Disclaimer: Gundam Wing und die Charaktere gehören nicht mir sondern Sunrise und Bandai. Ich verdiene auch kein Geld mit dieser Geschichte.
Kommentar: Vielen Dank für den Kommentar. Ein großer Ansporn und ich habe ja richtig ein schlechtes Gewissen, dass die neuen Teile länger auf sich warten ließen. Es scheint ja wirklich Leute zu geben, die diese Geschichte mögen. ;)
Dafür ist dieses Kapitel extra lang. Quasi als Abschied aus Germanien, jetzt geht es auf in Richtung Rom.
Mit ist außerdem aufgefallen, dass ich noch kein Wort über das Alter unserer Protagonisten verloren habe. Das muss ich dringend nachholen: Ich dachte mir, dass Treize Ende 20 ist. Das ist zwar etwas jung für einen Legaten, der in der Regel schon ein erfahrener Feldherr war, aber Treize traut man ja schließlich alles zu.
Heero und Quatre sind 22 oder 23. Tribune waren in der Regel junge Adlige, die mit 25 in den Staatsdienst gingen.
Trowa dürfte etwas jünger sein und etwa so alt wie Zechs. Duo, das Nesthäkchen, ist 16.
Kapitel 18
„Duo, warte." Heeros Stimme hatte einen eindringlichen, aber auch flehenden Ton, angenommen. Doch Duo schien es nicht zu hören, oder vielleicht wollte er es auch nicht. Denn sobald sie das Zelt des Legaten verlassen hatten, riss sich der Diener los und eilte in Richtung Tor davon.
Heero wollte ihm nur zu gerne nacheilen, aber seine Verletzung am Bein war ihm zu hinderlich. Wenn Duo nicht mit ihm reden wollte, so konnte Heero nichts machen und den Wachen zu befehlen, dass sie Duo zu ihm bringen sollten... Nun ja, das hätte wohl eher den gegenteiligen Effekt gehabt.
Trowa trat neben Heero und drückte ihm die Schulter. „Lass ihn sich erstmal beruhigen, aber dann rede mit ihm." Trowa sah ihm in die Augen und wartete bis Heero ein zustimmendes ‚Hn.' von sich gab. Da lächelte der andere und ging in Richtung des kleinen Zeltes davon, das Sally bewohnte und wo er heute Nacht schlafen würde.
Heero wusste, dass Trowa recht hatte, er musste mit Duo über all das reden. Ja, er war verliebt gewesen in Trowa. Auf eine gewisse Art und Weise war er es sogar heute noch, aber das war ganz anders als die Liebe und Zuneigung, die ihn mit Duo verband. Trowas und seine Beziehung fußte auf ganz anderen Grundlagen. Er hatte Duo keineswegs betrogen, auch wenn dies für den jungen Diener so ausgesehen haben mochte als er das Zelt des Tribuns betreten hatte.
Hoffentlich war Duo nicht in den Wald gegangen. Heero schüttelte vehement den Kopf. Nein, so dumm würde Duo nicht sein. Sicher trieb er sich in der Nähe des Tores herum. Jedoch konnte Heero nicht leugnen, dass er sich bedeutend ruhiger fühlen würde, wenn er wüsste, wo sich Duo aufhielt. Leider war Duo nun einmal sehr unberechenbar, wenn er aufgebracht war.
Um sich abzulenken, humpelte Heero zu Quatres Zelt. Womöglich hatte Quatre auch etwas von dem Streit mitangehört und zog jetzt ebenfalls die falschen Schlüsse. Heero wollte keineswegs, dass sich Trowa und Quatre deswegen entzweien würden. Die beiden Männer hatten schon genügend Schwierigkeiten, durften sie sich ja nicht sehen bis die Legionen wieder zu Hause in Rom waren. Kaum ein wusste es besser als Heero wie lang und beschwerlich diese Rückreise noch werden würde.
Doch um Quatre hätte er sich keinerlei Sorgen zu machen brauchen. Sally war noch bei dem Tribun und hatte sich um die Wunden gekümmert. Ebenfalls hatte sie ihm wohl etwas Mohnsaft eingeflößt, denn Quatre schlief tief und fest. Sein Rücken war bedeckt mit einem großen Stück Leinen und Heero roch das süße Aroma von Honig, mit dem die Ärztin wohl die Peitschenhiebe behandelt haben musste.
„Was war denn da los?", erkundigte sich Sally und unterzog Heero einer eingehenden Musterung, sicher entging ihr der hässliche Kratzer an seinem Hals nicht. Dann verschloss sie einen der zahlreichen Tiegel und verstaute ihn in ihren Arzneikorb.
Heero war kurz angebunden. „Ein Missverständnis." Hatte man es etwa so deutlich gehört, dass sich Trowa und Duo gestritten hatten und dass Treize hatte eingreifen müssen? Überhaupt war Heero etwas erschrocken gewesen über das Verhalten des Legaten. Es geschah bei weitem nicht oft, dass Treize so deutlich seine Emotionen zeigte. Doch gerade eben hatte man es Treize deutlich angesehen, wie müde und aufgekratzt er doch war. Kein Wunder. Auf Treize lastete ja auch die meiste Verantwortung. Heero hatte durchaus Sympathie für den Legaten.
„Was ist mit Treize?", sprach dann Sally auch noch Heeros Gedanken aus. Der schweig und wusste nicht, was er überhaupt sagen sollte. Sally kannte Treize schließlich besser als sie alle.
