So, weiter geht es mit meinem neuen Lieblingspärchen. Zu einigen Dingen, die in den Reviews erwähnt wurden, wollte ich aber noch kurz Stellung nehmen gg

Also, natürlich wirkt die Frage nach den Lehrstunden ein wenig banal gestrickt. Allerdings sollte dies ursprünglich eine Kurzgeschichte von maximal drei Teilen werden, ohne großartigen Plot mit ordentlich Smut. Aber wie so oft, entwickeln die Akteure in meinen Geschichten plötzlich eine seltsame Eigendynamik und weigern sich extrem einfach so miteinander ins Bett zu steigen seufz

Nunja, ich arbeite daran, nur lassen sich in kürzeren Geschichten einfach keine langwierigen Handlungsstränge einbauen, die dazu noch völlig logisch sind.

Mal im Ernst, wer will schon mit so einem Stinkstiefel ins Bett???

Mist – doch so viele? Ok, ich arbeite daran ;-) Vielleicht im nächsten Teil? ...

Teil 4 – Erkenntnisse

Es war merkwürdig, aber trotz allem hatte Hermine noch einige Stunden hervorragend schlafen können. Ihr Gewissen redete ihr zwar hartnäckig ein, dass sie sich besser in Grund und Boden schämen sollte, aber dem war einfach nicht so.

Es war zwar kein Hochgefühl, was sie an diesem Tag beherrschte, aber im Großen und Ganzen war sie zufrieden mit sich.

Ein paar Mal hatte Ron sie aus ihren Tagträumen geweckt, während sie mit den anderen magische Girlanden für den Abschlussball knüpfte, weil sie ständig an das Erlebte denken musste.

„Du tust es schon wieder", stieß er sie an und runzelte die Stirn.

„Was denn?" In ihren Gedanken unterbrochen sah sie auf und bemerkte, dass Ron sie seltsam ansah.

„Du summst."

„Tu ich nicht."

„Doch. Du hast gesummt. Ich versteh dich nicht. Gestern hast du noch trübe Stimmung verbreitet und heute benimmst du dich, als hättest du massenweise Traumkekse verdrückt."

Hermine antworte ihm nicht, sondern widmete sich weiter ihrem Zauberstab, den sie leicht hin und her schwenkte, damit sich die Girlande immer weiter drehte und auffädelte, im Takt einer imaginären Musik.

„Weiber", knurrte Ron und sah nach Harry, der ihm nickend zustimmte. Ginny hatte ihm eben erzählt, dass sie gehört hatte, wie Hermine gestern Nacht herumgeschlichen war. Sie hatte sie nicht darauf angesprochen, da sie gedacht hatte, sie wäre zu ihrem Bruder gegangen, aber Harry war sich sicher, dass er gehört hätte, wenn Ron neben ihm Besuch bekommen hätte.

Noch wollte er nichts sagen, bevor er nicht mit Hermine selbst gesprochen hatte. Vielleicht hatte sie auch nur nicht richtig schlafen können und war herum gewandert.

Erst am späten Nachmittag ergab sich für ihn die richtige Gelegenheit. Die vergangenen Jahre hatten sie zusammen geschweißt. Irgendetwas ging mit Hermine vor sich, ihr Verhalten war nicht so wie sonst. Vielleicht war sein bester Freund zu verliebt das zu erkennen, aber Harry spürte instinktiv, dass sie etwas vor ihnen verbarg.

Schon seit Tagen war sie so seltsam in sich gekehrt gewesen und gestern erschien sie regelrecht deprimiert. Dagegen war sie heute wiederum wie verwandelt. Das war nicht die Hermine, die er kannte.

Er war mit ihr unterwegs nach Hogsmeade, um noch einige Besorgungen zu machen, während Ron und seine Schwester lieber in Hogwarts geblieben waren.

Während sie von Laden zu Laden gingen, hatte Harry Mühe, den richtigen Ansatz zu finden. Letztendlich beschloss er einfach mit seiner Frage nicht mehr hinterm Berg zu halten.

