Epilog
In diesem Jahr war das Buffet nicht weggeflogen. Dafür aber hatte das schicksalhafte Zusammentreffen so vieler auf geheimnisvolle Weise miteinander verbundener Personen in jener Scheune erdbebenartige Auswirkungen auf den gesamten Betrieb der Joanne K. Slithering-Klinik.
Immortal Inc. wurde selbstverständlich geschlossen und sämtliche Forschungsunterlagen beschlagnahmt. Dr. Malfoy senior und Dr. Lestrange verschwanden für viele Jahre in einem Gefängnis, während das Schicksal, das den Klinikleiter, Dr. Thomas Marlowe Riddle, Lord de Morte, ereilte, noch schlimmer war – schlimmer, könnte man fast sagen, als der Tod: Nach der langen, noch in der Testphase befindlichen und dann so ungeplant unterbrochenen Behandlung sowie der Verabreichung der Spritze, die den empfindlichen Prozess irreparabel störte, verwirrte sich sein Geist innerhalb kürzester Zeit in einem solchen Ausmaß, dass er vom Gefängnis in eine geschlossene Anstalt verlegt werden musste.
Aus dem Sumpf krimineller medizinischer Machenschaften ging Dr. Snape als einziger Arzt mit ganz erstaunlich weißer Weste hervor. Es hieß, dass Dr. Lesser-Snool (der man eine heimliche Schwäche für den allergiegeplagten Doktor nachsagte) daran nicht unbeteiligt war. Auf jeden Fall wurde er zum neuen Klinikleiter ernannt und hatte damit endlich die ersehnte Stellung, die er mit großem Engagement und beeindruckender Würde ausfüllte – jedenfalls, bis ihm das Gerücht, er habe sich mit einer Patientin eingelassen, beinahe den Hals gebrochen hätte. Aber aus der Patientin Hermione Granger wurde dann schleunigst seine offizielle Assistentin, und so konnte sie ihm weiterhin in seinen bösen Stunden den Nacken massieren und alles, was sonst nötig war – worin sie zu ihrem eigenen Erstaunen eine nie gekannte Befriedigung fand.
Für Dr. D'Or war der Aufenthalt im geheimnisvollen Bassin der Immortal Inc. sowie die Wiedererweckung durch Harry Potter und Hermione Granger zur Schicksalswende geworden. Er ging zurück nach Frankreich und gründete dort eine Sekte, die sich der Bewusstseinserweiterung durch extreme Wasseraufenthalte verschrieb.
Seine Nichte wurde unterdessen von einem Patientenvater für die Model-Laufbahn entdeckt und ließ die Pferde endgültig hinter sich.
Harry Potter brauchte fünfeinhalb Jahre Psychoanalyse bei Dr. Lesser-Snool, bis er endlich so weit war, dass er seiner Mutter verzeihen und sich seine Gefühle für Drago Malfoy eingestehen konnte. Leider zu spät, denn der junge Dr. Malfoy hatte inzwischen längst eine untergeordnete Stellung in einer Klinik in Athen angenommen, und so machte sich Harry stattdessen auf die Suche nach seiner Mutter.
Dr. Lesser-Snool veröffentlichte die Früchte ihrer Arbeit mit Harry Potter in einer umfangreichen Studie (Unschuld: Die goldene Festung der Seele), die ihr endlich zu der Professur in Oxford verhalf, auf die sie seit mehr als dreißig Jahren scharf gewesen war. Aus Dankbarkeit erließ sie deshalb Petunia Dursley fast die gesamten Kosten für das letzte halbe Jahr der Analyse ihres Neffen.
Bill Weasley und Dr. Sarah Ehemals-Granger verbrachten sieben wundervolle und belebende Monate mit einer wilden Affäre, die sie erst beendete, als ein attraktiver und betuchter Kieferchirurg in den besten Jahren am Horizont auftauchte. Bill Weasley ließ sich daraufhin von seiner Bank in eine wenig geliebte Zweigstelle in Ägypten versetzen, wo er, wie es der unglaubliche Zufall wollte, ausgerechnet Fleur delaCoer über den Weg lief, die hier eben die Laufstege, dann aber wesentlich erfolgreicher sein Herz eroberte.
Narcissa Malfoy ließ sich von ihrem untreuen und nunmehr inhaftierten Gatten scheiden und folgte ihrem Sohn nach Griechenland, wo sie der zahlende Mittelpunkt einer blühenden kleinen Künstlerkolonie wurde.
Mary-Sue Weasley hatte Pech. Die Begegnungen mit Dr. Malfoy senior waren nicht ohne Folgen geblieben, und als sich herausstellte, dass sie das uneheliche Kind eines verurteilten Kriminellen unter dem Herzen trug, kam es zu einer dramatischen Szene mit ihrer Mutter, die damit endete, dass Mary-Sue in Tränen aufgelöst in eine winzige Londoner Wohnung zog. Hier begann sie im Verlauf der Schwangerschaft zu schreiben und entdeckte damit eine Leidenschaft, die sie von da an nie mehr losließ. In zahllosen Romanen malte sie sich die verschiedenen, farbenprächtigen Biographien aus, die sie hätte haben können – und Millionen treuer Leserinnen dankten es ihr und machten sie schließlich doch noch zu einer reichen, glücklichen Frau.
Ron Weasley und Neville Longbottom beschlossen nach einem weiteren Jahr in der Klinik, dass sie Dr. Snape (und seine monatlichen Klavierabende, zu denen inzwischen alle Patienten zwangsweise als Zuhörer verpflichtet worden waren) keinen Tag länger ertragen konnten. Von Hermione (vormals Granger, inzwischen Snape) beraten, verklagten sie Dr. Beatrice Lestrange wegen ärztlicher Kunstfehler erfolgreich auf Schmerzensgeld. Mit diesem eröffneten sie dann im nächsten Dorf einen Pub, den sie The Seven Deathly Hallows nannten. Die meisten Gäste kamen herein, weil sie neugierig waren, was der Name zu bedeuten hatte, und auf eine Erklärung hofften (die allerdings nie kam), und so lief der Pub ziemlich gut.
Ach ja, und Blackie, der Hund, hatte es eines schönen Tages im Frühling endgültig satt. Er verwüstete die Blumenbeete rings um die Klinik und verschonte nicht eine einzige Tulpenzwiebel. Dann stürmte er ins Hausmeisterkabuff, wo er Filch genüsslich ins Bein biss und danach bellend in die sonnige Freiheit hinausstürmte. (Dort traf er nach vielen Abenteuern eines Tages in den Straßen Londons ausgerechnet auf Remus Wolfe, der hier inzwischen seinen Lebensunterhalt mit dem Porträtieren von Passanten verdiente und den neuen Kumpel freudig akzeptierte. Aber das ist eine andere Geschichte.)
