Nach langer, langer zeit habe ich es nun endlich geschafft, das nächste Kapitel fertig zu schreiben. Es war nicht leicht!
Ich danke allen, die bisher brav gelesen haben, und hoffe das neue Kapitel gefällt euch.


Nach zehn Minuten durchgehend rennen, war Inuyasha mehr als nur erschöpft. Müde und mit, vom Weinen, geröteten Augen setzte er sich unter den erstbesten Baum. Noch immer sah er in seinem Kopf, wie die Frau zu Boden fällt, und dann den Aufschlag.

„Wie kann der Mann nur so böse sein?"

Der kleine Junge hatte in der Aufregung längst wieder die Attacke der Katze auf ihn vergessen. Seine weinende Freundin und die Teilnahmslosigkeit des weißhaarigen Dämons waren alles, an das er noch denken konnte.

„Du glaubst doch nicht wirklich, dass du vor mir weglaufen kannst."

Erschrocken von der dunklen Stimme, blickte Inuyasha auf. Da stand er, der Teufel in Engelsgestalt. Wütend versuchte der kleine Junge, sein Gegenüber nieder zustarren.

„Geh weg!"

Der Mann blickte in weiterhin wortlos an. Dadurch verflog langsam seine Wut, stattdessen wuchs seine Angst immer mehr. Wenn er so etwas mit der Frau machen konnte, was konnte er dann mit ihm machen?

„Was willst du?"

Inuyasha versuchte dem anderen in die Augen zu schauen, aber er konnte es einfach nicht. Er hatte zuviel Angst. Darum blickte er vorsichtig auf die tödlichen Krallen des anderen.

„Das solltest du wissen."

„Hä?"

Überrascht schaute Inuyasha auf, und betrachtete die seinen so ähnlichen Augen. Plötzlich drehte sich der Fremde um. Schon im Gehen beantwortete er die stumme Frage des Kindes.

„Ich begleite dich zu deiner Mutter."


Nutzloser Hanyou. Zuerst lässt er sich beinahe umbringen, und dann denkt er auch noch, er müsste weglaufen. Soviel Dummheit kann es doch gar nicht in einer Person geben?

Sesshomaru setzte seinen Weg in Richtung des Schlosses fort. Der Junge folgte ihm, allerdings bei weitem nicht mehr mit der Fröhlichkeit, die er vor dem Zwischenfall noch hatte. Genervt wandte er sich zu ihm.

„Was hast du?"

Der Junge blickte ihn überrascht an. Was sollte das denn wieder, glaubt der Hanyou etwa, er könnte nicht sprechen?

„Warum hast du die Frau geschlagen?"

„Hm. Sie war im Weg."

„War sie gar nicht. Du bist nachher nicht einmal in die Richtung gegangen."

„Wäre es dir lieber gewesen, sie hätte dich getötet?"

„Ich… nein."

Geschlagen blickte Inuyasha zu Boden. Einige Momente blieb er so, dann schaute er mit einem neugierigen Blick wieder auf.

„Warum hilfst du mir?"

„Willst du mir heute nur noch Fragen stellen?"

Sein schärferer Ton hatte sofort den Effekt, dass der Junge zusammenzuckte. Außerdem stellte er keine weitere Frage, von der Sesshomaru einfach wusste, dass er sie hatte. Schließlich begann er erneut zu gehen.

Kurz darauf hört er auch die leichten Schritte seines kleinen Halbbruders. Der Hanyou schloss zu ihm auf, und begann neben ihm zu marschieren.

„Sagst du mir wenigstens deinen Namen?"

„Sesshomaru"

Sofort lächelte ihn der Junge an. Es war das Lächeln eines Kindes, das gerade ein besonderes Lob bekommen hatte.

„Was findest du so witzig?"

Doch Inuyasha antwortete ihm nicht. Er wandte seinen Blick zum Weg vor ihnen, und lächelte noch immer.


Nun war es Nachmittag, und die beiden waren noch immer in diesem Wald. Sesshomaru wäre es am Liebsten gewesen, wenn er den Kleinen noch am selben Tag losgeworden wäre, doch offensichtlich sollte es nicht so sein.

Denn obwohl Inuyasha eine Menge Energie hatte, besonders schnell war er mit seinen kurzen Beinen nicht. Ganz zu schweigen davon, dass durch die Zwischenfälle, der Weg immer wieder verlängert wurde.

Erneut fiel der Junge zurück. Sesshomaru blieb wieder stehen, um auf den Kleinen zu warten. Doch dieses Mal hörte er keine hastigen Schritte. Fragend drehte er sich um, nur um Inuyasha unter einem Baum liegen zu sehen.

