Kapitel 2 - Nicht so geplant
Nochmals sah ich mein Gegenüber im Spiegel an. Sollte ich diesen Schritt wirklich wagen? War es nicht töricht zu glauben, dass sich aufgrund einer Nacht alles geändert hat?
Leise schmunzelte ich in mich hinein…
Nein. Diese Nacht hat nicht alles verändert. Beziehungsweise hat sich ja alles verändert, aber das habe ich nicht dieser Nacht zu verdanken… Viel eher….einer Person…
Konnte es jedoch sein, dass eine simple Zwischenmenschliche Einstellung untereinander einen kompletten Umschwung bedeuten konnte?
Scheint zumindest so. Jedenfalls habe ich ja selber das Bedürfnis etwas zu ändern. Aber ist eine plötzliche Veränderung nicht ein ziemlich beunruhigender Grund? Ich meine, seine wölfische Seite zu akzeptieren, kann dieser gut geplante Schuss nicht nach hinten losgehen wenn die Flinte die falsche ist…?
Und schon wieder hatte ich Zweifel…und ich dachte schon wieder viel zu viel nach. Ausserdem ist die Tatsache das-
„Ähm…Remus?"
Erschrocken starrte ich in den Spiegel. Jedoch nicht auf mein eigenes Spiegelbild sondern viel eher auf das der Person daneben.
„Entschuldige, ich wollte wirklich nicht stören, aber-………Remus, was…hast du denn da an…?"
Immer noch das Spiegelbild anstarrend war ich nicht fähig irgendetwas zu sagen. Währenddessen machte dieses ein paar Schritte auf mich zu und die eigentliche Person stellte sich neben mich, kniff die Augen zusammen und versuchte meine erprobten Neuheiten zu erforschen.
Jedoch erlang ich zum Glück meine Fassung wieder und drehte mich schnell weg. „Findest du es etwa höflich hier einfach so hereinzuplatzen?"
Ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass mein unerwarteter Besuch betreten zu Boden sah. Zugegeben eigentlich rege ich mich auch gar nicht auf, jedoch wollte ich nicht, dass ich so in meiner Entscheidungs-Findungs-Phase überrascht wurde. Kurzum: Ich war mir nicht mal sicher, ob ich so mein Zimmer verlassen hätte und jemand platzt hier rein und erlangt einen ungeplanten Vorgeschmack. Da wird man schon ein bisschen grantig.
„'Tschuldigung…Ich hab geklopft aber du hast nicht aufgemacht und ich…ich wollte nur mal nach dir sehn…ob es dir gut geht und so…"
„In ein Zimmer eines sich in der vorigen Nacht verwandelten Werwolfs zu gehen halte ich nicht gerade für eine sehr weise Entscheidung."
Zum Glück sah mein „Stippvisite" nicht, dass ich bei diesen Worten eine mehr als traurige Miene aufsetzte denn im Grunde genommen stört es mich überhaupt nicht. Jedoch war so was eine törichte und gefährliche Aktion und so was konnte, ja durfte ich sogar nicht tolerieren. Ergo fügte ich noch eine Spur schroffer hinzu:
„Sogar in keinster Weise, wenn dieser nicht einmal Antwort gibt, wenn jemand an die Tür klopft."
Während dieses Satzes fiel mir noch etwas ein.
„Und als Tüpfelchen auf dem „i" auch noch eine verriegelte Tür zu entriegeln nur um Zutritt zu erlangen.
Ich hätte genauso gut noch nicht zurückverwandelt sein können, also denkst du das war eine besonders gute Idee?"
Nymphadora schwieg. Was sollte sie auch schon auf eine so barsche Antwort erwidern? Das es ihr Leid tut? Das wusste ich auch so. Das es unbedacht war? Das weiß sie im nach hinein…
Mein Gott, ich will sie ja eigentlich auch nicht belehren oder über sie richten, aber die Gefahr ist einfach zu groß.
Ihr schien inzwischen doch eine Antwort eingefallen zu sein.
„Ich hatte meinen Zauberstab parat… Ich war wachsam, wenn du noch nicht…"
Sie machte eine kurze Pause, als wolle sie es vermeiden die Wörter „zurück verwandeln" auszusprechen.
„Dann hätte ich die Türe sofort wieder geschlossen und versiegelt…"
„Und du glaubst, dass es so einfach und reibungslos funktioniert hätte?"
Wieder Schweigen…Gott, wieso muss ich sie hier fertig machen?! Ich beschloss sie nicht noch mehr in die Untiefen der Peinlichkeit zu reiten. Das hatte sie nicht verdient.
