An dieser Stelle noch einmal ein dicker Knuddler an meine Beta Marisol, die mich überhaupt auf die Idee gebracht und mich in dieses Fandom gelockt hat.

Danke für schlaflose Nächte vorm PC, für die Unordnung in meinem Haushalt, weil ich mal wieder nix gebacken bekomme. Danke auch dafür, dass meine Männer inzwischen nicht mehr wissen wie vernünftiges Essen schmeckt, weil's nur noch Dosenfutter gibt. Danke fürs Kettenrauchen, weil ich mal wieder eine spannende SSHG-Fanfic gefunden habe und danke für das Kilo, was ich abgenommen habe, weil ich keine Zeit zum Essen habe.

Vor allem aber, danke, dass es dich gibt festumarm

Ähm, hab ich was vergessen? Ach ja, danke an die Feedbackgeber für die netten Kommentare ;-)

Einige eurer Fragen erklären sich vermutlich schon bald...

Teil 2 – Ein verlockendes Angebot

Das Glas zerbrach in seiner Hand und Hermine sprang erschrocken auf. Ein Blick in seine Augen reichte, um sich vorsichtshalber einen weiteren Schritt zu entfernen, dann erst sah sie das Blut, welches aus seiner geballten Faust tropfte.

„Sie haben sich verletzt", bemerkte sie betroffen und wollte nach seiner Hand greifen, doch Snape riss seinen Arm aus ihrer Reichweite und schnaubte vor Wut.

„Raus hier", zischte er warnend und Hermine war nur zu sehr gewillt, seinem Wunsch nachzugeben, aber nun war sie schon so weit gegangen, da konnte sie es noch einmal versuchen.

„Das ist kein Scherz, Professor. Und ich bin auch nicht verrückt. Ich habe es mir lange und gründlich überlegt. Vielleicht hören Sie sich erst einmal meine Gründe an, bevor Sie mich rauswerfen."

Der Splitter bohrte sich schmerzend in seine Handinnenfläche, aber er spürte ihn kaum. Die Ungeheuerlichkeit ihrer Worte hatten ihn mehr getroffen, als er zuzugeben bereit war.

Zunächst hatte er geglaubt, sie hätte es ernst gemeint, vielleicht einen Rat gewollt, aber dies hier konnte sich nur um einen widerlichen Spaß handeln. Er war zornig und verletzt zur gleichen Zeit. Niemals hatte er angenommen, dass Hermine sich zu so etwas herablassen würde.

Insgeheim stellte er sich vor, wie er sie ohrfeigen würde, aber da war etwas in Ihrer Stimme, dass ihn von seinem Vorhaben abhielt.

Sie war hartnäckig und bevor er sie packen und vor die Tür setzten konnte, plapperte sie drauflos.

„Sie haben in einem Recht. Es geht um Ron und mich. Wir haben uns versprochen, dass wir mit allem warten, bis die Schule vorbei ist. Nach dem letzten Jahr wollen wir nicht überstürzen. Wir haben schon oft darüber geredet und mir wurde immer klarer, dass er zuviel von mir erwartet. All die Jahre hat er sich immer auf mich verlassen und hat mir vertraut. Er glaubt, dass ich schon meine Erfahrungen habe, mit Viktor Krum, aber egal wie oft ich es abgestritten habe, er hält an der absurden Idee fest.

Ich liebe ihn wirklich und er liebt mich. Ich will ihn einfach nicht enttäuschen. Natürlich kenne ich alle Details aus Büchern, aber mir fehlt die Praxis. Professor, ich will ihn nicht betrügen. Es wäre rein wissenschaftlich. Keine Verpflichtungen, keine Gefühle. Sie bringen mir die fehlende Praxis bei und Ron wird glücklich sein. Ich kann jetzt nichts falsch machen. Ich habe noch nie versagt und will es auch diesmal nicht.

