A/N (07.07.2007): Vielen herzlichen Dank für eure Reviews an: Hermine Potter (Du warst einmal mehr die Erste!), Faelivrin (kann deinen Namen immer noch nicht richtig ausprechen... Heißt es ausgesprochen nun "Fälivrin" oder "Fa-elivrin"?), Andy Gryffindor-Potter (Harry und ein langes Leben? Hm, na schaun wir mal...), Manuela Granger (und, kann man dir gratulieren?), DKub (du hattest doppelt gereviewt - trotzdem danke!).
Da beim letzten Kapitel niemand auf meine kleine Anfrage reagiert hatte, stelle ich sie euch hier noch einmal: Auf meiner Homepage hatte ich zu jedem Kapitel von "KNV" und "DMD6F" zusätzliche Seiten eingerichtet, auf denen ich bisher eure Reviews und vor allem meine Antworten dazu veröffentlicht hatte. Wie steht ihr zu diesen zusätzlichen "R&A"-Seiten? Liest das überhaupt noch jemand? Soll ich das in Zukunft beibehalten, oder kann ich mir das schenken? In diesem Fall würde ich zukünftig nur noch per PM / Email auf eure Reviews antworten, auf meiner Homepage aber weder neue Reviews noch meine Antworten darauf veröffentlichen. Schreibt mir bitte eure Meinung dazu!!!
DMD6F - Kapitel 11: BERATUNG – WAS SOLLEN WIR MACHEN?
"Guten Abend alle zusammen", begrüßte Albus Dumbledore die Anwesenden. "Ich darf Sie in meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Zaubergamots recht herzlich begrüßen. Trotz der betrüblichen Umstände freue ich mich, dass Sie meiner so kurzfristigen Einladung gefolgt sind. Besonders herzlich begrüßen darf ich Mr John Major, den Premierminister unserer nichtmagischen Regierung, und seine Mitarbeiter. Dafür, dass sie dieses Treffen so schnell möglich gemacht haben, danke ich Madam Amelia Bones, der Leiterin der magischen Strafverfolgungsbehörde; und Mr Arthur Weasley.
Ich denke, Sie alle wissen, was sich heute Vormittag ereignet hat. Lassen Sie mich trotzdem die Geschehnisse und deren Folgen kurz zusammenfassen, damit alle auf dem gleichen Wissensstand sind:
Heute Vormittag wurde gegen 11:00 Uhr im Bereich St. James's Park ein Anschlag auf die Londoner U-Bahn verübt. Nach unseren derzeitigen Erkenntnissen wurde dabei nicht nur dunkelste Magie eingesetzt, sondern auch Waffentechnologie aus der nichtmagischen Welt. Beides zusammen kombiniert sorgte dafür, dass heute Vormittag 163 Menschen ihr Leben verloren. Über dreihundert unserer Mitbürger befinden sich derzeit noch in ärztlicher Behandlung, teils in Muggel-Krankenhäusern, teils in St.Mungo. Der Bahnhof St. James's Park existiert praktisch nicht mehr - Alastor, würdest du bitte die Fotos verteilen? Danke."
Dumbledore wartete kurz, bis alle Anwesenden eine kleine Mappe mit den Fotos von der Anschlagstelle und einem Überblick über die Geschehnisse in der Hand hielten und aufgeschlagen hatten.
"Wie Sie auf der schematischen Darstellung des U-Bahn-Streckennetzes erkennen können, verlaufen die Gleise der Linie direkt unter dem St.James Park und dem dazu gehörigen See. Durch die Explosionen im Bahnhof und die sich dadurch durch die Schächte und Tunnel ausbreitenden Schockwellen wurde auch das Erdreich unter dem See stark in Mitleidenschaft gezogen. Nur dem schnellen Eingreifen zwei unserer mächtigsten Zauberer ist es zu verdanken, dass das Tunnelsystem nicht überflutet wurde, womit zweifelsohne weitere Opfer zu beklagen gewesen wären. Ich berichte Ihnen davon, weil dies bisher nicht im offiziellen Bericht erwähnt worden ist. Nun übergebe ich das Wort an Mr Joseph Whidbey, dem leitenden Scotland Yard – Beamten vor Ort." Damit setzte sich Dumbledore. An seiner Stelle trat der Mann von Scotland Yard ans Rednerpult. Kurz nickte er Dumbledore und Moody zu, bevor er seine Unterlagen aufschlug.
"Guten Abend, meine Damen und Herren. Wie Professor Dumbledore schon in seiner Einleitung sagte, wurde heute Vormittag ein furchtbarer Anschlag auf die Londoner U-Bahn verübt, durch den zahlreiche Opfer zu beklagen sind. Meine Aufgabe ist es, Ihnen den Ablauf des Anschlags, die dabei eingesetzten Mittel und die daraus resultierenden Folgen darzulegen, sofern wir über gesicherte Kenntnisse verfügen. ..."
Gut eine halbe Stunde referierte Whidbey. Er ging so gut es ging auf alles Aspekte des Anschlags ein, was unter anderem auch die möglichen Täter betraf. Zum Abschluss seines Berichtes schilderte er die von Harry und Hermine gemachten Beobachtungen. Im Anschluss folgte ein Kurzbericht des Leiters der britischen Gesundheitsbehörde, der die derzeitige Lage der Verletzten darlegte und auch die bisherigen Todesopfer bestätigte.
