Kapitel 3 – Überraschung

So, nun wurde es langsam ernst. Nymphadora und ich bewegten uns vom dritten Stock im Grimmauldplatz zwölf durch das düstere Treppenhaus nach unten in Richtung Küche. Der Duft von Fleischbällchen und Oregano drang mir auf dem Weg über die inzwischen dritte lange Treppe entgegen. Unwillkürlich musste ich beinahe würgen.

Der Geruch von Fleisch ob zubereitet oder Roh schlug mir nach dem Vollmond immer auf den Magen.

Ich hatte schon die ganze Nacht über nur den Gedanken von Blut in der Nase und im Traum bekam ich gleich noch gratis die passenden Bilder dazu. Da wurde einem schon schlecht wenn man dann relativ nach dem Aufstehen die Witterung von Fleisch aufnahm…

„Was ist los?" Dora sah mich fragend an, die Stirn leicht gerunzelt.

Kopfschüttelnd gab ich ihr ein kurzes „Nichts besonderes." Zurück.

Wirklich zufrieden mit dieser Antwort waren wir beide nicht, aber ich wollte nicht jeden Gedanken der mir durch den Kopf schießt auf einem Silbertablett offenbaren. Uah, Silber…

Dora wendete ihr Gesicht wieder auf den Weg der noch vor uns lag und ich folgte ihr stumm. Was sollte ich auch bewegendes in diesem Moment sagen? Das mir so langsam flau im Magen wurde weil ich gleich am Tisch mit drei weiteren Personen dinieren würde, die mich unter Garantie suspekt beäugen würden? Na ja eventuell sollte Sirius nicht so überrascht sein immerhin hat er mich an manchen Tagen in Hogwarts schon in dieser ‚Aufmachung' gesehen, denn zu diesen Zeiten hatte ich in den Ferien oder am Wochenende, wenn ich das Zimmer sowieso nicht großartig verlies diverse Zaubereien um meine Gestalt zu vermenschlichen aus nahe bei der Faulheit gelegenen Gründen einfach gelassen habe. Er und James waren in Kenntnis über dieses kleine Detail.

Blieben also noch Molly und Kingsley. Zumindest für heute. Ich werde mich wahrscheinlich nicht mehr großartig unter die Leute mischen oder im Haus spazieren gehen.

Wir erreichten nun die Eingangshalle. Auf leisen Sohlen schlichen wir über die staubigen- Moment mal, die Kacheln waren nicht staubig sondern frisch gebohnert. Dafür muss wohl Molly verantwortlich sein. Wer sonst würde auf die Idee kommen die Eingangshalle in so einem Haus zu wischen. Sie waren sogar noch leicht feucht…

Leicht feucht?! Leicht feuchte Kacheln, schleichen und Nymphadora Tonks waren nicht gerade Dinge, die-

„UAH!"

Der weniger dezente Aufschrei Doras' hallte an den kalten Wänden wieder und prompt verstärkte sich der ohnehin schon eklige hall durch eine zweite keifende Stimme, die wild und nebenbei ziemlich laut über Unverfrorenheiten, Vollidioten, Unreine Magier und Werwölfe zeterte.

Nymphadora biss sich auf die Unterlippe und rieb sich ihr Hinterteil auf welchem sie eben ziemlich unsanft nach einem kleinen Segelflug ‚Heckwärts' gelandet war. Würde mir nicht Sirius Mutter unablässig ins Ohr schreien hätte ich über diesen Freiflug gelacht, der Anblick war schon nicht von schlechten Eltern. Jedoch verkneife ich mir ein Grinsen und versuche auf sicheren Wegen möglichst rasch zu eben besagtem Portrait zu gelangen um diesem Gejammer über die Welt ein Ende zu bereiten.

Betont vorsichtig setzte ich einen Fuß nach dem anderen auf den Boden. Zugegeben, dass Nymphadora auf einem feuchten Boden ausrutscht auf dem sonst jeder gehen kann war schon beinahe ein geschriebenes Gesetz, jedoch wollte ich auch nicht noch das Risiko eingehen und mich auf dem Rücken wieder finden.

