17. Kapitel – Die Aufklärung
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Teuer ist mir der Freund, doch auch der Feind kann mir nützen.
Zeigt mir der Freund, was ich kann, lehrt mich der Feind, was ich soll.
Johann Christoph Friedrich von Schiller
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„Wie sind Sie so schnell hergekommen?", fragte Suworow. Voldemort warf ihm einen überlegenen und gleichzeitig wissenden Blick zu. „Einer meiner Männer hat mich informiert." Der Russe überlegte kurz. „Aber wie konnten Sie so schnell fünfzig Todesser zusammenrufen?" Eines der seltenen Lächeln des Dunklen Lords huschte über dessen Lippen. „Glauben Sie wirklich, ich würde es Ihnen verraten?" – „Nein." – „Warum fragen Sie dann, Suworow." Er wandte sich wieder dem Kampf zu. „Ihre Männer decken sich nicht gegenseitig. Es ist für meine Männer kein Problem, Ihre Reihen zu durchbrechen, obwohl sie fast eingekreist zu sein scheinen. Sehen Sie hinten links? Da klafft mittlerweile eine Lücke, die ihr Russen nicht schließen könnt." Suworow wandte sofort seine Aufmerksamkeit auf jene Stelle, die sein Kontrahent meinte. „Vielleicht ist das genau der Plan?", fragte er und grinste Voldemort spöttisch an. Dieser verzog keine Miene. „Mit Sicherheit nicht."
Ein Todesser ging direkt vor seinen Augen getroffen zu Tode. „Wieder einer der Ihren", kommentierte Suworow das Geschehen glatt. Er schien den Dunklen Lord aus der Fassung zu bringen wollen, doch dieser warf lediglich einen knappen Blick auf seinen toten Anhänger. „Dafür haben sie zwei Verluste zu melden. Sehen Sie? Auf der rechten Seite." Sumorow knirschte mit den Zähnen.
Lucius wollte sich gerade abwenden, der Dunkle Lord schien ihn nicht mehr zu brauchen, da stieß dieser einen kurzen Laut aus, der einem Pfiff nicht unähnlich war und doch durch Mark und Bein ging. Die Russen hielten irritiert inne, sie hatten einen derartigen Laut noch nie gehört. Die Todesser wussten ihre Chance zu nutzen. Innerhalb von Sekunden waren die Reihen der Russen erheblich gelichtet. „Sraka", fluchte der Russe, bevor er den Rückzug befahl. Er bombardierte den Lord mit letzten, bitterbösen Blicken, bevor er verschwand.
„Ach, Lucius?" Der Lord drehte sich erneut zu seinem Todesser um. „Sorge dafür, dass Leningrad besser geschützt wird. Wir wollen es Suworow doch nicht erneut so einfach machen." Lucius verneigte sich. „Ja, Herr." Dann wandte er sich ab und machte sich auf, zu Helen zurückzugehen.
Während er die Gänge zu dem Zimmer entlang schritt, indem Helen warten sollte, hielt er seinen Zauberstab griffbereit. Es war möglich, dass sich einer der Russen in die oberen Räumlichkeiten zurückgezogen hatte, um später einen Überraschungsangriff zu starten. Doch die Gänge wirkten wie ausgestorben. Scheinbar waren die Angreifer nach ihren schweren Verlusten umgehend geflüchtet.
Ein plötzlicher Aufschrei lenkte seine Aufmerksamkeit umgehend in die Richtung, aus der er gekommen war. Etwa fünf Meter vor ihm zweigte ein weiterer Gang von dem am, den er gerade lang ging. Sofort nahm er eine defensive Haltung an. Seine Muskeln spannten sich unter seiner schwarzen Robe und hochkonzentriert näherte er sich langsam der Kreuzung. Als er die Ecke erreicht hatte, lugte er vorsichtig in den zweiten Korridor und sah Helen, die von dem Todesser an die Wand gepresst wurde, der Lucius schon am Abend zuvor Widerstand geleistet hatte. Im Stillen fluchte der Blonde Mann. Konnten Frauen nicht einfach da bleiben, wo man sie zurückgelassen hatte?
„Bitte nicht", war Helens wimmernde Stimme zu vernehmen. Der Todesser lachte dreckig. „Stell sich nicht so an. Nachdem du die Nacht von Malfoy gefickt worden bist, bist du bestimmt noch ganz wund. Also mach hier nicht auf unberührte Unschuld. Ich will ein wenig Spaß mit dir. Mehr nicht. Sei zuvorkommen und dir passiert nichts." – „Ich… Da… Ich bin…", stammelte Helen, doch der Mann ließ sie nicht ausreden. „Was meinst du, wie erzürnt er sein wird, wenn er mitbekommt, dass seine kleine Hure von einem anderen beschmutzt wurde."