Leises Gemurmel erhob sich im Raum, als die Anwesenden das eben Gehörte diskutierten. Vor allem die Abgesandten der Muggelregierung verglichen die eben erhaltenen Fakten mit dem, was ihre eigenen Behörden bislang herausgefunden hatten. Dumbledore ließ ihnen einige Minuten Zeit, bevor er sich erneut erhob und ans Rednerpult trat.
"Meine Damen und Herren, die Meisten von Ihnen wissen von dem Krieg, der seit einiger Zeit in unserer magischen Welt tobt. Mir scheint es, als ob diese Auseinandersetzungen nun eine neue Ebene erreicht haben. Alle Hinweise des heutigen Anschlags deuten darauf hin, dass sich Voldemort neue Verbündete gesucht hat und nun auch nicht mehr davor zurück schreckt, Technologie der Muggel einzusetzen. Dadurch sind nun also unsere beide Welten gleichermaßen von diesem Krieg betroffen. Dies ist einer der Punkte, weswegen ich dieses Treffen einberufen habe. Beide Seiten sollten dieselben Informationen bezüglich dieses Krieges haben, damit wir gemeinsam dagegen ankämpfen können. Der wichtigste Grund für das heutige Treffen jedoch ist folgendes: Es ist uns Zauberern und Hexen mit Hilfe bestimmter technischer Einrichtungen möglich, für einen begrenzten Zeitraum - maximal vierundzwanzig Stunden - durch die Zeit zurück zu reisen. Dadurch wäre es möglich diesen Anschlag zu verhindern. Dabei stellen sich aber eine ganze Reihe Fragen unterschiedlichster Art und Weise, wobei die moralischen wahrscheinlich unser geringstes Problem sein dürften. Mein Vorschlag ist es, dass wir gemeinsam diese Fragen diskutieren und dann darüber entscheiden, ob und wenn ja was wir unternehmen; und wie wir bei eventuellen zukünftigen derartigen Ereignissen verfahren wollen."
Zustimmendes Nicken war von allen Seiten zu sehen. Gerade als Dumbledore erneut das Wort erheben wollte, stand John Major auf und kam nach vorn zum Rednerpult. "Vielen Dank, Professor Dumbledore, für Ihre Offenheit und dass Sie uns zu diesem Treffen eingeladen haben um mit uns diese enorm wichtigen Fragen zu diskutieren. Zwar gehört der Minister der Magie offiziell der britischen Regierung an - wodurch er laut den ursprünglichen Vereinbarungen nicht nur Ihrer Majestät, der Königin, untersteht, sondern auch mir als Premierminister. Leider wissen wir alle nur zu gut, das dieser Teil unserer Regierungsvereinbarung bisher noch nie beachtet wurde. Umso mehr freut es mich hier heute mit anwesend sein zu dürfen, auch wenn der Grund des Treffens alles andere als angenehm ist. Ganz besonders jedoch schätze ich die Tatsache, dass Sie, Professor Dumbledore, uns über die von Ihnen geschilderten Möglichkeiten mitentscheiden lassen wollen. Bisher sind wir ja immer nur im Nachhinein informiert worden, wenn überhaupt... Ich darf Ihnen sagen, dass mich Ihre Majestät, Königin Elisabeth II., persönlich dazu aufgefordert hat, hier alles Mögliche zu unternehmen um die Schuldigen für diesen feigen Anschlag zu finden und sie ihrer gerechten Strafe zu zuführen."
Nach dem Premierminister traten noch einige andere Redner vor. Jeder hatte ein anderes Thema (Amelia Bones zum Beispiel trug die rechtlichen Bedenken vor). Einer der Unsäglichen sprach über die technischen Belange bei einem derartigem Zeitsprung wie beispielsweise dem zu erwartenden Zeitparadoxon; und Professor Dumbledore brachte die moralischen Fragen zur Sprache. Leider waren außer dem Unsäglichen und vielleicht Albus Dumbledore keine Wissenschaftler anwesend – diese ebenfalls einzuladen hätte einfach zu lange gedauert.
Bisher hatte immer noch niemand Harry und Hermine entdeckt, die sich – selbstverständlich unsichtbar und lautlos – in einer Ecke einen kleinen Tisch und zwei Sessel beschworen hatten. Hermine schrieb die ganze Zeit über fleißig mit, während Harry den Ausführungen nur mit einem Ohr zu hörte. Vielmehr machte er sich Gedanken darüber was heute passiert war, und wie man das in Zukunft verhindern konnte – unabhängig vom Ergebnis des heutigen Treffens der britischen Spitzenpolitiker aus der magischen und aus der nichtmagischen Welt. Auch war ihm klar, dass er oder Hermine nicht immer so einen Kraftakt unternehmen konnte, wenn sie danach derart ausgepowert waren, dass sie die Hilfe des Verbotenen Waldes und seiner Bewohner brauchten, um sich wieder zu regenerieren.
