Washington D.C., NCIS Hauptquartier
Abbys Lab
Montag
13:30Uhr
Gibbs betrat das Labor und sah sie und McGee mit rauchenden Köpfen vor den Monitoren sitzen. Er musste unwillkürlich grinsen.
„Vielleicht sollte wir Gibbs wirklich vorschlagen...", meinte Abby müde.
„Vielleicht solltet ihr Gibbs was vorschlagen?", fragte Gibbs und sah Abby interessiert an, nachdem sie mit McGee zusammen herumgefahren war.
„Du solltest einen Antrag stellen.", sagte Abby. „Wir kommen einfach nicht rein..."
Er hielt ihr den Power-Drink hin, den er die ganze Zeit über in den Händen gehalten hatte.
„Danke!", murmelte sie und begann zu trinken, während sie Gibbs immer noch beobachtete. Er schien nicht besonders zufrieden mit dieser Wendung zu sein.
„Warum lasse ich euch eigentlich noch bezahlen?", fragte Gibbs und rieb sich über die Augen. „Wenn ich euch nicht hätte, hätte ich auch einen Antrag stellen müssen!" Er sah Abby an. „Warum seid ihr eigentlich in meinem Team?"
Sie senkte den Blick. „Mit dieser Reaktion habe ich gerechnet!", murmelte sie. „Genau mit dieser Reaktion hab ich gerechnet." Sie sah ihm in die eisblauen Augen. „Du bist enttäuscht, nicht wahr?"
Er sah sie an. „Nein. Ich weiß nur nicht, was ich davon halten soll." Dann sah er McGee an, der wieder angefangen hatte, auf der Tastatur herum zu hacken. „Was machst du da, McGee?"
„Ich versuche es mit einem selbst geschriebenen Programm.", sagte McGee, ohne aufzusehen. „Das ist das Letzte, was ich versuchen kann." Er sah kurz zu Abby. „Das kann aber einige Zeit dauern..."
Sie nickte und sah Gibbs an. „Das stimmt! Das kann sogar sehr lange dauern..."
Gibbs nickte. „Hast du inzwischen irgendwas über den Absender und den Rest herausgefunden?"
„Wir sollten McGee nicht weiter stören.", sagte sie und deutete auf den Nebenraum. „Wir können nebenan reden!"
Sie gingen in den Nebenraum. Dort setzten Abby sich auf die Kante ihres Schreibtischs, während Gibbs stehen blieb. Sie sah ihn an.
Er bemerkte ihren Blick und sah sie ebenfalls an. „Was ist los?"
„Es gibt Komplikationen!", sagte sie und sah verlegen zu Boden. „Ich habe die Mail zwar zurückverfolgt, aber es gibt keine Daten zum Inhaber des Accounts."
„Was soll das heißen?", fragte er.
Sie sah ihn an. „Stell es dir wie einen virtuellen Steckbrief vor! Einen Steckbrief, in dem du alle persönlichen Daten eingeben kannst. Dort wir alles festgehalten..."
„Und?"
„Der Steckbrief ist bei diesem Account völlig leer!", sagte sie und machte eine weit ausholende Geste mit ihren Armen. „Keine Adresse, kein Geburtsdatum, nichts!" Sie seufzte. „Es ist nicht mal ein richtiger Name angegeben, mit dem ich weitermachen könnte."
„Soll das heißen, du hast aufgegeben?", fragte er mit durchdringendem Blick.
Sie schüttelte den Kopf. „Ich hab die Mail bis zu einem Internet-Café zurückverfolgt..."
„Und?"
„Ich bin nicht an die User-Daten drangekommen, weil die auf einem PC gespeichert werden, der nicht zum Netzwerk gehört, und, der keinen Zugang zum Internet hat..."
Gibbs sah sie kurz an und wandte sich dann McGee zu, der plötzlich in der Tür aufgetaucht war. „Was ist los, McGee?"
„Abby!", sagte er nur und lief wieder zum Computer zurück.
Alarmiert folgte sie ihm und setzte sich neben ihn. „Was ist los?"
„Wir haben ein Problem!", sagte er und deutete auf den Monitor. „Ein enorm großes sogar!
Sie sah auf den Monitor. „Scheiße!"
Sofort beugten sich die beiden über die Tastaturen, ohne sich weiter um Gibbs zu kümmern.
„Was ist los?", fragte dieser verwirrt.
„Wir sind aufgeflogen. Irgend jemand versucht, uns zurück zu verfolgen...", sagte sie, ohne ihn auch nur anzusehen. „Er versucht, durch das Gate rein zu kommen, durch das wir rausgewählt haben!"
„Ich weiß!", sagte McGee neben ihr verbissen. „Wie werden wir ihn wieder los?"
„Keine Ahnung!", meinte sie. Dann öffneten sich auf den Monitoren alle Fenster, die Abby an diesem Tag bereits aufgerufen hatte. „Scheiße! Er ist drin!"
„Wie bekommen wir ihn jetzt wieder raus?", fragte McGee mit zusammen gepreßten Zähnen.
„Keine Ahnung. Du warst am MIT!", sagte sie und zuckte mit den Schultern.
Plötzlich wurden alle Bildschirme schwarz. Abby sah McGee an. „Gut gemacht!"
„Das war ich nicht.", sagte McGee und sah sie ratlos an.
„Ich auch nicht."
Sie sahen Gibbs an, der einen Netzstecker in der Hand hielt. „Ich denke, ich war's...", sagte er, süffisant grinsend, zu den beiden.
Abby und McGee sahen sich grinsend an. „Das hätte uns auch einfallen können!", sagte Abby und schüttelte den Kopf.
Abby Lab
15:15 Uhr
„So. Ich denke, ich bin fertig.", sagte Abby und nickte Kate zu, die das Internet-Kabel in der Hand hielt und auf ihr Zeichen wartete. Dann sah Abby McGee an. „Bereit?"
Er nickte und ließ seine Knöchel knacken, um sie dann vorsichtig auf die Tastatur zu legen. „Ja. Ich denke schon..."
Kate steckte den Stecker ein. Darauf schien der Hacker gewartet zu haben, denn er war sofort wieder da, und versucht, sich in die große Datenbank einzuhacken.
„Da ist ja unser Freund.", sagte Abby. „Mal gucken, ob er auch damit klar kommt!" Sie gab einen einzelnen Befehl ein.
„Das scheint er geahnt zu haben!", sagte McGee und gab seinerseits einen längeren Befehl ein.
Abby grinste. „Er ist vielleicht gut, aber nicht so gut, wie ich!" Kaum hatte sie den nächsten Befehl eingegeben, jauchzte sie begeistert. „Ich hab ihn! Ich hab ihn!"
McGee nickte ihr zu. „Gute Arbeit!"
„Meine Arbeit ist noch nicht beendet!", sagte sie und gab einen weiteren Befehl ein. „Dann wollen wir doch mal sehen, wer unser Besucher ist!"
Als sich langsam eine weiße Seite öffnete, sagte sie triumphierend: „Hallo Schweinebacke!" Doch, als sie sah, wer hinter dem Hacker steckte, ließ sie ein kleinlautes „Oh!" hören.
Kate und Tony sahen wie gebannt auf den Monitor. Gibbs hingegen starrte Abby an.
„Es tut mir so leid.", sagte sie mit einem entschuldigenden Blick zu ihm. „Ehrlich!"
„Schon gut.", sagte er leise. Dann drehte er sich herum und verließ das Labor.
Kate und Tony folgten ihm, während McGee bei Abby blieb, die starr zu Boden sah...
