Teil 5

Schnaubend lief Dr. Snape durchs Treppenhaus. Mit der Lovegood hatte er mal wieder seine Zeit verschwendet. Und die Sprüche, die sie immer wieder mit pathetischer Stimme von sich gab, waren richtig unheimlich, vor allem im Lichte dessen betrachtet, was er wusste.

Er seufzte.

Wenn nur dieser Potter nicht so unglaublich dämlich gewesen wäre! Er hatte sich solche Mühe mit ihm gegeben, schließlich war Potter nach allem, was seine Krankenakte hergab, das geradezu perfekte Werkzeug für seine Pläne. Aber nach der vierten Sitzung hatte er immer noch nicht feststellen können, dass bei dem irgendwas auf fruchtbaren Boden gefallen wäre.

Er seufzte noch tiefer.

Das Problem mit Potter war, dass er ihn einfach nicht ertragen konnte. Die ständig aufflammende Empörung in diesen grünen Augen – den Augen übrigens, die ihn erst auf die Fährte jener ungeheuerlichen Entdeckung gebracht hatten, von der er sich immer noch nicht erholt hatte! – diese Empörung also in Verbindung mit einer einfach gloriosen Begriffsstutzigkeit, das machte ihn schlichtweg rasend. Jedes Mal, wenn er eine Sitzung mit Potter gerade eben noch hinter sich gebracht hatte, ohne dem Bengel an die Gurgel zu gehen, musste er sich für ein, zwei Stunden am Flügel austoben. Den hatte ein wohlmeinender, aber schlecht beratener ehemaliger Patient aus Dankbarkeit dem Institut gespendet, und seitdem fristete er ein trauriges Dasein im nie benutzten Musikzimmer neben dem Konferenzraum. Da seine Künste am Klavier bei den Kollegen nicht eben geschätzt waren, führte Dr. Snapes furioses Entspannungsritual unweigerlich zu weiteren Problemen.

Dr. Snape seufzte nicht mehr, er zischte.

Leider waren seine musikalischen Talente nicht die einzigen, die in dieser Einrichtung nicht gebührend gewürdigt wurden. Ha! Diese Idioten! Mochte er in ihren Augen jetzt vielleicht nur ein Giftzwerg mit falsch gebundener Krawatte sein – der Tag würde kommen, da würden sie alle, ALLE anerkennen müssen, wer er wirklich war!

Ihr werdet schon sehen, dachte er mit grimmigem Lächeln, als er durch die Gartentür hinaus stürmte. Eines Tages werdet ihr's schon noch kapieren! Und dann werdet ihr ganz schön blöd gucken.

Aber jetzt musste er sich erst mal auf seine Rede konzentrieren. Auch wieder so etwas. Das hatte ihm Malfoy aufgedrückt, der eigentlich hätte sprechen sollen, als Oberarzt. Aber der hatte natürlich Wichtigeres zu tun. Und jetzt hatte er nicht mal mehr Zeit, sich den Kram noch mal anzusehen.

Verdammt, da drüben saßen schon jede Menge Leute vor der Bühne und warteten darauf, dass es losging!

Er eilte so schnell und so würdevoll wie möglich über die Wiese und überholte dabei ein langsamer gehendes Paar, in dem er zu seinem Ärger Lestrange und Malfoy erkannte. Was machte der denn jetzt noch hier? Dann hätte er seine Rede ja wohl auch noch selbst halten können!

Unauffällig verlangsamte er sein Tempo ein wenig, um etwas vom angeregten Gespräch der beiden aufzufangen.

"Ich habe die Unterschriften", sagte die Lestrange eben. "Die Alte hat sich zwar ein bisschen geziert, aber ich konnte sie überzeugen, dass es das Beste für ihren Neffen ist. Phase Sechs kann also beginnen, sobald sich der Trubel heute gelegt hat!"

"Wie erfreulich für den Chef", erwiderte Malfoy. "Dann hat er es ja bald geschafft. Und nun – du wirst mich entschuldigen – ich habe einen unerwarteten Termin, der noch einige – äh – Vorbereitung erfordert."

"Was, jetzt? Musst du nicht die Begrüßungsrede halten?"

"Übernimmt Snape."

"Du hast es wirklich raus, wie du hier eine ruhige Kugel schieben kannst, Lucius!", sagte Lestrange nicht ohne Anerkennung.

