut getauscht.
Den großen Stammbaum habt ihr ja schon gesehen. Er ist wie jeder magischer Stammbaum selbstaktualisierend. Allerdings fehlen unsere Vorfahren, die aus Ägypten stammen. Ihr Zeitalter liegt einfach schon zu weit zurück, als dass ich sie hätte noch mit einbinden können. Mir war es lediglich möglich, einen Teil unserer aus dem Römischen Reich stammenden Vorfahren zu dokumentieren; jene Zauberer, die bei der Eroberung Britanniens durch die Römischen Legionen mit dabei waren. Ihr könnt also auf diesem Stammbaum unsere Familie ungefähr bis ins erste Jahrhundert n.Chr. zurückverfolgen, als die Römer Albion eroberten und die römische Provinz Britannia entstand. Besonders stolz bin ich auf die verschiedenen Zauber, die ich mit Rowena und Helga entwickelt hatte, um eine Kopie der Geburts- und Heiratsurkunden eines jeden Familienmitglieds hier einlagern zu können. In unserer Zeit fingen die Könige der Muggel an, Wert auf derartige Dokumente zu legen. Um irgendwelchen diesbezüglichen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, haben wir uns dieses System einfallen lassen. Zugriff hat jeweils nur das aktuelle Familienoberhaupt. Du, Hermine, bildest hierbei die Ausnahme, denn noch nie gab es in unserer Familie, welchen Namen sie auch immer getragen haben sollte, eine derart enge Verbindung zwischen einem Familienoberhaupt und seiner Partnerin, so wie es bei euch beiden der Fall ist. Aber ich schweife schon wieder ab…
Ich denke, ihr habt schon den finanziellen Rückhalt unserer Familie gesehen. Mit diesem Gold und den ganzen Edelsteinen verhält es sich so, dass immer nur das amtierende Familienoberhaupt Zugriff darauf hat. Dieses Vermögen ist dazu gedacht, um eventuell in Not geratenen Familienmitgliedern helfen zu können. Die Kobolde von Gringotts dürfen diesem Vermögen nichts entnehmen, ja sie haben nicht einmal Zutritt zu diesem Verlies. Sie können einzig und allein die anfallenden Zinsen in das Verlies transferieren, und die nötigen Tests durchführen, wenn es ein neues Familienoberhaupt geben sollte.
Die Kleider und Stoffe stammen von einigen der Damen unserer Familie, aber die letzte 'First Lady', die hier ihre besten Kleider, Felle und Stoffe eingelagert hatte, war Lady Katharina Maria, Gattin von Lord Vincent Maximilian Gryffin. Dies war wohl im Jahre 1294 gewesen; und ich weiß bis heute nicht, warum Vince unseren Familiennamen abgekürzt hatte. Auch entzieht es sich meiner Kenntnis, warum seitdem niemand mehr meinen Namen getragen hat…" Nachdenklich schwebte Godrics Projektion durch den Raum.
„Wo war ich? Ach ja… Also, was die Waffen angeht, ein Großteil von ihnen stammt noch aus meiner Zeit. Später kamen dann eigentlich nur noch die Rüstungen und dergleichen hinzu. Ich weiß nicht, ob ihr Interesse daran habt; Albus sagte meinem Portrait schon vor einiger Zeit, dass solche Waffen heute nicht mehr eingesetzt werden, sondern ihren Platz eigentlich in einem Museum hätten. Naja, wie auch immer, schaut sie euch an, wenn ihr Interesse dafür habt." „Ähm, ich habe mir schon eine Armbrust ausgesucht", meinte Harry etwas schüchtern lächelnd und holte die miniaturisierte Waffe aus seiner Tasche hervor. „Ah, meine Lieblingsarmbrust", schwärmte Godric daraufhin. „Den Stahl hatte mir damals ein Waffenmeister der Zwerge geschmiedet, das Holz habe ich selbst geschnitzt und poliert. Eine wirklich hervorragende Waffe, mein junger Freund, und sehr zielgenau. Mein eigener Sohn hatte sie hier eingelagert, nachdem ich … ähm, das Zeitliche gesegnet hatte. Das Magazin wurde erst vor ungefähr dreihundert Jahren hinzugefügt, als die Waffe in einem der Kriege gegen die Vampire benötigt wurde. Die Bolzen bestehen aus reinem Silber, falls es euch interessiert.
