Geschätzte Leserschaft,

hier kommt also das letzte Restchen dieser Geschichte, die damit vorerst abgeschlossen ist. Ich danke allen, die sie bis hierher begleitet haben. Bedauerlicher Weise scheint es, als hätte gerade das Ende nicht alle Leserwünsche befriedigt, ich hatte selten so viele kritische Stimmen, und das ist schade nach einem Projekt, an dem ich so viel getüftelt habe. Natürlich fehlen geschätzte drei Kapitel: ursprünglich geplant war, Sirius' „Erinnerungsreise" zu erzählen (je ein Kapitel Hogwarts, Azkaban und Nr. 12), das habe ich nun vorerst aus Zeitgründen gestrichen. Ich kann mich einfach nicht vom hauptberuflichen Schreiben erholen, indem ich in meiner Freizeit Fanfictions schreibe.

Möglicher Weise werde ich die fehlenden Kapitel gelegentlich nachtragen (dazu dann diesen Epilog löschen und am Schluss wieder on stellen). Ich würde es schade finden, eine an sich gelungene FF durch einen krummen Schluss abzuwerten. Aber urteilt selbst.

Erneuter Dank gebührt an dieser Stelle wieder Slytherene, der überschallschnellen Betaleserin.

Ein letzter Soundtrack: Sixpence non the richer, Kiss me.

Ein letzter Disclaimer: alles erkennbar Harrypottersche gehört JKR, und das, obwohl sie nie ein so schönes Happy End hinkriegen wird. Denkt an meine Worte. Wir sprechen uns Ende Juli.

So, Bruschetta für alle, und los geht es.

Epilog: Blick nach vorne

Padfoot ist im Himmel. Im Hundehimmel, so weit er das beurteilen kann. Moony ist glücklich, Lila ist glücklich, der Welpe ist glücklich und wahnsinnig aufgeregt, und Frauchen trägt Stiefel unter ihrem Rock, die so unglaublich gut nach Lederfett duften (und ein winziges bisschen nach Pferd), dass er sich schwer beherrschen muss, nicht ganz zart an den Falten herum zu kauen, die sie am Knöchel werfen. Er lässt es: er weiß, sein Hundeglück hätte ein Ende, würde er es wagen. Moony, Lila und Melodie haben alle Hände voll zu tun und keine Zeit, ihn ausgiebig zu kraulen, aber dafür sind ja offensichtlich all die anderen netten Leute da: Harry und Cho und Molly und Ginny und eine lichtblonde Sirene, nein, Veela, vor der Padfoot sich schon mehrmals auf den Rücken geschmissen hat, weil ihr Anblick und ihr Duft ihn einfach umhaut. Außerdem noch Antonia, die eine talentierte Kraulerin ist, obwohl die Zwillinge in ihrem Bauch ihre Bewegungsfreiheit erheblich einschränken, und Tonks, die er zum Glück am Geruch erkennt, denn sie trägt die Nase stupsig und gepierced und die bonbonrosa Haare zum Irokesen aufgestellt. Von McGonagall hält er sich fern. Sie hat sich ein drittes, hölzernes Bein zugelegt, das sie in der Hand hat, es ist sehr dünn und hat oben einen Griff, und sie braucht es zum Laufen. Padfoot ist nicht sicher, ob sie nicht auch damit nach ihm werfen würde: ihre katzenhafte, wachsame Aura ist ungebrochen. Dann lieber Moody, von dessen Holzbein keine Gefahr ausgeht, der ihn allerdings auch nicht kraulen will. Er hat es gerade wieder ergebnislos versucht, als Moony sich durch einen Haufen Italiener schiebt und vor ihm in die Knie geht.

Padfoot hechelt glücklich – bis Moony ihn bei den Ohren nimmt und sanft daran zieht.

„Aus dem Hund" befiehlt Moony. „Jetzt. Du hast dich lange genug vor der Arbeit gedrückt."

Padfoot jault und will sich auf den Rücken werfen, aber Moony lässt seine Ohren nicht los, und so macht Padfoot ziemlich ungeschickt Sitz.

„Hopp" sagt Moony.

Padfoot gibt ein Hundeseufzen – Menschenseufzen von sich und erhebt sich vom Fußboden.

„Was soll ich machen?" fragt er.

„Du meinst, was sollst du zuerst machen?" sagt Moony. „Zuerst, hol Stella unter dem Buffet raus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie das Tischtuch runter reißt mit allem, was drauf steht. Dann mach ein Schild mit der Aufschrift Geschlossene Gesellschaft und häng es an die Tür, damit uns nicht ständig Passanten in den Laden laufen. Dann sieh nach den Getränken, und ich glaube, wir haben nicht mehr genügend Gläser. Dann…"

„Reicht! Soll ich mir das alles merken, oder was!"

„Mach dich einfach irgendwie nützlich, Pads. Das kann doch nicht so schwer sein."

„Aye, Aye, Capt'n!"

Sirius zieht Leine und fischt Stella unter dem Tisch hervor, wo sie bereits begonnen hat, sich an den Tischbeinen hoch zu ziehen.