Während die Diskussionen hin und her wogten, grübelte Harry still vor sich hin. Aber wie er die Dinge auch drehte und wendete, er kam zu keinem schlüssigen Ergebnis. Schließlich war es Hermine, die ihn auf den richtigen Gedanken brachte. Natürlich hatte sie sich durch ihre besondere telepathische Verbindung in Harrys Gedanken eingeklinkt – so etwas taten sie in letzter Zeit öfters – und konnte so im Hintergrund seine Überlegungen mit verfolgen. Hermine wunderte sich, weil Harry nicht auf den naheliegendsten Gedanken kam; aber sie wusste auch, dass Harry durch die heutigen Ereignisse ziemlich abgelenkt war. So flüsterte sie ihm schließlich gedanklich nur ein einziges Wort zu: #Dobby.# Fast schon überdeutlich konnte Hermine spüren, wie Harrys sich immerzu im Kreis drehenden Gedanken für einem Moment still standen, bevor sie sich dann in die richtige Richtung weiter bewegten. Mit einem Lächeln wandte sie sich wieder den Diskussionen zu, sie wusste dass Harry zu den richtigen Schlüssen kommen würde. Schließlich kannte sie ihren Mann und Seelenpartner fast ein bisschen besser als er sich selbst…
Irgendwann klinkte sich Albus Dumbledore aus der laufenden Diskussion aus. Von Moody abgeschirmt desillusionierte er sich und kam dann in die Ecke, wo Harry und Hermine saßen. Als Harry ihn bemerkte, weitete er seinen Unsichtbarkeitszauber und seinen Geräusche abschirmenden Zauber auch auf seinen Ururgroßvater aus, damit dieser unbehindert mit ihnen reden konnte.
„Wie sieht es aus?", fragte Hermine, obwohl sie die ganze Zeit über die Diskussionen mitverfolgt hatte. „Ich fürchte, so werden wir zu keinem Ergebnis kommen", erwiderte Dumbledore. „Schließlich hat keiner von uns irgendwelche Erfahrungen, was Unternehmungen dieser Art angeht. Ich bin am überlegen, ob ich nicht Emrys her rufen soll; vielleicht kann er uns ja weiter helfen..." „Er hatte, glaube ich, mal etwas davon erzählt, dass er so etwas schon einmal gemacht hatte", erinnerte sich Hermine. „Also gut, dann werde ich ihn rufen. Hoffentlich hört er mich auch!", meinte der alte Professor und zog dabei einen Portschlüssel aus einer seiner Taschen, der ihn umgehend nach Hogwarts brachte.
Sehr lange dauerte es nicht bis Dumbledore wieder im Sitzungssaal des Gamots erschien. Dieses Mal wurde er allerdings von Fawkes hergebracht. Kaum merklich nickte er in Richtung Harry und Hermine, damit sie bescheid wussten, dass Emrys kommen würde. Dann allerdings hatte er etliche Fragen zu beantworten, denn die meisten der Tagungsteilnehmer hatten nicht einmal, bemerkt, dass er den Raum verlassen hatte.
„Meine Damen und Herren, bitte entschuldigen Sie die Unterbrechung. Aber ich bin inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass wir zu keinem zufrieden stellenden Entschluss kommen werden, wenn wir so weiter machen wie bisher. Uns läuft schlicht die Zeit davon – jetzt sind es nur noch 12 Stunden, in denen wir überhaupt die Möglichkeit haben, etwas gegen diesen Anschlag zu unternehmen. Wenn ich Sie noch einmal daran erinnern darf, mit den uns gegebenen Möglichkeiten können wir für maximal 24 Stunden in der Zeit zurück reisen. Da jedoch keiner von uns die entsprechenden Erfahrungen diesbezüglich hat, habe ich mir erlaubt, einen alten Freund um Hilfe zu bitten. Er hat sein Erscheinen zugesagt, allerdings wird es noch ein kleines bisschen dauern. Bis dahin würde ich vorschlagen, dass wir eine Pause machen und uns vielleicht einen kleinen Imbiss gönnen. Was meinen Sie?" So gut wie alle Anwesenden stimmten ihm zu, und so dauerte es nicht lange, bis Erfrischungsgetränke und Sandwiches bereit standen.
Die Zauberer und Muggel standen in kleinen Gruppen herum und unterhielten sich leise. Man tauschte die unterschiedlichsten Meinungen und Ansichten aus; aber insgeheim wartete wohl jeder darauf, das Dumbledores mysteriöser Freund erschien. Von den wenigen Eingeweihten einmal abgesehen hatte niemand auch nur den Hauch einer Ahnung, wer dieser Freund sein könnte.
Dumbledore hingegen stand zusammen mit Moody, Madam Bones und dem Muggel-Premierminister nahe bei Harry und Hermine. Natürlich waren die beiden Schüler nach wie vor nicht zu sehen – selbst Moody konnte mit seinem magischen Auge Harrys Zauber nicht mehr durchdringen – aber die beiden konnten bei diesem Gespräch sehr genau zuhören. Harry verdrehte gerade seine Augen, denn Dumbledore erklärte John Major auf dessen Frage hin, wer diese beiden Zauberer gewesen waren, die in den U-Bahn-Schächten dafür gesorgt hatten, dass das Wasser des Sees im St. James's Park dort blieb wo es hingehörte – im See. Selbstverständlich erfuhr der Premierminister nur das was er in seiner Position unbedingt wissen musste; aber selbst das schien Harry schon zu viel zu sein.