Ich bin alle Optionen durchgegangen, aber nur Sie kamen in Frage.

Ich bitte sie. Ich weiß, es ist viel verlangt, Sie mögen mich nicht einmal. Sogar das habe ich bedacht. Es gibt Tränke, die da nachhelfen können und Sie beherrschen diese. Uns würde niemals jemand in Verbindung bringen, daher wäre es auch ein Geheimnis, was auf immer zwischen uns bleibt. In zwei Wochen bin ich fort und wir sehen uns nie wieder. Praktisch bin ich nicht mal mehr Ihre Schülerin und dazu volljährig, somit wäre es auch nicht verboten. Natürlich habe ich auch daran gedacht, jemand anderen zu fragen. Aber den Jungs hier traue ich nicht. Die prahlen höchstens mit ihren Bettgeschichten. Filch kommt ja wohl aufgrund seines Alters kaum in Frage und weitere Lehrer gibt es hier nicht. Ich brauche jemanden mit Erfahrung, klarem Verstand, ohne verklärende Gefühle und ich brauche diesen jemanden jetzt. Bevor die Schule zu Ende ist."

Es war heraus. Sie hatte es geschafft. Und so wie Snape sie ansah, erwartete sie gleich einen unverzeihlichen Fluch.

Der Professor war wie erstarrt und musste das Gehörte erst einmal verarbeiten. Dieses kleine

Besserwisserin meinte es ernst. Sie meinte es wirklich ernst. Und von ihrem Standpunkt aus gesehen, klang es beinahe logisch. Sie wollte diesen Hampelmann von Weasley nicht enttäuschen und ihm seinen Wunsch nach einer erfahrenen Frau im Bett erfüllen.

„Das ist absurd." Hatte er das nur gedacht oder ausgesprochen? Es viel ihm schwer die Fassung wiederzuerlangen und das sollte etwas heißen. Nicht einmal Voldemort war es gelungen seine gelassene Fassade zu brechen, aber dieses Biest hier mit ihrem unmöglichen Anliegen.

„Ja, vielleicht ist es wirklich zuviel verlangt", stimmte sie zu und seufzte. Sie hatte noch einen letzten Trumpf im Ärmel, den es zu ziehen gab, und der kostete sie mehr Kraft als alle UTZ - Grade zusammen. Zu allem entschlossen, öffnete sie ihren Gürtel und ließ den Bademantel auf den Boden gleiten.

Nackt, wie sie erschaffen worden war, stand sie zitternd vor dem Professor und hatte vor Scham die Augen geschlossen. Sie wartete auf etwas. Irgendetwas. Einen Fluch, eine sarkastische Bemerkung. Höhnisches Gelächter. Aber es kam nichts. Erst nach Sekunden wagte sie es vorsichtig, ein Lid leicht zu öffnen.

Beim großen Merlin persönlich, sie hatte Snape noch nie so bleich gesehen. Seine ohnehin wächserne Hautfarbe hatte einen fast weißen Ton angenommen und sein Mund stand halboffen, bereit etwas zu sagen, aber es kam kein einziger Ton hervor. Seine langen dunklen Haare lagen ihm wirr im Gesicht und vermutlich hätte ein Unbeteiligter ihn für verrückt gehalten.

Aber Hermine wusste, dass er es nicht war. Er hatte den Tod gesehen. Mehrfach. Vermutlich war er nur völlig entsetzt.

Wie nah sie mit ihre Vermutung lag, konnte sie nicht wissen, denn Snape dachte wirklich für einen Moment, verrückt zu sein. Niemals, nicht im entferntesten hätte er geglaubt, dass sie so weit gehen würde. Was hatte sie sich denn gedacht? Dass er sofort wie ein Tier über sie herfallen würde?

