Ich bin untröstlich, dass ich euch so lange hab warten lassen und dass ich dann nicht mal auf die Reviews geantwortet hab. Ich hatte dieses Wochenende Blockseminar und allgemein einen Haufen zu tun - das Semester endet, Klausuren und so weiter.
Okay, mir ist unklar, warum ihr glaubt, dass Sirius nicht mehr weiß, wer er ist. Wenn man nicht reagiert, während einem jemand ins Ohr schreit - egal, was der Jemand schreit -, hat man meistens ein allgemeineres Problem. Er war nur sehr konfundiert :-).
Aber das Beste ist wohl, den Text für sich sprechen zu lassen. Habt viel Spaß mit dem dritten Teil. Eure Reviews werden wie immer meinen Tag retten. :-)
Dreimal zweiter Klasse bis Tshwane
Teil 3: Mehr Federlesen
„Mist", sagte Julia und studierte die Anzeige ihres Quantendesintegrators.
„Hm?", erwiderte Geli geistesabwesend und fuhr damit fort, große Mengen eines englischen Frühstücks in sich hineinzuschaufeln. Im Gegensatz dazu saß Meike auf dem Rand ihres Stuhls, unschlüssig eine Gabel in der Hand, und piekste ab und zu misstrauisch in das Gemisch auf ihrem Teller. Es war ein englisches Frühstück. Man musste zuerst sicherstellen, dass es nicht mehr am Leben war. Oder nicht schon wieder damit angefangen hatte.
Rauch hing zu Gelis großer Begeisterung unter der Decke, denn es war 1981, und anstelle des Nichtrauchergesetzes herrschte noch kapitalistische Gaststättenfreiheit. Noch waren die Russen die Bösen. Das hatten sie alle zur Genüge in der Vornacht festgestellt, so weit „gestern" und „heute" in ihrer Profession irgendeine Art von Sinn ergaben.
Meike seufzte und legte die Gabel weg. „Ist dir eingefallen, was wir übersehen haben?"
„Nein." Julia schaute unglücklich auf ihr Display. Dann schüttelte sie das Gerät. Es klapperte. „Aber in der Eile hatte ich keine Zeit, die Masse-Mental-Parameter richtig zu berechnen. Und wie es aussieht, habe ich zu wenige psychosensorische Quanten horkruxifiziert."
Einen Augenblick lang sahen Meike und Geli sie wortlos an, während sie innerlich übersetzten. Geli kaute und kratzte sich dabei am Kopf.
Dann schluckte sie genervt. „Wir haben nicht genug Seelenstückchen mitgenommen? Wir müssen noch mal zurück?"
Julia zuckte hilflos mit den Schultern.
Meike runzelte alarmiert die Stirn. „Aber wir können nicht zurück", erwiderte sie vernünftig. „Mittlerweile ist es..." Sie sah auf ihre Armbanduhr. Sie zeigte die geotemporal relative Sternzeit. Sie sah auf die Uhr über dem Tresen, hinter dem Rauch. „...fast zwei Uhr nachmittags. Mittlerweile ist Sirius daheim, und ausgeschlafen, und vielleicht sogar rasiert, und wenn er so clever ist, wie wir immer annehmen, hat er gemerkt, dass er konfundiert worden ist. Der wird so schnell nicht mehr durch dunkle Gassen laufen. Vermutlich würde der nicht mal mit fremden Frauen sprechen."
Abwägend sahen sie sich an. „Eine von uns könnte ihn anmachen", schlug Geli schließlich vor. Julia und Meike lächelten zustimmend und sahen sie auffordernd an. Sie fuchtelte mit ihrer Gabel. „Nicht ich", wehrte sie ab. „Ich bin nicht qualifiziert, ich bin heute so besonders lesbisch, ich bin praktisch ein Mann." Sie stupfte mit der Gabel in Richtung Meike. „Du machst es. Du hast die ganze Zeit schon mit ihm geflirtet."
„Ich?" Entrüstet plusterte Meike sich auf und entwickelte ob der Vorstellung von Arbeit (und Verantwortung) eine gänzlich neue Lebensphilosophie. „Ich bin verheiratet!"
Gleichzeitig wandten sie sich um und sahen Julia an.
Julia sah mit einem Gesichtsausdruck zurück, als hätten sie ihr gerade vorgeschlagen, ihre geliebte Großmutter zusammenzufalten, in eine Box zu stecken und mit Gruß und Kuss an Voldemort zu schicken. Sie könnte. Noch war er am Leben.