Noch ein paar Schritte und ich hätte den Vorhang erreicht und je näher ich diesem kam, desto mehr richtete sich der Spott und Hohn gewisser ‚Personen' gegen mich.

„Du dreckiges niederes Tier! Wage es nicht noch einen Schritt auf mich zu zumachen, du winselndes, kleines, verflohtes Stück Dreck!"

Wohlwollendlich ignorierend schritt ich unbehelligt voran. He, es gab bestimmt auch unfreundlicherer Gemälde, als dieses… Ok, vermutlich nicht, aber man will sich ja nicht von Farben und einer Spur Magie beeindrucken lassen, oder?

„Wenn du auch nur eine deiner schlammigen Pfoten an mich legen solltest gnade dir vor dem Fluch der Blacks!"

Inzwischen war ich an meinem ziel sicher angekommen und griff nach den verstaubten Schleiern um die tobende und ziemlich nervige Gestalt auf dem Bild zu verdecken und erwiderte mit trockener Miene:

„Und welches Ausmaß soll der haben? Angst davor zu altern oder mal irgendwann ganz von der Bildfläche zu verschwinden?"

„Das du es wagst das Wort an mich zu richten, du widerwärtige, halbblutige, unreine-"

Leider verstand ich den Rest dieser wohl sehr interessanten Beschreibung meiner Person nicht, denn es gelang mir dann doch die Vorhänge wieder zu zuziehen und meine Belobigungshymnen verkamen zu einem dumpfen Gemurmel.

Seufzend drehte ich mich zu Dora um, die sich inzwischen aufgerappelt hatte, sich am Hinterkopf kratzte, mir entschuldigend entgegenblickte und ein stilles „tut mir leid" mit den Lippen formte.

Da ich solche plötzlichen ‚Ausrutscher' (welch passendes Wort) von Nymphadora Tonks schon gewohnt war schüttelte ich nur beschwichtigend den Kopf und sagte nichts dazu.

Gemeinsam begaben wir uns in Richtung Küche und erneut schlug mit der Geruch von Fleisch entgegen. Zugegeben es roch ziemlich gut gewürzt, aber es war immer noch…Fleisch.

Nymphadora erreichte vor mir die Türe und öffnete diese etwas zu behutsam, sie hatte vermutlich keine große Lust noch einmal so einen peinlichen Zwischenfall heraufzubeschwören. Um ihr die Sache einfacher zu gestalten schloss ich die Tür hinter mir mit ähnlicher Vorsicht. Gleich bin ich noch daran schuld wenn dieses ohrenbetäubende Geschreie wieder los geht und sie denkt es wäre wieder ihre Fehler.

Nun, da man die Gefahrenzone hinter sich gelassen hatte entspannte sich Dora merklich und ich erwischte auch mich bei dem Gefühl einer kleinen Erleichterung. Mal ganz ehrlich, wer weiß was diese alte Schachtel noch aus ihrem Erinnerungsvermögen und Gedanken vor sich her spinnt, was eigentlich den meisten Ohren hätte verborgen bleiben sollen…

Zurück zum Thema. Wir waren nun schon beinahe in der Küche, oder auch dem Herz des Hauses, angekommen als und schon Mollys fröhlich flötende Stimme entgegenschlug.

„Remus, Tonks? Ich wusste, dass ihr es seid." Ihr kopf tauchte am anderen Ende der Treppe auf und lächelte uns entgegen. „Mrs. Black hat euch schon ziemlich laut angekündigt, obwohl sie über Remus ein paar mehr Worte verloren hat. Dabei kann ich mir genau vorstellen wer von euch beiden sie ‚erweckt' hat." Letzteres sprach sie mit einem entschuldigenden Blick in Richtung Nymphadoras', welche nur peinlich berührt zurück lächelte.

Molly hingegen schien wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt zu sein und richtete nun ihre Aufmerksamkeit auf mich und ich verspannte leicht die Schultern.

„Remus, geht es dir gut?" Diese Frage kam eher besorgt als verblüfft.

„Ja. Ja, mir geht es gut."