„Komm!"

Der Hanyou schaute unsicher zur Seite, und biss sich nervös auf die Unterlippe, bevor er wieder aufsah, und vorsichtig antwortete.

„Ich bin müde. Ich kann nicht mehr und ich hab Hunger"

Sein Ton verriet dem älteren Youkai, wie erschöpft er wirklich war.

„Dann such dir etwas zu Essen."

„Aber… ich weiß doch gar nicht wie."

Beinahe wäre Sesshomaru der Versuchung unterlegen, mit den Augen zu rollen. Dieses Kind schaffte es tatsächlich noch, ein genervtes Seufzen oder gar einen Gefühlsausbruch in ihm hervorzurufen.

„Hat dir deine Mutter denn gar nichts beigebracht?"

‚Nutzlose Menschenfrau' fügte er in Gedanken noch hinzu. Inuyasha sprang währenddessen aufgebracht hoch.

„Das ist gar nicht wahr. Mama hat mir Sachen beigebracht, nur nicht so etwas."

„Das war offensichtlich ein Fehler."

Damitging Sesshomaru weiter. Der Hanyou folgte ihm stolpernd. Ein paar Meter weiter blieb er erneut stehen. Er schaute zu beiden Seiten, und wandte sich schließlich nach Rechts. Inuyasha beobachtete das seltsame Verhalten seines Begleiters neugierig.

Nach weiteren paar Metern blieb er wieder stehen. Doch diesmal wandte er seinen Kopf in Inuyashas Richtung.

„Die Beeren kannst du essen."

Ohne ein weiteres Wort setzte sich Sesshomaru auf die Wurzeln eines alten Baumes, und lehnte sich an den Stamm.

Inuyasha blickte sich verwirrt um, bevor er den Strauch entdeckte. Sofort rannte er hin, und begann eifrig die Beeren zu pflücken, und gleich in seinen Mund zu stopfen.

Sesshomaru beobachtete das Geschehen teilnahmslos. Er hatte noch andere Sorgen, als das gierige Essverhalten seines kleinen Bruders.

‚Was nun? Es ist ja nicht so, als wenn ich ihn nur Beeren essen lassen kann. Früher oder später braucht er auf alle Fälle Fleisch. Allerdings ist er zum Jagen noch viel zu klein. Vielleicht sollte ich einen Fluss hier in der Nähe finden.'

Sein weiteres Vorgehen beschlossen, und ohne sich zu fragen, warum er das überhaupt tat, endete er seine Überlegungen.


Allerdings wurden seine Pläne auf den nächsten Tag verschoben, da Inuyasha nach seiner Mahlzeit sofort einschlief. Interessanterweise hatte er es in seinem müden Zustand dennoch geschafft, zu Sesshomaru zu gehen, und sich an sein Fell, das er immer über seiner Schulter trug zu kuscheln.

Der ältere Bruder wollte ihn zwar noch von sich wegschieben, oder sich einfach woanders hinsetzen, doch das friedliche Gesicht des nach wenigen Sekunden schlafenden Hanyous stoppte ihn.

‚Ich hoffe, ich bin den verdammten Bengel bald los. Ich werde langsam weich wegen ihm.'


Der nächste Morgen fand die beiden noch immer in derselben Position. Allerdings hatte das leise Atmen des Hanyous im Laufe der Nacht auch den Youkai eingeschläfert.

Als die ersten Morgenstrahlen das Gesicht des Lords erreichten, wachte er auf. Verwirrt blickte er sich um, bis seine Augen schließlich auf seinen kleinen Bruder fielen. Inuyasha schlief seelenruhig, sein Gesicht immer noch in dem weißen Fell vergraben.

Sesshomarus Blick schien sich zu erwärmen, als er seinen kleinen Bruder beobachtete. Interessiert beobachtete er, wie sich die Hundeohren in alle Richtungen bewegten. Schließlich befand er es an der Zeit, die Reise fortzusetzen, und weckte Inuyasha.

Er befreite sein Fell und stand auf, womit der Junge auf den harten Boden fiel, und augenblicklich aufwachte. Müde setzte er sich auf, und blickte sich um. Als er den großen Youkai sah, sprang er sofort auf, um ja nicht zurückgelassen zu werden.


Inuyasha stellte sich neben seinem großen Reisegefährten, und schaute zu ihm auf. Der andere schien starr in eine Richtung zu blicken. Der kleine Hanyou folgte Sesshomarus Blick, sah aber nur dichtes Gebüsch.

„Was ist denn da so Interessantes?"

Stille. Inuyasha sah sein Gegenüber ungeduldig an. Schließlich fing er sogar an, an seiner Unterlippe zu knabbern, als er nach einiger Zeit noch immer keine Antwort bekommen hatte. Nervös zappelte er herum, bis es dem großen Mann genug war.

