3. Malfoy Manor
Immer schneller trugen ihn seine Beine über die Dächer der Stadt London. Sein Blick war ausdruckslos, fast unmenschlich und doch floss menschliches Blut in ihm, obwohl er selber nicht wusste, woher er diese Fähigleiten hatte, die ihm innewohnten.
Aber er verschwendete schon lange keine Gedanken mehr daran, schließlich nutzte dies nichts. Er nahm es so hin, wie es war. Selbst John wunderte sich nicht mehr über ihn, wenn sie gemeinsam Vampire jagen gingen.
Er flog regelrecht über die Häuser, wobei er so schnell war, dass, wenn ein Mensch zufällig zum Himmel schaute, dieser nur ein Huschen wahrnahm, eine ungewöhnliche Bewegung in der Luft. Sein Mund verzog sich zu einem hämischen Grinsen, wenn er an diese unterbelichteten Lebenden dachte, die keine Ahnung hatten, was für grausame Gestalten nachts ihr Unwesen trieben.
Am liebsten würde er sie ihrem Schicksal überlassen, als Blutkonserven für die Vampire zu dienen. Doch er war nun mal immer noch im Herzen ein Gryffindor, auch wenn man äußerlich nichts mehr davon merkte. Ein wahrer Löwe vergaß seine Zugehörigkeit nicht!
Langsam näherte er sich den besseren Vierteln der Stadt und sprang jetzt hauptsächlich über die Dächer teuerer Villen. Wider huschte ein kaltes Lächeln über die Lippen. Er sah kurz zum Mond hinauf. Fast verfiel er der Melancholie, doch er konnte sich beherrschen und hüpfte weiter, bis er den Stadtrand erreichte. Er verließ das letzte Dach und rannte dann in fast unmenschlicher Geschwindigkeit durch die Gräser und Felder, die schließlich abgelöst wurden, von dicht bewachsenen Wäldern. Er tauchte ein in tiefe Dunkelheit.
Dabei lauschte er dem Zierpen der Heuschrecken, das zwischen den Bäumen ersetzt wurde durch das Rauschen der Blätter im Wind. Er horchte den Tieren, die über das Geäst krochen, er vernahm das Heulen eines Wolfes und musste dabei unwillkürlich laut lachen. Wölfe…. Er nahm noch einmal an Schnelligkeit zu und konnte langsam gelbliches Licht durch den dichten Wald erkennen.
Endlich, dachte er sich und wurde nun langsamer und letztendlich ging er gemächlich auf das riesige Schloss zu, das locker mit Hogwarts konkurrieren konnte, was die Größe betraf. Gemächlich schlenderte er durch den Vorgarten, schenkte allerdings der Schönheit dieses Ortes keine Aufmerksamkeit. Sein Blick war stur auf die große Haustür gerichtet, die man eher Portal nennen sollte.
Plötzlich spürte er einen Widerstand, der versuchte, ihn vom Schloss weg zu halten. Das rang dem Schwarzhaarigen nur ein müdes Lächeln ab und mit einer Bewegung seiner Hand löste sich der Schutzschild auf. Er ging weiter und blieb dann vor der Tür stehen. Er hörte durch das Holz die Hauselfen herumstolpern, die natürlich mitgekriegt hatten, dass der Bannschild zerstört wurde.
Er gab den Anwesenden kurz Zeit zum Verschnaufen, oder wohl doch eher Zeit, um Panik zu schieben und öffnete dann einfach das Portal. Mit festen Schritten betrat er die Empfangshalle, die komplett aus weißem Marmor bestand. Er sah sich suchend um und erkannte sofort die Gestalt, die die Treppe hinunter stieg.
„Lucius Malfoy.", lächelte er kalt und grinste hämisch.
„Harry Potter.", schnaubte der Hausherr wütend und erreichte den Treppenabsatz.
„Nun, da wir uns vorgestellt haben, kommen wir zum eigentlichen Grund meines hier seins.", sprach der Schwarzhaarige laut und musterte die Halle genauer.
„Und der wäre?"
