9. Seelenschmerz

Nachdenklich fixierte er mit den grauen Augen, die verschlossene Tür zum Schlafzimmer. Er wusste, dass dahinter der Mann war, den er über alles liebte und beschützen wollte. Doch es mussten Entscheidungen getroffen werden, im Bezug auf ihre Beziehung. Denn es konnte so nicht weiter gehen, wie es momentan lief. Sicher spürte er, dass Harry etwas für ihn empfand, doch der Ex-Gryffindor liebte ihn nicht. Er wusste es, hatte es schon bemerkt, als der Schwarzhaarige den blonden Vampir hierher gebracht hatte. Er konnte die Spannungen zwischen ihnen auf seiner Haut fühlen und es schmerzte ihn. Doch er wollte sich auch nichts vormachen. Hier musste nun Schluss sein, denn er würde sich nur selbst verletzen. Aber konnte Harry ohne ihn überleben? Er kannte die Depressionen des Vampirjägers, seine Melancholie, die ihn in düstere Gedanken eintauchte. Er wusste von den Schlafstörungen, von der ruhelosen Art des Schwarzhaarigen. Harry war einfach hyperaktiv.

Der Weißhaarige seufzte, während er weiter auf das dunkle Holz starrte. Dann wandte er sich ab und musterte den Blonden und den kleinen Kirion, die gemeinsam auf dem Sofa lagen und auf die Mattscheibe stierten. Er musste immer noch schmunzeln, wenn er an Draco dachte, der mit weit aufgerissenen Sturmböen fassungslos auf die bewegenden Bilder geglotzt hatte. Plötzlich huschten die silbrigen Augen von dem Ex-Slytherin zu ihm und ein roter Schimmer legte sich auf die sonst so blassen Wangen. Sofort drehte Draco seinen Kopf weg und biss sich auf die Unterlippe. Envin runzelte die Stirn, als er dies sah. Schon öfters hatte ihn der Blonde so angesehen und verlegen weggeguckt. Er konnte schon fast denken, was zwischen ihm und Harry vorgefallen war. Es schmerzte ihn und doch gönnte er es irgendwie dem Vampir. Irgendwie passten sie ja zusammen und doch fühlte er sich auf schändliche Weise betrogen und ausgenutzt. Aber er hätte es wissen müssen, als er den Schwarzhaarigen kennen gelernt hatte. Niemals kamen diesen die Wörter ‚ich liebe dich' über die Lippen. Harry brauchte ihn einfach, seinen Körper, den Sex und seine Erfindungen. Und das versetzte ihm einen Stich im Herzen.

Er stand auf und ging auf die Tür zum Schlafzimmer zu, hinter der sich der Vampirjäger verbarg. Die Blicke der beiden Vampire konnte er im Nacken spüren, als er auf das dunkele Holz pochte und auf Einlass wartete. Dieser wurde ihm sofort gewährt und er betrat das dämmrige Schlafzimmer, das nur durch eine vereinzelte Kerze erhellt wurde. Seine Augen hefteten sich sofort auf das Bett, das allerdings leer war. Er suchte weiter und fand Harry an den Fenstern stehen, in voller Montur: Lederhose, T-Shirt, Schuhe und Mantel, alles in schwarz.

Envin schüttelte missbilligend den Kopf und trat auf den Ex-Gryffindor zu, der weiter in die Nacht hinaus blickte. Seine Hände hatte er vor der Brust verschränkt und keine Gefühlsregung war in seinem Gesicht zu erkennen. Nur die grünen Smaragde glitzerten feucht und emotionsgeladen.

„Harry.", flüsterte der Weißhaarige und legte dem Vampirjäger eine Hand auf die Schulter, der nun seine auf diese legte.

„Harry, so kann es nicht weitergehen.", redete Envin leise weiter und schloss voller Kummer seine grauen Augen. Er schluckte den dicken Kloß in seinem Hals hinunter und verstärkte seinen Griff.

„Ich ertrage es nicht länger."

„Envin, ich-" Unwirsch unterbrach ihn der Weißhaarige und drehte den Ex-Gryffindor zu sich herum, um ihm in die Augen zu schauen.

„Harry, du hast Gefühle, das kannst du nicht bestreiten. Nicht vor mir. Ich liebe dich, das weißt du, aber ich denke, wir haben das Ende erreicht."

