8. Entzug

Still lag der blasse Junge in dem viel zu großen Bett. Seine Haut glänzte fast weiß, hob sich von der schwarzen Satinbettwäsche überdeutlich ab. Der Körper des Liegenden sah schwer abgemagert aus, kein Wunder, nach vier Tagen und Nächten, die der junge Mann ohne jegliches Essen - nur am Tag ein paar Tropfen Wasser, da er immer noch im Koma lag - auskommen musste. Er wachte einfach nicht auf und schlief seelenruhig. Seine Schweißausbrüche, die er noch in der ersten Nacht gehabt hatte, waren nun verschwunden, seine Übelkeit schien auch überstanden zu sein, was auch kein Wunder war, da er sowieso nichts mehr zu sich nahm. Er schlummerte einfach stumm und friedlich und rührte sich keinen Millimeter. Nur die Haare, die sich kaum vom schwarzen Bett abhoben, wehten leicht im Wind, der durch das offene Fenster eindrang.

Die Luft war angenehm und kühl und prickelte auf seiner Alabasterhaut. Mit den Gedanken abwesend, kratzte der Blonde über seinen Arm. Dabei bemerkte er nicht, wie die kleinen Schrammen immer größer wurden, wie sein Blut hervorquoll. Er spürte den Schmerz nicht, denn dieser wurde überschattet von einem anderen Schmerz, der tief in seiner Seele verankert war. Es tat weh, den Schwarzhaarigen so zu sehen und er konnte diesen bewegungslosen Anblick nicht mehr ertragen. Am Anfang hatte er noch mit dem Liegenden geredet, leise, flüsternd, bat ihn aufzuwachen, die Augen zu öffnen. Doch keine Reaktion, nicht mal eine winzige.

Er stöhnte und wischte sich über die brennenden Augen. Seit Harry so stumm dahinvegetierte, konnte er nicht mehr wirklich Blut zu sich nehmen. Immer nur ein paar Schlücke, damit er nicht zusammenbrechen musste. Er hatte seinen Durst verloren. Kirion überließ er fast alles, dem das alles hier nichts anzugehen schien. Der junge Vampir lachte, kicherte und führte weiterhin Selbstgespräche. Auch dessen Gesicht konnte er nicht mehr sehen, deshalb saß er hier, wenn er erwacht war und verließ seinen Stuhl erst wieder, wenn die Sonne aufging. Sicher liebte er den Braunhaarigen immer noch abgöttisch, doch dieses unbeschwerte Verhalten machte ihn krank.

Also verweilte er hier in diesem Zimmer, bei der Liebe seines unsterblichen Lebens und ertrug jede Nacht dieses erschreckende Bild. Es war regelrecht ein Zwang, die Stellung bei dem Schwarzhaarigen zu halten und jedes Mal musste er daran denken, wie Envin und er den Vampirjäger gefunden hatten: erschöpft, halb tot und kraftlos.

Es war für ihn einen Schock, diesen starken, jungen Mann so, verwundbar zu sehen. Er hatte immer geglaubt, Harry könnte nichts und niemand etwas anhaben, aber er musste diesen Glauben revidieren. Der Ex-Gryffindor war auch nur ein Mensch, ein Lebewesen, das sehr leicht sterben konnte. Diese Erkenntnis hatte den blonden Vampir aus der Bann geworfen, hatte ihm gezeigt, dass Harry nicht unverwundbar war, wie er insgeheim geglaubt hatte.

Immer mehr kratzte er seine Haut auf und seine Heilungskräfte kamen mit der Regeneration schon gar nicht mehr nach. Immer größer wurden die kleinen Striemen, übersäten seinen ganzen Arm, doch der Schmerz erreichte sein Gehirn nicht. Er war wie betäubt, vom Körper gelöst, doch dann würde er nicht die Tränen spüren, die auf seinen Schoß tropfen. In den letzten Nächten hatte er viel geweint, nicht nur für den Schwarzhaarigen, sondern auch wegen ihm, seinen Behandlungen, seinen Beschimpfungen. Deshalb müsste er doch froh sein, wenn er einmal Ruhe vor dem Vampirjäger hatte. Doch so war es nicht. Er brauchte dessen Kälte, dessen Gleichgültigkeit, dessen Brutalität, wenn er schon keine Liebe von dem Ex-Gryffindor bekam. Aber dieser Anblick im Bett ging ihm durch Mark und Bein. Er sollte endlich aufwachen, ihn anschreien, ihn prügeln… und ihn küssen.