Schließlich wurde es Harry zu viel. Er versuchte etwas, was er abends zusammen mit Hermine in ihren Gemächern geübt hatte: Er dehnte - weiterhin unsichtbar – seine Aura aus, bis er die von Dumbledore berühren konnte. Sanft tippte er so seinem Mentor auf die Schulter, um dessen Aufmerksamkeit zu bekommen. Dumbledore erstarrte ganz kurz, nur für den Bruchteil einer Sekunde, als er diese ungewöhnliche Art der Kontaktaufnahme spürte. Die anderen hatten nichts bemerkt, zumindest ließen sie sich nichts anmerken. Dumbledore hingegen öffnete seine Sinne, bis er Harrys gedehnte Aura bemerkte. Jedoch konnte er nicht mehr darauf reagieren, denn Emrys hatte sich genau diesen Moment heraus gesucht, um im Sitzungssaal des Zaubergamots zu erscheinen.
Für Harry, Hermine und Albus war es ganz normal mit anzusehen, wie sich Emrys' Portal aufbaute, stabilisierte und schließlich – von unzähligen kleinen knisternden Energieblitzen begleitet – schimmernd im Raum stand, bis Emrys hindurch schritt und das Portal hinter ihm mit einem kleinen 'Poff' wieder zusammen brach. Alle anderen im Saal jedoch hatten dieses Schauspiel noch nie gesehen – dementsprechend sprachlos waren sie alle. Staunend sahen sie zu, wie Emrys durch sein Portal schritt. Die Gesichtsausdrücke vieler, auch solch gestandenen Männern wie dem Premierminister, glichen denen von Kindern, die zum ersten Mal den Weihnachtsmann sahen. Unglaube, Selbstzweifel, und unendlich viele Fragen.
Selbst nachdem das Portal schon längst in sich zusammen gefallen war und Emrys neben Albus stand und sich leise mit ihm unterhielt, standen die Meisten immer noch reglos und mit offenen Mündern da, wo sie sich gerade vor Emrys' Eintreffen befunden hatten. Schließlich gingen die beiden alten und mächtigen Zauberer nach vorn zum Rednerpult. Die Blicke mancher folgten ihnen, die einiger anderer waren immer noch auf die Stelle gerichtet, wo Emrys' Portal erschienen war.
„Meine Damen und Herren, ich darf Ihnen meinen alten Freund Emrys vorstellen; ein unglaublich weiser und mächtiger Zauberer aus einer schon längst vergangenen Zeit. Sie werden Emrys sicherlich unter einem anderen Namen kennen, nämlich als Merlin dem Zauberer." Als Dumbledore dies sagte, wurden viele der Anwesenden ein zweites Mal geschockt, vor allem die Muggel. Hatten sie doch geglaubt, dass die Sagen und Legenden um Merlin genau dies waren – Sagen und Legenden. Nun aber mussten sie feststellen, dass diese sehr wohl der Wahrheit entsprachen, und das Merlin tatsächlich existierte!
Es dauerte eine ganze Weile, bis die Konferenz fortgeführt werden konnte. Zunächst wurde Emrys darüber informiert, was an diesem verhängnisvollen Vormittag passiert war; und was man nun vorhatte. In groben Zügen wurden ihm die Probleme und Sorgen geschildert, über die man schon den ganzen Abend diskutierte. Emrys hörte aufmerksam zu, hatte er doch in der Vergangenheit mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen gehabt.
„Ich kann Ihnen keine fertige Lösung präsentieren", erhob er schließlich das Wort an die Anwesenden. „Aber ich kann Ihnen einige Ihrer Fragen beantworten und Ihnen vielleicht den einen oder anderen Tipp geben. Wie Sie sich inzwischen denken können, habe ich einige Erfahrung mit Zeitreisen sammeln können, und ich bin dabei nicht nur einmal auf das Problem der Beeinflussung der Geschehnisse gestoßen. Aber bevor Sie fragen, möchte ich Ihnen zumindest in groben Zügen von meinen Erfahrungen berichten, damit Sie Ihr heutiges Problem besser beurteilen können." Hier machte Emrys eine kleine Pause, um sich zu sammeln. Das Folgende zu berichten würde ihm sehr schwer fallen, da er noch nie darüber gesprochen hatte.
„Ich nehme an, Sie alle kennen die Sagen um König Artus? Wie er unwissentlich mit seiner Schwester Morgana einen Sohn zeugte, Mordred; und der ihm viele Jahre später zum Verhängnis wurde? Glauben Sie mir, niemand hat dies mehr bereut als ich, da ich nicht rechtzeitig genug Morganas Pläne erkannt hatte! Nach Artus Tod habe ich viele Jahre geforscht, um hinter das Geheimnis der Zeitreisen zu gelangen. Aus uralten Quellen wusste ich, dass es möglich sein musste; aber erst nachdem ich mich auf Avalon nieder gelassen hatte, fand ich nach und nach das nötige Wissen. Aber sobald es mir einmal möglich war, ein Portal durch Raum und Zeit zu schaffen, reiste ich zurück um die Fehler in der Vergangenheit zu berichtigen. Ich verhinderte erfolgreich, dass Artus mit Morgana zusammen traf. Demzufolge existierte auch Mordred in der neuen Zeitlinie nicht, also konnte Artus nicht von ihm getötet werden. Da Mordred in der ursprünglichen Zeitlinie keine Nachkommen hatte, hatte seine nun fehlende Existenz keine Auswirkungen auf die Zukunft. Dachte ich zumindest. Wie ich feststellen musste, entwickelten sich die Ereignisse dann aber ganz anders, als ich es erwartet hatte. Es kam zum offenen Krieg zwischen Morgana und Artus, der Artus von seinem Weg abbrachte unser Land zu vereinen. Artus wurde nicht zu dem König, wie wir ihn aus den Erzählungen kennen, sonder er entwickelte sich zu einem Tyrannen, der nur die Auseinandersetzung mit seiner Schwester im Kopf hatte. Beide töteten sich schließlich gegenseitig in einem Kampf um eine bedeutungslose Burganlage, und Britannien wurde niemals vereint. Chamelot wurde nie gebaut, die Tafelrunde fand nicht statt. Britannien wurde zum Spielball der Normannen, Sachsen und Wikinger und wurde später Teil des Reichs der Franken und damit noch viel später ein Teil des Deutschen Reiches.