"Nicht gerade eine Kugel, Beatrice!", stellte Malfoy anzüglich klar und wollte zum Hauptgebäude abbiegen.

"Oh, Lucius, bevor ich es vergesse – deine Tante hat eben angerufen. Sie kommt nun doch schon morgen", rief Dr. Lestrange ihm nach, wobei auf ihrem Gesicht unterdrückte Schadenfreude und ein beinahe echter Ausdruck von Mitgefühl um die Vorherrschaft rangen.

"Monica?! Morgen schon –?! Ich werde nie verstehen, wieso der Chef ausgerechnet die alte Schachtel als Supervisorin eingesetzt hat!"

"Ich will dir ja nicht die Festtagslaune verderben, aber wir sollten uns ihren Lieblingsfall vorher unbedingt noch einmal ansehen."

"Wie wahr. Aber – später, meine liebe Bea. Jetzt gibt es Vordringlicheres!"

Snape legte die letzten Meter zur Bühne mit einem Gebrodel verschiedenster Gefühle im Bauch zurück. Phase Sechs stand unmittelbar bevor! Und dieser verstockte Potter hatte immer noch nicht kapiert –! Und er musste jetzt Malfoys Rede halten, damit der mal wieder irgendeine Nummer schieben konnte! Es war einfach unglaublich, was ihm hier immer wieder zugemutet wurde!

Knirschend vor Wut betrat er das Podium. Als er in der ersten Reihe die Vorsitzende des Stiftungsvereins entdeckte, die die nächste Rede halten sollte, ging ein Teil seines Ärgers in hämisches Vergnügen über. Sie rutschte schon ganz ungeduldig auf ihrem Stuhl herum und hantierte mit einem Stapel Papier.

Da kann ich die letzten Sätze ja beruhigt weglassen, dachte er. Die Burkes lässt sicher nichts ungesagt!

"Ich begrüße Sie im Namen der Klinikleitung zum diesjährigen Sommerfest", sagte er also und ließ den Blick streng über die Versammelten gleiten. "Und nun überlasse ich das Wort Ms Rhonda Ann Burkes vom Stiftungsverein."

Und während Ms Burkes – von der Knappheit des Vorredners ebenso überrascht wie entzückt – aufsprang, ihre Papiere verlor und wieder einsammelte, verließ Dr. Snape mit gemessenen Schritten das Podium und setzte sich auf den letzten leeren Platz in der ersten Reihe, dicht bei einem der farbenfrohen Blumenkübel, was er allerdings zu spät registrierte. Die erste Welle des feindlichen Angriffs erreichte ihn, als die Burkes endlich oben stand und ihre Blätter auf dem Pult sortierte.

oooOOOooo

Sarah hatte es eben aufgegeben, weiter auf Hermione zu warten. Vor einer Viertelstunde hatte sie verkündet, sie müsse noch etwas wegen der Theateraufführung klären, und seitdem war sie verschwunden. Sarah suchte sich einen guten Platz, der zufälligerweise genau hinter der versammelten Familie Weasley lag, warf einen zweifelnden Blick auf ihr Handy und schaltete es stumm. Der erste Redner war Dr. Snape.

Finsterer Typ, dachte sie, als er nach seinem Satz die Bühne verließ. Und die Krawatte ist hundertprozentig von Woolworth. Aber wenigstens fasst er sich kurz. Sie ließ ihren Blick zu dem weit gefälligeren Anblick schräg vor ihr zurückkehren, wo Bill Weasley zwischen seiner Mutter und seiner Schwester saß.

Als die grauhaarige Frau vom Stiftungsverein mit mädchenhaft hoher Stimme zu sprechen begann, machte sie sich seufzend auf eine längere Sitzung gefasst.

"Ich darf mich der Begrüßung unseres lieben Dr. Snape anschließen, der mit der Würze der Kürze hoffentlich Ihren Appetit auf mehr angeregt hat!", zwitscherte sie los und warf einen schelmischen Blick in die erste Reihe hin zu ihrem Vorredner. "Was für ein wundervoller Tag für unser Fest! Und wie schön, dass Sie so zahlreich –"

Sie wurde von einer Salve von explosionsartigen Niesanfällen unterbrochen und blickte nun strafend ans Ende der ersten Stuhlreihe.

