A/N:

Erst mal tausendmal Entschuldigung, dass es diesmal länger gedauert hat, aber die Uni hat wieder angefangen und in diesem Semester ist mein Stundenplan ein bisschen ungünstig, aber allmählich hab ich das alles wieder im Griff :-). Und weiter geht's:

Kapitel 3

Gilraen ahnte nicht im Geringsten, was sich zur gleichen Zeit an der Siedlung der Dúnedain abspielen sollte.

Endlich tauchten in der Ferne die ersten Hütten auf der Lichtung im ersten Licht des Morgens auf. Elladan atmete erleichtert auf. Seit drei Tagen waren er und sein Zwilling Elrohir nun schon unterwegs. Seit dem Tag, an dem Arathorn von der Hand der Orks in Elrohirs Armen gestorben war. Immer wieder mussten die Zwillinge an die tragischen Ereignisse denken.

Nur Elrohir hatte die letzten Worte Arathorns, die seiner Frau und seinem Sohn gegolten hatten, hören können. Plötzlich war Elrohir klar geworden, dass Arathorns kleiner Sohn nun als letzter noch lebender Erbe Isildurs in Mittelerde in tödlicher Gefahr schwebte. Wie um diese böse Ahnung zu bestätigen, hatte ein sterbender Ork genau in diesem Moment erklärt, dass der Dunkle Herrscher jeden Nachkommen Isildurs töten lassen würde.

Elladan hatte den besorgten Blick seines Bruders bemerkt und erraten, woran Elrohir in diesem Moment gedacht hatte.

Während ein Teil der Elben und Waldläufer unter ihren gefallenen Kameraden nach Überlebenden gesucht hatten, hatten sich andere auf den Weg gemacht um die Pferde wieder einzufangen, die während des Kampfes ihrem Instinkt gefolgt und geflohen waren.

Elladan war leise zu seinem Bruder herübergekommen: "Du denkst daran, was dieser Ork behauptet hat, hab ich recht? Glaubst du, dass er die Wahrheit gesagt hat?"

Elrohir hatte seinen Bruder nachdenklich angesehen. "Es macht zumindest Sinn. Das würde erklären, warum die Orks sich plötzlich hier herumtreiben.

Ich glaube, dass sie uns gezielt gesucht haben. Uns, und vor allem Arathorn. Und sie wussten ganz genau, wo sie uns finden würden."

"Du denkst, dass uns jemand verraten hat?"

"Es erscheint mir zumindest so."

"Wenn die Orks wussten, dass sie uns hier finden würden, dann wissen sie wahrscheinlich auch über Aragorn bescheid."

Beide waren verstummt, als Magor, einer der Waldläufer sich ihnen genähert hatte. Da ihr Oberhaupt an diesem Tag zu Tode gekommen war hatten die Waldläufer nun ihre Anführer wie die Elben in Elladan und Elrohir gesehen.

"Meine Herren, was sollen wir denn jetzt tun?" In diesen wenigen Worten schwang die ganze Verzweiflung der versammelten Waldläufer mit.

Elladans Blick war über die zahlreichen gefallenen Elben und Waldläufer gestrichen. Sie alle zu beerdigen würde viel Zeit in Anspruch nehmen. Zeit, die sie nicht hatten. Denn ohne ein weiteres Wort zu wechseln hatten Elladan und Elrohir beschlossen, dass sie Arathorns Sohn vor den Orks retten mussten, wenn es ihnen schon nicht bei seinem Vater gelungen war. Irgendwie fühlten sich beide schuldig daran, dass der Junge nun ohne seinen Vater aufwachsen sollte.

Schließlich hatte Elladan die schwere Entscheidung getroffen und zu allen gesprochen: "Wir lassen die Toten hier. Arathorns Leichnam bringen wir nach Bruchtal. Er soll dort seine letzte Ruhe finden. Die Verwundeten werden ebenfalls nach Bruchtal gebracht. Ihr anderen könnt zu euren Familien zurückkehren."

Die Elben und Waldläufer waren darin übereingekommen, ihre gefallenen Kameraden zur Lichtung zu bringen und ihre Körper den Flammen zu überlassen. Keiner von ihnen konnte es über sich bringen die Toten einfach so zurückzulassen.