„Draco.", war die schlichte Antwort von Harry, dessen Augen sich nun auf den blonden Mann hefteten, um jegliche Reaktion beobachten zu können. Und er wurde nicht enttäuscht. Lucius Gesicht verzerrte sich schmerzvoll und der Ex-Gryffindor füllte sich nun bestätigt.
„Was ist mit ihm?", fragte Lucius nun wieder ausdruckslos und spielte mit seinem Stock.
„Das wissen sie doch selber ganz genau.", frohlockte Harry lächelnd und ging nun auf den Hausherrn zu.
„Tun sie nicht so, mein lieber Lucius. Sie sollten froh sein, dass ich ihr Haus nicht auseinander nehme.", redete der Schwarzhaarige weiter und stand nun nur noch Millimeter von dem blonden Mann entfernt. Ihre Nasenspitzen berührten sich fast und sie konnten den Atem des anderen auf der Haut spüren.
„Lucius, wer ist hier eingedrung- bei Slytherin.", kreischte die blonde Frau auf, die gerade in die Eingangshalle gerauscht kam. Sie stockte im Schritt und starrte fassungslos den jungen Mann an, der sich langsam zu ihr umdrehte.
„Mrs. Malfoy, schön sie zu sehen.", begrüßte Harry die schöne Frau schmunzelnd, doch erreichte dies nicht seine grünen Smaragde, die weiter eisige Kälte ausstrahlten.
„Was- was willst du hier?", stellte sie die Frage und sah dabei regelrecht entsetzt aus.
„Draco.", beantwortete ihr Mann für Harry.
Sie schlug die Hand vor den Mund und begann zu zittern.
„Sehr richtig, Lucius. Ist er hier?"
„Nein.", schrie Narzissa panisch und trat zu Lucius, der sie bei der Hand nahm.
„Ah ja… Jetzt hören sie mir mal zu." Harrys Lächeln, das er die ganze Zeit aufgesetzt hatte, verschwand und machte einer abstoßenden Grimmasse Platz.
„Sie wissen, was ich tue, was ich jage, was ich töte. Und sie können sich denken, welche Schmerzen ich ihnen zufügen kann. Also hören sie auf, mich an der Nase herumzuführen."
Ängstlich hörten ihm die Malfoys zu. Narzissa krallte sich in den Arm ihres Mannes, während dieser Halt bei seinem Stock suchte. Ihre Mienen waren besorgt und fast resignierend.
„Ich spüre ihn, kann ihn regelrecht riechen. Er soll hervor kommen…"
Harrys Stimme hallte bedrohlich durch den Saal, sie echote durch das gesamte Schloss und die Hauselfen wichen panikartig zurück, teilweise suchten sie das Weite. Das brachte den Schwarzhaarigen zum Kichern. Und dieses Kichern weitete sich zu einem schallenden Gelächter aus. Er hielt sich den Bauch und wischte sich eine Träne weg, die sich angesammelt hatte.
Doch das Lachen endete schnell und den Schwarzhaarigen zierte wieder ein höhnisches Grinsen.
„Lucius… Narzissa… ich habe Voldemort umgebracht… ich schrecke auch nicht davor zurück, euch weh zu tun. Mein Gewissen ist verkrüppelt und meldet sich daher nicht mehr ganz so oft. Also sollte mir die Hand ausrutschen, werde ich ihnen nicht hinterher trauern."
„Du Monster.", flüsterte die blonde Frau mit Todesangst und erntete dafür eine Ohrfeige von Harry. Schmerzhaft fasste sie sich an die Wange und begann zu weinen.
„Wie kannst du es wagen?", zischte Lucius wütend und wolle auf den Schwarzhaarigen losgehen.
„Ich wage viel, mein Lieber. Und gewinne auch. Spiel, Satz und Sieg, wie es so schön heißt. Er soll jetzt herkommen!", befahl Harry und zog eine Waffe hervor, die er durchlud.
„Nein, nur über meine Leiche!", presste der Hausherr hervor und setzte einen entschlossen Blick auf.
