4. Hoffnungslosigkeit

Langsam erwachte er und stöhnte gequält auf. Seine Muskeln schmerzten schon bei der kleinsten Bewegung und seine Knochen knackten unkontrolliert. Er setzte sich auf und versuchte seine Lippen zu befeuchten, doch sein Mund war ebenfalls trocken. Riesiger Durst machte sich in ihm breit und ließ ihn nervös in dem kleinen Zimmer umherwandern, wie ein eingesperrtes Raubtier.
Seine Umgebung beachtete er gar nicht, doch er spürte, dass die Sonne gerade unterging, da seine Kräfte immer mehr erwachten. Doch er war schwach, zu schwach, der Durst machte ihn halb wahninnig und das Opfer von letzter Nacht hatte ihn eher die Kräfte genommen, als gegeben.

Er hämmerte gegen die Tür, bettelte, drohte, wimmerte und schrie. Er schlug sich die Haut blutig, doch die Wunden schlossen sich sofort wieder und das Blut floss seine Handgelenke herab und tränkte seinen weißen Pullover rot.

Irgendwann hatte er aufgehört auszurasten und krabbelte in eine Ecke des Zimmers, wo er nun begann, apathisch seinen Körper vor und zurück zu wiegen. Er murmelte unverständliche Worte und krallte sich selbst in seine Arme, wodurch auch dort kleine Kratzer entstanden, die ebenso schnell verschwanden, wie sie geritzt wurden.

Er fühlte sich immer ausgelaugter, war an einem Punkt angekommen, an dem er teilweise nicht mehr denken konnte, gar nicht mehr wusste, wer und wo er war. Einige Schluchzer überrollten ihn, während die Stunden verstrichen. Einmal hörte er die Turmglocke zwölf Uhr schlagen und er lachte laut auf. Er war nahe daran verrückt zu werden, wenn er es nicht gar schon war.

Hunger. Blut. Hunger. Opfer. Hunger…. Immer wieder hallten diese Worte in seinem Kopf und brachten ihn zum weinen und toben. Er kreischte und kreischte, doch niemand kam und sah nach ihm.

Und dann nach weiteren Stunden, war der blonde Junge einfach nur noch ruhig. Er schwieg, bewegte sich überhaupt nicht mehr. Seine grauen Augen blickten leblos auf den kalten Boden, sein Kopf lag auf seinen angezogenen Knien, die Arme um sie geschlungen. Doch nach weiteren Minuten hob er langsam, mechanisch, sein Handgelenk und führte es an seine blassrosanen Lippen, die sich leicht auseinander zogen, so dass seine spitzen, weißen Vampirzähne zu sehen waren. Sein Mund berührte die Haut, leckte zärtlich über die Stelle, wo die Pulsader war. Dann biss er hart zu, versenkte seine Eckzähne in seine Haut. Sein eigenes Blut benetzte seine Lippen und er schluckte es nur widerwillig, dass es ihm keine Erlösung brachte. Nach wenigen Sekunden entließ er sein Handgelenk und drückte seinen Kopf an das kalte Gemäuer.

Er zitterte und bebte und weinte wieder. Die Tränen rollten seine Wangen hinab, fielen auf seine Schultern und durchnässten seinen weißen Pullover. Er presste seinen Mund zu einem blutleeren Strich zusammen und fing an, seinen Kopf gegen die Wand zu pochen. Ein angenehmer Schmerz durchfuhr seinen Körper und lenkte ihn für gewisse Zeit vom Durst ab, der ihn verzweifeln ließ.

Dann, nach wenigen Minuten, konnte er es riechen: Blut. Köstliches, menschliches Blut und es näherte sich ihm mit lauten, kraftvollen Schritten und einem betörenden Duft.

Der blonde Junge leckte sich über die Vampirzähne und ein diabolisches Lächeln huschte über sein Gesicht.

Nun wurde die Tür geöffnet und gelbliches, flackerndes Licht erleuchtete den Raum. Jemand stellte eine Kerze auf dem Tisch ab und wandte sich dann zu dem Blonden um, der die grauen Augen zusammengekniffen hatte und den Mund verzog.