Sie seufzte nur. „Es wird Zeit, dass wir zurückgehen nach Rom." Dann beugte sie sich zu Quatres Liege hinab und legte ihm eine Hand auf die Wange. Sie schien zufrieden zu sein, lächelte sie nämlich schwach. „Armer Junge.", meinte die Ärztin nicht ohne Mitgefühl.
„Er hatte Glück, hoffentlich weiß er es zu schätzen."
Sally schien sichtlich schockiert über diese Worte. „Glück?!"
„Für das was er getan hat, hätte Treize ihn ans Kreuz schlagen lassen können." Dies war die Wahrheit so grausam das klang. Sally war dies wohl bis jetzt nicht bewusst gewesen.
„Wird es Narben geben?" Heero war es fast Angst um diese Frage.
„Nein. Wenn alles gut verheilt nicht." Sie nickte Heero kurz zu und ging dann nach draußen.
Da Heero nicht allein sein wollte, nahm er sich einen Stuhl und setzte sich Quatre gegenüber. Der andere Tribun atmete lang und tief wie es nur Schlafende tun und Heero hoffte, dass etwas von dieser Ruhe auch auf ihn übergehen würde.
Als er dann später wieder vor das Zelt trat, stellte er mit Erschrecken fest, dass es wieder begonnen hatte zu schneien. „Oh Duo.", entfuhr es Heero und er presste die Lippen fest aufeinander. Wo war der Diener denn nur? Wenn er bei diesem Wetter so lange draußen war, dufte sich Duo nicht wundern, wenn er sich eine Unterkühlung und Erkältung einfangen würde.
Heero würde bei den Wachen am Tor nachfragen, diese hatten Duo ja wahrscheinlich gesehen. So schnell es ging holte er noch seinen dicken Mantel und humpelte dann in Richtung Tor davon. Doch auf halbem Weg dorthin kam ihm – oh Wunder – niemand anders als Duo entgegen. Der junge Mann hatte seinen Blick starr auf den Boden gerichtet und lief brüsk an Heero vorbei. Der sagte nichts, wandte sich nur um und ging Duo nach, bedeutend langsamer, aber mit schnell schlagendem Herzen.
Wie Treize es befohlen hatte, ging Duo nicht zurück in das Zelt des Legaten. Er schlug auch nicht den Weg zu Sally ein, sondern wandte sich vor Heeros Zelt nur kurz um und ging dann hinein.
Heero folgte ihm und als er Duo aus der Nähe betrachtete, fiel ihm auf, dass dieser völlig durchnässt war und tatsächlich vor Kälte mit den Zähnen klapperte.
Heero legte seinen eigenen Mantel ab. „Zieh die nassen Sachen aus.", riet er und reichte Duo das Kleidungsstück, dem noch etwas von seiner eigenen Körperwärme anhaftete. Duo überlegte, ob er es denn annehmen sollte, doch dann siegte die Vernunft und zum ersten Mal sah er auch Heero direkt in die Augen.
Was Heero da sah, das schmerzte ihn mehr als die Schläge und den hässlichen Kratzer an seinem Hals. Hatten Duos Augen zuvor bei Treize noch eine wilde Rage versprüht, so fand sich jetzt darin nur noch Trauer und Schmerz.
„Duo, ich mache es wieder gut. Versprochen.", raunte Heero und drückte den Diener in einen Stuhl, der sich inzwischen ausgezogen hatte und in den Mantel hüllte.
Duo schnaubte nur verächtlich. Ließ es aber zu, dass Heero den schweren Zopf auf flocht und die Strähnen entwirrte. Als er schließlich kaum noch länger stehen konnte und Duos Haare fast wieder trocken waren, stellte Heero auch befriedigt fest, dass Duo nicht mehr so sehr zitterte.
Heero ging noch einmal nach draußen und holte etwas von dem warmen Gewürzwein, der vor dem Zelt des Legaten über dem Feuer hing. Treize würde es ihm nicht verübeln, wenn sich Heero etwas von dem Gebräu nahm. Er reichte Duo einen Becher davon und setzte sich dann neben ihm auf den Boden. Heero war peinlich darauf bedacht seinen Geliebten nicht weiter zu berühren, aber er wollte ihm auch nahe sein.
Duo wartete nur darauf, dass Heero endlich das Wort ergriff, aber es brauchte noch bis ihre Becher fast zur Hälfte geleert waren, Heero endlich sprach. „Ich habe dich nicht betrogen, nie. Das musst du mir glauben."
Duo zuckte nur mit der Schulter. Die Geste schien zu sagen. ‚Das kannst du ruhig behaupten.'
„Trowa und ich, wir kennen und schon sehr lange. Schon lange bevor du zu Treize gekommen bist. Wir sind gute Freunde."
„Was hast du gemeint, als du sagtest bei ihm könntest du schwach sein, aber nicht bei mir." Duo sprach nur leise und nippte an dem Wein.
Heero holte tief Luft und stärkte sich ebenfalls nochmals an dem Getränk. „Es scheint so als ob ich es dir von Anfang an erzählen müsste...", begann er dann und schloss die Augen...
... Heero Yuy war keineswegs erfreut darüber. Oh nein, eigentlich hielt er es für die schlechteste Idee aller Ideen, die Qurinius je gehabt hatte.
