Danke für die lieben Reviews: Hier das bis lang längste Kapitel, ich hoffe es gefällt euch!
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Die Sonne ging langsam unter und ein kühler Windhauch wehte durch den schwarz dekorierten Garten des Fuchsbaus. Wenn man genau hinsah, sah man traurige und verständnislose Blicke, soweit das Auge reichte. Einige versuchten ihren Schock über das Geschehene zu ertränken und siedelten sich in Richtung der Aparative an. Es bildeten sich kleine Grüppchen, jede genauso Wortkarg wie die andere.
Eine davon bestand aus Harry, Ron, Hermine, Ginny, Luna und Neville. Alle waren zur Beerdigung der „Kriegshelden" gekommen und sahen betreten zu Boden. Niemand wusste so recht, was gesagt werden sollte. Mr Weasley hatte bei der Beerdigung schon genug gesagt und niemand wusste etwas hinzuzufügen.
Selbst Luna hatte auf ihre Radieschen-Ohrringe verzichtet und trug schlichte schwarze Ohrstecker. Sie sah durch ihr schwarzes Kleid besonders blass aus und machte Draco Malfoy heute Konkurrenz.
Harry grübelte besonders über den Tod von Tonks und Lupin nach. Es kam ihm so unwirklich vor. Ein paar Meter weiter kümmerte sich Ted's Großmutter um ihren kleinen Schützling. Es fehlte nur noch die Narbe und Ted Lupin könnte der zukünftige Harry Potter sein. Er musste daran denken, wie wichtig ihm sein Patenonkel Sirius war und wie spät in seinem Leben er erst von ihm erfahren hatte. Er würde immer an der Seite seines Patenkindes sein und ihm das ermöglichen, wozu seine Eltern nun keine Möglichkeit mehr hatten.
Teil der Trauerfeier war auch Severus Snape gewesen, ja, Harry hatte sogar ein paar Worte über ihn verloren. Er hätte nie gedacht, je einmal so viel Respekt vor seinem ehemaligen Professor zu haben. Auch wenn er es ihm nie sagen könnte.
Ginny stand dicht bei Harry, ihr Schmerz musste noch größer sein, als sein eigener, doch sie lies es sich nicht anmerken. Heute jedenfalls nicht. In den letzten Tagen hatte er sie immer schluchzen gehört, als er an ihrer Zimmertür vorbei ging. Er wollte sie nicht zu ihrem Glück drängen und hielt sich im Hintergrund. Er wusste, dass sie einiges zu bereden hatten, aber ihr gefallener Bruder war derzeit wichtiger. Die Liebe konnte warten.
„Es ist wegen Ted, oder?", fragte Hermine und sah Harry an, als er wieder einen Blick zu ihm warf.
Harry nickte. „Der Kleine weiß jetzt noch nicht, dass seine Eltern nie wieder kommen werden. Vielleicht begegnet er ihnen einmal im Traum,… aber er wird immer wissen, dass sie für eine große Sache gekämpft haben."
Hermine drückte seine Hand. „Du wirst ein guter Patenonkel sein, davon bin ich überzeugt.", sie sprach ihm Mut zu. In der letzten Schlacht hatten sie zwar ihre Freiheit zurück gewonnen, aber einen hohen Preis dafür gefordert.
Ron warf einen Blick in Harrys Richtung. Ginny stand teilnahmslos neben Harry und sah gedankenverloren in die Luft. Als Hermine Harrys Hand berührte, fühlte er sich automatisch unwohl. Natürlich hatte Hermine seine Hand während der Beerdigung gehalten. Zwischen den Bankreihen, als keiner seiner Familie es bemerken konnte. Bei Harry machte sie es öffentlich. Wenn er die beiden so sah, war er sich nicht mehr sicher ob er überhaupt mit Hermine zusammen war. Sie verhielt sich in Harrys Gegenwart genauso, wie sie es bei ihm tat. Von ihrem Kuss letzte Woche im Bad der Vertrauensschüler mal abgesehen.
Neville und Luna verabschiedeten sich langsam von der Gruppe und wollten den Angehörigen nun ihr Beileid aussprechen. Harry, Ron und Hermine machten sich auf den Weg in die Küche, während Ginny sich zu ihrer Mutter gesellte. Im Fuchsbau würden sie durchatmen können. Ron fühlte sich von der ganzen Atmosphäre im Garten erdrückt – sein Brustkorb schmerzte und die streng gebundene Krawatte schnürte ihm die Luft ab. Von den Gedanken an Fred noch zu schweigen.