Er schluchzte auf und hielt sich die Hand vor den Mund. Wimmernd stand er vom Stuhl auf und wankte unsicher zum Bett, wo er sich auf der Kante niederließ. Zitternd streichelte er durch die wirren, schwarzen Zotteln des Vampirjägers und beugte sich über diesen. Zärtlich und hauchzart, legte er seine Lippen auf den kalten, blassen Mund seines Auserwählten. Dann nahm er die Hand des Schwarzhaarigen in seine und drehte den Arm ein bisschen. Er besah sich den kleinen Einstich an der Armbeuge, die leicht blaugelblich schimmerte. Sanft strich seine andere Hand über die verwundete Stelle. Er küsste auch diese und lächelte matt. Envin hatte dem Ex-Gryffindor Blut abgenommen, um es in seinem Labor analysieren zu können. Jede Nacht war er dort, damit er herausfinden konnte, was mit dem Liegenden passiert war. Doch bisher keine Ergebnisse.

Draco seufzte gequält und dachte wieder nach. Auch für ihn hatte es ausgesehen, als ob der Schwarzhaarige auf Entzug wäre, doch Envin konnte das von vornherein ausschließen. Er hatte nicht in Harrys Blut gefunden, zumindest keine Droge die diesem bekannt war. Aber was mag das schon heißen? Es gab genug verrückte Menschen, die sich etwas ausdachten. Aber Harry war doch stark genug, um sich zu wehren! Wenn man sich mit Vampiren anlegen konnte, dann auch mit menschlichen Wesen… aber vielleicht war das der entscheidende Punkt! Konnte es sein und ein Vampir steckte dahinter?

Der Ex-Slytherin schlug sich gegen den Kopf. Wieso war ihm diese Idee nicht schon vorher gekommen? War er schon so vor Trauer und Schmerz vernebelt? Aber was konnte ein Vampir mit einem Menschen tun, als ihn zu Seinesgleichen zu machen? Draco überlegte. Allerdings gab er es recht bald auf. Er fand des Rätsels Lösung nicht.

Unwillig knurrte der Blonde und ging zum Fenster. Er stützte seine Arme am Brett ab und legte seinen Kopf auf die Hände. Tief einatmend, zog er die kühle Nachtluft in seine Lungen und starrte zum Mond hinauf. Der Himmel war klar und ohne Wolken, so dass das Himmelsgestirn ungehindert sein Licht auf die schlafende Erde schicken konnte. Er neigte den Kopf und lauschte in die Nacht hinaus. Sofort schlugen ihm Töne entgegen, die ein normaler Mensch, nie hätte vernehmen können: Babygeschrei, irgendwo ein paar Häuserblocks weiter, ein betrunkener Penner, der in einem Müllhaufen vor sich hinschnarchte… und laute, polternde Schritte, die eine gewisse Holztreppe hinaufstürmten.

Wie in Zeitlupe drehte sich Draco vom Fenster weg und stierte die Tür zum Schlafzimmer an. Er konnte menschliches Blut riechen und zuerst dachte er, es wäre der Weißhaarige, der aus dem Labor zurückkam, doch der Geruch dieses Menschen war anders, derber, Angst einflößender. Draco konnte nur hoffen, dass Kirion in diesem fensterlosen Zimmer blieb, sonst würde es Probleme geben. Aber die Person betrat die Wohnung und lief zielsicher auf diesen Raum zu. Die Tür wurde aufgerissen und ein blonder Mann um die fünfundzwanzig Jahre stand im Türrahmen.

„Verdammt, Potter. Was treibst du nur!", keifte der Blonde sofort los und setzte sich neben Harry auf das Bett. Er schob sogleich die Oberlippe des Liegenden nach oben und untersuchte die Eckzähne. Dann fühlte er nach dem Puls und besah sich den Hals nach Bissspuren.

„Sie werden nichts dergleichen finden, Mr., das ihnen zeigt, dass Harry ein Vampir ist.", sprach Draco, der bisher übergangen wurde, kalt und schlenderte langsam auf den Neuankömmling zu. Der ruckte nun mit seinem Kopf zu ihm und musterte ihn eingehend.

„Wer bist du?", fragte der blonde Mann den Ex-Slytherin feindselig und runzelte die Stirn.

„Ich glaube kaum, dass sie das was angeht.", antwortete der Vampir ruppig und strich sich eine blonde Strähne hinter das Ohr. Dabei grinste er arrogant und zwinkerte mit den Augen.

Der Fremde knurrte und blickte kurz zu Harry, der immer noch regungslos dalag. Dann erhob sich der blonde Mann und näherte sich dem Ex-Slytherin, der seine Sturmböen zu Schlitzen verengt hatte.