„Sag mal, was ist eigentlich los mit dir? Du benimmst dich seit Tagen so seltsam, dass es mir wirklich Sorgen macht. Erst bist du deprimiert und heute vergisst du die Hälfte." Sie waren schon dreimal an dem Geschäft vorbei gelaufen, in dem sie etwas von ihrer Einkaufsliste bestellt hatten.

Das war einfach völlig untypisch sie.

Misstrauisch zog Hermine ihre Bauen zusammen uns sah ihren langjährigen Vertrauen an.

„Warum, wie kommst du darauf?" Ihre Stimme klang eine Spur zu schrill für seinen Geschmack.

Sie verschwieg ihm etwas. Hatte er bisher nur angenommen, es würde die Aufregung über das Ende ihrer Schulzeit sein, so wusste er schlagartig, dass da noch mehr hinter steckte.

„Du musst nicht reden, wenn du nicht willst. Hast du Probleme mit Ron?" Wenn es so war, dann ging es weder ihn noch Ginny etwas an.

„Nein?" Warum aber klang dann aber ihre Antwort eher wie eine Frage?

„Hast du schon den neuen Besen gesehen? Hyperblitz 5000, schau dir den mal an."

Harry sah nur kurz auf das neueste Besenmodell. Er kannte ihn schon aus einem Prospekt und wenn es seine Zeit erlaubte, würde er auch weiterhin Quidditch spielen, aber das musste sich erst einmal ergeben. Hermine versuchte ihn eindeutig vom Thema abzulenken.

Ganz offensichtlich wollte sie ihm nichts sagen und es kränkte ihn ein wenig. Nach all dem, was sie zusammen durchgemacht hatten, hatte er sich ein wenig mehr Vertrauen gewünscht. Schweigend folgte er ihr, aber beschloss insgeheim Ginny zu bitten, ein wenig auf Hermine zu achten.

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Was immer auch Snape von ihr dachte, er vermied es bei den Mahlzeiten streng auch nur einmal in Hermines Richtung zu sehen. Ganz im Gegensatz zu ihr, die bei jeder Gelegenheit hinüber zum Lehrertisch sah und ihn beobachtete. Es waren viele Kleinigkeiten, die ihr plötzlich auffielen und ihr früher nie ins Auge gefallen waren. Die Art wie er aß, aufrecht und erhobenen Hauptes und immer den Blick über die Tische gerichtet. Sie hatte das Gefühl, dass er genau beobachtete, was um ihn herum vor sich ging. Die seltsame Art, wie er sich zur Seite neigte, wenn einer seiner Kollegen mit ihm sprach und wie er immer eine kleine Pause machte, bevor er etwas erwiderte, als würde er jedes einzelne Wort genau überlegen.

Sie kannte diesen Lehrer nun schon etliche Jahre und es hatte Zeiten gegeben, wo sie sich ernsthaft vor ihm gefürchtet hatte. Doch irgendwie schien dieses Gefühl in ihr zu bröckeln, was allein die Tatsache bewies, dass sie trotz allem zu ihm gegangen war.

Warum interessierte es sie plötzlich, was ihn hatte so werden lassen? Gut, einiges wusste sie schon von Harry. Dessen Vater und seine Freunde mussten wohl so manchen üblen Scherz mit ihm getrieben haben. Dann seine Vergangenheit als Todesser und später als engster Verbündeter Dumbledores. Er war loyal und zuverlässig, daran zu zweifeln bestand nun kein Grund mehr. Was aber nichts an seinem Charakter geändert hatte.

Trotzdem musste es noch eine andere Seite an ihm geben. Warum hätte er ihr sonst helfen wollen?

Hatten sie am Vortag noch Zweifel beherrscht, überhaupt das Richtige zu tun, waren es nun ganz andere Bedenken.

„Hermine?" Jemand rüttelte an ihrer Schulter und sie wurde aus ihren Gedanken gebracht. Nur widerwillig lenkte sie ihren Blick zu dem Störenfried und erkannte Ginny, die sie fragend ansah.

„Ich frage dich jetzt schon zum dritten Mal, ob du mir beim Ändern meines Kleids für den Ball helfen kannst."

