Kapitel 4: Auftritt: Haer'Dalis
Nix sagt... -nur stumm die "Ich verehre SokratesJunior fürs Betan und alle die Gerieviewt haben"-Flagge schwenkt und sich verkriecht.
Kapitel 3: Nur ein Moment... (Auftritt: Haer'Dalis!)
Dunkle Schatten drängent sich in winzige
Ecken, während der flackernde Lichtschein den Raum erhellte. Der
Raum lag in vollkommener Ruhe.
Doch sollte das nicht allzulange
währen, denn schon schlug in der Ecke die alte Uhr zehn mal. Die
Schüler, die sich bis jetzt noch nicht in den Betten befanden,
gaben spätetstens jetzt Fernsengeld, wenn sie sich nicht den
Schrecken eines sehr erbosten Slytherin-Sechstklässerlers
aussetzten wollten.
Snape trat genau zwei Minuten nachdem der
letzte der Schüler gegangen war in den Gemeinschaftsraum.
Erstaunt sah er sich um, 'was ist denn hier los?'
Es war wahr,
dass er seine Pflicht als Hauslehrer in der letzten Woche etwas
vernachlässigt hatte und nicht nachgesehen hatte, dass sich alle
um halb elf in ihren Betten befanden, doch normalerweise waren um
diese Uhrzeit zumindest noch einige der älteren Jahrgänge
auf. Doch das absolut NIEMAND da war, hatte er in seinen ganzen
dreizehn Jahren, die er bereits Hauslehrer war noch nicht
erlebt.
Ganz in Gedanken vertieft bemerkte er nicht, wie sich eine
Tür öffnete und ein dunkelhaariger Junge hereinkam.
Dementsprechend erschrocken sprang er auch einen Schritt zurück,
als der Junge ihn mit einem höflichen "Professor"
ansprach.
"Mister Potter!", rief er und schlug sich eine
Hand aufs Herz, "Gottverdammt nochmal, können Sie nicht
etwas lauter laufen wie jeder andere Mensch auch, damit man Sie
rechtzeitig bemerkt und nicht gleich einen Herzinfakt bekommen
muss?"
Harry zog eine Augenbraue hoch, eine kleine
Fertigkeit, auf die die Bewohner des Slytherinhauses eine Pacht
hatten und deswegen von so gut wie keinem der anderen Häuser
benutzt wurde.
"Es tut mir sehr leid Professor, ich werde
mich bemühen in Zukunft etwas lauter zu sein", meinte Harry
mit leichtem Spott in der Stimme. Ohne den Mann weiter zu beachten
ging er zu einem der Sessel nah am Feuer und begann seine Taschen zu
entleeren.
Aus der Hemdtasche kamen zwei Tintenfässer und
eine Pergamentrolle zum Vorschein, die Feder zog er hinter dem Ohr
hervor und die Schachtel Zigaretten aus der Gesäßtasche.
Mit einem ununterdrücktem Seufzen lies er sich in dem warmen
Sessel nieder. Seine Hand zuckte automatisch zu seinen Kippen, von
denen er sich so gleich eine anzündete, bevor er aus einer
Umhangtasche eine reichlich gefüllte Flasche undefinierbaren
Inhalts hervorzog und das mitgebrachte Glas füllte. Erst, als er
kurz und mit verträumten Lächeln genippt hatte, wandte er
sich dem Pergament zu. Langsam und mit geübten Bewegungen fuhr
der Schreibaufsatz der Feder über die frische Seite und füllte
den Raum mit der kratzigen Melodie der Kreativität.
Snape stand stocksteif.
Ignoriert.
Einfach so ignoriert.
"WAS zur Hülle denken Sie, was Sie da tun Mr. Potter?", fragte Snape mit gefährlich leiser Stimme.
"Schreiben, Professor Snape", war die Antwort.
Die Augen des Älteren verengten sich. "Sie werden auf der Stelle die Zigarette ausmachen und mir die Schachtel mitsamt der Flasche überreichen. Ich werde so ein Schauspiel der Respektlosigkeit gegenüber einer Lehrkraft und dem Regelwerk dieser Schule NICHT DULDEN! Haben wir uns verstanden Mr. Potter?", schnaubte er kalt.
Severus liebte es die Macht seines Amtes zu
gebrauchen. Es war wie eine Sucht. Anfangs, als er noch ein Grünling
in seinem Beruf war, hatte er die ihm gegebene Macht nur spärlich
eingesetzt. Was daraus resultierte war vorhersehbar: Die Schüler
machten was sie wollten, sein ihm anvertrautes Haus tanzte ihm auf
der Nase rum, der Rest des Lehrerkollegiums betrachtete ihn mit
abwertenden Blick, wie eine Made etwa, die es wagte die Fühler
aus ihrem Versteck zu strecken. Doch nicht mit ihm. Er hatte Gebrauch
gemacht von den Waffen, die er besaß. Seine Stimme hatte er in
Kälte und Beherrschtheit geschult, die Zunge geschärft, die
gefühlsvertuschenden Schleier von seinen Augen genommen und sein
Aussehen verkommen lassen, so dass niemand es mehr wagte, ihn wegen
seiner Eitelkeit zu hänseln.
Es hatte ihm anfangs Spaß
gemacht zu sehen, wie die Erstklässler sich windend vor ihm auf
den Boden warfen und wie selbst die Siebtklässler zurückwichen,
wenn er mit unheilsverkündenden Schritten die Gänge
entlangeilte.
Der Lehrkörper brachte ihm seitdem Respekt
entgegen, niemand zweifelte mehr seine Worte an, niemand wagte es ihn
zu kritisieren.
Es hatte ihm Spaß gemacht seine Macht zu
benutzen, doch wie jedes Geschenk hatte es eine Kehrseite.
Einsam hatte es ihn gemacht.
Heute hing kein Spiegel mehr in seinen
Zimmern, denn er hasste den Anblick seiner Selbst, hasste den
Menschen, zu dem er verkommen war.
Und doch brachte es ihm
Respekt, ein Gefühl dazuzugehören, wie alle anderen. Das
war es wert, hatte er sich immer gesagt. Heute klang sein Mantra
selbst in seinem eigenen Kopf hohl und stumpf.
Das war der Grund,
warum er Potter und Malfoy mochte und zugleich hasste. Einerseits
gaben sie ihm das Gefühl, als würde er nicht dazu gehören,
hassten die Person, zudem er geworden war wie er selber. Andererseits
stellten sie genau das in Frage, was er all die Jahre aufgebaut
hatte, die Masken, der Respekt, die von ihm verbreitete Angst... er
war nicht in der Lage loszulassen, sein derzeitiges Weltbild hatte
sich viel zu tief in ihm verwurzelt, als das er davon ablassen
konnte. Deshalb auch die Bestrafungen. Die, teilweise in den Augen
der Schüler, grundlosen Bestrafungen.
Harry rollte mit den Augen. "Sie sollten vielleicht mal die Schulordnung lesen, wenn Sie versuchen wollen, sie zu verteidigen, Professor. Denn nirgends steht dort geschrieben, dass es den über sechszehnjährigen verboten ist zu rauchen oder zu trinken, ob nun auf dem Schulgelände oder nicht. Es gibt lediglich die Einschränkung, es nicht in der Sichtweite eines der jüngeren Schüler zu tun. Und wenn Sie die Güte hätten sich umzusehen, kein jüngerer Schüler in Sicht, SIR", das letzte Wort spuckte er regelrecht aus.
Zähneknirschend musste Severus ihm rechtgeben. Der Kleine hat seine Hausaufgaben gemacht, dass musste man ihm, wenn auch recht widerwillig, lassen. Doch ging es nicht, dass dieser aufgeblasene, selbstherrliche Wicht so einfach einen Sieg eringen konnte. In den Tiefen seiner Seele sollte er getroffen werden, sich vor ihm im Staub des Bodens winden dafür, dass er es wagte ihn herauszufordern. In diesem Moment brannten Snapes Augen, als stünde sein Inneres selbst lichterloh in Flammen.
Ein atemberaubender Anblick.
Nur war
niemand da, der ihn bewundern konnte... oder wollte, denn Potter
hatte seinen Kopf schon wieder abgewendet.
Mit langen Schritten
staktste der Professor zu dem kleinen Tischchen hinüber, auf dem
der junge Slytherin seine Pergamentrolle abgelegt hatte und schnappte
sie unter Potters zugreifender Hand weg.
Sterben, um diesem
hoffnungslosen Leben ein Ende zu bereiten;
Sterben, um das
überflüssige Ich zu beseitigen;
Sterben, um diese
ständigen seelischen Scherzen zu beenden;
Sterben, um endlich
in Frieden leben zu können.
"Aber, aber", schnurrte Harry mit einem leicht selbstzufriedenen Grinsen, als er das Gesicht seines Lehrer erblassen sah, "so schlimm wird es doch wohl nicht sein? Schließlich war hier nur ein einfältiger Schüler am Werk und kein herausragender Dichter..."
Der Wind pfiff durch die unbenutzten Korridore der Kerker.
Dunkel. Allein. Verlassen.
Doch davon hörte man in dem Gemeinschaftsraum nur wenig, viel zu laut klang das Prasseln des Feuers wieder, viel zu sehr blendete sein Schein, viel zu erregt ging ihr Atem. Erregt von Wut und Anspannung. Erregt von Resignation und Angst.
Gedankenstrüme stürzten auf ihn ein,
vernebelten seinen Verstand.
Schmerz war alles, was er in diesem
Augenblick hätte wahrnehmen können. Doch der war weit
weg... zu weit um ihn im Augenblick erreichen zu können.
Wie
konnte es nur sein, dass dieser Junge... Es war nicht möglich.
Niemand konnte so sein wie er selbst. Niemand hatte damit zu kämpfen,
niemand.
Er war doch allein...
"Fünfzehn
Punkte Abzug von Slytherin wegen zu späten Aufseins."
Seine
Stimme klang kratzig und unbenutzt, wie das Schaben von altem Metall
auf nassem Stein.
Er fühlte sich in diesem Augenblick alt.
Alt und aufgebraucht, benutzt auf eine Weise, für die er nicht
geschaffen worden war.