Natürlich ließ ihn der Anblick nicht kalt. Er war ein Mann, verdammt. Nie hatte er sich vorgestellt, wie Hermine Granger unter ihrer Schuluniform aussah und selbst wenn, so wäre seine Erwartung sicher übertroffen worden. Hatte er sie bisher nur als Mädchen gesehen, wurde ihm nun bewusst, dass er es hier mit einer Frau zu tun hatte.

Seine Fassungslosigkeit währte nur kurz, bis er sich wieder fing. „Ziehen Sie sich wieder an, Miss Granger!", donnert es ihr entgegen und sie folgte seinem Befehl sofort.

Beschämt und mit Tränen in den Augen zog sie sich ihren Bademantel wieder an. Sie hatte sich bis auf die Knochen blamiert und erniedrigt, jetzt bekam sie die Quittung. Was hatte sie auch erwartet? Dass ein Mann wie Snape sie wie ein Neandertaler über die Schulter werfen und in sein Bett schleifen würde?

„Es tut mir Leid", wimmerte sie und hoffte auf so etwas wie Verständnis, doch im gleichen Augenblick wusste sie, dass das zu viel verlangt wäre. Sie erwartete förmlich die nächste Erniedrigung in Form verletzender Worte, wie er es immer tat. Und sie würde jedwede Art der Strafe auf sich nehmen, denn sie hatte es verdient.

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Jetzt weinte sie auch noch. Er konnte mit allem fertig werden. Widersetzlichen Schülern. Hysterischen Eltern. Todessern und dunklen Lords. Aber ertrug keine Tränen. Doch halt, das war gelogen. Es gab oft Schüler, die in seinem Unterricht in Tränen ausbrachen und es berührte ihn kein Stück. Er ertrug 'ihre' Tränen nicht.

Diese Art der Erkenntnis war neu für ihn. Was war nur an diesem Mädchen, an wen erinnerte er sie? An Lily? Intelligent, loyal zu ihren Freunden und bereit für ihre Liebsten bis in den Tod zu gehen? Auch Hermine war bereit eine Menge zu opfern und ihre Loyalität hatte sie mehr als nur einmal bewiesen.

Ärgerlich verscheuchte er den Gedanken wieder und schnaubte wütend. Jetzt wischte sie sich mit einer hilflosen Geste auch noch die Nase an ihrem Ärmel und hätte ihn beinahe dazu gebracht, ihr etwas Tröstendes zu sagen. Es war doch lächerlich. Er begann tatsächlich weich zu werden, sobald eine Frau ihre Hüllen fallen ließ. Er war doch sonst nicht so? Zugegeben, es war schon länger her, dass er in einschlägigen Etablissements gewesen war. Doch nie hatte er so die Beherrschung verloren.

„Ich werde jetzt gehen. Verzeihen Sie mir." Ihre dünne Stimme rührte etwas in ihm und unwillig schüttelte er seinen Kopf.

Hätte er einst Harrys Mutter abgewiesen nach solch einer Bitte? Oder hätte er sich genommen, was ihm bereitwillig angeboten wurde? In einem hatte Hermine Recht. Sie war praktisch keine Schülerin mehr von ihm, die Prüfungen waren vorbei. Und volljährig war sie auch. Dazu kam, dass sie sehr reif war für ihr Alter, wie er mit eigenen Augen festgestellt hatte.

Nachdenklich sah er zu, wie sie wie ein geprügelter Hund zu der Tür schlich.

Es sollte ihm egal sein, was sie dachte. Das mit diesem rothaarigen Wichtigtuer würde sie schon hin bekommen, sie war nicht dumm. Plötzlich sah er vor seinem inneren Auge förmlich diesen Trottel mit seinen gierigen Händen an ihr herumgrapschen und es machte ihn noch wütender.

Auch in dem Punkt hatte sie Recht gehabt. Die Theorie war völlig anders als die Praxis, das kannte er aus eigener Erfahrung.

„Warten Sie", bat er leise und sah wie sie die Klinke wieder losließ. Niedergeschlagen drehte sie sich zu ihm um und wagte kaum, ihn anzusehen.