Hermine hatte nicht einmal bemerkt, dass Ginny mit ihr gesprochen hatte. „Aber natürlich", beeilte sie sich ihr zu vergewissern und drehte ihren Kopf wieder zum Lehrertisch. Ginny schaute ihren Bruder und Harry an, die heftig über die neuesten Sportberichte im Tagespropheten diskutierten, und niemand von den Beiden schien zu bemerken, was sie schon seit geraumer Zeit beobachtete.

Nachdenklich setzte sie sich wieder auf ihren Stuhl und las weiter die Post ihres Bruders, der ihr von Zuhause berichtete, und wie stolz alle auf sie und Ron waren. Trotzdem lenkten sich ihre Blicke automatisch wieder zu Hermine, die immer noch wie hypnotisiert hinauf zu den Lehrern starrte.

Irgendetwas ging mit Hermine vor sich, da hatte Harry völlig Recht. Und sie würde noch herausbekommen, was mit ihrer Freundin los war.

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Entgegen jeder Logik machte sich Hermine an diesem Abend weitaus mehr Gedanken über die Beweggründe des Professors, ihr zu helfen, als darüber, dass ihr eigentlich vor Angst die Zähne klappern sollten.

Es war ja nicht so, dass er besonders liebenswürdig zu ihr gewesen wäre. Obwohl man ihn beinahe schon so bezeichnen konnte, immerhin hatte er sie weder beleidigt, noch verletzt.

Es war schon recht spät, wie ihr ein Blick auf das magische Stundenglas auf ihrem Nachttisch verriet. Aber Harry und Ron waren diesmal länger aufgeblieben, weil sie mit ihrer Quidditch-Mannschaft die Strategien für ihr letztes Spiel am nächsten Tag durchgingen. Sie konnte immer noch Stimmen aus dem Aufenthaltsraum der Gryffindors hören.

So langsam wurde sie wirklich nervös. Angezogen lag sie auf ihrem Bett und versuchte etwas zu lesen, aber sie blätterte nur die Seiten um, ohne dass sich ihr der Inhalt überhaupt erschloss.

„Hast du noch etwas vor?" Aufgeschreckt sah Hermine zu Ginny herüber, die nur ein Bett weiter lag. Sie hatte angenommen, dass ihre Freundin schon schlief, aber die Rothaarige hatte sie wohl schon eine Weile beobachtet.

„Äh, nein, natürlich nicht. Ich war nur in dem Buch vertieft, es war gerade so spannend", log sie, doch Ginny sah nicht so aus, als würde sie ihr glauben, denn sie zog lachend ihre Bauen nach oben.

„Alternative Formeln der Arithmantik sind spannend? Ich dachte, du kannst die alle auswendig?"

Das tat Hermine auch und seufzend warf sie das Buch zur Seite. Eigentlich hatte sie es nur herausgelegt, weil sie es aussortiert hatte. Endlich schien es auch unten ruhiger zu werden, die Jungs gingen wohl endlich alle in ihre Betten, um fit für das Spiel zu sein. Trotzdem würde es noch dauern, bis sie sich wegschleichen konnte, ohne dass jemand etwas merkte.

Um Ginny nicht noch misstrauischer zu machen, nahm sie ihren Zauberstab und saß keine fünf Sekunden später in ihrem Schlafanzug auf dem Bett.

„Diese letzten Tage auf Hogwarts sind schon seltsam, oder?", fragte sie Rons kleine Schwester, legte sich auf den Rücken und stopfte ihr Kopfkissen fest unter ihren Nacken. Hermine löschte das Nachtlicht und der Schlafsaal war nun völlig dunkel. Sie musste noch mindestens eine Stunde warten, bevor sie sich wegschleichen konnte, doch das würde bedeute, dass sie zu spät kam.

„Ja, es ist wirklich seltsam", bestätigte Hermine leise und gähnte laut und vernehmlich. Sie war nicht müde, im Gegenteil. „So viele Jahre – und nun sind sie vorbei. Mir wird das alles hier wirklich fehlen."

„Warum hast du Ron eigentlich nie gesagt, dass du Lehrerin werden willst?"

Vor Monaten hatte sie einmal mit Ginny darüber gesprochen, eher beiläufig, als es um ihre Zukunftspläne ging. Warum sie gerade jetzt diese Frage stellte, war Hermine ein Rätsel.