Erleichtert darüber, diesen traurigen Ort schnell verlassen zu können, waren bald alle Waldläufer, die dazu fähig waren, schweren Herzens von der Lichtung aufgebrochen. Fast jeder von ihnen hatte heute einen Freund verloren. Den meisten war es schwer gefallen sich damit abzufinden, dass die Toten nicht einmal in Würde bestattet werden konnten.

Nachdem sie den Verwundeten auf die Pferde geholfen und Arathorns Leichnam auf eine schnell zusammen gezimmerte Bahre gelegt hatten, hatten sich auch die Elben in Richtung Bruchtal auf den Weg gemacht.

Eine Weile waren Elronds Söhne schweigend nebeneinander her geritten. Dann hatte Elladan das Wort ergriffen: "Wir sollten so schnell wie möglich zur Siedlung aufbrechen. Wir begleiten den Trupp noch bis zur Letzten Brücke. Glorfindel steht dort Wache. Er soll sie weiter nach Bruchtal bringen und Ada erklären, was passiert ist. Dann machen wir uns auf den Weg zu Gilraen. In Bruchtal sind sie und Aragorn nun besser aufgehoben."

Am nächsten Tag hatten sie die letzte Brücke ohne Zwischenfälle erreicht. Elladan und Elrohir hatten mit Glorfindel gesprochen und ihm erzählt, was auf der Waldlichtung bei den Nördlichen Höhen geschehen war. Auf dem Gesicht des Kämpfers aus Gondolin hatte sich eine tiefe Trauer gezeigt, als er von Arathorns Tod erfahren hatte. Niedergeschlagen hatte er sich einverstanden erklärt, die restlichen Elben nach Bruchtal zu begleiten und Elrond Bericht zu erstatten.

Kurz vor ihrem Aufbruch nahm er die Zwillinge zur Seite: "Bringt wenigstens den Jungen und seine Mutter lebendig her, wenn wir schon seinen Vater hier nur noch zu Grabe tragen können."

Elladan und Elrohir waren der Großen Oststraße gefolgt um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Nach einem weiteren Tag waren sie an den schmalen Pfad zwischen den Bäumen angekommen, dem sie nun nach Norden folgen mussten. Die einzigen Reisenden, denen sie begegnet waren, waren einige Zwerge gewesen, die die beiden Elben nicht einmal wahrzunehmen schienen.

Sie hatten auf dem ganzen Weg nur wenig gesprochen. Jeder hatte seinen Gedanken nachgehangen. Immer wieder hatte sie die Frage beschäftigt, ob wirklich einer der Waldläufer so weit gegangen war, Arathorn an die Orks zu verraten, wie es den Anschein hatte.

Jetzt, wo sie nach drei Tagen endlich ihrem Ziel nahe waren, hatten sie noch keine Antwort auf diese Frage gefunden.

Trotz der frühen Stunde herrschte bereits eine rege Beschäftigung in der kleinen Siedlung. Dank ihres scharfen Sehvermögens konnten Elladan und Elrohir erkennen, dass nahezu alle Bewohner schon auf den Beinen waren. Beim Näher kommen stellten die Elben fest, dass die Waldläufer und ihre Familien sich um eine der Hütten versammelt hatten. Ein ungutes Gefühl breitete sich in Elladan aus und er ließ sein Pferd seinen Schritt beschleunigen. Elrohir folgte ihm.

Einer der Waldläufer, die bei dem verhängnisvollen Angriff vor drei Tagen ohne Verletzungen davon gekommen waren, drehte sich um, als er hinter sich das Getrappel von Pferdehufen vernahm. In der gleichen Bewegung zog er sein Schwert, das er am Gürtel trug. Erleichtert erkannte er Elronds Söhne und schob die Waffe zurück in die Scheide. Augenblicklich verstummte das Gemurmel, das die gesamte Siedlung erfüllt hatte.

"Was ist hier passiert?" Elladan wagte kaum, diese Frage zu stellen. Niemand antwortete.

Er stieg von seinem Pferd und näherte sich der Stelle, um die die Menschen sich versammelt hatten. Er wusste, dass sich in unmittelbarer Nähe die Hütte befinden musste, in der Arathorn mit seiner Familie gelebt hatte.

Respektvoll machten die Dúnedain ihm Platz. Elrohir tat es seinem Bruder gleich.

Als die Zwillinge schließlich an der Stelle ankamen wurden sie von grenzenlosem Entsetzen erfüllt. Es war tatsächlich der Platz gewesen, den Arathorn damals für seine Hütte ausgewählt hatte.