Durch Sal's Beispiel habe ich meinerzeit hier auch etliche seltene und schwer zu beschaffende Zaubertrankzutaten eingelagert; wie zum Beispiel Drachenblut, Phönixtränen und so weiter. In dem Lager liegen auch einige Pergamentrollen, auf denen alle vorhandenen Zutaten aufgelistet sind." „Sal?", fragte Harry, der schon eine entsprechende Vermutung hatte. Godric seufzte. „Salazar Slytherin, als er noch mein bester Freund gewesen war… Aber das ist eine Geschichte, die ich euch ein anderes Mal erzählen werde.
Bleiben noch zwei Bereiche: Die Artefakt-Sammlung und die Bibliothek. Beide sind aufs Genaueste katalogisiert; und ihr solltet euch vorsehen, denn viele der Artefakte und auch etliche der Bücher sind sehr gefährlich! Seht euch vielleicht erst einmal die Beschreibungen zu den Artefakten an, die ich habe anfertigen lassen, oder ihr fragt einen Artefaktenzauberer, wenn ihr einen kennt dem ihr genügend vertraut. Auch ich kann euch viel darüber erzählen, oder auch Albus Dumbledore.
Der größte Schatz in diesem Verlies sind jedoch die Bücher und Schriften." Schwupp! Schon saß Hermine aufrecht und hochkonzentriert mit weit offenen Augen und Ohren! Schließlich war dies ihr Stichwort! Godric schmunzelte, hatte er doch bereits über Albus von Hermines Leidenschaft gehört. „Die ältesten Schriftrollen, die ihr hier finden könnt, sind nun schon über dreitausend Jahre alt. Sie stammen zum Teil aus Ägypten, zum Teil aber auch aus Babylonien und Mesopotamien. Ich fürchte nur dass ihr diese Schriften nicht lesen könnt, denn für diese alten, längst ausgestorbenen Sprachen gibt es keine Übersetzungszauber; zumindest sind mir keine bekannt. Keine Probleme solltet ihr dagegen mit den Schriften aus der Römischen Zeit haben, sie sind alle in Latein verfasst. Auch etliche Werke aus der Zeit nach den Römern sind in Latein geschrieben, so dass ihr auch diese verstehen könnt.
In unserer Bibliothek sind sowohl wissenschaftliche Arbeiten der Muggel als auch Werke aus der Welt der Zauberer vorhanden. Ich habe ungefähr zur Zeit der Gründung von Hogwarts einen Vertrag mit den ältesten Verlagen geschlossen, dadurch erhalten wir automatisch immer eine Kopie, sobald irgendwo auf dieser Welt ein Buch geschrieben wird, das für uns interessant ist. Auch der Katalog, den ich damals angefertigt hatte, wird ständig aktualisiert. Schau ihn dir ruhig einmal an, meine Liebe! Ich bin sicher, du wirst viele interessante Texte für dich finden! Natürlich könnt ihr auch jedes Buch, das in der Bibliothek von Hogwarts steht, hier finden; egal ob es in der 'Verbotenen Abteilung' steht oder nicht. Aber seid euch bitte dessen bewusst, dass nicht wenige Bücher wirklich gefährlich sind!
So, jetzt habe ich eigentlich lange genug gesprochen, und ihr habt sicherlich einige Fragen. Aber ein, zwei Dinge will ich euch noch mit auf den Weg geben: Dieses Verlies war durch Reisespiegel direkt mit meinen Räumen in Hogwarts verbunden. Allerdings sind die Spiegel im Laufe der Jahrhunderte zersprungen und somit unbrauchbar geworden, weil nach mir sie niemand mehr benutzt hat. Aber es steht euch offen, euch eine eigene Möglichkeit zu schaffen, um von Hogwarts aus direkt hier her zu gelangen.
