Halloo!... ich bin wieder da :) (ich glaube so ne Nachricht schreib ich nicht zum ersten mal) Auf alle Fälle, anch langer Pause ein weiteres Kapitel. Nach verlängerter Sommerpause sozusagen...


Sesshomaru und Inuyasha konnten bereits eine große Strecke zurücklegen bevor es dämmerte. Da sie nun sowieso durch die offenen Felder mussten, hatte der Dämon den direkten Weg eingeschlagen. Er wollte die ganze Geschichte jetzt so schnell wie möglich beenden. Er hatte genug von der ganzen Aufregung.

Die Straße, die sie lange Zeit folgten, denn üblicherweise führten diese zu größeren Dörfer, oder Schlössern, höchst wahrscheinlich sogar dem Haus, dass sie suchten, war wie ausgestorben. Auf keinem der Felder, die sie passierten arbeitete irgendwer, und eine Gefahr schien in der Luft zu liegen.

Sesshomaru versicherte sich mehrmals, dass kein anderer Youkai in der Nähe war, denn er traute dieser Stille nicht. Sein Bruder bemerkte allerdings nichts davon. ‚Sind alle Kinder so unaufmerksam?' fragte er sich. Jedoch je weiter sie gingen, desto ruhiger wurde der Hanyou. Er schien langsam zu erkennen, dass etwas seltsam war.

Schließlich durchquerten sie ein Dorf. Als sie sich diesem genähert hatten, hatte Sesshomaru kurz gezögert, dann jedoch beschlossen weiterzugehen. Der Grund war, dass er Blut riechen konnte. Die Bewohner des Dorfes waren abgeschlachtet worden. Der Youkai passte seine Route so an, dass die beiden weißhaarigen Brüder nicht direkt in der Dorf kommen würden. Dort hatte nämlich der Großteil der Hinrichtungen stattgefunden.

„Sesshomaru…?", sprach Inuyasha zögerlich.

Der andere bewegte seinen Kopf leicht, was den Jungen die Sicherheit gab, dass er zuhörte, auch wenn er sich nicht umdrehte.

„Was ist hier passiert? Wo sind die ganzen Leute hin?"

Sesshomaru antwortete ihm nicht, beschleunigte aber seine Schritte. Der Junge sollte nicht zu lange in so einer Umgebung bleiben.


Inuyasha blickte sich zu allen Seiten um. Er sah die Holzhütten, und auch, dass Dinge sich darin befanden, doch die Bewohner fehlten, und es war auch viel zu still. Er bekam es mit der Angst zu tun, und blieb nun ganz dicht bei seinem Begleiter. Außerhalb der Häuser lagen einige Kisten zerbrochen auf der Straße, und der Junge musste aufpassen, dass er nicht auf einen der Holzsplitter stieg.

„Sesshomaru…?"

Inuyasha musste einfach etwas sagen, irgendwas, nur um diese Stille zu durchbrechen. Erwartungsgemäß bekam er keine Antwort, doch als das Kind aufsah, bemerkte es, dass der Mann seinen Kopf leicht bewegt hatte, das genügte ihm.

„Was ist hier passiert? Wo sind die ganzen Leute hin?"

Eigentlich wollte er noch viel mehr fragen, wollte nicht einmal wirklich wissen was passiert war, sondern eher beruhigende Worte hören, so wie seine Mutter es oft tat. Er wollte hören, dass jemand auf ihn aufpasste. Doch wieder bekam er keine Antwort. Der andere beschleunigte sogar seine Schritte, weshalb Inuyasha sich unerwünscht fühlte. Er zögerte kurz, bevor er sein Tempo anpasste.

Sie hatten bereits zwei Drittel des Dorfes durchquert, als Sesshomaru stoppte. Inuyasha war wieder zu sehr in seiner Umgebung vertieft, als dass er es bemerkte, und schritt versehentlich an dem Mann vorbei. Erst seine Stimme holte ihn in die Wirklichkeit zurück.

„Stopp"

Verwirrt blieb er tatsächlich stehen, und drehte sich zu dem anderen um. Der Youkai stand ruhig wie immer da, und blickte an ihm vorbei, an eine Stelle am Boden. Neugierig drehte sich Inuyasha um, nur um in die leblosen Augen eines alten Mannes zu blicken. Inuyashas Augen weiteten sich.

