Ihre Gedanken drifteten ab und sie wäre schon beinahe eingeschlafen, als ihr der Mann einfiel dem sie versprochen hatte in dieser Nacht zurückzukehren. Mina fühlte sich sofort wieder hellwach. Leise tappte sie auf den Gang hinaus. Der Gedanke an den ekligen Kerkerboden ließ sie innerlich fluchen, denn sie hatte ihre Schuhe vergessen. Doch es lenkte sie nicht von ihrem Vorhaben ab. Sie suchte einige Phiolen aus dem Kabinett heraus, die ihm helfen würden. Jede Phiole steckte sie in eine eigene Tasche um eventuelles Aneinanderschlagen zu vermeiden, dann schlich sie weiter.

Derselbe geräuscherdrückende Zauber, der ihr in der vorangegangenen Nacht aufgefallen war, ließ sie auch an diesem Abend an ihrem Gehör zweifeln.

Nur durch Zufall entdeckte sie zwei Gestalten, die auf einer der unzähligen Treppen ins Erdgeschoss herabstiegen, bevor diese die junge Hexe bemerkten. Mina versteckte sich hinter einem Mauervorsprung und erhaschte einen kurzen Blick auf die beiden Männer als diese ihr Versteck passierten. Sie brauchte einen Moment um die Brüder Rodolphus und Rabastan Lestrange zu erkennen die nun, im Gegensatz zu ihren Fahndungsbildern, gepflegt und gutaussehend waren. Sie fluchte wieder innerlich als ihr klar wurde, dass die beiden dasselbe Ziel ansteuerten. Den Kerker. Ohne weiter darüber nachzudenken folgte Mina ihnen, in der Hoffnung sie könnte sich von ihnen abschauen wie man die Zelle öffnen könnte; Sie wurde nicht enttäuscht, die Lestranges marschierten zu ihrer Erleichterung nicht auf Sirius' Zelle zu, sondern bogen in einen noch weiter entlegenen Teil des Kerkers zu.

Um unzählige Ecken schlich sie den beiden Todessern nach und beobachtete sie dann, wieder hinter einem Mauervorsprung verborgen. Sie triumphierte innerlich, denn sie öffneten mit einem Schlag auf einen herausstehenden Steinsockel, der von der Zelle aus nicht erreichbar war das gesamte Gitter, das sich daraufhin wie ein Mugglemechanismus in die Nachbarzelle verschob. Mehr konnte und wollte Mina nicht sehen, sie kehrte dem Geschehen den Rücken über den ihr nach einigen Metern Schauer liefen als die Schreie des Gefangenen an ihre Ohren drangen. Sie wollte nicht wissen wer er war oder was aus ihm werden würde, sie würde sich nicht damit aufhalten. Mina hatte jemand anderen um den sie sich kümmern musste. Was Sirius wichtiger machte als den anderen war bloßer Zufall und dabei würde sie es belassen. So wartete sie in der Nähe von Sirius' Zelle bis die Schreie und das Flehen des Anderen verklungen waren und die Tür in Schloss fiel.

Als sie an das Gitter der Zelle trat fragte sie sich wie oft es Sirius so ergangen war wie seinem Mitgefangenen an diesem Abend. Im Moment saß er gegen die Wand gelehnt und schien zu schlafen. So nutzte sie die Gelegenheit um die Wand nach dem entsprechenden Mechanismus abzusuchen, den sie auch schnell fand.

Doch sie wagte es nicht ihn zu betätigen. Wer garantierte ihr, dass der Insasse der Zelle nicht abhauen würde? Sie trat erneut ans Gitter.

„Sirius", flüsterte sie. Er schreckte auf und Mina konnte dieselbe Panik in seinem Gesicht sehen, die sie schon vom vorangegangenen Abend kannte.

„Ist schon in Ordnung, ich tu dir nichts", versuchte sei ihn zu beruhigen. Er erkannte sie, das konnte sie sehen, doch es schien wenig zu helfen.

„Kann ich reinkommen?", fragte sie schließlich. Er zeigte keine Anzeichen der Zustimmung und so löste sie den Mechanismus eben trotzdem aus. Ihre Angst, er könnte verschwinden war unbegründet gewesen, denn er schien sich kaum aufrecht halten zu können. Seine Augen waren glasig, er sah um einiges bleicher aus als am Abend zuvor und machte einen beunruhigend schwachen Eindruck.