War er denn ein Idiot, so etwas auszuschlagen? Es würde ihm das größte Vergnügen bereiten, ohne Verpflichtungen und lästige Gefühlsduselei. Und als wunderbarer Nebeneffekt würde er Ronald Weasley mit dem Wissen entlassen, dass er es gewesen war und nicht dieser Holzkopf von Krum, der Hermine in dieses für sie unbekannte Mysterium eingeführt hatte.

Wozu Gewissensbisse? In gewisser Weise war es sogar eine Form von Rache für die Erniedrigungen, die er wegen ihm und Potter hatte erdulden müssen und Hermine gab ihm bereitwillig den Schlüssel dazu. Gut, niemand würde je davon erfahren, aber er würde es wissen und das würde für ein Leben reichen.

„Ist das alles Ihr voller Ernst und sind Sie sich der Konsequenzen auch bewusst? Sie werden keinen Rückzieher in letzter Sekunde machen, weil Ihnen eingefallen ist, dass Sie es moralisch nicht verantworten können? Keine Vorwürfe, wenn es nicht so wird, wie Sie es sich gedacht haben und zu niemanden ein Wort?"

„Mein voller Ernst, Professor Snape. Ich bin mir aller Konsequenzen bewusst und werde bei Dumbledores Grab schwören, dass ich es niemanden sagen werde."

„Also gut, Miss Granger, dann haben wir nun eine Abmachung und jeder wird seinen Teil dazu erfüllen." Auffordernd streckte er ihr seine Hand entgegen und beinahe zögerlich ergriff Hermine sie.

„Abgemacht? Wann fangen wir an? Jetzt?"

„Ein verlockendes Angebot, aber ich muss leider ausschlagen. Morgen um Mitternacht hier bei mir."

Erleichtert schüttelte Hermine seine Hand und bemerkte, dass er sie länger fest hielt als nötig und, vermutlich unbewusst, mit dem Daumen über ihren Handrücken strich. Dann öffnete er ihr sogar die Tür und entließ sie wieder in den kalten, dunklen Flur. Für Sekunden stand sie noch benommen herum und zuckte bei dem Zuschlagen der Tür zusammen. Dann riss sie sich zusammen und machte, dass sie fort kam.

Eilig rannte sie die Stufen hinauf, in einem durch, bis zum Gemälde der fetten Dame, wo sie erst einmal wieder zu Atem kommen musste.

„Himbeergelee", flüsterte sie gerade so laut, dass die Frau im Gemälde ein Auge öffnete und gähnte.

Ohne einen Kommentar ließ sie den nächtlichen Störenfried herein, drehte sich um und schlief weiter.

Hermine konnte jedoch noch lange nicht schlafen. Sie wälzte sich unruhig hin und her, schob ihre Hand unter den Kopf und dachte darüber nach, wie es war, als er mit seinem Daumen über ihren Handrücken gefahren war und dass er für einen kurzen Moment beinahe nett ausgesehen hatte, als er am Schreibtisch über sie gelacht hatte.

Sie fand es beunruhigend, so etwas zu denken. Vermutlich machte ihr schon die Angst vor der kommenden Nacht zu schaffen und energisch zwang sie sich an Ron zu denken. Wie er sie mit großen, verlangenden Augen ansah, wenn sie über das Thema sprachen. Wie er ihre gemeinsame Zukunft plante und schon überlegte, wie ihre Kinder heißen würden. Wie er mit den Augen rollte, wenn sie wieder mal etwas besser wusste als er. Wie er mit ihr stritt und schnell nachgab, nur damit sie nicht böse auf ihn war.

Trotzdem konnte sie nicht verhindern, dass sie beim Einschlafen schwarze, stechende Augen und nicht grüne sah.

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Sie hatte kaum geschlafen und als Ginny sie weckte, war es ihr, als hätte sie gar kein Auge zugetan.