Der Mann, der vor ihm auf den Boden lag, war alt, jedoch war er nicht einen natürlichen Tod gestorben. Sein ganzer Körper war mit Blut verschmiert, und um ihn herum hatte sich eine Blutlache gebildet. Das Blut schien bereits eingetrocknet, doch hatte es nichts von seinem furchtbaren Anblick verloren.


Der Junge stand einfach nur da, und starrte hinab auf den toten Menschen. Kein einziger Muskel schien sich mehr zu bewegen, und es schien fast so, als hätte auch sein Herz gestoppt. Doch Sesshomaru wusste es besser. Sein Bruder war einfach in einen Schockzustand verfallen. Er hatte es gewusst, deshalb hatte er versucht das Massaker zu umgehen, doch anschienend wurde jemand weiter außerhalb getötet, zu dumm.

„Komm weiter"

Der Junge bewegte sich keinen Millimeter.

„Sofort"

Noch immer bekam er keine Reaktion.

„Inuyasha!"

Der Kopf des Jungen schnellte zu ihm, und nun starrten diese geweiteten, glasigen Augen ihn direkt an. Sesshomaru konnte nicht anders, als sprachlos zurückschauen. Den Kleinen so zu sehen ließ ihn für einen Moment alles vergessen.

Irgendwo in seinem Herzen schien sich ein Schalter umzulegen, denn er trat zu dem Jungen, und hob ihn hoch. Er drückte ihn zu sich, und sorgte so dafür, dass Inuyasha den toten Körper nicht mehr sehen konnte. Schnell verließ Sesshomaru das Dorf, und setzte den Jungen erst wieder ab, als er sich außer Sichtweite des Dorfes befand.

Der Junge saß nun am Boden, und starrte vor sich hin. Der Youkai hatte ihm den Rücken zugewandt, und blickte in die Ferne. Sesshomaru versuchte seine Gedanken zu ordnen.

Was sollte das? Hatte er in diesem einen Moment, wo ihn diese Augen so verloren angestarrt hatten, so ganz ohne den üblichen Glanz des Lebens, etwa so etwas wie Verantwortung gegenüber dem Hanyou gespürt, vielleicht sogar mehr? Er schüttelte den Kopf. So etwas konnte ihm einfach nicht passieren, es durfte einfach nicht sein. Er würde nicht schwach werden, wie es sein Vater zum Schluss geworden war.

Dennoch traute er sich vorerst nicht, zu dem Jungen zu schauen, denn auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte, er konnte diese leeren Augen nicht ertragen, aus irgendeinem seltsamen Grund wollte er wieder eine dieser nervigen Fragen hören, die Inuyasha vorher gestellt hatte.

„Wer hat ihn getötet?" fragte eine leise Stimme hinter ihm. Er drehte sich nicht um.

„Räuber"

„Räuber?"

„Menschen. Sie überfallen oft Reisende, und manchmal auch Dörfer."

„Warum tun sie das?"

„Woher soll ich das wissen, es sind Menschen. Menschen begehen oft Verbrechen gegenüber ihresgleichen ohne Grund."

„Wirklich?..."

Inuyasha verfiel kurze Zeit in Schweigen.

„Ich dachte immer, es gäbe einen Grund warum die Leute in meinem Dorf mich so hassen. Ist das etwa auch ohne Grund?"

Für einen kurzen Moment weiteten sich Sesshomarus Augen. Der Junge konnte das natürlich nicht sehen, da er noch immer mit dem Rücken zu ihm stand.

„Hassen sie dich denn?"

„Sie… sie werfen Steine nach mir, und nennen mich Halbblut, sie sagen dieses Wort, als wäre es etwas ganz Furchtbares, doch meine Mutter erklärt mir nie, was es bedeutet."

Sesshomaru schwieg für einen Moment, dann drehte er sich zu seinem Bruder.