Jener, über den geredet wurde, verdrehte die Augen, dann gab er seine Vereidigungshaltung auf und trat lässig in den Gang. „Ganz recht", sagte er gelangweilt. „Und daher werden Sie die Kleine jetzt loslassen und sich bei ihr entschuldigen." Der Todesser grinste anzüglich. „Ach Malfoy, hättest du nicht fünf Minuten warten können? Dann wäre ich mit deiner kleinen Hure fertig gewesen und sie wüsste endlich, was ein richtiger Mann braucht." Das Blonde Toxikum schnalzte missbilligend mit der Zunge. Er wertete den plötzlichen Übergang zu der vertrauten Anrede nicht als Beleidigung. Es war vollkommen normal, dass sich Männer, die unter Druck gerieten, plötzlich Freiheiten raus nahmen, die ihnen nicht zustand. Er war distinguiert genug, da drüber zu stehen und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
ooOoo
Helen kam das alles unwirklich vor. Sie stand an die Wand gepresst, ein sympathisch aussehender Todesser kam ihr keine Chance zu fliehen. Sein Körper quetschte sie regelrecht an die Mauer und er selbst hatte seinen Unterarm gegen ihre Kehle gelegt, so, als hätte er jeden Moment zudrücken wollen.Sie war erst noch in dem Raum geblieben, unschlüssig, was zu tun war. Die Tür war nicht verschlossen, aber dennoch hatte sie sich gescheut, sofort das Zimmer zu verlassen. Der Dunkle Lord hatte seine Anhänger zusammengerufen, dass war ihr klar gewesen. Sie kannte das Todesserzeichen. Bei ihrem Vater hatte sie es einmal gesehen, als er gerade aus dem Bad gekommen war. Es war das erste und das letzte Mal gewesen. Helen hatte sich schließlich doch aus dem Zimmer getraut und war den langen Gang entlang gehuscht. In der Ferne war Lärm zuhören gewesen und sie hatte gehofft, dass alle abgelenkt waren, so dass sie hätte fliegen können.
Der Todesser, die sie jetzt an die Wand presste, hatte ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Woher er so plötzlich aufgetaucht war, hätte sie nicht sagen können. Sie wusste nur, dass er ihre Hände zielsicher in ihren Schritt hatte wandern lassen. Sobald der blonde Unbekannte aufgetaucht war, war eine Änderung in dem Körper des Todessers vorgegangen. Er versteifte sich mehr und mehr und schien auf einmal gereizt und auf eine eigene Art und Weise unentschlossen zu sein.
Der Unbekannte! Helen stöhnte stumm. Malfoy. Nur einer konnte gemeint sein, der Erzfeind ihres Vaters. Wäre die Situation nicht so ernst gewesen, sie wäre in Gelächter ausgebrochen. So gestattete sie sich lediglich ein Grinsen. „Was grinst du so?", blaffte der Todesser sie an und Helen biss sich auf die Lippen. Es war fast nicht zuglauben, dass sie ausgerechnet dem verhassten Mann ihres Vaters begegnet war. Sie warf ihm rasch einen Blick zu. Galt der Spruch: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund?" Sie hatte wenige Möglichkeiten. Um genau zu sein, nur zwei. Entweder sie verhielt sich passiv und legte so ihr Schicksal in Merlins Hände. Oder sie musste sich für einen der beiden Männer entscheiden. Ihr analytischer und rationaler Verstand wählte sofort. Der Todesser schied aus. Malfoy hatte sich wenigstens anständig ihr gegenüber benommen. Auch wenn sie ihm nicht über den Weg traute, so war er im Moment wohl die beste Alternative.
Wieder sah sie zu dem Todesser auf. „Ich danke Ihnen, dass Sie mich vor diesem Scheusal gerettet haben", flötete sie und nickte in Malfoys Richtung. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass er für einen Moment irritiert die Stirn runzelte. „Es war so grauenvoll. Ich bin so unglaublich froh, dass Sie mich erlösen", schmeichelte sie weiter und hoffte, einen einigermaßen überzeugenden Gesichtsausdruck aufgesetzt haben zu können. Der Todesser starrte sie verblüfft an, bevor sein Blick begehrlich über ihre festen Brüste wanderte. „Wir könnten viel Spaß haben", hauchte er verzückt. Dann hob er seine Stimme und sagte, ohne sich zu seinem Widersacher umzudrehen. „Du scheinst doch nicht der Hengst im Bett zu sein, wie alle behaupten." Er wartete keine Antwort ab, sondern vergrub sein Gesicht an ihrem Hals.
Helen zitterte. Der Todesser nahm an, vor Begehren. Sie wusste es besser, sie bebte vor Ekel. Dies war der günstige Zeitpunkt für Malfoy, um einzugreifen. Doch nichts geschah. Als sie zu ihm rüber sah, erkannte sie, dass seine Mundwinkel amüsiert zuckten und er mit verschränkten Armen an der Wand lehnte. Als er ihren Blick erwiderte machte er eine Geste, die wohl soviel hieß wie: ‚Was brauchst du mich, du kommst doch gut allein klar.'
Sie versuchte sich aus dem Griff des Todessers zu befreien, doch noch immer drängte er sich schraubstockartig gegen sie. Erneut warf sie dem blonden Mann einen giftigen Blick zu. Dieser stieß sich von der Wand ab und schlenderte lässig auf die beiden zu. Helen verfluchte diesen Mistkerl insgeheim. Sah er nicht, dass sie sich wirklich ekelte?
Scheinbar kam er zu dem gleichen Schluss, denn eine Sekunde später, lag der Todesser gelähmt auf dem Boden und funkelte die beiden böse an. Malfoy legte seine Stirn in Falten. „Nicht nett, sich einer Lady aufzudrängen", murmelte er. „Und gar nicht nett, wenn es sich um meine handelt." Er zielte mit seinem Zauberstab auf den bewegungsunfähigen Mann und ließ ihn vor sich herschweben. Dabei sah er hin und wieder hinter eine der Türen, die so zahlreich vertreten waren, und hielt schließlich vor einer an, die sich als Besenkammer entpuppte. Den Todesser ließ er auf das Regal schweben, inmitten der magischen Putzmittel. „In drei Tagen kommt die Putzkolonne", äußerte er lapidar. „Bis dahin können Sie sich über ihre Tat Gedanken machen." Er drehte sich um und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen.
Kurz schüttelte Malfoy den Kopf, so als wollte er sämtliche negative Gedanken vertreiben. Dann drehte er sich mit einem strahlenden und unglaublich unwiderstehlichen Lächeln zu Helen um. Er hielt ihr einladend den Arm hin. „Frühstück?"
Begriffe:
- sraka, russ.: Arsch, Arschloch, Gesäß