13. Flys Idee

Lucius Malfoy saß gelangweilt in seinem Arbeitszimmer. Immer wieder huschten seine Augen über die Unterlagen vor ihm, doch so richtig damit befassen wollte er sich auch nicht. Seufzend wischte er die Papiere vom Tisch und lehnte sich im Stuhl zurück. Der Blonde schloss seine Augen und rieb sich mit seinen Fingern die Schläfen, als plötzlich etwas an seinem Fenster kratzte.
Erschrocken riss Lucius wieder seine Augen auf und marschierte zum Fenster, welches er kraftvoll öffnete. Damit hatte das geflügelte Wesen auf der anderen Seite gar nicht gerechnet und fuhr den Todesser mit seinen Krallen über die Wange.

"Ups!", kreischte das Etwas und flog an Lucius vorbei ins Zimmer.

"DU!", schimpfte der blonde Mann wütend und streichelte über seine etwas blutenden Kratzer.

"Ja, ich?", fragte die Fledermaus scheinheilig und grinste ihn unverschämt an.

"Du hast meine Haut ruiniert.", krakelte Lucius weiter, während er das Fenster wieder schloss.

"Das heilt doch bei euch wieder in Null Komma Nix.", meinte Fly und musterte ihn aus schwarzen Knopfaugen. "Ihr Geborenen seid so etwas von eingebildet.", schnaufte die Fledermaus abwertend und rollte mit den Äuglein.

"Na und? Musst dich ja nicht mit uns abgeben.", zischte Lucius zornig und starrte zu Fly hoch, die an der Decke hing.

"Jetzt werde nicht zickig, Schatz.", lachte das geflügelte Wesen fröhlich und kicherte dann.

"Was willst du eigentlich, Fledervieh?"

"He, wenn du mir so schon kommst, dann sage ich gar nichts, Tölpel.", motzte Fly und tat eingeschnappt.

"Du kannst es auch gerne singen.", schlug Lucius vor und setzte sich auf seinen Schreibtischstuhl.

"Oh, aber natürlich. Und am besten wäre, wenn ich noch dazu tanzen würde, oder?"

"Tu dir keinen Zwang an, Fledervieh."

"Tölpel."

"Zerzauster Waschlappen."

"Blondie."

"Och, fällt dir nichts Besseres ein?"

"Doch, du-"

"Was ist denn hier los?", kam es auf einmal von der Tür, in dessen Rahmen niemand anderer als Tom Riddle stand und mit den Augen von einem zum andern wanderte.

"Meister!", begrüßte Lucius sofort den Dunklen Lord, während Fly nur ein "Pf." hervorstieß.
"Ich dachte, du bist mit meinem Sohn nach Hogwarts gegangen?", fragte Tom die Fledermaus und betrat nun gänzlich das Zimmer.

"Ach ne, wirklich?", meckerte Fly stöhnend und flog dann auf Voldemorts Schulter, wo sie zu Schnuppern anfing. "He, du riechst genauso wie Harry.", stellte die Fledermaus fest und rieb ihr Köpflein an der Wange von Tom.

"Na, da hat ja unser kleines Federvieh ein neues Spielzeug?", stichelte Lucius mit mörderischen Grinsen, welches sofort verschwand, als ein schwarzes und ein blaues Augenpaar ihn böse musterten.

"Warum bist du hier, Fly?", verlangte er von der Fledermaus zu erfahren, die mittlerweile leise schnurrte.

"Hu? Ach ja, es gibt ja einen Grund, warum ich hier bin." Fly räusperte sich und plusterte sich auf.

"Es geht um Harry?" Ein Nicken bestätigte Tom seine Vermutung. "Was hat er angestellt?"
Fly senkte traurig den Blick: "Er hat mit dem Professor geschlafen."

Lucius lachte. "Na und? Gönne ihm seinen Spaß."

"Lucius, bitte.", seufzte Tom und nahm die Fledermaus sanft in seine Hände. "Was hat es mit dem auf sich?" Fly sah ihn dankbar an und begann zu erzählen:

"Na ja, der Professor kam mir schon die ganze Zeit verdächtig vor. Einer von diesen Tölpeln, wo der Schein mehr als Sein ist. Na, jedenfalls war Harry von Anfang an von ihm fasziniert gewesen und so kamen sie sich näher. Und ehe man sich versieht, hüpft der sofort mit dem ins Bett... na wohl eher auf den Schreibtisch, obwohl es ja eine geile Show war, aber-"
"Moment, du hast ihnen dabei zugeschaut?" Tom konnte es nicht fassen.

"Öhm, ja warum nicht?"

