Tief unten in der Seele
Dracos Verwirrung ließ seine Gesichtszüge entgleisen.
Sie war eindeutig noch verrückter als er dacht, er hatte sie natürlich schon immer für geistig umnachtet gehalten, doch das bestärkte sein Verdacht nur noch mehr.
„Granger, ich versteh ja wen du mich anziehend findest, aber du musst mich doch nicht gleich abfüllen um mich missbrauchen zu können."
Hermines Gesicht verzog sich zu einer „Das hättest du wohl gerne" Mine und ignorierte seine Worte.
„Ich möchte mich lieber nicht ganz bei mir sein wenn ich dir von mir erzähle, natürlich nur um den Plan zu erhalten und ich bezweifle das du freiwillig mich an deiner Welt teilhaben lässt. Also brauchen wir etwas um die Hemmungen fallen zu lassen, nicht wahr?"
Das bezweckte sie also, sie wollte den unangenehmen teil so schnell wie möglich hinter sich bringen, na gut wenn sie das wollte.
Doch wenn man sich schon betrinken musste, dann sollte man doch lieber mit etwas leichterem anfangen, ein guter Rotwein zum Essen beispielsweise.
„na gut Granger wie du willst, dann lass uns mit dem Essen beginnen und dazu ein Gläschen, oder eine Flasche denn man will ja besoffen werden, trinken."
Hermine nickte mit einem milden lächeln auf den zart rosanen Lippen. Draco hingegen setzte ein süffisantes Grinsen auf und machte eine elegante Handbewegung. Sekunden später hatte er eine Flasche Rotwein und zwei Gläser in der Hand.
Mit geübten Fingern entkorkte er die Flasche und ließ den gegärten Traubensaft in die zwei Gläser fließen.
Der Slytherin setzte sich, hob sein Glass und prostete Hermine zu:
„Auf den Plan und darauf, dass es sich lohnt die tiefen Geheimnisse der Hermine Granger zu erfahren."
Hermine hob ihr Glass:
„ Auf den Plan und darauf, dass es sich lohnt die tiefen Geheimnisse des Draco Malfoy zu erfahren."
Klirrend stießen die edlen Weingläser aneinander, warme braune und kalte graue Augen trafen sich. Ein stummes zunicken das von Hermine ausging und Draco erwiderte.
Ein kräftiger Schluck vom Wein und das Mahl wurde eröffnet.
Zu Beginn herrschte verbittertes Schweigen, nur ein leises „Danke" oder „Bitte" war zu vernehmen, wenn ein Glass Wein nachgefüllt wurde, was fast im 10 Minuten Takt der fall war, oder eine Speise rübergereicht wurde.
Erst als die junge Griffindor die drückende Stille, die schleichend und zerstörerisch ihr Leben heimgesucht hatte, nicht mehr aushalten konnte begann sie sanft, den letzten schluck aus ihrem Weinglas trinkend, ein Gespräch:
„Ich glaube ich beginne mit meiner Kindheit."
Gezielt griff sie nach der Wodka Flasche, schraubte den Deckel ab und füllte ein niedriges Wasserglas mit der schwarz-violetten Flüssigkeit bis oben hin voll.
„Schwarzer Wodka ist das einzige starke alkoholische Getränk das ich ohne zu würgen hinunter bringe, daher dachte ich wirst du es sicher auch leicht haben es zu trinken."
Geschickt füllte sie das Glas des Slytherin der rasch seinen restlichen Wein in einem Zug in sich hinein schüttete. Hermine hielt ihm seine erste Ration Wodka hin, die der Blonde dankend annahm indem er eilig einen großen Schluck daraus nahm, Hermine tat es ihm gleich.
Ohne betrinken würde sie das hier nicht durchstehen.
„Meine Eltern lieben mich abgöttisch, das weiß ich genau, doch sie konnten mir meine Kindheit auch nicht gerade leichter machen. Schon im Kindergarten haben mich die Kinder wegen meiner zu buschigen Haare, den zu großen Zähnen und meiner art alles besser wissen zu wollen verachtet.