Erleichtert erhellte sich Mollys Miene. „Dann ist alles in Ordnung. Ich dachte nur es wäre irgendetwas passiert, weil wir immerhin schon Abend haben und da du nichts hast von dir hören lassen…" Sie beendete den Satz nicht, ich konnte ihn auch selber fertig stellen. Jedoch war ich darüber überrascht. Vorige Frage war wohl nur auf mein langes Wegbleiben bezogen und nicht auf mein Aussehen. Höchstwahrscheinlich kann sie mein Gesicht auch gar nicht richtig sehen, immerhin ist diese Treppe nicht gerade die hellste. Generell war dieses Haus nur sehr spärlich beleuchtet.

Da fällt mir ein… Ob Molly wohl Dora gesagt hat, sie solle einmal nach mir sehen? Nein, eher nicht. Ich glaube dass sie sich in solche Angelegenheiten nicht einmischt. Generell wenn es um ‚mein pelziges kleines Problem' geht scheint es sie nicht gerade zu reizen sich an diesen Gesprächen zu beteiligen. Nicht, dass es davon viele geben würde, aber ab und an kommt man nun mal darauf.

Vermutlich scheut sie dieses Gebiet ebenso wie Todesberichte, Risiken bei Einsätzen oder sonstigen gefährlichen Dingen. Nicht, dass sie nicht informiert werden will oder eher ist wenn es etwas gibt, jedoch vermeidet sie gekonnt den zu nahen Gedanken zu solchen Themen. Vielleicht aus Selbstschutz, aber eher wegen dem Schutz anderer. Vielleicht ist ihre Fürsorge manchmal übertrieben, aber man fühlt sich doch schon geschmeichelt wenn sich jemand um einen sorgt, nur wegen so etwas banalem wie meine monatliche Transformation. Ich und meine Gedanken machen uns schon wieder selbstständig….

Molly verschwindet wieder in den hinteren Teil des Essbereiches und ein sanftes Klingen von Töpfen und Besteck dringt an meine Ohren. Dann realisiere ich wieder den unangenehmen Duft.

Nymphadora folgt Molly in Richtung Tisch und als auch ich mich weiter nach unten begebe erblicke ich den gedeckten Tisch mit den dazugehörigen Töpfen und Teilnehmern dieses Mahls, welche sich nur um das hintere Tischende versammelt hatten. Sirius saß am kopf und es überraschte mich ein wenig ihn hier sitzen zu sehen. Das eben dieser pünktlich zum Essen erschien war schon etwas aussergewöhnliches, wenn er überhaupt kam. Oftmals nahm er sich Reste mehrere Stunden später. Ich erinnere mich, dass Molly am Anfang immer darüber gemeckert hatte, jedoch viel auch dieses Verhalten in die ihre Sparte der ‚Dinge, über die ich nicht nachdenken möchte'.

Kingsley saß zu seiner rechten und schien sich mit Sirius bestens zu unterhalten. Molly hingegen werkelte noch etwas an der Küchentheke herum und Nymphadora setzte sich zu Sirius linken. Dieser und Kingsley schienen davon nicht gerade Kenntnis zu nehmen, denn niemand von ihnen würdigte sie eines Blickes oder begrüßte sie.

Ihre Kesseldiskussion geriet wohl gerade in die heiße Phase und irgendwie schienen sie nicht derselben Meinung zu sein. Nun ja, solche Auseinandersetzung kannte ich auch schon von Sirius. Das konnte noch Stunden dauern.

Um nicht weiterhin im Türrahmen stehen zu bleiben begab auch ich mich in ihre nähere Umgebung und ließ mich auf dem freien Platz neben Kingsley nieder. Nicht sicher ob die Aufmerksamkeit der beiden erregen sollte oder nicht warf ich nur ein „Abend." ein, denn inmitten des Raumes überwiegte die enthüllende Helligkeit doch die verbergende Dunkelheit der Treppe.

Allerdings und gegen meine Erwartungen würdigten die zwei, wie Dora kurz zuvor, mich keines Blickes, jedoch sagten beide wie aus einem Munde „Abend Remus.", ohne sich großartig von mir stören zu lassen, denn anschließend führten sie wie ohne eine Unterbrechung ihr Gespräch fort.