„Hey, was ist denn los mit dir? Du siehst schrecklich aus, wirst du krank?"

Schlagartig wurde Hermine wieder bewusst, was sie getan hatte und im gleichen Augenblick war sie kurz davor, eine Panikattacke zu bekommen. Krank zu werden war sicher nicht die schlechteste Idee, aber es war keine Erkältung, die ihr das Gefühl gab, sich übergeben zu müssen.

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Wie sie den Morgen und das gemeinsame Frühstück überstanden hatte, war ihr auch Stunden später noch ein Rätsel. Sie hatte nichts essen können und auch Ron war rührend besorgt um sie. Dass gerade er sich nun besonders um sie bemühte, verschlimmerte ihre Gefühlslage dazu noch erheblich. Am Schlimmsten aber war der Moment gewesen, als Snape den Speisesaal betreten hatte.

Stoisch wie immer war er an den langen Tischen vorbei gerauscht, der schwarze Umhang aufgebläht wie ein gewaltiger dämonischer Flügel und nicht einen einzigen Schüler seines Blickes würdigend. Sofort verstummten Gespräche, wenn er sich näherte, man flüsterte in seiner Gegenwart und steckte die Köpfe zusammen. Sogar die Luft schien gefährlich zu knistern. Noch nie war es ihr so bewusst geworden.

Himmel, was hatte sie da nur angestellt? War ihr der Plan bis gestern noch besonders ausgeklügelt erschienen, so waren es nun die Zweifel, die sie beherrschten.

Hatte sie am Ende nur geträumt, dass sie bei ihm gewesen war? Sie wünschte es sich zutiefst. Nein, noch immer spürte sie die Nachwirkungen des Weins in ihrem Magen rumoren. Das war weder ein Alptraum noch eine Halluzination gewesen. Für einen Moment erwog sie sogar die Option, den Zeitumkehrer zu benutzen, um sich selbst von ihrem Vorhaben abzubringen, aber die Konsequenzen wären vermutlich gefährlicher als das, was sie bei Snape erwartete.

„Was ist los?", nuschelte Ron neben ihr mit vollem Mund und folgte ihrem starren Blick. Dann sah er, dass Hermine zu Snape sah und unwillkürlich schluckte er den halb zerkauten Bissen herunter.

„Bist auch froh, dass du ihn bald nicht mehr sehen musst, oder? Sogar jetzt noch, wo ich weiß, dass er für Dumbledore gearbeitet hat, verursacht er mir eine Gänsehaut."

Mir auch, dachte Hermine bei sich, aber aus völlig anderen Gründen. Hektisch senkte sie ihre Augen, als sich für Sekundenbruchteile ihr Blick und der des Professors kreuzten.

„Ich für meinen Teil, bin froh, wenn ich ihn nie wieder sehen muss", mischte sich Harry ein. Er hatte seinen Freunden nie die ganze Wahrheit erzählt. Die wahren Beweggründe des dunkelhaarigen Lehrers kannte nur er. Er hatte ihm damals die Erinnerungen gegeben, als er dachte, er würde sterben. Vermutlich bereute es Snape immer noch, aber er hatte ihm gegenüber nie ein Wort darüber verloren und Harry schwieg aus alter Loyalität zu Dumbledore.

Harry wusste, was Severus Snape für ihn getan hatte, aber er wusste auch, dass eigentlich nicht er der Grund dafür gewesen war. Es war lediglich das Andenken seiner Mutter gewesen.

Auch wenn er ihm seine Taten hoch anrechnete, war es ihm nie gelungen, ihm mehr als bloßen Respekt entgegen zu bringen. Snape erinnerte ihn allein durch seine Anwesenheit täglich an die furchtbaren Verluste, die sie erlitten hatten und Harry glaubte, dass wenn er ihn nicht mehr sehen würde, der schlimme Schmerz ein wenig besser werden würde.