„Du bist kein Mensch!", stellte dann plötzlich der Neuankömmling fest und griff unter seinen langen Mantel. Er zog ein Samuraischwert hervor, das er dann auf Draco richtete.

„Was macht ein Vampir hier?", zischte der Bewaffnete grummelnd und ließ den Bluttrinker nicht mehr aus den Augen.

„Ich gehöre ihm!", fauchte Draco vampirisch und deutete mit dem Zeigefinger auf den Ex-Gryffindor.

„Du gehörst ihm? Wie darf ich denn das verstehen? Gerade bei ihm, der sonst kein Vampir auslässt fürs Töten.", schrie der Fremde aufgebracht und ging in Angriffsposition.

„Das habe ich auch schon bemerkt. Habe noch kein Lebewesen gesehen, dass sich so beim Morden aufgeilt, wie unser ehrenwerter Mr. Harry Potter.", schimpfte Draco zurück und machte einen Schritt auf den Neuankömmling zu.

Die Luft knisterte vor Spannungen und es würde nicht mehr lange dauern, bis sich die Energien entladen würden. Aber in diesem Moment, wo der Ex-Slytherin und der Fremde aufeinander losgehen wollten, wurde die Tür wieder aufgerissen und ein schnaufender Envin stürmte ins Zimmer. Er stellte sich die beiden Kampfhähne und gestikulierte wild mit den Händen.

„Spinnt ihr? Müsst ihr euch gerade im Schlafzimmer niedermetzeln!", motzte der Weißhaarige wütend und seine grauen Augen blitzten gefährlich.

„Natürlich nicht.", murmelten die Angesprochenen verlegen und starrten Envin entschuldigen an, der kurz durchatmete und dann schmunzelte.

„Prügelt euch von mir aus im Wohnzimmer." Draco und der blonde Mann sahen sich in die Augen und als ob sich gedanklich miteinander kommuniziert hätten, rannten beide zur gleichen Zeit los. Sie erreichten gemeinsam die Tür und wollten sich durch den Rahmen zwängen, doch so viel Platz war nicht vorhanden. Sie gifteten sich an und durchbohrten sich mit Blicken. Währenddessen rieb sich Envin die Schläfen und stöhnte über so viel Dummheit. Er tippte konstant mit seinem Fuß auf dem Boden und räusperte sich laut. Die beiden Blonden drehten sich sofort zu dem Weißhaarigen herum, der sich mit schüttelndem Kopf musterte.

„Ich habe noch nie so viel Blödheit auf einem Haufen gesehen.", zischelte Envin.

„Das war ein Scherz!", bellte er noch bevor auf die beiden zuging und ins Wohnzimmer zerrte. Er schubste sie auf das Sofa und setzte sich dann selber in den Sessel. Draco und der Neuankömmling schauten mit rötlichen Wangen zur Seite und beobachteten den Weißhaarigen nur aus den Augenwinkeln, der gleichmäßig mit seinem Bein wippte.

„Dann wird es Zeit, dass ich euch miteinander bekannt mache. John Crow, das ist Draco Malfoy. Und bevor du fragst, der junge Vampir steht unter Harrys und meinen Schutz. Also halte dich daran!", warnte Envin mit sprühenden grauen Augen.

„Und dir, Draco, sollte ich sagen, dass John, wie Harry, ein Vampirjäger ist. Er hat ihn ausgebildet.", erklärte der Weißhaarige dem Ex-Slytherin, der nickte und Crow einen zornigen Blick zuwarf, der diesen mit voller Inbrunst erwiderte.

„Aber sag, Envin, was ist mit ihm passiert? Deine Nachricht habe ich leider erst spät erhalten, da ich im Ausland zu tun hatte."

Der Weißhaarige begann zu erzählen, während Draco wegdämmerte. Er schlief zwar nicht, doch seine Gedanken waren wo anders. Und zwar bei ihrem ersten Mal, zu dem Punkt, wo er mit Harry geschlafen hatte. Seine Wangen verfärbten sich leicht rötlich, was Envin natürlich nicht verborgen blieb, als er an dieses intensive Erlebnis dachte. Seine Emotionen begannen verrückt zu spielen, doch auch seine Schuldgefühle wurden größer. Er konnte dem Weißhaarigen nicht mehr so leicht in die Augen schauen, da er ja wusste, dass dieser mit dem Ex-Gryffindor zusammen war. Und doch bereute er es nicht. Nicht mit dem kleinsten Stückchen seiner Seele, die sich insgeheim nach dieser Vereinigung sehnte. Aber sie wollte auch, dass er Harry zu sich holte, in seine Welt. Doch das wollte er dem Schwarzhaarigen nicht antun, da er wusste, dass dies Harry den Rest geben würde. Sein Geist war nicht für das Leben eines Bluttrinkers geeignet und er würde sich selbst sehr schnell dem Feuer oder der Sonne, aussetzen.

