Kapitel 2

St. Mungo

Alice erwachte, als eine Tür laut knallte. Sie schlug die Augen auf und sah in das Gesicht eines blond gelockten, in weiß gekleideten Mannes.
"Na, junges Fräulein auch schon wachß", fragt er enthusiastisch und setzte ein übergroßes Lächeln auf.
Alice zuckte bei jedem Ton zusammen, es war als ob jemand mit einem Schlagbohrer ihre Stirn bearbeiten wurde. Sie fasste sich an den Kopf und ertastete einen dicken Verband.
Als sie sich im Zimmer umschaute, stellte sie fest, dass der Raum als Krankenzimmer fungieren musste, da alles weiß angestrichen war. Neben ihrem Bett erblickte sie einen kleinen Beistelltisch auf dem ein Wasserkrug und ein Glas standen. Ein benutztes, aber leeres Bett stand neben dem ihren.
" Was... was ist hier los? Wo bin ich hier?", sie versuchte sich aufzusetzen, aber der junge Mann drückte sie sofort wieder in die Kissen zurück.
"Sie haben ziemlich was abgekriegt, da in dieser... Schank... stelle, oder wie das heißt!" Er grinste breit und setzte sich auf die Bettkante. "Zum Glück konnten Shacklebolt und Dawlish sie beide noch rechtzeitig herbringen!" Alice schaute den Mann verständnislos an.
"Ach, ich Dummkopf!" Er machte eine entschuldigende Geste. "Ich bin Andrew Commonly, ihr persönlicher Heiler in Ausbildung!" Er hielt ihr die Hand hin. Alice schaute ihn, dann die Hand und wieder ihn an, und als Andrew ihr lächelnd zunickte, schüttelte sie sie irritiert.
"Was genau sind sie, und was meinen sie mit Heiler? Bin ich in so einem Öko Krankenhaus gelandet?" Andrew sah sie verständnislos an und erweiterte sein eh schon übergroßes Grinsen um noch ein paar Zentimeter. "Ach, sie sind ja ein Muggel... Dann können sie auch nicht wissen, wovon ich hier rede!" "Was bin ich?" Alice zog die Augenbrauen hoch.
"Ein M-U-G-G-E-L. So nennen wir Zauberer," er zeigte auf sich, "die nicht magische Bevölkerung. Sie befinden sich hier im St. Mungo- Hospital fur magische Krankheiten und Verletzungen, dem besten Zaubererkrankenhaus in ganz London. Wahrscheinlich ist es auch das einzige, aber egal!" Andrew schwellte die Brust. "Ich bin ein Heiler in der Ausbildung, und die Hospitalsleitung hat mich ihnen zugewiesen." "Zauberer... haha! Sehr witzig!" Alice legte sich die Hände vor das Gesicht. "Wo ist die Versteckte Kamera, und wann darf ich wieder gehen?" "Ooch, sobald erstmal nicht." sagte Andrew "Gleich ist eh Visite, und dann können sie, insofern sie Fragen haben, sich an den Chefheiler wenden." Er wandte sich zur Tür und machte Anstalten sie zu öffnen, als die Tür aufflog und ihm direkt vor die Nase prallte.
Nina stand im Türrahmen. Sie trug einen weißen Pyjama , die Arme voll beladen mit etwas, dass aussah wie Süßigkeiten. Auch sie trug einen Verband um den Kopf und einen um ihr Handgelenk. "Aua!" Andrew griff sich an seine gerötete Nase. "Miss, ich hatte sie doch angewiesen nicht aufzustehen!" Nina seufzte: "Andrew, ich liege jetzt seit einem ganzen Tag in diesem Bett, und warte darauf, dass sie ( Sie zeigte auf Alice) aufwacht." Sie trat ins Zimmer. Alice setzte sich verwundert auf und schaute sich die zwei streitenden Personen an.