"Ja, Sir...", murmelte sein Schüler, der bereits aufgestanden war und seine Sachen wieder verstaut hatte.
Leise, schleichend.
'Wie Gift', kam es ihm in den Sinn, 'Wie ein langsamwirkendes Gift...'
Ein
leichter Luftzug umschmeilchete ihn, als der Junge an ihm
vorbeischritt.
Er erwartete das dumpfe Geräusch einer
schließenden Tür, doch es kam nicht so schnell wie er sich
erhofft hatte.
Die Abschiedsworte seines Schülers haltten
noch lange wieder.
Nicht im Raum, der Hall reichte nicht sehr
weit, doch in seinem Kopf werden sie unvergessen
bleiben.
"Einsamkeit ist keine Selbstbestrafung, wissen Sie? Es ist nur eine Tür, die einem den Weg in die Freiheit weist."
Die große Halle war mit dem üblichen Geschnatter unzähliger Schüler erfüllt, nur für einige Sekunden vom (wie immer spektakulären) Auftritt der Slytherins unterbrochen wurde, die geschloßen zum Frühstück erschienen. Professor Snape führte heute Morgen den Zug nicht an, dafür aber einer der jüngsten Erstklässler, der die Aufgabe für sehr wichtig zu halten schien, da er seine Brust stolz emporstreckte, als er die Tür für den Rest aufhielt.
Mit bedächtigen Schritten zog die Prozession ein, setzte sich andächtig an ihre Plätze und legte wie immer eine Gedenkminute ein, bei der der Rest der Schülerschaft mitlerweile mitmachte. Sie fanden es einfach richtig, auch wenn jeder "nur" seinen eigenen Verlusten gedachte.
Langsam kehrte wieder Leben
in der Halle ein. Fröhliches Geschnatter, aufgeregtes Quitschen
und das klappernde Geräusch vom Frühstücksgeschirr war
wieder zu hören.
"Hast du mitlerweile mal mit ihm
gesprochen?", fragte George seinen jüngeren Bruder, der
darauf prompt rot anlief und etwas von "Gefährlichen
Bodyguards" murmelte.
"Ich glaub´s einfach
nicht!", rief Fred halb empört, "Du spielst dich doch
sonst auch immer so auf Ron, da kann es doch wohl nicht so schwer
sein Harry einfach mal abzupassen und ihn um ein Gespräch unter
vier Augen bitten! Man, was ist nur mit euch los? Erst kriegt Hermine
'nen Koller und schottet sich von euch ab, dann wechselt Harry
einfach das Haus, ohne was zu sagen und du... du hängst hier nur
noch rum wie so'n Trauerklos!"
"Macht´s doch
selber, wenn´s euch so interessiert! Wenn Harry nicht mit mir
reden will, werd ich ihn nicht dazu zwingen! Genug Gelegenheit hatte
er ja, also liegt es nicht an mir! Und jetzt lasst mich in Ruhe
essen...", grummelte Ron halb wütend, halb beleidigt.
Das
Gesicht halb verziehend knurrte Fred, "Dann gehen wir heute nach
dem Unterricht gemeinsam zu ihm, so einfach ist das. Er muss uns ja
nichts sagen, aber zuhören wird er auch jeden Fall."
"Und
was, wenn nicht? Willst du ihn dann zwingen?"
"Hast du
ihn denn gefragt? Bist du wirklich zu ihm hingegangen und hast ihn
gefragt?"
Zühneknirschen. "Nein!"
"Dann
machen wir uns darüber Gedanken, wenn es so weit ist! Und jetzt
iß auf, wir wollen ja, dass du groß und stark wirst!",
grinste George und zwickte seinem Brüderchen in die Wange.
"Ich
HASSE mein Leben", murmelte Ron beleidigt, "Und noch mehr
hasse ich euch!"
Die Zwillinge grinsten nur, eine Mischung
aus brüderlicher Liebe und unverhohlener teuflichkeit. Den
anderen lief bei diesem Gesichtsausdruck ein kalter Schauer über
den Rücken.
Die Zeit lies
sich nur langsam dazu bewegen endlich zu vergehen.
Sekunde um
Sekunde tickte vorbei und lies die drei Brüder immer nervöser
werden.
Was, wenn er nichts sagte?
Was, wenn er sie nicht mal
anhörte?
Er war schließlich ein Slytherin und alle
Slytherin waren schlecht.
Musste er es dann auch sein? Gab es den
Harry, den sie kannten überhaupt noch?
Leicht stieß
Fred seinen Bruder an und murmelte aus dem Mundwinkel heraus: "Wie
lange noch?"
"Drei Sekunden weniger als das letzte mal,
dass du gefragt hast", gab dieser zähneknirschend
zurück.
Seine Nerven lagen blank. Wenn Harry nicht mehr Harry
war, was würde Ron dann tun? Konnten sie
ihn beschützen?
War Ron wirklich stark genug auch noch Harry zu verlieren?
Fred
griff unter dem Tisch nach Georges Hand. Ganz deutlich konnte er die
Sorge spüren, die sein Zwilling
in riesigen Wellen von sich
abzugeben schien. "Er wird es uns erklären. Alles wird
gut..."
"Wenn die Herren Weasleys sich dann wieder auf
den Untericht konzentrieren würden?", schnappte die steife
Stimme McGonagals nach ihnen.
"Ja
Professor!"
"Ja
Professor!", murmelte der Rothaarige mit gesenktem Blick.
"Fünf
Punkte Abzug von Griffindor wegen mangelnder Aufmerksamkeit.
Konzentrieren Sie sich endlich mal! Und es sind nur vier
Fledermausflügel, nicht sieben, wie oft muss ich es ihnen noch
sagen?!"
Er fühlte sich schelcht. Sein ganzer Magen
schien sich zu verknoten und mit dem Rest seiner Organe zu
verschmelzen. Das Resultat war alles andere als angenehm. Er hasste
es. Er hasste diese Unwissenheit, die an ihm nagte wie eine Ratte an
einem Stück Speck. Was wenn...? Kann es wirklich sein,
dass...?
Er hasste Harry in diesem Moment, der der Grund für
dieses miese Gefühl war.
Er hasste Snape mit seiner ewig
schlechter Laune, besonders weil dieser es heute wirklich auf ihn
abgesehen hatte.
Er hasste seine Brüder dafür, dass sie
ihn in diese Situation gebracht hatten.
Und vor allen Dingen
hasste er sich im Moment, schaffte er es ja noch nicht mal seine
Gedanken zu beenden. Wann war nur die Stunde endlich rum? Dann könnte
er Antworten bekommen! Sollte er es wagen früher zu gehen? Zu
sagen, ihm wäre übel und sich zur Krankenstation begeben?
Nein, besser nicht. Madamme Pomfrey würde ihn nur die Nacht über
da behalten und diese grässliche Warterei würde überhaupt
kein Ende finden. Vorrausgesetzt Snape, der heute ganz besonders
übelgelaunt schien, würde ihn überhaupt gehen lassen
und ihn nicht...
RUMPS
Das laute Geräusch schreckte ihn aus seinen Gedanken.
Severus Snape
hatte in der Tat nicht die beste Laune, als er diesen Morgen
aufstand.
Die Episode mit diesem Schandfleck namens Potter lag ihm
schwer im Magen. Welcher Teufel auch immer ihn geritten hatte, den
Bengel in sein Haus zu holen, konnte er jetzt nicht mehr
nachvollziehen. Vielleicht war es auch ein Plot von dem Dunklen Lord
oder Dumbledore um ihn leiden zu lassen.
Ja, dachte er sich, dass
muss es sein!
Zur Besserung seiner Laune trug es trotzdem nicht
bei.
"Einsamkeit ist keine Selbstbestrafung, wissen
Sie?"
Nein, das war sie wirklich nicht. Aber es war ein gutes
Mittel um die anderen fern zu halten.
Leute wie Potter zum
Beispiel. Leute, die versuchten ihn zu analysieren und ihm kluge
Worte um die Ohren zu pfeffern, wobei sie nicht den blassesten
Schimmer hatten, wovon sie sprachen.
Doch was er gestern gelesen
hatte... nein, es konnte nicht sein, also war es auch nicht so.
Ruhig
denken, logisch analysieren und die Göre, Göre sein lassen.
Nicht mehr lange Severus, dann bist du ihn los, nicht mehr
lange.
Verdrängung ist gut... doch leider in dem meisten
Fällen nicht sehr hilfreich.
Wie auch in diesem.
Der
ultimative Tiefpunkt des Tages kam mit seiner letzten
Unterichtsstunde.
Potter war immernoch da. Stolz saß er auf
seinem Stuhl, die Augen halb geschloßen, ihn mit starrem Blick
beobachtend.
Ein leichtes Grinsen umspielte seine Mundwinkel,
eines mit vielen Beudeutungen.
Seine Schlange hatte sich um seinen
Hals gewunden, sah ihn aus verträumten Augen an, als wisse
sie...
Doch was sollte sie wissen? Es gab nichts zu wissen. Er war
kalt, ungesellig und ein Ekel, mehr durfte es nicht geben.
"Die
heutige Stunde wird in Einzelarbeit verbracht werden. Ich werde nicht
einen Mucks von euch hören, sonst könnt ihr euch auf die
Strafarbeit eures Lebens gefasst machen. Keine Notizen, keine Bücher,
die Instruktionen stehen an der Tafel!", bellte er und die
Klasse brach in hektische Betriebsamkeit aus.
Langsam zog der
Professor seine Kreise. Immer wieder den einen oder anderen Schüler
runtermachend, wegen diesem oder jenem Fehlers.
Ihm war kalt. Das
flackernde Licht der Kerkerfackeln tat nichts dagegen. Träumerisch
dachte er an die gute Flasche Cognac, die in seinem Schlafzimmer auf
ihn wartete, wie eine sehnsüchtige Geliebte oder wie auch immer
das in diesen Schundromanen immer genannt wurde.
Und doch... doch
sehnte er sich nach ihrer Umarmung, die ihn in seliges Vergessen
hinabgleiten lies.