Die Tatsache an sich, dass sich ihre kleine Gruppe von jungen, übermütigen Offizieren im Freudenhaus des Phaidons aufhielten, war nicht unbedingt so ungewöhlich. Zwar war die römische Gesellschaft recht prüde, ganz im Gegenteil zu ihren griechischen Nachbarn oder gar den Ägyptern. Doch hinter verschlossener Tür und vorgehaltener Hand waren zahlreiche ausschweifende Orgien im Gange. So auch heute Abend bei Phaidon und seinen Lustknaben. Und auf manche der Sklaven, die hier ihren Körper anboten traf die Bezeichnung ‚Knabe' wohl auch zu. Heero fragte sich, wie alte diese Jungen denn sein mögen. Doch die Mehrzahl der Sklaven waren junge Männer – etwa in Heeros Alter – allesamt äußert gut aussehend. Für jeden Geschmack war etwas dabei: Griechen, die an ihren athletischen Körper kein einziges Haar trugen. Sanft gebräunte Ägypter, die exotisch geschminkt waren und teuren Leinen gehüllt waren. Oder auch Nubier aus den entlegensten Gebieten des römischen Reiches. Ihre dunkle, fast schwarze Hautfarbe, ein sonderbarer Kontrast unter den hellhäutigeren Römern.
Ja, sogar Heero fühlte sich zu dem ein oder anderem dieser Sklaven hingezogen und war auch dem Gedanken sich mit einem zu vergnügen nicht abgeneigt. Doch wollte er seine erste Erfahrungen mit dem eigenen Geschlecht nicht unbedingt im Kreise seiner halb betrunkenen und johlenden Kameraden erleben, die zweifelsohne mit guten Ratschlägen nicht geizen würden.
Qurinius hatte sich einen großzügigen Raum bei Phaidon gemietet und gleich für die ganze Nacht bezahlt. Statt, dass sich die Männer mit ihren Liebhabern in kleine, getrennte Zimmer zurückziehen konnten, wurden hier die fünf Sklaven mehr oder weniger brüderlich unter den zehn Anwesenden, Heero ausgenommen, geteilt.
Als ihn dann besagter Qurinius kollegial einlud einmal den jungen Griechen auszuprobieren, der gefesselt auf dem Divan lag, erhob sich Heero und trat nach draußen auf die Galerie.
Doch das Bild das sich hier bot war nicht viel anders. Unter ihm im großen Innenhof des luxuriös ausgestatteten Gebäudes war eine Orgie im Gange, die die, welche Heero gerade verlassen hatte, noch in den Schatten zu stellen vermochte.
Einige Männer standen wie Heero auf der Galerie und blickten nach unten, manche zeigten ganz offen, wie sehr sie der Anblick der vielen, sich regenden und in höchster Ekstase zuckenden Körper erregte.
Heero kam sich immer verlorener vor und fragte sich, warum er denn überhaupt mitgekommen war. Doch erstaunlicherweise erkannte er einige der höherrangigen Offiziere unter den Gästen des Hauses. Tribun Marcellus, der Heero heute Morgen noch angeschnauzt hatte, er solle besser auf die Pflege der Rüstungen bei seinen Männern achten. Heero wollte sich gerade abwenden, da wurde er eines anderen Mannes gewahr, der auf die Galerie hinaustrat, einen Arm um die schmale Hüfte seines Liebhabers geschlungen.
„Ich glaube, ich werde zu alt dafür." Der Mann lachte über seinen eigenen Witz, denn wie Heero wusste war Treize Khushrenada noch sehr jung und bereits ein einflussreicher Offizier in der römischen Armee, dem von Manchem eine große Karriere in Aussicht gestellt wurde. Doch Heero hatte nicht gewusst, dass dieser Mann, der auf den Schlachtfeldern so diszipliniert war und einer der besten Schwertkämpfer der römischen Armee war, auch zu jener Sorte Mann gehörte, die sich in Freudenhäusern der speziellen Art herumtrieben.
„Ich werde zu alt.", wiederholte Treize und küsste seinen Liebhaber. „Die Sklaven immer jünger..." Er blickte in den Vorhof und auf das sonderbare Arrangement von männlichen Leibern auf einem der Esstische. „...und die Anzahl der Schwänze, die man in die Sklaven zu stecken versucht immer größer.", kommentierte er das Geschehen unter ihnen und wandte sich dann kopfschüttelnd ab.
Heero blickte schnell in die andere Richtung und hoffte, dass Treize ihn nicht erkannt hatte. Denn erst vor zwei Wochen war er dem Offizier auf dem Exerzierplatz begegnet, wo Treize sich ausgesprochen löblich über Heeros Centurie geäußert hatte.
Während Heero nach links blickte, entdeckte er einen jungen Mann. Er schien wohl zu den Sklaven zu gehören seinem Alter und dem verführerischen Aussehen nach zu urteilen. Seine braunen Haare bedeckten teilweise das Gesicht und er trug nur eine kurze, knapp geschnittene dunkelgrüne Tunica. Das Kleidungsstück reichte dem Sklaven kaum bis zu den Knien.
Bevor sich Heero auch nur im Klaren darüber war, was er tat, nähere er sich schon dem Sklaven und stellte dabei fest, dass dieser zu jener Sorte Mann gehörte, die ihren Körper im Gymnasion stählten, denn seine Waden war so trainiert, wie die eines Läufers während seine Schultern und Oberarme verrieten, dass er oft Speere schleudern musste.
