Da bin ich wieder - wenn ich dieses Tempo bis zum übernächsten Samstag durchstehe, dann werde ich furchtbar stolz auf mich sein! Ja-ha!
Vielen Dank an Saphir für das liebe Review - ich nehme an, die anderen (bisherigen) Reviewer waren alle im Kino? ;-)
Oder hat es euch doch so wenig gefallen? (Ich vertrag auch negative Kritik, wenn sie fundiert und höflich geäussert wird - und ich antworte auch auf negative Reviews, versprochen.)
Viel Spass auf jeden Fall mit dem nächsten Kapitel.
Kapitel 4
(Rating: K)
Remus Lupin tigerte in seinem Zimmer auf und ab.
Etwas stimmte nicht mir ihr!
Er spürte es.
Der Wolf spürte es!
Einen Moment kam ihm der – vollkommen unwölfische – Gedanke, dass sein Herumgerenne dem teuren Fussboden aus Ebenholz schaden würde – gleich darauf ärgerte er sich, dass er diese alten Mechanismen nicht abschütteln konnte: sich um so etwas Profanes wie einen Fussboden zu kümmern, bloss weil er wertvoll war.
Dabei gab es Wichtigeres.
Etwas stimmte mit Nymphadora nicht, und er wusste nicht, was es war.
Natürlich versuchte sie, sich nichts anmerken zu lassen. Sie kam vom Aurorendienst nach Hause, mit der ihr eigenen Fröhlichkeit. Eigentlich war sie in den letzten Tagen sogar noch heiterer gewesen als sonst, hatte mit ihrer guten Laune noch ein wenig mehr Hellligkeit in ihr kleines gemeinsames Reich am Grimmauldplatz Nummer 12 gebracht.
Remus blieb stehen und besah sich, einmal mehr und nicht ohne einen Anflug von Stolz, den Raum.
Es war ein hartes Stück Arbeit gewesen, den rechten Flügel des zweiten Stocks von schwarzer Magie und Ungeziefer zu befreien, und ebenso mühsam, die alten Zauber von den Wänden zu nehmen, so dass sich die giftgrünen oder sogar schwarzen Tapeten überhaupt entfernen liessen.
Aber mittlerweile war das schwarze, glatte Holz des Fussbodens das Einzige, was in diesem Teil des Hauses noch an die vormalige Düsternis der ehemaligen Black-Villa erinnerte. Und tatsächlich wirkte der Boden sogar ausgesprochen stilvoll und elegant, zusammen mit den Wänden in hellem Gelb, Cremeweiss und dezentem Altrosa und den Vorhängen und Kissen in passenden, zurückhaltenden Farben.
Nun gut, in Nymphadoras Räumen dominierte Bettwäsche in leuchtendem Pink, grellem Giftgrün („ich mag die Farbe – muss von der Black-Linie kommen") und knalligem Lila – aber das gehörte zu ihr. Ebenso wie die Idee, getrennte Zimmer zu behalten, obwohl sie ein Paar waren. Das war eben seine eigenständige, emanzipierte, eigenwillige Nymphadora.
Was Remus wieder zum eigentlichen Problem zurückbrachte.
Etwas stimmte nicht mit ihr.
Er nahm seinen Gang wieder auf – hin zum Fenster, kehrt um, hin zum Spiegel an der entgegengesetzten Wand, kehrt um, hin zum Fenster...
Je näher der Vollmond kam, desto deutlicher spürte er es.
Die wölfischen Instinkte... - und es machte ihn fast wahnsinnig, es nicht einordnen zu können.
Gestern abend hatte er sie schliesslich gefragt, ob etwas besonderes vorgefallen sei, aber sie hatte nur den Kopf geschüttelt.
Er hatte sehr wohl bemerkt, dass sie dabei für einen kurzen Moment ein verträumtes Lächeln auf ihrem Gesicht hatte. Nur ein kurzer Moment, bevor ihr offener Blick sich ihm wieder zuwandte und sie fragte, was sie denn heute gemeinsam kochen wollten - aber es war da gewesen.
Hin zum Fenster, kehrt um.
Es war ein wunderbarer, lustiger Abend gewesen.
Hin zum Spiegel, kehrt um.
Tonks alberte herum und schien Remus' Nachdenklichkeit kaum zu bemerken.