„Steh auf!", befahl der Neuankömmling mit verschränkten Armen und wartete darauf, dass der Vampir seiner Anordnung nachkam. Dieser versuchte es, doch brach er sofort zusammen und schniefte.

„Bitte. Ich kann nicht!", bettelte der blonde Junge und sah mit zwinkernden und schmerzenden Augen zu dem Mann hoch, den er zu seinem Schrecken als Harry Potter erkannte.

Wütend trat der Schwarzhaarige zu und zog den Blonden an den Haaren hoch.

„Elender Vampir. Wenn ich etwas sage, dann wirst du es tun.", knurrte der Ex-Gryffindor gefährlich und drückte den Grauäugigen brutal an die Wand. Seine rechte Hand war immer noch in den blonden Strähnchen vergraben, während die andere Hand sich an der Wand abstützte. Harry spürte, dass der Vampir sich nicht auf den Beinen halten konnte und lächelte kalt.

„Was ist? Zu schwach? Hast du keine Kraft mehr?", höhnte der Schwarzhaarige hämisch und näherte sich dem Ohr des Blonden.

„Hast du Durst?"

Der Vampir wimmerte und nickte leicht, denn zu mehr hatte er keine Kraft.

Er dachte an die Situation in der letzten Nacht, wo der Ex-Gryffindor so zärtlich zu ihm war. Er versuchte diesen Gedanken zu verdrängen, da sein Herz wieder schneller schlug. Es musste eine Einbildung gewesen sein, denn heute war der Schwarzhaarige nur noch brutal und fies.

„Du willst also Blut?", fragte Harry bösartig und schlug seine freie Hand gegen die Wand, so dass die Haut aufplatzte und das Blut hervortrat.

Draco stöhnte darauf erregt auf und beobachtete hypnotisch, wie der Lebenssaft die Finger hinuntertropfte.

„Du willst das also haben? Flehe darum!", forderte Harry grinsend auf und leckte sich genüsslich sein eigenes Blut ab. Der Vampir zischte und stemmte sich gegen den Schwarzhaarigen, der aber seinen Körper an den des Blonden drückte. Wimmernd schlängelte sich der blonde Junge und versuchte sich weiter zu befreien, doch Vergebens: der Ex-Gryffindor war erstmal zu stark und ihm fehlte das Blut.

Er schloss die grauen Sturmböen und keuchte gequält.

„Bitte, gib mir Blut. Ich flehe dich an!", bettelte der Vampir unterwürfig und kratzte mit seinen Fingern über das blanke Gemäuer.

„Sieh mich dabei an, Draco! Ich will deine Augen gebrochen und tot sehen.", hauchte Harry sinnlich und strich dem Ex-Slytherin einen Bluttropfen auf die Lippen, der diesen sofort aufleckte und erschauderte.

Draco öffnete langsam seine grauen Seen und verlor sich in den kühlen grünen Augen des Schwarzhaarigen.

„Bitte, gib mir dein Blut. Ich kann mich sonst nicht von der Stelle bewegen.", seufzte der Blonde bittend und widerstand den Drang die Lider zu schließen. Er fühlte sich gedemütigt, ihn seinem Stolz verletzt und dafür hasste er den Ex-Gryffindor.

„Wieso nicht gleich so, mein abscheuliches Monstrum. Du machst es dir unnötig schwer, Draco.", lachte Harry kalt und ließ nun endlich Dracos blondes Haar los. Er führte den Kopf des Ex-Slytherin an seinen Hals. Dieser roch das starke Blut des Schwarzhaarigen und zitterte vor Begierde. Doch bevor er sich in dieser braungebrannten Haut versenken konnte, fühlte er plötzlich den kalten, metallischen Lauf einer Waffe an seiner Schläfe.

„Du wirst nur wenige Schlücke zu dir nehmen. Solltest du mich aussaugen wollen, dann knall ich dir eine Kugel in den Kopf, verstanden? Ich meine es Ernst.", warnte der Ex-Gryffindor flüsternd und Draco nickte darauf. Dann bekam er seine Erlösung.

