A/N: Okay, ab jetzt wird's ein kleines bisschen AU. Dummerweise ist mir im letzten Kapitel ein Fehler unterlaufen: Ich hab meinen Orktrupp am helllichten Tag losgeschickt :-( . Irgendwie ist mir total entfallen, dass das Sonnenlicht ihnen zu schaffen macht. Sorry deswegen.

Kapitel5

Auch Gilraen ahnte nicht im Geringsten, was sich in ihrer Heimat abgespielt hatte.

Die große Erleichterung darüber, dass sie die Letzte Brücke und damit einen guten Teil des Wegs nahezu problemlos hinter sich gebracht hatten, hatte zunächst auch diese dunkle Vorahnung verblassen lassen.

Sobald sie nach der Überquerung der Brücken den Weg wieder verlassen hatte, hatte sich das gleiche ungute Gefühl wie am Vortag wieder zurückgemeldet, diesmal allerdings viel stärker als jemals zuvor. Fast glaubte Gilraen, dass sich dieses schlechte Gefühl mit jedem Schritt, der sie näher zu den Trollhöhen führte, noch verstärkte.

Auch Aragorn schien die Unruhe seiner Mutter zu teilen. Er hielt ihre Hand fest umklammert.

Plötzlich zupfte Aragorn seine Mutter am Ärmel und blieb stehen. Gilraen drehte sich um, um nachzusehen, was los war.

Aragorn sah sie an und meinte schließlich: " Will nich mehr. Will wieder heim!"

Gilraen kniete sich neben ihrem Sohn nieder und sah ihn an.

"Aragorn, das geht nicht mehr. Wir müssen weiter. Wenn wir jetzt noch ein Stückchen weitergehen können, dann können wir heute auch früher Pause machen um zu schlafen."

Aragorn schien sich das Angebot zu überlegen. Dann ging ein Grinsen über sein Gesicht und er streckte Gilraen seine Arme entgegen.

"Trägs du mich?"

Gilraen nahm das Kind auf den Arm und machte sich wieder auf den Weg.

Nicht lange nachdem sie wieder aufgebrochen war, stellte Gilraen fest, dass Aragorn eingeschlafen war. Gilraen hatte inzwischen mit schlechtem Gewissen festgestellt, dass Aragorn jeden Abend früher einschlief und auch am Tag erschöpft wirkte. Doch vorerst konnte sie ihrem Sohn und sich selbst diese Qual nicht ersparen.

Sobald die Sonne im Westen versank, beschloss Gilraen Rast für die Nacht zu machen. Aragorn ließ sich in seinem Schlaf durch nichts stören.

Gilraen nahm sich allerdings noch die Zeit, sich gründlich in der näheren Umgebung der kleinen Lichtung umzusehen, den Dolch ihres Mannes in der rechten Hand. Während des gesamten Tages hatte sich das schlechte Gefühl noch verstärkt. Erst, als sie sicher war, dass außer ihr und Aragorn niemand hier war, legte sie sich beruhigt nieder und fiel sofort in tiefen Schlaf.

"Bewegt euch endlich, ihr faulen Säcke! Sonst mach ich euch Beine!" Dieser und weitere Flüche störten den friedlichen Eindruck des Flusses und der Brücke, die darüber führte, erheblich. Auch die Sonne, die nun langsam im Osten aufging, konnte den Eindruck von Frieden nicht wieder herstellen.

Die Orks waren seit ihrem Aufbruch am Morgen des Vortags ohne Rast marschiert und hatten in der Nacht die Letzte Brücke erreicht.

Doch nachdem sie schon seit geraumer Zeit dort Posten bezogen hatten, während der ganzen Zeit aber niemand auch nur in der Nähe der Brücke zu sehen war wurde selbst den Orks klar, dass sie ihre Opfer wohl verpasst hatten. Murrend machten sie sich auf den Weg zu den Trollhöhen. Doch die Angst vor dem Geschöpf, das sie hinter sich wussten, trieb selbst die Orks dazu an den Auftrag auszuführen. Denn sie wussten nur zu gut, dass Einige von ihnen, wenn nicht sogar alle das Schicksal des Menschen, dem die Frau und das Kind auch schon entkommen waren, teilen würden, wenn sie auch versagen sollten.

Als Gilraen an diesem Morgen erwachte, stellte sie beruhigt fest, dass sie Sonne noch nicht so hoch am Himmel stand wie am vorherigen Tag. Sie setze sich auf und wandte sich um, um Aragorn zu wecken. Ein eisiger Schreck durchfuhr sie. Die Decke neben ihr, wo Aragorn die ganze Nacht friedlich geschlafen hatte, war leer!

Voller Sorge um ihr Kind begann sie auf der Lichtung nach Aragorn zu suchen.