„Braves Mädchen" sagt er zu ihr, obwohl sie lautstark protestiert. „Auf allen Vieren musst du immer zusehen, dass keiner dich tritt." Mit Schwung setzt er sie sich auf die Hüfte und organisiert sich Stift und Papier vom Tresen. Dahinter wirbelt Emilia zwischen Kaffeeautomat und Bruschetta. Ihre Wangen glühen, und ihre Haare sehen aus, als hätte sie in die Steckdose gefasst.

„Wir brauchen noch Rotwein" sagt sie über die Schulter. „Heilige Maria und alle ihre Kolleginnen! Wer hätte gedacht, dass so viele Leute kommen."

„Ich" sagt Sirius. „Allein mit Weasleys kannst du den Laden voll machen. Jetzt, wo die alle heiraten… wie viele Enkel hat Molly mittlerweile? Sieben oder acht?"

„Kommt hin" sagt Emilia und ordnet Espressotässchen auf ein Tablett.

„Und die ganzen Italiener" sagt Sirius. „Möchte wissen, wer die alle eingeladen hat."

„Und all die hübschen Damen aus dem Falkenorden, alle unter Dreißig" sagt Emilia. „Wer hat die wohl eingeladen?"

Sirius macht ein unschuldiges Gesicht und grinst, während er Geschlossene Gesellschaft auf den Zettel schreibt, und darunter: Hübsche junge Damen ohne männliche Begleitung herzlich willkommen.

Keine zwanzig Minuten später hängt der Zettel an der Ladentür. Sirius nimmt Remus' Auftrag sehr ernst, und was könnte nützlicher sein auf einer Party, als bei den Gästen Frohsinn zu verbreiten? So muss er sich auf dem Weg zur Tür mit Harry über die jüngsten Bewerbungsgespräche austauschen („Man sollte meinen, es würde einem einen Vorteil verschaffen, wenn man mal die Welt gerettet hat" stöhnt Harry. „Pustekuchen!"), sich von Emilias Schwägerin Angela aus der Oberpfalz eine unverständliche Geschichte anhören, das Bruschetta auf dem Teller des Tränkemeisters in einen Ochsenfrosch verwandeln, mit der Veela flirten, Bill Weasley beruhigen, Tonks' neuen Freund begrüßen (der eine Frisur hat, zu deren Herstellung normale Menschen eine Handvoll Zauber brauchen), Mundungus Fletcher klar machen, dass auch er die Bücher in diesem Laden bezahlen muss, wenn er sie mitnehmen will, und dass es nur das Essen, nicht aber die Teller umsonst gibt, und bei allen Anwesenden seine kleine Tochter herum zeigen, die mittlerweile stumm und mit riesigen himmelblauen Augen auf seinem Arm sitzt. Irgendwann scheint sie aber genug vom weiblichen Begeisterungsgezwitscher zu haben, das ihren Auftritt überall begleitet, und beginnt zu quengeln und an Sirius' Haaren zu ziehen.

Sirius sucht Melodie. Er findet sie im regen Gespräch mit Angelina und Sabine Schwarz und nicht im Geringsten bereit, das unruhige Baby zu übernehmen.

„Du machst das schon, mein Stern" sagt sie und haucht ihm einen Kuss über die Lippen. Sirius seufzt und transfiguriert aus einem Kugelschreiber ein Hundespielzeug für die Kleine. Sie nimmt es mit Begeisterung entgegen und beginnt sofort, darauf herum zu kauen. Erleichtert schiebt Sirius das Baby in seinen Armen zurecht und kehrt zu seinen Pflichten zurück.

Der Zettel hängt gerade, als Sirius auf der anderen Seite des Raumes Remus gegen sein Glas klopfen hört.

„Darf ich um eure Aufmerksamkeit bitten?" sagt Remus, bevor er von Fred und George übertönt wird, die Zimmerkracher starten lassen und „Eine Rede! Eine Rede!" skandieren, bevor sie von Arthur zum Schweigen gebracht werden.

Einstweilen klettert Remus auf einen Stuhl und lächelt auf die Anwesenden hinunter. Er sieht müde aus, aber glücklich und voller Leben. Die körperliche Betätigung im Laden und regelmäßige Wolfsfütterungen haben seiner Erscheinung Substanz verliehen, das blasse Gespenst von früher ist verschwunden.

„Emilia und ich" sagt er, als er sich wieder verständlich machen kann, „sind sehr glücklich, dass ihr alle so zahlreich – überraschend zahlreich, wie ich zugebe – erschienen seid, um an diesem wichtigen Abend mit uns zu feiern."

Applaus, und Remus dreht sein Glas zwischen den Fingern, bis wieder Ruhe eingekehrt ist.

„Es war ein langer Weg, der uns bis hierher geführt hat. Viele von euch sind ihn mit uns gegangen, und ihr alle wisst, dass ich ohne euch nie den Mut gehabt hätte, ihn zu gehen. Das gilt insbesondere für Emilia, die von Anfang an begeistert von der Idee war, und ohne deren Mut und Beharrlichkeit ich heute sicher nicht hier stehen würde."

Erneuter Applaus. Remus und Emilia teilen ein Lächeln, das den Raum überspannt.