Seine Zähne stießen durch die atmende Haut und durchbohrten die Halsschlagader. Er schmeckte endlich die liebliche Erlösung auf seiner Zunge, an seinen Gaumen und stöhnte erleichtert auf. Er schloss genießerisch die Augen und konzentrierte sich auf diesen zarten Geschmack des Schwarzhaarigen, der ebenfalls die Smaragde geschlossen hatte. Harrys Hand strich zärtlich über den schmächtigen Körper des Ex-Syltherin, der sich weiter an den Vampirjäger drückte. Er rieb sich an ihn und keuchte berauscht. Doch er spürte, dass er nun aufhören musste, doch er konnte nicht. Er wollte den Ex-Gryffindor besitzen, ihn zu sich holen, doch dieser zischte wütend auf und riss ihn von dieser Lebensquelle am Hals weg und schleuderte den Blonden an die Wand.

Draco schrie auf und versuchte wieder an die Wunde zu kommen, doch Harry pinnte ihn fest, indem er beide Hände des Vampirs an die Wand drückte und ebenfalls seinen Körper zum Einsatz bringen musste. Allerdings musste er dafür die Waffe fallen lassen, die nun zwischen ihren Füßen unschuldig dalag.

„Bastard, wolltest du mich aussaugen, oder was? Undankbares Ungeheuer.", fluchte der Ex-Gryffindor und kloppte Dracos Hände gegen das Gestein.

„Ich sollte dich verdammt noch mal, töten!"

„Wieso tust du es dann nicht? Ich kann dein Gesicht nicht mehr ertragen, Potter. Du quälst und erniedrigst mich! Wieso?", fauchte Draco vampirisch, allerdings mit einem gewissen Unterton von Trauer. Er biss sich auf die Unterlippe, weil er sich denken konnte, dass Harry dieses Gefühl herausgehört hatte.

Und so war es auch. Der Schwarzhaarige ließ die eine Hand los und streichelte dem Ex-Slytherin über die Wange.

„So traurig? Traurig, weil ich dich hasse? Ich will dich leiden sehen, Draco. Leiden, gebrochen am Boden liegen sehen. Ich will auf dich hernieder spucken und über dich lachen und lachen."

„Du bist wirklich geisteskrank."

Plötzlich schaute Harry nur noch gefühllos, während seine Finger weiter hauchzart über die Wange strichen.

„Draco, du verstehst es nicht. Ich hasse euch Vampire, ihr seid der Abschaum der Welt, das Ende der Nahrungskette.", murmelte der Schwarzhaarige leise und lehnte seinen Kopf in Dracos Halsbeuge.

„Meine Bestimmung ist es, euch zu vernichten. So lange, bis mich einer von euch töten wird."

„Und ich hoffe, dass ich es sein werde, der dir dein Genick brechen wird."

Harry lachte genüsslich.

„Wir werden sehen."

Dann hob er wieder den Kopf und starrte in die grauen Augen des Ex-Syltherin, in denen sich Schmerz und Verzweiflung abzeichneten. Seine Smaragde wanderten über die geschwungene Nase zu den rosigen Lippen, die leicht bebeten. Er beugte sich weiter nach vorne und drückte seinen kalten Mund auf den warmen des Vampirs. Dieser riss die Augen auf und wollte sich wehren, doch der Schwarzhaarigen wurde fordernder und drängte ihn noch näher an die Wand.
Irgendwann konnte Draco den Widerstand nicht mehr aufrechterhalten und suchte Halt in dem schwarzen Mantel des Ex-Gryffindors. Seine Finger krallten sich in das dunkle Leder, während er die Lider senkte und den Kuss erwiderte. Er spürte die Zunge des anderen an seiner Unterlippe, die versuchte in seinen Mund einzudringen und als Draco keinen Platz machte, wurde ihm in seine Haut gebissen. Er fauchte und öffnete dann doch seine Lippen, um die Zunge in sein intimes Reich einzulassen Sie plünderte alles und stupste dann sein Gegenpart an. Ein wilder, unmenschlich brutaler Zungenkuss entstand, wobei Harrys Zunge immer wieder neugierig über die spitzen Eckzähne wanderte und sich letztendlich daran schnitt.

