2. Folgenschwere Begegnung

Mit trüben Augen öffnete er die Haustür zu der kleinen Wohnung und schloss sie sofort, nachdem er eingetreten war, wieder leise hinter sich. Seufzend lehnte er sich an das Holz und rutschte daran hinab. Er zog die Knie an seinen Körper und bettete seinen Kopf darauf. Sein schwarzes Haar fiel ihm sofort in sein Blickfeld. Doch Harry beachtete diese lästigen Strähnen nicht und schloss kurz seine grünen Smaragde.

Wie jedes Mal, wenn er einen Vampir zur Strecke gebracht hatte, fühlte er sich danach wie leergebrannt, ausgelaugt. Keine Gefühle spiegelten sich in seinen Augen, die nur ausdruckslos die Wand ansahen. Es schien, als würde er durch sie einfach hindurchgucken. Er war schon lange nicht mehr er selbst. Seit dem Zeitpunkt, wo er das erste Mal einen Bluttrinker vernichtete hatte. Dies geschah kurz nach seinem Abschluss auf Hogwarts.

Rückblick

Glücklich und doch tieftraurig, darüber, dass er nun Hogwarts für immer verlassen musste, trat er auf den Platz vor dem Bahnhof. Die Nacht war bereits hereingebrochen und nur die Straßenlaternen spendeten Licht.

Die Koffer hinter sich herziehend, suchte der Schwarzhaarige in seiner Tasche nach seinem Zauberstab, um den ‚fahrenden Ritter' zu rufen.

Plötzlich wehte ein grausamer Schrei durch die Luft und Harry Potter blieb ruckartig stehen. Ängstlich musterte der Ex-Gryffindor seine Umgebung und verweilte immer ein paar Sekunden an den Stellen, die im Schatten lagen.
Wieder durchriss ein gellender Schrei die Stille der Nacht. Harry zuckte zusammen und ließ erschrocken den Koffer los. Zögerlich ging der Schwarzhaarige in die Richtung, aus der er diese schmerzverzerrte Stimme zu hören glaubte.

Immer schneller trugen ihn seine Schritte und als er einen weiteren Schrei vernahm, rannte er los. Innerlich verfluchte er seinen Heldenkomplex, doch er konnte es einfach nicht ertragen, einen Menschen leiden zu sehen, oder in diesem Fall, zu hören.

Der Dunkelhaarige trat in eine Gasse ein und die dort vorhandene Dunkelheit, verschluckte ihn. Er sah fast nicht mehr seine Hand vor Augen und stolperte über den Müll am Boden. Doch er lief immer weiter, bis er nach Minuten, an seinem Ziel ankam. Und was ihm dort geboten wurde, ließ ihn erschaudern:

Ein junger Mann, ungefähr um die dreiundzwanzig, vierundzwanzig Jahre, lag in den Armen einer Frau. Zumindest glaubte Harry, dass es eine Frau war, denn ihre dunkelbraunen Haare starrten nur so vor Schmutz, ebenso ihre Kleidung. Doch das Erschreckende, das, was ihn das Blut in den Adern gefrieren ließ, war etwas anderes.

Ihr Mund presste sich auf den Hals des jungen Mannes, der sich unter dem Körper dieser schäbigen Frau wand und sie schlug und trat. Er versuchte sich zu befreien, doch dieses Wesen - Harry war sich nicht mehr sicher, ob das eine Frau war, da ihre Haut ungewöhnlich blass schimmerte - hatte unvorstellbare Kräfte.

Harry ging weitere Schritte auf dieses Paar zu. Doch dann musste er panisch aufzischen.

Blut lief dem jungen Mann am Hals herunter und die Frau vollführte Schluckbewegungen. Hin und wieder leckte diese dann über die immer blasser werdende Haut des Mannes.

Harry konnte nicht glauben, was er da sah. Er stand einem Vampir gegenüber, der sich in diesem Augenblick an einem Menschen gütlich tat.

Fassungslos schüttelte der Schwarzhaarige seinen Kopf und schlich rückwärts. Doch wie sollte es anders sein, trat er so eine Dose aus seinem Weg, die scheppernd in eine Ecke davon flog.

Panisch hielt der Ex-Gryffindor seinen Atem an, doch der weibliche Vampir hatte ihn gehört. Ihr Mund löste sich von ihrem Opfer und ihre Augen fraßen sich in seine Smaragde. Kalte, eisblaue Augen, ohne jegliches Gefühl. Nur die Gier sprühte ihm entgegen, die Gier nach Blut.