Man könnte sagen das zog sie durch bis zu meinem Abschluss meiner Muggelschulzeit."
Ein weiterer Schluck folgte und sie räusperte sich.
„Viel mehr prägte mich nicht in meiner Kindheit, die wenigen schönen Momente waren wenn ich für mich allein war oder mit meinen Eltern zusammen. Einen Freund hatte ich dazumal nie. Wer wollte schon eine Streberin?"
Hermine wollte die Frage nicht beantwortet haben, denn sie wusste die Antwort schon zu lange.
Geduldig schenkte sie sich und Draco nach, blickte ihm auffordernd entgegen und wartete bis er seine Geheimnisse preisgab.
Die Brünette wollte noch nicht alles erzählen, hatte nicht die kraft dazu. Denn es würde heißen sie müsse sich eingestehen was sie für ein beschissenes Leben führte.
Doch noch einmal erhob sie ihre Stimme:
„ Ich hasse Spargeln, mag Regenwürmer nicht und wenn ich mein eigenes Blut sehe wird mir schlecht."
Etwas irritiert suchten die wunderschönen grauen Augen die ihrige.
„Gut zu wissen, jetzt kann ich dich dann den lieben langen tag mit Regenwürmern jagen."
Kam es sarkastisch von dem Blonden der seufzend begann zu erzählen.
„Wenn wir schon dabei sind was wir nicht mögen: Katzen, Tomaten und zu guter letzt habe ich ein sehr ernst zunehmendes Trauma vor toten Fischen."
(mein Schulkollege hat angst vor toten fischen daher dank ich dem mal für diese angst, denn sie hilft mir hier gerade sehr )
Tote Fische? Hermine glaubte sie ersticke gleich vor Lachen. Der willkommene Schluck Wodka kam ihr in den falschen Hals als sie zu lachen begann, was so schnell aufhörte wie es anfing und nun war sie nur noch am röcheln und husten.
Draco machte sich nicht die Mühe ihr zu helfen, es war für ihn eine Genugtuung, man lachte nicht über Malfoys.
Nur schwer konnte sie Hermine erholen, noch immer halb hustend und lachen, wischte sie sich die entstandenen Tränen aus den Augen.
Ein leichtes Grinsen blieb jedoch auf ihrem Gesicht auch wenn ihr Gegenüber sie anstarrte als wenn er sie gleich aufspießen würde.
„Genug gelacht Granger? Kann ich weiter machen?"
Hermine nickte sogleich, trank weiter und schenkte automatisch nach.
„Meine Kindheit war auch verschissen, mein Vater erzog mich sehr strikt nach seinen Wünschen, mir blieb da gar keine Zeit mir selbst ein Bild der Welt zu schaffen. Meine Schulzeit war immer gleich, man fürchtete und verehrte mich. Du weißt ja wie ich das meine, hast es ja am eigenen Leib erlebt.
Meine Mutter fürchtet meinen Vater, doch versuchte sie mich immer so gut es ging zu beschützen, wie man daran sieht das sie mit Snape einen Pakt einging."
Beide spürten schon die Wirkung des Alkohols und redeten immer offener und gelassener.
„Mein Vater ist doch einfach der Arsch der Nation. Der hatte echt das Gefühl mich bei diesem Trottel von Voldemord einzuspannen. Unter ständigem Druck und Angst, der Irre würde mich meucheln, hab ich diesen verdammten Plan entwickelt die Todesser in dieses dämliche Schloss rein zu schleusen."
Draco füllte sich das Glas noch einmal und musste feststellen das die Flasche schon, zu seinem Bedauern, leer war. Eine weile lang starrte er auf den leeren Gegenstand in seiner Hand, als er ihn schulterzuckend an die Wand hinter sich warf.
Ein spitzer Aufschrei von Hermine war die folge, der sogleich zu schallendem Gelächter umgewandelt wurde.
Der Slytherin betrachtete sie argwöhnisch und zuckte noch einmal die Schultern. Griffindor eben.
„Nein, nein, nein. Warte erst einmal bist ich dir erzählt habe was Harry und Ron für Schlappschwänze sind!