„Es war nur eine Idee, Ginny, mehr nicht. Ron braucht mich. Und im Ministerium war man froh, mich als Fachkraft zu bekommen". Das war nicht einmal gelogen, sondern untertrieben. Mit ihren Referenzen wäre sie überall mit Begeisterung aufgenommen worden.

„Harry und ich werden uns auch nicht mehr täglich sehen, wenn ich weiter studieren werde und ins St. Mungo's gehe." Ginnys Wunsch war es gewesen, als Heilerin zu arbeiten, und anscheinend war es zwischen den Beiden auch nie ein Problem gewesen. Ein wenig beneidete Hermine Ginny und Harry für ihre unkomplizierte Beziehung.

„Ginny, ich bin müde, lass uns morgen darüber reden, ja?" Hermine hatte ein schlechtes Gewissen, ihre Freundin so abzuwürgen, aber sie würde ein weitaus größeres haben, wenn sie zu spät käme.

„Gute Nacht, Hermine."

Doch Ginny konnte nicht schlafen. Sie hatte gesehen, wie Hermine immer wieder zu dem Lehrertisch gesehen hatte. Vielleicht war ihre beste Freundin doch traurig, dass sie nicht wie sie weiter studieren und Lehrerin werden würde? Zumindest wäre das eine logische Erklärung für Hermines Verhalten. Trotzdem war da noch etwas anderes.

Nach einer Weile, ohne zu wissen, wie viel Zeit vergangen war, hörte sie ein seltsames Geräusch. Eigentlich waren überall Geräusche. Das laute Atmen und leise Schnarchen ihrer Mitschüler, Eulenschreie von draußen und der Wind, der leise an ihren Fenstern rüttelte, aber dieses war anders.

Hermine, schoss es ihr durch den Kopf. Das leise Knistern kam eindeutig von dem Bett neben ihr. Für einen Moment war Ginny versucht, das Nachtlicht anzufachen, aber dann entschied sie sich anders. Aufmerksam lauschte sie und wartete ab. Da schlich sich eindeutig jemand davon.

Vielleicht musste sie einfach noch einmal ins Bad, mutmaßte Ginny, aber vorsichtshalber entschloss sich so lange wach zu bleiben, bis Hermine wieder da war.

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„Sie sind zu spät", dröhnte es ihr entgegen, als sie endlich Snapes Büro erreicht hatte. Sie war noch völlig außer Atem, weil sie so gerannt war und irgendwie irritiert, weil kein gewohntes 'zehn Punkte Abzug für Gryffindor' hinter herkam. Erst dann fiel ihr ein, dass die Zeit des Punkteabzugs endgültig vorbei war. Sie war wirklich viel zu spät, denn Mitternacht war längst vorbei.

„Ich konnte mich nicht eher weg. Einige Schüler waren noch länger wach."

„Ersparen sie mir Ihre Ausreden", schnarrte Snape gehässig und Hermine nickte schuldbewusst.

Er betrachtete sie so intensiv, dass Hermine richtig unwohl wurde. Erst jetzt wurde ihr bewusst, was sie für ein Bild abgeben musste. Mit dem Wunsch, nicht unpünktlich zu sein, war ihr völlig entgangen, dass sie noch ihren Pyjama trug.

Nun war es zu spät. Sie hatte auch keinen Zauberstab dabei, so dass sie sich hätte umziehen können, also atmete sie tief durch und begann langsam an den mit Stoff überzogenen Knöpfen ihres Schlafanzugs zu nesteln.

„Darf ich fragen, was das wird?", unterbrach er sie ernst und Hermine sah auf.

Mit verschränkten Armen, die Hände unter den Achselhöhlen, stand er nur einige Schritte von ihr entfernt vor ihr und funkelte sie böse an.

„Ich zieh mich aus."

„Habe ich das verlangt?"

„N…Nein." Hermine schluckte. Immer wenn sie etwas besonders gut machen wollte, ging es daneben.

„Ich soll nicht denken", flüsterte sie, sich seine Worte vom letzten Mal ins Gedächtnis rufend, bevor er auch nur ein weiteres Wort sagen konnte.