Was meistens allerdings in einer ziemlichen
Katastrophe endete, weil der Dunkle Lord sich natürlich genau
die einsamsten seiner Nächte, die in denen er der Versuchung
nachgab und sich vollends in die dunklen Tiefen der Flasche
hinabgleiten lies, aussuchen musste um ein Treffen
einzuberufen.
Versucht mal die Position eines Spions zu bewahren,
wenn ihr nicht einmal mehr wisst, wo eure eigenen Beine sind, das ist
wirklich ein Vergnügen, herzlichst zu empfehlen!
Grüne
Augen folgten dem reservierten Tränkemeister. Abwesend
tätschelte er den Kopf seines schuppigen Freundes und lächelte
ob der gezischelten Bemerkung.
"Bald", antwortete er,
"Sehr
bald..."
RUMPS
"LONGBOTTOM!!",
dieses Wort kam einem vor wie ein Mantra, wie ein Déjà-vu,
etwas, dass mit einer natürlichen Regelmäßigkeit kam,
wie die Tatsache, dass Schnee kalt war oder das Blumen im Sommer
blühten.
Wer in diesem Moment das unvorteilhafte Schicksal
hatte, an der Tür des Kerkersaals vorbeizugehen, zog am besten
den Kopf ein und eilte so schnell wie möglich an einen weit
entfernten Ort, denn... Snape war wütend.
Nein, streichen wir
das, das hatte weniger Auswirkung auf andere.
Nein, es war noch
viel schlimmer. Snape war sauer auf Neville Longbottom: scheuer,
etwas tappiger Griffindor im sechsten Jahr, hervoragender Botaniker
und Tränke-in-die-Luft-Jager Extraordinair. Manche munkelten
sogar, dass alle Snape-Hasser zusammengelegt hatten, Neville am
letzten Schultag eine Medalie für seine heldenhaften Sprengungen
des Arbeitsplatzes eben genannten Tränkemeisters zu
überreichen.
Was daran so interessant sein soll, wenn es doch
immer wieder passiert? Nun, das ist leicht zu beantworten: Es
geschahen jedesmal außergewöhnliche Dinge, wenn Neville
etwas in die Luft jagte, sei es nun nur, dass es einen riesigen
Krater im Boden gab oder dass sogar plötzlich überall
Blumen aus den Wänden wuchsen, war dem Zufall überlassen.
Dieses
mal geschah kein solches Wunder. Zumindest im ersten Moment
nicht.
Verwirrt sahen sich die Schüler an.
Nichts?
Gar nichts?
Bis auf das der Kessel geschmolzen war, aber das war
keine Seltenheit, nein, irgendetwas musste noch passieren, da waren
sie sich sicher... nur was?
Nur
langsam kam Ron wieder unter dem Tisch hervorgekrochen und stellte
mit kindlicher Freude fest, dass er diesesmal nicht mal EINEN Tropfen
abbekommen hatte!
Ein Tag zum Feiern!
Ein Tag zum im Kalender
anstreichen! Wenn er Hermine erzählte... aber nein, halt, sie
sprach ja nicht mehr mit ihm...
Mit der typischen
Weasley-guten-Laune sich selbst motivierend, startete er einen neuen
Versuch:
Ein Tag zum Feiern! Ein Tag zum im Kalender anstreichen!
Wenn er Harry das nur erzä... nein halt, mit dem konnte er ja
gerade auch nicht sprechen, weil da ja immernoch dieses kleine
Problem mit Harrys Emblem auf seiner Schuluniform war.
Resulatat:
Ron kochte. Und diesesmal war es kein Trank, sondern seine eigene
Wut.
"Was hast du Nichtsnutz von einem pathetischen Anfänger jetzt schon wieder angerichtet? Kannst du dich denn nicht einmal konzentrieren? Ist denn das so schwer Sandel von Wurmholz zu unterscheiden, hm? Rausschmeißen sollte ich dich, für immer von diesem Klassenzimmer verbannen!", schrie ein extrem gereizter Snape, als er sich vor Neville aufbaute. "Und wag es ja nicht die Schuld wieder auf andere zu schieben, ich habe sehr wohl gesehen, WAS DU GETAN HAST!"
In diesem Moment machte Ron den Fehler seines Lebens, eine kleine Unachtsamkeit, für die er sich schon Augenblicke später hasste: von Snapes lautem Organ aufgeschreckt zuckte er zusammen, kam dabei an eine Phiole, die sich, angetrieben von der Schwerkraft, todesmutig in Richtung Boden stürtzte. Die Welt hielt den Atem an, Sekunden streckten sich, als der Rothaarige sich in einer heldenhaften Rettungsaktion auf die Knie warf, um die kostbare Phiole vor dem schmerzhaften Aufprall zu bewahren. Nicht zu vergessen, dass die plötzliche Bewegung des Professors Aufmerksamkeit erregte.
"WEASLEY!",
bellte er sogleich drauf los, in einer Art und Weise, dass der Rest
der Klasse nicht einmal wagte, ohne Erlaubnis mit der Wimper zu
zucken. Die Griffindors ahnten schlimmes. Angst zuckte wie flüssiges
Gift durch ihre Nervenbahnen. Punkte würden fliegen, dessen
waren sie sich sicher.
"Warum haben Sie dieses zerstörerische
Indivdum nicht aufgehalten? Sie sitzen doch genau daneben!"
Hermione
sprach nicht mehr mit ihm. Harry war ein Slytherin. Seine Brüder
würden ihn später mitschleppen, um mit dem Jungen zu reden.
Snape schrie ihn an. Ron platzte der Kragen.
"ICH HABE MICH
AUF MEINEN EIGENEN TRANK KONZENTRIERT", brüllte er zurück,
atmete einmal tief durch und fuhr dann mit emotionsgeladener Stimme
fort, "Genauso wie Sie es angeordnet haben. Sie selbst haben
doch gesehen, was Neville vor hatte, warum haben Sie" ihn nicht
aufgehalten? Mh?"
Es entgeht vielleicht vielen Schüler, aber Lehrer sind auch nur Menschen... nun zumindest zum größten Teil... und Menschen mögen es nunmal nicht, auf ihre eigenen Fehler hingewiesen zu werden. Einige können ein bestimmtes Maß an Kritik ertragen, doch Severus Snape, Tränkemeister, Spion, Diener zweier Meister und Menschenhasser in persona gehörte nicht zu ihnen. Eher im Gegenteil. Deswegen ist es auch weit weniger verwunderlich, dass die Triade, die auf Mr. Weasleys Worte folgten, nicht für die Ohren der Welt geeignet waren und ein Großteil der anwesenden Schülern mit mehr als bleichem Gesicht aus dem Kerker flohen, nachdem eben genannter Professor die Anweisung... nein, den Befehl dazu erteilte.
Zerêsetô
wartete geduldig. In der Tat gab es auf der ganzen weiten Welt kein
geduldigeres Wesen, als Setô. Die Zeit zum Handeln würde
kommen. Die Zeit der Offenbarung nahte, doch jetzt war es noch nicht
so weit. Jetzt war die Ewigkeit dazwischen. Das lange Harren in
finsterer Starre
Lauernd. Drohend.
Es gab nichts schöneres...
Bald, schon bald würde Setô zuschlagen und Schicksal und
Verdammen in die Knie zwingen... nein, zu Sklaven machen, die nur
darauf hofften Wünsche erfüllen zu dürfen.
Doch
noch nicht, aber das machte nichts, denn Zerêsetô hatte
Zeit. Alle Zeit der Welt und noch viel, viel
mehr.
George war besorgt. Kein
Seltenheit in der letzten Zeit, aber es wurde immer schlimmer. Nicht
nur, dass Ron den ganzen Tag schon schlechte Laune hatte, nein seit
dem er aus Zaubertränke zum Abendessen kam, war dessen
Gemütszustand bis ins Bodenlose gesunken und man konnte ihn gar
nicht mehr ansprechen ohne Gefahr zu laufen den Kopf abgerissen zu
bekommen. "Was wohl passiert ist?", fragte Fred ihn zum
wiederholten male. Er zuckte nur mit den Schultern. "Es heißt,
dass er heute Nachsitzen hat..." George seuftzte, sein Zwilling
konnte manchmal aber auch so was von naiv sein, "Was gibt´s
sonst noch neues, er muss doch ständig irgendwo nachsitzen! Mach
dir keine Gedanken drüber." Fred sah ihn nicht an, hatte
seine Augen starr auf den Teller gerichtet, "Aber was
wenn..."
"Nichts wenn!", unterbrach er ihn,
"Sollte er ein Problem haben, dann wird er sich schon melden.
Wir machen weiter mit unserem Plan. Heute wird erst einmal Harry
ausgequetscht, alles andere ergibt sich von alleine."
"Und
wenn nicht?" Zaghaft, unsicher, schüchtern.
"Dann
haben wir ein Problem..."
Fred wollte gerade ansetzten etwas
zu erwidern, als mit einem Mal die schweren Tore der Halle mit
ohrenbetäubendem Poltern aufflogen und alle Augen auf sich
zogen. Durch den steineren Torbogen trat ein Junge mit majestätischer
Ausstrahlung, die Nase stolz in die Luft gereckt, alle Blicke auf
sich ziehend. Sich mit einer Hand durch die schwarzen Haare fahrend
trat er mit sicherem Schritt in den Korridor zwischem dem Hufflepuff
und dem Ravenclawtisch und steuerte direkt auf die Lehrer zu.
Ein
unterschwelliger Ton breitete sich aus, wie das aufgeregt hektische
Summen eines Bienenschwarms an einem besonders warmen
Sommertag.
"Mich deucht ich komme ungelegen,
verzeiht mein
Eindringen zu solch später Stund,
doch meine Reise hat sich
etwas mehr verzlögert als ich hoffte", sprach die in
dunkelblau gehüllte Gestalt, als sie die große Halle mit
Neugierde mussterte, ein leichter Akzent schwang in seiner Stimme
mit, kaum wahrnehmbar und doch sehr vertraut.