Der Mann hatte Heero bemerkt, blickte ihn an und Heero hielt unwillkürlich die Luft an als er diese grünen Augen sah. Er fasste mit einer Hand an das Geländer neben ihm, so als ob er sich festhalten müsste um nicht zu fallen.
Diese Augen, dieser abschätzige Blick. Der junge Sklave lächelte als er Heeros Verhalten sah, stieß sich von der Wand ab an der er gelehnt hatte und ging auf Heero zu. Der konnte nur weiter in diese grünen Tiefen blicken und wehrte sich nicht als ihm sein Gegenüber eine Hand an die Wange legte und ihm mit dem Daumen über die Lippen strich bevor er ihn lange und sanft küsste.
„Wie soll ich dich nennen?", stammelte Heero als ihm endlich wieder genügend Luft zum Sprechen zur Verfügung stand. Er war noch nie geküsst worden... zumindest nicht so, nicht so sanft und doch mit einer gewissen Stärke und verborgener Kraft. War es das, warum sich manche Männer zu ihrem eigenem Geschlecht hingezogen fühlten? Jene unterschwellige Stärke und Brutalität, die gerade in den leidenschaftlichen Momenten zum Vorschein kam?
„Trowa.", kam die geraunte Antwort.
„Trowa?"
„Einfach nur Trowa."
Besagter Trowa zog ihn mit sich und stieß eine Tür weiter hinten auf dem Stockwerk auf. Er ließ Heero zwar den Vortritt, aber sobald sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, griff er nach Heeros Gürtel und küsste ihn erneut.
„Ich hatte noch nie... einen Mann." Heero hielt Trowas Hand fest, die sich unter seinen Leibschurz geschoben hatte.
Trowa sah überrascht auf. „Wirklich nicht?"
Heero überkam ein Schauer bei dieser sinnlich tiefen Stimme. Wie unter dem Bann eines mächtigen Zaubers schüttelte er den Kopf und ließ sich weiter zurückdrängen, bis er auf das Bett fiel.
Der Sklave lächelte liebevoll. „Das wundert mich."
„Warum?", fragte Heero völlig unschuldig und konnte sich keinen Reim auf diese Bemerkung machen.
Das amüsierte Trowa noch mehr. „Du könntest Modell stehen bei einem Bildhauer." Dies war wohl als Kompliment gemeint.
„Du auch." Heero wusste nicht, was er mit seinen Händen machen sollte. Am liebsten wollte er sie in das Bettlaken unter ihm krallen als Trowa sich über ihn beugte und den Saum von Heeros Tunica anhob. Doch dann wollte er auch die braunen Haare des Sklaven berühren und dessen Haut, die einen leichten goldenen Schimmer aufwies. Trowa richtete sich schließlich auf und drückte ihn die Kissen zurück.
„Entspann dich. Du musst nichts tun, nur genießen." Zur Verdeutlichung ließ er einen Finger unter Heeros Schurz wandern und erkundete damit den bereits aufgerichteten Schaft. „Keine Sorge, ich kümmere mich um dich.", wisperte Trowa noch bevor er sich entkleidete und auf Heero legte.
Was folgte sollte für den jungen Offizier eine ganz besondere Nacht sein. Noch nie in seinem Leben hatte er sich einem anderen Menschen so ausgeliefert und blind diesem vertraut. Während Trowa zwischen seinen Beinen kniete, dachte Heero daran dass dies wohl all jenem widersprach, das man ihm seit Kindheit an gelehrt hatte: Immer wachsam sein, nie Schwäche zeigen und niemandem vertrauen. Und was tat er hier. Er war verwundbar, er hatte keine Waffe mit der er sich verteidigen konnte. Er kannte diesen Mann nicht einmal, abgesehen von dessen Namen und der Tatsache, dass er sehr gut mit seiner Zunge umgehen konnte, wie Heero mit einem lauten Stöhnen kundtat.
Trowa stieß Heeros Hände, die dem Sklaven auch etwas Lust bereiten wollten, sanft zur Seite. Obwohl es doch eigentlich Trowas Aufgabe war, genau dies zu tun, nämlich seine Kunden zufrieden zu stellen, wunderte sich Heero darüber, dass der Sklave so völlig uneigennützig und freigiebig war. Heero in immer größere Höhen der Ekstase katapultierte während er selbst nur wieder dieses leise Lächeln zeigte und sich damit begnügte Heeros Gesicht zu betrachten, während dieser sich schon beinahe bei den Göttern wähnte. So allumfassend und markerschütternd waren die Empfindungen, die durch seinen Körper jagten und seinen Verstand benebelten.
Später blickte Heero wieder in diese grünen Augen, sah die Lust darin und offene Zuneigung während Trowa seine Hände an Heeros Hüfte legte und ihm bedeutete still zu liegen, während er langsam in ihn eindrang, sich dabei langsam vorantastete bis er sich sicher sein konnte, dass Heero nach mehr begehrte.
Es musste schon fast dämmern als sie beide endlich ruhig dalagen. Heero genoss es, dass ihn Trowa noch immer umschlungen hielt und ihn seine Wärme spüren ließ. Der Atem des Sklaven strich sanft über Heeros Wangen und der rückte noch näher an den Körper hinter ihm heran. „Wie lange lebst du schon bei Phaidon?", murmelte Heero und konnte den Gedanken nicht so recht ertragen, dass Trowa dies auch bei anderen Kunden tun würde.
Trowa stutzte und dann vibrierte seine Brust vor Gelächter. „Hast du etwas gedacht ich wäre einer der Sklaven?"