Mina näherte sich ihm langsam, mit jedem Schritt den sie näher kam schien er mehr zu zittern. Schließlich ging sie neben ihm auf die Knie und ließ ihre Hand sich ihm vorsichtig nähern. Sirius zuckte als er ihre Hand auf seiner Schulter spürte, doch Mina zog sie nicht zurück.

„Ehrlich, ich tu dir nichts!", flüsterte sie.

„ich werde deine Stirn fühlen", kündigte sie ihm an um ihn nicht weiter zu erschrecken.

Seine Stirn war erschreckend heiß. Mina fasste eine seiner kalten Hände.

„Fieber", murmelte sie und fischte nach einer der Phiolen in ihrem Umhang. Sie las zur Sicherheit noch einmal das Etikett. „Hier, trink das", er griff nach der Phiole, doch seine Hände waren von der Kälte zu taub, als dass er den Korken hätte entfernen können.

Mina nahm ihm das kleine Fläschchen wieder ab und öffnete es für ihn.

Zufrieden als er die Flüssigkeit hinuntergewürgt hatte fing Mina an seinen Puls am Handgelenk zu fühlen. Er war für ihren Geschmack etwas zu schwach, jedoch nicht weiter besorgniserregend. Schließlich nahm sie seine Hände in ihre magisch gewärmten um die Kälte aus seinen Fingern zu vertreiben. Er entspannte sich nach einiger Zeit merklich außerdem schien ihm langsam warm zu werden...

Sie konnte seinem Gesicht ansehen, dass der Trank Wirkung zeigte, denn seine Augen wirkten weniger benebelt und das Zittern hatte sich beinahe ganz eingestellt, auch wenn sie bezweifelte, dass er fieberfrei war.

Sie schmunzelte und zog ihn vorsichtig näher an sich bis sie einen Arm um ihn legen konnte.

„Bald,...nicht mehr lange. Lupin lässt sich was einfallen, wir kriegen dich schon hier raus.

Mina fand in dieser Nacht keine Ruhe.

Sie war nicht nur davon überzeugt sich im Kerker eine Erkältung eingefangen zu haben, sondern wurde von dem Gedanken an die nasse Dunkelheit geplagt. Ihre Verbindung zum Orden konnte sie nur allzu schnell in eine dieser Zellen bringen. Ein falsches Wort und alles konnte vorbei sein. War es ihr das wirklich wert? Sie versuchte eine etwas bequemere Position zu finden und beobachtete durch das Fenster wie dunkle Wolken aufzogen und die Sonne verdeckten. Niemand würde sie wecken kommen. Ein Gefühl der Einsamkeit befiel sie, würde sie jetzt sterben, würde es ewig dauern bis jemand ihre Leiche fände.

„Mina…Mina? ... Wilhelmina Kennedy?!", ein Flüstern drang an ihre Ohren und es dauerte einen Moment bis der jungen Frau klar wurde, dass es ihr Spiegel war. Nur sie konnte es hören, das hatte ihr Lupin gesagt, doch bis zu diesem Zeitpunkt war es immer sie gewesen, die den Orden kontaktiert hatte, nicht andersrum.

So kroch sie widerwillig aus ihrem Bett und fischte den Spiegel aus dem Umhang den sie vor einigen Stunden noch getragen hatte.

„'n Morgen", murmelte sie Lupins Abbild im Spiegel zu, doch der Ausdruck in seinem Gesicht ließ sie erstarren.

„Was ist los?", fragte sie leise.

„Du musst dort raus!", sagte er ruhig und eindringlich. „Das Ministerium hat das Hauptquartier gefunden, Auroren sind auf dem Weg zu euch. Mina… hör mir zu. Sie kommen nicht um Gefangene zu nehmen, sie werden das Gebäude vernichten und zusehen, dass niemand rauskommt. Verschwinde dort so schnell wie möglich und nimm Sirius mit wenn du kannst!"

Die junge Hexe blickte ihn noch einen Moment lang an und rannte dann aufs Fenster zu. Sie versuchte es zu öffnen, aber es gelang ihr nicht.

„Verdammte Scheiße!", flüsterte sie panisch. Unkontrollierbare Angst machte sich in ihr breit und so rannte sie. Aus ihrem Zimmer, durch die Gänge und in den dunklen Kerker hinunter. Die Fackeln waren erneut erloschen, doch ein Licht, das aus ihr selbst zu kommen schien, erleuchtete die Gänge heller als jede Flamme es könnte.