"Spanner.", sagte Lucius leise und schüttelte mit dem Kopf.

"Na und? Lass mich doch. Auch ich brauche ein bisschen Spaß im Leben.", verteidigte sich Fly, der immer noch von Toms warmen Händen umschlungen wurde.

"Erzähl weiter."
"Jedenfalls hat Harry, ein mächtig großer Tölpel vom Kopf her, dann den Professor geschworen ihm zu gehören, im Gegenzug möchte er die Frau seiner Träume sehen."

"Frau?"

"Ja, eine Göttin. Wunderschön, lieblich, hinreißend... ich wäre nicht abgeneigt... Schon gut, ich erzähle ja weiter.
Sie gingen in eine Zwischenwelt, die nur dieser Kai Adell betreten konnte und jetzt auch Harry. Dort hält er die Göttin versteckt, in einem Zauberstein. Durch diesen hat er Harry Kräfte gegeben. Somit haben sie ihr gegenseitiges Versprechen erfüllt. Habe ich etwas vergessen?"
"Ja, wer ist der Professor?", erinnerte Tom und sah Fly mit besorgten Augen an.

"Er ist das mächtigste Wesen auf diesem Planeten."

"Hat dieses Etwas auch einen Namen?", fragte Lucius genervt.

"Ja." Fly schwieg kurz und sah beschwörend in die Runde. "Kai Adell, der Professor in Verteidigung gegen die Dunklen Künste, ist niemand anders als Kain selbst."

"Scheiße.", rutschte es Tom heraus, der wütend die Fäuste ballte. "Der Junge bringt sich auch nur in Schwierigkeiten."

"Er ist nun mal ein Potter.", schnaubte Lucius und kaute auf der Unterlippe herum.

"Wie wahr, Lucius.", seufzte Tom und legte die Stirn kraus. "Wir müssen ihn aus den Fängen von diesem Kain befreien. Nur wie?"
Fly begann leicht zu pfeifen.
"Hm, mir fällt nichts ein. Solche Versprechen sind gültig.", meinte Lucius und stand von seinem Platz auf.
Das Pfeifen der Fledermaus wurde lauter.

"Du hast Recht. Aber es muss eine Möglichkeit geben."

"Ihn töten?"

"Wenn du dich an die Prophezeiung erinnerst, kann nur Harry dies vollbringen."

"Stimmt."

"SAGT MAL, SEID IHR TAUB?", schrie plötzlich Fly zornig, die versuchte, sich aus den Händen von Tom zu befreien, der aber keineswegs daran dachte. "Mein Pfeifen nicht gehört? Dann müsst ihr aber echt taub sein."

"Sag jetzt nicht, du hast eine Idee.", sprach Tom, der begann, ohne dass er es wirklich registrierte, die Fledermaus zu streicheln.

"Und ob.", zönte Fly, der seine Augen schloss und diese Zärtlichkeit zu genießen schien.

"Und die wäre?"

"Eine Bindung.", grinste nun das geflügelte Wesen schelmisch und kicherte.
"Verdammt, warum bin ich nicht selbst darauf gekommen?", stöhnte der Dunkle Lord, der die Fledermaus losließ. Erschrocken landete Fly auf dem Boden.

"Danke, herzlichen Dank.", kreischte er und flog zurück zur Decke.

"Blut hat mehr Gewicht, als ein Versprechen.", murmelte Lucius, der im Raum auf und hab ging.

"Genau, und ich wüsste schon wen, wer als Partner meines Sohnes in Frage käme."
"Ui, ui, ich weiß es, ich weiß es.", ertönte es freudig von der Decke, wo Fly vor und zurück schwang.

"Ach ja, dann sage es mir.", grinste Tom geheimnisvoll und sah zu Lucius, dem ganz langsam ein Licht aufging.

"Moment ihr wollt doch nicht..."

"Doch, Lucius."

"Ja, ja, dieser süße Blondie in Kleinformat. Er weiß auch schon Bescheid.", quietschte die Fledermaus und drehte ihre Runden im Arbeitszimmer.
"Draco soll sich mit Harry Potter binden?" Nicht wirklich damit begeistert betrachte Lucius seinen Meister, der wie ein Lausebub lächelte.

"Das wäre die beste Bindung. Unsere Blutlinien sind die ältesten unter den geborenen Vampiren."

"Ihr habt ja Recht, aber-"

"Du kommt damit nicht klar, dass er ein Potter ist."

"Ja. Ich hielt James bis zum Ende als ein Arschloch und Harry ist nun mal sein Sohn."

"Aber auch meiner, Luc. Keine Diskussion mehr."