Aus Erfahrung wusste sie, dass Aragorn eine unbegreifliche Vorliebe für Wasser entwickelt hatte. Obwohl ihm schon so oft klar gemacht worden war, wie gefährlich das Wasser sein konnte, zog es ihn fast schon magisch an.

Gilraen erinnerte sich daran, wie sie gestern im Laufe des Tages an einem Bach halt gemacht hatten.

Aragorn hatte, nachdem er sich kurze Zeit ausgeruht hatte, wieder mit seinem Lieblingsspiel begonnen. Dieses Spiel bestand darin, so viele kleine Kieselsteine aus dem Wasser zu sammeln, wie seine kleine Hand nur halten konnte und diese dann einzeln wieder ins Wasser zurück zu werfen. Es hatte Gilraen einige Mühe gekostet, ihren Sohn davon zu überzeugen, das Spiel aufzugeben und mit seiner Mutter weiter zu gehen. Erst als Gilraen ihrem Sohn von den Lautwassern und den zahlreichen Wasserfällen in Bruchtal erzählt hatte, war Aragorn dazu bereit gewesen, den Bach zu verlassen. Jetzt hatte er es sogar noch eiliger gehabt, endlich das Ziel dieser Reise zu erreichen.

Als Gilraen nun, nachdem sie bereits ein gutes Stück der näheren Umgebung abgesucht hatte, das leise Rauschen des Baches wahrnahm, wusste sie, wo sie ihren Sohn finden würde.

Der Bach lag noch versteckt hinter dichten Sträuchern verborgen, aber dennoch wusste Gilraen, dass sie mit ihrer Vermutung richtig lag. In das Rauschen des Wassers mischte sich jetzt immer wieder vergnügtes Kinderlachen.

Nach längerem Suchen fand sie endlich eine Lücke in dem dichten Gebüsch, die groß genug war um sie durchzulassen.

Gilraen hatte zwar damit gerechnet, Aragorn hier zu finden, allerdings war sie auf diesen Anblick nicht gefasst gewesen.

Diesmal hatte Aragorn sich nicht damit begnügt, am Ufer zu sitzen und Steine einzusammeln. Er saß vielmehr mitten im seichten Wasser des Baches und ließ einzelne Blätter als Schiffchen den Bach hinunter schwimmen. Die Blätter hatte er wohl vorher bei den Sträuchern eingesammelt. Allerdings hatte er dabei auch nähere Bekanntschaft mit einem Brombeerstrauch geschlossen und war so von Kopf bis Fuß von roten Kratzern und Striemen bedeckt. Doch die schienen ihm nichts auszumachen.

Immer wenn eines der Blätter, die der Junge vorsichtig auf die Wasseroberfläche setzte, hinter der nächsten Kurve verschwand schlug er vor Freude mit beiden Händen ins Wasser und so war er auch noch tropfnass. Er war so in sein neues Spiel vertieft, dass er nicht bemerkte, wie Gilraen ans Bachufer trat. Erst als sie ihn ansprach hob er den Kopf.

"Aragorn, wo warst du denn? Ich habe dich überall gesucht. Du weißt doch, dass du nicht alleine weg darfst, und vor allem sollst du nicht alleine ans Wasser gehen! Wann lernst du das endlich mal?"

"Mutter hat noch slaft un ich hab langweilt. Wollt nich wecken, dann bin ich spielen gangen", erklärte er seiner Mutter.

Diese Erklärung ließ Gilraen ihren Ärger vergessen.

"Na gut, dann lass deine übrigen Schiffe noch schwimmen, aber dann müssen wir wirklich los". Gilraen wollte zwar weiterhin so schnell wie möglich Bruchtal erreichen, aber sie entschied sich, Aragorn wenigstens diesen kleinen Spaß zu lassen.

Nachdem das letzte Blatt hinter der Biegung verschwunden war stand Aragorn auf und zeigte mit ausgestreckten Ärmchen deutlich, dass er getragen werden wollte. Der Anblick ließ Gilraen lächeln.

"Nein, du kleiner Wasserfloh. Es reicht schon, wenn du nass bist. Sei froh, dass es warm ist. Komm, wir müssen noch unsere Sachen holen und dann wollen wir endlich weiter."

Als Aragorn zu seiner Mutter an das Ufer des Baches kam nutzte er noch einmal die Gelegenheit und machte sich einen Spaß daraus, auf dem kurzen Weg noch mal so viel Wasser wie möglich zu verspritzen. Allerdings hatte er nicht daran gedacht,dass der Bach so seicht war, dass hm das Wasser nur bis knapp unter die Knie reichte und so hatte er keinen erfolg in seinem Versuch.

