Okay, schon wieder über drei Monate schäm. Zählen Referate noch als Entschuldigung? Es geht halt aufs Diplom zu. Aber irgendwie musste ich das hier doch mal endlich zum Abschluss bringen.
Epilog
Mit einem leisen Pfeifen strich der Wind durch die Äste und ließ bunte Blätter nach unten schweben. Während den letzten Tagen hatte der Herbst Einzug gehalten.
Einige Blätter bedeckten auch die dunkle Erde, die augenscheinlich erst vor kurzem hier angehäuft worden war.
Vorsichtig entfernte Gilraen das Laub vom Grab ihres Mannes, als plötzlich und ungewollt Bilder von Arathorn auf sie einstürzten. Sie sah ihn vor sich, wie er am Tag ihrer Vermählung ausgesehen hatte. Kurz konnte sie sich noch einmal an das große Glück erinnern , das sie damals verspürt hatte, nachdem ihr Vater endlich zugestimmt hatte.
Doch die das Bild verblasste so schnell, wie es erschienen war und machte einer anderen Erinnerung Platz. Sie sah Arathorn am Tag von Aragorns Geburt. Etwas unbeholfen, aber voller Stolz hielt er seinen schlafenden Sohn in den Armen. Doch auch diese Szene wurde von einer weiteren verdrängt und sie sah jenen Tag vor sich, als Arathorn zu seinem letzten Ritt gegen die Orks aufgebrochen war.
"Hab keine Angst um mich. Ich verspreche euch, dass ich wieder zu euch zurück komme". Mit diesen Worten hatte er sich an diesem Tag verabschiedet, ohne zu wissen, dass es ein Abschied für immer sein sollte.
Gilraen spürte, wie Tränen in ihre Augen traten und zum ersten Mal seit ihrem Aufbruch aus der Siedlung der Dúnedain gab sie sich der Trauer um ihren Mann hin, da sie ihren Sohn nun endlich in Sicherheit wusste.
Nachdenklich beobachtete Elrond von einem Balkon aus das bunte Treiben unten auf dem Hof. Die Zwillinge und Aragorn lieferten sich eine wilde Blätterschlacht. Dabei war nicht festzustellen, wer mehr Spaß an der Sache hatte, die beiden Elben oder der kleine Junge. In ein paar Augenblicken würde man nichts mehr davon sehen, dass das Laub erst heute morgen zusammengefegt worden war.
In diesem Moment strauchelte Elrohir und fand sich kurz darauf auf dem Boden wieder. Aragorn nutzte diese Gelegenheit und beide Hände voller Laub marschierte er auf den Elb zu. Dort angekommen, stellte er sich auf die Zehenspitzen und ließ einen Schauer aus bunten Blättern auf Elrohir herunterrieseln.
Elrond wusste, dass Elrohirs "Sturz" beabsichtigt gewesen und Teil des Spiels war.
Während der letzten Tage hatten die Zwillinge Aragorn schon in ihr Herz geschlossen und behandelten das Kind inzwischen fast wie einen Bruder.
Das leise Geräusch von Schritten riss Elrond aus seinen Gedanken. Er wandte sich um und entdeckte Glorfindel, der auf ihn zukam.
"Gilraen und Aragorn haben die Strapazen der Flucht gut überstanden", bemerkte er. "Wenn ich bedenke, was Elladan und Elrohir aus der Siedlung berichtet haben, kommt es mir fast wie ein Wunder vor, dass sie Imladris überhaupt erreicht haben."
Elrond ließ sich die Worte durch den Kopf gehen. "Die Sorge um ihr Kind trieb sie an. Sie wähnt ihren Sohn hier in Sicherheit".
"Ihr glaubt, dass man ihn weiter verfolgen wird", stellte Glorfindel fest.
"Das befürchte ich. Auch Gilraen weiß es tief in ihrem Herzen längst. Aber wir haben einen großen Vorteil.
Der Dunkle Herrscher wird ohne Zweifel die Nachricht erhalten, von der Klippe gesprungen ist und dass ihr Sohn mit ihr starb. Er weiß nicht, dass sie durch unsere Hilfe den Sprung überlebt haben. Das schützt Aragorn und Gilraen zumindest vorläufig."
"Und die Dúnedain glauben, dass Arathorns Frau und ihr Sohn bei dem Brand ums Leben kamen."
"Also gehen alle davon aus, dass die beiden tot sind und es somit keinen Erben Isildurs mehr in ganz Mittelerde gibt, den der Dunkle Herrscher noch fürchten müsste. Und in diesem Glauben werden wir sie alle lassen", meinte Elrond. "Darum sollten wir seine wahre Abkunft geheim halten, auch vor ihm selbst. Jedenfalls solange, bis er soweit ist, diese Last zu tragen. Gilraen ist ebenfalls damit einverstanden."
Einige Augenblicke beobachteten nun beide Elben schweigend das Durcheinander, das inzwischen auf dem Hof herrschte. Aragorn war mittlerweile dazu übergegangen, einfach durch die größten Laubhaufen zu laufen und dabei so viele Blätter wie möglich mit den Füßen aufzuwirbeln. Elrohir tat es ihm gleich, während Elladan zumindest versuchte, die größte Unordnung hinter den beiden zu beseitigen.
Schließlich brach Glorfindel das Schweigen: "Unter welchem Namen wollt Ihr ihn aufziehen?"
"Dieses Kind wird einst große Hoffnung für Mittelerde im Kampf gegen Sauron bedeuten. Darum gibt es nur einen passenden Namen für ihn. Estel."
Schweigend ließ sich Glorfindel die Worte durch den Kopf gehen. Für Isildurs Erben konnte es in der Tat keinen besseren Namen geben als Estel, Hoffnung.
Ende
Liderphin: Schön, dass du trotz der langen Zeit noch ein Review geschrieben hast. Ich hoffe, du hast deine heikle Phase inzwischen überwunden.
Freut mich, dass die Geschichte dir gefallen hat.