Gut, was soll's. Sie werden mich schon irgendwann bemerken. Spätestens wenn Sirius nicht mehr in der Lage ist zu sprechen weil er sich gerade den Mund voller Spaghetti stopft. Ich vergaß es zu erwähnen, auf dem Tisch stand die Quelle des Geruches von vorhin. Spaghetti und eine Fleischbällchensoße. Hatte ich also doch recht gehabt, es gibt Fleisch. Igitt… Warum denn nicht etwas Gemüse? Wie wäre es mit Gurken oder einer Tomate?

Ein Salat vielleicht, ein einfacher Fleischloser Salat…

Ich schluckte das so eben gesammelte Wasser in meinem Mund herunter. Hunger…

Als ich so vor mich stumm auf die Fleischbällchen schielte drehte sich Molly zu mir um mit zwei Tellern in der Hand.

„Remus, möchtest du einen tiefen-" Sie stockte und sah mich an. Ich war mir nicht sicher, was ich in ihren Augen lesen konnte. Verblüffung, Unsicherheit oder Angst?

Doch bevor ich mir darüber nähere Gedanken machen konnte mischte sich eine Spur Scham dazu und sie fuhr, viel zu leise um sich nichts anmerken zu lassen, mal nebenbei bemerkt, mit ihrer Frage fort. „oder einen flachen Teller…?"

Relativ nüchtern und den Versuch startend sie davon zu überzeugen, dass es mir gut ging und ich nicht von einem Dämon besessen war gab ich ihr einen freundlichen Blick und eine Antwort zurück.

„Einen flachen Molly. Danke."

Langsam wieder auftauend nickte sie mir nur zu und wendete sich mit immer noch nicht ganz sicherer Miene der Theke zu, deponierte den tiefen Teller wieder in einem niedrigen Schrank, beugte sich anschließend über den Tisch und stellte den flachen Teller vor mich. Erneut lächelnd nickte ich ihr zu, doch sie schien immer noch nicht sicher über das was sie von mir halten soll. Im Gegenzug dazu schien ihr diese Tatsache unheimlich peinlich zu sein. Ich würde ihr ja gerne diese Situation erleichtern, doch wusste ich nicht wie ich das anstellen sollte. Ich könnte sie ja nichts wissend fragen was denn bitte los seie, aber ich glaube, dann würde sie endgültig im Boden versinken.

Ich beließ es also bei dem einen lächelnden Nicken und Molly setzte sich neben Nymphadora und mir gegenüber anscheinend ratlos über die Frage wo sie denn ihre Augen hinrichten könne, denn mich anzustarren wäre noch unhöflicher, doch würden die anderen ihre Miene bemerken, wenn sie so täte als würde Kingsleys und Sirius Diskussion unheimlich interessant sein. Also entschied sie sich doch dafür die Spaghetti zu beäugen, sich dann wieder zu erheben und Nymphadora das Essen anzubieten.

Warum hatte sie sich dann überhaupt hingesetzt? Musste sie sich nach diesem Schock erst einmal hinsetzen? Also bitte, so schlimm sehe ich nun auch wieder nicht aus. Hoffe ich zumindest. Hab ich vielleicht was im Gesicht? Einen großen schwarzen Fleck vielleicht? Wie war das noch mit dem Fluch der Blacks?

Trotz besserem Wissen nahm ich mir die Gabel zu meiner rechten und betrachtete mein Spiegelbild auf der Rückseite. Dieses sah mich ein wenig panisch an, doch entspannte dann seine Gesichtszüge als es feststellte, dass ich genauso aussah wie oben in meinem Zimmer. Eine Sekunde lang schalt ich mich selbst töricht aufgrund der Tatsache, das Geschwätz eines Gemäldes nicht vollkommen ignoriert zu haben, auf der anderen Seite konnte man ja nie wissen.

Jedoch war mein Griff zur Gabel ein wenig zu hektisch gewesen, denn nun hatte ich sowohl Mollys und Nymphadoras als auch Kingsleys und Sirius ungeteilte Aufmerksamkeit.