„Ich... ich...", stotterte sie und schluckte. „Wir könnten ihn mit Informationen aus dem Haus locken, die er nicht ausschlagen kann!"
Geli verengte skeptisch die Augen. „Zum Beispiel?"
Julia dachte panisch nach. „Wir sagen ihm, wie Regulus gestorben ist? Wir erzählen ihm von Voldemorts Horkruxen? Wir bringen ihm bei, wie man mit Hauselfen umgeht? Oder wie man sich rasiert? Und dann konfundieren wir ihn noch mal?"
Meike grinste. „Sina würde uns umbringen", sagte sie anerkennend.
Stand also nur noch zur Frage, womit sie ihr Frühstück bezahlten.
„Du hast uns verraten! Du Bastard hast uns verraten!"
Peter gurgelte. Die Hand, die seinen Kragen umfasst hielt, schnürte ihm beinahe die Luft ab. Es half auch überhaupt nicht, dass sie ihn ein Stückchen hochhob und seinen Kopf mit Schwung gegen die Wand krachen ließ. Schmerz explodierte mit der Macht einer Lotusblüte, die sich Buddha öffnete. Vor Peters Augen tanzten Sterne. Es war schwer, sich daran zu erinnern, warum er überhaupt hier war.
James, der bedrohlich über ihm aufragte und die Zähne fletschte, als sei er eigentlich der Werwolf und nicht der Animagus, diente allerdings als ziemlich gute Erinnerungshilfe.
„Du hast uns an Voldemort verkauft." Peters Kopf krachte wieder gegen die Wand. „Du hast Lily an Voldemort verkauft." Klonk. „Du willst Voldemort heute noch alles erzählen." Klonk. „Sirius soll an deiner Stelle beschuldigt werden." Klonk, klonk. „Wagst du, es zu leugnen?"
„Nnng", brachte Peter hervor. „Nein", präzisierte er schwer atmend, als James seinen Griff erwartungsvoll lockerte. In diesem Moment hätte er vermutlich alles gesagt, was sein Leben verlängerte, auch wenn Peter befürchtete, dass er da ab sofort in einem völlig neuen Maßstab denken musste. In einem mit Sekunden anstatt Jahren.
„Du hast seinen sehr, sehr dummen Fehler begangen, Peter." James klang beunruhigend beherrscht.
Peter schluckte und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. „Ich konnte... ich konnte nichts tun", brachte er heraus. „Der Dunkle Lord hat... hat mich gezwungen. Heute Abend, hat er gesagt. Heute Abend... will er alles wissen."
„Ich weiß, Peter, ich weiß", säuselte James. Er grinste Peter mit der Sorte Lächeln an, das auf Surfer zu schwimmt und über eine Flosse verfügt. „Und weißt du, wo du heute Abend sein wirst?"
„In meinem Grab?", quiekte Peter atemlos.
James Grinsen wuchs in die Breite. „Nein", erwiderte er psychopathenartig sanft. „Du wirst bei deinem Dunklen Lord sein und ihm alles darüber erzählen, wo wir uns verstecken. Und weißt du auch, wieso?"
Mit großen Augen starrte Peter ihn an. James Griff um seinen Kragen verfestigte sich. Peters Tonhöhe hätte Gläser zerschlagen, hätte er nur lauter gewimmert. Im Moment fand er James sehr viel bedrohlicher als Voldemort. Voldemort war nicht hier.
„Weil wir Lily retten und den Krieg trotzdem beenden werden", flüsterte James ihm ins Ohr. „Du und ich. Ganz wie in den alten Zeiten."
Grimmauldplatz 12, London.
Januar 1995.
Das Raumzeitreisesquad war auf dieser Mission wegen seines großen Vorwissens über das zu bereisende Universum eingesetzt worden. Dieses Vorwissen, hatte das Management sich gedacht, würde ihm helfen, sich auch in gefahrvollen Situationen zu behaupten, ohne die Raumzeitlinie zu verändern.
„Danke, Kreacher!", zwitscherte Theresa in einem Tonfall, in dem sie sich normalerweise nicht mal in der Badewanne von ihrer Quietscheente hätte erwischen lassen. „Du bist so ein toller Hauself! Wir wüssten gar nicht, was wir ohne dich tun sollten!"
