Hi Leute!
Hier ist also (mal wieder etwas verspätet, ich weiß) das letzte Kapitel. Ich hoffe, dass es für euch alle Irrungen und Wirrungen auflöst. Wenn nicht, werde ich mein Bestes geben, sie euch via PN zu erklären ;-).
Noch mal vielen lieben Dank für eure bisherigen und noch kommenden Reviews. Ich hoffe, ihr habt mit dem letzten Kapitel Spaß, genauso wie mit der Fanfic als Ganzes. :-)
Dreimal zweiter Klasse bis Tshwane
Teil 4: Flieg, Sirius, flieg!
Zaubereiministerium, London.
Juni 1996.
Dank Severus Snapes engagierter Spionage war der Orden bereit, und er brachte alles mit sich, das er aufbieten konnte, sobald die Falle zuschnappte und Harry Voldemort in den Keller gelockt hatte.
Der Kampf wogte durch die gesamte Mysteriumsabteilung.
Sina und Theresa beobachteten das Spektakel mit großen Augen, verborgen unter Tarnhelfer 5.0 und einem Treppenvorsprung, bewacht von einem mit Küchenmessern bewaffneten Kreacher. Ihre Köpfe wanderten von links nach rechts, wie bei einem besonders interessantes Tennisspiel. In dem beide Spieler die Regeln ignorierten. Und eine neue Art von Slice verwendeten.
Durch die Tür zu ihrer Linken kam gerade Kingsley Shacklebolt ins Bild, der seine Einheit niederbrüllte und mit dem Zauberstab heftig nach vorne winkte, um sie auf die Todesser zu hetzen.
Durch die Tür zu ihrer Rechten war Sirius Black zu sehen, der mit der neu erwachten, alten Gewandtheit des geübten Duellanten, der er mal gewesen war, auf der Jagd nach Bellatrix um den Torbogen herumtänzelte.
In der Mitte des Raums bombardierten Lily, Harry, Snape und ein paar andere gemeinsam den Dunklen Lord, der durch den Raum huschte wie eine Schlange, diesem Fluch entging und dann jenem, und dem irgendwie nicht klar zu sein schien, dass eine Armee äußerst motivierter Phönixe die vergangenen zwei Monate genutzt hatte, um seine Horkruxe kaputt zu machen.
„Jetzt! Deine Chance, Harry!", schrie Lily. Harry feuerte einen blau blitzenden Fluch auf Voldemort und traf. Lily johlte. Der Orden heizte sie an und feuerte dann selbst auf Voldemort.
Sina wimmerte.
„Na, na", sagte Theresa und klopfte ihr auf die Schulter.
„Alles", schniefte sie. „Alles kaputt."
„Ich weiß", tröstete Theresa.
Interessiert sah sie zu, wie ein geschickter Levitationszauber Lilys durch die Halle schoss und Sirius in letzter Sekunde davor bewahrte, durch den Torbogen zu fallen. Zum Dank reckte er den Daumen und grinste; dann brachte eine beiläufige Zauberstabbewegung Bellatrix auf eine Weise zu Boden, die permanent und schmerzhaft wirkte.
„Sie werden uns feuern", schniefte Sina. „Sie holen uns hier ab und sie feuern uns und wir sind an allem Schuld, weil alles kaputt ist. S-s-so schlimm." Ihre Stimme hatte angefangen zu zittern. „I-i-ich krieg doch am m-meisten Geld. I-ich b-bin auch am meisten Sch-schuld. Dabei h-hab ich d-doch g-gar nichts g-g-gemacht!"
„Sch", tröstete sie Theresa. „Ich weiß."
Sie sah rechtzeitig auf, um zu sehen, wie Harry mit einem hochmotivierten Funkeln in den Augen anlegte, zielte und den Todesfluch auf Voldemort feuerte. Der Dunkle Lord schlitterte unzeremoniell durch den Raum und klatschte nass gegen die Wand. Dann fiel er zu Boden und stand nicht wieder auf.
In der plötzlichen Stille war Sinas kläglicher Laut besonders gut zu hören, den sie ausstieß, als sie den Kopf hob und sich umsah.