„Gut, darüber lässt sich reden.", grinste Harry und drückte den Lauf der Pistole an Lucius Schläfe.
„Lucius!", wimmerte Narzissa und zerrte am Saum des Umhanges ihres Mannes, der nun auch leicht bebte.
„KOMM RAUS, KOMM RAUS, WO IMMER DU AUCH BIST!", schrie Harry laut und konnte fühlen, dass sein Opfer in der Nähe war. Nein, nicht in der Nähe: es schaute zu!
Der Schwarzhaarige zog eine zweite Knarre hervor, die bereits geladen war und zielte auf genau auf Narzissas Stirn.
„Draco, Draco, Draco. Wieso machst du es mir so schwer? Willst du denn mit ansehen, wie deine Eltern sterben? Willst du ihr Blut riechen, das ich hier in dieser strahlendweißen Halle verteilen werde? Wirst du dich daran laben, vor Hunger und Gier? Draco, ich kann warten! Doch was ist mit deinen Eltern? Was passiert, wenn mir aus Versehen der Finger abrutscht und ich abdrücke? Dann haben wir hier die Sauerei. Aber wozu gibt es Hauselfen?", lachte Harry eisig und tippte ganz leicht mit seinem Zeigefinger auf dem Abzug.
Der Ex-Gryffindor wartete ein, zwei Minuten. Langsam hatte er keine Geduld mehr. Das Spiel war ermüdend und langweilte ihn. Er knurrte böswillig auf.
„Gut. Dann soll es wohl so sein. Wen nehme ich denn als Erstes?"
Der Schwarzhaarige schien zu überlegen und musterte jeden der beiden Malfoys eingehend.
„Schön! Dann wird jetzt deine Mutter für deinen Ungehorsam leiden!", stieß Harry zornig hervor und wollte gerade abdrücken.
„NEIN!", ertönte eine verzweifelte Stimme oberhalb der Treppen und jemand huschte die Stufen hinunter. Die Person stellte sich neben Harry hin und legte diesem die Hand auf die Schulter.
„Bitte. Lass sie in Ruhe. Sie haben dir doch nichts getan.", bettelte der blonde Junge am Boden zerstört.
„Fass mich nicht an, Abschaum!", zischelte der Ex-Gryffindor und verzog seinen Mund zu einer angeekelten Fratze. Er wirbelte herum und richtete nun die Waffe auf den blonden, jungen Mann, der traurig den Kopf senkte.
„Bitte, Harry. Lass sie gehen und nimm mich!", flehte der Bluttrinker und huschte mit seinen grauen Augen unsicher zu Narzissa und Lucius, die ihn schmerzerfüllt anschauten.
„Nimm nicht meinen Namen in den Mund. Du bist es nicht würdig, Draco.", stieß Harry fluchend hervor und näherte sich mit seinem Zeigefinger dem Abzug.
„Und wieso sollte ich dich mitnehmen? Vielleicht töte ich dir hier an Ort und Stelle."
„Wenn ich somit das Leben meiner Eltern beschützen kann.", seufzte Draco leise und schloss die Augen. Seine blonden Haarsträhnen fielen ihm ins Gesicht und kitzelten ihn an der Nase.
„Gut, so sei es." Die Waffe presste sich an die Stirn des blonden Jungen. Harry grinste siegreich und wollte abdrücken. Doch da öffneten sich die Augen und der Ex-Gryffindor starrte in zwei verletzte Sturmböen, die ihn mit unterdrückten Gefühlen betrachteten. Die Haarsträhnen, die Dracos Augen halb verdeckten, verliehen ihm ein geheimnisvolles und wunderschönes Aussehen. Grüne Smaragde verfingen sich in diesem flüssigen Silber.
Langsam, ganz langsam, senkte Harry seinen Arm und Kopf.
Er konnte es nicht, er konnte es nicht zu Ende bringen. Es ging einfach nicht. Der Schwarzhaarige zischelte unwirsch und schüttelte seinen Kopf. Er konnte dem Blonden nicht in die Augen schauen, er konnte dessen Blick nicht ertragen, diese Unterwürfigkeit. Draco hatte aufgegeben. Ein Vampir, der keinen Lebendwillen hatte. Ironie.