„Sirius, es ist soweit, wir müssen hier raus!", rief sie als sie den Öffnungsmechanismus an der Wand betätigte. Dies erwies sich schwerer als sie gedacht hatte, denn er konnte sich kaum auf den Beinen halten. Mina versuchte verzweifelt sich an einen Weg nach draußen zu erinnern während sie Sirius mit sich durch die Gänge schleifte, doch der einzige Weg der ihr bekannt war führte durch die Eingangshalle

„Verdammte Scheiße!", flüsterte sie ein weiteres Mal, ihre Kraft reichte kaum aus um ihm die steile Treppe nach oben zu helfen.

„Tut mir leid", wisperte er

„Du kannst nichts dafür. Wir schaffen das schon", versicherte sie ihm, es klang tatsächlich so als wäre sie selbst davon überzeugt. Noch ein paar Schritte weiter und sie stiegen durch den Wandteppich der den Kellerabgang verbarg.

Mina hatte gerade den ersten Schritt in die Halle gesetzt als sie einen Fluch auf sich zukommen sah. Sie blockte ihn, musste dafür jedoch Sirius loslassen, der sich gerade noch an der Wand abstützen konnte.

„Verräterin", zischte Snape.

„Sagte Judas", konterte sie mit einem koketten Grinsen.

„Was glaubst du was du da tust? Was wenn Bellatrix euch findet? Wo willst du denn überhaupt hin? Hier kommt ihr nicht raus!"

„Wir MÜSSEN hier raus! Und zwar schnell!", Mina hatte ihm nicht zugehört. Es mochte ihr selbst naiv erscheinen, doch sie war überzeugt, dass Snape auf ihrer Seite war.

„Na los, hilf mir schon!" Snape musterte Sirius mit meiner Abscheu die Mina noch nie an ihm gesehen hatte, doch dann trat er auf sie zu und sie zogen jeweils einen Arm des geschwächten Mannes über ihre Schulter und eilten so schnell wie möglich auf das Eingangstor zu. Mina rüttelte daran doch es war verschlossen.

„Verdammt!", fluchte sie, dann ließ sie Sirius ein weiteres Mal los. „Ein paar Schritte zurück!", befahl sie Snape. Er tat wie ihm geheißen und zog den anderen Mann mit sich zurück zur entgegengesetzten Wand.

„Was…?", fragte Sirius verwirrt. Snape bedeutete ihm bloß still zu sein.

Mina baute sich vor dem Tor auf und konzentrierte sich, sie schien wieder Hitze auszustrahlen, jedoch viel intensiver als am Vorabend und nur auf das Tor konzentriert.

Selbst der Zauber der es verschlossen hielt konnte nicht verhindern, dass das Metall aus den Angeln schmolz und nach dem lauten Knall, den das Tor verursachte als es auf den Boden knallte, den Weg nach draußen freigab.

Es regnete nun in Strömen und die dichten Wolken ließen den frühen Morgen wie die tiefste Nacht wirken.

„Los, raus hier!", rief sie den beiden Zauberern zu, die sie noch immer mit ungläubigen Mienen anstarrten. Der Regen hatte die drei Gestalten schon nach wenigen Metern bis auf die Haut durchnässt, Mina sah sich um, in der Hoffnung einen Wald oder ähnliches zu erspähen, was ihnen Schutz bieten würde.

„Dort entlang!", rief Snape durch den heulenden Wind. Sie folgte ihm, das Gewicht des Mannes zwischen ihnen lastete schwer auf ihrer Schulter.

Nach wenigen Minuten erreichten sie eine Felsformation, soweit Mina es im dichten Regen ausmachen konnte, zu einem Berg gehören konnte. Sie war froh, dass Snape sich auszukennen schien und das tat er, denn nachdem sie mit einigen Mühen über ein paar Felsbrocken geklettert waren, standen sie vor einem Höhleneingang. Es war keine besonders große Höhle, doch wie es sich herausstellte führte sie doch einige Meter in den Berg und wurde zum Ausgang hin immer niedriger.

Mina und ihr ehemaliger Lehrer ließen den erschöpften Sirius auf den Boden der Höhle sinken und Mina half ihm, sich gegen die Wand zu lehnen. Dann kramte sie in ihrer Umhangtasche, die Horrorphantasie im Hinterkopf, sie könnte den Spiegel verloren haben. Aber sie fand ihn schnell. Noch während sie ein weiteres Mal Sirius Stirn fühlte, die zu ihrem Erschrecken wieder zu glühen schien, flüsterte sie Lupins Namen in den Spiegel. Dieser war sofort zur Stelle.