Draco keuchte, als er wieder das Blut des Schwarzhaarigen kostete und intensivierte den Kuss um ein weiteres Mal. Der Ex-Gryffindor nahm diese Einladung an und setzte den federleichten Blonden auf seiner Hüfte ab, der nun seine Hände in Harrys Nacken legte und seinen Unterleib an dem Becken des anderen rieb, während seine Beine sich um ihn schlangen. Der Vampirjäger stöhnte und verlor sich in dieser Leidenschaft. In ihm entbrannte ein loderndes Feuer, das ausbrechen wollte, nur noch nicht konnte. Etwas nicht menschliches, etwas dämonisches.

Erschrocken ließ er Draco fallen und wischte sich angeekelt mit dem Ärmel über die Lippen. Er zischte hasserfüllt auf und packte den Ex-Slytherin am Kraken, der nicht verstand, was hier passierte.

„Gott, ich hasse dich!", schrie Harry zornig und schlug ihm seine Faust ins Gesicht. Er hörte die Nase brechen und fühlte das vampirische Blut auf seiner Hand. Er löste sich von Draco, der wimmernd an der Wand hinabrutschte und danach auf dem Boden saß.

Der Vampirjäger schüttelte seine Hand, wodurch das Blut des Blonden an die Wand spritzte. Er rieb den Rest an der Hose ab und starrte dann widerwillig zu Draco herab, der wieder Tränen in den Augen hatte und sie nur mit Müh und Not zurückhielt.

„Ich sollte dich hier einfach liegen und verdorren lassen. Du solltest verdursten und zu einem ausgetrocknetes Etwas werden, das dem Tod schon berühren, allerdings nicht hineintauchen kann.", spie Harry wütend und trat durch die Tür in den Flur, wo er ein paar Kleidungsstücke herholte und sie vor Dracos Füße warf.

„Zieh die Sachen an. Dein Zeug, was du trägst, ist eh nicht mehr zu gebrauchen."

Draco kniff ein paar Mal die Augen zusammen und tastete nach seiner Nase, die schon zu heilen begonnen hatte. Er erhob sich vom Boden und nahm die Klamotten. Er zögerte mit dem Umziehen und sah unsicher zu Harry, der ihn betrachtete.

„Na los. Denkst du ich gehe raus? Vergiss es."

Der Ex-Slytherin seufzte und begann sich komplett zu entkleiden. Seine abgetragenen Sachen landeten auf der Matratze des Bettes, während er nun zuerst in die schwarzen Boxershorts stieg und dann weiter die dunkelblaue, ausgewaschene Jeans und den weinroten Sweatshirt anlegte. Danach kamen die schwarzen Socken und die dunkelblauen Turnschuhe.

„Komm jetzt.", sagte Harry, als Draco fertig angezogen war und zerrte den Blonden aus der leeren Wohnung. Sie erreichten die Straße und gingen still nebeneinanderher, wobei der Vampir öfters Blicke zu dem Ex-Gryffindor warf. Er konnte einfach nicht diesen Kuss vergessen, der zwischen ihnen stattgefunden hatte. Er war so leidenschaftlich und hatte sich richtig angefühlt. Draco murrte leise und schüttelte den Kopf. Also doch, dachte er, er liebte diesen Vampirjäger, von dem er immer nur grausam und gemein behandelt wurde. Es war wieder passiert, und der Ex-Slytherin verabscheute sich wieder einmal dafür. Doch er wusste, er wollte bei dem Schwarzhaarigen bleiben, koste es was es wollte, auch wenn dieser in verprügelte, beschimpfte und benutzte. Er hatte seine Wahl getroffen. Allerdings hatte das alles einen bitteren Beigeschmack von Hoffnungslosigkeit, doch für Draco war es bereits zu spät zum Umkehren. Schon letzte Nacht in der Lagerhalle, wo er Harry nach einem Jahr wieder traf, war es um ihn geschehen gewesen.

Der Blonde lächelte resignierend und wurde erst wieder auf den Ex-Gryffindor aufmerksam, als dieser ihn hart am Arm packte.