„Du meinst, du machst Schluss?"

„Genau, Harry. Ich kann es nicht mehr. Deine Augen verraten dich, wenn du Draco anschaust. Du denkst, es merkt keiner, aber du solltest mich kennen. Mit entgeht nichts und schon gar nicht der Knutschfleck, den er mit sich herumgetragen hat. Ich erkenne die Zusammenhänge. Du hast mit ihm geschlafen, oder?", konfrontierte Envin den Schwarzhaarigen, der nur den Kopf zur Seite neigen konnte und letztendlich nickte.

„Ja, du hast wie immer Recht. Wir hatten Sex miteinander, was ich nicht verstehe. Ich hasse ihn! Ich verabscheute ihn schon auf Hogwarts und ich hasse ihn jetzt umso mehr, wo er ein Vampir ist.", erklärte Harry knurrend und sah dann entschuldigend zu dem Weißhaarigen, der erstmal schlucken musste.

„Ja, aber er ist immer noch Draco! Zwar nicht mehr lebendig, aber es ist immer noch dieser Slytherin von damals. Außerdem kannst du mir nicht erzählen, dass du ihn nicht in irgendeiner Weise liebst! Harry, werde dir deiner Gefühle klar!", riet Envin noch, bevor er zum Kleiderschrank stiefelte und dort eine Reisetasche hervorkramte. Er schnappte sich seine Klamotten und stopfte sie willkürlich in die Tasche. Harry musterte ihn dabei und schüttelte den Kopf.

„Was hast du vor?"

„Nach was sieht es denn aus? Ich werde mich derweil ins Labor einquartieren… oder bei John. Mal sehen. Hier bleiben, werde ich auf jeden Fall nicht. Ich kann den Anblick nicht mehr ertragen!"

„Anblick?"

„Ja, deine Unfähigkeit, deine Gefühle einzugestehen und deine Kälte gegenüber Draco. Er liebt dich abgöttisch… Er würde für dich sterben und du erkennst es nicht."

Mit diesen Worten verschwand der Weißhaarige aus dem Schlafzimmer und winkte den beiden Vampiren noch mal, bevor er die Haustür aufriss. Er drehte sich noch einmal zum Ex-Slytherin um, der ihn geschockt anstarrte.

„Habe Geduld mit diesem verqueren Mann, denn er scheint immer noch in der Pubertät festzustecken.", verabschiedete sich der Weißhaarige und verließ die Wohnung.

Draco dachte über die Worte nach und betrachtete die Haustür, durch die Envin verschwunden war. Er konnte nichts mit diesem Satz anfangen und grübelte, in welcher Hinsicht er mit dem Ex-Gryffindor zu tun hatte. Allerdings kam er auf keinen gemeinsamen Nenner und seufzte nur. Dann sah er sich nach Kirion um, der gar nicht mehr neben ihm saß. War er so in Gedanken gewesen, dass er nicht mitbekommen hatte, wie der braunhaarige Vampir in ihr Zimmer getrippelt war?
Er zuckte mit den Schultern und drehte sich zur Schlafzimmertür, in dessen Rahmen plötzlich der Schwarzhaarige stand und den Blonden mit undurchsichtigem Blick musterte. Draco fühlte sich dadurch unwohl und knetete seine Finger, die in seinem Schoß lagen. Fragend erwiderte der Ex-Slytherin den Blick von Harry und rutschte unruhig auf dem Sofa herum. Er räusperte sich und leckte sich einmal über die Lippen. Er spürte die Smaragde auf sich ruhen und wurde noch nervöser, als er schon war.

„Wie geht es dir, Har- Potter?", sprach Draco kleinlaut und kratzte sich wieder über den Arm, an dem die Wunden bereits wieder verheilt waren.

„Ich wüsste nicht, was dich das angeht.", antwortete der Vampirjäger ruppig und stieß sich vom Holz ab. Er schlenderte langsam auf den Blonden zu, der keine katzenhafte Bewegung, des Schwarzhaarigen, aus den Augen ließ und schluckte den Speichel hinunter, der sich auf seiner Zunge gebildet hatte.

„Du… und Kirion? Ist er… ist er ins Zimmer gegangen?"

„Ich habe ihn dorthin geschickt.", sagte Harry emotionslos und blieb vor dem Sofa stehen. Er sah berechnend auf den Vampir hinab, der seinen Kopf senkte und die Augen schloss. Etwas lag in der Luft. Draco konnte es förmlich riechen, es war fast greifbar und doch unnahbar.