„Kreacher dient den Nachfahren von Meister Regulus gerne", erwiderte der Hauself und verbeugte sich, bis seine Nase an den Boden stieß. „Kreacher ist tief geehrt, dass er Meister Regulus überraschend aufgetauchte Lieblingsgroßnichten bewirten darf." Unterwürfig reichte er Sina ihre Portion Popcorn. „Kreacher insubordiniert gerne hinter seinem Rücken Meister Black", hörten sie ihn in sich hineinmurmeln, als er sich umdrehte und aus dem geschützten Bereich von Tarnhelfer 5.0 herauswatschelte. „Kreacher lernt gerne Wörter wie ‚insubordinieren'!"
„Erstaunlich, wie schnell er die Muggelgerichte gelernt hat...", sagte Theresa in normalem Ton und griff nach einer Handvoll Popcorn.
„Sch!", machte Sina und nickte nach unten. Interessiert beugte Theresa sich über das Geländer und sah rechtzeitig in die Küche, um mitzubekommen, wie Lily Potter auf den Tisch hieb, aufstand, die Hände auf den Tisch legte und Albus Dumbledore auf der anderen Seite des Tischs niederstarrte.
„Mein Sohn", sagte sie leise und gefährlich. „wird nicht deinem dämlichen Plan ausgesetzt! Prophezeiungen bewachen, anstatt einen Krieg auszutragen! Dolores Umbridge erlauben, die Kinder zu foltern! Bist du von allen guten Geistern verlassen, Albus?"
„Oha", sagte Theresa interessiert und beobachtete, wie Severus Snape die Frau anhimmelte, als sei sein Chef durchsichtig.
„Ich erinnere mich an eine Zeit", sagte Lily bebend und sah sich am Tisch um. „als der Orden sich noch nicht verstecken musste! Ich erinnere mich an eine Zeit, zu der wir eine stolze, eine aufrechte Organisation waren! Ich erinnere mich an eine Zeit, in der nicht erst ich hätte kommen müssen, um Horace Slughorn in den Orden zu rekrutieren!"
In einer grandiosen Geste wies sie auf Horace Slughorn, der sich aufplusterte und seinen Schnauzer mit einer Miene zwirbelte, die signalisierte, dass er sich das gleiche auch schon gefragt hatte.
„Ich weiß nicht, was du in all den Jahren getrieben hast, Albus, aber vielleicht hattest du einmal zu oft Sex mit Gellert Grindelwald!" Lily wies über den Tisch hinweg auf Albus. „Deine Pläne ergeben keinen Sinn! Deine Manipulationen lassen wir uns nicht länger gefallen!" Auffordernd ballte sie die Faust und sah sich im versammelten Orden um. „Wollt ihr wirklich länger eure Zeit verschwenden? Wollt ihr wirklich länger darauf warten, dem Dunklen Lord ein für alle Mal den Garaus machen, der meinen Mann getötet hat! Wenn ihr wartet, könnte es auch euch treffen!" Dramatisch wies sie auf Molly. „Es könnte deine Söhne treffen, Molly!" Molly quiekte. „Es könnte dich treffen, Dung!" Dung quiekte. „Es könnte Tonks treffen, Remus!" Remus räusperte sich. Tonks horchte interessiert auf. „Wollt ihr in Askaban enden wie Sirius, weil Albus nicht an eure Unschuld geglaubt hat? Ich würde an eure Unschuld glauben!" Sie klopfte sich auf die Brust. Snape wurde Pudding. „Wir gewinnen diesen Krieg! Hoch mit dem Orden! Hoch mit dem Orden! Dreimal hoch!"
Tosender Applaus brach in der Küche aus, kaum dass sie verstummte. Stühle wurden umgeworfen, George und Fred schwenkten ihr Lily-Fanplakat, Tonks pfiff auf zwei Fingern, und Harry starrte seine Mutter so verträumt an, als sei sie ein besonders guter LSD-Trip. Er sabberte. Es war fast besorgniserregend. Vor allem aus einem freudianischen Blickwinkel.
„Und weißt du, was auch interessant ist?", fragte Theresa und stupste Sina an. „Da." Sie nickte in Richtung Sirius, der als sein übliches düsteres, wenn auch merkwürdig attraktives Selbst an der Wand lehnte und Lily beobachtete.
Als Lily in seine Richtung sah, grinste er, und Lily lächelte zurück.
Theresa nahm sich neues Popcorn.
Sina unterdrückte ein Schluchzen.
Sie hatten alles kaputt gemacht.