„Absolut. Noch einmal so etwas und unsere Abmachung ist hinfällig", warnte er mit kalter Stimme und Hermine nickte heftig. Sie kannte ihn gut genug um zu wissen, dass er es auch so meinte.

Oder sagte er es nur, damit sie mit Absicht etwas Falsches tat?

„Vielleicht nutzen Sie das nächste Mal Ihren angeblich so ausgeprägten Verstand. Ein einfacher Illusionszauber und Sie wären pünktlich gewesen", durchschnitt er scharf ihre Gedanken und Hermine hätte sich am liebsten die Hand vor den Kopf geschlagen. Das hätte ihr wirklich selbst einfallen können. Sie kannte den Zauber, ein scheinbar schlafendes Abbild von sich selbst zu erschaffen. Das würde sie beim nächsten Mal tun. Sofern es ein nächste Mal gab. Sie hatte ja keine Ahnung, was der Professor plante.

Sie wollte wirklich aufhören zu denken.

„Außerdem möchte ich Sie darauf hinweisen, dass Sie mich während der Mahlzeiten nicht so anstarren sollten, wenn Sie wollen, dass diese Zusammenkünfte geheim bleiben."

Er hatte es bemerkt? Hermine war wirklich erschrocken. Dabei hatte er sie nicht ein einziges Mal angesehen.

Natürlich war es ihm es ihm nicht entgangen. Die ganze Zeit über hatte er ihre Blicke wie Nadelstiche gespürt. Leider hatte er sie nicht an Ort und Stelle zurechtweisen können, ohne Aufsehen zu erregen.

Nach der letzten Nacht, so hatte er gehofft, hätte er sie genügend schockiert, sich niemals mehr auch nur in seine Nähe zu wagen und seine Vermutung schien sich bestätigt zu haben, als sie nicht erschien.

Umso überraschter war er, als sie eine halbe Stunde später, völlig abgehetzt, in sein Büro gestürzt war. Diese Granger hatte wirklich Courage und setzte alles daran, ihren lächerlichen Plan umzusetzen.

„Es wird nicht wieder vorkommen", versprach sie mit fester Stimme.

„Gut. Ich hasse es, unentwegt anglotzt zu werden. Und damit das nicht gleich auch passiert, werde ich mich eines kleines Hilfsmittels bedienen."

Misstrauisch zog Hermine ihre Brauen zusammen, sagte aber kein Wort, als er sich vorbeugte und etwas aus einer Schublade zog. Erst als er aufstand und zu ihr ging, sah sie das Tuch in seiner rechten Hand.

Widerspruchslos ließ sie zu, dass er ihr die Augen verband und die plötzliche Dunkelheit erschrak sie ein wenig. Solange sie etwas sehen konnte, hatte sie auch die Kontrolle. Zumindest bildete sie sich das ein. Kontrollverlust war etwas, was sie ängstigte.

„Betrachten Sie es als kleine Hilfe zu unserer nächsten Lektion", erklärte er, während er den Knoten an ihrem Hinterkopf fest zog.

Angespannt ruckte ihr Kopf in die Richtung seiner Stimme. Sie hörte wie er um sie herum ging und spürte seinem Atem auf ihrem Gesicht, als er direkt vor ihr stand.

„Jetzt, meine Liebe, stellen Sie sich vor, ich wäre ihr kleiner Ronald", raunte er ihr zu, doch Hermine hörte genau den süffisanten Unterton in seiner Stimme heraus. Sie wusste, dass ihr das nur schwer gelingen würde, trotzdem versuchte sie sich das Abbild ihres Freundes vor ihr geistiges Auge zu holen.

Das Bild verschwand, kaum, dass er ihre Hände genommen hatte. Sie hatte nicht den Hauch einer Ahnung was nun kommen würde und war überrascht, als er sie auf seine Brust legte.

„Teil zwei der Verführung: Ziehen Sie mich aus."

Hermine schwor sich bei allen großen Zauberern der Welt niemals mehr irgendetwas zu erwarten, was diese Art von Unterricht anging.

Natürlich hatte sie angenommen, dass 'es' in einem relativ unbekleideten Zustand geschehen würde, aber zumindest war sie davon ausgegangen, dass jeder für sich dafür sorgte, die Kleidung abzulegen.