Harry fing an, von irgendeinem belanglosen Thema zu reden. Selbst wenn es die Quidditch-Weltmeisterschaft gewesen wäre, würde er sich nicht davon begeistern lassen können. Er nickte stumm und als Harry seine Teilnahmslosigkeit bemerkte, füllte wenige Sekunden später großes Schweigen die Luft.
Hermine war währenddessen aufgestanden und reichte Ron ein Glas Wasser und streichelte ihm dann sanft über den Rücken. Bei dieser Geste stieg noch mehr Wärme in ihm auf und er hielt es nicht mehr aus. Er stand abrupt auf, der Stuhl kippte fast nach hinten. Stieß Hermine unsanft zur Seite und rannte die Treppen hinauf ins Badezimmer. Er riss sich die Krawatte vom Hals und stellte sich mitsamt Anzug unter die Dusche. Kühles Wasser rann über seinen Körper und die schwarzen Kleider klebten an seinem Körper. Er schloss die Augen und vor seinem inneren Auge spielte sich ein kleiner Film ab. Hermine – wie sie sich im Zug kennen lernten. Ron – wie er und Harry sie vor dem Monster im ersten Jahr beschützten. Das vierte Jahr – Hermine wie sie die Treppe in ihrem wunderschönen Kleid nach unten ging. Fred und George im Jahr fünf, als sie das Feuerwerk in der Schule anzündeten und somit Umbridge eins auswischten. Jahr sechs – er mit Lavender, Hermine im Hintergrund. Jahr sieben – Hermine, wie sie ihn mitten im Gefecht einfach so küsste… küsste… küsste…
Er riss die Augen auf und seine Haare hingen ihm ins Gesicht. Was war in ihn gefahren? Er hatte seine Traumfrau bei Seite gestoßen und lies sie unwissend einfach so zurück, ohne Erklärung. Er war schon immer ein Hitzkopf gewesen.
….
Hermine sah ihrem Freund fassungslos nach. Das Glas fiel zu Boden und ging zu Bruch. Tränen stiegen ihr in die Augen. Normalerweise bewahrte sie die Fassung, aber sie war schon den ganzen Tag stark für Ron gewesen. Hatte ihm auf die Schulter geklopft, seine Hand gehalten und war an seiner Seite gestanden. Sie bückte sich und sammelte mit zitternden Händen die Scherben. Ihre Wunde vom großen Kampf schmerzte nach der kleinen Kollision noch mehr, sie hatte sich vor ein paar Tagen entzündet und keine Heilsalbe hatte bis jetzt Besserung gebracht.
„Autsch…", Blut tropfte nun auch noch von ihrem Zeigefinger. Harry war inzwischen aufgestanden und legte einen Arm auf ihre Schulter.
„Lass das, ich mach das schon.", mit diesen Worten griff er nach seinem Zauberstab und lies die Scherben verschwinden. Ein paar Sekunden verstrichen und sie starrte noch immer wortlos auf den Boden, wo das Glas zerschellt war.
„Nimm das nicht so ernst, heute war die Beerdigung seines Bruders.", sagte er leise, sie nickte ihm zu und stand langsam auf.
„Ich.. Ich geh mal nach draußen.", sagte sie leise und Harry lies sie ziehen. Was war nur in Ron gefahren? Hermine hatte sich nichts zu Schulden kommen lassen und nun wurde sie so im Regen stehen gelassen.
Ein paar Minuten später hörte er Schritte. Schnelle Schritte die über die Treppen fegten. Kurz darauf stand Ron vor ihm, klitschnass von oben bis unten.
„Wo ist sie?", Harry war sich nicht sicher ob Rons Frage besorgt, oder aggressiv klang. Vielleicht eine Mischung aus beidem.
„Draußen.", war seine schlichte Antwort.
„Draußen?", er schüttelte den Kopf. Harry wusste, wo seine Freundin war und dieser Gedanke machte ihn fast wahnsinnig. Nein, es war keine Eifersucht… damit hatte er schon lange abgeschlossen. Es war die besondere Verbindung zwischen seinen zwei besten Freunden und er hatte Angst, mit ihnen nicht auf einer Wellenlänge liegen zu können.
Er stürmte aus der Tür und lies Harry in der Küche zurück. Alle Gäste drehten sich nach ihm um, doch das war ihm egal.
Ein paar Meter nach dem er das Grundstück der Weasley's verlassen hatte, schloss er die Augen, dachte an Hermine und apparierte…