Godrics Hollow
31.10.1981
„Ich weiß gar nicht, was ihr habt", sagte Meike vernünftig und zuckte mit den Schultern. „Sicher, wir haben ein wenig Zeit verloren, aber es war ja nicht unsere Schuld, dass wir uns so lange im Keller verstecken mussten, bis der Wirt die Suche aufgegeben hat. Schließlich hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst, oder nicht? Wir haben alle Seelenstückchen, die wir brauchen, Sirius ist konfundiert und auf dem Weg zu Pettigrew, alle sind glücklich, und..." Sie wies den Hügel hinab. „...die Zeitlinie ist vollständig intakt."
„Wenigstens ist mir jetzt eingefallen, was ich vergessen hatte", murmelte Julia und trat nervös von einem Bein aufs andere. „Seid ihr sicher, dass niemand etwas mit dem Zwei-Wege-Spiegel mitgehört haben kann?"
„Vollkommen sicher", erwiderte Geli, die mit gerunzelter Stirn durch ihr Fernglas spähte und Multitaskingfähigkeiten zum Einsatz brachte, die sie wahrscheinlich gar nicht besaß. „Sirius hat selbst gesagt, dass er den ganzen Tag verschlafen hat, oder nicht? Kein Wort von Potter. Und wenn der etwas gehört hätte, würde er jetzt ganz bestimmt nicht mit seiner Frau... aber hallo." Sie setzte das Fernglas ab, blinzelte und setzte es wieder an. „Bondage. Hab ich schon gesagt, dass ich beeindruckt bin?"
Neugierig sah Meike zu ihr und dann zurück zum Haus der Potters, das sich in eine enge Straßenreihe in Godrics Hollow zwängte, allerdings Wohnzimmerfenster besaß, die sich durch seinen weitläufigen Garten einfach einsehen ließen. Ohne Fernglas erkannte man nur zwei winzige Gestalten, die den letzten Abend ihres Lebens mit ausgefallenen Sexspielen verbrachten. Lily hatte James vor über zwei Stunden an einen Stuhl gefesselt und dabei sogar den Nerv besessen, ihn da eine lange Stunde lang mutterseelenalleine sitzen zu lassen, während er sich lasziv wand. Sie verdächtigten sie, dass sie das Haus zwischendurch durch den Kamin verlassen hatte.
Julia zeigte in Richtung Straße. „Da kommt Voldemort."
Sie hatte Recht. Zwischen zwei Häuser hindurch konnte man den Dunklen Lord sehen, der auf die Straße appariert war und majestätisch auf die Einfahrt zuhielt. Er verschwand wieder außer Sicht.
Sie warteten. Julia trat von einem Fuß auf den anderen.
Im Wohnzimmer fuhren Lily und James Köpfe herum. Lily löste die Fesseln. Eilig wurden Worte getauscht, dann schubste Lily James in Richtung Haustür davon, schrie ihm noch etwas nach, sie selbst stob mit der Entschlossenheit eines Quarterbacks die Treppe hinauf. Kurz darauf erschien sie im Fenster des Kinderzimmers. Sie wirkte viel robuster, als man es sich weitläufig vorstellte.
„Wisst ihr, es ist schon irgendwie ironisch", bemerkte Julia nach einem Moment. „Wir sind hier, weil von Sirius ein Seelenstückchen zu wenig übrig bleiben wird. Und Voldemort wird gleich nicht sterben, weil ein Seelenstückchen zu viel von ihm herumflattert. Beides stört das Gleichgewicht, aber aus unterschiedlichen Gründen."
„Ich dachte, er hat die Stückchen einfach auf die Horkruxe aufgeteilt", erwiderte Geli. „Nicht dass er zu viele hat. Sonst wäre ja kein Wunder, dass er sie irgendwo deponiert."
Eine Sekunde lang erleuchtete ein grünes Licht das ganze Haus. In der Tür zum Wohnzimmer blitzte Voldemorts schwarze Robe auf, bevor er sich auf den Weg in den ersten Stock machte.
„Naja, aber sie wächst ja nach, wenn man einen Teil wegnimmt", erwiderte Julia ernsthaft. „Ihr glaubt gar nicht, wie viele Dunkle Lords schon wiedergeboren wurden, weil mehr Seelenstückchen rumgeflogen sind, als Körper zur Verfügung stand."