Bleibt noch eine Sache zu klären, die mir sehr am Herzen liegt. Wie ihr inzwischen wisst, war Ro meine Partnerin und die Mutter meiner Kinder. Leider haben wir nie den Bund fürs Leben geschlossen, denn Rowena war vor unserer Beziehung schon einmal verheiratet gewesen. Leider ist ihr Gatte bei einem Kampf ums Leben gekommen. Auch wenn diese Ehe kinderlos geblieben ist, durfte Rowena nach den damaligen Gesetzen nicht noch einmal heiraten. Uns hatte das nicht gestört, zusammen in Hogwarts zu leben und miteinander Kinder zu bekommen hatte uns genügt, aber Ro musste deswegen auf ihre Erbansprüche verzichten. Dies ist der Grund, warum es offiziell keine Nachkommen des Hauses Ravenclaw mehr gibt. Zu der damaligen Zeit war es so, dass die Kobolde von Gringotts auf bestimmten Voraussetzungen bestanden, wollte jemand ein Verlies gründen oder seine Wertsachen in einem Familienverlies einlagern. In unserem Fall war es so, dass Rowena mein Verlies nicht mit nutzen durfte, da wir weder miteinander verheiratet waren, noch eine Bluts- oder gar Seelenverbindung hatten so wie ihr. Daher hatte sie ihre Habseligkeiten in ihrem Hausturm eingelagert, aber seit ihrem Tod konnte niemand mehr diese Dinge finden. Ich weiß, dass sie unter anderem ihr Tagebuch dort aufbewahrt hat, in dem sie penibel alles über den Bau und die Gründung von Hogwarts aufgeschrieben hat; und auch alles was unsere Freundschaft zu Helga und Salazar und Salazars Weggang und seine spätere Rückkehr anging. Aber das Schmerzlichste für mich ist, dass ich seit ihrem Tod nicht mehr mit ihr reden konnte, denn in Hogwarts gibt es nur ein einziges Portrait von ihr; und ausgerechnet bei diesem ist der Zauber, durch den wir uns in den Bildern bewegen und auch sprechen können, fehlerhaft. Dieses Gemälde, von dem ich rede, hängt im Turm der Ravenclaws über dem Kamin. Ich vermute, dass hinter diesem Bild Ro's Sachen liegen… Ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr euch das Bild ansehen und die Zauber analysieren könntet, vielleicht könnt ihr sie ja reparieren. Es wäre schön, wenn ich wieder mit meiner Ro reden oder ihr Bild besuchen könnte…" Daraufhin schwieg Godric, und man konnte ihm deutlich ansehen wie bewegt er war, als ihn die Erinnerung an seine vor über tausend Jahren verstorbene Partnerin überrollte.
Hermine stand vorsichtig auf und zog dann Harry mit sich mit in Richtung der Bücherregale. Sie wollte Godric die Zeit geben die er brauchte, und teilte dies auch ihrem Mann telepatisch mit. So kam es, dass Hermine langsam an den Bücherreihen entlang schritt, mal hier mal dort stehen blieb um sich ein Buch näher anzusehen, während Harry sich den Katalog genommen hatte. Dabei stellte er fest, dass die Bücher in dem Katalog nach verschiedenen Kategorien sortiert waren. Man konnte sich die Bücher sortiert nach den Autoren anzeigen lassen, oder auch nach Titel, Themengebiet, Erscheinungsjahr, Herausgeber, Sprache und dergleichen mehr. Trotz der vielfältigen Suchmöglichkeiten dauerte es eine ganze Weile, bis Harry zwei Bücher gefunden hatte, die sich mit dem Thema 'magische Gemälde' beschäftigten, was nicht zuletzt daran lag, dass dieser Katalog Millionen von Büchern enthielt. Allerdings musste Harry auch feststellen, dass es gar nicht so einfach war, die Bücher dann in den unzähligen Regalen zu finden. Schließlich griff er auf den einfachsten Aufrufezauber zurück, den er in Hogwarts gelernt hatte; und siehe da, die Bücher kamen schnurstracks auf ihn zu geschwebt.