Dies war nun wirklich nicht das gewesen was ich wollte, und so reiste ich erneut in der Zeit zurück. Ich versuchte, Artus auf seinen richtigen Weg zu bringen; was mir durch eine ständige Beeinflussung schließlich auch gelang. In dieser Zeitlinie gab es Chamelot und die Tafelrunde tatsächlich, und Artus war ein geachteter Herrscher über das geeinte Britannien. Er erreichte ein hohes Alter, und die Trauer im Land war groß, als er starb. Danach aber zerfiel das von ihm geschaffene Reich erneut; und auch in dieser Zeitlinie wurde Britannien zum Spielball anderer Mächte und erreichte dadurch niemals seine Größe, so wie wir sie kennen.
Insgesamt versuchte ich zwölf Mal, die Geschichte zu verändern. Jedes Mal mit dem gleichen Ergebnis: Britannien ging unter und wurde niemals zur Weltmacht, sondern immer Teil eines anderen Reiches. Irgendwann gab ich auf und reiste nur noch einmal zurück, um den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Kaum das ich dies getan hatte, entwickelte sich wieder alles so wie wir es kennen. Ich lernte daraus, dass eine massive nachträgliche Beeinflussung alles nur noch schlimmer machen würde, also hielt ich mich in den Jahrhunderten danach zurück und blieb auf Avalon.
Dann jedoch kamen die großen Kriege, die Millionen von Opfern forderten. Der Dreißigjährige Krieg, der siebenjährige Krieg, der deutsch-französische Krieg, der erste Weltkrieg. Ich war nahe dran, erneut in das Geschehen einzugreifen, um zu versuchen die unzähligen Opfer zu vermeiden. Aber meine Gefährtin hielt mich zurück. Dann kam der Zweite Weltkrieg. Zweiundsechzig Staaten waren in diesen Krieg verwickelt, und es gab FÜNFZIG MILLIONEN TOTE! Hier musste ich einfach eingreifen!
Wie schon zu Artus Zeiten reiste ich zu dem Zeitpunkt, an dem ich eingreifen wollte; und später reiste ich noch weiter in die Zukunft, um die Folgen meines Eingreifens zu beobachten. Was soll ich sagen – es war ein einziges Desaster! Egal was ich auch versucht hatte, die Auswirkungen waren einfach katastrophal! Bei einem Versuch hatte ich lediglich verhindert, dass der Österreicher Adolf Hitler in Deutschland an die Macht kam – seine Rolle wurde einfach von einem anderen übernommen. Bei einem anderen Versuch hatte ich die für das Deutsche Reich so verhängnisvollen Einschränkungen durch den Versailler Vertrag abgemildert, so dass dem deutschen Volk nicht durch Luft abgeschnürt wurde – der Zweite Weltkrieg fand fünfzehn Jahre später statt, ausgelöst durch Frankreich und Großbritannien. Danach existierte Europa nicht mehr.
In einem weiteren Versuch verschärfte ich die Auflagen des Versailler Vertrages, so dass Deutschland praktisch aufhörte zu existieren. Dadurch wurden Frankreich und Großbritannien zur Großmacht, und bekriegten sich schließlich gegenseitig, bis die halbe Welt in Flammen stand.
Bei meinem letzten Versuch brachte ich Großbritannien, Frankreich und Deutschland dazu, nach dem Ersten Weltkrieg zusammen zu rücken und sich gegenseitig zu helfen. Dieser Versuch sah sehr vielversprechend aus – es herrschte in Europa Frieden für über siebzig Jahre. Die einzelnen Staaten waren so eng zusammen gewachsen, dass es praktisch ein tatsächlich vereintes Europa um die Kernstaaten Großbritannien, Deutschland und Frankreich gab; mit einer einheitlichen Regierung, Währung, Sprache und allem was dazu gehört. Europa wurde zur bestimmenden Weltmacht, und den Europäern und ihren Verbündeten ging es mehr als nur gut. Zufrieden beschloss ich, diesen Zustand so zu belassen, aber zur Kontrolle reiste ich noch einmal in die Zukunft. Was ich dort jedoch sah, raubte mir beinahe den Verstand – die Welt hatte praktisch aufgehört zu existieren!
Ich fand heraus, dass sich die USA in ihrer Stellung als Weltmacht durch Europa bedroht sahen; und zunächst damit begannen, andere Staaten gegen Europa aufzuhetzen. Gerade in Asien, aber auch in der aus heutiger Sicht ehemaligen Sowjetunion stießen sie dabei auf offene Ohren. Es kam zu ersten Auseinandersetzungen, bis schließlich der Krieg offen ausbrach – ein fast ausschließlich mit Nuklear- und biologischen Waffen geführter Krieg. Er dauerte 'nur' vier Wochen, aber danach hatten Europa, Amerika und Asien einfach aufgehört zu existieren. Es gab fast vier Milliarden Tote! Überlebende gab es nur in Australien, am südlichen Ende von Südamerika, in Südindien, in den kleinen Inselstaaten des Pazifiks und im südlichen Teil von Afrika…"
Emrys schwieg eine Zeit lang, damit sich das eben Gehörte bei den Anwesenden setzen konnte, so schrecklich es auch war. Die betroffenen Gesichter überall im Raum sagten ihm mehr als genug.