Als ob er unwichtig wäre, ließ sie ihr letztes Opfer , das immer noch lebte und atmete, da sich der Brustkorb hob und senkte - einfach auf dem Boden liegen und wanderte mit sicheren, fast schwebenden Schritten, auf ihn zu.

Harry wich keinen Zentimeter, zu sehr hielten ihn diese Augen gefangen, die irgendwie wunderschön waren, trotz der Kälte, die in den blauen Seen vorherrschte.

„Nein.", hörte der Dunkelhaarige plötzlich den jungen Mann am Boden flüstern, der nun versuchte sich in die Höhe zu stemmen, doch er schaffte es nur auf die Knie und Hände.

„Lass den Jungen in Ruhe.", sagte er nun etwas lauter, doch der weibliche Bluttrinker achtete nicht mehr auf ihn. Denn sie hatte ein weitaus interessanteres Opfer entdeckt: Harry.

Dieser rührte sich immer noch nicht. Er hatte das Gefühl, hypnotisiert zu sein. Seine Gedankengänge bewegten sich nur zähflüssig und sein Körper prickelte wohlig.

„Schau nicht in ihre Augen. Guck weg!", rief der junge Mann schwach, doch es brachte nichts.

„Höre mir zu, Blödmann. Sie wird dir leicht ein Blut aussaugen. Langsam wirst du dahin sterben. Willst du das?", redete der Mann weiter auf Harry ein.

Dieser bäumte sich plötzlich auf und löste sich erschrocken von den blauen Augen. Entsetzt sah er zu dem verletzten Mann, der auf einmal in eine Ecke zeigte. Schnell guckte Harry in die gezeigte Richtung. Seine Augen weiteten sich, als er das Samuraischwert, das in einer Pfütze lag, erkannte.

„Das geht doch nicht!", hauchte der Ex-Gryyffindor und musterte den Mann und dann den Vampir. Dieser hatte ihn fast erreicht. Die Hände der Frau waren gierig nach ihm ausgestreckt und der Geifer lief ihre Mundwinkel hinab.

Bei diesem Anblick brach etwas in Harrys Seele. Er schrie auf und hastete zu dem Schwert. Er hörte noch das Kreischen des weiblichen Bluttrinkers hinter sich und spürte dann eine Hand über seinen Rücken fahren. Die Frau konnte ihn nicht richtig greifen, da sich der Schwarzhaarige hingeschmissen hatte.

Nur noch wenige Zentimeter trennten ihn von der Klinge, doch wieder stürzte sich der Vampir auf ihn, zerriss seinen Pullover und führte dem Jungen eine klaffende Wunde am Oberarm zu.

Gellend schrie Harry vor Schmerz auf, schlug dabei hart mit dem Kopf auf dem (harten) .-wiederholung) Asphalt auf. Benommen hob er diesen wieder und schüttelte ihn. Doch diese Sekunden, die dem Ex-Gryffindor Zeit gekostet hatten, nutzte der Bluttrinker schamlos aus.

Fast zärtlich drückte sie den Jungen an ihre Brust und liebkoste Harrys Halsschlagader. Dieser bäumte sich in dem Griff auf und versuchte frei zu kommen, doch umsonst. Er zog scharf die Luft ein, wobei er nebenbei bemerkte, dass die Frau vollkommen geruchlos war.

Und dann schlug sie ihre Zähne in seinen Hals. Harry seufzte daraufhin nur und beendete seine Wehr. Er konzentrierte sich nur auf dieses wundervolle Gefühl von Frieden und Gelassenheit. Er kostete es regelrecht aus und vergaß die Welt um ihn herum.

Doch etwas in seiner Seele bäumte sich auf, kämpfte gegen diese Emotionen, die auf den Schwarzhaarigen hereinbrachen. Eine innere Schlacht herrschte in dem schmächtigen Körper des Ex-Gryffindors, die schon nach Sekunden von einer Seite gewonnen wurde.

Wütend über sich selbst und den Vampir, ballte Harry seine innere Kraft. Eine Druckwelle löste sich von seinem Körper und schleuderte den weiblichen Bluttrinker gegen die, mit Graffiti bespritzte, Mauer.