„Nymphadora…Versteh doch, du kannst hier nicht am Morgen nach dem Vollmond einfach reinplatzen und-„
„Es ist Abend…" Ihre Stimme war leise und betrübt, aber nichts desto trotz glasklar. Ich stand immer noch mit dem Rücken zu ihr, drehte jedoch leicht überrascht den Kopf in ihre Richtung.
„Es ist Abend…Die Sonne geht gerade unter…du bist den ganzen Tag nicht aus dem Zimmer gekommen und man hat auch keinen Ton gehört also…ich hab mir Sorgen gemacht und da wollte ich nach dir sehen…
Es…es ist schön, dass es dir gut geht…"
Ich schwieg…was sollte ich nun sagen? Meine Standpauke war unangebracht. Eigentlich sollte ich mich entschuldigen, denn sie war im Recht. Bis zum nächsten Abend dauerte keine Transformation. Ich rechne es ihr sogar hoch an, dass sie bis jetzt gewartet hat, so wie ich sie kenn, wäre sie am liebsten wahrscheinlich schon um Mittag hierher gekommen, wenn ich mich nicht hätte blicken lassen.
Ob sie vorher wohl Sirius gefragt hat ob sie herkommen kann…?
Wieder riss sie mich aus meinen Gedanken. Ihre Stimme klang wieder kräftiger, sie schien wohl bemerkt zu haben, dass ich über die Tatsache, dass es Abend sei überrascht war und war anscheinend nicht mehr ganz so eingeschüchtert.
„Und es tut mir nochmals leid…Ich hab Sirius gefragt ob ich gefahrlos herkommen könne…Er sagte, es sei sich nicht sicher, aber eigentlich sollte…(sie machte schon wieder eine kurze Pause als würde sie nach den richtigen Worten suchen)…ES schon lange vorbei sein…Ich wusste nicht, dass es immer noch nicht in Ordnung war herzukommen, entschuldige -"
Dieses Mal unterbrach ich sie.
„Nein, ich muss mich entschuldigen. Du und auch Sirius hatten Recht. Es muss wohl auch schon lange vorbei sein, nur bin ich eben erst aufgewacht und dachte es wäre Morgen…Es tut mir Leid, dass ich dich so angefahren habe." Unterdessen drehte ich mich zu ihr um. Sie schien die Tatsache, dass ich nicht mehr sauer war ziemlich aufzumuntern, denn sie lächelte mich an und schüttelte den Kopf.
„Schon in Ordnung. Ich hätte an deiner Stelle –"
Dieses Mal unterbrach sie sich selber. Verdattert guckte sie mich an, während ich ihren Blick verwundert erwiderte. Ihre Augen schweiften von meinen Haaren bis zum Oberkörper, stoppten kurz und wanderten zu meinen Füßen weiter. Erst als sie mir wieder in die Augen sah fiel es mir wie Schuppen von den Augen.
Ich trage immer noch die Neuaussehende Jeans und immer noch das schwarze Hemd, jedoch, und das war das viel wichtigere, immer noch die längeren Haare, die bernsteinfarbenen Augen und die längeren Fänge, auch wenn sie diese im Moment nicht sehen konnte. Trotzdem war der ganze Rest höchstwahrscheinlich schon verwundernswert genug.
„Öhm…" setzte ich an. Welch fabelhafte Rechtfertigung. Öhm ist schon ein bewundernswert ausdrucksstarkes Wort.
Doch Nymphadoras Blick wechselte schlagartig von verblüfft auf verlegen. Vermutlich dachte sie es gehöre dazu, dass ein Werwolf nach Vollmond so aussähe und schämte sich dafür, mich so angestarrt zu haben.
Da ich ja ohnehin die ganze Zeit ihre Gedanken „lese", oder mir eher zusammensetze was sie denkt ergriff ich zu Einfachheit das Wort.
„Nein, es ist nicht normal, dass man dann so aussieht…das…das war ich."
„Oh." Leicht verständnisvoll, trotz wahrscheinlich kompletten Unverständnisses, nickte sie leicht und ein wenig zu oft.
„Es…steht dir…ich meine die Jeans und so…ist mal was Neues." Leicht errötet und wild gestikulierend versuchte sie sich zu erklären. „Also ich meine mal ein neuer Kleidungsstil, nicht die Kleidung an sich." Sie wurde noch röter. „Womit ich nicht sagen will, dass deine anderen Klamotten alt aussähen, oder so was." Sie glich nun beinahe schon einer Tomate. „Ich meine, es passt einfach zu dir, sowohl die alten als auch die neuen Klamotten, womit ich den Kleidungsstil meine, nicht die Kleider an sich denn - …"
Sie wusste wohl nicht mehr was sie sagen sollte und guckte betreten zu Boden.