„Mir wurde klar, dass ich für den Untergang der uns bekannten Welt verantwortlich war, durch meine Manipulationen der Ereignisse im zeitlichen Ablauf. So sehr mich auch die Million Toten des Zweiten Weltkrieges und der darauf folgende Kalte Krieg und die Teilung Europas schmerzten – sie waren immer noch das kleinste Opfer in all den Szenarien, die ich in den unterschiedlichen Zeitlinien erlebt hatte. Ich begriff, dass eine Beeinflussung derartiger Geschehnisse – mochte sie auch mit den besten Zielen und Absichten erfolgt sein – immer alles nur noch viel schlimmer machte. Also machte ich alle meine nachträglichen Manipulationen rückgängig und reiste anschließend so weit in die Zukunft wie es mir möglich war – etwa fünfundzwanzigtausend Jahre. Der Menschheit ging es gut; sie lebte in einer friedlichen, stabilen Zeit und stand in Kontakt mit anderen Völkern, die nicht aus unserer Galaxie stammen. Ich nutzte die Gelegenheit, um die Entwicklung der Menschheit ausführlich zu studieren. Daher weiß ich, was in der Zukunft passieren wird, auch was die heutigen Ereignisse anbelangt.
Meine Damen und Herren, Sie wissen nun, dass es zwar möglich ist, den heutigen Anschlag zu verhindern, aber es wird dadurch zu anderen Handlungen und damit einhergehend zu noch wesentlich mehr Opfern kommen. Ich werde Ihnen jetzt nicht sagen, wie Sie sich letztendlich entscheiden werden, denn Sie müssen selbst zu dieser Entscheidung finden. Ich weiß aber, dass Sie das Richtige unternehmen werden. Den ersten Schritt in die richtige Richtung haben Sie bereits unternommen, nur allein dadurch, dass heute hier Zauberer und Nichtzauberer gemeinsam nach einer Lösung suchen. Mehr kann ich Ihnen im Moment nicht sagen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit."
Einige Momente lang waren die Anwesenden erneut sprachlos. Dann jedoch brach eine wahre Flutwelle von Fragen an Emrys los, so dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte. Schließlich wurde es Emrys zu viel, und er machte eine kleine, schnelle Handbewegung, und schon herrschte wieder Ruhe im Saal. Er hatte einfach einen Schweigezauber über alle gewirkt. „Ich verstehe es ja, dass Sie viele Fragen an mich haben, aber bitteschön einer nach dem anderen. In Ordnung?" Damit hob Emrys den Schweigezauber wieder auf. Tatsächlich schafften es die Konferenzteilnehmer, sich gesittet zu benehmen. Der erste, der seine Fragen stellen durfte, war Premierminister John Major, denn er war rein technisch gesehen der Ranghöchste der Anwesenden.
„Mr Emrys, Sir, wenn ich Sie richtig verstanden habe, können Sie ungefähr fünfundzwanzigtausend Jahre durch die Zeit reisen, in beide Richtungen. Damit können Sie rein theoretisch fünfzigtausend Jahre erkunden und erforschen, was Sie wohl auch ausgiebig getan haben. Nun stellen sich mir folgende Fragen: Haben Sie bei Ihren Forschungen einen Beweis für die Existenz Gottes gefunden? Welchen Sinn macht die Magie, wenn im Verhältnis zur gesamten Menschheit nur sehr wenige Menschen mit magischen Fähigkeiten gesegnet sind? Und schließlich meine dritte Frage: Warum verfügen Sie als Einziger lebender Mensch über eine derartige Macht, und können sie dennoch nicht so einsetzen wie Sie sich das wünschen?"
Emrys brauchte ein paar Augenblicke, um diese Fragen zu verdauen. Das war schon ein starker Tobak! Aber Emrys wäre nicht er selbst, wenn er nicht auch auf derartige Fragen angemessen reagieren könnte.
„Herr Premierminister, Ihre erste Frage kann und will ich Ihnen nicht beantworten. Jedes Lebewesen muss für sich selbst entscheiden, ob es an eine Gottheit glauben möchte oder halt eben nicht; denn letztendlich ist es dieser Glauben, auf den es ankommt. Eines jedoch habe ich herausgefunden: Es scheint eine Art Schicksal zu geben; einen Weg, der der Menschheit vorgegeben ist. Anders kann ich mir es nicht erklären, warum meine Änderungen im zeitlichen Ablauf solche derart verheerenden Folgen hatten.