„Er hat mich verlassen!"

„Was?", murmelte der Blonde verständnislos und ruckte mit dem Kopf wieder in Harrys Richtung, der keine Sekunde lang seine Augen von dem Vampir genommen hatte.

„Envin. Er meinte, ich wäre in dich verliebt.", wiederholte der Ex-Gryffindor die Worte des Weißhaarigen sachlich und kniete sich langsam nieder.

„Er sagte, dass er es in meinen Augen lesen kann. Ich allerdings glaube nicht daran. Du bist nur ein Vampir, ein Nichts in meinen Augen, eine Missgeburt, ohne Zukunft und ohne Vergangenheit."

„Lass dir mal etwas anderes einfallen.", zischte der Ex-Slytherin trotzig und zog einen Schmollmund.

„Immer wieder kommt von dir die gleiche Leier. Ich kann es nicht mehr ertragen. Immer wieder sagst du mir, wie abscheulich ich bin… WIESO BERÜHRST DU MICH DANN SO ZÄRTLICH?", schrie Draco laut und sprang auf den Vampirjäger zu, der zu spät reagierte und nun mit dem Rücken am Boden lag, der Blonde über ihm.

„Wieso streichelst du meine Haut so liebevoll, wenn du mich so hasst? Ich verstehe dich nicht, Harry Potter. Du bist ein Buch mit sieben Siegeln! Ich kann noch nicht mal mehr Ansatzweise den Goldjungen Gryffindors erkennen. Wo versteckt der sich? Er muss doch noch irgendwo in dir stecken!", schluchzte Draco zornig und deprimiert.

„Wo ist der Junge mit der Brille hin, in den ich mich in der fünften Klasse verliebt habe?"

„Wie bitte? Ich… ich kann dir nicht folgen.", stotterte Harry und spürte nebenbei die Tränen auf sich nieder tropfen, die sich aus Dracos silbriggrauen Augen lösten.

„Was willst du mir sagen?"

„Ich will dir sagen, Arschloch, dass ich dich seit fast vier Jahren liebe!", schniefte der Ex-Slytherin und wischte sich mit dem Ärmel des blauen Pullovers über die Seen.

„Ich liebe dich mit Leib und Seele. Aber dir bedeutet es nichts! Für dich bin ich nur ein Vampir. Ein Tier, das sich von Blut ernährt. Glaubst du, ich bin stolz darauf? Denkst du, ich lebe gerne diese Existenz? Ich hätte mich schon längst selbst getötet, aber-"

„Wieso hast du es nicht getan?", unterbrach der Vampirjäger den Blonden wütend ließ seine Hand an den Hals des anderen schnellen. Leicht drückte er zu und lächelte diabolisch.

„Wieso hast du dich nicht einfach in das Feuer geschmissen? Oder einfach auf den Sonnenaufgang gewartet? Es wäre leicht gewesen, dein Leben zu beenden, doch stattdessen muss ich mich mit dir flennenden Monstrum auseinandersetzen. Du hättest mir viel Ärger ersparen können, wenn du tot wärst!", stieß Harry knurrend hervor und drängte den Vampir zurück, indem er den Druck auf die Kehle erhöhte.

„Du müsstest kein Gewissen, wegen deinen Opfern haben, wenn du überhaupt ein Gewissen hast!"

Draco wimmerte schmerzerfüllt auf. Er röchelte und griff mit seinen Fingern an Harrys stählerne Hand, die sich einfach nicht von der Stelle bewegte. Die Tränen stürzten wie Wasserfälle seine geröteten Wangen hinab und tränkten seine Klamotten. Er fühlte sich auf tiefste Weise gedemütigt. Seine große Liebe wünschte sich seinen Tod… und er langsam auch. Der Ex-Gryffindor war wieder dieses gefühlskalte, mordlustige Wesen, das Draco so viel Angst einflösste, dass er nicht mehr sprechen konnte. Er huschte panisch mit den Augen zu den Smaragden des Vampirjägers, die zu Schlitzen verengt waren. Flatternd schlossen sich seine Lieder und seine Arme baumelten nur noch herab.

„Nein, ich kann nicht sterben.", krächzte der Blonde und konnte ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern.