Wankend erhob sich der Dunkelhaarige auf die Füße und presste seine Hand gegen die zwei kleinen Löcher am Hals, aus denen immer noch ein kleiner Rinnsal seines Blutes hervor floss.

Sein Zorn steigerte sich ins Unermessliche und flink sprang er auf das Schwert zu, wonach er griff und danach eine Vorwärtsrolle vollführte, um auf die Knie zu kommen.

Nicht zu spät.
Denn der weibliche Vampir hastete schon wieder auf ihn zu, wobei Harrys Blut ihr aus dem Mund lief.

Selbstbewusst holte der Ex-Gryffindor mit dem Samuraischwert aus und trennte dem Bluttrinker mit voller Wucht, den Kopf vom Körper. Dieser rollte über den Asphalt, während der Körper einfach regungslos auf dem Boden aufschlug. Blut tränkte die Straße und breitete sich rasendschnell aus, weswegen Harry angeekelt ein paar Schritte zurückging.

Erst, als der verletzte Mann schmerzhaft stöhnte, wurde sich der Schwarzhaarige bewusst, dass er nicht allein war. Immer noch mit der Klinge in der Hand, sprintete er zu dem jungen Mann und brachte diesen vorsichtig in eine sitzende Position, wobei er das Schwert neben sich legte.

Nachsichtig strich er dem Verletzten die blonden Haarsträhnen aus dem Gesicht und betrachtete sich den hübschen Mann. Dieser stöhnte gequält auf und öffnete flatternd seine braunen Augen. Glasig schauten sich diese um und hafteten dann auf Harry, der leicht lächelte.

„Sind sie okay?", fragte er leise und drückte den Arm seines Gegenübers sanft.

„Hm. Ja, ich- ich… ist es tot?"

„Ja, ich habe dieser Frau den Kopf abgeschlagen. War... war das ein Vampir?"

„Ja.", lautete die schlichte Antwort des Blonden, der sich, auf Harry gestützt, erhob. Unsicher stand er auf den eigenen Beinen und betrachtete sich nun den Jungen eingehend.

„Wie hast du das gemacht?"

„Was?" Verwirrt neigte Harry seinen Kopf.

„Diese Druckwelle. So etwas habe ich noch nie gesehen. Ohne jeglichen Zauberstab."

Der Ex-Gryffindor zuckte mit den Schultern.

„Ich weiß es selbst nicht."

Der Blonde nahm es so hin und ging ein paar Schritte.

„Mein Name ist übrigens John. John Crow.", stellte sich der junge Mann vor und lächelte traurig.

„Ich bin ein Vampirjäger."

Harry nahm diese Nachricht fast gelassen auf und nickte nur.

„Ich bin Harry Potter."

„So, so. Sag mir, willst du mir nicht helfen? Deine Fähigkeiten sind beachtlich. Du wärst der neue Schrecken in der Vampirszene."

Rückblick ende

Ja, so begann damals sein ereignisreiches Leben als Vampirjäger, so hatte er Crow kennen gelernt, so wurde er ein Vampirjäger und war es bis heute, Nacht für Nacht.

Er bereute es nicht, auch, wenn er manchmal dachte, dass dies sein Verhängnis werden würde. Es würde seinen Tod bedeuten, denn er war sich sicher, irgendwann würde er durch einen Vampir sterben.

Sacht schüttelte er den Kopf und versuchte sich in die Höhe zu stemmen, doch sein Körper

reagierte nicht. Widerwillig blieb er sitzen und umschlang seine Knie mit seinen Armen.
Er war erschöpft, nur noch müde, doch er konnte sich nicht mehr ins Bett schleppen.

Langsam dämmerte er weg, doch richtig schlafen konnte er schon lange nicht mehr. Sein Geist und sein Körper versperrten ihn diese Aussicht, mal ein paar Stunden diesen ganzen Ereignissen zu entfliehen, weshalb auch immer.

Plötzlich schaltete sich das Licht an und jemand näherte sich ihm. Sanft legte sich eine warme Hand auf seine Schulter, während die andere zu seinem Kinn wanderte und so seinen Kopf zärtlich anhob. Weiche Lippen drückten sich auf seinen Mund und liebkosten ihn. Seufzend nahm er diese

liebreizende Geste an und kuschelte sich an den wärmenden Körper.

„Harry, da bist du ja endlich.", murmelte eine mit Liebe getränkte Stimme, die Harry jedes

Mal einen Schauer den Rücken hinunter laufen ließ.