Harry lachte und lachte. Er konnte gar nicht mehr aufhören. Und er lachte weiter, sein Körper schüttelte sich und hätte es nicht ziemlich bescheuert ausgesehen, hätte er hier getanzt.
Der Ex-Gryffindor sah wieder auf und steckte die Waffen weg.
„Draco, Draco, so wäre es doch langweilig. Ich will dich jagen, dir dein Leben zur Hölle machen… doch andererseits…."
Harry drehte sich zu Lucius um und stierte diesen eine Zeitlang an.
„Sie werden sich heraushalten. Sollten sie ihren Sohn suchen und uns finden, garantiere ich ihnen, dass er sterben wird. Ich werde eine Kugel in ihn hineinjagen und er wird aufgehen, wie ein Reh, das von der Stoßstange eines Autos getroffen wird. Seine Gedärme werden sich in allen Himmelsrichtungen verteilen und er wird trotzdem noch Leben. Er wird den Schmerz spüren. Er wird mich bitten, ihm ein Ende zu setzen und ich werde über ihm stehen und ihn auslachen. Der Tod wird seine einzige Erlösung sein! Also kommen sie mir nicht in die Quere, haben sie verstanden?"
Die Malfoys nickten rasch und drehten abstoßend den Kopf weg.
„Du bist krank, Potter.", presste Draco voller Hass hervor und seine Sturmböen brodelten heiß.
„Diesen Draco habe ich vermisst.", sinnierte Harry und nahm brutal das Kinn des Ex-Slytherin in seine Hand. Seine andere streichelte währenddessen fast zärtlich über die Wange, bevor er ausholte und mit voller Wucht als Faust zu schlug. Draco stolperte nach hinten und fauchte vampirisch auf. Seine Augen verdunkelten sich und seine Haltung ging in eine Angriffstellung über. Sprungbereit betrachtete er sich den Schwarzhaarigen, der ihn ruhig in diesem schwarzen Mantel herbeisehnte. Er hatte schwarze Springerstiefel an, eine dunkle Lederhose, die eng an den Schenkeln lag und einen Pullover, der ebenfalls schwarz war.
Im Ganzen eigentlich ein leckerer Anblick, wenn es nicht Harry Potter gewesen wäre.
Wieder fauchte Draco warnend, gab aber seine Kampfstellung auf und näherte sich wieder dem Ex-Gryffindor, der ihn am Handgelenk packte und eisern festhielt.
„Nun, Mrs. Malfoy, Mr. Malfoy. Ich danke recht herzlich für diese Gastfreundschaft und entführe ihnen ihren wundervollen Sohn.", verabschiedete sich Harry sarkastisch und warf Narzissa eine Kusshand zu, die voller Abscheu durch die nächste Tür verschwand.
„Draco.", murmelte Lucius verloren und bedachte seinen Sohn noch mit einem liebevollen Blick, bevor er seiner Frau mit gebrochenen Augen folgte.
„Mach die keine Sorgen.", sagte der blonde Junge noch, bevor er von Harry aus dem Schloss gezogen wurde.
„Brauchst du eine Jacke?"
„Ich friere nicht.", antwortete Draco monoton und ließ sich einfach von dem Schwarzhaarigen mitzerren.
„Fein.", sagte Harry nur darauf und achtete nicht auf den Ex-Slytherin, ob dieser mit seinem zügigen Schritt mit kam. Eher musterten seine Smaragde Dracos Gesicht und seine Figur. Er erkannte, dass Draco auf den Akt des Blutaustausches mit einem Vampir vorbereitet worden war. Seine blonden Haare sahen frisch geschnitten aus, keine Unregemäßigkeiten in der Länge. Auch seine Augenbrauen waren frisch gezupft und er wurde pingelig grad rasiert, bevor er zum Bluttrinker umgewandelt wurde. Auch seine Fingernägel waren alle zu gleicher Länge gestutzt und schimmerten im Mondschein, wie kleine Glühwürmchen. Draco sah einfach perfekt aus, fast zu perfekt. Doch Harry musste sich eingestehen, der Blonde war wunderschön und das Gegenteil von ihm selbst. Er, der ganz in Schwarz gekleidet war, zog ein engelsgleiches Geschöpf mit blasser Haut und strahlendweißer Kleidung, hinter sich her.