"Außerdem," fuhr Nina fort, während sie ihre Ausbeute auf das leere Bett fallen ließ, " war ich nur im Kiosk. Ich bin ja nicht Skateboard oder so was gefahren!" Sie wandte sich an Alice und Andrew japste entrüstet auf. "Miss...!" "Du glaubst nicht, wie cool, es hier ist!" sagte Nina zu ihrer Freundin. Ihre Augen strahlten vor Begeisterung. "Ich habe schon drei Leute gesehen, denen Pflanzen aus den Köpfen wachsen und einen Typ mit einem Elefantenrüssel! Und überall fliegen Sachen in der Gegend rum! Hast du den Kiosk schon gesehen?" Sie wies auf ihre angeschleppte Ausbeute. "Du glaubst nicht was es dort gibt: Bertie Botts Bohnen in allen Geschmacksrichtungen, Bubbels Besten Blaskaugummi, Schokofrösche und Lakritzzauberstäbe!" Nina wedelte mit einem schwarzen Zauberstab vor Alice Nase herum, "ich hab ihn gekauft obwohl ich gar kein Lakritz mag! Die sind einfach zu cool!" Andrew hustelte, um wieder auf sich aufmerksam zu machen.
"Miss McKale, wenn ich mir die Frage erlauben dürfte, woher haben sie das Geld um das alles zu bezahlen?", fragte er.
Nina druckste herum. " Andrew..., sie haben doch vorhin ihren Geldbeutel gesucht..." "Ja." Andrew sah sie aus Argusaugen an. "Und?" " Ich hab ihn gefunden.´" Nina zog einen kleinen, ledernen Beutel aus der Tasche ihres Pyjamas. Andrew grapschte ihn sich und verzog das Gesicht.
"Sie haben mein Geld fur dieses Zeug ausgegeben?" Nina blickte ihn aus Dackelaugen an: "Sie kriegen es bestimmt zurück! Wenn ich endlich den Wechselkurs fur diese Währung herausfinde..." "Wie viel haben sie ausgegeben?" fragte Andrew sie.
"Aaah, ich glaub..." Nina dachte nach. "Eine von den großen Goldenen, fünf kleine Silberne und eine so eine Bronzene..." Andrew sah Alice bekummert an. "Ist die immer so?" Alice, die nicht erwartet hatte angesprochen zu werden, blickte überrascht auf Andrew. "Ja, manchmal schon. Ich glaube sie schuldet mir noch eine Großpackung Haargummis... und eine Tafel Schokolade..." Sie sah ruber zu Nina, die sich gerade über eine Gruppe Schokofrösche hermachte, die auf ihrem Bett herumhüpften.
"Du da druben bist Martha, der neben Martha, den nenne ich... Frank! Und du da, du siehst aus wie ein Max!" Sie zeigte Abwechseln auf die Frösche und taufte sie mit einem kleinen Spritzer aus Alice Wasserglas.
"Schade, dass ich euch aufessen muss!" Sie schob sich Frank in den Mund.
Schmatzenderweise hielt sie Andrew einen Frosch hin.
"Die schmecken echt gut! Du darfst auch einen haben, als Versöhnungsgeschenk, OK?" Andrew seufzte, nahm sich den Frosch und verließ mit einem leise gesagten "Bis nachher!" den Raum.
Nina grinste: "Findest du den auch so süß wie ich?" Alice saß stumm da und blickte sie verständnislos an. "Gib mal einen von den Dingern rüber. Ich glaube Martha wurde ganz gut schmecken." Nina warf ihr den Frosch in den Schoß. "Da, mit besten Empfehlungen von Andrews Geldbeutel!" Alice beobachtete den hüpfenden Frosch aus Schokolade, der es sich auf ihrem Bein gemütlich gemacht hatte.
" Die sind doch nicht etwa echt, oder?" "Nein!" Nina schüttelte sich. "Ich hab die Verkäuferin im Kiosk extra gefragt und sie hat gesagt, die Teile sind nur verzaubert." Alice starrte sie an. "Nur verzaubert? NUR VERZAUBERT?! Was soll das heißen NUR verzaubert?" Sie stand auf, setzte sich aber wieder auf die Bettkante, weil ihr schwindelig wurde. Sie seufzte und knetete ihre Hande.
"Das einzige was ich wei?ß, dass ich in einer Tankstelle zugesehen habe, wie drei Man in Blacks einen Mann getötet haben! Und jetzt bin ich plötzlich hier, mit einer Grinsebacke von Möchtegern- Arzt..." Nina unterbrach sie kleinlaut: "Heiler, die heißen Heiler." "Dann eben Heiler! Ist mir doch egal!" Alice wurde immer lauter. "Das worauf ich hinaus will, ist, dass wir hier an einem Ort sitzen, den wir nicht kennen, mit Personen, die alle offensichtlich einen an der Waffel haben und zeugen eines Mordes waren!" Sie sah zu Nina hinüber, die langsam eine Packung Bertie Botts Bohnen aufriss.