Liebevoll strich der Ex-Gryffindor durch die knielangen, weißen Haare seines Gegenübers, der sich auf die Knie niedergelassen hatte und strich ihm eine Strähne aus dem Gesicht, damit er in den gefühlvollen, grauen Augen versinken konnte.

Wieder legten sich die feuchten Lippen auf die seinen und der Dunkelhaarige erwiderte voller Inbrunst den Kuss. Fast brutal strich Harry mit seiner Zunge über die Unterlippe und forderte so Einlass, der ihn sofort gewährt wurde.

Sie küssten viele Minuten, bevor sich der Weißhaarige von ihm löste und ihn an den Armen hochzog.

„Komm, Harry, du gehörst ins Bett.", sprach der Junge um die zwanzig und bugsierte den Schwarzhaarigen vor sich her. Doch dieser dachte gar nicht daran und drehte sich zu seinem Geliebten um.

Er riss ihm sein offenes Hemd von den Schultern und verteilte kleine Küsse auf dessen Brust.

Der Grauäugige keuchte auf und schmiss den Kopf in den Nacken. Er konzentrierte sich nur auf diesen rauen Mund und die kalten Finger, die sich ungeduldig an seiner Boxershorts vergriffen und dann in diese hineinschlüpften. Sanft begannen sie, die langsam anwachsende Erregung des Weißhaarigen zu massieren, dessen Beine anfingen zu zittern.

Harry verbiss sich in den Hals seines Gegenübers, der aufkeuchte und genießerisch die Augen schloss.

„Hilf mir, Envin. Hilf mir zu vergessen. Hilf mir heute Nacht, mein Leben und mein Schicksal zu verdrängen. Ich möchte mich in dem Sex mit dir, vergessen.", hauchte der Ex-Gryffindor.

Envin nickte nur und ließ sich von dem Schwarzhaarigen ins Schlafzimmer ziehen.

Wie eine Statue stand Harry auf dem Dach eines dreistöckigen Gebäudes und durchforstete die Nacht mit den Augen und seiner inneren Kraft. Er war, wie jeden Abend, auf der Suche nach Vampiren, die gierig nach Blut, einen Mensch suchten, den sie aussaugen konnten.

Ein hämisches und zugleich schmerzvolles Grinsen, huschte über seinen Mund.

Wieder würde er Menschen vor dem Tode retten, er würde die Welt von diesem Abschaum befreien und er würde nach dieser Tat wieder nicht schlafen können. Er schlief schon lange nicht mehr, außer er hatte Sex gehabt. Danach schlummerte er immer ins Land der träume, und dafür war er Envin, seinem Geliebten, dankbar.

Durch ihn konnte er sich erholen, durch ihn fand er wenigstens zwei, drei Stunden Schlaf, den sein Körper ihm zwar verwehrte, allerdings doch so nötig brauchte.

Manchmal hatte Harry das Gefühl, dass er den Zwanzigjährigen ausnutzte, nur seinen Sex brauchte, doch diesen Gedanken schob er beiseite.

Seit fast einem Jahr waren sie ein Paar und wohnten zusammen. Envin wusste über seine ‚Arbeit' bescheid und half ihm auch, in dem er für ihn interessante Sachen erfand, wie zum Beispiel diese Munition, das Sonnenlicht ausstrahlte, wenn sie in den Körpern der Vampire steckten.

Der Ex-Gryffindor wollte nicht darüber nachdenken, ob der den Weißhaarigen liebte, oder ihm sonst ein Gefühl entgegen brachte. Er wusste es einfach nicht, er hatte noch nicht mal die Ahnung, ob er überhaupt zu einer Emotion imstande war.

Plötzlich wurde Harry aus seinen Gedanken hervorgeholt, als er wallende Schwingungen in der Luft spürte: Ein Vampir.

Geschmeidig sprang der Schwarzhaarige vom Haus und rannte in die Richtung, aus der er die Ausstrahlung des Bluttrinkers fühlte.

Er betrat ein heruntergekommenes Haus und ging gemächlich durch die Räume. Hin und wieder huschten Ratten an ihm vorbei, doch er würdigte diese keines Blickes. Seine Augen waren nur starr auf die Szene vor ihm gerichtet.