Das war beinahe noch peinlicher, als sich vor ihm auszuziehen.

Ihre Hände begannen zu zittern als sie begann, vorsichtig nach dem obersten Knopf seines Gehrocks zu tasten. Wie sollte sie sich dabei bloß Ron vorstellen? Allein die Vorstellung, wie er in seinem Anzug aussehen würde, reizte sie beinahe zum Lachen.

Ihre Hand verschwand so weit an dem Aufschlag, dass sie die Knöpfe bequem zwischen Daumen und Zeigefinger lösen konnte. Stück für Stück strich sie immer weiter nach unten, bis der Stoff auseinander klaffte. Langsam zog sie ihn über seine Schultern, bis sie ihn in der Hand hielt.

Darunter schien er noch etwas zu tragen, aber sie konnte ja nichts sehen. Für einen Augenblick stand sie ein wenig hilflos da, aber dann nahm er ihr den Gehrock einfach ab und eine Sekunde später hörte sie das Rascheln des Stoffs rechts von ihr. Vermutlich hatte er ihn einfach achtlos beiseite geworfen.

Es war erstaunlich, wie sehr sich die anderen Sinne schärften, wen man eines beraubt wurde. Sie hörte das Knistern des Feuers im Kamin, das Geräusch seines Atems, wie er außer Takt geriet. Vor allem aber hörte sie das aufgeregt Klopfen ihres eigenen Herzens. Auch die Gerüche verstärkten sich in ihrem Eindruck. Es roch ein wenig nach altem Pergamenten, dabei war es nicht unangenehm, denn sie mochte diesen Geruch. Nach Kräutern, Pulvern und... Plätzchen? Hermine war überrascht, als sie es einordnete. Es war Professor Snape, der irgendwie ein wenig nach – sie konnte es schwer beschreiben – eben Plätzchen roch.

Ihre Hände suchten ihn wieder und tasteten über seine Brust. Er trug eindeutig noch eine Art Shirt, also strichen ihre Finger nach unten an den Rand des Hosenbunds. Für einen Moment überlege sie, was sie tun sollte. Auf keinen Fall wollte sie sich einen Rüffel holen, also entschloss sie sich erst einmal die Hose zu öffnen, das war besser, als an dem Hemd zu zerren.

Als ihre Finger den Knopf fanden hörte sie genau, wie er für einen Augenblick die Luft anhielt und zischend entließ. Hatte sie etwas falsch gemacht?

Erwartungsvoll lauschte sie auf eine weitere Reaktion, aber da nichts von ihm kam, entschloss sie sich, weiter zu machen.

Nun war es ein leichtes, den feinen Stoff des Hemds herauszuziehen und es ihm über die leicht angehobenen Arme auszuziehen. Erneut musste er ein wenig nachhelfen, da sie zu klein war, um es allein zu schaffen.

Sie war nicht umhin gekommen, seine Haut unter ihren Händen zu spüren und war überrascht, wie warm und fest sie doch war. Warum hatte sie sich ihn immer nur kalt und muffig vorgestellt?

Mutig geworden, wanderten ihre Hände über seine Brust bis hinunter zu seiner leicht geöffneten Hose. Es war faszinierend zu spüren, wie die Bauchmuskeln unter ihrer leichten Berührung anfingen zu flattern. Automatisch hakten sich ihre Daumen in den Bund, als sie seine Hüften entlang strich und erneut hörte sie genau, wie er das Atmen einstellte.

Sie musste in die Hocke und als sie sicher war, dass er aus den Hosenbeinen getreten war, richtete sie sich wieder auf, behielt dabei aber ihre Handinnenflächen an den Außenseiten seiner Beine, bis sie wieder vor ihm stand und ihre Finger das letzte berührten, was er noch an hatte.

Die ganze Situation hatte für sie etwas Surrealistisches bekommen. Ohne es zu wollen, hatte sich ihre Atem und Pulsfrequenz verdoppelt. Die Shorts folgte den gleichen Weg wie zuvor die schwarze Hose und sie hörte genau, wie er die zuvor angehaltene Luft zischend aus seiner Lunge ließ.