„Du hast doch noch Hunger, oder? Guck mal da vorne, ein Drogendealer! Doch pass auf, nicht, dass er wieder Heroin im Blut hat.", lachte der Vampirjäger amüsiert und schubste den Ex-Slytherin in die Richtung des jungen Mannes, der an der Wand gelehnt stand und auf Kunden wartete.
Draco setzte sich automatisch in Bewegung und schlenderte auf den schwarzhaarigen Jungen, der um die zwanzig war, zu. Er nahm dessen Geruch auf und das Wasser lief ihm im Munde zusammen.

„Hey, Kleiner, brauchst du was?", fragte der junge Mann und blickte ihn mit unschuldigen, blauen Augen an. Draco fand diesen Jungen einfach nur schön und hauchte diesem einfach einen Kuss auf die Lippen und lächelte entwaffnend.

„Ja, allerdings. Dein Blut!" Der Vampir bleckte die Zähne und presste den Drogendealer an die Wand. Kurz roch er noch am Hals des Schwarzhaarigen und bohrte dann, als er sicher sein konnte, dass der junge Mann clean war, seine Eckzähne in die nachgiebige Haut. Er schlürfte und schlürfte, nahm jeden winzigen Tropfen dankend an und streichelte dabei seinem Opfer durch die wirren Strähnen. Und dann war er leer getrunken und tot.

Draco seufzte enttäuscht und leckte sich noch einmal über seine Lippen, worauf noch kleine Blutstropfen verteilt waren. Er spürte Harrys Anwesenheit, drehte sich allerdings nicht zu dem Ex-Gryffindor um. Dieser sollte nicht sein gieriges Glitzern in den Augen sehen, seine Schmach, seine Resignation. Doch der Vampirjäger schien darüber anders zu denken. Er drehte den Blonden zu sich herum und sperrte diesen, an die Wand gezwängt, mit seinen Armen ein, die links und recht von Draco anlagen.

„Du scheinst sehr liebevoll mit deinen Essen umzugehen… Sehr interessant. Kann es ein, dass du Mitleid mit ihnen hast?"

„Nein, und wenn, dann ist das nicht von Wichtigkeit. Ich bin ein Vampir, ein Monster, wie du sagst. Ich darf kein Erbarmen haben mit meinen Opfern.", leierte der Ex-Slytherin herunter und senkte den Kopf, doch Harry legte seine Hand unter das Kinn und hob ihn wieder an. Er sah tief in die grauen Augen und lächelte matt.

„Ich will, dass du mir den ‚Ältesten' auslieferst. Vielleicht lasse ich dich dann gehen, vielleicht verschone ich dein Leben.", hauchte der Schwarzhaarige verführerisch und leckte Draco hinter dem Ohr entlang, der aufstöhnte und sich an Harrys Körper wand.

„Ich- ich habe keine Ahnung! Mich hat nicht der ‚Älteste' gemacht, sondern nur einer der Alten.", stotterte der Ex-Slytherin bebend.

„Das ist aber bedauerlich. Ich dachte, ich würde dich brauchen.", pustete der Vampirjäger in Dracos Ohr und verteilte kleine Küsse auf den blassen Hals des anderen.

„Aber... aber ich kenne da jemanden, der von diesem umgewandelt wurde. Er wartet sicher sowieso schon auf mich. Ich beschütze ihn, ich bin sein Aufpasser."

„Na, wunderbar! Bring mich hin!", befahl Harry gutgelaunt und entfernte sich vom Blonden, dessen Knie sich wie Pudding anfühlten.

„Nur, wenn du mir versprichst, dass du dem Kleinen nichts antust." Stellte der Vampir die Forderung, der nun Angst auf Harrys Reaktion hatte.

Dieser überlegte und nickte nach einer Weile.

„Von mir aus, solange er sich benimmt, und das tut was ich ihm befehle."