„Hör auf mit dem Unsinn."

Auf der Stelle blieb Inuyasha stockstill, und bewegte keinen Muskel. Erst nach einigen Sekunden wagte er es, sich wieder zu bewegen.

„Also? Was suchst du denn?"

„Komm."

Etwas niedergeschlagen, weil der andere seine Fragen ignoriert hatte, aber dennoch entschlossen, alles zu tun, was er von ihm verlangte, folgte Inuyasha ihm. Bereits nach einigen Metern konnte Inuyasha leise das Rauschen von Wasser hören, und kurz darauf standen die beiden vor einem kleinen Bach.

Im Wasser sah er lauter kleine Fische, die gegen den Strom anschwammen, und deshalb recht langsam waren. Fasziniert beobachtete er sie, und beugte sich immer weiter vor.

„Pass auf, dass du nicht wieder hinein fällst. Dieses Mal hol ich dich nicht wieder heraus."

Von der monotonen Stimme aufgeschreckt, trat Inuyasha hastig einige Schritte weg vom Bach. Dann sah er fragend zu dem Dämon.

„Wenn du Hunger hast, dann fang dir welche."

„Aber… aber ich weiß doch nicht wie."

Hilflos sah Inuyasha ihn an. Er hatte ja noch nie selbst etwas gefangen.

„Dann finde es heraus."

Das war alles, was Sesshomaru zu ihm sagte, bevor er sich an einen Baum setze, der nahe dem Wasser stand. Inuyasha dagegen stand unentschlossen da, und wusste nicht weiter. Schließlich drehte er sich wieder um, und beobachtete die Fische.

‚Die schwimmen wirklich nicht besonders schnell' dachte er zu sich selbst, bevor er einen ins Visier fasste. Von einem Moment zum anderen sprang er ins Wasser, um den Fisch zu fassen, doch der war schnell genug, um den kleinen Händen auszuweichen, und entkam. Inuyasha dagegen fiel mit seinem ganzen Gewicht auf die Wasseroberfläche, und erwischte teilweise die Steine im Bachbett.

„Au!"

Als er mit tränenden Augen zu seinem Beobachter schaute, sah er ihn mit den Augen rollen. Obwohl das ein Grund zu feiern gewesen wäre, bei Sesshomaru eine solche Reaktion zu sehen, half das dem jungen Hanyou wenig. Ihm tat nun alles weh.

„Ich schaff das nicht!"

„Versuch es weiter. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich dir helfe?"

Frustriert wandte sich Inuyasha wieder dem Fischen zu. Ein weiteres Mal versuchte er es, und ein weiteres Mal machte er einen Bauchklatscher auf das Wasser, und erwischte wieder keinen einzigen Fisch.

Einige Male wollte er aufgeben, doch Sesshomaru machte es mehr als deutlich, dass er nicht von dort weg gehen würde, bevor Inuyasha wenigstens einen Fisch gefangen hatte.


Einige Stunden und viele blaue Flecken später, und Inuyasha war seinem Ziel noch immer nicht merklich näher gekommen. Allerdings war sein Hunger jetzt sehr groß, und er keuchte vor Anstrengung.

Dennoch versuchte er es weiterhin. Dieses Mal stellte er sich genau an eine seichte Stelle, wo oft Fische vorbei schwammen. Soviel hatte er beobachten können. Inuyasha hatte sehr bald mitbekommen, dass er eine größere Chance hatte, wenn er von vornherein im Wasser stand.

Sein ‚Lehrer' war auch nicht gerade hilfreich. Die ganze Zeit hatte Sesshomaru ihn beobachtet und Bemerkungen wie „Benutze deine Krallen, wofür hast du sie denn?" oder „Wenn du nicht bald etwas fängst, wirst du noch verhungern.". Der Satz: „Wie lang planst in der Wildnis zu überleben, wenn du nicht einmal einen Fisch fangen kannst?" war auch sehr beliebt.

Inuyasha suchte einen festen Stand auf den glitschigen Steinen, und beugte sich vor. Konzentriert sah er in das Wasser ein bis zwei Meter vor ihm. Geduldig wartete er, bis ein Fisch kam. Er hatte an dem Tag mehr als genug Zeit gehabt zu lernen, wie man ruhig stehen, aber dennoch schnell reagieren konnte.

Nach wenigen Minuten kam ein Fisch in Inuyashas Nähe. Immer noch wartete der Hanyou auf seine Chance. Schließlich war er beinahe unter ihm. Genau diesen Moment nutzte er für seinen Versuch. Blitzschnell schnellten seine Hände ins Wasser, und packten den Fisch. Er hatte ihn erwischt.