„Ich kann so lange nicht sterben, bis ich aufgehört habe dich zu lieben. Verstehe mich nicht falsch, ich hasse dich ebenso wie ich dich begehre. Deshalb bleibe ich standhaft.", presste er noch hervor, bevor Harrys Hand sich noch weiter zusammendrückte.

„Du bist verrückt. Total besessen!", zischte der Ex-Gryffindor ungeduldig und drückte nun den Blonden auf den Boden, so dass er unter Harry lag, der sich auf seine Hüfte setzte. Die Hand an seiner Kehle lockerte sich etwas und Draco zog sofort die Luft in seine Lungen, wobei er husten musste.

„Ja, ich bin besessen. Von dir, Harry Potter. Nur von dir. Und sogar bis in meinen Tod.", flüsterte der Vampir traurig und strich dabei mit seinen Fingern durch die schwarzen, abstehenden Haare.

„Du bist das, was mich noch am Leben hält. Mein Lebenselixier, seit ich dich in der Lagerhalle hörte. Du hast mich schon dort zu deinem Sklaven gemacht."

„Du hast sie nicht mehr alle! Wo ist der Malfoy hin, den ich auf Hogwarts kennen lernte! Wo ist der Slytherin hin, der mich immer piesacken und demütigen wollte? Wo ist der Eisprinz von Slytherin, den die ganze Schule heimlich anhimmelte, wegen seiner engelsgleichen Schönheit? Wo ist der Draco Malfoy, den ich noch inbrünstig hassen konnte?", brüllte Harry ohne Kontrolle und schlug mit der freien Hand in das Gesicht des Ex-Slytherin, so dass dessen Lippe aufplatzte und das Blut hervorquoll. Sofort verharrte der Vampirjäger in der Bewegung und verfolgte den Lebenssaft des Blonden, der ungehindert das Kinn hinunterlief.

Wie hypnotisiert beugte sich der Schwarzhaarige hinunter und leckte zittrig das Blut auf. Sein Körper bebte erregt und Harry stöhnte kehlig und erlösend auf. Er umschloss mit seinen Lippen die aufgeplatzte Stelle und saugte begierig. Er nahm das unsterbliche Blut des Vampirs tief in sich auf und löste dabei seine Hand vom Hals. Doch Draco konnte nur daliegen und fühlen. Die Zunge schlängelte sich über seine Lippen, liebkoste die Wunde gewissenhaft und fuhr immer wieder zwischen seinen offenen Spalt, als ob sie damit andeuten wollte, dass sie um Einlass bat.

Und Draco zögerte nicht und ließ sie in sich eindringen. Er stöhnte und schloss seine grauen Sturmböen, bis ihn plötzlich Harrys Zähne auf seine Zunge bissen. Mit weit aufgerissenen Augen, versuchte er zu schreien, aber noch immer pressten sich die Lippen des Ex-Gryffindors auf seinen Mund. Er spürte die tiefen Spuren der Zähne auf seiner Zunge und er schmeckte sein eigenes Blut, seine Kehle hinunter rinnen. Ein Keuchen drang an sein Ohr, das nur von Harry kommen konnte. Dieser kostete immer noch sein Blut und nahm so viel in sich auf, wie die kleinen Wunden zuließen. Doch der Blonde wehrte sich mit aller Macht gegen diesen Frevel und schubste mit größter Kraftanstrengung den Schwarzhaarigen von sich, der mit dem Hinterkopf gegen den Glastisch krachte. Sofort verfärbte sich der helle Teppich rötlich und Harry lag da, wie ohnmächtig.

Draco zitterte wie Espenlaub und kroch langsam auf den Verletzten zu, der sich immer noch nicht bewegte.

„Nein.", hauchte der Ex-Slytherin und betete insgeheim, dass er den Vampirjäger nicht getötet hatte. Er hoffte, dass Harry noch lebte und tippte dem Schwarzhaarigen an die Schulter, letztendlich rüttelte er an dieser, doch kein Lebenszeichen des Vampirjägers. Der Blonde wurde panisch. Immer wieder nuschelte er nicht zusammenhängende Wörter, bis er den Vampirjäger in seine Arme zog und vor und zurückwiegte.

„Bitte, Harry, das wollte ich nicht, du darfst nicht tot sein.", murmelte er nahe einer Panik und fühlte das Blut des Verletzten an seiner Hand kleben, die den Hinterkopf gehalten hatte.

