Vielen herzlichen Dank für die Reviews!
Ich krieg das Dauergrinsen schon gar nicht mehr aus dem Gesicht ;-)

Und wieder kommt etwas ganz anderes - aber trotzdem mit Warnung: meine Schwester hat die Geschichte als "niedlich" bezeichnet! Mit anderen Worten: zumindest den zweiten Teil kann man wohl definitiv als "fluffig" bezeichnen. Oder kurz und prägnant: Kitschalarm:-)


Kapitel 3

(Rating: K)

Man hätte es als Laie nicht erwartet, aber die Teilnehmer dieses wissenschaftlichen Kongresses waren ein äusserst schwatzhaftes Volk. Natürlich konnte es auch daran liegen, dass es bereits Nachmittag war und die Konzentration der gelehrten Männer und Frauen im Verlaufe eines mit Vorträgen angefüllten Tages gelitten hatte.
Auf jeden Fall tönte es im Hörsaal der magischen Universität zu Bordeaux wie in einem Bienenstock an einem sonnigen Sommertag, und Dekan Prunier beneidete den letzten Referenten des Tages, noch dazu einen Engländer, gewiss nicht um seine Position.
Wo blieb er überhaupt?
Doch da öffnete sich die Tür des Hörsaals – beinahe unbemerkt von den meisten Leuten – und ein verschwitzter, etwas unglücklich aussehender junger Mann mit rotem Gesicht hastete die zwei Treppenstufen zum Rednerpult empor.
Dabei stolperte er unglücklicherweise über seinen Umhang, und während er verzweifelt versuchte, nicht das Gleichgewicht zu verlieren, verhedderte er sich noch weiter in dem Umhang und schaffte ungewollt, was sonst kaum jemandem so rasch gelungen wäre: das laute Reissgeräusch, mit dem das moosgrüne Kleidungsstück innert kurzer Zeit einen Grossteil seines Wertes und seiner Eleganz verlor, zog die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler innert Augenblicken auf sich.
Verhaltenes, höchst unwissenschaftliches Kichern war zu hören.
Der junge Mann wurde noch roter, befreite endlich seine Füsse und liess sich – sichtlich verlegen und erleichtert - vom Dekan den Umhang abnehmen.
Das Kichern wurde lauter, als den Kongressteilnehmern durch die hilfreiche Geste des Dekans klar wurde, dass sie es hier keineswegs mit einem Boten oder einem Studenten, sondern tatsächlich mit dem Referenten zu tun hatten.

„Meine Damen und Herren", verkündete der Dekan nach einem kurzen „Sonorus!" auf seine eigene Kehle, „ich bin höchst erfreut, Ihnen mit dem letzten der heutigen Vorträge ein junges Talent ankündigen zu können, welches auf dem Gebiet der magischen Sukkulenten bereits grosse Forschungserfolge vorweisen kann. Ich bin sicher", und hier nahm die Stimme von Prunier einen leicht drohenden Unterton an, „Sie werden seinen Ausführungen mit grossem Interesse und der gebührenden Aufmerksamkeit folgen. Begrüssen Sie mit mir: Neville Longbottom aus England!"

Verhaltenes Klatschen zeigte an, dass das Publikum von der Ankündigung recht unbeeindruckt blieb.

Der junge Mann trat ans Rednerpult, nestelte aus einer Tasche zwei dünne Rollen Pergament, strich sie auf dem Pult aus und blickte einen Moment in die Reihen des Hörsaals, bevor er rasch den Kopf wieder senkte.
„Ähm... ja... vielen Dank für Ihren..."
„Entschuldigung, Mr. Longbottom", neigte sich der Dekan zu ihm hin. „Sie müssen Ihre Stimme magisch verstärken, damit Sie gehört werden."
„Oh, ja", sagte Neville, zog seinen Zauberstab und wollte ihn auf seinen Hals richten. Das Stück Holz fiel klappernd zu Boden.
Der Dekan reagierte rasch, hob den Stab auf, zückte seinen eigenen und sagte: „Sie erlauben? - Sonorus!"
„Oh, äh..." Diesmal schallte das „äh" magisch verstärkt durch den ganzen Hörsaal. Neville Longbottoms ohnehin schon rotes Gesicht erglühte.
Das Kichern schwoll wieder an.
„Meine... äh... Damen und Herren... vielen... vielen Dank für Ihre freundliche... Aufmerksamkeit."
Neville hatte gelernt, dass man sich bei einem Vortrag den Zuhörern zuwenden sollte. Aber als er in die Gesichter schaute, die ihn entweder gelangweilt, herablassend oder mitleidig anblickten, entschied er rasch, den Blick wieder auf seine Notizen zu richten.
„Magische Sukkulenten sind... äh... sehr interessante Pflanzen, die äh... ich hätte Ihnen gerne ein Beispiel mitgebracht, aber... äh... leider ist es unterwegs... äh..."
„Heruntergefallen?" warf einer der Zuhörer ein. Nicht laut, aber die gute Akustik des Saales trug seine Worte bis hin zu Neville und über einige Reihen der Zuhörer hinweg.
Das Kichern steigerte sich zu verhaltenem Lachen.