"Verzeihung! Das sind – die Lilien –", keuchte Dr. Snape von dort und stand auf. "Ich halt' das Zeug einfach nicht aus!" Geduckt huschte er so weit weg von den Blumenkübeln wie möglich und blieb dort stehen. Die bunten Gartenlilien verströmten derweil ihr unsichtbares Gift in ungestörter Pracht weiter, und Ms Burke nahm den Faden wieder auf.

"Im Namen des Stiftungsvereins möchte ich mich nun erst einmal ganz herzlich bei unseren Gastgebern bedanken, die uns heute ein so wundervolles Willkommen bereitet haben!", rief sie enthusiastisch. "Beglückt dürfen wir hier an allen Ecken und Enden sehen, wie segensreich Ärzte und Therapeuten mit unseren Kindern arbeiten – hier inmitten der heilsamen Natur. Wir durften uns umsehen in dieser – nein, ich will diese Einrichtung gar nicht Klinik nennen, denn sie ist ja so viel mehr – sie ist eine Heimat geworden, ein Zufluchtsort – ja, lassen Sie es mich einmal poetisch formulieren: Dieser Ort hier ist eine goldene Festung für die angeschlagenen Seelen unter uns, die –"

Oh mein Gott, dachte Severus Snape hinter seinem Taschentuch und verdrehte die Augen.

Eher die Gans, die goldene Eier legt, dachte Beatrice Lestrange und sah aus wie eine Katze, die eben einer Maus den Kopf abgebissen hat.

"Der Esel, der Goldstücke scheißt!", brüllte es in diesem Moment von hinten, und alle Köpfe wandten sich um. "Das isses, wassiese Bude hier in Wirklichkeit is! Lassen Sie sich nicht für blöder verkaufen als Sie sind! Ich könnt' Ihnen Sachen erzählen –"

Remus Wolfe stolperte durch den Mittelgang zwischen den Stuhlreihen, und auch ohne die fast leere Flasche in seiner Rechten hätte kein Zweifel über seinen Zustand bestanden.

"Mr Wolfe – nun warten Sie doch – Sie können doch nicht –" Von einer der hinteren Reihen war die Sekretärin McGonagall aufgesprungen und hastete dem Stolpernden hinterher.

"Fragen Sie doch mal die da da vorne, wassie –", sprudelte Wolfe hervor, aber da packte ihn Minerva McGonagall energisch am Arm und zog ihn mit sich fort.

"Nun lassen Sie sich doch nicht so gehen!", sagte sie leise.

"Mirissoschlecht!", war – glücklicherweise – das Letzte, was die Zuhörer von Remus Wolfe hörten, bevor Rhonda Ann Burkes sich mit Nachdruck räusperte und die Köpfe sich wieder nach vorne drehten.

Burkes sandte dem Betrunkenen noch einen Blick voll empörtem Tadel hinterher und nahm dann ihre zum zweiten Mal unterbrochene Rede wieder auf.

Es war ziemlich heiß, und die Stimme der Rednerin wurde zu einem monotonen Hintergrundgeräusch, während Sarah in einer Art Lähmung versank und die Steckmücke beobachtete, die auf Molly Weasleys Nacken landete und zustach – den Schweißtropfen, der hinter Bill Weasleys niedlichem Ohr herabrollte – das wiederholte Aufblitzen der Uhr am schmalen Handgelenk der Weasley-Schwester, wie immer sie nun auch heißen mochte –

Sie schreckte auf, als sich das Licht veränderte: Die Schatten waren auf einmal nicht mehr scharf umrissen, sondern weich und verschwommen. Als Sarah aufblickte, sah sie, dass ein Heer kleiner Wölkchen aufgezogen war und nun die Sonne erreicht hatte.

Gleichzeitig schnurrte es in ihrer Tasche los. Sie hatte das Handy auf Vibrationsalarm gestellt. Seufzend beschloss sie, es noch einmal zu ignorieren. Irgendwann würde ja wohl auch diese Rede ein Ende nehmen.

oooOOOooo

Eine Ewigkeit später stand Sarah am Buffet, knabberte an einem Möhrenschnitz und kam sich ziemlich verloren vor. Sie hätte diesen Tag nutzen und sich endlich einmal richtig mit Hermione unterhalten sollen, das wusste sie. Im Gewimmel um das Buffet und den Grill hatte sie vergeblich nach ihr Ausschau gehalten, und jetzt stand sie hier und wurde allmählich verdrießlich.