Heero wurde vor Scham rot und wollte sich erheben als er dies gehört hatte, doch Trowa hielt ihn zurück. „Hast du etwa gedacht, ich hätte das getan, weil es meine Aufgabe sei?" Er beugte sich Heero um in dessen Augen blicken zu können.
„Hast du nicht?"
„Nein."
„Warum dann?" Heero konnte das nicht verstehen, wenn es nicht Trowas Aufgabe gewesen war mit ihm das Lager zu teilen, warum war dann dieser überhaupt mit ihm in das Zimmer gegangen?
„Ich wollte es ganz einfach." Trowa zuckte mit der Schulter. „Mein Herr ist heute Abend hier, du kennst ihn vielleicht Treize Khushrenada, und er hat mir gestattet mich ebenfalls zu vergnügen. Als ich dich gesehen habe, da wollte ich dich einfach."
Das konnte Heero nicht verstehen. Trowa wollte ihn? Wie konnte das sein?
Heero hatte schon als Kind früh gelernt, dass niemand ihn wollte. Ihn einen Bastard, der ohne Namen und ohne Besitz aufgewachsen war. Sein Ziehvater, ein berühmt berüchtigter Spion und Auftragsmörder, hatte ihn nur angenommen, weil Heero der stärkste der Jungen gewesen war, die sich um eine Kante Brot geprügelt hatten.
In seiner Kindheit hatte Heero nie Liebe erfahren oder eine zärtliche Berührung. Nie hatte ihm jemand wie Trowa über die Wange gestreichelt oder ihm einmal ein Kompliment gemacht.
Odin hatte ihm lediglich anerkennend auf die Schulter geklopft als Heero seinen ersten Menschen getötet hatte und ihn dann gerügt, weil Heero sich in den nächstbesten Busch übergeben hatte. Von jenem Augenblick an hatte Heero das Gefühl gehabt, dass es in seinem Innersten, immer kälter geworden war. Doch in der vergangenen Nacht war es ihm, dass wieder Wärme in ihm zurückgekehrt war. Trowa hatte dieses kleine Wunder vollbracht. Trowa mit diesen grünen Augen, die ihn jetzt so liebevoll anblickten.
Auch zu weinen hatte er nie gelernt doch jetzt konnte er nicht anders und eine Träne rann über sein Gesicht, dann noch eine und schließlich fand er sich in der Umarmung des jungen Mannes wieder, hatte die Stirn an dessen Hals gelegt und weinte um all jene Jahre, die er ohne menschliche Wärme und Zuneigung verbracht hatte...
... „Ich wusste nicht, dass du ohne Eltern aufgewachsen bist.", murmelte Duo und rückte noch ein Stückchen näher an Heero heran. Während dessen Geschichte hatten sie beide auf dem Bett Platz genommen und Duo hatte es bald zugelassen, dass Heero ihn berühren durfte. Erst nur ganz zaghaft am Bein, aber jetzt hielt Duo Heero eng umschlungen fest. Die Stimme des Tribuns war gegen Ende leise geworden und brüchig, so als ob die Tränen allein bei der Erinnerung an seine Kindheit hochsteigen würden.
„Odin war mein Vater.", erzählte Heero. „Er hat mir zu essen gegeben und mich..." Heero schluckte krampfhaft. „...unterrichtet. Bis er dann selbst bei einem Auftrag getötet wurde. In seinem Testament hat er mich zum Alleinerben gemacht. So bin ich an das Geld gekommen und den Landsitz vor Rom. Aber das alles kann eine verlorene Kindheit nicht aufwiegen."
„Du hast es mir nie erzählt. Warum nicht?"
„Du bist immer so fröhlich und ausgelassen. So wie ich es oft sein wollte, aber nie konnte. Selbst heute noch nicht kann. Ich wollte dich nicht mit damit beschmutzen. Ich wollte nicht sehen, wie du dich damit herumschlagen müsstest, mit meinen Erinnerungen. Wie sich den Blick vernebeln würde, wenn du mich siehst und daran denkst, was ich wohl alles schon habe erleben und erdulden müssen."
„Und Trowa? Ihm hast du es erzählt!"
„Er ist der Einzige, dem ich es je erzählt habe... Bis heute." Heero blickte auf und umfasste Duos Gesicht mit den Händen. „Es tut mir leid. Ich war zu schwach um mich meiner Vergangenheit alleine zu stellen und dadurch habe ich dich verletzt. Dabei ist es genau das, was ich vermeiden will. Ich will dich beschützen Duo, dass du nie deine Ausgelassenheit verlierst, nie deine Fröhlichkeit einbüßen musst. Das liebe ich doch so an dir."
„Oh Heero." Duo zerzauste Heeros Haar. „Du bist so ein Dummkopf." Der junge Diener war sichtlich gerührt von diesem Geständnis. Er legte sich auf das Bett und zog Heero an sich.
Schweigend verbrachten sie die Nacht, doch ihre zuerst zaghaften Berührungen sprachen mehr als tausend Worte und bauten das verlorene Vertrauen wieder auf.
Treize hatte es tatsächlich geschafft zwei Stunden auf den für seinen Rücken doch sehr ungewohnten Liegen der Sklaven schlafend zu verbringen.