Viele Minuten saß er so mit Harry, bis er sich langsam beruhigte und sich in Gedanken rief, dass er es bemerken würde, wenn der Ex-Gryffindor gestorben wäre. Er schloss die grauen Seen und suchte Harrys Herzschlag. Sekundenlang vernahm er keinen Laut und dachte schon an das Schlimmste, bevor er seine Angst unterdrückte und genauer lauschte.
Da! Schwach, aber dennoch gleichmäßig, pochte das starke Herz gegen den Brustkorb und schickte die kleinen Blutkörperchen durch die Venen und Arterien. Er seufzte erleichtert auf und küsste den Schwarzhaarigen auf die rosanen Lippen. Weitere Minuten vergingen, wo nichts passierte, bis sich der Vampirjäger regte. Draco lächelte erleichtert und drückte noch einmal einen Kuss auf den Mund. Er wollte sich nun zurückziehen, doch packte ihn plötzlich eine Hand im Nacken und presste ihn weiter an die Lippen. Die Zunge kam wieder ins Spiel., wobei der Vampir zögerte sie hineinzulassen, doch als ein paar kecke Finger über seinen Schritt streichelten, gab er willig nach.

Erst nach wenigen Minuten beendeten sie den Kuss und Draco schmunzelte, doch als er in Harrys Augen sah, stockte ihm der Atem und das Lächeln gefror. Eisige Kälte strahlte ihm entgegen und unkontrollierbar bebte sein Körper furchtsam. Er versuchte sich von dem Schwarzhaarigen zurückzuziehen, doch dieser packte ihn an den Schultern und lachte ihm höhnisch ins Gesicht.

„Bastard! Reicht es nicht, dass du schon Schuld daran bist, dass Envin mich verlassen hat, nein, dann musst du mich auch noch niederschlagen. Strafe muss sein.", zischte Harry kalt und sprang in die Höhe. Er vergrub seine Hand in den blonden Haaren und schleifte den Vampir daran zu nächstbesten Wand. Die Fingernägel schürften Dracos Kopfhaut auf, die sofort unter dieser Behandlung brannte. Der Ex-Slytherin konnte immer noch nicht fassen, was hier gerade passierte und reagierte deshalb nicht, als der Schwarzhaarige ihm befahl aufzustehen und sich mit dem Gesicht zur Wand zu stellen.

Als der Vampir nicht nachkam, sondern ihn nur verständnislos anstierte, führte er seinen Fuß zu Dracos Schulter und trat zu. Immer größer wurde der Druck auf den Knochen, der bedrohlich knackste. Der Blonde wimmerte vor Schmerz und konnte nur durch einen Tränenschleier zu dem Jäger emporblicken, der die Mundwinkel verächtlich verzogen hatte und sich anscheinend prächtig amüsierte.

„Steh auf, habe ich gesagt!", zischelte Harry wieder gefährlich und sofort kam Draco dem nach, als sich der Schuh von seiner Schulter entfernte. Er hüpfte regelrecht in die Höhe und wurde sofort von dem Schwarzhaarigen mit dem Gesicht an das Gemäuer gedrückt.

Der Vampir hörte, wie Harry sich aus seinem schwarzen Mantel befreite und ihn in irgendeine Ecke schmiss. Dann spürte er den heißen Atem des Ex-Gryffindors in seinem Nacken, der leicht hinein biss und dann darüber leckte, während eine Hand von ihm zu Dracos Schritt wanderte und dort herumnestelte.

„Ich spüre deine Erregung, mein kleiner Draco. Ich kann deine Geilheit regelrecht riechen. Komm meine kleine Hure, bettele mich an, damit ich mich tief in dir versenken kann."
Doch der Vampir biss sich auf die Unterlippe und schüttelte den Kopf. Das schien Harry gar nicht zu gefallen, denn sein Kopf wurde ruckartig an die Wand geknallt, so dass Draco Sterne sah.

„Du willst also nicht? Bist du dir ganz sicher?", hauchte Harry ihm ins Ohr und rieb seinen Schritt an dem Hintern des Blonden, der verhalten aufstöhnte und die Augen schloss. Auch er konnte die pralle Erektion des Schwarzhaarigen fühlen und ihm schauderte es angenehm, wenn er daran dachte, wie ihn Harry ausfüllen würde. Ja, er wollte es, sein Körper verzehrte sich nach der Behandlung des Ex-Gryffindors, aber nicht so! Nicht in dieser brutalen Situation, obwohl er darauf verlangend reagierte.