„Schön.", fauchte Draco, der seine Geduld verlor und führte den Schwarzhaarigen durch die verlassenen Straßen Londons. Die Turmuhr läutete fünf Uhr und der Ex-Slytherin fühlte die Müdigkeit langsam in seinen Beinen. Er gähnte und beschleunigte seine Schritte. Nach einer Viertelstunde erreichten sie ein verlassenes Schulgebäude. Sie betraten es durch die Hintertür und gingen die Gänge entlang, achteten nicht auf die leeren Klassenräume, oder auf die still daliegende Cafeteria. Sie hielten vor der Tür zum Lehrerzimmer. Draco zögerte die Tür zu öffnen und drehte sich noch einmal zu Harry um, der ungeduldig mit seiner Hand gegen den Schenkel schlug.

„Lass mich reden. Der Kleine ist psychisch krank. Er hat die Umwandlung nervlich nicht überstanden."

Harry nickte nur und zeigte auf die Türklinke. Draco verstand und betrat das Lehrerzimmer.

Sofort erkannte er, dass toten Ratten im Raum herumlagen und er musste einen Würgereiz unterdrücken. Auch der Schwarzhaarige, der hinter ihm stand, rümpfte die Nase.

Sie suchten alles mit Blicken ab und entdeckten eine Bewegung in der hintersten Ecke. Sofort

stürmte Draco darauf zu und erkannte die kleine Person, die sich dort zusammengerollt hatte und vor sich hinsummte. Für menschliche Ohren fast nicht hörbar und selbst der Vampir verstand es kaum.

„Kirion.", sprach der Blonde den Jungen leise an, der nun seine türkisen Augen öffnete und Draco anlächelte.

„Du bist gekommen, großer Bruder.", kam es brüchig von den jungen Vampir, der seine braune Wuschelmähne schüttelte und kicherte.

„Ja, ich hole dich hier weg. Keine Angst, ich kümmere mich wieder um dich!", hauchte der Ex-Slytherin gedämpft und nahm den schmächtigen Körper des Jüngeren in seine Arme. Er wiegte ihn hin und her und strich durch die längeren Haarsträhnen.

„Ja, großer Bruder. Ich will hier weg. Die Ratten sprechen zu mir, sagen mir, dass ich ganz böse bin, dass ich es nicht wert bin, zu leben. Stimmt das?", erzählte der Braunhaarige monoton und schloss wieder seine Augen.

„Nein, Kirion, nein. Auch du darfst leben.", versuchte der Blonde den Jungen zu beruhigen und sah dann mit tränenden Sturmböen zu Harry, der sich beherrschen musste. Er hatte noch nie solch einen Vampir gesehen und er wusste mit Sicherheit, jeder andere Bluttrinker hätte dieses Kind schon längst vernichtet. Und er auch. Der Ex-Gryffindor fand den Jungen unheimlich und er hatte den Drang, seine Waffe zu ziehen und es zu erschießen.

„Komm, Kirion, lass uns gehen. Du brauchst etwas Nahrhaftes. Die Ratten konnten deinen Blutdurst nicht stillen."

„Ja, sie lachten mich aus und meinten, ich wäre viel zu schwach. Deshalb habe ich ihnen die Augen zerdrückt, damit sie mich nicht mehr ansehen konnten.", kicherte der braunhaarige Junge, der nun von Draco hochgehoben wurde, Er trug ihn aus dem Zimmer und wartete draußen auf Harry, der langsam hinterher geschlichen kam.

„Sage nichts, Potter. Ich erkläre es dir nachher.", flüsterte der Ex-Syltherin und drückte Kirion weiter an sich. Der Schwarzhaarige nickte nur und schluckte den Kloß herunter, der sich in seinem Hals festgesetzt hatte. Dieses Kind beunruhigte ihn nicht nur, es machte ihm sogar Angst! Er verfluchte sich dafür und ließ den kleinen Vampir nicht aus den Augen, der seinen Kopf auf Dracos Hals gesenkt hatte und von ihm trank.

Harry knurrte und wollte den Braunhaarigen von dem Blonden wegzerren, doch Draco machte ein entsetztes Gesicht und formte mit seinem Mund das Wort ‚später'.

So marschierte dieses ungleiche Trio durch die letzte Stunde der Nacht.