Doch der Ex-Gryffindor wusste es besser. Der Junge neben ihm, der gar kein Mensch mehr war, war ein Monster, ein Vampir, ein Monstrum. Es ernährte sich von Blut und machte darin keinen Unterschied, ob es von einem unschuldigen Kind, oder einem dreifachen Frauenmörder kam. Es suchte sich den nächstbesten Menschen und bohrte seine spitzen Eckzähne in die nachgiebige, weiche Haut. Wie Geier, die sich vom Blut toter Tiere ernährten, nur das es bei den Bluttrinkern lebendig sein muss.
Es ekelte ihn an und ohne jeglichen weiteren Grund, drückten? Harrys Fingernägel in das Handgelenk des Blonden. Er rannte los und schleifte den anderen hinter sich her.
Sie erreichten den Stadtrand und durchwanderten die teuren Villen der Anwälte, Zahnärzte, Architekten und wer hier sonst noch wohnte.
Widerwillig ging der Schwarzhaarige langsamer und schielte zu Draco herüber, der kein bisschen aus der Puste war. Seine Augen hingen nur auf dem Bordstein.
„Draco?"
„Hm?"
„Du musst Hunger haben."
„Hm."
Harry erkannte diesen gläsernen Blick, den Vampire zeigten, wenn sie ausgehungert waren. Bei jungen Bluttrinkern war der Drang nach Blut größer, als bei den Alten.
Also legte der Ex-Gryffindor Draco den Arm um die Schulter und dirigierte diesen in das heruntergekommenste Viertel der Stadt: das Hell in Heaven. Der Platz der Huren, Drogendealer, Vergewaltiger und Mörder.
Hier konnte der Vampir ruhig einem das Blut aussaugen und sie mussten auch nicht lange darauf warten. Denn als sie um eine Ecke gingen, hinein in eine dunkle Gasse kam ihnen ein kleiner Taschendieb entgegen, dessen Messer nur so vor Blutspuren strotzte.
„Nimm ihn dir, Draco.", hauchte Harry gehässig und der Blonde tat es sofort. Er krallte sich den kleinen Dieb und strich diesem mechanisch durch die braune Männe, bevor sich sein Kopf senkte und er sich im Hals des Kriminellen vergrub.
Der Schwarzhaarige grinste belustigt und schnalzte mit der Zunge. Er beobachtete den Ex-Slytherin genau und war doch erstaunt, dass kein einziger Tropfen daneben ging, wie bei anderen Vampiren. Wieder ein Anzeichen für Harry, dass Draco ein Kind eines Alten war.
Vielleicht sogar vom dem Alten, den er schon seit Monaten suchte. Also konnte der Blonde ihm noch nützlich sein. Gut, dass er ihn nicht töten konnte. Obwohl ihm diese Tatsache immer noch schwer im Magen lag.
Er knurrte.
„Mach schneller. Ich will nach Hause.", forderte der Ex-Gryffindor und hörte, wie der blutleere Körper des Taschendiebes auf den dreckigen Boden plumpste. Mit gerunzelter Stirn musterte er Draco, der zischte und so seine Vampirzähne zeigte. Seine Augen waren geschlossen und seine Finger streckten sich genießerisch. Die Farbe seiner Haut veränderte sich, nahm eine blassrosa Erscheinung an.
„Na, du kleines Monster? Bist du nun gesättigt? Du solltest mir danken, abscheuliche Abstrusität, dass ich dir gestatte, zu trinken."
Der Ex-Slytherin schnaubte verachtend.