„Aber, aber, mein kleiner, verabscheuungswürdiger Vampir. Denkst du, das glaube ich dir? Na, pass mal auf." Mit diesen Worten öffnete Harry die Hose des Blonden und zog diese von Dracos Hüften, so dass sie an seinen Knöcheln hing. Er pumpte das Glied des Vampirs hart und brachte so den Ex-Slytherin zum Stöhnen. Doch der Blonde musste gequält wimmern, wegen dieser ruppigen Behandlung. Harry aber interessierte das nicht im Geringsten. Er befreite sich selbst schnell von dem zu engen Stoff, positionierte sich an Dracos Öffnung und drückte seine Erregung dagegen.

„Bist du dir sicher, dass ich es lassen soll? Deine Knie zittern vor unterdrückter Begierde und dein Glied zuckt schon wegen des baldigen Höhepunktes."

Draco schluchzte und drückte seine Stirn gegen das Gemäuer. Nein, so wollte er es nicht. Doch er konnte sich nicht bewegen. Seine Beine würden ihn nicht von dieser Wand wegtragen und wenn, dann nur so langsam, dass der Vampirjäger ihn einholen würde. Er hatte keine Wahl und somit gab er seinen inneren Widerstand auf und rieb seinen Hintern an Harrys Erektion.

„Bitte, tu etwas. Egal was, aber tu etwas.", flehte Draco heulend, woraufhin der Ex-Gryffindor zufrieden nickte. Er strich dem Vampir noch einmal über das Rückrad, bevor er ohne Vorwarnung und Vorbereitung, in den schmächtigen Körper vor sich eindrang. Sofort kreischte der Ex-Slytherin geschändet auf und unterdrückte die weiteren Schmerzensschreie. Er starrte die Wand an und zählte die Steine, die vor seinen Augen waren, um sich von diesem Gefühl abzulenken. Er spürte, dass etwas in ihm riss, als der Schwarzhaarige sich in ihm zu bewegen begann. Doch durch die Heilungskräfte eines Bluttrinkers verschwanden die Wunden, aber nicht die Stiche in seiner Seele.

Er hörte Harry stöhnen und musste nun selbst keuchen, als ihn nur noch die Lust beherrschte. Sein Hinterteil weiter an den Ex-Gryffindor drängend, biss er sich mal wieder auf die Lippen und wischte sich das Blut mit dem Pulli ab.

Immer wilder stieß Harry in den schönen Körper des Blonden. Er war ganz berauscht von den Gefühlen und Empfindungen, die auf ihn einstürmten. Flatternd öffneten sich seine Smaragde wieder, doch er sah nicht Draco vor sich, nein, er betrachtete gerade schwarze Haare, die samtig schimmerten. Die Person drehte den Kopf zur Seite und silbrige, schöne Augen funkelten ihm entgegen, während er unter seinen Fingern den seidigen Stoff des Kimonos fühlte. Ungläubig schüttelte er den Kopf und schloss kurz seine Smaragde, die dann in sturmgraue Augen starrten, die durch blonde Strähnchen teilweise verdeckt wurden.

Er stöhnte noch einmal und ergoss sich in dem Körper vor sich, der sich kurz zusammenzog und dann erschöpft zitterte. Sie rutschten beide die Wand hinunter, wobei Draco immer noch an dem Gemäuer lehnte. Sein Atem beruhigte sich nur langsam und sein Herz schlug wild gegen sein Brustkorb. Der Vampir lächelte traurig und schniefte leicht, als er plötzlich ein Schluchzen hinter sich vernahm. Geschockt stockte er mitten in der Bewegung und fühlte dann Nässe auf seinen Nacken. Er drehte sich zögerlich um und sah entsetzt in das weinende Gesicht des Ex-Gryffindors, der nun seine Hände vor das Gesicht schlug, um seine Tränen zu verbergen.

Noch nie hatte er den Vampirjäger so weinen sehen. Er war regelrecht überrascht und sogar auf tiefste Weise beunruhigt. Er nahm den Schwarzhaarigen sanft in seine Arme und streichelte ihm über den Rücken, wodurch sich Harry an ihn schmiegte und begann seine Gedanken zu sortieren.