„Also ich werde Hogwarts vermissen", seufzte Hermine und betrachte angewidert ihren vollen Teller. „Das Lernen, den Unterricht, diese Atmosphäre. Die vielen guten Erinnerungen."

„Gute Erinnerungen?", spuckte Ron verärgert. „Also ich werde den Kasten sicher nicht vermissen und bin froh, wenn es endlich vorbei ist. Reicht schon, dass das Lernen nach dem Sommer wieder losgeht. Diese ganze Ausbildung zum Auror. Noch einmal Bücher wälzen, büffeln und üben, wie sollte ich da etwas vermissen? Das Beste am Abschluss ist, dass ich Snapes hässliche Visage nicht mehr ertragen muss, oder seine dämlichen Kommentare."

Hermine zuckte bei Rons letzter Bemerkung zusammen. Vermutlich würde er sie zutiefst verachten, wenn er wüsste, was sie für eine Abmachung hatte. Aber dann rief sie sich wieder ins Gedächtnis, dass sie es nur für ihn tat. Ron. Er war ihr Lebensinhalt nach dem Lernen geworden.

Allein die Vorstellung, dass sie sich bald nicht mehr täglich sehen würden, machte sie ganz traurig.

Er und Harry hatten sich ihren Traum erfüllt und würden Auroren werden. Noch immer gab es dunkle Magie. Böse Zauberer und Hexen würde es auch nach Voldemorts Vernichtung geben. Außerdem waren immer noch Todesser auf der Flucht. Es würde Jahre brauchen, sie alle zu finden.

Sie selbst hatte lange überlegt, was sie werden wollte. Sie hatte sogar ernsthaft darüber nachgedacht, Lehrerin für Zauberkunst zu werden, um irgendwann nach Hogwarts zurückzukehren, aber sie brachte es nicht übers Herz, Ron und Harry zu verlassen.

Ein derartiges Studium hätte sie unweigerlich für längere Zeit getrennt. Nun aber würde sie im Ministerium arbeiten, als Spezialistin für die Muggelwelt. Sicher, sie war prädestiniert dafür, aber ihr Traum war es sicher nie gewesen. So hatte sie zumindest die Möglichkeit, Ron zur Not helfend unter die Arme zu greifen, sollte es nötig sein.

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Auch Severus Snape hatte in dieser Nacht keine Ruhe gefunden. Es machte ihm nichts aus, durch seine ehemaligen Aktivitäten war er es gewohnt, manchmal tagelang nicht zu ruhen, aber das war immer aus völlig anderen Gründen gewesen. Damals war es um Leben und Tod gegangen. Nicht um die völlig verrückten Ideen einer jungen Frau.

Er genoss das Gefühl von Macht, wenn er die Gänge zwischen den Tischen entlang ging und alles in seiner Nähe verstummte und in ein Tuscheln überging. Er spürte, wie man ihn mit ängstlichen Blicken verfolgte und die Luft anhielt, sobald er nur in die Nähe kam. Selbst die Schüler seines Hauses fürchteten ihn, auch wenn sie oft so taten, als wäre es nicht so.

Dabei vermied er es, Hermine im Vorbeigehen anzusehen, auch wenn er genau wusste, wo sie saß. Ganz am Ende des Gryffindor-Tisches, zusammen mit Harry und Rons kleiner Schwester. Zum Glück war auch sie bereits im letzten Jahr, bald brauchte er den Anblick sommersprossiger und rothaariger Weasleys nicht mehr ertragen.

Am Tisch verfolgte er scheinbar interessiert einem Gespräch zwischen McGonnagal und Trelawney bei dem es um die große Abschlussfeier ging. Im letzten Jahr, genau wie in dem Jahr davor, war diese im Gedenken an die Opfer abgesagt worden und dies würde das erste große Fest nach Dumbledores Tod werden. Zurecht machte sich die Schulleiterin Gedanken darüber, wie es werden würde. Sie wurde ständig mit ihm verglichen und auch wenn sie ihre Aufgabe gut erfüllte, so würde sie immer im Schatten des großen Vorgängers stehen. Das war auch der Grund gewesen, warum er es ausgeschlagen hatte.