Grinsend versuchte er ihn aus dem Wasser zu heben, doch kaum war der Fisch außer Wasser, schlupfte er aus Inuyashas Händen. Er fiel ins Wasser, und war sofort weg. Die Augen des Jungen weiteten sich aus Schreck und Enttäuschung. Er hatte ihn fast gehabt.

„Schon besser. Aber das nächste Mal sieh zu, dass er dir nicht mehr entkommt."

Mit einem schweren Seufzen machte er sich für einen weiteren Versuch bereit. Obwohl der Fisch ihm wieder entkommen war, war Inuyasha zuversichtlich, dass er den Nächsten erwischen würde. Dieses Mal würde er ihm nicht mehr entkommen.

Schon kurze Zeit später tauchte seine Beute auf. Genau wie beim Vorigen schaffte der Junge es, ihn zu packten, und diesmal sank er seine Krallen in den Fisch, damit er ihm ja nicht entkommen konnte.

Obwohl seine Klauen bei weitem nicht so lang und gefährlich waren, wie die Sesshomarus, waren sie doch stabil und scharf genug, um die Haut des Fisches zu durchdringen. So verließ Inuyasha mit einem siegreichen Grinsen im Gesicht den Bach, und präsentierte stolz den Fisch in seinen Händen. Dieser sah etwas aufgerissen durch die Einstiche von Inuyashas Krallen aus.

Sesshomaru nickte seinen Kopf leicht. Das war all die Anerkennung, die sein Bruder für seinen Erfolg bekam.

„Und was nun?" fragte dieser unschuldig.

„Iss ihn. Du hast doch Hunger."

Inuyasha schaute den Fisch unsicher an.

„Aber… gehört der nicht vorher gebraten?"

„Wenn das so ist, dann mach dir ein Feuer, und brat ihn."

„Aber ich weiß doch nicht wie das geht."

„Dann lern es."

Frustriert und enttäuscht stand der Hanyou nun da. Es war schon ein zu bemitleidendes Bild. Er stand mit hängenden Ohren da, und der gefangene Fisch lag in einer der hängenden Arme des Kindes. Seine goldenen Augen zeigten Enttäuschung und Traurigkeit, ganz zu schweigen von der Hilflosigkeit. Es war ein einfach ein miserabler Anblick.


‚Bemitleidenswert, wenn er nicht bald lernt, sich selbst zu versorgen wird er nicht einmal erwachsen werden. Ich bezweifle, dass die Menschenfrau lang genug lebt.' Als er seinen kleinen Bruder so ansah, fragte er sich ein weiteres Mal, warum er sich das antat.

Schließlich entschloss sich Sesshomaru, ihm dieses Mal zu helfen. Immerhin hatte Inuyasha es am Ende doch noch geschafft, sein Essen zu fangen. Also stand er auf, und nahm einige Hölzer, die in der Nähe lagen. Daraus baute er sich ein Lagerfeuer auf. Er nahm außerdem noch einige Steine, die er als Kreis um die Äste auflegte. Schlussendlich machte er sich an die Arbeit, das Feuer zu entzünden.

„Passt du eh genau auf? Morgen wirst du dir das Feuer selbst machen."

Er warf die Bemerkung über seine Schulter zu dem Jungen, der noch immer hinter ihm mit seinen Fisch stand, und ihn interessiert beobachtete. Er brauchte einige Augenblicke, bevor er antwortete.

„Ja"

‚Wenigstens etwas.' Sesshomaru hatte schnell die Äste zum entflammen gebracht, und setzte sich wieder hin. ‚Mal sehen, was er nun tut' dachte sich die neugierige Seite in ihm. Inuyasha erwachte nun aus seiner Starre, und trat an das Feuer heran. Als er spürte, dass es schön warm war, versuchte er den Fisch über das Feuer zu halten, merkte aber schnell, dass das sehr heiß auf seinen Fingern wurde.

Mit zusammengezogenen Augenbrauen überlegte der Junge kurz, bevor sich seine Miene wieder aufhellte. Begeistert rannte er zu den Büschen auf der Seite, und kehrte kurz darauf mit einem langen, dünnen Stecken zurück. Diesen steckte er in das Maul des Fisches, und steckte dann die andere Seite in den Boden. Als er sich sicher war, dass er nicht umfallen würde, setzte er sich zufrieden hin.

„Ich hab das schon mal gesehen. Ein paar Jungen in meinem Dorf haben das mal gemacht."

Sesshomaru gab ihm keine Antwort, war aber vorerst zufrieden mit dem Kleinen.