Dennoch schien keinem von ihnen etwas sinnvolles einzufallen, denn Molly wandte sich erneut beschämt dem Essen zu, Nymphadora ging ebenso dazu über wieder ihren Teller zu beobachten, der sich dank Molly mit Spaghetti füllte, Kingsleys Blick war in seiner kühlen Art unbeeindruckt, doch ein wenig überrascht.

Sirius hingegen glich einem Schiffskapitän der frühen Antike, dem man gerade offenbart hatte, dass die Erde keine flache Scheibe sei. Als würde er mich gerade in diesem Moment als unzurechenbar erklären.

Während Kingsley die Augen von meinen Augen bis zu meinen Schuhen schweifen ließ öffnete Kapitän Sirius den Mund, schloss ihn allerdings wieder als ihm nichts zu meiner grotesken Geschichte einfiel.

Unterdessen Sirius und meiner gegenseitigen Betrachtung ging Molly dazu über Kingsleys Teller zu nehmen und diesen mit Nahrungsmitteln zu behäufen.

Gut, jetzt hatte ich nur noch das stetige Interesse von Käpten Ahab an der Backe, der nun doch einen geeigneten Kommentar aus den Untiefen seines Gehirns herausgefischt zu haben schien.

„Wo willst du denn noch hin?"

„Ins Gruselkabinett vielleicht? So wie du mich ansiehst gehöre ich da ja wohl hin."

Mein Gegenüber schien den barschen Kommentar verstanden zu haben und schüttelte nur unsicher den Kopf.

„Nein, ich…" Die Fähigkeit folgerichtige Sätze zu bilden schien zu Sirius zurückzukehren.

„Entschuldige bitte, aber das wollte ich damit nicht sagen. Es ist nur, dass ich es schon ziemlich überraschend finde dich SO zu sehen…"

Ich stelle mich jetzt einmal dümmer als ich ohnehin schon bin. Also legte ich leicht den Kopf schief und zog eine Augenbraue hoch. „Und wie darf ich das bitte verstehen?"

„Na ja…" Sirius suchte wohl nach den richtigen Worten. „So hab ich dich das letzte mal vor, oh Gott, ich weiß nicht…ein paar Jahrzehnten gesehen. Das verblüfft einen dann, wenn du einfach so zum Abendessen hereinspaziert kommst." Er beugte sich nach rechts um mich über Kingsley hinweg in Augenschein zu nehmen.

„Und seit wann trägst du Jeans?" Sein Blick traf wieder auf mein Gesicht.

„Woher der plötzliche Imagewandel?"

Ich zuckte darauf nur mit den Schultern. „Weiß nicht. Kam mir so in den Sinn."

Sirius runzelte die Stirn und betrachtete mich weiterhin prüfend. „Einfach so?"

„Ja. Einfach nur so. Pikiert dich das irgendwie?"

Erneut schüttelte dieser den Kopf, während sich Molly stumm mit der Essensverteilung seines Tellers zuwendete. „Pikieren nicht wirklich. Eher überraschen, dass das einfach so über Nacht kommen soll."

„Was willst du mir denn damit unterstellen?"

„Gar nichts." Und das glaubte ich ihm sogar. Ich weiß, dass er einfach nur überrascht ist, denn immerhin gehören Verschleierungen schon zu mir solange er mich kennt. Ich kann ihn sogar gut verstehen, hätte er das gemacht würde ich auch glauben, dass er eine schwere Kopfverletzung erlitten haben musste.

Mild gab ich ihm etwas mehr zu verstehen. „Es ist wirklich nichts besonderes Sirius. Ich hatte einfach keine Lust mehr darauf."

Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass andere Anwesende diese Aussage mehr in Sorge versetzte als sie eigentlich vermögen sollte, schien Kapitän Sirius zu verstehen, dass ich damit nichts anderes als meine Verschleierungszauber meinte. Mit einem entspannten „Na dann." widmete sich dieser nun seinem Essen zu.

In der Zwischenzeit schien Molly auch meinen Teller stumm angerichtet zu haben, denn vor mir befand sich ein Haufen dampfender Spaghetti dekoriert mit…Fleischbällchen…Na super…

„Keine Lust mehr auf was?" Nymphadora meldete sich seit längerer zeit zu Wort und blickte mich ragend an, allerdings war es Sirius der ihr antwortete.