"Gott verdammt, der hat eine mystische Aura, die reicht um zehn Trewlanys für Jahrhunderte zu versorgen", murmelte Blaise zu Harry, der nur stumm nickte und mit leicht interesiertem Blick die Szene verfolgte. Die Schlange um seinen Hals zischte zufrieden. "Was ist, meine Schöne, kennst du den Jungen?", seine Stimme war leise doch das Reptil hörte ihn trotzdem. "Flüchtig", antwortete sie, "Ssssssehr flüchtig..."
"Darf ich fragen, was Ihr hier wollt, Mr...?", sprach Dumbledore den Jungen an. Ein bezauberndes Lächlen breitete sich auf dem hübschen Gesicht aus, "Oh, verzeiht erwührdiger Adler, mein Name ist Haer'Dalis, ich bin gekommen um an dieser Akademie zu studieren..."
Betrübt lies Ron sich in den Sessel fallen. Soviel also zu dem "Gespräch", dass seine Brüder ihm prophezeit hatten, gar nichts war. Sobald die Lehrer sich von ihrem Schock erholt und den sprechenden Hut geholt hatten, war Haer'Dalis nach Slytherin gekommen. In seinen Jahrgang. In Harrys Jahrgang. Dass dieser sich dann natürlich so schnell wie möglich mit seinem Haus aus dem Staub gemacht hatte, um den Neues etwas auszufragen und einzugewöhnen, muss nicht extra erwähnt werden. Keine Möglichkeit auch nur irgendwie mit Harry zu reden. Eine Katastrophe für Rons Laune, die schon von Anfang an nicht besonders gut gewesen war. Er seuftzte und begab sich ins Bett. 'Vielleicht ist das Schicksal morgen gnädiger', war sein letzter, leicht resignierter Gedanke, als er sich vollkommen erschöpft endlich in die Federn warf.
Im Gemeinschaftsraum der Schlangen war an Schlaf gar nicht erst zu denken. Noch ein Neuer. Das wurde ja immer besser! Erst Harry Potter und jetzt dieses anbetungswürdige Geschöpf, dass wie aus einem Märchenbuch entsprungen zu sein schien. [1 Aufgeregtes Geschnatter flog über den Kopf des schwarzhaarigen Schönlings hinweg, als er von der Meute in einen der weichgepolsterten Sessel bugsiert wurde. Die Mädchen erröteten Scharenweise, als er sie mit einem der bezaubernsten Lächeln auf Gottes grüner Erde bedachte. "Danke meine Tauben", lachte er vergnügt, "Hätte ich gewusst, dass ich einen derartigen Empfang bekomme, hätte ich mich noch mehr beeilt um zu euch zu gelangen!"
"Wo kommst du eigentlich her?", fragte einer aus der Dritten neugierig. Eine Frage, die allen auf der Zunge brannte. Haer'Dalis Kleidung gab darüber wenig Aufschluß. Ein schwarzer Umhang, blaue Leinenhosen und ein einfaches, hellblaues Hemd war alles was er trug. Ungewöhnlich für einen Slytherin, die normalerweise viel Wert auf Schmuck und Accesoirs legten.
"Ich
lebe an einem weit entfernten Ort, der ganz nah ist", kam die
kryptische Antwort. Harry rollte mit den Augen.
"So
skeptisch, mein Rabe?", fragte Haer'Dalis gut gelaunt, "Mich
deucht, du würdest mir nicht glauben."
Eine Hochgezogene
Augenbraue. "Mein Rabe? Seh ich aus wie ein flatterndes
Federvieh?"
"Nun die Ähnlichkeit ist ist
unverkennbar, meint ihr nicht meine teure Amseln?" Ein tiefes
Erröten ging um und mehrere der Mädchen fächelten sich
Luft zu. Lag es an der Jahreszeit oder war es hier immer so heiß?
Harry
war gerade dabei zu antworten, als ein warnendes Knurren aus einer
der Ecken des Gemeinschaftsraums erklang, kurz bevor die amtierende
Königin aller Schmusekatzen stolz zwischen die Menge stolzierte
und graziös auf den Schoß ihres Herrchens sprang.
Hocherhobenen Hauptes und aufmerksamkeitheischend sah sich der kleine
Tiger um.
"Aisutora!", ein amüsiertes Lachen,
"Schön das du dich auch mal aus dem Zimmer traust."
Vergessen war der Neue und Harrys ganze Aufmerksamkeit ruhte nun auf
der Katzendame, die er zärtlich mit Streicheleinheiten
verwöhnte. Ausrufe wie "niedlich" und "süß"
klangen durch den Raum, doch nicht jeder teilte diese Auffassung.
"Aisssssssssssssutora... wass machssst du denn hier?
Ssssagte ich dir nicht, du sssollsst im Zimmer bleiben und den
Meissster nicht in Verlegenheit bringen mit deinem übergeschnappten
Auftreten?", eifersucht schwang kaum überhörbar in der
Stimme des vernachlässigten Schuppentieres mit. Tora drehte
einfach nur den Kopf weg und kämmerte sich nich weiter darum.
Herrchen würde sich schon darum kümmern, dessen war sie
sich sicher. Sonst tat er ja auch alles, damit es ihr gut ging, da
würde auch dieses übergroße Reptil nichts dran
ändern.
"Ich rede mit dir", zischte die Schlange
erbost und schlang sich mit graziler Bewegung um das Kätzchen.
"Das
ist genug", knurrte Harry als deutliche Warnung, "Lass sie
in Ruhe und komm her."
"Du verwöhnssst sie viel zu
ssssehr! Wie sssoll sie dir nützlich sein, wenn sie esss nicht
einmal schafft sich selbsssst zu verteidigen?"
"Sssie
ist noch ein Kind!"
"Bisssssst du auch!"
Grüne
Augen zogen sich zu schmalen Schlitzen zusammen, "Wenn ich sage:
'esss reicht!' reicht esss, hassst du mich verstanden? Ich bin kein
Papagei der sich ständig wiederholen mussss! Jetzt lassss sie
losss und komm her..."
"Aber..."
"Keine
Widerrede!"
"Ja Meissster...", zischelte das Tier
gehorsam und fügte leise hinzu, "Meissster kann dich nicht
immer beschützen". Mit fließenden Bewegungen lies sie
sich wieder auf Harrys Schultern nieder und starrte mit finsterem
Blick in die Masse, die mit Interesse das Schauspiel verfolgt hatte.
Instinktiv merkten die Bewohner Slytherins, dass jetzt wohl der beste
Zeitpunkt war um sich in die Federn zu hauen und eine seltsame
Müdigkeit breitete sich aus. Innerhalb von Minuten war der
Gemeinschaftsraum leer und man konnte nur noch das neugierige Staunen
Haer'Dalis im Gang nebenan hören, der von Draco und Blaise
davongeschleift wurde.
Severus
Snape brach mit müden Stöhnen in seinem Sessel zusammen.
Wenn die Woche so weiter ging, dann würde er am Ende einen
ausgedehnten Aufenhalt in einer Nervenheilanstalt nötig haben.
Verzogene Gören, Nichtsnutze und elende, aufgeblasene Aroganz wo
man nur hinsah. Kein schöner Ort, wenn man doch einfach nur sein
Wissen weitergeben wollte.
Der Zwischenfall mit dem Weasley war
die absolute Krönung eines absolut schrecklichen Tags gewesen.
Nicht nur, dass der Dunkle Lord um zwei Uhr nachts eine Versammlung
einberufen hatte, nein, er hatte auch noch die Frechheit bessesen,
ihn gerade früh genug gehen zu lassen, dass er seine erste
Stunde mit nur drei Minuten Verspätung beginnen konnte. An
Frühstück oder gar eine Dusche war ja gar nicht erst zu
denken gewesen, dann Berichterstattung an Dumbledore in der
Mittagspause, wieder kein Essen und schließlich und
schlußendlich der Auftritt von diesem blasierten Haer'Dalis,
sodass sein Abendessen nur aus zwei oder drei Bissen bestand. Die
Welt war nicht fair.
Den Vogel hatte McGonnagal abgeschloßen,
als sie nach der Hauswahl für den neuen Schüler verkündet
hatte, dass Sirius Black in den nächsten Tagen auftauchen würde,
um im Schloß Unterschlupf zu suchen. Zumindest mal für
einen Monat. Einen Monat zu lang, wie Snape fand.
Gedankenverloren
starrte er ins Feuer, dass Prasseln das einzigste Geräusch im
Raum.
Erdrückend. Kalt.
'Wenn Black hier wirklich
auftauchen sollte, dann wird es Tote geben', er seuftzte genervt und
lies den Blick vom Kamin auf den kleinen Schrank daneben wandern, in
dem funkelnd mehrere Glasflaschen mit herrlich hochprozentigem
Inhalt... 'NEIN! jetzt wird nicht getrunken... morgen einen Kater
haben, das wäre ja noch schöner!'
Was hatte er denn der
Welt getan, dass man ihn so bestrafen musste?! War er nicht immer ein
braver Junge gewesen, der artig seine Gemüse gegessen und kleine
Käfer gequält hatte?
In Selbstmitleid versinkend raffte
er sich auf und bereitete sich auf das zubettgehen vor. Der letzte
Gedanke, bevor er - vor Wut kochend - in tiefen Schlaf fiel, war:
'Wenn Black nach den Noten seines möchte-gern-Weltretter-Patensohns
fragen will, dann muss er wenigstens nicht mich... DOCH!!! Oh,
verdammt! Er muss mich ja fragen! Was zum Teufel hab ich da nur
angestellt?'
Jaja... Selbstmitleid und Masochismus waren schon
immer die Steckenpferde des Severus Snape
gewesen.
Der nächste Tag
fand Neko bereits um fünf Uhr wach und mit kleinen Pfötchen
die Äuglein reibend. Warum genau das leise Getrappel von den
Füßen des Menschlings ihn geweckt hatte, konnte er nicht
sagen, doch war seine Neugierde groß genug um herauszufinden,
was den Schwarzpelzigen zu dieser Stunde aus der kuschligen
Schlafstatt scheuchte. Leisen Schrittes machte sich die Raubkatze auf
die Pirsch, immer dem silbrigen Geruch des Menschen folgend.