"Und du futterst hier gemütlich irgendeinen Kram, von dem du nicht einmal weißt, was es ist!" "Ich mache eben das Beste aus unserer Lage!" Nina hielt Alice die Packung hin. "Da, probier mal." Sie verzog das Gesicht. "Meiner schmeckt nach Thunfisch!" Alice wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als die Tür sich öffnete.
Herein kamen ein Mann in einen Umhang mit Nadelstreifenmuster und einem Bowler auf dem Kopf. Ihm folgten ein Alterer mit Spitzhut und langem weißen Bart, bei dem Alice sofort an Merlin dachte und ein Mann in einem weißen Kittel, den sie sofort als den von Andrew erwahnten Chefheiler identifizieren konnte.
"Ah, Miss Freeman. Andrew berichtete mir, dass sie soeben erwacht sind!", sagte er. Der Chefheiler ging zu Nina hinüber und schüttelte ihr die Hand. "Wir zwei kennen uns ja schon, Miss McKale." Er drehte sich zu Alice. "Guten Tag Miss Freeman." sagte er. "Ich bin der Chefheiler Hippocrates Smethwyck." Er besah sich ihren Kopf. "Das sieht ja schon wieder prachtig aus!" Alice blinzelte ein paar mal mit ihren Augen. Der Mann im Anzug trat vor und räusperte sich: "Chrm, chrm... Mr. Smethwyck, hatten sie die Güte uns vorzustellen?" Der Chefheiler schwenkte seinen Kopf in Richtung der beiden im Raum stehenden Männer.
"Ach ja... Meine Damen darf ich ihnen Cornelius Fudge, den Zaubereiminister", er zeigte auf den Mann mit dem Bowler, "und Professor Albus Dumbledore, den Leiter der Hogwarts Schule fur Hexerei und Zauberei vorstellen" jetzt deutete er auf "Merlin".
Alice nickte den beiden Männern zu, und sagte anschließend zu dem Chefheiler "Ja das durfen sie... Und sie dürfen mir auch gleich sagen, was ich hier mache, wo ich hier bin und überhaupt was hier alles vor sich geht!" "Ich glaube, da kann ich ihnen helfen" meldete sich "Merlin" zu Wort. Er trat an Ninas Bett, setzte sich an die Bettkante und nahm sich ein Kaugummi.
"Ich darf doch, oder?" er blickte Nina fragend an, die daraufhin nickte. "Hmmm... Himbeere, mein Lieblingsgeschmack!", sagte er, nachdem er sich den Bonbon in den Mund geschoben hatte.
"Also, ihr fragt euch sicherlich, warum ausgerechnet ich und der Herr Minister hier sind." Er warf einen Blick auf Fudge, der seinen Bowler abgenommen hatte. " Es geht um folgendes: Bei der kleinen Auseinandersetzung..." Alice schnaufte verächtlich: "Von wegen klein..." "...bei der ihr beiden Zeugen wart," fuhr Dumbledore ungerührt fort, " handelte es sich um einen Angriff von ein paar Todessern. Sie töteten den Tankstellenwart Bernie Greenish, was ihr bedauerlicherweise mit ansehen musstet." "Ja, das wissen wir auch, nur warum?", warf Nina ein.
"Wir glauben er war ihnen eine Dorn im Auge." Dumbledore fuhr sich über den Bart. "Sie haben schon seine ganze Familie auf dem Gewissen, und wenn Todesser etwas anfangen, dann machen sie es auch gründlich." Alice blickte Dumbledore fragend an: "Wieso, warum tun Todesser so etwas?" "Er und seine Familie haben sich schon immer geweigert, auf ihre Seite zu wechseln. Und jeder, an dem sie interessiert sind und der nicht zu ihnen übertreten will, wird von ihnen getötet." Alice zog die Augenbrauen hoch und fragte, "Und, was wollen sie jetzt von uns?" "Es ist so, sie sind, eines dummen Zufalls wegen, bei ihrem Fluchtversuch aus der Tankstelle hinaus, zwischen die Schusslinie eines Todessers und unserem Auroren, Cliff Fulcher gelangt. Die beiden hatten gleichzeitig einen Fluch ausgesprochen. Sie trafen sich in der Mitte des Raumes und sie rannten direkt hinein. Nun, der Todesser und Mr. Fulcher sind tot." Nina schlug sich entsetzt die Hand vor den Mund und Alice wisperte ein leises "Oh mein Gott".