Ihre anderen beiden Fragen möchte ich zusammenfassen. Wenn ich es richtig verstanden habe, müssen einst alle Menschen des Typs Homo Sapiens magische Kräfte besessen haben, wenn auch nur sehr schwach ausgeprägt. Heute ist es so, dass immer noch alle Menschen die Voraussetzungen für die Magie in ihrem Erbgut mit sich tragen, aber nur bei den wenigsten treten sie offen zu Tage. Das ist auch der Grund, warum nicht-magische Eltern magisch begabte Kinder haben können; und umgekehrt. Gerade in der britischen magischen Gemeinschaft gibt es seit tausend Jahren die Theorie der Reinblütigkeit – es wird jedoch in absehbarer Zukunft eine Zeit kommen, in der eben diese Theorie und die damit verbundene Lebensweise als absurd und nicht zutreffend erkannt wird. Ich persönliche kenne eine junge Hexe, in deren Familie es seit neun Generationen keine magisch begabten Kinder mehr gegeben hat – diese Familie galt daher als Muggel. Diese junge Hexe jedoch besitzt eine einfach unglaubliche Macht – wenn sie voll ausgebildet ist, dürfte sie wohl sogar unseren guten Albus Dumbledore in den Schatten stellen… Was ich damit sagen will, es kommt nicht auf die Herkunft eines Menschens und auf seine Eltern an, ob er bzw. sie über magische Fähigkeiten verfügt oder nicht. Ich kann Ihnen nicht sagen oder gar beweisen, wodurch dies gesteuert wird."
Sowohl Harry als auch Hermine waren total sprachlos – und Hermine war im Gesicht so rot angelaufen wie noch nie in ihrem ganzen Leben…
„Ich kann Ihnen allerdings sagen, warum es die Magie überhaupt gibt. Dazu muss ich Ihnen jedoch erst erklären, was Magie überhaupt ist, allerdings nur in Kurzform: Die Magie in ihrer Gesamtheit ist keine Laune eines Gottes oder dergleichen, sondern sie ist vielmehr eine Kraft der Natur. Und sie ist scheinbar an unsere Erde gebunden, oder besser gesagt an das Bewusstsein unseres Planeten, an seine Seele. Die Magie ist an nichts anderes als an Gaia gebunden. Auch wenn ich Ihnen das jetzt nicht beweisen kann, entspricht dies dennoch den Tatsachen. Es gab und es wird immer wieder Menschen geben, welche Gaia spüren können. Dies sind immer magisch begabte Menschen.
Diese wenigen Menschen, die Gaia spüren können, sind der wahre Grund, warum es die Magie überhaupt gibt. In unregelmäßigen Abständen gab und gibt es einen Menschen, der in einem ganz besonderen Umfang an Gaia gebunden ist. Dieser eine Mensch ist in seiner Epoche dazu berufen, in Gaias Sinne die Menschheit zu lenken und ihr Überleben zu sichern. Dieser Mensch ist sozusagen der Wächter über die Menschheit, der Auserwählte. Ihm stehen zu jeder Zeit eine unterschiedliche Anzahl anderer Menschen als Helfer zur Verfügung; manchmal nur ein einziger auf einem Kontinent, manchmal mehrere. Niemals jedoch mehr als ein Dutzend. Jeder Wächter muss sich irgendwann zu einem der durch die Magie beherrschten Orte zurückziehen, damit er seinen Auftrag erfüllen kann. Diese Orte sind während dieses Zeitraumes für andere, magisch nicht begabte, Menschen einfach nicht auffindbar. Solche Orte sind zum Beispiel Atlantis oder auch Avalon. Der Wächter hat auch die Aufgabe, seinen Nachfolger zu finden, auszubilden und auf seine Aufgabe vorzubereiten. Der Wächter kann bis zu zehntausend Jahre alt werden, seine Helfer verfügen dagegen wohl nur über eine ungefähr doppelt so lange Lebenserwartung wie 'normale' Magier."
Hier machte Emrys eine kleine Pause, in der er Albus Dumbledore tief in die Augen sah, bis dieser leicht, kaum merklich, nickte.
„Ich bin der derzeitige Wächter. Das ist der Grund, warum ich über eine derartig umfangreiche Macht verfüge, und warum ich mich soweit durch die Zeit bewegen kann. Ich habe mich damals auf Avalon nieder gelassen, daher ist diese Insel für Sie nicht mehr erreichbar. Mir stehen momentan sechs Helfer zur Verfügung – einer pro Kontinent, die Antarktis einmal ausgenommen. Mein europäischer Helfer steht hier neben mir." Damit legte er Dumbledore seine Hand auf die Schulter, was die Anwesenden kollektiv nach Luft schnappen lies. Damit hätte nun keiner gerechnet!
Emrys erwähnte wohlweislich nicht, dass er bereits seinen Nachfolger gefunden und damit begonnen hatte, diesen und dessen Partnerin auszubilden... Schließlich ahnten die beiden (noch) nichts davon!
Nach dieser Offenbarung kamen keine weiteren Fragen mehr – zu sehr waren die Konferenzteilnehmer mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt! Ein jeder wusste jedoch auch, dass er das eben gehörte niemals einem anderen Menschen anvertrauen würde – und Emrys wusste dies ebenfalls, sonst hätte er wohl nichts davon erzählt. Er, Emrys, würde bei den Anwesenden das Gedächtnis ändern, sobald dies hier ausgestanden war. Sorgen machte sich Emrys eigentlich nur um seinen Nachfolger (der bis jetzt noch nichts davon ahnte) und dessen Partnerin – er konnte sehr deutlich ihre Anwesenheit in diesem Raum spüren, auch wenn er sie momentan nicht sehen konnte. Aber er hatte die Signatur ihrer Magie beinahe sofort nach seiner Ankunft hier erkannt…
Emrys gab den Anwesenden noch einige Zeit zum Nachdenken, dann erinnerte er sie wieder an den eigentlichen Grund ihrer Zusammenkunft. Nun jedoch gab es eine wesentlich sachlichere Diskussion, bei der die Teilnehmer versuchten ihre Möglichkeiten abzustecken. Madam Bones war es dann, welche ihre Optionen zusammenfasste: „Wir können also diesen Anschlag nicht ungeschehen machen. Aber ich denke, wir können sehr wohl einen Zeitumkehrer benutzen, um zumindest heraus zu finden, wer dafür verantwortlich ist, damit wir diese Leute zur Rechenschaft ziehen und so vielleicht weitere Anschläge verhindern können. Wir sollten uns zunächst darauf konzentrieren, und dann zu einem späteren Zeitpunkt darüber reden, was wir gemeinsam unternehmen können."