In
den längeren Teilen der Höhle war es kalt, so als würde
dieses weißes Zeug, in dem man so schön spielen konnte,
liegen, doch man fand hier leider seltener - sehr zum Bedauern seiner
Spielkameraden Tora und Raku, der Tigerdame und dem Panter. Doch Moos
wuchs hier in rauen Mengen, wenn man wusste wonach man suchte, ein
Fakt über den sowohl er, als auch Raku sehr erfreut gewesen
waren, denn so hatten sie, ganz gentelmenlike, dem Tigermädchen
einen weichen Liegeplatz bauen können, was sie mit höchster
dankbarkeit angenommen hatte. Jaja... die schöne Tora... Neko
schüttelte den Kopf, der Tiger war im Moment egal, es ging um
den Menschen, er durfte ihn nicht verlieren, sonst war alles für
die Maus!
Weit ausholend, nunja so weit wie es seinem jungen
Körper möglich war, rannte er über den Steinboden,
rauschte um mehrere Ecken, froh endlich wieder die Glieder strecken
zu können. Das viele Nichtstun und Langweilen der letzten Woche
war einfach furchtbar für die Gelenke! Er sollte die beiden
anderen Katzen heute Nachmittag zu einer Runde Fangen herausfordern
oder Sei, den dösigen Feuersalamander, ärgern. Von Ragon
hielten sie alle lieber Sicherheitsabstand, wer wusste denn schon,
was in dem Kopf von so einem Drachen alles vor sich ging?
Aber er
schweifte ja schon wieder ab! Das war ja nicht zum aushalten! Wie
kann man nur so träumerisch sein? Wieder schüttelte er den
Kopf um ihn frei von allen störenden Gedanken zu bekommen. Wegen
seiner schussligkeit wäre er fast in die Kante eines dieser
Baumteile rein gerannt! Ein Glück, dass er die Kurve noch
rechtzeitig bekam.
Vorsichtig betrat er den Raum. Er erkannte ihn
wieder, es war der feucht-warme, auf dessen Boden man leicht
ausrutschte, wenn man nicht aufpasste. Seeeeeehr gefährlich mit
den vielen Löchern! Nur schnell sehen, was der Menschling hier
tat und dann raus, bevor noch irgendein Unglück passierte...
oder noch schlimmer: bevor die beiden Ratten, Hugin und Mugin, die
mit dem anderen schwarzpelzigen Menschling kamen noch das Nest von
Tora zerstörten! Von Panik durchzogen warf er nur einen
schnellen Blick über den Raum, sah den Blonden und den Meister
von Tora in Sicherheit - auch wenn die sehr komisch dastanden, als
müsste der eine den anderen stützen - und sah zu, dass er
zurück kam.
Es war noch
stockdunkel, als Harry erwachte. Wie immer zwei Körper an ihn
geschmiegt, sehr zu seinem Unbehagen, er hasste es numal einfach,
wenn man ihn anfasste. Doch irgendetwas musste ihn aufgeschreckt
haben... irgendetwas war nicht richtig, ganz so, als würde etwas
fehlen. Suchend streifte sein Blick durch den Raum, an dessen
Schwärze seine Augen sich langsam gewöhnten. Seine Schlange
war, wo sie sein sollte: um einen der Bettpfosten gewickelt, die
Katzen lagen in ihrer Ecke, der Salamander lag neben dem Drachen auf
dem Baldachin. [2
Blaise zu seiner linken, dass würde sich
aber gleich ändern, und Haer'Dalis zu seiner rechten, alles ganz
normal... Halt mal, Haer'Dalis?? Was hatte der denn bitte schön
da verloren?
Innerlich über aufgeblasene möchtegern
Schönlinge fluchend, versuchte er aufzustehen ohne einer seiner
beiden Betteindringlinge zu stören. Merlin bewahre, dass die ihn
auch noch am frühen Morgen störten! Ein kurzer Blick auf
die anderen Betten bewies, dass auch da sich der Blonde nicht
aufhielt oder aufgehalten hatte, da sie schon, wie seit Tagen,
unbenutzt da lagen. Harry überlegte kurz ob es sich lohnen würde
einfach in einem der anderen Betten zu schlafen um die ungewollten
"Gäste" endlich los zu werden, verwarf den Gedanken
aber schnell. Die würden ihm wahrscheinlich auch dann folgen,
wenn er sich am Südpol ein Bett aus Schnee und Eis bauen würde.
Die sollten sich 'ne Freundin zu legen, alle samt. Wer so scharf auf
Körperkontakt mit ihm, war konnte einfach nich ganz richtig im
Kopf sein... naja... oder man hatte es einfach nur extrem nötig.
In
abgrundtiefer Selbstverleumdung schwelgend, machte er sich auf die
Suche nach dem Malfoysprößling. Weiß Merlin, was der
um diese Nachtschlafende Zeit im Kerker trieb und wenn er ihn fand...
mhh... Erpressungsmaterial konnte man nie genug haben, wer weiß
schon, wann man Macht über einen Malfoy brauchte? Ein
selbstgefälliges Grinsen umspielte seine Lippen. Vielleicht bot
sich auch die Gelegenheit endlich seinen Plan in die Tat umzusetzten,
zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen sozusagen.
Tja, kommt Zeit, kommt Rat. Mit diesem Motto im Sinn schlich er um die Ecken des Kerkes, immer nach dem blassen Schimmer des Blondschopfes ausschau haltend. 'Draco Dormien Malfoy, du bist fällig!'
Besagter Malfoy
nahm unterdessen eine einladend warme Dusche. Nachtmahre und Alps
hatten seinen Schlaf auf grausamste Art heimgesucht, indem sie sich
von hinten anschlichen, als er sich gerade in einem der schönsten
Träume seines Lebens wälzte. Wie Raubtiere hatten sie auf
ihn eingebissen und alles zerschlagen, was sein Innerstes ausmachte.
Kurz gesagt: es ging ihm verdammt dreckig. Deswegen auch der hastige
Rückzug aus dem, zugegeben unangenehm überheitzem Bett.
Aber was erwartet man, wenn man vier Jugendliche auf eine Fläche
von 2x1,5 m mit einer erheblich zu dünnen Decke bei einer
Außentemperatur von an die -2°C quetschten?
Nun, was
Haer'Dalis da verloren hatte, verstand er erst recht nicht. Warum
hatte Blaise ihm nur gesagt, dass ginge schon in Ordnung? Hatte der
Junge denn so überhaupt kein Schamgefühl? Man, da kannten
sie den Kerl gerade mal zwei Stunden und Blaise musste ihn schon in
ihr Bett einladen. Obwohl es, obejektiv betrachtet, eigentlich Harrys
Bett war... nunja, wenn der Schwarzhaarige sich nicht beschwerte -
und das hatte er nicht, soweit sich Draco erinnern konnte - war es
seine eigene Schuld!
Tief durchatmend streckte er sein Gesicht
dem Wasser entgegen, lies es an sich abperlen, wie böse Worte
und schlechte Gedanken. Es war eine Befreiung, den Schmutz einfach
abzuwaschen, sich in der Gewissheit wiegen, dass man wieder rein war,
unschuldig genug um der Welt gegenüber zu treten. Doch leider
fühlte man mit jeder Sekunde des Tages, wie neuer Schmutz sich
festsetzte, tief in der Seele, auf der Oberfläche des Seins, auf
der eigenen Haut. Jede noch so kleine Lüge, jeder abfälliger
Gedanke bleibt verborgen vor anderen, doch muss man nicht anderen
Rede und Antwort stehen, nur sich selbst. Auch mit aller Magie ist es
nicht möglich zu sehen, was in anderen vorgeht, selbst der
gefürchtete Legilimentik kratzt nur an einer Fassade, die zu
fest ist um hindurchzusehen. Draco wusste das, trotz seiner jungen
Jahre. Seit der frühesten Kindheit hatte er seinen Vater
nachgeahmt und viel über Masken und Illusionen gelernt, ein
Wissen, dass so nützlich wie auch gefährlich war. Nur die,
die selbst einen Schutz um sich aufbauen, nur deren Blick schärft
sich, sieht leichter durch Mauern und das was andere versuchen zu
verstecken. Doch will man seine Mitmenschen so genau kennen? Mit
genug Zeit und Ausdauer kann man vielleicht alles erfahren, was man
wissen will, doch wozu? Um Macht auszuüben? Nein, an Macht kann
man auch auf leichteren Pfaden kommen. Wozu also... wozu...
Sich
seiner kreisenden Gedanken bewusst werdend schüttelte der Blonde
mürrisch den Kopf. Weg damit, es war zu früh und er zu
nüchtern um solch tief philosophischen Gedanken nachzuhängen.
Sich Zeit lassend, verließ er die Dusche und griff blind nach
seinem bereitgelegten Handtuch, doch da war nichts. Erstaunt sah er
auf, das Platschen der letzten Tropfen aus der Duschbrause auf den
blanken Fliesen vollkommen ignorierend.
Blicke trafen sich, ein Mund zum selbstgefälligen Lächeln verzogen, eine neckisch hochgezogene Augenbraue und ein sehr verwirrtes Gesicht. "Suchst du zufällig das hier?", eine Tonlage, die jeden talentierten Profi-Callboy den Atem geraubt hätte. Draco war zwar nicht unbedingt jemand, der sich wahllos alles was zwei Beine hatte an den Hals schmiss, doch war er auch nicht unberührt. Er hatte in seinem Leben schon einige 'jeder-Wunsch-würde-dir-von-den-Augen-abgelesen-werden-wenn-du-mich-nur-JETZT-nimmst'-Stimmen gehört, doch das hier lies seinen Kiefer einen eigen Willen entwickeln, der, ganz brav den Regeln der Physik folgend, sprichwörtlich zu Boden krachte. Das weiße Tuch wurde neckisch vor seinen Augen herumgewedelt, doch als er seine Hand danach ausstreckte, war es schon fort. "Nananana...", ein leichtes Schmunzeln, "Wer wird denn hier so voreilig sein?" Draco war das Ganze nicht allzu geheuer. Der Ausdruck auf Harrys Gesicht hatte einen furchteinflößenden Zug bekommen. Langsam wich er ein Stück zurück. Der Schwarzhaarige folgte ihm. "So schüchtern, Malfoy? Das ist doch sonst nicht deine Art..."