Er fühlte plötzlich die Aura seines kleinen Vampirs, der, mit dem Kopfkissen unterm Arm, in Harrys Zimmer schlich. Die anderen beiden bekamen davon gar nichts mit. Doch er sah den braunhaarigen Vampir sofort und bemerkte dessen gequältes Gesicht, das großen Schmerz ausdrückte. Doch warum?

Draco widerstand nicht und stand mechanisch auf und folgte, unter fragenden Blicken des Vampirjägers und Envins, dem Kleinen, der schon im Raum verschwunden war. Ein ungutes Gefühl machte sich in ihm breit, als er leise die Tür öffnete und hineinschielte. Er sah den Braunhaarigen auf dem Bett herumkrabbeln, der nun einen Arm von Harry hob und ihn, wie leblos, wieder fallen ließ. Kirion neigte den Kopf und zückte seine Vampirzähne.
Weiter konnte der Ex-Slytherin nicht mehr zugucken und er sprintete auf den braunhaarigen Vampir zu. Er packte diesen an den Schultern und zog ihn von dem Liegenden weg.

„Kirion, was tust du!", hauchte Draco fassungslos und zerrte den jungen Vampir aus dem Bett.

„Aber, großer Bruder. Hörst du es nicht? Der Mensch leidet… er schreit nach dir und du hörst es nicht? Bruder, wieso nicht? Seit Tagen vernehme ich seine qualvolle Stimme in meinen Kopf. Er tut mir damit weh und doch schreit seine Seele weiter. Sie ruft nach dir und keinem anderen. Nur nach dir, aber wieso reagierst du nicht darauf? Er wimmert, bettelt, bittet nach Erlösung. Deshalb wollte ich ihm helfen. Das ist doch nicht falsch, oder, großer Bruder?", erklärte Kirion mit kindlicher Stimme und kuschelte sich an Draco, der mit großen Augen zu Harry hinunter sah.

Er konnte nicht glauben, was er hörte. Der Ex-Gryffindor rief nach ihm? Wieso? Was konnte er schon tun? Er war ein Vampir, kein lebendiger Mensch, er hatte keine besonderen Kräfte, wie die Ältern. Also wie konnte er ihm helfen?

„Das Blut ist die Lösung.", raunte der braunhaarige Vampir an seiner Brust.

„Blut ist immer die Antwort. Es dreht sich alles nur um den Lebenssaft.", kicherte Kirion, der nun aus dem Bett stieg und zur Tür schlich. Er drehte sich noch einmal zu Draco um, der zur Salzsäule erstarrt zu Harry hinunterblickte.

„Das Blut ist der Inhalt aller Dinge, mein großer Bruder. Und du weißt, was du zu tun hast!" Mit diesen Worten verschwand der Kleine lautlos und ließ den blonden Vampir alleine, der vor dem Bett auf die Knie fiel und seinen Kopf auf die Matratze legte. Er hörte sein Herz schnell und unaufhaltsam pochen und fühlte das Blut durch seine Adern rauschen, stark, unsterblich, machtvoll.

Ja, er wusste, was er zu tun hatte. Sehr genau sogar.

Er hob den Kopf wieder und starrte Harry von der Seite an. Dann stand er wieder auf und krabbelte über den Schwarzhaarigen und setzte sich auf dessen Hüfte. Langsam küsste er den Ex-Gryffindor auf den Mund, bevor er sein Handgelenk zum Mund führte und hinein biss. Er zerstörte seine eigene Pulsader und gab seinem Blut die Freiheit. Es floss dickflüssig von seinem Arm auf das Laken, durchtränkte es, bevor es ungehindert auf die Lippen des Liegenden tropfte. Und zu Dracos Erschrecken, öffnete sich Harrys Mund. Sofort schluckte dieser den unsterblichen Lebenssaft und packte dann plötzlich nach dem Handgelenk des Vampirs, der aufschrie und seinen Arm entreißen wollte, doch der Schwarzhaarige war kräftiger, klammerte sich mit übermenschlicher Stärke an Draco, der vom Vampirjäger auf den Rücken geworfen wurde.