Alle Anwesenden waren in der Bewegung eingefroren und starrten auf den Feind, der gefallen war, bevor der Krieg überhaupt richtig angefangen hatte. Alles hatte sich verändert. Sie würden jetzt nicht einmal Fudge stürzen müssen - wenn er jetzt darauf bestand, dass Voldemort tot sei, konnten sie höchstens damit angeben, dass sie es früher gesagt hatten, und nicht einmal das traf zu.
Lily hob triumphierend den Arm. „Hoch mit dem Orden!", bellte sie, und die Halle brach in tosenden Jubel aus. Todesser, die noch nicht überwältigt worden waren, ließen den Zauberstab fallen, kauerten sich mit den Händen über den Ohren zu Boden und verloren aus Verzweiflung über den Zerfall der Welt den Verstand.
Sina stieß einen weiteren kläglichen Laut aus. Ihre Verbalsysteme hatten offenbar endgültig versagt.
Theresa tätschelte sie geistesabwesend und beobachtete, wie Sirius Lily schwungvoll in die Höhe hob, einmal um seine eigene Achse wirbelte und so küsste, dass sich selbst die Zuschauern die Fußnägel abkauen könnten, aber diesmal auf eine Weise, die auch Geli zu schätzen wissen würde.
Um sie herum wurde geklatscht und gepfiffen, und sogar Harry grinste mit der fünfzehnjährigen Weisheit derer, die es haben kommen sehen und Wetten auf höhere Summen laufen haben.
Außerdem war der Krieg vorbei.
Sina begann offen zu weinen.
Tshwane, Südafrika.
11.8.2001
Eine Gestalt schlitterte über das frisch gebohnerte Linoleum, ruderte heftig mit den Armen, überschlug sich ein paar Mal und knallte mit voller Breitseite gegen eine Säule.
Die Frau stöhnte und rieb sich den Kopf. Benommen sah sie auf. Eine bedrohlich wirkende Skulptur aus schwarzem Stein sah zurück. Sie blinzelte. Die Frau, nicht die Skultpur.
„Alles klar, Geli?", rief eine zweite Stimme unsicher aus einem anderen Gang.
„Alles klar!", gab Geli zurück. „Wir sind in einem Museum! Aber ich glaube, es hat geschlossen!"
Einen Moment lang kam keine Antwort. Geli nutzte ihn, um sich weiter den Kopf zu reiben. Dabei murmelte sie ein paar Schimpfwörter in sich hinein und überlegte, ob es sich lohnte, ihren Translator auszupacken.
„Es ist 2001!", rief die Stimme schließlich.
„Welcher Ort?", rief eine zweite Stimme aus einer anderen Richtung zurück.
„Mir völlig egal! Der Krieg ist seit drei Jahren vorbei! Sirius ist seit fünf Jahren tot! Nichts spricht dagegen, seine Quanten hier fliegen zu lassen!"
„Dann maches einfach, dann können wir heim! Falls wir den Weg finden!", rief die zweite Stimme und versiegte zu einem Murmeln, das für Geli nicht mehr verständlich war, jedoch etwas damit zu tun hatte, wann man wo abbiegen sollte. Sie hatten immer noch keinen Schimmer, wo sich Sina und Theresa befanden.
Seufzend lehnte Geli sich an die Säule und tippte die Daumen gegeneinander. Sie sah wieder nach oben, legte den Kopf schief und musterte misstrauisch die moderne Kunst. Gelis Verhältnis zu moderner Kunst war ungefähr so herzlich wie das von Cristiano Ronaldo zu Wayne Rooney nach der Fußball-WM 2006.
Wenn man den Kopf schieflegte, sah die Skulptur fast aus wie ein Schaf.
Ein schwarzes Schaf.
Das musste irgendeine Art von Wortspiel wert sein.
„Flieg, Sirius, flieg!", rief die erste Stimme fröhlich.
Die Pause war exakt so lang, wie es dauert, um die Augen zu verdrehen.
„Nichts wie heim!", rief die zweite Stimme, als sie damit fertig war. „Ich öffne uns ein Portal! Nach... ähm, irgendwo!"