Nun, damit hat der allerdings recht. Eine kleine
Stimme, die sehr nach seinem Vater klang, schrie ihn an, dass er sich
endlich wie ein richtiger Malfoy benehmen sollte! "Nein! ",
murmelte er und wich noch einen Schritt zurück. Aus feurigen
Augen starrte Harry den Jungen an. "Was soll das?", fragte
der Blonde verwirrt, "Warum bist du hier? "
"Du und
ich, wir haben noch eine Rechnung offen...", grinste Harry,
"Weißt du, es wird wohl an meiner Erziehung liegen, mein
Leben mit meinen Verwandten, das mich lehrte, daß es immer
besser ist anderen Leuten alle Wünsche von den Augen abzulesen.
Ich habe deine Augen gesehen Draco... Sie starrten mich an... Ich
frage mich, was du dir gewünscht hast...", schnurrte er
süßlich, "Geld wird es wohl nicht sein. Einfluß
und Macht doch auch nicht, oder? Aber was dann? Verrätst du es
mir Draco?" Sein Ton war lieblich, lockend, und seine Augen
glitzerten, als wäre er zu allem bereit. Sein Gesicht war jetzt
gefährlich nahe. Draco schluckte schwer.
'Perfekte Situation', dachte er, 'Das schaffst auch nur wirklich nur du! Jetzt bist du ihm schon so nahe, und dann darfst du doch nicht einmal irgend etwas tun, außer dastehen und ihn verschüchtert anstarren. Wirklich toll gemacht! Entweder du verrätst dich jetzt oder du machst dich zum totalen Idioten, was deine Chancen auch nicht unbedingt verbessern würden. Bravo Draco, ganz hervorragend hast du das hinbekommen...'
"Wolltest du mit
meiner Präsenz deinen Namen reinwaschen? Wolltest du
Informationen, wie du bestimmte Gryffindor besser angreifen kannst?
Denkst du denn, ich würde sie dir so einfach geben? Nichts im
Leben ist umsonst", erklärte Harry und Draco kam nicht
umhin, sich wie ein kleiner Schüler zu fühlen, der gerade
von seinem Mentor belehrt wird.
"Alles hat seinen Preis,
selbst dein Tod muß bezahlt werden. Und dein Leben. Sei froh,
dass deine Mutter sich bereit erklärte die Qual deiner Geburt zu
ertragen und nicht jemand anderes kam den Preis von dir zu
holen.
Also sprich deinen Wunsch Draco, es könnte deine
letzte Chance sein..." Sein Körper zitterte, als ob eine
unerklärliche Erregung von ihm Besitz ergriffen
hätte.
"Wähle!"
Draco schluckte
schwer. Konnte er es wagen nachzugeben? Den Begierden seines Körpers
endlich ein Ende zu setzten? Oder würde er noch mehr wollen,
nachdem er Harrys süße Lippen gekostet und seinen Körper
gespürt hatte? Er wusste es nicht. 'Circe, so hilf mir doch',
flehete er, doch vergeblich. Kein Engel stieg herab um ihn aus diesem
Kampf zwischen Lust und Verstand zu befreien, kein übernatürliches
Wesen erhörte seinen Ruf.
Wimmernd schloß er die Augen,
konnte es nicht mehr ertragen so zerrissen zu werden, wie in den
letzten Tagen. Ein ewiger Streit, den seine eigene Stimme gegen sich
selbst ausfocht.
"Bitte", bettelte er. Ja, betteln war
gut. Besonders, wenn man nicht weiß, um was man bettelt. Noch
immer schrie die Stimme des Malfoy-Patrichaten in seinem Kopf, sagte
ihm wie erbärmlich er war, seines Namens nicht würdig. Und
Draco musste es sich eingestehen, dass es stimmte. Gleichtzeitig war
es ihm völlig Gleichgültig. Wen interesierte schon ein
Name, wenn man einen seiner innigsten Wünsche, seinen schönsten
Traum erfüllt bekam? Sich innerlich straffend, öffnete er
die Augen wieder. Nebel legte sich über seine Sicht.
"Dein
Wunsch sei mir Befehl", flüsterte Harry, neutral, wie
abwesend und gleichzeitig so wachsam wie ein Luchs auf
Beutefang.
Langsam trat er näher an Draco heran, seine
Lippen leicht über dessen Schulter streifen lassend. Seine Hände
wanderten wie von selbst zu Dracos Seiten. Sanft strichen sie
darüber, folgten einem unbeschreiblichen Rythmus, den nur sie
kannten. Draco war sich nicht sicher, ob ihre Vorsicht nun jemandem
glichen, der sich mit einer extrem zerbrechlichen Porzelanvase
beschäftigte oder mit einem veränstigtem Tier, das auch nur
bei dem kleinsten unachtsamen Moment ein extrem tötliches Gift
in seinen Körper stechen könnte. Zitternd vor Aufregung und
Nervosität lehnte er sich gegen die Steinfliesen. Ihre Kälte
machtem ihm nicht aus, nein, er spürte sie nicht einmal, nur die
Hände, die mit unheimlicher Präzision seinen Körper
zum singen brachten. Nur einen Wimpernschlag später begann er zu
wimmern, grub seine Finger in Harrys Haare, als dieser vor ihm auf
die Knie ging und sich seinem sensitivsten Bereich zuwand.
Kleine
Blitze zuckten durch seinen Körper, von den Zehen bis zur
Kopfhaut. Wie eine Welle schwappte die Erregung über ihn hinweg,
schwemmte ihn fort. Hinter seinen geschloßenen Lidern eine
Wiese aus weißem Licht mit tausenden schwarzen Eisblumen,
vielfarbige Schmetterlinge in seinem Bauch. Ein Kribbeln, das sich im
ganzen Körper ausbreitete, seine Sinne berauschte und nur noch
die Erinnerung eines klaren Gedanken zurückließ.
Sonnenstrahlen, so dunkel wie die Nacht und so hell wie die Schöpfung
selbst, verworren, kein Ende in sicht.
Hitze schoß durch ihn
hindurch kitzelte jeden noch kleinen Nerv wach, sammelte sich tief in
seinem Zentrum, setzte sich dort fest, reitzte ihn zum bis zum
Äußersten. Oh so bittersüßer Schmerz, quälend
in seiner Unendlichkeit, so schnell vergangen wie der Flügelschlag
einer Libelle. Ein Gefühl wie tausend Amnetysten, die seine Haut
durchbohrten und heilten zugleich. Häßlich durch scharfe
Kanten und dunkle Schatten und wunderschön wegen ihrer grünen
Farbe. Und immer wieder Harry, Harry, Harry.
Nur
einen Herzschlag lang war er sein, niemand konnte ihn ihm nehmen,
niemand durfte ihn berühren, ihn nur ansehen. Tod und Verdammnis
sollte auf jeden regnen, der es wagen würde. Und einen
Augenblick lang war Draco nicht mehr sein eigener Herr, er war ein
Sklave, ein Gefanger seines Meisters, der ihn auf sanften Schwingen
immer höher und höher beförderte, bis er glaubte den
Boden nie wieder zu sehen. Farbenloses Feuerwerk zündete sich in
seinem Körper und er kostete den Moment voll aus, spürte
ihn auf seiner Zunge, brannte ihn in sein Gedächtnis. Instinktiv
wusste er, dass er diese Höhen nie wieder erreichen würde,
nie wieder...
Mit einem Mal war er traurig, als seine Knie weich
wie Butter wurden und unter ihm nachgaben. Schwer sackte er gegen die
Wand. Kälte drang in seinen Körper, überwältigte
ihn. Der warme Körper, seines Stütze, sein Leben waren auf
einmal nicht mehr da. Er wagte es nicht die Augen zu öffnen,
wagte nicht die Realität zu sehen... den Schwarzhaarigen, von
dem er noch vor wenigen Minuten glaubte, dass er ihn liebte.
Desillusioniert sackte er weiter zusammen und hoffte, die Welt würde
sich spalten und ihn in ihren warmen Schoß aufnehmen, weit weg
von hier bringen, an einen Ort, wo er allein war. Einen Ort, wo es
keinen Harry Potter gab. Einen Ort, an dem keine Stimme ihn anschrie,
dass Draco Malfoy niemals lieben könnte, erst recht nicht einen
Erzfeind der Familie. Einen Ort, an dem er der Stimme nicht recht
geben musste.
Zarte Finger griffen nach seinem Kinn, zwangen
ihn aufzusehen, in diese smaragdgrünen Augen, die ihn sonst
immer gefesselt hatten, mit Stricken, die nicht sichtbar sind für
das menschliche Auge. Nun waren es nur Augen. Schöne Augen, ohne
Zweifel, ihre Farbe erinnerten ihn noch immer an Amethysten, doch war
ihre Magie verloren. Tränen rollten seine Wangen hinab, bevor
sie von weichen Lippen hinfort geküsst wurden.
Harry
lächelte. "Dein Wunsch ist erfüllt. Mögen höhere
Mächte geben, dass deine Wahl weise gewesen sei."
Dann
ging er fort.
Stand einfach auf und ging fort.
Er lies mehr
zurück, als einen weinenden Jungen.
Er lies einen gebrochenen
Malfoy zurück.
Einen gebrochenen Malfoy, einen Schuldner.
Es war
ruhig in seinem Klassenzimmer. Niemand wagte auch nur von seinem
Kessel aufzusehen. Gut. Sehr gut. Es war wie Balsam für seine
zerschundene Seele... nun eher für seinen dröhnenden Kopf,
aber wen interesierte es schon, wenn der Meister der Tränke
Kopfschmerzen hatte? Niemanden. Und da das niemand tat, musste Snape
es selber tun. Lautstark, gefolgt von mehreren Flüchen unter
anderem einem kollektiven Silencio und einem patentiert starrendem
Blick. Und nun... Ruhe.
Mit aller Gemütlichkeit, die sein
Stuhl hergeben konnte, saß er da und schaute in die Runde...
Kein normaler Schüler, der es wagte auch nur
aufzusehen...