„Er war es.", flüsterte der Ex-Gryffindor hauchzart und rieb seinen Kopf gegen Dracos Brust.

„Wer? Wer war es?"

„Ich habe ihn wieder gesehen. In dir? Aber wie geht das? Du bist nicht er, nein, du bist kein bisschen wie er!", fauchte Harry kalt und schupste den Vampir von sich. Er stand wankend auf, zog sich die Hose an und sammelte seinen Mantel auf, bevor er Draco hasserfüllt mit seinen Smaragden aufspießte.

„Wage es, dich von dieser Wohnung fortzubewegen und deine Eltern sind des Todes.", bellte der Vampirjäger noch, bevor er in der Nacht verschwand.

Einsam und verlassen, ließ er einen Draco Malfoy zurück, der immer noch an der Wand saß und es nicht begreifen konnte.
Was war mit Harry los? Er verhielt sich noch merkwürdiger als sonst, ja, seit er zwei Nächte lang verschwunden war, spielte dessen Charakter verrückt. Er konnte sich keinen Reim daraus machen.

Wieder begann er zu weinen, wobei er mit verschwommenem Blick die Hose hochzog. Er

drückte sich an das Gemäuer und zog die Beine an seinen schlanken Körper.

Dann tasteten kalte Finger nach seiner Wange und wischten die Tränen hinfort, die im Mund des braunhaarigen Jungen verschwanden, der sich an Draco kuschelte und verzweifelt lachte.

„Er hat ihn gefunden!"

„Wen gefunden?"

„Er, dessen Name unbekannt ist, hat Harry gefunden. Er ist bereits in seinen Krallen und wartet nur darauf, von der Bestie verschlungen zu werden. Der hübsche, schwarze Engel wird sich von dir immer mehr lösen, bis er dich letztendlich verlassen wird.", prophezeite Kirion mit kindlicher Tonlage und setzte sich nun auf den Schoß des Blonden.

„Wieso liebst du ihn mehr als mich?"

„Ich verstehe nicht?"

„Großer Bruder! Reiche ich dir etwa nicht? Kann ich nicht die gleichen Gefühle in dir erwecken, wie der schwarze Engel, der bald der Sklave des ‚Einen' sein wird?"

„Kirion, was ist mit dir los? Ich kann deinen Sätzen nicht mehr folgen.", erklärte Draco dem braunhaarigen Vampir und strich ihm zittrig durch die Haare.

„Doch, du weißt, wovon ich rede. Ich bin mit fünfzehn Jahren gestorben. Habe ich nicht auch Bedürfnisse, die gestillt werden müssen?", hauchte Kirion verführerisch und ruckele auf Dracos Schritt herum, der sich ein Aufstöhnen verbeißen musste. Doch dann spürte er warme, zarte Lippen auf seinem Mund, die bittersüß nach Blut schmeckten. Dieser Kuss weckte seinen Vampir in ihm und presste den jungen Leib des Bluttrinkers an sich. Er drängte seine Zunge durch Kirions Lippen und schmeckte die jungfräuliche Verführung. Eilig hob er den zierlichen Körper hoch und trug ihn in Harrys Schlafzimmer, wo er den Braunhaarigen niederließ.

Er hob leicht das T-Shirt des anderen und hauchte kleine Küsse auf die Haut. Er schmeckte die sündige Unsterblichkeit, die Harmonie ihrer Körper und musste seine Vampirzähne oberhalb der Brust tief ins Fleisch versenken. Blut, jungfräuliches Blut, spritzte ihm entgegen und füllte ihn aus.

Es war geradezu perfekt. Doch dann zögerte er. Der Junge war sein Schützling, sein kleiner Bruder… oder war er schon immer sein heimlicher Geliebter gewesen? Er löste sich von dem Braunhaarigen und sah ihm in die türkisen, allwissenden Augen, die ihn anriefen, ihn zu nehmen.

„Worauf wartest du? Tu es! Ich will dich, Draco. Schon immer.", flüsterte Kirion hinreißend und zerrte an der Hand des Ex-Slytherin. Doch dieser bewegte sich nicht vom Fleck. Seine Finger hatten sich in seine Hose gekrallt und seine Sturmböen blickten durch den Jungen hindurch, der ihn mit geneigtem Kopf erwartete.