„Wo seid ihr?", er selbst schien genauso durchnässt wie Mina selbst.

„Wir sind in einer Höhle, ganz in der Nähe vom….", sie hatte einen Blick aus der Höhle riskiert, in einigen hundert Metern Entfernung stand eine meterhohe Feuerwand, wo noch vor einigen Minuten das Schloss geprangt hatte „….Feuer", fügte sie hinzu.

Sie fasste sich wieder und kehrte in die Höhle zurück wo sie neben Sirius auf die Knie ging und seinen Puls fühlte, der eindeutig schwächer war als am Vorabend.

„Lupin du musst uns hier rausholen! Sirius muss versorgt werden", sagte sie mit Nachdruck. Snape hatte nun ihren Platz eingenommen und flößte Sirius einen –wie Mina erkannte- fiebersenkenden Trank ein.

„Tonks und Kingsley sind auf dem Weg zu euch. Sie werden euch direkt zu Madam Pomfrey bringen!", versprach er, irgendetwas flog hinter ihm in die Luft „Ich muss…", er deutete auf etwas hinter ihm und steckte dann den Spiegel weg.

„Okay, wir kriegen Verstärkung!", sagte sie und half Snape auf die Beine, bevor sie ihren Umhang trocknete, er tat es ihr gleich.

„Verstärkung die mich nicht umbringt?", fragte er.

Mina musste nicht antworten, denn bevor seine Frage an den Höhlenwänden verklungen war erschienen eine Hexe und ein Zauberer im Höhleneingang.

„Snape?! Was macht er hier?", rief Tonks entsetzt und richtete ihren Zauberstab auf den ehemaligen Professor. Mina bemerkte aus dem Augenwinkel wie Sirius bei den plötzlichen lauten Worten zusammenzuckte.

„Tonks, es gibt…"

„Er hat ihn umgebracht! Du hast Dumbledore umgebracht, du Bastard!", schrie der Metamorphmagus, Mina drängte sich vorsichtig zwischen Snape und den Zauberstab der hysterischen Hexe.

„Wir haben dafür jetzt keine Zeit", sagte Mina. Sie hatte Angst, trotzdem schaffte sie es ihre Stimme ruhig klingen zu lassen. „Sirius muss zu Madam Pomfrey, JETZT!"

Tonks Blick wanderte erstmals an Snape vorbei zu der Gestalt, die hinter ihm auf dem Boden kauerte.

„Für Snape gibt es eine Erklärung?", nahm Kingsley an.

Auf ein Nicken Minas hin bedeutete er dem Meister der Zaubertränke mit ihm zu kommen.

Snape tat es ohne Widerspruch und so lag es an den beiden jungen Hexen, sich um den Transport des Patienten zu kümmern. Tonks hatte sich mittlerweile von dem ersten Schock erholt „Pomfrey wartet schon!"

So zogen sie ihn ein weiteres Mal auf die Beine und desapparierten zum Hauptquartier des Orden des Phönix, Grimmauld Place Nr. 12. Sie landeten im, zu einem Krankenzimmer umfunktionierten Dachboden, der nun entrümpelt, weiß gestrichen und in bester Krankenhausmanier eingerichtet worden war.

„Hierher, auf dieses Bett!", rief Madam Pomfrey bevor Mina sich ein Bild von ihrer Umgebung hatte machen können, Tonks und Mina hievten den Patienten auf das besagte Krankenbett.

„In Ordnung, jetzt raus mit euch! Ich hab viel Arbeit vor mir!", befahl die Medi- Hexe. Doch Sirius hielt Minas Handgelenk fest.

„Ich", begann er, doch er wurde sogleich von einem Hustenanfall vom weiteren Sprechen abgehalten.

„Ist schon okay!", Mina wartete bis der Husten sich gelegt hatte und drückte ihn dann sanft ins Kissen zurück. „Madam Pomfrey weiß was sie tut, du bist in guten Händen. Wir sehen uns dann nachher", versprach sie und folgte dann Tonks die Treppe hinunter, wo diese schon wartete.

Der Raum in dem sie sich befanden schien als eine Art Wartezimmer gedacht zu sein und so war sie auf einen der unzähligen, wahllos angeordneten Sessel gesunken. Unsicher nahm Mina einen Sessel von ihr entfernt auf einem Chintzstuhl Platz.