Dies fand eine breite Zustimmung, und so dauerte es nicht mehr lange, bis man sich auf eine Vorgehensweise geeinigt hatte. Ein kleines gemischtes Team aus Zauberern und Muggel sollte einen Zeitumkehrer nutzen und versuchen die Urheber dieses Anschlags herauszufinden und wenn möglich entsprechende Beweise zu sichern. Von Seiten des Scotland Yards stand ziemlich schnell fest, dass es Joseph Whidbey sein sollte. Er würde von einem Video- und Spurensicherungsspezialisten aus seinem Team begleitet werden. Auf der magischen Seite brauchte man etwas länger, bis man zwei geeignete Zauberer gefunden hatte. Als erster wurde Kingsley Shaklebolt nominiert. Aber über den zweiten Zauberer war man sich längere Zeit uneinig, bis Dumbledore schließlich einen Vorschlag machte.
„Ich möchte Ihnen einen Mann vorschlagen, der schon sehr oft seine Loyalität und seine Besonnenheit bewiesen hat. Er ist ebenso wie Mr Shaklebolt kampferfahren und kennt sich mit den Dunklen Künsten sehr gut aus, denn er unterrichtet zurzeit in Hogwarts das Fach Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Zudem verfügt er als Werwolf über ausgezeichnete Sinne, was uns hier nur zu Gute kommen kann. Ich möchte Ihnen Mr Remus Lupin vorschlagen."
Ein Werwolf? Ob das gut gehen würde? Die Mitglieder des Zaubergamots waren sich nicht sicher, ob er der geeignete Mann wäre. Die Ministeriumsmitarbeiter waren noch unsicherer, kannten sie doch die Vorbehalte gegen Werwölfe am besten – schließlich hatten nicht wenige von ihnen in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass die Werwölfe so sehr geächtet wurden wie es zur Zeit der Fall war. Verunsichert sahen sie zu ihrem Chef, Minister Fudge. Doch dieser hatte im Moment andere Probleme – er hatte so ziemlich daran zu knabbern, was er heute von Emrys erfahren hatte. Hatte er vielleicht doch den falschen Weg mit seiner Politik eingeschlagen?
Als Fudge schließlich angesprochen und um eine Meinungsäußerung gebeten wurde, überraschte er alle mit seiner Reaktion: „Ich vertraue dem Urteil von Madam Bones", war alles, was er dazu sagte. Manch einer seiner Mitarbeiter sah ihn verwirrt an, doch Amelia quittierte seine Äußerung mit einem Lächeln und einem leichten Kopfnicken. „Ich stimme für Mr Lupin"; sagte sie mit fester Stimme, und niemand wagte es ihr zu widersprechen.
Nachdem die Entscheidung gefallen war, konnte man sich schnell auf die weiteren Modalitäten einigen. Einer der Unsäglichen wurde los geschickt, um einen geeigneten Zeitumkehrer zu holen; Dumbledore schickte eine Nachricht an Remus, und Joe Whidbey schickte nach seinem Techniker.
Als alle wieder anwesend und Remus und der Techniker begrüßt worden waren, einigte man sich auf die Aufgaben, welche die „Erkunder" zu erledigen hatten – was sie tun durften und vor allem was sie nicht durften. Nachdem Remus, Kingsley, Joe und Will – der Muggel-Techniker – genaueste Instruktionen erhalten hatten, sah Dumbledore auf seine Uhr. „Es ist jetzt 01:35 Uhr. Ich schlage vor, ich gehe jetzt mit unseren 'Erkundern' ins Nebenzimmer und schicke sie auf die Reise. Wenn wir den Zeitumkehrer richtig einstellen, sollten sie etwa drei Stunden vor dem Anschlag vor Ort sein, damit sie eventuelle Vorbereitungen noch mit beobachten können. Remus, ich gebe dir einen Portschlüssel mit, damit solltet ihr bis zwei Uhr 'normaler' Zeit wieder hier sein."
So wurde es dann auch gemacht. Der Techniker nahm seinen Rucksack und seinen Koffer, in dem er seine Ausrüstung verstaut hatte. Remus übernahm den Portschlüssel und eine magische Kamera des Ministeriums, ebenso Kingsley. Mögliche Beweise sollten fotografisch festgehalten werden. Gemeinsam mit Albus Dumbledore gingen sie dann ins Nebenzimmer, unsichtbar gefolgt von zwei wissbegierigen Schülern…
„Es ist getan, sie sind unterwegs", sagte Dumbledore, nachdem er wieder in den Sitzungssaal zurückgekehrt war. „Jetzt heißt es nur noch warten, bis sie wieder zurück sind."
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