Doch als er dann erwacht war, hatte nur dagelegen und an die Zeltplane über ihm gestarrt. Er befand sich in jenem seltsamen Zustand, der sich irgendwo zwischen körperlicher Erschöpfung, aber geistiger Erregung befand. Jeder Muskel schrie nach Schlaf, aber in seinem Kopf drehten sich die Gedanken im Kreis und wollten nicht zur Ruhe kommen.
Schließlich stand er auf und setzte sich an seinen Schreibtisch. Dort lagen noch die Papyri, die ihm die Boten heute gebracht hatten. Eines der Schriftstücke hatte ihn besonders in Aufregung und Unruhe versetzt. Es war ein Schreiben vom Senat und Treize tippte mit den Fingern gegen die raue Unterlage des Blattes. Was sollte er davon nur halten?
Er stand wieder auf und wanderte im Zelt auf und ab. Warum würde ihm der Senat so einen Freibrief erteilen? Warum wurde ihm erlaubt mit den Truppen den Rubicon zu überschreiten. Der Fluss war die offizielle Grenze zwischen dem eigentlich Kerngebiet des römischen Reiches und den Provinzen. Und wohl jedes Kind in Rom seit Julius Ceasar wusste wohl was es bedeuten konnte, wenn ein Feldherr diesen Fluss mitsamt Truppen durchquerte und auf die Stadt zumarschierte.
Es musste einen Grund haben, warum der Senat so etwas billigte. Aber dabei hatte Treize keinerlei Ambitionen gehegt dies überhaupt zu tun. Viel eher hatte er die Legion in der Nähe von Vindonissa stationieren wollen und nur mit seiner Leibwache und einer handvoll übriger Soldaten, Verwundete und Männer, die bald ihren Dienst beendeten, nach Rom zurück reisen wollen. Warum also? Steckte der Kaiser selbst dahinter, das musste er wohl. Aber warum?
Treize wusste, dass einige Senatoren erwarteten er würde in Germanien bei seiner Legion bleiben und dort den Statthalter spielen. Einem Legat stand dies durchaus zu und Treize war sich dessen auch bewusst gewesen als ihn der Kaiser vor zwei Jahren mit diesem Titel ausgestattet hatte. Aber Treize wollte nicht hier im Norden bleiben. Lieber gab er seinen Rang wieder ab und er konnte nach Rom zurück. Nun, und nach Rom zurückkehren, das hatte ihm der Senat jetzt sogar gestattet... mit samt den Truppen.
Treize stöhnte gequält und rieb sich die Schläfen, schon wieder begannen seine Gedanken sich in wirren Hirngespinsten zu verstricken. Er ging in den abgetrennten Bereich des Zeltes wo sein Bett stand und schaute nach dem Germanen. Doch – wie sollte es auch anders sein – der Mann schlief tief und fest und nichts schien ihn aufwecken zu können.
Vielleicht würde ein Becher mit gewürztem Wein die nötige Bettschwere herbeiführen und er trat vor sein Zelt wo über dem Feuer ein Krug mit eben jenem Getränk hing. Natürlich war es eine potentielle Versuchung für die wachhabenden Legionäre sich während ihrer Rundgänge einen Schluck zu genehmigen, doch dies traute sich niemand seit Treize einmal einer ganzen Kohorte die Rationen gekürzt hatte, weil jemand nachts von dem Wein getrunken hatte.
Treize blieb noch einen Moment am Feuer stehen. Die Flammen züngelten munter in die Höhe und waren nicht völlig erstorben so dass ein angenehm warmer Hauch über seine Beine strich, er trug keine Hose, und sich die Wärme unter seiner Tunica sammelte.
Einer der Legionäre, der Wache schob kam gerade an seinem Zelt vorbei, und grüßte ihn pflichtbewusst. Treize lächelte nur und winkte ihn dann näher zu sich heran.
Decimus gehörte zur Treizes persönlichen Leibwache und auch wenn Treize von ihr nicht sehr häufig Gebrauch machte, kannte er doch die Männer dieser Truppe alle beim Namen. Für den jungen Decimus war dieser Kriegszug nach Germanien etwas Besonderes, denn noch nie war er so lange von zu Hause und seiner Familie getrennt gewesen. Treize hatte ihn als sie im letzten Sommer in Vindobona gelagert hatte mitten in der Nacht hinter den Latrinen gefunden, weinend und schluchzend. Nach einer Karaffe Wein hatte Treize dann den Grund für die offensichtliche Traurigkeit des Jungen herausgefunden: Heimweh und Sehnsucht nach seinem Geliebten. Über dieses Tatsache hatte sich Treize gewundert. Der junge Legionär hätte zahlreiche Geliebte haben können, doch seine Gesicht wurde von einer langen Narbe gezeichnet, die seine rechte Augenbraue spaltete und sich bis zum Kinn über die Wangenknochen hinwegzog. Die Götter mussten ein Einsehen mit Decimus gehabt haben, denn eine Fingerbreit tiefer und er hätte sein Augenlicht verloren.
Aber nichtsdestotrotz Decimus hatte einen Geliebten und schien besonders eng an jenem zu hängen auch wenn sich diese Zuneigung im Laufe des Winters etwas abgekühlt hatte. In ihrem vorhergehenden Lager hatte Treize Gerede gehört, dass sich Decimus und Lucius so ungeniert die Nächte zusammen vertrieben hatten, dass die Kameraden sie baten ihr Zelt doch bitte weit weg von den übrigen Unterkünften aufzustellen.
Doch Treize hatte es nicht als nötig erachtet einzuschreiten, so lange seine Männer tapfer kämpften konnte es ihm egal sein, wie sie ihre Nächte verbrachten.