Natürlich hatte Hermine das mitbekommen, war das eine Buch doch nur haarscharf an ihrem Kopf vorbei gerauscht! Neugierig folgte sie dem Buch, nur um kurz darauf vor einem schief grinsenden Harry zu stehen. „Was hast du denn da?", fragte sie leise. Harry wurde wieder ernst, als er ihr die beiden Bücher zeigte. „Ich dachte, vielleicht können wir Godric helfen…" „Oh Harry, du überraschst mich immer wieder!", murmelte Hermine, bevor sie ihren Mann einen Kuss auf die Wange drückte. Dann nahm sie ihm eines der beiden Bücher aus der Hand, schuf sich mit ein paar Handbewegungen einen Stuhl und einen kleinen Tisch, und schon war sie am Lesen. Harry seufzte – diese Situation kannte er nur zu gut! Also erschuf er sich auch einen Stuhl, verharrte und überlegte kurz, bis er den Stuhl wieder verschwinden ließ, nur um sich einen gemütlichen Sessel herbei zu zaubern. Dann nahm auch er Platz an Hermines kleinem Lesetisch. Harrys Buch war nicht sehr dick, es umfasste in etwa nur fünfundsechzig Seiten, die Harry recht schnell gelesen hatte. Auf ihnen wurde beschrieben, wie man mit ein paar wenigen Zaubersprüchen ein genaues Abbild von einer noch lebenden Person in Form eines Gemäldes schaffen konnte, und wie man dieses Gemälde zum Sprechen brachte. Leider waren die Beschreibungen der zu verwendenden Zaubersprüche nur sehr ungenau und vage, so dass Harry nicht unbedingt sehr viel daraus entnehmen konnte. Aber die Lektüre reichte zumindest aus, dass er einen allgemeinen Überblick über dieses Thema bekam.
Hermine dagegen hatte mehr Glück: In ihrem Buch stand äußerst ausführlich beschrieben, wie die entsprechenden Zauber durchzuführen waren, und wobei es dabei besonders darauf ankam. Inzwischen hatte sie sich Pergament und Feder herbei gezaubert, und nun machte sie sich – ganz in ihrem Element - eifrig Notizen. Harry sah ihr lächelnd zu – ja, so kannte er seine Hermine! Eine halbe Ewigkeit später, Harry hatte sich inzwischen wieder den Katalog vorgenommen um zu sehen was es alles noch so für Bücher hier gab, hob Hermine endlich ihren Kopf und strahlte Harry an. „Und, fündig geworden?", fragte er, woraufhin Hermine ihm ihre Notizen hinüber schob. Harry schloss den Katalog und legte ihn auf den Tisch, um sich anschließend die eng beschriebenen Pergamente zu nehmen. Inzwischen sah Hermine sich den Katalog an, während Harry ihre Aufzeichnungen las.