Der Vampir stand mit dem Rücken zu ihm, presste ein junges Mädchen, nicht älter als 13 vielleicht - so genau konnte er es nicht erkennen - gegen die Wand und schlürfte ihr Blut. Der Dunkelhaarige hörte die Schluckgeräusche des Vampirs und das Wimmern des Kindes. Harry erschauderte immer noch, wenn er diese Laute vernahm. Doch er konnte nicht kneifen und so räusperte er sich laut.

„Was denn? Macht ihr Monster noch nicht mal vor Kindern halt? Seid ihr so tief gesunken?", stellte der Ex-Gryffindor sarkastisch die Frage und sah mit Genugtuung, wie der Vampir, der blonde Haare hatte, erstarrte und das Mädchen einfach fallen ließ. Allerdings drehte sich der Bluttrinker nicht um.

Mit langsamen Schritten schlenderte Harry auf den Vampir zu, der leicht bebte. Harry runzelte die Stirn und verstand diese Reaktion nicht. Normalerweise sprangen ihn diese Biester immer sofort an, doch dieser hier fiel aus dem Rahmen.

Der Dunkelhaarige zischelte. Dieser Bluttrinker musste von einem Alten abstammen. Diese Sorte war schon immer intelligenter und gefährlicher. Sie besaßen mehr Fähigkeiten, als die Frischgemachten. Trotzdem konnte Harry nicht nachvollziehen, warum dieser blonde Vampir zitterte.

„Dreh dich um.", befahl er mit barschen Ton.

„Nein.", hauchte der Bluttrinker schlicht, während das Beben an Stärke zunahm.

Der Ex-Gryffindor stockte. Diese Stimme kam ihn seltsam bekannt vor, zu vertraut. Er näherte sich weiter dem Vampir und stand nun direkt hinter diesem.
Ein Geruch von Kirsche stieg in seine Nase. Wider ein Zeichen, dass dieser Bluttrinker kein normaler war. Man sah es schon allein an der Kleidung, die zu sehr nach verwöhntem Bengel aussahen.

„Ich habe gesagt: Dreh dich um!", polterte Harry und packte den Vampir an der Schulter, doch der schob seine Hand mit Leichtigkeit beiseite.

„Nein!", wiederholte er.

„Das will ich dir nicht antun.", sagte er kraftlos weiter und ließ den Kopf hängen.

„Tu es!"

Resignierend drehte sich der Vampir um.

„Nein!" Entsetzt stolperte Harry rückwärts und schlug sich die Hand vor den Mund. Seine Smaragde bohrten sich geweitet in ein paar graue Sturmböen, die ihn kalt und dennoch voller Gefühle anstierten.

„Das kann nicht sein.", sprach der Ex-Gryffindor apathisch und entfernte sich noch weiter von

dem blonden, jungen Mann mit den grauen Augen. Dieser sah ihn fast mitfühlend an und verschwand einfach. Von einem zum anderen Moment stand er nicht mehr auf seinem Platz.

Harry fiel auf die Knie und bettete seinen Kopf in den Händen. Er konnte es nicht fassen. ER! Gerade ER! Er hatte ihn gehasst und manchmal heimlich, ohne, dass dieser davon wusste, geliebt! Tränen rollten aus seinen Augen und benetzten seine Wangen. Seine Hand fuhr zur Wange und wischte sie weg. Dann betrachtete er seine Finger, die nun nass waren.

Er weinte! Er hatte lange keine Tränen vergossen. Er weinte! Wieso? Wegen ihm? Konnte es sein?

Er schüttelte heftig den Kopf. Es musste eine Halluzination gewesen sein. Dieser Vampir konnte nicht ER sein.

Plötzlich verhärteten sich seine Augen. Kalt musterten sie das kleine Mädchen, dessen Brustkorb sich noch hob und senkte. Nur dieser kurze Blick, dann schenkte er ihr keine Aufmerksamkeit mehr.

Fast übermenschlich verließ er zügig diesen Ort des Todes und sprang auf ein Haus. Von dort aus hüpfte er von Dach zu Dach und näherte sich so immer weiter seinem Zielort.

Malfoy Manor.

Er musste die Wahrheit erfahren. Und dort würde er sie finden. Kein Zweifel. Er musste herausfinden, ob er wirklich IHN getroffen hatte, als Vampir: Seinen Feind von Hogwarts, der ungekrönte Prinz von Slytherin.

Draco Malfoy