"Wir haben Grund zur Annahme, dass sich die Zauberkräfte, der zwei auf sie übertragen haben, da bei der Leiche von Mr. Fulcher keinerlei Anzeichen fur magische Energie zu finden war.", schaltete sich Smethwyk ein. "Die Test´s, ob sie nun wirklich die Zauberkräfte in sich aufgenommen haben werden wir morgen mit ihnen durchführen!" "Bitte verstehen sie, dass wir sie hier festhalten musste, sie wären eine Gefahr fur die Allgemeinheit gewesen, wenn sie ihre Kräfte unterbewusst eingesetzt hätten.", sagte Fudge.
"Und was passiert, wenn Sie herausfinden, dass wir wirklich... Magische Kräfte haben?", fragte Alice.
"Sie werden sicher verstehen, dass einige drastische Veränderungen auf sie zukommen werden.", sagte Dumbledore. "Zum Beispiel, ihre Aufnahme in die Magische Gemeinschaft, durch unseren werten Zaubereiminister..." Fudge winkte mit seinem Bowler.
"...und der Besuch einer Zauberschule, die ihre Fähigkeiten fördern wird. Das ist auch der Grund warum ich hier bin", erzählte Dumbledore weiter. "Wir werden heute allerdings nur ihre Daten aufnehmen, zu den Test´s kommen wir morgen, da sie jetzt noch etwas angeschlagen sind." Er wies auf Alice Kopfverband.
Fudge zückte einen kleinen Notizblock. "Wie sieht es denn mit ihrer familiären Situation aus?" Er kramte einen kleinen Bleistift aus seinem Umhang und setzte ihn auf das Papier. Er sah Nina erwartungsschwanger an.
Sie kaute auf einem Blaskaugummi und versuchte zu sprechen, was aber irgendwie misslang.
"Isch hab main Pfaater geschaagt, dasch Älisch misch um älf, schpäätestens nach Hausche bringt. Maine Mudda maschd sisch beschtimmd schon Schorgen!" Dumbledore lächelte und nickte. "Ich werde sofort nach ihnen schicken lassen, damit sie her kommen und wir sie aufklären können. Miss Freeman, wen sollen wir denn bei ihnen benachrichtigen?" "Meinen Bruder..." sagte sie, doch Nina fiel ihr ins Wort: "Ihr schüscher Bruda...", sagte sie und grinste, woraufhin ihr das Kaugummi aus dem Mund fiel und auf den Boden klatschte. "Also wirklich..." Hippocrates Smethwyck wischte das Kaugummi mit einem Zauberstabschlenker weg. Nina sah ihn entrüstet an. "Den wollte ich noch essen! Auf der Packung stand, die halten eine Woche!", sagte sie.
"Miss Freeman, bitte fahren sie fort!", sagte er mit einer Spur Ungeduld in der Stimme.
"Informieren Sie bitte meinen Bruder Alexander Freeman. So, wie ich ihn kenne,wird er sich schon große Sorgen machen." "So, wie ICH ihn kenne, hat er bestimmt schon ein Sondereinsatzkommando nach dir ausgeschickt!", warf Nina ein.
"Haben sie keine Eltern?", fragte Fudge Alice und nuckelte an seinem Bleistift.
"Nein." Alice ließ den Kopf sinken." Sie starben bei einem Autounfall, vor drei Jahren. Seitdem wohne ich bei meinem großen Bruder..." "Na, da wird sich doch was machen lasen!" Fudge notierte sich Namen und Adressen, und verstaute dann den Block und den Bleistift wieder in seiner Umhangtasche.
"Albus, Hippocrates... Ich werde dann mal gehen und alles in die Wege leiten!" "Auf Wiedersehen, Cornelius!" Dumbledore winkte ihm zu, als er durch die Tür ging. Er wandte sich an den Chefheiler. "Ich mochte morgen bei den Test´s gerne dabei sein, wenn sie gestatten, Hippocrates." Smethwyck nickte. "Ich denke, dass wird sich einrichten lasen!" " Und wie sollen diese Test´s aussehen?", fragte Nina verängstigt. "Ich will nicht, dass mir mein Gehirn aus dem Kopf genommen wird!"