Hier folgt das zweite Kapitel... Warnung: sehr viel düsterer als das erste! (Rating ist deshalb sicherheitshalber M)
Vielen Dank für die Reviews an Simsly und Joeli - ich hatte gar kein Review erwartet und habe mich über die erhaltenen umso mehr gefreut :-)
Ach ja, eines noch: Es gibt keine Zeitlinie! Alle Episoden spielen nach einem möglichen Ende des siebten Bandes, aber sie sind hier weder chronologisch geordnet, noch spielen sie alle in der genau gleichen Zeit.
Kapitel 2
Rating: M
Narcissa Malfoy stand seit Stunden unbewegt vor dem grauen Stein. Der Wind zupfte an ihrem Umhang, als ob er ihre Aufmerksamkeit erheischen und sie irgendwo hin führen wollte. Aber wo sollte sie schon hin?
Sie war allein, sie war heimatlos, sie hatte alles verloren, was ihr jemals etwas bedeutet hatte.
Und sie hatte versagt, selbst in ihrem letzten Versuch, ihrer Familie noch etwas Würde zukommen zu lassen.
Aber das Zaubereiministerium war unerbittlich gewesen.
Die Familiengruft blieb, zusammen mit ganz Malfoy Manor, magisch versiegelt, bis das Ministerium Zeit haben würde, sich um das von ihnen beschlagnahmte Anwesen und die gesamten Besitztümer einer der mächtigsten Zaubererfamilien Grossbritanniens zu kümmern. Nein, falsch, einer der ehemals mächtigsten Zaubererfamilien.
Narcissa ballte die Faust, war versucht, gegen den grauen Stein zu schlagen, und hielt dann doch kurz vorher inne, um die Finger anschliessend schmerzhaft fest in den Granit zu krallen, als ob das unnachgiebige Gestein ihr Halt bieten könnte.
Draco war tot.
Lucius war tot.
Und sie beide lagen hier, begraben am Fusse eines billigen Grabsteins wie gewöhnliche Muggel.
Narcissa war nicht so naiv, nach dem „Warum" zu fragen.
Das „Warum" war klar: es umfasste Voldemort, die Todesser und eine Zauberergemeinschaft, die jeglichen Sinn für Macht, Ehre und Würde verloren hatte.
Wäre Voldemort nicht gewesen, ihr Mann und ihr Sohn würden noch leben.
Wären sie nicht Todesser geworden, ihr Mann und ihr Sohn würden noch leben.
Hätte die Zauberergemeinschaft auch nur einen Funken der alten Ehre, so hätte man auch nach Voldemorts Sturz nicht alle seine Ideen verbannt und ihrer Familie wenigstens im Tod den Respekt erwiesen, der einer alten reinblütigen Familie zustand.
Stattdessen waren die Leichen von Lucius und Draco – Draco! Ein Kind! Ihr einziges Kind! - nach ihrem Auffinden für einige Zeit magisch konserviert worden und einige Wochen später, als Voldemort besiegt und die feierlichen Begräbnisse der gefallenen „Guten" alle abgehalten worden waren, zusammen mit vielen anderen Todessern auf einem öden Stück Land in der Nähe von London beigesetzt worden.
„Ihr könnt froh sein, dass wir Ihnen überhaupt ein Grab gestatten!" hallten die harten Worte von Rufus Scrimgeour durch ihr Gedächtnis. „Verdient hätten sie, alle auf einen Haufen geworfen und mit einem Hexenfeuer zu Asche verbrannt zu werden!"
Es war – ausgerechnet – Harry Potter gewesen, der für die wenigen Hinterbliebenen der Todesser eingetreten war.
Auch an Potters Worte erinnerte sie sich, als wäre er erst vor wenigen Augenblicken durch diese Tür im Zaubereiministerium getreten, hätte für einen Moment der heftigen Diskussion zwischen den Ministeriums-Beamten und der verzweifelten Regina Nott zugehört, und dann leise, aber bestimmt gesagt: „Ein Grab ist wichtig. Abschied nehmen soll niemandem verwehrt sein. Ich werde dafür sorgen, dass auch ihr einen Ort zum Abschied nehmen bekommt."
Narcissa hatte Potter dafür verachtet, Potter, der nach seinem Sieg über Voldemort plötzlich die Güte mit Löffeln gefressen zu haben schien.
Jetzt, wo sie in der Dämmerung auf diesem trostlosen Flecken Land und vor diesem öden, grauen Stein mit den gemeisselten Namen stand, war sie ihm dankbar, und hasste ihn dafür umso mehr.
Narcissa zog ihren Umhang enger um sich.
Ihre Familie – die letzten Malfoys – war tot.
Und ihre Herkunftsfamilie, die Blacks, ebenso, abgesehen von ihrer blutsverräterischen Schwester Andromeda und deren... Nachwuchs.
Es schien das Schicksal der alten Zaubererfamilien zu sein, allmählich auszusterben.
Sie musste, mit einem verächtlichen Lächeln, an die Theorie denken, dass die Inzucht zwischen den reinblütigen Zauberern zu zunehmender Unfruchtbarkeit geführt habe. Und dass Familien wie die Weasleys – die grossen Kriegshelden, natürlich – nur deshalb so kinderreich waren, weil sie, wenn auch schon einige Generationen in der Vergangenheit, rechtzeitig neues Blut eingeheiratet hatten. Muggelgeborenenblut.
Besser mit Würde aussterben, als Schlammblüter zeugen.
Und endlich, mit diesem letzten Gedanken, entschloss sich Narcissa Malfoy-Black, das zu vollenden, wozu sie gekommen war.
Sie zog eine kleine Phiole mit einer hellblauen Flüssigkeit aus ihrem Umhang. Sie war schon immer eine gute Tränkebrauerin gewesen – ein Grund, warum sie sich mit Severus so gut verstanden hatte. Allerdings hätte es für diesen Trank keines besonderen Talentes bedurft – das Schwierigste war gewesen, die Zutaten zu beschaffen, mittellos, wie sie nach der Enteignung durch das Ministerium war.
Mit Bedacht öffnete sie den Korken, erschnupperte den süsslichen Duft, der dem Glasgefäss entströmte, und setzte die Phiole an die Lippen.
Es war nur ein Schluck, und die Wärme, die sie durchströmte, war wohltuend in der Kühle der anbrechenden Nacht. Sie breitete ihren Umhang über die nackte Erde des Grabes, setzte sich darauf, lehnte sich gegen den Granit. Die Kälte des Steins wurde angenehm, als ihr Blut sich erhitzte, und als es allmählich zu kochen schien, war ihr der Schmerz mehr als willkommen.
Ein letzter, tödlicher Cruciatus, aber über Narcissa Malfoys Lippen kam kein Laut.
Zugegeben, ich bin kein Malfoy-Fan... vorsichtshalber duck
Wer gegen Dracos Tod protestieren will, darf aber gerne ein Review hinterlassen... zwinker