„Du bist einfach widerlich. Wer ist von uns das Monster?", spie Draco zornig, ließ sich aber von dem Schwarzhaarigen an der Hand nehmen. Ihre Finger verkreuzten sich ineinander und der Blonde zuckte unmerklich zusammen. Sein Herz klopfte wild unter seiner unsterblichen Brust und er steckte immer noch im Blutrausch. Er stöhnte und wollte sich dem Griff des Ex-Gryffindors entziehen, doch dieser blieb standhaft und zerrte ihn immer weiter und weiter, durch verlassene Strassen. Irgendwie erklang eine Kirchturmglocke, die ihnen sagte, dass es bereits vier Uhr morgens war. Das schockte Draco, da sie doch schon um zwölf seine Eltern verlassen hatten.
Er keuchte und fasste sich an die Stirn. Sein Kopf dröhnte und er hatte das unbestimmte Gefühl, Erinnerungslücken zu haben, obwohl das nicht sein konnte. Doch es musste so sein, da er nicht wusste, wo sie waren und wie sie nun hierher kamen, da er plötzlich hölzerne Treppenstufen unter seinen weißen Turnschuhen spürte. Dumpf schlich sich dieses Geräusch in sein Gehirn und bereitete ihm höllische Schmerzen. Er spürte die Beneblung, die unmittelbare Umgebung drehte sich um ihn, schien ihn auszulachen.
Der Ex-Slytherin fiel auf die Knie und befreite sich aus Harrys Griff. Seine Hände drückten sich an seine Schläfen und rieben sie, mal in die eine Richtung, dann wieder in die andere. Er kniff die Augen so fest zusammen, dass er Sternchen sah, doch diese Sterchen wurden ersetzt durch abstoßende Fratzen, die ihn auslachten, ihn verhöhnten.
„Aufhören.", bettelte Draco und weinte… die Tränen kullerten die Wangen hinab und färbten das Holz dunkler mit ihrer Nässe.
„Aufhören.", wimmerte Draco.
Plötzlich fühlte er sich emporgehoben, so, als ob er schweben würde. Aber er konnte zwei starke Arme ertasten, die ihn die restlichen Stufen trugen. Er sah hinauf in das Gesicht und verlor sich in zwei grünen Smaragden, in denen jegliche Abscheu verschwunden war. Nur der Ausdruck von Schmerz stand in ihnen und Draco hatte das Gefühl, dass Harry litt, wegen ihm.
„Du, als Vampir, solltest merken, wenn dein Opfer sich Heroin gespritzt hat. Was machst du nur, Drake?"
Heroin, natürlich. Der Blonde seufzte und nickte schwach. Ja, er wurde immer gewarnt vor den Drogenabhängigen. Es schadete den Bluttrinker, es nahm ihnen die Kräfte und machte sie angreifbar.
„Komm. Leg dich hier hin und schlaf."
Der Ex-Slytherin spürte eine weiche Matratze unter seinem Schmerz erfüllten Körper. Die Berührung tat ihm weh und er winselte auf. Seine Hände krallten sich in Harrys schwarzen Mantel.
„Nein. Licht… Vorhänge."
„Keine Angst. Dieses Zimmer besitzt keine Fenster."
Eine Hand, die Draco durch die Haare streichelte. Er lehnte sich an die Hand, trotz tief sitzendem Schmerz. Die Liebesbekundung, auch wenn es in den Augen Harrys vielleicht keine war, war Balsam für seine geschundene Seele und er wollte mehr.
„Harry."
„Nenne mich nicht so!", knurrte der Ex-Gryffindor unwirsch, streifte aber weiter durch die blonden Strähnchen.
„Und jetzt schlaf."
Sofort schlummerte Draco weg und versank in einem traumlosen Schlaf.
Der Schwarzhaarige verließ das Zimmer und verschloss die Tür. Erst durch den Schlüssel, dann einem Sicherheitsschloss und letztendlich durch einen Bannkreis. Er stützte sich an dem Holz ab und atmete tief ein und aus.
Er hatte ihn!
Also konnte das Spiel weiter gehen. Nur keine Emotionen für dieses Monster zulassen. Er war ein Vampir und somit musste er es töten. Auch… ja auch, wenn man dieses Wesen liebte!