„Er wird es nicht schaffen, oder? Ich meine, du hast ihn gesehen, nicht wahr?", fragte Tonks. Mina blickte auf „Wir werden es bald wissen", sagte sie schließlich, beiden hatten den Ausdruck auf Madam Pomfreys Gesicht gesehen.

Sie saßen in Stille da und warteten. Es hätte einiges wichtiges zu bereden gegeben, doch nichts davon schien mehr von Bedeutung zu sein. Minas Gedanken begannen abzuschweifen, aber sie wurde unterbrochen als Kingsley durch die Tür wankte.

„Wo ist Snape?", fragte Mina prompt.

„Lupin redet gerade mit ihm", beschwichtigte er sie rasch.

„Wisst ihr schon?", er deutete zu Dachbodenaufgang. Beide Frauen schüttelten ihre Köpfe. So verging mehr und mehr Zeit. Der Raum füllte sich immer weiter mit Mitgliedern des Ordens, die in Sirius Anwesenheit im Haus eingeweiht worden waren, sie erkundigten sich ob es Neuigkeiten gäbe und gingen dann, genau wie alle anderen in Stille ihren eigenen Gedanken nach. Das Essen, das Molly Weasley um die Mittagszeit herauf gebracht hatte, stand auch eine Stunde später noch unberührt an derselben Stelle an der sie es abgestellt hatte.

Als Lupin schließlich den Raum betrat stieg der Lärmpegel erstmals wieder an. Der Leiter des Ordens erkannte die Gefahr, die laute Geräusche und ähnliches für seinen alten Freund darstellten und bat alle Anwesenden in die Küche hinunter. Mina blieb nach einem vielsagenden Blickaustausch mit ihm in ihrem Sessel zurück. Sie bereute es bald, denn gemeinschaftliche Stille war besser gewesen als die einsame Stille der sie nun ausgesetzt war. Schließlich fischte sie aus Langeweile ein Sandwich von Mrs. Weasleys Tablett und verbrachte einige Zeit damit lustlos daran zu knabbern.

„Miss Kennedy? Was machen Sie denn noch hier?"

Mina schreckte auf, das gedämpfte Licht brannte in ihren Augen, doch sie erkannte bald das Wartezimmer in dem sie versehentlich eingeschlafen war.

„Ich bin wohl weggenickt!", antwortete sie Madam Pomfrey. „Wie geht es ihm?"

Die ältere Hexe seufzte und ließ sich neben ihr nieder, sie war offensichtlich erschöpft und es wunderte Mina keineswegs, immerhin schien es schon ziemlich spät geworden zu sein.

„Er ist jetzt stabil. Ich hab sein Fieber senken können und die Lungenentzündung beseitigt."

„Lungenentzündung?"

Pomfrey nickte „Ich weiß ja nicht was die mit ihm gemacht habe und ich will es gar nicht zu genau wissen. Aber war auch immer mit ihm passiert ist, er wird schwer damit zu kämpfen haben und damit meine ich nicht nur die körperlichen Schäden", sie seufzte erneut.

„Was passiert jetzt mit ihm? Was fehlt ihm noch?"

„Nun ja, er ist unterernährt und stark dehydriert. Ein Problem besteht darin, dass sein Körper mit Nahrung im Moment nichts anfangen kann. Er ist feste Nahrung nicht mehr gewöhnt. Wir müssen also unbedingt aufpassen, dass ihm nichts Essbares in die Hände fällt, er verträgt es noch nicht. Und dann sind da noch die Nachwirkungen des Cruciatus Fluches", auf Minas fragenden Blick hin fing sie an zu erklären. „Es gibt Momente in denen er fast unkontrollierbar zu zittern beginnt, Das wird sich bald wieder legen, keine Sorge. Aber er ist vor allem sehr schreckhaft und misstrauisch. Haben Sie ihn isoliert gefangen gehalten?"

Mina dachte mit Schaudern an den Kerker zurück und nickte, Madam Pomfrey verstand und fragte nicht weiter nach. „Er wird vor allem viel Ruhe und medizinische Versorgung brauchen … und vielleicht jemanden zum Reden. Ich hoffe, dass Remus bald hier auftaucht. Er könnte ihm möglicherweise helfen. Oder vielleicht du?"