In dem Moment, in dem sie sich zu einer gründlichen Suche nach Hermione entschloss, entdeckte sie Bill Weasley, der gerade skeptisch die Rohkostplatte betrachtete. Dann nahm er sich hastig das letzte verbliebene Fleischbällchen von der Platte daneben und bemerkte ihren Blick exakt in dem Moment, in dem er es mit einem einzigen Biss verschlingen wollte.

Die Folge war ein heftiger Hustenanfall von seiner und ein nur mit heroischer Anstrengung bezwungenes wildes Gelächter von ihrer Seite. Als er mit hervorquellenden Augen in seinen Hosentaschen nach einem Taschentuch zu suchen begann, erbarmte sie sich, zog ein Kleenex aus ihrer Handtasche und gab es ihm.

"Danke, Ms – äh, Granger!"

"Nicht mehr Granger", rutschte es ihr heraus, bevor sie es verhindern konnte. "Ich – ach, nennen Sie mich einfach Sarah."

"Sarah, schön, ich bin Bill. Nachdem hier nun alles kahl gefressen ist – was halten Sie von einem kleinen Spaziergang? Meine Mutter wartet mit Ron auf die Torten, und Ihre Tochter hat Sie anscheinend auch versetzt! Ich zeig Ihnen das Gelände, wenn Sie mögen."

"Gern", erwiderte sie mit einem Herzklopfen, das die letzten Nachwehen des Gelächters endlich erfolgreich vergehen ließ.

"Durch die Felder hier gibt es einen ganz netten Weg."

Die Wölkchen, die vorhin während Ms Burkes langer Rede aufgezogen waren, hatten den Himmel inzwischen mit einem weißlichen Dunst überzogen. Der leichte Wind vom Morgen hatte sich gelegt, und auf einmal herrschte brütende Stille über den Feldern, die die Klinik umgaben. In den Grasstreifen entlang des Feldweges schrillten die Grillen, und Sarah wurde mit einem Mal seltsam beklommen zumute. Der Weg stieg langsam an, und nach einer Weile erkannte sie, dass der dunkle Umriss vor dem noch dunkleren Wäldchen oben auf dem Hügel ein Gebäude war.

Es war so heiß, dass ihr die Bluse am Rücken zu kleben begann. Verflixt, warum fiel ihr jetzt bloß nichts ein, was sie hätte sagen können? Der junge Mann neben ihr ging so munter drauflos, dass sie sich auf einmal auch noch an ihr Alter erinnert fühlte.

Das Gebäude, das immer düsterer aussah, je näher sie kamen, erwies sich als eine alte Scheune. Es war seltsam still hier oben, fiel Sarah auf. Das Holzgebäude stand da wie ein Tier, das sich zum Sprung niedergekauert hat. Sie hatte auf einmal eine Gänsehaut auf den Armen.

"Düster, was?", sagte Bill lässig. "Die Leute hier in der Umgebung nennen es die heulende Hütte. Sagen, hier spukt es."

"Na, herzlichen Dank. Mir war schon vorher irgendwie unheimlich. Aber jetzt –"

"Ach, das ist doch Quatsch", lachte er, und der Anblick seines lachenden Gesichts unter diesem unglaublich roten Haar und die Art, wie sich das weiße Hemd über seinen Oberarmen spannte, bewirkte, dass sie sich plötzlich ganz schwach fühlte. "Kommen Sie, wir sehen mal rein! Das ist nur 'ne alte Scheune, und da drin ist es im Moment auf jeden Fall kühler als hier draußen."

Und als er die knarzende Tür aus altersschwarzem Holz aufzog, folgte sie ihm mit klopfendem Herzen.

oooOOOooo

Drago Malfoy warf dem abgeräumten Buffet nur einen sauren Blick zu, dann machte er kehrt und entschwand über die Wiese. Er hatte sich die Reden angehört, das reichte ja wohl. Jetzt hatte er sich ein bisschen Freizeit verdient! Er ging am Pferdestall vorbei in Richtung Weide. Er musste dringend nachdenken. Die kleine Französin hatte seine Einladung zu einer Motorradfahrt am Nachmittag bereitwillig angenommen. So weit, so gut. Er fuhr zwar ziemlich schlecht und eher ungern, aber die Hühner flogen nun mal auf Motorräder – und auf die Männer, die sie fuhren. Außerdem fand er sich selbst unwiderstehlich cool in seiner schwarzen Lederkluft. Wenn die Weiber nur nicht immer so vorhersehbar gewesen wären! Er wusste genau, wie das ablaufen würde. Sie würden rumfahren, sie würde kichern und sich an ihm festhalten. Und dann würden sie natürlich rein zufällig oben bei der Hütte vorbeikommen.