Durch den Schrei angelockt, wurde die Tür nun donnernd aufgeschlagen und John und Envin betrachteten sich für wenige Sekunden das Spektakel, das ihnen geboten wurde. Aber sie erholten sich schnell von ihrem Schock und sprinteten sofort auf Harry und Draco zu. Während Envin den Ex-Gryffindor von dem Blonden wegzog und in seine Arme schloss, krallte sich Crow in den Kragen des Vampirs und zerrte ihn vom Bett. Unsanft landete Draco mit dem Rücken auf dem Boden, wobei er sich den verletzten Arm schmerzend hielt. Er wurde aus dem Zimmer gezogen, wo er im Nacken gepackt und von dem zweiten Vampirjäger vor sich her geschoben wurde.

„Ich wusste doch, dass du Probleme machen wirst.", grollte John und schupste den blonden Vampir in das fensterlose Zimmer, wo Kirion auf dem Bett saß und vor sich hin summte. Die Tür wurde abgeschlossen und durch weitere Bannzauber ausbruchssicher gemacht.

Dann rannte Crow zurück in das Schlafzimmer, wo Envin hinter Harry saß und ihn vor und zurückwiegte.

„Was-"

„Scht.", unterbrach der Weißhaarige den Vampirjäger und deutete auf den Ex-Gryffindor, der still vor sich hinweinte und den Kopf immer wieder schüttelte.

„Ich kann mich erinnern.", kam es von dem Schwarzhaarigen brüchig, der nun aufsah und Crow in die nussbraunen Augen sah.

„Ich kann mich wieder erinnern.", krächzte Harry immer wieder und leckte sich permanent über die Lippen, an denen noch das wenige Blut von Draco klebte.

„Ich erinnere mich an ihn!", schrie der Schwarzhaarige und krallte die Finger in seine verstrubbelte Mähne.

„Harry, an wen kannst du dich erinnern?", fragte Envin liebevoll und küsste den Ex-Gryffindor im Nacken.

„Uns kannst du es doch sagen."

Der Angesprochene schüttelte mit dem Kopf und knabberte auf seiner Unterlippe herum. Nein, er durfte nichts verraten. Es musste sein Geheimnis bleiben, tief eingesperrt in seiner Seele.

Der Schwarzhaarige räusperte sich und wischte die Tränen weg. Er lächelte leicht und nickte einmal John und Envin zu. „Alles okay. Habe mich wieder im Griff, also macht euch keine Sorgen."

„Aber, Harry, du-"

„Nein, John. Ich bin wieder ich selbst. Also geht bitte. Lasst mich für einen Moment alleine.", bat der Ex-Gryffindor und sah seinen Freunden hinterher, die nur seufzten und dann verschwanden. Harry schloss die Augen und erschauderte bei dem Geschmack von Dracos Blut, das immer noch seinen Mund ausfüllte. Dann stand er auf, wickelte die Bettdecke um seinen Körper und wankte zum Fenster. Er stützte sich an der Glasscheibe ab und drückte sich mit Nase und Stirn dagegen. Wohltuend prickelte es auf seiner Haut und er starrte zum Mond, der ihm freundlich entgegen schien.

„Wo bist du, hübscher Vampir? Wieso hast du mich verlassen?", murmelte Harry leise und seufzte enttäuscht, bevor er wieder zum Bett stolperte und sich hineinfallen ließ.

„Oh, ich bin hier, mein kleiner, schwarzer Engel. Ganz in deiner Nähe, schließlich gehörst du mir. Nur mir allein.", sinnierte die dunkle Gestalt im roten Kimono lieblich und strich sich die Haare aus dem Blickfeld.

„Und du, mein engelsgleiches, blondes Geschöpf, hast einen großen Fehler begangen. Niemals wird eure Beziehung von Glück und Liebe erfüllt sein. Du hast ihm zuviel deines Blutes gegeben. Er wird dich brauchen ja und du brauchst ihn, doch eure Abhängigkeit voneinander wird eurer Untergang sein, eure Vernichtung. Doch das werde ich nicht zulassen. Harry Potter gehört mir. Seit ich ihn gerettet habe, ist er mir verfallen und auch wenn er dich lieben sollte, meine blonde Verführung, so wird er nicht sein Glück bei dir finden."

Der schwarzhaarige Vampir lächelte zufrieden und sprang vom Dach der Wohnung, in der Harry nun wieder tief schlummerte. Immer näher kam er seinem Zuhause, dass dreihundert Meter über der Stadt ragte. Er hüpfte vom letzten Haus an die Wand, die komplett aus Glas bestand und krabbelte an dieser empor. Schnell wie eine Katze, schlüpfte er durch das offene Fenster in seine Wohnung und wurde von den vielen Vorhängen verschluckt, die das Zimmer zierten.