„Halbblut bedeutet, dass du weder ein Mensch noch ein Dämon bist. Menschen fürchten sich vor uns Dämonen, und glauben, dass du wie wir bist, doch das stimmt nicht. Aus Sicht der Dämonen bist du nichts weiter als ein Mensch, der ein wenig dämonisches Blut in sich trägt, und wegen dieser ‚Mischung' wirst du von uns noch mehr verabscheut als die Menschen."

Er hatte diese Worte möglichst emotionslos gesagt, doch offensichtlich hatte die Formulierung gereicht, um Inuyasha zu sagen, dass er der Meinung zustimmte.

„Hasst du mich auch?" fragte er leise.

Sesshomaru gab ihm nicht gleich eine Antwort, sondern blickte ihn einige Zeit an. Tat er das etwa? Konnte er wirklich diesen Jungen hassen für etwas, für das er nichts kann? Bis vor ein paar Tagen wäre die Antwort auf alle Fälle ‚ja' gewesen, doch jetzt? Er drehte Inuyasha wieder den Rücken zu.

„Sag schon", verlangte der Junge.

„Hmpf"


Inuyasha schaute den anderen wütend und verzweifelt an.

„Sag schon"

„Hmpf"

Noch immer stand der Mann einfach nur da, und schwieg. Warum konnte er ihm nicht einfach eine Antwort geben, auch wenn Inuyasha sich sicher war, dass er sie bereits wusste. Deshalb flüsterte er:

„Warum hilfst du mir dann?"

Wieder bekam er keine Antwort, doch der Dämon drehte sich wieder zu ihm, und kam sogar näher. Obwohl Inuyasha nun wieder Angst vor dem Mann hatte, blieb er wo er war, und starrte ihn an.

Sesshomaru kniete sich vor ihn, und blickte ihn seine Augen. Der Junge wurde etwas unruhig, als diese kühlen Augen so nah bei ihm waren, und ihn so intensiv beobachteten. Schließlich streckte der Dämon eine Hand aus, und strich ihm über die Wange.

„Was tust du da?"

Der andere antwortete ihm noch immer nicht. Noch immer schien er jede einzelnen Zentimeter von Inuyashas Gesicht zu studieren. Nach scheinbar endloser Zeit zog er seine Hand zurück.

„Weißt du, dass du Vater sehr ähnlich siehst?"

Inuyasha zog verwundert seine Augenbrauen zusammen, und blickte den Dämon weiterhin verwirrt an.

„Natürlich, die dämonischen Markierungen fehlen, aber die Augen, und dein Gesicht überhaupt ähneln seinem sehr."

„Woher kanntest du meinen Vater?" wiederholte Inuyasha die Frage, die er vor Tagen bereits gestellt hatte.

Der weißhaarige Mann vor ihm zögerte kurz, bevor er antwortete.

„Ich bin dein Halb-Bruder"


Zur selben Zeit an anderer Stelle, um genau zu sein in dem Schloss, das die Brüder ansteuerten gab es derweil viel zu erledigen. Die Diener waren bereits dabei Vorbereitungen für die kommende Hochzeit zu treffen. Tatsächlich hatte der Herr des Hauses vor seine Tochter so schnell wie möglich zu verheiraten.

Diese verließ ihr Zimmer kaum noch, und schickte immer ihre Dienerinnen um Essen zu holen. Izayoi redete kaum noch mit jemandem, wenn sie nicht gerade Befehle aussprach, und trauerte um den Verlust ihres Sohnes zu verarbeiten.

Derzeit stand ihre Mutter im Raum, und versuchte ihrer Tochter „Vernunft" einzureden.

„Hör auf so zu schmollen. Du solltest dich freuen, Shorin ist ein ehrenwerter Mann, und bestimmt ein guter Ehemann. Bald schon wird deine Hochzeit sein, also solltest du dich dementsprechend vorbereiten."

„Ich habe keine Lust, mich auf eine Hochzeit vorzubereiten, weil kein solches Event stattfinden wird. Ich werde niemanden heiraten, und mich auf die Suche nach meinem Sohn begeben, warum willst du nicht verstehen, dass ich keinen Mann brauche?"

Izayoi war aufgebracht aufgestanden, als sie antwortete, und hatte ihre Hände zu Fäusten geballt. Ihre Mutter war im Anblick ihrer Entschlossenheit zurückgewichen, und hielt eine Hand schützend vor ihrer Brust. Ihre Augen waren im Schock geweitet.