Ich hingegen schmunzelte über diese vertrackten Denkvorgänge die mir von ihrer Seite aus auf keinen Fall verletzend oder anmaßend erscheinen sollten. Taten sie auch nicht. Mich kümmerte es nicht, zumindest nicht mehr, dass manche sagen ich laufe abgewrackt herum. Aber die Tatsache, dass sie so darauf bedacht war mich nicht zu verletzen schmeichelte mir.
„Schon in Ordnung. Nehmen wir es als Rache für die Standpauke."
Sie lächelte mich verlegen an. „Du weißt, dass ich das nicht so gemeint habe."
„Ja. Aber ich finde es höchst amüsant wie du verzweifelt versuchst kein Missverständnis entstehen zu lassen."
Neckisch bekam ich ihre Zunge zu sehen. Ist mir vorher nicht aufgefallen aber sie sieht aus wie eine Erdbeere. So komisch rot. Ob das wohl Absicht von einem Metamorphmagus ist? Ist sie vielleicht an einem verregneten Tag blau? Dann sähe sie aus wie ein Chow Chow. Das reimt sich sogar. Eventuell sollte ich zu gegebener Zeit einmal ein Gedicht darüber verfassen. Ihre Zunge war so blau, ähnlich wie die eines Chow Chow. Hörte sich doch schon mal nicht schlecht für den Anfang an.
„Was ist?" Nymphadora betrachtete mich neugierig. Erst jetzt realisierte ich, dass ich wieder meinen Gedanken nachhing und sie währenddessen unablässig angestarrt hatte.
„Gar nichts." Ich erwiderte dies wohl etwas zu rasch für ihren Geschmack. Sie kreuzte die Arme vor der Brust und sah mich skeptisch an.
„Was ist los." Das war mehr eine Aufforderung als eine Frage.
„Gar nichts ist los. Mir ist nur aufgefallen, dass deine Zunge ungewöhnlich rot ist…Das ist alles."
Verwundert streckte sie die Zunge heraus und versuchte sie zu betrachten. Das allein schon sah amüsant aus, jedoch versuchte sie dabei noch mit mir zu reden, was mich noch mehr zum schmunzeln brachte.
„Die ziehz dosch ganz nochma auz."
„Krieg ich das auch in einer Sprache, die ich verstehe?"
Sie zog die Zunge wieder dahin wo sie hergekommen war und sah mich fragend an.
„Ich weiß nicht, kannst du französisch?"
Ich grinste schelmisch und guckte unschuldig gen Decke. „Och, nur ein paar Sachen…"
Nymphadora blickte mich gespielt schockiert an.
„Was willst du mir denn damit sagen, Monsieur?"
Ich schaute ihr nichts wissend in die Augen und setzte meinen besten französischen Akzent auf.
„Ach gar' nischts. Nür, dass isch so meine Erfarungén gemacht habe."
Dora erwiderte nur mit einem kecken Augenaufschlag: „Oh, l'amour."
Wir lachten beide los. Kein übertriebenes aufgesetztes Lachen, sondern ein Lachen, dass man unter Freunden hat. Ein Lachen, dass selbst wenn die Situation überhaupt nicht witzig ist einfach auftaucht und alles im Umkreis ansteckt. Ich wusste nicht einmal warum ich lache. Wahrscheinlich weil sie lacht. Und sie lacht wahrscheinlich weil ich lache. Einfach so weg von der Seele. Das ist auch schon seine Monate her. Oder länger? Keinen blassen Schimmer. Aber es war angenehm, vor allem da es in letzter Zeit wenig zu lachen gibt. Aber ich will mir diesen Moment nicht von düsteren Gedanken vernebeln lassen. Dazu hatte ich auch nicht viel Gelegenheit denn Nymphadora fasste sich wieder und sprach mich an.
„Bevor ich's vergesse, Molly hat gesagt, dass es gleich Abendessen gibt. Wir sind nur ein kleiner Kreis, da viele heute Schicht haben. Da wären nur sie, Sirius, Kingsley, du und dich."
Bei dem Stichwort viel mir etwas ein.
„Hast du nicht heute eigentlich auch Schichtdienst?"
Dora sah mich an und zuckte mit den Schultern.
„Eigentlich schon, aber ich hab meine tauschen lassen. Mit Mad-eye."
„Warum?"
Wir bewegten uns auf die Tür zu, denn bei dem Wort Abendessen wurde mir schlagartig klar, dass ich großen Hunger hatte. Großen, großen Hunger.
„Keine Ahnung." Gab sie achselzuckend zurück. „Mir war einfach danach, ich wollte heute einfach hier bleiben."
„Ah." War das einzige was mir dazu einfiel. „Jeder braucht schließlich mal ne Pause, oder?"
Lächelnd nickte sie mir zu. „Amen."
Wie immer sind Rewies und Kritik, aber auch Anregungen, erwünscht. Thx fürs Lesen bis hier hin.