Niemand sollte ihn mit seinem großen Mentor vergleichen.

Sein Blick schwenkte über die Schüler weiter unten und für einen kurzen Moment verfing er sich mit dem von Granger, die jedoch sofort ihre Lider senkte und mit ihren Freunden tuschelte.

Ob sie es schon bereute? Vermutlich würde sie heute Nacht zu ihm kommen und ihn anflehen, sie aus dem Versprechen zu entlassen. Severus kam nicht umhin zynisch zu lächeln bei der Vorstellung daran. Letzte Nacht war es selbst sein Gedanke gewesen, dass sie es sich hoffentlich noch einmal überlegte.

Was aber, wenn sie wirklich kam und sich an die Abmachung hielt? Schlagartig wurde ihm ganz warm.

Es war lächerlich. Absurd. Unvorstellbar. Hermine Granger hatte einen scharfen Verstand und würde sicher eine passable Ausrede erfinden.

Selbst wenn nicht, was hatte er zu verlieren? Man konnte ihn weder zur Verantwortung ziehen, geschweige denn ihm einen Vorwurf machen. Welcher halbwegs gestandene Zauberer würde zu so einem verlockenden Angebot einer attraktiven jungen Dame nein sagen? Den moralischen Aspekt einmal beiseite gelassen. Von so etwas hatte er sich noch nie leiten lassen.

So oder so, es würde ein äußerst interessantes Unternehmen werden. Es ärgerte ihn nur ein wenig, dass er sich tatsächlich eingestand, dass ihn Hermine weitaus mehr beschäftigte, als ihm lieb war.

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Den Nachmittag verbrachten Ron und Hermine gemeinsam damit, Süßigkeiten als Abschiedsgeschenke an die Schüler und Lehrer zu verteilen, was ein alter Brauch auf Hogwarts war. Dabei mussten sie genau aufpassen, um keinen Unterricht zu stören, was trotz der Feierstimmung streng verboten war. Ihre Schulzeit war ein für alle mal vorbei, aber die der anderen ging bis zum Schluss weiter.

So mussten sie ein wenig warten, bis der Wahrsageunterricht vorbei war.

„Was meinst du? Lässt die verrückte Trelawney sie gerade Kaffesatz lesen? Vermutlich hat sie sich wieder irgendein Opfer gesucht und erklärt dem Ärmsten seine schauerliche Zukunft." Ron schüttelte sich bei dem Gedanken, aber Hermine war nicht besonders gesprächig an diesem Tag.

Außerdem erschien ihr nicht zum ersten Mal die eigene Zukunft als nicht das, was sie sich erträumt hatte. Sie liebte Ron, das stand völlig außer Frage, aber musste das wirklich bedeuten, dass sie ihre eigenen Wünsche hinten anstellte?

„Nun, ich persönlich möchte gar nicht in die Zukunft sehen können. Es muss doch schrecklich sein zu wissen, was mit einem passiert und es nicht abwenden zu können." Warum hörten sich ihre Worte verzweifelter an, als es beabsichtigt war?

„Huh? Was ist denn heute nur mit dir los? Was soll schon noch schreckliches passieren nach all dem, was wir durchgemacht haben? Denkst du wirklich, es könnte noch schlimmer kommen? Ab jetzt wird alles gut." Damit drückt er aufmunternd ihre Hand. Er verstand sie nicht, wie so oft, aber er mochte es nicht, wenn sie traurig war.

Die Türen zum Turm gingen auf und eine dritte Klasse kam ihnen kichernd entgegen, bedrängten sie regelrecht, um die heiß begehrten Süßigkeiten zu bekommen. Erst als der letzte versorgt war, gingen sie hinein, um Trelawney etwas anzubieten.