Mina erschrak „ICH? Warum ich? Ich kenn ihn doch nicht mal!", sagte Mina, sie fühlte sich von dem Vorschlag der Medi- Hexe überfordert.

„Er hat nach dir gefragt", antwortete Pomfrey schlicht. „Bist du ausgeschlafen?"

Mina wusste was kommen würde bevor die ältere Frau es aussprach, diese setzte fort bevor sie geantwortet hatte. „Ich bin erledigt, bleib doch in der Nähe und hab ein Auge auf unseren Patienten, hm?"

Damit schob sie Mina zur Treppe die in den Krankensaal führte und verschwand dann so schnell wie möglich. „Was ist das denn für eine ärztliche Moral?", protestierte Mina, als sie außer Hörweite war „Was würde Lupin sagen wenn er wüsste, dass sie ihn mit einer Todesserin alleine lassen?", fügte sie traurig hinzu und fuhr sich über den schmerzenden Unterarm.

Schließlich tapste sie auf Zehenspitzen die Treppe hinauf und schloss die Tür hinter sich wieder ab. Sirius schlief, obwohl das Zimmer hell erleuchtet war. Mina vermutete, dass er wohl kaum noch mehr Dunkelheit brauchte als er im letzten Jahr erdulden musste.

Sie trat näher an sein Bett, er war noch immer bleich und sah übermüdet aus obwohl er schlief, doch er war nun sauber und glatt rasiert, sie schmunzelte.

Jetzt wo ihm die noch immer viel zu langen Haare nicht mehr ins Gesicht hingen und jeder Schmutz verschwunden war, sah er doch ganz gut aus.

Sie setzte sich neben das Bett auf den Boden, da sie nirgendwo einen Sessel fand, so starrte sie vor sich hin und fragte sich im Stillen was sie dort machte und zerbrach sich den Kopf darüber, womit sie sich die Zeit vertreiben sollte.

Ein weiteres Mal wurde ihr die Antwort abgenommen, denn sie hörte Schritte über ihrem Kopf, doch da war nur das Dach. Sie blickte sich um und erspähte ein offenes Dachflächenfenster, geschickt schwang sie sich hoch und zog sich durch das Fenster auf das nicht allzu steile Dach.

„Granger, du rauchst?", fragte sie amüsiert, als sie ihre ehemalige Mitschülerin erblickte, die es sich ein Stück vom Fenster, aus dem Mina gekommen war, entfernt gemütlich gemacht hatte. Das etwas jüngere Mädchen drehte sich erschrocken nach ihr um.

„Kennedy, nicht wahr?", fragte sie.

„Kannst mich Mina nennen! Krieg ich eine?", sie deutete auf das Päckchen Zigaretten, das sich an ihrer Westentasche abzeichnete.

„Hermione", bat die andere genannt zu werden und hielt ihr das Päckchen und ein Feuerzeug hin.

„Danke", Mina setzte sich neben ihr aufs Dach.

„Stimmt es wirklich? Ich hab McGonagall und Tonks flüstern hören. Er lebt wirklich?"

Mina nickte und zündete ihre Zigarette an „Ich hoffe nur es bleibt auch so", gab sie zu.

„Was ist mit ihm passiert? Wo ist er gewesen?", fragte Hermione.

„Du redest sonst mit niemandem drüber?", fragte Mina als die Besitzerin ihrer Zigarette den Kopf schüttelte setzte sie fort. „Was passiert ist? Ein Jahr mit Bellatrix Lestrange ist ihm passiert und dementsprechend geht es ihm jetzt auch. Aber Pomfrey hat ihn einigermaßen stabilisieren können. Ein Jahr in einem dunklen, kalten, modrigen Kerker", sie zog frustriert an ihrer Zigarette, „Kannst du dir das vorstellen?" Hermione schauderte und Mina führte ihren Monolog weiter.

„Du hättest ihn sehen sollen als Tonks Snape angeschrieen hat... Dunkelheit und Lärm... keine gute Idee in nächster Zeit!" Die beiden rauchten ihre Zigaretten in Ruhe fertig und drückten sie dann gleichzeitig aus.

„Ich werd mal wieder nach ihm sehen. Pomfrey ist schlafen gegangen. Kein Wort zu Potter, ja?" Hermione nickte und folgte Mina durch das Fenster zurück ins Haus.

Mina fühlte zur Sicherheit seine Stirn als sie erneut an sein Bett trat, sein Fieber war wirklich gesunken.