„Am Anfang stand die Idee, sich selbständig zu machen" fährt Remus fort. „Eine befriedigende Arbeitssituation zu schaffen, die wir auf unsere… zeitlichen Vorgaben… abstimmen können. Eine Nachhilfeschule war im Gespräch, aber unter den Muggeln ist die Wettbewerbslage sehr angespannt, und in der Zaubergesellschaft… nun, sagen wir, Babenberg ist nicht London. Dann kam die Gelegenheit, diesen kleinen Laden zu mieten und ein Cafe daraus zu machen. Emilia hat lange genug in der Gastronomie gearbeitet, um eine kleine Küche betreiben zu können, und ich… nun, ihr wisst alle, dass ich die meiste Berufserfahrung als Kellner gesammelt habe."

Nicken und bedauerndes Lächeln unter den Gästen, mit Ausnahme des Tränkemeisters, der seiner schönen Begleiterin etwas ins Ohr flüstert. Sie hat ein bisschen Ähnlichkeit mit Emilias Mutter, findet Sirius, nur jünger, und sie ergänzt das unterkühlte Auftreten des Tränkemeisters mit mediterranem Charme. Sirius grinst. Sie ist definitiv der schönere Teil des Paares.

„Dann kam die Frage, worin sich unser Cafe von den vielen anderen in der Innenstadt unterscheiden soll" fährt Remus fort. „Italienische Küche stand schnell fest, außerdem eine umfangreiche Teekarte und eine breite Auswahl an internationalen Zeitungen, was mein Wunsch war. Die zündende Idee kam schließlich von Sirius: ein Lesecafe, oder ein Antiquariat mit Teeausschank, wie man es betrachtet."

Erneut Applaus, und Sirius strahlt, als sich alle Köpfe ihm zuwenden.

„Danke" sagt er mit betonter Bescheidenheit. „Man tut, was man kann."

„Ihr wollt nicht wirklich wissen, wie viel Arbeit es war, von der Idee bis zum fertigen Laden, der morgen früh öffnet. Welche bürokratische Odyssee nötig war, die zum großen Teil mein Schwiegervater Konrad auf sich genommen hat."

Applaus, und Emilias Vater verbeugt sich ungelenk.

„Wie viele Wochen wir ohne Pause mit dem Umbau beschäftigt waren: dank Daniele habe wir elektrisches Licht und dank Leo Farbe an den Wänden. Dank Mundungus haben wir eine Kücheneinrichtung – und dank der Sammelleidenschaft der Familie Black Mobiliar…"

Gelächter. Sirius lächelt. Er hat sich zuerst sehr daran gewöhnen müssen, die Stühle, Teetischchen und Bücherregale aus Nummer Zwölf hier im Laden zu sehen, aber abgebeizt, gestrichen und frisch bezogen erinnern sie kaum an die dunklen, staubigen Möbel aus seiner Vergangenheit.

Was vermutlich für Nummer Zwölf ebenso zutrifft, denkt Sirius. Er ist seit damals nicht dort gewesen, aber seit Charlie mit seiner schwedischen Verlobten Selma dort eingezogen ist und eine bunte Wohngemeinschaft mit Tonks und ihrem Frisurenfuzzi plant, muss das Haus sich sehr verändert haben. Vielleicht kann er bald den Mut finden, den Freunden dort einen Besuch abzustatten.

Er hat einen Teil von Remus' Rede verpasst, stellt er fest, als er sich wieder zuschaltet.

„… wird Jerôme eingeschult" sagt Remus gerade. „Auch das ist ein großes Ereignis. Stella wird im Herbst ein Jahr alt… und die Tränkemeisterei wird demnächst eine Filiale in Deutschland eröffnen. Auch hierzu meinen herzlichen Glückwunsch."

„Danke" sagt Severus unbewegt. „Ich eröffne in Berlin. Weit genug entfernt. Niemand muss sich Sorgen machen."

Erneut Gelächter und Applaus.

„So" sagt Remus. „Diese Rede war lang genug. Nochmals danke für euer Kommen, und amüsiert euch gut."

Der begeisterte Applaus lässt darauf schließen, dass die Gäste genau das vorhaben. Remus klettert von seinem Stuhl und verschwindet in einer Traube aus Gratulanten, aus der er sich mühsam zu Emilia hinter die Theke rettet. Emilia lächelt und zieht ihren Mann in einen innigen Kuss, während sie gleichzeitig mit der freien Hand zielsicher Jerôme von der Zapfanlage pflückt, mit der er vorhin schon eine Coca-Cola-Überschwemmung angerichtet hat.

„Guh" sagt Stella und greift mit ihren Händchen in Sirius' Gesicht. „Baaah."

„Gute Idee" sagt Sirius und drückt ihr einen Kuss auf die winzige Handfläche. „Gehen wir die Mama suchen."

Ein leises Klopfen hält ihn zurück. Zwei junge Blondinen stehen vor der Ladentür und spähen durch die Scheibe ins Innere.

Sirius rückt Stella auf seiner Hüfte zurecht und reißt die Tür auf.

„Hallo, Ladys" strahlt er. „Willkommen im Moon's."