"Ja, Meister, aber ich hätte da eine Frage."

"Und die wäre?"

"Wieso hat dieser Kain den Kleinen noch nicht mit Blut an sich gebunden?"

"Das kann ich erklären.", meldete sich Fly zu Wort, der immer noch durch die Luft segelte. "Wenn mal zwei Vampire miteinander gebunden sind, dann können sie sich nicht mehr gegenseitig töten. Und ich denke, Kain hält sich diese Option frei, bis er hundertprozentig sicher gehen kann, dass er Harry nicht mehr töten brauch."

"Irgendetwas stört mich an dieser Theorie...", meinte Tom, der aus dem Fenster blickte. "Wenn er sofort Harry mit Blut binden würde, musste er sich die Arbeit überhaupt nicht machen ihn umzubringen." "Hm, da hast du Recht.", überlegte Fly, der sich nun wieder auf seiner Schulter niederließ. "Da ist ein Haken... nur welcher..."

"Denken wir darüber ein anderes Mal nach. Jetzt geht es erst mal darum, Harry mit Draco zu binden."

"Nun, so schwer kann das ja nicht sein.", warf die Fledermaus ein. "Ich weiß, dass Harry etwas für den blonden Tölpel fühlt. Man muss diese Gefühle nur zum überkochen bringen..." Fly lächelte anzüglich.

"Meinst du, dass das so einfach ist?"

"Natürlich, es ist ja nicht so, dass Adell den Kleinen auf Schritt und Tritt folgt. Außerdem ist Harry ein pubertierender 16-jähriger. Der wird nicht abgeneigt sein."

"Fly, du bist ja eine richtig böse Fledermaus.", meinte Tom anerkennend und lächelte ihn munter zu.

"Nur halb so schlimm wie du, Tölpelchen.", schnurrte Fly, der Tom zuzwinkerte.
"Ach, bitte. Hättet ihr die Güte erst dann wieder zu flirten, wenn ich meilenweit entfernt von euch bin?", knurrte Lucius mit zuckender Augenbraue, was ihm von Fly und Tom einen entsetzten Blick einhandelte.

"Wir flirten nicht.", kam es von beiden gleichzeitig.

Der blonde Todesser schnaubte. "Wer es glaubt." Er ging zur Tür. "Sag meinen Sohn, dass er als Malfoy die Sache richtig angehen und keine halben Sachen machen soll.", bafahl er Fly und verließ sein Arbeitszimmer.

Voldemort und die Fledermaus sahen ihn perplex hinterher und kicherten los, als sie alleine waren, doch Tom wurde schnell wieder ernst. "Mach dich auf den Rückweg, Fly. Jetzt liegt alles in Draco und deiner Hand. Kann ich mich auf dich verlassen?"

"Na, aber Logo. Ich mag den Kleinen, deshalb werde ich ihm helfen.", schwor das geflügelte Wesen und nickte heftig.

"Wieso nennst du ihn immer Kleiner? Wenn man dich so anguckt..."

Fly sah Tom tief in die Augen. "Wer sagt, dass das hier meine wahre Gestalt ist?"

"Wie?"

"Lass dich überraschen, Tom.", säuselte die Fledermaus verführerisch, bevor er in sein altes Muster zurückfiel.
"Es wird mir ein Vergnügen sein, die beiden Tölpel bei der Bindung zu beobachten."

"Fly...", seufzte Tom ausgedehnt und zuckte resignierend mit den Schultern. "Du bist unverbesserlich."

"Na, aber Hola.", kicherte Fly und schwang sich in die Luft. "Wärst du so gütig, das Fenster zu öffnen, Tölpel?"

Der Dunkle Lord tat wie ihm geheißen und gab der Fledermaus den Weg frei.

"Ich werde bald nach Hogwarts kommen. Nur leider ist mir dies in diesem Moment nicht möglich.", sagte der Braunhaarige entschuldigend.

"Kein Problem, ich passe auf."

"Ja, und sag zu Draco, ich lege meinen Sohn in seine Hände."

"Okidoki.", antworte Fly als letztes und verschwand dann in der dunklen Nacht.

Draco hatte immer noch nicht seinen Platz im leeren Gemeinschaftraum von Slytherin verlassen. Die Hände über dem Feuer, überlegte er, wie er sein Vorhaben durchführen sollte. Er seufzte ausgedehnt und ließ sich nach hinten auf den Boden fallen.
Langsam sollte er sich eingestehen, dass er ein paar höchst unpraktische Gefühle dem Gryffindor entgegenbrachte. Er dachte an die schwarzen Haare mit den roten Strähnchen, an die grünen und blauen Augen, die sich abwechselten und an den schmächtigen Körperbau des Jungen. Wieder seufzte er und legte seine Hände auf den Kopf.