Drüben am Zaun stand die zottelhaarige Hexe aus Abteilung Zwei. Drago hielt immer vorsichtigen Abstand zu ihr, seit sie ihm einmal völlig unerwartet mitten in einer Sitzung, bei der er nur als Zuhörer anwesend gewesen war, eine reingehauen hatte. Reingehauen? Sie war ihm quasi ins Gesicht gesprungen und hatte ihm angedroht, ihm die Nase abzubeißen!

Vollkommen verrückt, das Stück. Erstaunlich, dass die hier so unbeaufsichtigt übers Gelände gehen durfte! Und – war der Knabe da neben ihr nicht dieser Typ aus Abteilung Eins – der mit diesen unwahrscheinlich grünen Augen?

Halt, dachte er erschreckt. Hab ich das jetzt gerade wirklich gedacht?

Er fühlte, wie ihm der kalte Schweiß ausbrach.

Es war alles umsonst. Es gab keine Rettung für ihn. Ganz egal, wie gut Fleur delaCoers Französisch war.

oooOOOooo

Das schwarze Pony stand am Zaun und zermalmte genüsslich die Zuckerstücke, die es soeben bekommen hatte.

"Damit tust du dem aber auch keinen Gefallen", sagte Harry mit einem kritischen Blick auf die langen gelben Zähne.

"Er liebt Zuckerstücke!", sagte Hermione bestimmt. "Und wenn er den ganzen Tag diese Psychos hier rumschleppen muss, hat er doch ein bisschen Verwöhnung verdient. Nicht wahr, Dark Lord, hm, mein Süßer?"

Sie tätschelte dem Tier die lange dunkle Nase, und Harry verzog entnervt das Gesicht. "Uärgh, hör doch bloß mit diesem Getue auf! Was ist jetzt, kommst du nun mit?"

"Ich kann nicht, Harry! Ich muss gleich bei diesem bescheuerten Theaterstück mitmachen!"

"Vergiss doch den Quatsch! Das hier ist viel wichtiger."

"Ist dir klar, dass ich deinetwegen gerade das Buffet verpasst habe? Erst diese idiotische Besprechung mit Trelawney und jetzt auch noch du –"

"Bitte, Hermione!"

"Nur in den Keller runter?"

"Ja! Wahrscheinlich schaffst du's zurück, bevor die überhaupt anfangen. Falls dir dann noch nach Theater zumute sein sollte!"

"Aber was soll uns das denn eigentlich bringen?", fragte Hermione immer noch zweifelnd, obwohl sie bereits neben Harry her auf das Hauptgebäude zu huschte.

"Er sagt, ich muss in den Keller gehen", murmelte Harry. "Und – na ja, so Zeug eben. Du würdest es sowieso nicht glauben."

"Wer hat das gesagt?", fragte sie scharf.

"Du weißt schon. Dumbledore. Das – Bild."

"Oh Mann, Harry, lies ein anderes Buch!" (und im Original sagt sie das natürlich auf Englisch °g°)

Sie hatten inzwischen das stille, offenbar leere Hauptgebäude erreicht.

"Sie dürfen uns auf keinen Fall sehen!", flüsterte Harry eindringlich, als sie durch den verlassenen Flur zum Treppenhaus hasteten.

"Allerdings nicht", schnaubte Hermione. "Was dir bei all deinen heimlichen Aktionen echt fehlt, ist eine Tarnkappe oder so was."

"Psst jetzt!"

Sie näherten sich dem schmalen Nebengang nicht weit von der Warteregion. Hier gab es die einzige Treppe, die nach unten führte.

Drei Treppen liefen sie nach unten. Dann standen sie unvermittelt vor einer abweisenden, undurchsichtigen Milchglastür.