Natürlich war Treize genau dieses Detail besonders im Gedächtnis haften geblieben. Sallys Bemerkung, dass es genügend willige Soldaten gebe, nun ja, hier hatte Treize so einen vor sich. Er fragte sich, ob er denn aus diesem Grund Decimus zu sich gewunken hatte. Und wenn er näher darüber nachdachte, bei den Göttern, Treize hätte nichts dagegen, wenn sich der Legionär auf der Stelle ausziehen würde und er ihn hier und jetzt am Lagerfeuer von hinten nehmen könnte. Den vom Kampf und stundenlangem Exerzieren gestählten Körper in die Boden drücken könnte, die Hände des Mannes mit den seinen verschlungen und die sinnlichen Lippen hungrig mit den seinen zu versiegeln.
Decimus gesellte sich zu Treize und akzeptierte einen Becker von dem Wein als Treize ihm diesem schweigend anbot und sein Gewicht von einem Bein auf das andere verlagerte um so seinen Mantel etwas geschickter zu drapieren, damit nicht auffiel was für eine Wirkung dieses Bilder in seinen Gedanken hatten.
„Heute war ein sonderbarer Tag.", begann Decimus schüchtern und blickte zu Treize hinüber. „Man redet viel."
„Ah? Was redet man?" Treize erwiderte den Blick und stellte mit einem gewissen Grad von Überraschung fest, dass er in den Augen des Legionärs eine bereitwillige Zustimmung ablesen konnte. Der Mann wäre nur zu gerne bereit sich ihm hinzugeben.
Treize wandte den Kopf wieder dem Feuer zu und fragte sich, ob man es ihm wirklich so sehr ansah, wie sehr er sich nach einem warmen Körper und fleischlichen Gelüsten sehnte, die damit einhergingen.
„Manche sagen, ihr hättet dort im Zelt eine Geliebte versteckt. Stimmt das?"
Hörte Treize da einen enttäuschten Unterton? Er lachte auf und schüttelte den Kopf. „Ich fürchte nicht. Nein. Aber es war ein sonderbarer Tag, so viel steht fest."
Ermutigt von Treize Lachen fuhr Decimus fort. „Das Feuer bei den Pferden. Glaubt ihr es war Verrat."
Dies wiederum war ein ernstes Thema und Treizes Lächeln gefror ihm auf den Lippen. Gerede von Verrat in den eigenen Reihen war wie Gift für den Zusammenhalt der Truppe. Besser er räumte dieses Gerüchte aus der Welt. „Nein, ich bin mir sogar sehr sicher, dass es keiner von unseren Männern war."
Decimus blickte ihn fragend an doch Treize genoss zuerst noch einen Schluck Wein, bevor er weiter sprach. „Bei der Schlacht wurde ein Fürst der Germanen von uns gefangen genommen."
Die Augen des Legionär neben ihm weiteten sich vor Neugier und Überraschung, wie Treize belustigt feststellte. Er zweifelte nicht daran, dass die Worte, die er jetzt erzählte binnen eines halben Tages jedem Soldaten im Lager weitergereicht wurden. Deshalb achtete er sorgsam auf seine Wortwahl, damit sie sich auch mit dem Bericht deckte, den er für den Kaiser verfasst hatte. „Es wurde ein Tausch ausgehandelt. Der Fürst begleitet uns nach Rom, wenn wir die anderen Germanen freilassen. Deshalb sind der Tribun und ich heute Morgen in den Wald gegangen, wir haben uns mit den Freunden des germanischen Fürsten getroffen."
„Ah."
Treize nickte und war froh, dass er mit dieser Geschichte auf eine Erklärung für seine und Quatres Abwesenheit gefunden hatte. „Doch diese Germanen sind untereinander sehr zerstritten, während die eine Gruppe mit uns verhandelt hatte, haben sich andere Germanen schon am Tag zuvor mit den Händlern in unserer Lager geschmuggelt. Sie waren es, die das Feuer gelegt haben um ihre Waffenbrüder und den Fürsten zu befreien. Ein dummer Zufall das alles. Die Germanen, mit denen wir uns getroffen haben, beteuerten sehr glaubhaft, dass sie nicht mit dem Feuer zu tun hatte. Wie dem auch, das verbrannte Stroh wiegt unsere Geisel allemal auf.", schloss Treize.
„Wie heißt er?"
„Dass, Legionär.", erwiderte Treize scharf. „Ist nicht deine Sache."
„Verzeiht." Decimus deutete einen Verbeugung an und stellte seinen Becher auf den Steinen ab, mit denen die Feuerstelle umrandet war. Er lächelte noch einmal Treize zu. „Braucht ihr noch etwas Legat?", seine Stimme war so leise, dass sie der Wind fast ungehört davontrug.
Treize antwortete nicht, doch seine Augen schienen genug zu sprechen, denn Decimus kam einen Schritt näher, verharrte dann aber unschlüssig an Treizes Seite.
Die Versuchung seine Prinzipien für eine kurze Zeit einmal zu vergessen und das offenkundige Angebot anzunehmen, war zu verlockend. Treize hob die Hand und zog Decimus´ Kopf näher zu sich heran. Kurz streift er die Lippen des Legionärs, dann seufzte er schwer. „Ich danke dir, aber nein. So gerne ich würde."