Nun mussten beide feststellen, dass der Feind schneller gewesen war. Von der Hütte war nur noch ein schwelender Haufen verkohlter Balken übrig geblieben.

Elrohir gewann als erster seine Fassung zurück. "Was ist hier geschehen?"

"Wir wissen es nicht. Niemand hat etwas gesehen. Kurz vor der Dämmerung ist das Feuer plötzlich ausgebrochen. Wir haben versucht, das Feuer zu löschen, aber es ist uns nicht gelungen. Es grenzt schon an ein Wunder, dass das Feuer nicht noch auf andere Hütten übergegriffen hat."

Elladan wandte sich von den traurigen Überresten ab und lief eilig in Richtung Waldrand. Elrohir folgte seinem Bruder. Das schreckliche Gefühl, erneut versagt zu haben machte sich in beiden breit.

Plötzlich vernahmen sie leise Schritte, die sich von hinten näherten. Nahezu gleichzeitig drehten sich beide um. Vor ihnen stand ein kleines, etwa achtjähriges Mädchen. Erstaunt stellte es fest, dass die beiden Elben mit den Tränen kämpften.

"Ihr seid Elben, oder? Warum seid ihr traurig? Glaubt ihr auch, dass Aragorn und Gilraen tot sind?"

Elrohir war der erste, der antwortete: "Ich fürchte, dass es so ist."

"Ja, das denken hier alle. Und alle sind traurig darüber. Aber ich muss euch ein Geheimnis erzählen. Sie sind nicht tot, sie waren nämlich gar nicht zu Hause."

Erstaunt sahen die beiden Elben das Mädchen an. Hoffnung kam wieder auf. "Was sagst du da?"

"Bevor das Feuer ausgebrochen ist, ist Gilraen mit Aragorn weggegangen, in Richtung Wald. Ich konnte nämlich nicht schlafen und dann sehe ich immer ein bisschen aus dem Fenster, und da hab ich sie gesehen. Ich wollte das auch schon den Anderen sagen, aber sie haben mich nicht zu Wort kommen lassen."

"Das hast du gut gemacht. Aber Gilraen wollte wohl nicht, dass jemand bemerkt, dass sie fort ist, sonst wäre sie ja nicht in der Nacht aufgebrochen, oder? Also ist es besser, du behältst erst mal für dich, was du heute Nacht gesehen hast. Jetzt geh besser mal zurück nach Hause, sonst machen sich deine Eltern Sorgen", riet Elladan.

Das Kind drehte sich um und lief auf eine der anderen Hütten zu.

" Ich glaube, dass Gilraen versuchen will, Bruchtal zu erreichen. Wohin sollte sie sich sonst wenden? Aber weit können sie noch nicht sein. Wenn wir wüssten, welchen Weg sie genommen hat, können wir sie einholen."

"Wenn sie schon mitten in der Nacht aufgebrochen ist, wird sie auch die Straße meiden. Dann ist es am wahrscheinlichsten, dass sie von hier aus direkt nach Südosten in Richtung Bruchtal gegangen ist", überlegte Elladan.

Nachdem sie sich geeinigt hatten, den Dúnedain nichts von Gilraens Flucht zu sagen verabschiedeten sie sich von den Menschen und nahmen den selben Weg in den Wald, dem Gilraen schon ein paar Stunden zuvor gefolgt war.

Tbc

Juhuu, Reviews! Danke!

Pemaroth: Vielen lieben Dank für die dritte Review. Keine Angst, ich werde die Geschichte zu Ende bringen, mir macht das Schreiben viel zu viel Spaß um aufzuhören :-)

Sirja: Auch dir danke für die Review. Na ja, wie gesagt, Tolkien hat ja leider nicht so viel über Aragorns Geschichte bis zum Ringkrieg geschrieben und daher gibt's da ja auch jede Menge Möglichkeiten dafür, wie sich alles abgespielt haben kann. Aber danke, dass du meine Version zulässt ;-)

Liderphin: Da bin ich ja erleichtert, dass noch mehr Leute das hier lesen. Na gut, dir sei nochmal verziehen grins. Ich werde mich revanchieren. Dankeschön für das Kompliment und für die Aufmunterung.

So, dann nochmal an alle: Ich würde mich über Reviews freuen.