„Und du bist sicher, dass das funktioniert?", fragte Harry, nachdem er mit dem Lesen fertig war. Hermine zuckte mit den Schultern. „Ich denke schon dass das tatsächlich funktionieren könnte. Wir können uns ja vorher auch die magische Struktur eines anderen Gemäldes ansehen, etwa der Fetten Dame, und diese Struktur dann mit Rowenas Gemälde vergleichen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir die Ravenclaws einweihen und sie um Erlaubnis zum Betreten ihrs Turmes bitten oder ob wir das heimlich machen sollen…" „Hm, mit dem Vergleich hast du Recht, das wäre wohl in der Tat sehr hilfreich. Aber wir sollten uns mehrere Gemälde ansehen, vielleicht gibt es auch Unterschiede in ihrer magischen Struktur. Was die Ravenclaws angeht – ich denke wir sollten ihnen erst einmal nichts sagen. Wenn es funktioniert dürfte die Freude bei ihnen dann umso größer sein. Weihen wir sie vorher schon ein und es funktioniert dann doch nicht, werden sie mit Sicherheit sehr enttäuscht sein, oder?" „Da ist auch wieder was dran", stimmte Hermine nachdenklich zu. „Mir kommt da noch eine Idee: Was hältst du davon, wenn wir zuerst versuchen eine Kopie von dem Gemälde zu machen? Dann hätten wir ein Bild zum Übern und brauchen erst einmal nicht auf das Original zugreifen. Und wenn es funktioniert, können wir die Kopie immer noch in unseren Räumen aufhängen, vielleicht zusammen mit einem Bild von Godric. Vielleicht finden wir ja auch noch Bilder von Helga und Salazar, dann können wir alle vier Gründer in unserer Bibliothek hinhängen…" „Das würde mich sehr freuen, mein Kind", meldete sich Godric wieder zurück, während er langsam heran geschwebt kam. Dann sah er sich Hermines Aufzeichnungen an, wobei aber Harry die Seiten für ihn umblättern musste, da Godric als Projektion im Gegensatz zu einem Geist keine materiellen Sachen anfassen konnte. Nicht das er es nicht versucht hätte, aber seine Hand glitt einfach durch die Pergamentblätter hindurch, so als wären sie gar nicht da!
„Godric, darf ich dir eine Frage stellen?", wollte Harry schließlich wissen. Der Hogwarts-Gründer nickte zustimmend. „Wie kommt es eigentlich, dass du als Projektion hier bist, und nicht als Gemälde oder als Geist zu uns sprichst?" „Hm, das ist recht einfach zu erklären. Nach Ro's Tod habe ich mich ein wenig zurückgezogen und mit dem Meditieren angefangen, um meinen inneren Frieden wieder zu finden. Dabei habe ich festgestellt, dass ich, wenn ich nur tief genug in der Meditation versinke, meine Seele von meinem Körper lösen und sie so umher schicken konnte. Auf diese Art habe ich eine ganze Zeit lang das Schloss durchforstet und überwacht, während mein Körper schlafend in meinem Bett lag. Aber eines Nachts ist etwas schief gegangen, und ich konnte nicht mehr in meinen Körper zurückkehren. Ohne seine Seele ist mein Körper wenige Tage später gestorben, und niemand wusste, dass ich eigentlich immer noch da war. Ich musste meine eigene Beerdigung mit ansehen… Das ist eine Erfahrung, die ich niemanden wünsche! Aber wenigstens haben sie mich neben meiner Ro ruhen lassen, nachdem mein Sohn – wie auch schon bei Rowena – einige Konservierungszauber über meinen Leichnam gesprochen hatte." „Dann bist du also eine Astralprojektion", stellte Hermine nüchtern fest, während Harry an den Moment zurück denken musste, als er zusammen mit Hermine und Albus die Sarkophage der beiden Gründer in der Potter'schen Familiengruft entdeckt hatte, die sie im August wieder aufgebaut hatten, nachdem sie von seinem Großvater – Albus' Sohn Tiberius – in einem Wutanfall zerstört worden war.
„Darf ich fragen, wie Rowena gestorben ist?", fragte Hermine leise und mit sanfter Stimme. Godric seufzte. „Sie ist an dem Abend einfach eingeschlafen und am nächsten Morgen nicht mehr aufgestanden", antwortete er sehr leise und bedrückt. „Ich habe nie feststellen können was ihr gefehlt hat, auch unsere Medihexe hat nichts herausfinden können. Es war so furchtbar, mit ihrem kalten Körper in den Armen aufzuwachen…" Der sonst so stolze Godric Gryffindor glich nun nur noch einem Häufchen Elend, und Harry und Hermine konnten nichts tun um ihn zu trösten. Sie konnten ihn ja noch nicht einmal in die Arme nehmen! Betroffen und hilflos mussten sie zusehen, wie ihr Urahn stille, silbrige Tränen vergoss, die wie Seifenblasen mit einem kaum hörbaren 'Plopp' zerplatzten, sobald sie sich von Godrics Astralkörper gelöst hatten.