„Er sieht noch viel schlechter aus als damals als er aus Askaban gekommen ist", stellte Hermione leise fest.

„Das wird schon wieder", flüsterte Mina.

Sirius gab ein leises Winseln von sich und drehte sich auf die Seite. Mina legte den Zeigefinger auf ihre Lippen um Hermione zu signalisieren, nicht mehr zu reden.

Beide schlichen hintereinander aus dem Zimmer und ließen sich auf der Treppe die nach unten führte nieder.

Der Morgen brach an. Hermione war etwas nach Mitternacht ins Bett gegangen und hatte Mina bei ihrem Patienten gelassen. Sie saß nun auf einem Bett in einiger Entfernung zu Sirius' Krankenbett. Seit einer Weile konnte sie förmlich beobachten wie der Trank, der ihn im traumlosen Schlaf hielt, seine Wirkung verlor. Er wurde deutlich unruhiger und seine Augen bewegten sich hinter geschlossenen Lidern, wie es sonst für die REM-Phase üblich war, doch dafür schlief er schon zu lange. Einen Moment lang hatte sie überlegt ihn zur Sicherheit zu wecken, aber was hätte sie dann mit ihm gemacht? Mina hätte nichts zu reden gewusst. So blieb sie sitzen und hoffte, dass Madam Pomfrey oder Lupin sich auf den Dachboden bequemen würden. Doch auch daraus wurde nichts, denn etwa eine halbe Stunde später herrschte noch immer Stille im Haus, nur Sirius begann langsam sich zu regen. Mina raffte sich auf und nahm auf seiner Bettkante Platz.

„Sirius", sprach sie ihn mit sanfter Stimme an. Er schlug die Augen auf und sah sich verwirrt um bis sein Blick an ihr hängen blieb.

„Geht's dir besser?", fragte sie. Er nickte, verzog dann allerdings vor Schmerz das Gesicht. „Kopfschmerzen?"

„Mhm!"

„Einen Moment!", sie wuselte zum Medizinschrank und erkannte mit geübtem Blick den Trank gegen Kopfschmerzen, den sie selbst nur allzu oft brauchte.

„Hier, runter damit!", meinte Mina schmunzelnd und reichte ihm eine Phiole voll roter Flüssigkeit. Sie half ihm beim Aufsetzen und ließ ihn, nachdem er die Lösung geschluckt hatte in die Kissen zurücksinken.

„Danke", flüsterte er, seine Stimme noch immer rau und leise.

„Keine Ursache!", meinte sie grinsend.

„Nicht nur dafür... für alles meine ich!"

„Gern geschehen." Sie strich ihm liebevoll eine Strähne aus dem Gesicht und fühlte ein weiteres Mal seine Stirn. „Ja, dein Fieber ist so gut wie weg", stellt sich zufrieden fest. Sie lächelte ihn aufmunternd an und hielt seine rechte Hand mit ihren beiden fest „und alles andere kriegen wir auch wieder hin!" Mina überspielte ihre Verlegenheit mit ihrem Lächeln, aber sie hatte nichts mehr zu sagen und hoffte nur noch darauf, dass eine Art Antwort von ihm kam.

„Wo sind wir?", flüsterte er

„Grimmauld Place Nr. 12, London", antwortete Mina. Er stöhnte verzweifelt.

„Nicht dein Lieblingsplatz auf Erden, was?", Er schüttelte ein weiteres Mal den Kopf, diesmal schien es ihm keine Schmerzen mehr zu bereiten.

„Was ist passiert?", fragte er leise.

„Wann?"

„Pomfrey sagt ich war ein Jahr weg?"

„Oh!", Mina ließ seine Hand los und stand auf.

„Vielleicht sollte dir das jemand anders erklären. Ich hab davon nicht viel Ahnung. Du solltest Lupin fragen wenn er vorbeikommt." Er nickte nur und musterte seine Hände.

In diesem Moment fiel die Tür hinter Madam Pomfrey ins Schloss, was ihn dazu abermals dazu brachte zusammen zu zucken.

„Tut mir leid, Mr. Black. Schön, dass Sie wach sind." Er nickte bloß.

„Ich wird dann mal", entschuldigte sich Mina rasch und verließ den Krankensaal um nach einer Art Frühstück in der Küche zu suchen. Die Küche zu finden stellte sich schon als anstrengend heraus, denn Mina war nur ein einziges Mal dort gewesen.