Leider gab es gerade in dieser Klasse einen Schüler, der nicht normal war und der immer wieder finster zu ihm aufsah. Er hatte den Bann gelöst, bevor er auch nur von ihm getroffen wurde, dass wusste der Professor, doch er blieb still. Severus war fast dankbar. Aber auch wirklich nur fast, denn es war mal wieder Harry Potter, der die Frechheit besaß sich gegen ihn aufzulehnen. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn jedesmal, wenn diese Augen auf ihn fielen. Das Gefühl, als würde eine Gewitterwolke direkt über seinem Kopf aufziehen und der Blitz würde bald herniederfahren und seinen zarten, von den Jahren gezeichneten Körper in Flammen aufgehen lassen. Doch noch war es nicht so weit. Noch befanden sie sich in seinem Klassensaal, seinem Reich, hier konnte ihm nichts passieren, denn hier war sein Wort Gesetzt.
Nein, Größenwahn war dem Spion nicht
fremd, eher ein angenehmer Begleiter seit frühester Kindheit,
seit dem Zeitpunkt, an dem er zum ersten Mal an einem Kessel
gestanden hatte und begriff, welch eine Macht damit verbunden war.
Einen Trank zu brauen und zu verwenden war meist eine nützlichere
Fähigkeit, als Bekannt und Beliebt zu sein. Konnte denn Einfluss
so schnell töten wie eine gute Dosis Nachtschatten? Oder so
schnell jemanden zur Wahrheit zwingen wie Veritaserum? Konnte Geld
denn einen Werwolf an einer Vollmondnacht aufhalten?
Genau dessen
war sich Severus bewusst und er genoß dieses Wissen fast so
sehr wie den Geruch von nackter Angst, der von seinen Schülern
bei seinem Anblick ausging.
Das Geräusch von Korken, der auf Glas scheuert, schreckte ihn aus seinen Gedanken. Er sah auf und bemerkte, dass der Großteil der Klasse bereits aufräumte. Wie schnell doch die Zeit vergeht... "Ich erwarte Ihre Proben auf meinem Schreibttisch, bevor Sie sich leise zum Ausgang begeben. Wenn Sie den Fluch wieder loswerden wollen, sollten Sie sich an einen ihrer komptenteren Mitschüler wenden, die über das Wissen des Gegenspruches verfügen. Ich glaube zwar nicht, das es viele davon gibt, aber mit etwas Glück werden Sie ja vielleicht fündig. Einen angenehmen Tag wünsche ich noch", schnarrte der Professor und lies das 'Hoffentlich sterbt ihr bald, damit ihr meine Zeit nicht nocheinmal verschwendet', das er so gerne angefügt hätte, unausgesprochen. Mit kindlicher Freude sah er zu, wie Schüler um Schüler aus dem Klassenzimmer verschwand und einige unter seinem Starren sogar anfingen zu Zittern. Jaja... die Angst... Er hätte es sogar richtig genießen können, wäre da nicht dieser nervtötende Schüler gewesen, der sich Zeit mit dem Aufräumen lies.
Ganz
gemächlich packte Harry seine Sachen ein. Zuerst ein Tintenfass,
dann sein Buch. Es fiel ihm aber auf, dass das Tintenfass unter der
Last des Buches vielleicht zerbrechen könnte, also packte er
beides wieder aus und in ungekehrter Reihnfolge ein. Aber wenn sich
der Korken lösen würde, dann würde sein Buch ganz und
gar mit Tinte beschmiert werden, also doch lieber umgekehrt... so
packte er wieder beides aus und dann das Tintenfass zuerst und dann
das Buch ein. Aber da waren doch noch mehr Bücher, die auch
beschmiert werden könnten. Also alles wieder ausgepackt, dann
das Fässchen als erstes, dann die Bücher wieder rein. Aber
die Bücher als insgesamtes wogen doch schon einiges und das Glas
des Fäschens war so dünn... also doch lieber obendrauf.
Wieder alles ausgepackt fiel sein Blick auf eine Seitentasche, wo das
Fässchen sicher von den Büchern getrennt wäre und das
er auch normalerweise benutzte um es zu transportieren.
'Manchmal
bin ich doch wirklich ein Schussel', dachte Harry mit
selbstzufriedenem Lächeln.
Mit einem leichtem Pochen
hinter der rechten Augenbraue, das immer mehr anschwoll, sah Snape
dem Schüler zu. Ein nagendes Gefühl stieg in ihm hoch,
zerfraß ihn fast. Am liebsten hätte er sich auf ihn
gestürtzt und zu tode geprügelt oder zumindest eine saftige
Ohrfeige verpasst, doch er durfte nicht! Mit mühsamer
Beherrschung schloß er die Augen und versuchte ganz langsam bis
zehn zu zählen, doch schon bei vier konnte er sich nicht mehr
kontrolieren.
"MR. POTTER! VERLASSEN SIE AUGENBLICKLICH
DIESEN KLASSENSAAL! UND HEUTE ABEND MELDEN SIE SICH PÜNKTLICH UM
NEUN ZUM NACHSITZEN! HABEN SIE MICH VERSTANDEN?", schrie er
aufgebracht, 'Verschwinde, bevor ich wirklich die Gedult verliere!'
Mit einem unschuldigem Lächeln nickte Harry fast begeistert. Mit
einem höflichen, "Sehr wohl Professor, alles was sie
wünschen Professor", war der Junge aus der Tür
verschwunden.
Erschöpft lies Snape sich auf seinen Stuhl zurück fallen. Jetzt hatte er sogar vergessen dem Jungen Punkte abzuziehen...
Schwarze
Drachen und feuerspeinde Gargoyles, okay, aber doch nicht... das!
"Du... ihr... was?", zitterte Ron und starrte mit
ungläubiger Miene auf seine Brüder, die ihn mit gewohnter
Unschuld anlächelten.
"Das ,herzallerliebstes
Brüderchen..."
"...ist unsere neueste
Erfindung!"
"Wir nennen es den 'Schwänz-O-Mat-2000",
grinsten die... nun drei Zwillinge. Auch wenn Ron sich sicher war,
dass seine Mutter keine Drillinge auf die Welt gebracht zu haben,
standen da DREI von der selben Sorte. Drei mal rote Haare und
Sommersproßen und das fast patentierte "Unruhestifter"-Funkeln
in den Augen.
"Wenn man hier rein geht", erklärte
einer der drei vergnügt.
"...kommt dort eine lebensechte
Kopie der Person dort heraus", erklärte der Zweite
weiter.
"Leider hält diese Kopie nur 4 bis 5 Stunden,
aber das ist genug, um im Untericht anwesend zu sein, ohne anwesend
zu sein."
"Es spaltet einen sozusagen einmal in der
Mitte und komplettiert die Hälften durch ein wenig Magie."
"Was
im Klartext heißt, dass es eine Hälfte mehr aussehen
lässt, als sie eigentlich ist. Basiert auf der selben Magie, die
auch Räume größer macht, als sie eigentlich
ist."
"Doch das beste ist, dass wenn die 5 Stunden rum
sind, die zwei Hälften sich wieder vereinen und die Erinnerungen
beider Hälften erhalten bleiben. Denk doch an die
Möglichkeiten!"
"Wenn du nur immer eine Hälfte
von dir zum Untericht schicken musst, kann die andere Hälfte
ausspannen und trotzdem verpasst du nichts."
"Oder wenn
du niemanden hast, der mit dir Schach spielt! Einfach hier
reinsteigen und schon kannst du gegen dich selbst spielen ohne
andauernd das Brett umzudrehen!"
Ron starrte noch immer. Die
Möglichkeiten, oh die Möglichkeiten! Aber warte mal...
"Ist
denn dann die Wahrscheinlichkeit, dass man Schizophren wird nicht
extrem hoch? Ich mein, zwei Paar Erinnerungen, die beide von einem
selber erlebt wurden... ich stell mir das nicht so gesund
vor..."
Die Zwil... sorry, Drillinge sahen sich an.
"Daran
haben..."
"...wir noch..."
"...gar nicht gedacht." Niedergeschlagen sahen sie zu Boden. In ihren Köpfen arbeitete es fieberhaft. Mit einem Augenrollen wand Ron sich von ihnen ab und sah sich dieses... Ding... genauer an.
Eine Tür... mehr oder weniger konnte man sogar behaupten, dass es 2 Türen waren, die vollkommen unschuldig im Raum herumstanden. Nichts, dass darauf hinwieß, in irgendeiner Art und Weise verdächtig zu sein. Ja die Möglichkeiten... aber Risiko war Risiko. An wem testen? Wenn Hermione doch jetzt hier wäre... sie wüsste Rat. Oder noch besser Harry, der die Langzeitwirkungen anhand von Selbstversuchen austesten würde... Die Möglichkeiten, oh die Möglichkeiten.
"Schafft sie weg, bevor noch irgendetwas schlimmes passiert", kommentierte Ron, plötzlich ungehalten über sich selbst. Wie konnte er Harry freiwillig eine gespaltene Persönlichkeit wünschen? Schöner Freund war er.
"Wie Majestro es befehlen!"
"Wir
eilen..."
"Nein, wir fliegen!" Ein Forge-Gred-Chor
in dreifacher Ausfertigung, gerade das, was er jetzt
brauchte...
"Beeilt euch, gleich ist Ausgangssperre!",
rief er ihnen mit einem müden Kopfschütteln hinterher.
Hoffentlich würde der nächste Tag besser
werden.
Acht Uhr
fünfundfünfzig am Abend des siebenundzwanzigsten November
neuzehnhundertsechsundneunzig.
An seiner Tür klopfte es.
Lautstark.
"Herein!"
Das Feuer der Fackeln flackerte,
als die Tür aufging. Potter spazierte mit aller Ruhe, die ein
Junge seines Alters aufbringen kann, herein, gefolgt von einem kaltem
Windstoß, der gerne die dunklen Gänge des Kerkers
durstreifte. Manchmal, doch nur in den heißesten Rekordsommern,
war es hier unten auch einmal ohne offenen Kamin und dicke Mäntel
warm. Es war kein seltenes Erlebnis, dass man morgens Rauhreif von
den Roben entfernen musste, denn nur Pergament und ähnlich
feuchtigkeitsanfällige Gegenstände wurden mit Schutzzaubern
versehen.