Geli legte wieder den Kopf in den Nacken und sah die moderne Kunst an.
„Ich bin urlaubsreif", sagte sie im Plauderton, aber sie erhielt keine Antwort.
Das Seelenstückchen sah sich einmal interessiert in Südafrika um, zuckte dann mit den Schultern und flog nach England zurück. Immerhin wollte es sich mit dem Rest wiedervereinigen. Immerhin war es dazu da.
Also flog es und flog und flog, und überquerte das Mittelmeer, und passierte Portugal, und winkte dem Ärmelkanal zu, und schwirrte über Dover hinweg. Ungefähr in Essex drehte es sich einmal um sich selbst und übersah eine Welt, in der Remus Lupin und Dora Tonks an ihrem dritten Kind arbeiteten, Fred und George Weasley ihre Finanzen frisierten und Albus Dumbledore im Eberkopf mit Elphias Doge die Köpfe zusammensteckte, um ihm zu erklären, wie er wirklich über ihn fühlte. Gellert war jetzt immerhin alt und hatte schlechte Zähne.
In London bog das anthropomorphe Stückchen in die Kanalisation ab und erreichte über diesem Weg das Ministerium für Zauberei. Es flog in den ersten Stock, surrte durch den Türspalt des Ministerbüros und umschwebte einen Moment lang einen vielversprechenden Nacken. Dann runzelte es die Stirn und stellte fest, dass es da drin gar keinen Platz mehr hatte.
„Was ist denn, Herr Minister?", fragte Lily und sah einen Moment lang von ihrem Schreibtisch auf.
Sirius hörte auf, mit der Hand in seinem Nacken rumzuwedeln. „Nur eine Fliege", erwiderte er und grinste sie herausfordernd an. „Wo waren wir stehengeblieben, Frau Ministerin?"
Das Stückchen überlegte es sich anders, flog schnell davon und verschonte das Rating.
Und dann flog es und flog weiter und weiter quer durch eine Welt, in der Harry Potter Voldemort mit Leichtigkeit besiegt hatte, denn wer brauchte schon Dumbledores komplexe Pläne, wenn er eine wild entschlossene Mutter im Rücken hatte. Es flog weiter und weiter und passierte Hogwarts und erspähte Professor Longbottom im Gewächshaus.
Es übersah die beiden Personen, die Tarnhelfer 5.1 alpha entwickelt und über ihrer geheimen Wohnung im Astronomieturm ausgebreitet hatten; das war wahrscheinlich gut so, denn andernfalls hätte das Stückchen ihnen einiges zu sagen gehabt, ob sie nun indirekt schuld waren oder direkt.
Dann schoss es an Hagrids Hütte vorbei und ignorierte die Hippogreifkäfige, in denen James Potter vor fast genau zwanzig Jahren den konfundierten Hippogreifanimagus abgesetzt hatte, der danach vermutlich nicht mal mehr seine Frau hätte sein wollen, wäre James nicht gestorben. Hagrid hatte ihn Seidenschnabel genannt, weil Hagrid immer einen Hippogreif namens Seidenschnabel hatte. Und ernsthaft, wer kann schon Hippogreifen auseinanderhalten.
In Godrics Hollow drehte das Stückchen ein paar Pirouetten und besah sich das Grab von Lily Potter, in dem James Potter lag, und dann das von James Potter, in dem Peter Pettigrew lag. Mittlerweile wäre der Vielsafttrank natürlich abgelaufen, aber von ihnen war sowieso nichts mehr übrig, das sie identifizieren könnte, außer man bemühte einen sehr guten forensischen Anthropologen.
Nach einer Weile wurde dem Stückchen langweilig.
Ziellos schwebte es ein paar Jahre lang umher.
Es wog seine Optionen gegeneinander ab und dachte nach.
Hämisch lachte es dann in sich hinein und machte sich auf die Suche nach ein paar Handlangern, einem neuen Körper und einer ganzen Menge Einhornblut.
Wenn es schon ein Dunkler Lord wurde, wollte es ein klassischer sein. Immerhin hatte es Stil.
Fin.