Sie folgte schließlich dem einzigen Geräusch, das sie vernehmen konnte, immer tiefer in das Haus hinunter. Tatsächlich fand sie die Küche, wo Lupin mit Hermione und Kingsley am Tisch saß, während Molly Weasley ihnen immer wieder verschiedenste Nahrungsmittel an den Tisch brachte.

„Guten Morgen", begrüßte sie Lupin als er sie erspähte.

„'n Morgen", sie tauschte einen Blick mit Hermione aus bevor sie sagte: „Granger, richtig? Hermione Granger. Ich bin Mina Kennedy", stellte sie sich erneut vor. Lupin musste ja nicht wissen was auf dem Dach vor sich ging.

„Was hättest du denn gerne?", fragte Mrs. Weasley.

„Kaffee, wenn welcher da ist", bat Mina.

„Kind, das ist so ungesund. Ich..."

„Lass gut sein Molly!", würgte Lupin sie ab, dann bedeutete er Mina sich zu ihnen zu setzen. Molly stellte wenig später eine dampfende Kaffeetasse vor ihr ab.

„Wie geht es ihm?", fragte Lupin nachdem sie einen Schluck genommen hatte.

„Geh und sieh selbst", schlug sie vor. Ihr war bewusst, dass sie patzig klang, doch sie hätte erwartet von Lupin erwartet seinen so genannten besten Freund schon viel früher zu besuchen. „Hast du das mit Snape klären können?"

Lupin nickte „Er ruht sich gerade in einem der Gästezimmer aus."

„Du musst ihm das mit Dumbledore erklären", sagte sie nach einer Weile. Lupin wusste, dass sie von Sirius redete und nickte erneut.

„Wenigstens kennen wir jetzt die gesamte Version der Geschichte. Jetzt müssen wir nur warten bis wir Harry kontaktieren können.", meinte er.

Mina sagte nichts mehr, sondern leerte rasch ihre Kaffeetasse.

„Lupin? Kann ich unter vier Augen mit dir reden?"

„Ähm, ja natürlich. Jetzt?" Er stand auf, als sie nickte „Dann gehen wir in mein Büro."

Mina folgte ihm in den ersten Stock des Westflügels, wo er sie in ein entlegenes Zimmer bat, das notdürftig zu einer Art Büro umfunktioniert worden war.

Doch sie setzten sich nicht gegenüber an den Schreibtisch sondern nahmen auf einem Sofa hinter der Tür Platz.

„Was war es, das du mit mir besprechen wolltest?"

Mina atmete tief durch „Lupin, ich... was mach ich jetzt?" Sie sah, dass er mit ihrer Frage nichts anfangen konnte und setzte fort. „Ich meine nur, ich hab Hogwarts mit Auszeichnung abgeschlossen und hab für den Orden diesen Job angenommen. Aber jetzt", sie zog ihren linken Ärmel hoch und hielt ihm ihren gebrandmarkten Arm hin „Lupin, was mach ich jetzt?"

Lupin blickte sie traurig an.

„Mina, das tut mir leid. Ich... es ist eine schwere Zeit und natürlich ist es für dich schwerer als für die meisten anderen", er stand auf und begann im Zimmer auf und ab zu gehen. „Es tut mir leid. Deine ganze Situation ist bloß meine Schuld. Ich... um Himmels Willen, ich weiß nicht einmal was du nach der Schule machen wolltest..."

„Lupin", unterbrach sie ihn „ich bin nicht gekommen um dir Vorwürfe zu machen, sondern weil ich deinen Rat brauche. Ich hab gewusst worauf ich mich einlasse. Aber jetzt hab ich keinen Plan mehr, nichts worauf ich mich vorbereiten kann. Ich meine", sie stand ebenfalls auf „alle machen einen riesigen Aufstand wenn es um meine Magie geht, aber niemand erklärt mir warum! Wenn alle so einen Hel darum machen, muss doch etwas Wichtiges dran sein! Was ist so toll Lupin? Sag mir was du weißt, dass bist du mir schuldig", sie deutete auf das dunkle Mal auf ihrem Unterarm. Lupin seufzte und nickte dann.

„Es könnte sein, dass ich zu viel Zeit in Dumbledores Büro verbracht habe, aber ich glaube das sollten wir am Schreibtisch bereden. Bitte setz dich!"

Mina tat wie ihr geheißen, voll Hoffnung endlich die Antworten zu bekommen, die sie suchte.