"Wie schön, dass Sie die Freundlichkeit hatten
zu erscheinen Mr. Potter", ein leises Schnarren, dass durch die
endlosen Weiten des Klassenraumes drang und kleinere Insekten
aufscheuchte, die es sich an den spärlichen Wärmequellen
gemütlich gemacht hatten. Diese kleinen Biester waren das
einzigste was ganzjährig in der Kälte überlebten.
"Es
ist mir jedesmal wieder ein Vergnügen, Professor, Ihnen voll und
ganz zur Verfügung zu stehen."
Severus sah von seinem
Platz hinter dem Pult auf. Papiere und ein Stapel Bücher, die er
zu Nachforschungszwecken dort gelagert hatte, versperrten ihm die
Sicht. Mit einer fahrigen Bewegung schob er sie zur Seite.
"Und,
Mr. Potter, wenn man mal fragen darf, ist das so?", seine
wiedergefundene Ruhe, die er seit dem Debakel von heute Morgen nicht
mehr verloren hatte, lies ihn noch nicht ihm Stich. Doch er war sich
sicher, was nicht ist, kann noch werden.
Harry ignorierte die
Frage und besah sich lieber mit kritischem Blick den Zustand seiner
Fingernägel. Wie gern hätte er jetzt Aisutora hier, damit
Sie um seine Beine streichte und damit das Bild von kühler
Indifferenz noch ein wenig weiter ausbauen konnte. Doch alles was da
war, waren Fliegen, die nicht einmal ausreichten um Sei, Blaise
Feuersalamander, ausreichend zu füttern. Was für ein Pech
man doch auch haben musste. Anstatt sich weiter über die
Ungerechtigkeit des Seins zu ärgern fragte er lieber: "Was
ist meine Strafarbeit?"
Severus kniff die Augen zusammen. Ein
Königreich für ein Glas Scotch oder wenn nicht greifbar,
ein Flammwerfer zum Rösten dieses arroganten Kretins würde
es auch tun. Aber schön, wenn beides nicht zu Verfügung
stand, versuchen wir es eben mit Psychologie, den kleinen Schnösel
bekam er allemal gebrochen, notfalls war es nur eine Frage der Zeit.
Und Zeit hatte er, mehr sogar als Staubkörner, die sich mit
langsamer Stetigkeit auf den Regalen des Zimmers breitmachten und
auch mal wieder entfernt werden müssten.
Ein leichtes Lächeln
stahl sich auf seine Lippen, die Hände falteten sich fast
automatisch, als er sich genüsslich zurücklehnte. "Nun
Mr. Potter, warum ziehen Sie sich nicht einen Stuhl heran? Ich
dachte, wir nutzen die Gelegenheit und unterhalten uns mal ein
wenig."
Das bedeutete nichts gutes.
Harry schluckte.
Draco starrte ins
Feuer, sah wie es sich anschickte, Gott zu spielen. Gestalten stiegen
in den Flammen empor, Formen und Farben entstanden und im nächsten
Augenblick wieder in Vergessenheit abdrifteten. Welten entstanden und
verschwanden im selben Atemzug.
Ob das Feuer auch Verluste fühlen
konnte? Ob es dem Fortgang seiner Geschöpfe nachtrauerte wie ein
Gott es tut? Ob es wohl ihre Anwesenheit überhaupt spürte
oder sie nur mit Ignoranz strafte?
Ist es denn wirklich nur der
Mensch, der zu solchen Gefühlen fähig ist? Ist es denn nur
der Mensch, der Gefühle manipuliert?
Oder ist es nur Draco,
der fühlt und Potter, der manipuliert?
Draco wusste es nicht.
Insgesamt war seine gesamte Weltanschaung etwas auf dem Kopf
gestellt.
In einem Moment war er sich noch sicher, in Potter
verliebt zu sein, erhob sogar Anspruch darauf, der einzige zu sein,
der ihn berühren, seine Aufmerksamkeit spüren durfte und im
nächsten konnte er ihm nicht einmal in die Augen sehen.
Was
sollte das?
Harry selbst war auch nicht unbedingt logisch in
seinem Verhalten. Damals im Waschraum hatte Draco wirklich geglaubt
etwas in den grünen Augen zu sehen. Etwas tiefgehendes, das sich
bis in seine Seele gebohrt hatte, als wäre er der einzige auf
der Welt, der Draco wirklich verstand. Doch dann war der Moment
vorbei und es war still. Funkenstille. Nicht ein Wort. Verraten,
verrazt und verkauft. Nur eine weitere Person, mit der Harry Umgang
hatte. War es denn wirklich nur die Erfüllung eines Wunsches
gewesen? War Harry Potter denn wirklich zu solch einer kalten Tat
fähig?
Verwirrt lies Draco den Kopf sinken, seine Augen
öffneten sich erst wieder, als Ragon auf seinen Schoß
flatterte. Der hauskatzengroße Drache sah Draco aus seinen
blauen Augen an und stupste seine Nüstern leicht gegen Dracos
Hand. Sein Herrchen kraulte seine schwarzen Ohren und lächelte
schwach.
"Du würdest sowas niemals tun, oder Ragon?",
flüsterte er und kuschelte ihn an sich, "Du könntest
niemals so Schlangenhaft handeln."
Ragon schnurrte nur
zustimmend.
Blaise Zabini
wusste nicht, was er mit dem Neuen anfangen sollte. Wirklich, er
hatte nicht den blassesten Schimmer, wohin mit ihm. Er konnte ihn
weder einschätzen, noch in irgendeine Schublade packen und mit
ihm reden ging erst recht nicht. Dieses hochtrabende Gefasel verstand
ja sowieso kein Mensch.
Eigentlich denkt man ja, dass zwei Wochen
reichen müssten um sich irgendwo einzugewöhnen, doch Blaise
zweifelte stark daran, dass Haer'Dalis jemals irgendwo reinpassen
würde, es sei denn in eine fahrende Artistentruppe des
vierzehnten Jahrhunderts.
"Was sorgst du dir denn für
Runzeln auf die Stirn, meine Nachtigall? Kann ich dir vielleicht
irgendwie behilflich sein?", fragte besagter Slytherin und sah
von seinem Buch auf, Verwandlungshausaufgaben, war ja klar. Blaise
lies nur einen sehr breit auslegbares Geräusch von sich und
starrte wieder ins Leere, betont in eine andere Richtung als
Haer'Dalis.
Überhaupt, was war Haer'Dalis denn überhaupt
für ein Name? Die Frage, wie der Knabe mit Nachnamen hieß
war auch immer noch nicht gelöst, weder für die Schüler-
noch die Lehrerschaft, die sich sowieso die Köpfe über den
Jungen zerbrachen. Aber er brachte ausreichend Referenzen und
Unterschriften von mehreren wichtigen Leuten mit, als dass sich
jemand über ihn beschweren konnte.
Von dem Tick jeden
Menschen einem Vogel zuzuordnen mal ganz zu schweigen. Obwohl das
Gesicht eines manchen einfach göttlich war. Zum Beispiel, als
Haer'Dalis das erste mal mit Proffessor Snape Untericht hatte und ihn
nur mit 'meine gütige Spottdrossel' ansprach oder Professor
McGonnagal nur als geduldigen Starr bezeichnete. Ein paar Lacher
hatte es schon eingebracht, doch nervte es, wenn der Typ sich
anscheindend keinen einzigen Namen merken konnte.
Und schließlich
war da auch noch dieses Gefühl, dass etwas sehr vertrautes an
dem Burschen war, etwas, das ihm förmlich auf der Zunge lag und
doch nicht ausgesprochen werden konnte. Es war zum verrückt
werden!
Zerêsetô grinste. Oh ja, es ist doch schön, wenn sich Pläne praktisch von selbst verwirklichen, nicht wahr?
TBC
10.000 Wörter.
Reicht das fürs erste? -sich hinter Sessel duckt-
Review?
A/N:
Es heißt nicht einfach nur: Mein Rabe... dass "r"
muss schön gerollt oder besser noch: geschnurrt werden. So etwa:
Ja, mein... Rrrrrrabe!
Ach und wenn wir gerade dabei sind: der
Zwischenname von Draco ist nicht auf meinem Mist gewachsen (fragt
mich jetzt nur nicht aus welcher FF der stammt. Ich weiß nur
noch, dass die Story verdammt gut war!) und heißt übersetzt
soviel wie "schlafend". Ergibt eine sehr interesante
Konstelation, die man schön interpretieren kann. Entweder heißt
es: "Drache, das schlafene schwarze Böse" oder: "der
schlafende Drache, die schwarze Boshaftigkeit". Nett, nich? Mit
sowas will man sich doch unbedingt anfreunden, ne?
[1
Naja, Märchenbuch stimmt nicht ganz, aber schon nah dran.
Haer'Dalis ist eine Figur aus "Baldurs Gate II Schatten von
Amn". Wenn ihr dieses Spiel besitzt oder jemanden kennt, der es
hat, hört euch mal seine Sprachsequenzen an!
[2 Was mir
gerade erst auffällt und eigentlich rein unbewusst passiert ist:
die Haustiere von Draco, Harry und Blaise sind alle endweder Katze
oder Reptil... sehr schlangenartiges Repitl sogar im Falle von Ragon
und Sai... -schulternzuck- Wenigstens einer fällt aus der Reihe:
Haer'Dalis... wie immer!
Haer'Dalis:
Hey, dass verbitte ich mir du Spottdrossel! Du schreibst mich
schließlich!
Crow: Ey, mach mal halblang du
Buchstabengeflecht! Ich tue das auf Anweisung und nach Anleitung von
Raven, also maunz bitte den zusammen!
Haer'Dalis: Aber der is doch
gar nich da!
Crow: Dann warte eben bis er zurück kommt...
pah! Muss man sich von den eigenen Charakteren beschipfen lassen...
die Welt ist grausam! -in Selbstmitleid versink-
Snape: Hey, das
is meine Textzeile!
Crow: . Der nich auch noch! Helft mir!!!
buhuhuhuhu T-T
Lady of Mystery and Chaos: Just because I'm curious... why do you have a german story in your c2??