Zu gerne hätte sie mit eigenen Augen gesehen, was sie nur kurz mit ihren Händen hatte ertasten konnte. Sehnige, straffe Haut, fest und warm. Einige Unregelmäßigkeiten hatten auf Narben hingedeutet.

Noch immer hatte kein Wort gesagt, lediglich sein warmer Atem auf ihrem Gesicht bewies ihr, dass er überhaupt noch vor ihr stand.

Sie war sicher, alles richtig gemacht zu haben. Ohne jede Eile und mit der notwendigen Vorsicht.

Beinahe war sie versucht, sich triumphierend die Binde vom Kopf zu reißen, aber er fing ihre Hand ab, bevor sie auch nur ihr Gesicht berührt hatte.

„Sie wollen sich doch nicht ihre wunderbare Illusion zerstören?" Seine Stimme klang angestrengt, fast krächzend, und Hermine hatte keine Ahnung, wovon er redete. Er hielt ihre Hand noch für einen Augenblick fest und ließ sie dann abrupt los, als hätte er ein glühendes Eisen angefasst.

Hermine war irritiert, aber sie wartete ab und hörte zu, wie er sich offensichtlich wieder anzog. Sie sah es praktisch, hörte genau, wie er den Reißverschluss tätigte und wie der Stoff des Shirts über seine Haut glitt.

Erst dann trat er auf sie zu und löste ihre Augenbinde.

„Ich hoffe, der Schock ist nicht zu groß?"

Von was sprach er da? Hermine blinzelte in die ungewohnte Helligkeit und es dauerte etwas, bis sie wieder alles erkennen konnte. Snape stand vollständig angezogen vor ihr, lediglich die beiden Kragenknöpfe seines Gehrocks standen offen und ließen den Blick auf den schwarzen Rand eines Shirts frei.

Sie war beinahe enttäuscht, dass es schon vorbei war und stand noch unentschlossen herum. Ob es sehr vermessen war, ihn etwas zu fragen?

„Ist noch etwas?" Offensichtlich erwartete er, dass sie endlich ging, aber Hermine war auf seltsame Weise noch viel zu aufgewühlt.

„Ich würde gerne wissen, was mich morgen erwartet." Immerhin hatte er sie gefragt, sollte sie lügen?

„Warum? Haben sie schon die Nase voll?"

Er war an sie herangetreten und hatte sich vor ihr aufgebaut und Hermine kam es vor, als würde sie in seiner unmittelbaren Gegenwart schrumpfen.

„Nein. Es ist nur so, dass ich mich sonst immer auf meinen Unterricht vorbereitet habe."

„Schon vergessen? Meine Regeln, Miss Granger. Außerdem habe ich das Gefühl, Sie denken schon wieder zuviel nach." Er hatte sich zu ihr herunter gebeugt und seine Nasenspitze berührte fast die ihrige. Seine Hände gruben sich in ihre Schultern, bis es fast schmerzte, und trotzdem konnte sie ihren Blick nicht abwenden.

Dann zog er leicht an dem dünnen seidigen Stoff ihres Pyjamas und legte ein Stück ihres Halses frei. Hermine war wie gelähmt und sie wusste, dass es ein Fehler gewesen war zu fragen. Für eine Sekunde dachte sie, er würde sie beißen, als sich sein Mund der Stelle zwischen Hals und Schulter näherte, aber berührte sie nur mit den Lippen und zog dann mit seiner Zunge eine feuchte Spur bis zu ihrem Ohr. Als er dann noch darüber blies, glaubte sie gleich umzukippen, weil die Knie ihren Dienst versagen wollten.

Ein unartikuliertes Röcheln entfloh ihrer Kehle und erschrocken über sich selbst zuckte sie zurück.

Snape ließ sie los und seine Augen flackerten, als er sie höhnisch angrinste.

„Das erwartet Sie morgen, Miss Granger. Und einiges mehr. Doch wenn Sie das schon furchtbar finden, wäre es besser, Sie ersparen sich den Rest und überlassen die Sache mit Weasley und Ihnen der Natur, oder schließen sich einem im Zölibat lebenden Hexenzirkel an. Gute Nacht."