Am Ufer angekommen sah er noch einmal zu seiner Mutter hoch und streckte ihr schließlich die rechte Hand hin.

Gilraen nahm ihren Sohn an die Hand und machte sich auf, um zu ihrem letzten Lager zurückzukehren.

Doch kaum hatten sie das kleine Bachtal verlassen, meldete sich diese dunkle Vorahnung zurück, diesmal jedoch heftiger als je zuvor. Irgendetwas sagte ihr, sich der Lichtung nur sehr vorsichtig zu nähern. Gilraen wusste nicht, dass ihr Gefühl sie diesmal nicht trügen sollte.

Nachdem die Orks am Morgen am Mitheitel aufgebrochen waren hatten sie keine Zeit damit verschwendet nach eventuellen Spuren Ausschau zu halten, die ihnen verraten könnten, ob die Frau und ihr Kind überhaupt diesen Weg genommen hatten. Doch wie von einer dunklen Macht geführt nahmen sie genau den Weg, auf dem Gilraen nur kurz zuvor zu den Trollhöhen gelangt war.

Gegen Mittag gelangten sie schließlich an eine kleine Lichtung mitten im Wald. Auf ein Zeichen ihres Hauptmanns machte der Trupp plötzlich halt.

Jeder konnte nun deutlich sehen, dass irgendetwas auf dem Waldboden lag. Die Orks waren ihrem Ziel ein beträchtliches Stück näher gekommen. Der Trupp setzte sich wieder in Bewegung, diesmal allerdings so leise wie möglich.

Endlich war in der Ferne ein leises Rauschen zu hören. Elladan atmete kaum spürbar auf. Sie hatten die Letzte Brücke erreicht. Von nun an sollte es keine Schwierigkeit sein, Aragorn und Gilraen zu finden. Denn falls die Beiden die Brücke bereits passiert haben sollten, blieben nur noch die Trollhöhen als möglicher Weg.

"Meinst du, sie haben die Brücke schon überquert?" Wie immer schienen Elrohir die gleichen Gedanken durch den Kopf zu gehen.

"Das werden wir bald sehen. Aber wir müssen auf jeden Fall an der Brücke eine Rast einlegen."

Schweigend legten sie den restlichen Weg zur Letzen Brücke zurück.

Elrohir sah sich auf der Brücke und in der näheren Umgebung gründlich um. Doch die Spuren, die er fand, gefielen ihm ganz und gar nicht. Schließlich kehrte er zu seinem Bruder zurück, um ihm zu berichten, was er gefunden hatte: "Es sieht so aus, als wären sie tatsächlich schon hier gewesen. Ich habe vor der Brücke und kurz dahinter Spuren gefunden, die aus dem Wald und wieder zurück in den Wald führen. Das kann nur Gilraen gewesen sein. Auf der Straße sind allerdings auch andere Spuren. Ein Trupp Orks kam hier ebenfalls vor kurzem durch."

Elladan stöhnte auf. Das hatte ihnen gerade noch gefehlt.

"Wir müssen so schnell wie möglich weiter. Die Orks dürfen Gilraen und Aragorn nicht vor uns finden."

Sie ließen ihren Pferden genug Zeit, um zu verschnaufen, bevor sie sich wieder auf den Weg machten. Jetzt legten sie den Weg allerdings in noch höherem Tempo zurück. Nur so hatten sie noch eine Chance, dass Schlimmste verhindern zu können.

Tbc

Liderphin: Schön, dass dir das Kapitel gefallen hat. Hm, also zu diesem Reiter sag ich erst mal nichts, den brauch ich später nochmal und ich will ja nicht zuviel verraten (grins)

Danke auch für deine Review zu "Istannen le ammen". Wie gesagt, es war nur eine Beschäftigung während einer Freistunde. Naja, bei der Stelle mit dem Schwert hatte ich unbewusst eine ähnliche Szene aus einem anderen Film vor Augen ohne daran zu denken, dass es in diesem Fall ein Kurzschwert war, das geworfen wurde (schäm)

Pemaroth: Wie gesagt, zu dem Reiter äußere ich mich erst mal nicht (fiesgrins), aber ich hoffe, du liest trotzdem weiter. Na gut, da ist mir wohl noch ein Fehler unterlaufen. Diesmal hatte ich nämlich auch keine Karte von Mittelerde zur Hand. Aber ich bin sowieso schlecht darin, Entfernungen einzuschätzen.

Danke auch für das Kompliment, da werd ich direkt rot. Ich versuch einfach nur, mir vorzustellen, wie man in sich in solchen Situationen fühlt. Ich hab dafür so meine Probleme mit der Beschreibung von Kampfszenen, bringe mich aber immer wieder selbst in die Bredouille damit :-(