„Hallo Professor, heute schon irgendwas interessantes in der Glaskugel gesehen?", versuchte Ron zu scherzen, aber Hermine fand es nicht lustig. Sie schüttelte ihren Kopf und sah ihren Freund strafend an.

„Oh. Bonbons. Wunderbar, wunderbar.", lachte die seltsam aussehende Professorin mit der schrecklichen Brille. „Ich habe Sie schon kommen sehen." Dabei deutete sie auf eine in ihrem inneren milchig getrübte Glaskugel vor ihr.

Sie nahm ihnen ein paar der Süßigkeiten ab, steckte etwas davon in ihren Mund, starrte weiter auf die gebogene Fläche vor ihr und beachtete die Beiden gar nicht weiter.

„Na, was sagt die Zukunft über uns aus?" Ron zuckte, als Hermine ihm ihren Ellenbogen kräftig in die Seite stieß, aber lachte nur und verdrehte seine Augen, während er zu Trelawney sah, die aufgeregt mit den Augen etwas auf ihrem sonderbaren Bildschirm zu verfolgen schien.

„Ah, Weasley, sehr schön, sehr schön. Ich sehe... oh ... du meine Güte. Sind Sie sicher, dass Sie sieben Kinder haben wollen?"

Ron hustete erschrocken los und Hermine sackte das Herz in die Hose. Sie wollte das nicht hören und auf keinen Fall würde sie sieben Kinder bekommen. Wo blieb dann ihre eigene Karriere? Hatte sie all die Jahre gelernt und gearbeitet, um eines Tages so zu enden? Nichts gegen Molly Weasley, die sie abgöttisch liebte, beinahe wie ihre eigene Mutter, aber sie wollte auf keinen Fall so enden.

„Und Miss Granger, was sehe ich denn da? Sehr interessant, wirklich, sehr interessant." Hermine unterdrückte den Wunsch sich die Ohren zuzuhalten, denn sie wollte nicht hören, dass sie eines Tages inmitten schreiender rothaariger Kinder sitzen würde und ihnen Märchen vorlas.

„Sie werden sehr glücklich werden, auch wenn es sehr viele nicht verstehen werden. Und das tue ich ehrlich gesagt auch nicht." Sie klopfte gegen die Kugel, als könnte sie das Bild darin vertreiben. Hermine wurde noch schlechter, als ihr ohnehin schon war. Sie würde so ein Leben auch noch genießen?

„Also das verstehe ich wirklich nicht, ich bin schockiert!" Entrüstet starrte Trelawney die beiden mit ihren durch die dicken Gläser übergroß erscheinen Augen an.

Das konnte Hermine nun wiederum sehr gut verstehen. Ihre einzige Hoffnung war, dass sich die Lehrerin mal wieder mit ihren Prognosen daneben lag.

„Siehst du? Es wird alles gut. Wir haben beide zusammen eine wunderbare Zukunft." Ron nahm Hermines Hand und zog sie aus dem Klassenraum. „Nur das mit den sieben Kindern sollten wir uns überlegen", meinte er gequält grinsend und schob sie durch die Tür.

Sie sahen nicht mehr wie Trelawney verwirrt immer wieder über die Kugel strich und ihnen dann hinterher blickte.

„Ich hab nichts davon gesagt, dass es eure gemeinsame Zukunft ist", rief sie noch, aber die beiden waren schon längst außer Hörweite.

Arme Miss Granger, dachte sie noch bei sich. Das hätte sie sich niemals zu glauben gewagt. Absolut unwahrscheinlich, dass unter solchen Voraussetzungen ihre Aussage, was das Glück betraf, überhaupt stimmen konnte. Und zum ersten Mal zweifelte die Professorin tatsächlich an dem, was sie gesehen hatte...