Er wandte sich ab und ging auf sein Zelt zu. Bevor er die Plane, die den Eingang bedeckte zur Seite schob, wandte er sich nach links und sprach scheinbar in die dunklen Schatten. „Willst du da Wurzeln schlagen Sally?"
Ein kurzer, eindrucksvoller Fluch war zu hören und Sally trat in den Schein des Feuers. Sie sah Decimus nach, der es jetzt auf einmal sehr eilig hatte seine Wache fortzusetzen und stieß Treize mit dem Ellbogen an. „Du bist ein Esel", raunte sie.
Er musste ihr Recht geben und ging dann gleich noch einmal zurück um zwei Becher mit Wein zu holen, während Sally nach dem Germanen sah.
„Du hast es tatsächlich getan?!" Sie grinste und setzte sich in einen der Stühle. Dankbar nahm sie den Becher mit gewärmten Wein an. „Ihn gebadet?"
„Hätte ich es nicht tun sollen? Du hast doch Trowa gesagt, dass es unerlässlich wäre."
Sie lachte. „Ja, aber ich habe es eigentlich nicht erwartet, dass du es tust."
Er setzte sich ihr gegenüber und konnte nicht in ihre Heiterkeit einstimmen. Stattdessen schüttelte er nur den Kopf darüber, dass er sich hatte zum Affen machen lassen.
„Meinst du tatsächlich, dass Zechs sich als brave Geisel aufführen wird, wenn wir in Rom sind?" Sie hatte offensichtlich die Lüge mitangehört, die er Decimus aufgetischt hatte. Treize zuckte nur mit der Schulter. Warum sollte der Germane es nicht tun? Treize rechnete fest damit, dass Zechs ihn mit wertvollen Informationen versorgen konnte, was die Germanen und ihre Schlachtpläne anging.
„Wenn du dich da einmal nicht verschätzt hast.", warnte ihn die Heilerin und trank von ihrem Wein. „Was war eigentlich mit den Jungs?" Sie blickte zur den Scherben der Amphore, die noch immer auf dem Boden lagen und die Treize auch nicht wegräumen würde, das sollte Duo machen.
„Ich weiß es nicht und will es nicht wissen.", mehr sagte Treize dazu nicht.
„Du bist nur neidisch auf sie."
Er verdrehte die Augen und zog es vor nicht zu antworten. Sally spürte, dass dies das falsche Gesprächsthema war und ihr Blick richtete sich auf die Schriftstücke, die auf dem Schreibtisch lagen. „Etwas Neues aus Rom?"
Treize nickte nur, stand dann auf und gab ihr das offizielle Schreiben des Senats, das ihm erlaubte mit den Truppen direkt nach Rom zu marschieren.
„Was bedeutet das?" Sally ließ den Papyrus sinken als sie es gelesen hatte. „Das ist ja gleichbedeutend mit einer Akklamation zum Imperator."
„Ich wusste nicht, dass du dich so gut mit diesen Sachen auskennst." Aber Sally hatte Recht. Treize durfte mit seinen Männern nach Rom marschieren, die ihn zuvor zum Imperator ausgerufen hatten und dies wiederum bedeutete, dass ihm ein Triumphzug gestattet wurde.
Seit Rom keine Republik mehr war und vom Kaiser beherrscht wurde, war ein Triumph jedoch lediglich diesem selbst selbst vorbehalten.
Das Schreiben war vom Senat unterzeichnet und Treize wusste, dass es damit auch vom Kaiser gebilligt war, denn de facto war der Senat nicht mehr als eine Farce, um die Bürger Roms ruhig zu halten.
Warum also sollte der Kaiser gestatten, dass Treize einen Triumph durchführen durfte? Das war doch unlogisch.
„Ich verstehe es nicht.", gab Treize zu. „Das ist für den Kaiser politischer Selbstmord."
Sally legte das Schriftstück wieder zu den anderen auf den Tisch. „Das würde ich nicht so sehen. Der Kaiser schätzt dich sehr, das weißt du."
„Das hier." Treize deutete mit einem Wink auf den Schreibtisch, „ist mehr als nur ein Gunstbeweis."
„Richtig." Sie schien noch einen Moment nachzudenken, doch dann gähnte sie nur und stellte ihren leeren Becher auf den Boden. „Als Arzt hat man den Vorzug sich nicht um Politik kümmern zu müssen. Kranke und verletzte Menschen gibt es immer, egal wer das sagen hat."
Treize musste ihr da Recht geben, für Sally mochte die Sache damit erledigt sein, aber ihn beschäftigte es. Dann war es eben ein sehr großer Gunstbeweis für Treize. Doch das würde die Fraktion der Adligen und Senatoren, die ihm feindselig gegenüberstanden noch verbitterter werden lassen. Vielleicht war es am besten, er schrieb an seine alte Freundin Une in Rom. Une würde sicher etwas wissen. Womöglich war auch schon ein Brief von ihr zu ihm nach Germanien unterwegs. Une wusste immer sehr genau, welcher Klatsch und welche Gerüchte der römischen Gesellschaft für Treize von persönlichem Interesse sein würden.
Während er seinen eigenen Wein austrank kam ihm ein weiterer beunruhigender Gedanke: Was wenn der Kaiser es bewusst wünschte, dass Treize als Imperator nach Rom zurückkehrte... Hieß es etwa, dass er sich Treize als Nachfolger wünschte?
Er lächelte über seine eigenen Hirngespinste. Er hatte wohl eindeutig zu viel Wein getrunken.