Als Izayoi dies sah, atmete sie tief ein, um sich wieder zu beruhigen, und trat zurück, um ihre Mutter nicht weiter zu ängstigen. Sie war eine schreckhafte Frau.

„Es tut mir Leid Mutter, aber bitte lass mich jetzt allein."

Hastig verließ oben genannte Frau den Raum ihrer Tochter, und kam den ganzen Nachmittag nicht wieder.


Seit sich die beiden ausgesprochen hatten, war Inuyasha fasziniert seinem Bruder gefolgt. Er konnte es nicht glauben, dass er einen Bruder hatte, jemand ganz starken und mächtigen, der die gemeinen Jungen aus seinem Dorf zusammenschlagen konnte, wenn er es wollte.

Der Junge malte es sich gerade aus, wie es wäre, wenn Sesshomaru mit ihm und seiner Mutter leben wollte. Der Dämon würde ihm beibringen zu jagen, und ihn vor den älteren Jungen des Dorfes beschützen, und niemand würde sich mehr trauen ihn zu beschimpfen.

Endlich hatte er mal jemanden zu dem er aufschauen konnte. Ja, er schaute zu seiner Mutter auf, aber das war etwas anderes. Sie war seine Mutter, ein ‚Mädchen'. Das hier war was ganz anderes.

„Was machen wir heute?"

Gespannt wartete der Junge auf eine Antwort, bekam aber keine. Der Dämon blickte einfach weiter stur geradeaus.

„Sag schon, kennst du irgendwelche Spiele?"

Inuyasha versuchte sich nicht von dem Desinteresse des anderen entmutigen zu lassen, dennoch sank seine Laune wieder ein bisschen.

„Dann erzähl mir zumindest irgendwelche Geschichten… Biiiiiiitteeeee!!!!"

Endlich blickte der Ältere zu ihm hinab. Fast eine Minute lang standen sie sich gegenüber und blickten sich einfach nur an. Plötzlich schien Sesshomaru zu seufzen, zumindest glaubte Inuyasha das zu sehen. Denn man konnte bei dem großen Dämon nie genau wissen.

„Wie ist dein Leben mit deiner Mutter?"

Für einen Moment stutzte der Junge, denn damit hatte er nicht gerechnet. Doch fröhlich beantwortete er die Frage des anderen.

„Also… Mama und ich leben in einem großen Haus und wir gehen fast jeden Tag in unseren Garten. Wenn es schön ist, dann essen wir auch manchmal dort. Mama pflückt dann Blumen, und macht einen schönen Strauß, den sie mir dann gibt. Die Blumen dort riechen so gut."

Inuyasha schloss seine Augen und sog Luft durch die Nase ein. In seinem Kopf schien er sich gerade in dem Garten zu befinden.

„Mama will, dass ich viel lern, damit ich all den Leuten beweisen kann, wie klug ich bin. Darum lernen wir oft am Nachmittag im Haus, und manchmal auch im Garten. Oft spielen wir dann auch mit meinem Ball, den Mama mir zum Geburtstag geschenkt hat."

Plötzlich blickte der Junge traurig zu Boden. Sesshomaru beobachtete ihn aus den Augenwinkeln und wartete. Inuyasha schien an ein schlechtes Erlebnis zu denken.

„Die Kinder aus dem Dorf mögen mich nicht. Eigentlich mögen mich alle nicht, aber ich verstehe nicht warum. Weißt du warum die mich nicht leiden können?"

Erwartend blickte der Junge zu seinem Bruder auf. Dieser wandte sich wieder zu ihm, und blickte stumm zurück. Nach einigen Minuten sprach er doch.

„Es liegt nicht an dir, sie hassen nur, was du darstellst, was du bist."

„Also das was du vorher gesagt hast, nicht?" fragte er nachdenklich.

Der andere nickte nur leicht, und beschleunigte seine Schritte ein wenig.


Hoffe, dass das Kapitelchen passt, und eure erwartungen sind nicht zu sehr enttäuscht... hab mir Mühe gegeben nach meiner langen Pause.