Hin zum Fenster.
Und dann – als er sich an die aromatische Pasta erinnerte, die sie gekocht hatten – wurde ihm auf einmal klar, was ihn störte...
Sie roch anders!
Noch immer nach Tonks, aber da war noch etwas anderes, etwas, das er nicht einordnen konnte. Es kam ihm auf seltsame Art bekannt vor, aber er konnte es nicht festmachen.
Es erinnerte ihn... erinnerte ihn... am ehesten an Lily.
An Lily Evans, als sie mit James gegangen war.
Als sie seinen besten Freund statt seiner selbst gewählt hatte... - Remus blieb ruckartig stehen und starrte in den goldgerandeten Spiegel. Sein müdes Gesicht blickte ihm entsetzt entgegen, mit den viel zu vielen Fältchen, den Augenringen, umrahmt von kraftlosem, mit weissen Strähnen durchsetzten Haar.
War es das?
Plötzlich ergab alles einen Sinn: Ihr Zuspätkommen gestern abend.
Der Grund, warum sie auch heute noch nicht da war, obwohl ihr Dienstschluss bereits über eine Stunde zurücklag.
Ihre gute Laune.
Das verträumte Lächeln.
Der veränderte Geruch.
- - - - - -
Als Tonks fröhlich summend nach Hause kam und Remus einen Kuss auf die Wange drücken wollte, wich er zurück.
Ihr Lächeln erlosch. „Was ist los?" fragte sie erstaunt und strich sich mit der Hand durch ihr rosa Stachelhaar.
„Das fragst ausgerechnet Du mich?" knurrte er. Der Wolf war schon dicht unter der Oberfläche.
Fast hätte er ihr abgenommen, dass sein rüder Tonfall sie tatsächlich verletzt hatte. „Du weisst davon?" fragte sie, und wäre es nicht Tonks gewesen, hätte man dieser Frage das Attribut „schüchtern" zuordnen können.
„Du kannst vielleicht den Mensch Remus täuschen", sagte er kalt, „aber nicht den Wolf."
„Aber..."
„Du brauchst mir nichts zu erklären. Ich bin ein alter Werwolf. Und ich habe auf dieser Welt schon einiges gesehen."
Tonks zog die Augenbrauen zusammen. Ihr Gesicht drückte soviel Verwirrung aus, dass Remus sie fast zu ihrem schauspielerischen Talent beglückwünscht hätte.
„Was genau meinst Du damit?"
Remus schloss die Augen und schüttelte den Kopf. „Weisst Du, es hätte nicht so weh getan, wenn Du nicht so lange versucht hättest..."
„Remus?"
„Was willst Du noch? Warum hast Du Dir überhaupt die Mühe gemacht, mich zu täuschen?"
„Aber... es sollte eine Überraschung werden..."
Remus brauchte einen Moment, bis er realisierte, dass diese Worte irgendwie nicht passten.
Er hob den Kopf und starrte Nymphadora an. Ihre Unterlippe zitterte.
„Ich... ich dachte, Du freust Dich!" stiess sie hervor, wandte sich mit Tränen in den Augen ab und stürmte zur Tür.
„Über einen Nebenbuhler?" kam es über Remus' Lippen, während er gleichzeitig merkte, dass hier irgendetwas vollkommen falsch lief.
Tonks war so verblüfft, dass sie stehenblieb und sich wieder umdrehte. „Nebenbuhler?"
Remus starrte sie nur an.
„Nebenbuhler? Remus, was meinst Du mit Nebenbuhler?"
„Dein Geruch..." stammelte Remus. Seine Wut war verpufft und hatte einem diffusen Gefühl der Panik Platz gemacht. „...er hat sich verändert..."
„Natürlich hat er sich verändert", sagte Tonks. „Hormone haben diese Wirkung."
Remus Miene verfinsterte sich erneut. Also doch.
Aber diesmal begriff Tonks. Sie machte einen grossen Schritt auf ihn zu, versetzte ihm eine schallende Ohrfeige und sagte: „Du dummer, eifersüchtiger, liebenswerter Idiot! Ich bin schwanger."
Und? Zu vorhersehbar? Habe ich Remus und Tonks in ihrer jeweiligen Art getroffen, oder denkt ihr, sie würden anders reagieren?