"Mist.", flüsterte er und erschrak heftig, als er eine Antwort darauf bekam.

"Wo?", lachte jemand, der sich auf dem Sofa lang machte.
Draco setzte sich wieder auf und schaute in die blauen Augen von Blaise Zabini, der ihn in weiten T-Shirt und Jogginghose angrinste.

"Was willst du denn?", fragte der blonde Junge nicht gerade freundlich und starrte dann wieder ins Feuer.

"Gucken, wo du bleibst. Es ist bereits drei Uhr nachts."

"Na und? Lass mich doch.", schnauzte Draco mürrisch und verschränkte die Arme.

"Kannst du nicht schlafen?" Zabini schien Dracos genervtes Verhalten gar nicht zu registrieren und plapperte munter weiter.
"..."

"Draco, komm schon, du bist mein bester Freund. Mir kannst du es erzählen.", stöhnte Blaise und erhob sich von Sofa. Er ging auf den Blonden zu und umarmte ihn von hinten. "Geht es um Potter?" Keine Regung kam von Draco, doch Zabini kannte seinen Kameraden lange genug, um dieses Verhalten richtig zu deuten. "Also ja." Der Malfoyerbe seufzte nur wieder und stimmte so Blaise zu. "Du hast dich in ihn verliebt."

Es klang mehr nach einer Feststellung, als nach einer Frage, worauf Draco nun wirklich nicht antworten brauchte. "Du suchst dir auch immer die kompliziertesten Fälle.", lachte Zabini leise und drückte den blonden Jungen einen Kuss auf die Wange.

"Ich gehe wieder ins Bett und wenn ich dir einen Rat geben darf: Du solltest das auch tun. Sonst siehst du morgen, wohl eher heute, ziemlich scheiße aus."

Draco hob darauf nur die Hand und winkte dem Schwarzhaarigen kurz zu. Dieser zuckte nur mit den Schultern und verschwand Richtung Schlafsäle.

"Oh, dieser Tölpel hat vollkommen Recht.", krächzte es plötzlich und Draco zuckte das zweite Mal in kürzester Zeit zusammen. "Du hast ganz bestimmt einen Fabel für schwierige Fälle... und für schwarzhaarige Jungs.", kicherte Fly und bedachte Draco mit einem anerkennenden Blick.

"Was meinst du?"

"Nun, mein lieber, kleiner Blondie. Mir ist sofort aufgefallen, dass dieser hübsche Junge und du mal etwas am Laufen hattet."
"Du bist sicher nicht hier, um mit mir über meine vergangenen Liebschaften zu diskutieren.", zischte Draco die Fledermaus an, die sich auf dem Kamin breit gemacht hatte und dessen Grinsen immer breiter wurde.

"Schon klar."

"Und was haben der Lord und mein Vater gesagt?" Draco rutschte neugierig auf dem Boden herum und sah Fly mit glänzenden Sturmböen an.

"Tja, mein lieber Tölpel. Auf, auf, und schnapp dir den kleinen Harry. Er soll dir gehören.", meinte die Fledermaus mit feierlicher Mimik, wobei sie ein Kichern unterdrückte.

"Das heißt, eine Bindung ist unumgänglich.", murmelte Draco resignierend und strich sich durch seine blonden Haare.

"Ach, jetzt tu nicht so, als ob es dich nicht freut, dass er für immer dir gehören könnte."

"NEIN.", schimpfte der blonde Junge und stand von seinem Platz auf, um in seinen Schlafsaal zu gehen. "Ich hatte nie vorgehabt, mir ein Anhängsel zu besorgen."

"Sieh ihn doch als Haustier.", schlug Fly vor, was bei Draco ein Stirnrunzeln verursachte. "Ha, ha.", waren seine letzten Worte, bevor er den Gemeinschaftsraum verließ.

Fly blickte ihm mit undurchdringlicher Miene hinter her und lief auf dem Kamin hin und her. "Tja, Blondie, jetzt liegt die Zukunft bei dir. Je nachdem, ob du es ermöglichst, dir den Kleinen zu schnappen.", sprach die Fledermaus mit sich selbst und stoppte abrupt, als ihr etwas einfiel. "Hätte ich ihm vielleicht sagen sollen, dass solch eine Blutbindung immer Früchte trägt?" Fly grinste hinterhältig. "Na, einer von beiden wird es dann ja merken.", sagte er noch, bevor er durch das offene Fenster zum Gryffindorturm flog.