Neville versuchte verzweifelt, den Faden wiederzufinden, strich nochmals das Pergament glatt und wischte es, als es an seiner schweissnassen Hand ein wenig kleben blieb, vom Pult.

Der erste Kongressteilnehmer stand auf und verliess mit verächtlicher Miene den Saal, ein weiterer hatte sich bereits erhoben, um ihm zu folgen.
Sein Weg kreuzte sich allerdings, zur Verwunderung aller, mit bereits der zweiten etwas atemlosen Gestalt des heutigen Nachmittags, die durch die Tür hineingeeilt kam.
Im Gegensatz zu Neville sprang das Mädchen jedoch leichtfüssig die Stufen hinauf, stellte eine kleine Pflanze in einem Blumentopf auf das Rednerpult, hob das Pergament auf, drückte es dem verzweifelten Neville in die Hand, flüsterte ihm etwas ins Ohr und hüpfte die zwei Stufen wieder hinunter, um sich in der vordersten Reihe ins Publikum zu setzen.

Und auf einmal ging alles ganz einfach.
Neville, der vor Erleichterung fast geheult hätte, sah vom Rednerpult auf und blickte in Mandy Brocklehursts ruhiges, vertrauensvolles Gesicht.
„Meine Damen und Herren, bitte verzeihen Sie den etwas chaotischen Anfang", sagte Neville, lächelte noch etwas verlegen ins Publikum und meinte eigentlich Mandy, die ihn trotz seiner Tollpatschigkeit immer noch liebte.
„Magische Sukkulenten sind ein äusserst vielversprechendes Forschungsgebiet, welches leider in der Kräuterkunde noch immer ein Schattendasein fristet. Nicht zuletzt dafür verantwortlich sind die Transportschwierigkeiten, denn tatsächlich sind magische Sukkulenten, als einzige der uns bekannten Pflanzen, nicht apparierbar."
Ein verwundertes Raunen ging durch den Raum.
„Diese Tatsache ist eine recht neue Erkenntnis, und auf dieser Tatsache beruht auch, dass die magische Kraft von Spezies wie mimbulus mimbeltonia lange Zeit massiv unterschätzt wurde, da ein Transportieren mit Magie einen Grossteil der Kräfte dieser besondern Pflanzen zerstört.
Umso erfreuter bin ich, Ihnen hier ein vollmagisches Exemplar von mimbulus mimbeltonia präsentieren zu können, welches aus der ersten europäischen mimbeltonia-Zucht überhaupt kommt und nach Muggelart hierher gebracht wurde."
Er schenkte Mandy ein strahlendes Lächeln, und sie lächelte zurück und wedelte kurz mit ihrem Zauberstab. An der Wand hinter Neville erschien ein grosse Projektion des Topfes mit dem kleinen, hässlichen, leicht pulsierenden Kaktus.
„Die Eigenschaften von mimbeltonia..."

- - - - -

Als Neville seinen Vortrag beendete, sassen – bis auf die beiden, die sich schon vor Mandys Ankunft erhoben hatten – noch immer alle Teilnehmer im Hörsaal. Der Applaus war wesentlich lauter als derjenige vor Beginn seiner Rede, und tatsächlich kam, als alle aufstanden und den Saal verliessen, um sich beim wohlverdienten Empfang an Wein und Häppchen gütlich zu tun, ein älterer Herr auf Neville zu und gratulierte ihm zu seinem Vortrag.
„Bellmond mein Name, Richard Bellmond. Sie haben bei Professor Pomona Sprout Unterricht gehabt?"
Neville starrte den Mann perplex an, und erinnerte sich gerade noch rechtzeitig daran zu nicken, noch immer viel zu überwältigt davon, dass er seinen ersten Vortrag doch noch über die Bühne gebracht hatte. Mandy stand neben ihm und drückte sachte seine Hand.
„Nun, tatsächlich hat mir Pomona geschrieben und mir empfohlen, Ihrer Präsentation beizuwohnen. Sie wusste, dass ich auf der Suche nach einem Mitarbeiter bin."
Neville errötete, und brachte noch immer kein Wort heraus. Eine Empfehlung von Professor Sprout an Richard Bellmond, einer absolutenKoryphäe auf dem Gebiet der Kräuterkunde, und auch wenn Sukkulenten nicht sein Spezialgebiet waren, so verhiess sein Name auf jeden Fall qualitativ hochwertige – und daher meist von verschiedenen Seiten gut finanzierte – Forschungsarbeit.
„Was meinen Sie, würden Sie einmal bei mir in Bristol vorbeikommen? Vielleicht könnten wir eine Zusammenarbeit anvisieren?"

Neville stolperte vor Nervosität einmal mehr über seine eigenen Füsse, als er, flankiert von seinem zukünftigen Mentor Richard Bellmond auf der einen und seiner zukünftigen Frau Mandy Brocklehurst auf der anderen Seite, den Hörsaal verliess – aber es machte ihm nichts aus.


Darf's für's nächste Mal nochmal etwas kitschig werden? Oder mögt ihr zuerst lieber was anderes?