„Sei nicht so vorlaut, Nymphadora." neckte er, woraufhin er sich ein Fleischbällchen zwischen die Kiemen schob.

Doras Haar verfärbte sich leicht rot während sie Sirius anfuhr.

„Nenn mich nicht Nymphadora! Ausserdem wird man wohl doch noch fragen dürfen!"

„Nicht wenn man einfach solche unverschämten Fragen stellt."

„Was war daran denn bitte unverschämt?!"

„So darf man nicht mit älteren reden."

Hey. Also mal ganz ehrlich, ich bin keine fünfundachtzig. Zugegeben, dass Sirius Nymphadora nur ärgern wollte und diese auch noch darauf ansprang kommt täglich vor und dieser Satz war nichts anderes als eine weitere Neckerei, also sehe ich mal darüber hinweg und mache mich endlich an mein Abendessen während die beiden verwandten Personen an diesem Tisch mit ihrer Streiterei fortfuhren, was niemanden sonst hier wirklich interessierte.

Nach gut fünf Minuten ununterbrochenem Gezeter der beiden richtete Kingsley das Wort an mich.

„Ich muss zugeben ich bin überrascht."

Die Hälfte meines Tellers war bereits verspeist, doch hatte ich unauffällig die Bällchen aus Fleisch an den Rand gerollt. Ich blickte ihn fragend an.

„Ich habe mich schon immer gewundert warum du anders aussiehst als die anderen."

Die anderen… Ich wusste auf wen er anspielte. Ja, das stimmte. Abgesehen von den Narben, dem doch schmalen Körperbau und ein paar Gesten habe ich wirklich nicht wie die anderen Werwölfe ausgesehen. Zumindest bis vor gut einer Stunde.

Kingsley fuhr in seiner ruhigen Art fort.

„Ich dachte immer es läge daran, dass du es nicht akzeptieren willst."

Nun, diese Aussage überraschte zur Abwechslung einmal MICH. Konnte der meine Gedanken lesen? Oder eher: woher kennt sich Kingsley so gut mit Werwölfen aus?

Da mir aber diese beiden Fragen als nicht gerade angebracht erschienen steckte ich die zweite in eine aussagekräftigere Form.

„Und ich hätte nie gedacht, dass du dich mit Lykanthrophie auskennst."

Kingsley schmunzelte und Molly lauschte stumm unseren Worten. Sirius und Dora waren immer noch in familiäre Angelegenheiten vertieft.

„Womit ich nicht sagen will, dass du so bist wie die anderen."

„Ja, ich weiß."

Nun schien er auf meinen vorigen Kommentar einzugehen.

„Man bekommt im Mysterium eben mehr mit als man eigentlich sollte. Da erhascht man schon von den verschiedensten Leuten die verschiedensten Informationen."

Ich nickte stumm meinem Essen zu. Lächelnd fügte ich hinzu:

„Ich hoffe nur, dass euch mein Äußeres nicht zu sehr abschreckt."

Molly erwiderte ein wenig zu rasch ein „Nein." und mein Sitzpartner schmunzelte nur noch mehr.

„Glaub mir Remus, bevor du mich abschrecken kannst musst du wohl noch ein bisschen mehr auftragen als eine neue Augenfarbe und ein neues Gebiss."

„Ich wusste gar nicht, dass du mich bim Essen beobachtest."

„Nur gelegentlich."

Ich zog eine Augenbraue hoch und sah ihn an.

„Soll mich das jetzt beruhigen?"

„Vielleicht ein bisschen."

Ich sah Molly aus dem Augenwinkel lächeln, währenddessen Dora und Sirius immer noch in ihren Konflikt vertieft waren, was nicht sehr überraschend war.

Nun ja, wenigstens hat dieses Kapitel eine relativ ordentliche Länge.

Wie immer sind Rewies, Kritik und Anregungen herzlich willkommen. Und ich werde versuchen mich mit dem nächsten Chap zu beeilen. Thx fürs Lesen. ;-)