Sie ließ sich ohne Widerstand nach draußen geleiten und stolperte förmlich durch die Gänge hinauf zum Turm der Gryffindors.

Es dauerte ein wenig bis ihr Verstand wieder rational und in geordneten Bahnen arbeitete und ihr das Passwort einfiel, damit sie die Gemächer betreten konnte.

Im Gesellschaftsraum fiel sie praktisch erst einmal auf eines der bereitstehenden Sofas und starrte an die dunkle Decke.

Was in aller Welt war da eben passiert? Erst nach und nach fielen ihr alle Einzelheiten wieder ein und eine Gänsehaut jagte die andere auf ihren Armen. Und jetzt erst, hier oben im Turm fiel ihr ein, was Professor Snape mit seinen seltsamen Andeutungen von Illusion und Schock gemeint hatte.

Der wahre Schreck durchfuhr nun erst ihre Glieder und sie sackte förmlich zusammen, weil sie sich so schämen musste.

Sie hatte keine Minute dabei an Ron gedacht...

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Sehr viel weiter unten nahe der Kerker, saß Serverus Snape an seinem Schreibtisch und sah nachdenklich in sein Glas mit Feuerwhiskey. Er war kein Freund solcher Getränke, aber es war das einzige, was stark genug in seinem Magen brannte, dieses andere Brennen in seinem Inneren wenigstens halbwegs zu betäuben.

Was hatte er sich nur dabei gedacht, dieser Närrin nachzugeben? Rache? Das erschien ihm in Anbetracht der Dinge plötzlich gar nicht mehr so verlockend. Eine derartige Selbstkasteiung ähnelte eher einem Cruciatus-Fluch. Er war so nahe daran gewesen, seine Beherrschung zu verlieren und die niedrigsten aller Instinkte an die Oberfläche zu lassen, dass ihm ganz schlecht wurde. Nur gut, dass er ihr die Augen verbunden hatte, so war ihm wenigstens erspart geblieben, dass sie auch noch sah, wie sehr er auf sie reagiert hatte.

Noch einmal leerte er sein Glas und fühlte, wie die feurige Flüssigkeit sich in seinen Eingeweiden verteilte. Er hasste es, die Fassung zu verlieren. Erst Recht in Gegenwart einer Schülerin.

Einer ehemaligen Schülerin, verbesserte er sich.

Ein derartiges Verlangen hatte er nicht mehr gespürt – seit wann? Er verbot sich an seine Jugend und an Lily zu denken. Das war vorbei. Niemand würde mehr auf ihn herum trampeln, ihn hänseln oder dumme Scherze mit ihm treiben. Niemals mehr würde er es wieder ertragen, abgewiesen zu werden, von der, die er mehr als alles andere begehrt hatte. Nie wieder würde er diesen mitleidigen Blick sehen wollen...

Ärgerlich warf er mit Schwung das Glas in das nächstbeste Regal und sah zu, wie dabei noch einige andere Gläser und Behälter zu Bruch gingen und bei der Mischung der unterschiedlichen Inhalte dunkler Rauch aufstieg.

Anscheinend verwandelte ihn die Nähe dieser aufreizenden kleinen Nymphe wieder in einen hormongesteuerten, pubertären Teenager. Sollte sie tatsächlich wagen, noch einmal bei ihm aufzutauchen, würde er ihren hübschen kleinen Hals zudrücken und sie umbringen. Allerdings war es äußerst unwahrscheinlich, wenn er länger darüber nachdachte. Sie war so entsetzt gewesen, als er ihr gezeigt hatte, was als nächstes auf zu zukommen würde, und das war auch kein Wunder.

Es war ihm sowieso ein Rätsel, wie sie auf diese idiotische Idee gekommen war, gerade ihn zu fragen. Ihn, den meist gehassten, verabscheuten und verrufensten Zauberer. Es gehörte schon eine ordentliche Portion Schwachsinn dazu, zu einem Mann zu gehen, der ihr Vater sein könnte.

Und warum, bei allen dunklen magischen Kreaturen der Welt, machte er sich überhaupt soviel Gedanken?

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Auf Aufforderung hier kein Fragezeichen nach dem Tbc – und ich wünsche euch noch frohe Weihnachten!