Diese zwei Deppen hatten doch wirklich das Gefühl sie könnten mir alle Hausaufgaben abschreiben die sie wollten! Pah! Die beiden sind Stroh dumm! Harry der Vollidiot dachte sogar Cho Chang wollte etwas von ihm und weißt du wie er sie zu einem Date gefragt hatte?
Er hatte ihr beim reden ins Gesicht gespuckt!"
Nun fing auch Draco an zu lachen und die Lachtränen waren nicht mehr weit.
„ Doch das beste kommt noch, die angeblich „besten Freunde" von mir haben es immer für selbstverständlich gesehen das ich keinen Freud hatte! Bis Viktor Krum kam. Da war Ron, der Idiot Platt!
Diese Zwei haben mich immer nur als wandelndes Lexikon angesehen. Ron meinte sogar mal ,Hermine man könnte die gar nicht für ein Mädchen halten du bist so Jungenhaft.' Das ich nicht lache, dummer Arsch."
Dracos lachen verstummte. So war das also, Potthead und Weasel haben den Bieber immer nur als selbstverständlich hingenommen und das passte dem Bieber nicht.
Hermine war nun richtig in Fahrt und plapperte einfach weiter.
„Sie haben mich in stich gelassen, diese verblödeten Idioten. Alleine haben sie mich gelassen. Nicht das es schon gereicht hätte mich auszunutzen und falsch zu verstehen. Nein, sie ließen mich alleine. Ganz alleine."
Die Stimme der Schulsprecherin wurde immer leiser, bis nur noch ein flüstern möglich war wegen den dicken Tränen die über ihre Wangen kullerten.
„Und du. Du hast mich all die Jahre gequält."
Sie schniefte.
„Ich habe keine Freunde, keine Liebe und Kein Selbstvertrauen das zu ändern. Gegen Außen die Starke spielen, Innen schwach und nicht ausgeglichen. Das sind die wunderbaren Geheimnisse von Hermine Granger."
Schloss die Brünette und wischte sich die für sie störenden tränen weg.
Draco starrte wie gebannt auf die Polierte Tischplatte während er das Weinglas in seinen Händen drehen ließ.
Wie er sie doch verstand. Mit jeder Faser seines Herzens konnte er ihr nachfühlen wie es ihr all die Jahre erging und das Beste daran, er hatte perfekt dazu beigetragen sie zu der verzweifelten jungen Frau zu machen die vor ihm saß.
Bitter stellte er fest das Schuldgefühle in begannen zu plagen. Er war mit Schuld.
Waren Menschen dazu Verdammt den Leuten in seiner Umgebung das gleiche leid zuzufügen das an einem selber begangen wurde?
Was hatte sie ihm den schon getan? Nichts.
Sie war einfach nur zur falschen zeit am falschen Ort gewesen.
Doch nun saß sie vor ihm, versuchte nicht zu Weinen, weil der Drang stark zu sein sie nicht los ließ.
Sie war doch so zierlich und zerbrechlich. Warum lässt man sie nur alleine?
Draco begann sich zu schämen für seine Beschimpfungen die er ihr Tag für Tag mit einem bitterbösen klang in der Stimme ins Gesicht schleuderte.
„Granger."
Hermine zuckte unter der ungewohnt sanften Stimme zusammen. Blickte jedoch fragend auf.
„Es tut mir Leid was ich dir angetan habe Granger."
Stille, niemand bewegte sich, bis Hermine schließlich zögernd nickte.
Der dunkle Himmel vor dem Fenster war wie schon seit Tagen immer noch bewölkt, auch in dieser Für Herbst Klirrend kalten Nacht.
Hermine und Draco waren zu Bett gegangen, jeder in seine eigenen Gedanken vertieft.
Keiner von beiden, wagte zu sagen wie das alles enden wird, doch beide wussten es wird kein leichter Weg werden.
Nicht nur wegen den sich schon rüstenden Feinden. Nein, es war mehr die Angst davor sich in diesem kommenden Krieg zu verlieren und nie mehr die wenigen schönen Dinge des Lebens zu genießen. Die Angst nie die ersehnte Liebe zu finden.