Da weder Geli, noch Meike mehr als ein paar Worte verstanden hatten, verstummten die drei Frauen und konzentrierten sich auf das Fenster zum Kinderzimmer. Voldemort war in der Tür erschienen. Lily drehte ihnen den Rücken zu und bildete ein zweifelhaftes Hindernis zwischen ihm und Harry.
„Oh, bitte töte mich nicht, dunkler Lord!", synchronisierte Meike mit hoher Stimme. „Sonst ist nur Severus übrig, um Harry großzuziehen, dabei sehen seine Haare jetzt schon furchtbar aus!"
Tadelnd schüttelte Geli den Kopf.
„Unglaublich, dass sie einfach so sterben mussten", bemerkte Julia, während Voldemorts markerschütternder Todesschrei durch das Dorf hallte, als stünde sie nicht tatenlos daneben. „Ich meine, überlegt nur mal! Wir hätten alles ändern können, wenn wir nicht so professionell wären und so furchtbar gut aufgepasst hätten!"
Geli zuckte mit den Schultern. „Wir sollten froh sein, dass wir es hinbekommen haben. Ich hab die Nase voll davon, dass sie uns immer vorhalten, wie viel sauberer Jeans und Ginas Team seine Missionen abschließt. Als ob wir das nicht auch könnten, wenn wir Maria hätten! Mit einem abgeschlossenen Studium könnte ich das auch!"
„Ich hab gehört, denen wird schon wieder ein Urlaub bezahlt", fügte Meike neidisch hinzu. „In Rimini! Wolltest du nicht immer nach Rimini, Geli?"
Geli seufzte. Sie dachte klar erkennbar an Minsk.
Sie sahen wieder auf das Haus hinab.
Stille war in Godrics Hollow eingekehrt. Vermutlich stammte sie von fünfhundert Dorfbewohnern, die sich spätestens nach Voldemorts Schrei in ihren Kellern versteckt hatten und am nächsten Morgen beteuern würden, dass sie nichts, aber auch gar nichts mitbekommen hätten, und wenn sie genauer darüber nachdachten, waren sie gar nicht daheim gewesen. Sondern auf einer weit entfernten Insel. Bei ihrer Tante. Die immer alle Gardinen zuzog und niemals das Haus verließ.
Aber wenn Stille einen Charakter besitzen könnte, hätte diese einen gemütlichen, der gerne Kekse verschenkt. Im Haus der Potters brannte noch Licht, doch weder im Kinderzimmer, noch im Erdgeschoss regte sich noch etwas. Tausend Sterne blinkten am nachtschwarzen Himmel.
Ein Baby begann zu weinen. Nach einer Weile konnte man sich einbilden, in der Ferne das Geräusch eines Motorrads zu hören. Dann rief ganz entfernt eine Stimme nach Lily und James - Hagrid war eingetroffen.
„Zeit zu gehen", bemerkte Meike. „Verteilen wir die Seelenstückchen in der Zukunft, suchen wir nach Theresa und Sina, zischen wir nachhause ab. Hat mich gefreut, mit Ihnen zu arbeiten, meine Damen."
Sie schüttelten sich gegenseitig die Hände.
Keine von ihnen kam auf die Idee, noch ein paar Tage zu bleiben und abzuwarten, ob wirklich alles so blieb, wie es sollte. Das Handbuch empfahl das Studium von Zeitungsartikeln über einen Zeitraum von mehreren Tagen, aber der Teil des Teams, der das Handbuch gelesen hatte, befand sich nicht hier.
Die Morgenausgabe des Tagespropheten war weitestgehend unauffällig.
Die Abendausgabe wurde schon interessanter.
Sirius Black in Askaban
Die Aurorenzentrale ließ an diesem Nachmittag bekannt geben, dass die Fahndung
nach Sirius Black (22), verdächtigt der Beihilfe zum Mord an James und Lily Potter,
eingestellt wurde, als Black sich heute Mittag freiwillig den Auroren stellte. Bartemius
Crouch, Leiter der Magischen Strafverfolgung: „Black wurde sofort unter den
höchsten Sicherheitsvorkehrungen nach Askaban überführt. Anklage wurde bereits
erhoben." Insidern zufolge war Black bisher nicht geständig.
„Wenn Pettigrew nicht wieder auftaucht, kriegen sie ihn mit Mord dran, egal, was er
aussagt", so unsere Quelle. „Den lassen wir nie mehr aus Askaban raus." Blacks
langjähriger Vertrauter und Freund Peter Pettigrew (22) wird seit dem Tod der
Potters vermisst.
Tbc...
